2009-07-21

Israel spannt bezahlte Blogger f�r PR ein

--- Langsam erkl�rt sich der Trend zur Cyber-Mobilisierung bei deutschen Diplomaten, denn Israel war offenbar mal wieder schneller und vor allem konsequenter:
After they became an inseparable part of the service provided by public-relations companies and advertising agencies, paid Internet talkbackers are being mobilized in the service in the service of the State. The Foreign Ministry is in the process of setting up a team of students and demobilized soldiers who will work around the clock writing pro-Israeli responses on Internet websites all over the world, and on services like Facebook, Twitter and Youtube. The Foreign Ministry�s department for the explanation of Israeli policy* is running the project, and it will be an integral part of it. The project is described in the government budget for 2009 as the �Internet fighting team� � a name that was given to it in order to distinguish it from the existing policy-explanation team, among other reasons, so that it can receive a separate budget. ... �To all intents and purposes the Internet is a theatre in the Israeli-Palestinian conflict, and we must be active in that theatre, otherwise we will lose,� Elan Shturman, deputy director of the policy-explanation department in the Foreign Ministry, and who is directly responsible for setting up the project, says in an interview with Calcalist. �Our policy-explanation achievements on the Internet today are impressive in comparison to the resources that have been invested so far, but the other side is also investing resources on the Internet. There is an endless array of pro-Palestinian websites, with huge budgets, rich with information and video clips that everyone can download and post on their websites. They are flooding the Internet with content from the Hamas news agency. It is a well-oiled machine. Our objective is to penetrate into the world in which these discussions are taking place, where reports and videos are published � the blogs, the social networks, the news websites of all sizes.

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Obama ruft Blogger bei Gesundheitsreform zu Hilfe

--- US-Pr�sident Barack Obama beschreitet ungew�hnliche Wege, um f�r seine umstrittene Reform des maroden Gesundheitswesens in den USA zu werben. So hat er sich nun -- offenbar erstmals -- in einer Telefonkonferenz direkt an Blogger gewandt und um Unterst�tzung gebeten:
President Obama, along with senior advisers David Axelrod and Nancy Ann DeParle, held a conference call with bloggers this afternoon to discuss healthcare reform and the need for grassroots and netroots pressure on Congress to keep the urgency of the issue alive. ... President Obama strongly reiterated his basic principles for a reform bill:

Cover all Americans
Drive down costs over the long term for both the private and public sector
Improve quality
Strengthen prevention and wellness
Enact real insurance reforms that end exclusions for preexisting conditions, etc.
Relief to small businesses
Create a robust public option

But the main message of the call was the urgency of getting this done sooner rather than later. In answer to John Amato's first question about the latest push for delays from Democrats and Republicans alike, President Obama answered that "we've been debating this for 50 years, that now's the time to make the tough decisions" with the options now on the table.

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2009-07-20

Diplomatenblatt wirbt f�r Cyber-Mobilisierung

--- Ungew�hnliche T�ne aus einem Diplomatenblatt:
Berliner Think-Tanks fordern die Nutzung �ffentlicher Internetforen zum Zweck staatlicher Propaganda und Subversion. Virtuelle Plattformen, �ber die Millionen Menschen weltweit kommunizieren, k�nnten als "Instrumente der Rebellion" gegen missliebige Regimes eingesetzt werden, hei�t es in der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft f�r Ausw�rtige Politik. Voraussetzung hierf�r sei es, die "Debattenhoheit" in den entsprechenden Medien zu erringen; dies erm�gliche dann auch gezielte Unterst�tzung f�r die expansionistischen Ma�nahmen der Berliner Au�enpolitik. Gleichzeitig warnt die Zeitschrift vor den Gefahren einer staatlich unerw�nschten Mobilisierung von Menschen via Internet. F�r den Fall, dass sich "virtuelle Netzwerke" der Kontrolle entz�gen, seien - hei�t es - wirksame "Gegenstrategien" zu entwickeln. Wie die Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft f�r Ausw�rtige Politik ("Internationale Politik") in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt, lassen sich Web 2.0-Foren wie Facebook, MySpace, YouTube oder Twitter f�r "professionelle politische Kampagnen" einsetzen. Insbesondere in den L�ndern der sogenannten Dritten Welt entfalteten die neuartigen Kommunikationsmedien "eine beeindruckende Wirkung", hei�t es. Als Beispiele werden via Facebook organisierte Protestaktionen gegen die Regierungen des Iran, Zimbabwes und �gyptens angef�hrt, aber auch Mobilisierungen gegen die marxistische Guerillabewegung FARC in Kolumbien. Konkret genannt werden die iranische Pr�sidentschaftswahl 2009 und die Wahlen in Zimbabwe 2008.

Wie die "Internationale Politik" weiter ausf�hrt, m�sse man die genannten Internetplattformen als "Werkzeug" f�r "die ins Ausland gerichtete Public Diplomacy" nutzen. Insbesondere aus Menschen, die in den "Krisenregionen" der Welt lebten, k�nne man auf diese Weise "aktive Akteure" im Sinne der deutschen Au�enpolitik machen. Die Bev�lkerungen fremder Staaten lie�en sich nicht nur als Aktivisten nutzen, sondern auch als Zutr�ger strategisch relevanter Informationen, hei�t es: Das in den "Web 2.0-Communities" weltweit akkumulierte "kreative Potenzial" lasse sich nicht nur von transnational agierenden Unternehmen, sondern auch von der deutschen Politik gewinnbringend "absch�pfen".
Der Kampf um die Interpretationshoheit im Cyberspace ist in vollem Gange.

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2009-04-02

re:publica: Die deutsche Bloggerszene nach dem Hype

Deutsche "Alpha-Blogger" zeigten sich zum Auftakt der gr��ten Konferenz der noch jungen "Branche" in Berlin gr��tenteils ern�chtert �ber die eigenen M�glichkeiten und ihre gesellschaftliche Relevanz. "Die ganz gro�e Aufregung um Blogs ist verschwunden", konstatierte Stefan Niggemeier, der als klassischer Medienjournalist und Blogger seit einigen Jahren zwischen beiden Welten wandelt, am heutigen Mittwoch auf der re:publica. Die traditionelle Presse habe herausgefunden, "dass man sich aus Sicht des Publikums" nicht wirklich mit den eifrigen Betreibern von Webjournalen besch�ftigen m�sse. Zugleich zeigte sich der Autor entt�uscht dar�ber, "wie wenig eigenen Content Blogs generieren". Die meisten w�rden nach wie vor als zwar durchaus interessante Wegweiser zu interessanten Inhalten im Web fungieren, diese aber nur in selten F�llen selbst publizieren oder "gro�e politische Debatten" starten. Das Potenzial von Weblogs liege so ziemlich brach, vermisste Niggemeier "viel mehr Leute mit Sendungsbed�rfnis".

Robert Basic, der mit der Versteigerung seines Stammblogs "Basic Thinking" f�r 46.902 Euro vor kurzem einen gr��eren Medienrummel ausl�ste und mittlerweile seine Notizen unter eigenem Namen weiter f�hrt, beklagte eine Medienkampagne gegen die Konkurrenz von unten. Die Betreiber von Web-Journalen seien gerne als "Pyjama-Blogger" abgetan worden und dem h�tte die Szene zu wenig entgegengesetzt: "Wir haben uns beeinflussen lassen von den Stimmen, die aus der Presse kamen." Selbst verdient Basic aber monatlich zwischen 3000 und 5000 Euro mit Bloggen und kann sich nicht �ber mangelnde Aufmerksamkeit beschwerden. Er r�umte auch ein, dass sich die Vorturner der Zunft manchmal etwas zu wichtig genommen h�tten: "Wenn du gelesen wirst von ein paar tausend Leuten, denkst du, du bist der King."

Vor allem auf spezielle Themen zugeschnittene Blogs florieren laut Sascha Pallenberg, Betreiber von Netbooknews.de, unterdessen: "Ich bin vom Erfolg v�llig �berrannt worden." Schon zwei Monate nach dem Start seiner Aktivit�ten vor eineinhalb Jahren habe er seinen Job in den USA gek�ndigt, nach drei Monaten bereits f�nfstellige Ums�tze gemacht und pendele nun zwischen den Kontinenten. Viele deutsche Kollegen w�rden aber zu viel nachdenken, statt einfach zu experimentieren. Weitere Besonderheit der deutschen Blogosph�re sei es, dass "mehr gegen- als miteinander gearbeitet wird". Es gebe auch wenig "professionelle" Blogger hierzulande, stichelte der Weltenbummler selbst lautstark mit: "Man muss eine auff�llige Frisur haben oder sich einen pseudo-intellektuellen Touch geben."

Auch Markus Beckedahl von Netzpolitik.org und Mitorganisator der dieses Jahr rund 1400 Besucher anziehenden Konferenz f�hlte sich in seiner Nische wohl und zeigte keine Ber�hrungs�ngste zu anderen Bloggern in seinem Beritt. Er begr��te vielmehr, dass davon eine "netzpolitische Bewegung" ausgehe und freute sich �ber bloggende Mitstreiter im Kampf gegen Internetzensur oder rund um Datenschutzfragen.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass ihre rechtliche Situation prek�r sei und dringend klarere Gesetze vor allem zur Haftung der Forenbetreiber n�tig seien. Beckedahl monierte, dass die Politik schon beim Erlass des Telemediengesetzes (TMG) eine Nachbesserung in diesem Bereich versprochen habe. Nun wolle das Bundeswirtschaftsministerium das Konstrukt zwar wieder anfassen, aber nur, um Websperren vorzuschreiben. Basic sah daher den Bedarf an einer professionellen Interessensvertretung f�r Blogger immer gr��er werden: "Jeder kann mich in Grund und Boden klage, nur, weil ich schreibe." Wenn das so weitergehe, sei mit einer "Internetrevolution" im Stile von 1848 zu rechnen.

Unterschiedlich nahm die Runde die neu dazugekommenen Selbstmitteilungsformen in sozialen Netzwerken oder �ber Twitter auf. Niggemeier empfand die Plattform f�r "Mikro-Blogging" als "Verlust", da sie zu kurzatmig und fl�chtig sei. G�ngige Eintr�ge in Blogs k�nnten dagegen zwar auch schnell sein, zugleich aber mehr Bestand haben. Pallenberg lobte Statusmeldungen etwa auf Facebook dagegen als "gute Erg�nzung" zum eigentlichen Web-Journal. Auch Beckedahl sah darin eine Anreicherung der Kommunikationslandschaft und hatte gleich eine Idee f�r ein aussichtsreiches Startup parat: "Es m�ssen Wege gefunden werden, um die Diskussionen wieder zusammenf�hren."

Der US-Blogforscher John Kelly hatte zuvor den Appell ausgegeben, die Blogosph�re "offen, frei, transparent und reich an unterschiedlichen Stimmen" zu halten. Seinen Messungen der Verlinkungen zwischen Blogs innerhalb verschiedener Sprachr�ume und zwischen diesen einzelnen Meta-Netzwerken h�tten ergeben, dass sich ein viel enger verkn�pfter sozialer Interaktionsraum ohne gro�e Grenzen zwischen einzelnen Mediengattungen entwickle. Das Diagramm zur deutschen Bloggerszene erinnerte ihn dabei an das Abbild der USA in seinen fr�hen Tagen, da die meisten Links noch auf die traditionellen Medien ausgerichtet seien. Diese Verkn�pfungen h�tten aber nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Einen "viralen", lang anhaltenden Charakter k�nnten dagegen vor allem Links auf YouTube-Videos annehmen. F�r Johnny Haeusler von Spreeblick.com sind Blogs zudem "im Mainstream" angekommen, erl�uterte der Mitveranstalter das Konferenzmotto "Shift happens": "Wir werden die ersten vernetzten Rentner sein, auch wenn wir keine Rente mehr kriegen."

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2008-09-26

EU-Parlament knapp an Vorsto� zu Blogger-Regulierung vorbeigeschrammt

--- Das EU-Parlament hat gestern zwei Berichte zu den Themenbereichen Weblogs, B�rger-Journalismus bzw. Citizen Journalism und Medienpluralismus beschlossen, die etwas zwiespaeltig sind. Einerseits freuen sich die Volksvertreter �ber die Vielfalt alternativer Medien im Netz, andererseits haben sie Bedenken wegen teils mangelnder Qualit�t des Gebotenen oder der Beachtung von Urheber- und Pers�nlichkeitsrechten. "B�rgermedien" sollen zudem nur unter engen Voraussetzungen (mit rein nationalen Mitteln) gef�rdert werden. Insgesamt sind die Abgeordneten an einer Initiative zur engen Regulierung von Weblogs noch mal knapp vorbeigeschrammt. Aus der Presseinformation zu dem einen Bericht zum Komplex Medienkonzentration:
Mit der Resolution betonen die Europa-Abgeordneten, wie wichtig unabh�ngige Journalisten und Redaktionen sind. Die Europa-Abgeordneten m�chten zudem, dass Ziele und die Hintergr�nde von Eignern von Medienh�usern und Verlegern bekannt gemacht werden und ermutigen auch dazu, die Eigentumsverh�ltnisse und Verflechtungen an Medienunternehmen offen zu legen. Die Abgeordneten �u�erten sich zudem besorgt �ber die F�higkeiten der Medien, als Kontrolleure in der Demokratie zu agieren, wenn private Medien vordringlich auf Gewinn aus sind. Auch vor einer zu gro�en Konzentration von Medienmacht (die dann auch politisch bedeutsam werden kann) warnten die EU-Abgeordneten. Deshalb sollten das Wettbewerbsrecht und das Medienrecht miteinander verkn�pft werden.

Das Europaparlament h�lt fest, dass Blogger einen Beitrag zur Meinungsvielfalt leisten. Die Abgeordneten ermutigen in ihrer Resolution aber zu einer Diskussion �ber den Status von Bloggern (sind es etwa - auch - Journalisten?). Die Berichterstatterin Marianne Mikko trat Bef�rchtungen entgegen, die EU wolle Blogger regulieren: "Als ich den Cyberspace betrat, gab es sofort Reaktionen von Bloggern. Ich m�chte allen ganz klar sagen, dass niemand daran interessiert ist, das Internet zu regulieren."

Die Abgeordneten unterstrichen zugleich auch die Wichtigkeit, das Urheberrecht auch im Internet zu sch�tzen; Blogger sollten zudem deutlich machen, wenn sie Inhalte von anderen direkt �bernehmen. Auch sollen Suchmaschinen-Betreiber und E-Mail-Dienste sowie Soziale Netzwerke ihren Nutzern mehr Auskunft dar�ber geben, welche Daten �ber sie gespeichert werden.
Eine Pressemitteilung mit �hnlichem Tenor gibt es von den Gr�nen.

Die beschlossenen Volltexte im Einzelnen zum Nachlesen: "Medienkonzentration und -pluralismus in der Europ�ischen Union" sowie "Gemeinn�tzige B�rger- und Alternativmedien in Europa".

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2008-05-13

The Revolution will be - twittered

--- Es war zu erwarten gewesen: Nach den Tsunami-Bloggern wird nun Twitter bzw. Micro-Blogging als gro�e Medienrevolution nach dem j�ngsten chinesischen Erdbeben ausgerufen, wobei dpa sich inzwischen auch schon mal von einem Blogeintrag von SiliconValley.com inspirieren l�sst:
Wo sonst Meldungen �ber das Mittagessen, die Kinder oder die langweilige Arbeit stehen, wurde es am Montag ernst. Chinesische Internet-Nutzer informierten mit dem Webtool Twitter �ber das Erdbeben. Noch w�hrend am Montag in S�dchina die Erde bebte, verbreitete sich die Meldung von der Naturkatastrophe im Internet. Bewohner der Provinz Sichuan, die die Ersch�tterungen am eigenen Leib mitbekamen, setzten Meldungen mit dem Kurznachrichten-Dienst �Twitter� ab. �EARTH QUAKE in Beijing??�, schrieb ein chinesischer Nutzer. Der amerikanische Blogger Robert Scoble (�Scobleizer�) griff die Mitteilungen auf. Nun nimmt er f�r sich in Anspruch, dank des Internets als erster �ber das Beben berichtet zu haben - noch vor den etablierten Medien und dem Geologischen Dienst der USA. ... In der Blogosph�re ist eine Diskussion �ber die Bedeutung von Twitter entbrannt. Manch Blogger meint, der Dienst revolutioniere die Verbreitung von Nachrichten - schneller als �ber Twitter lie�en sich kaum Neuigkeiten sammeln und verbreiten, zumal aus entlegenen Regionen wie Sichuan. Kritiker halten dem entgegen, dass schnell nicht gleich zuverl�ssig sei.
Mehr dazu in einem BBC-Blog: Let's see, as this story unfolds, whether this is the moment when Twitter comes of age as a platform which can bring faster coverage of a major news event than traditional media, while allowing participants and onlookers to share their experiences.

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2008-04-10

Huffington Post im Scheinwerferlicht

--- W�hrend die deutsche Bloggerszene vergangene Woche auf der re:publica mit sich selbst besch�ftigt war und mehr oder weniger still und leise vor sich hingruschelt und Abmahnungen f�rchten muss, jubelt Spiegel Online gerade mal die Huffington Post zum Wahlkampf-beeinflussenden Alpha-Blog hoch:
Was f�r eine Karriere: Die streitbare Million�rin und Kolumnistin Arianna Huffington hat ihr Blogger-Netzwerk zum einflussreichsten Alternativmedium der USA gemacht. Jetzt forderte sie die gr��ten und wichtigsten Zeitungen des Landes heraus - und bestimmt entscheidend den Vorwahlkampf mit. ... Ein ganz normaler Tag f�r die "Huffington Post". Politik, Wirtschaft, Buntes, Klatsch: Die Inhalte des im weitesten Sinne politischen Blog-Angebotes sind eine wilde Mischung. Dazu geben Hunderte Gastblogger aus dem riesigem Bekanntenkreis der Gr�nderin Arianna Huffington ihren Senf: Filmstars wie Alec Baldwin, Steve Martin, Mia Farrow und Tim Robbins. Senatoren wie Evan Bayh, Joe Biden und Barbara Boxer. Sex-Autorin Erica Jong, Watergate-Legende Carl Bernstein, Ex-General Wesley Clark, �ber-Producer Quincy Jones und New-Age-Guru Deepak Chopra.

In nicht mal drei Jahren seit ihrer Gr�ndung hat sich die "HuffPo", wie sie nur genannt wird, vom Online-Experiment zur wichtigsten Informationsquelle f�r Millionen Amerikaner gemausert. So macht sie, als Meinungsf�hrer der Google-Generation, langsam auch den etablierten Medien Konkurrenz - und mischt mit ihrem Kessel Buntes aus News und Kommentar kr�ftig im US-Vorwahlkampf mit. Und der hat die ungeniert progressiv-linke Seite jetzt ganz an die Spitze katapultiert: Im Februar schrieb der Ratingdienst Nielsen der "HuffPo" 3,7 Millionen Page-Visits zu, mehr als doppelt so viele wie noch im Dezember 2007. Womit die "HuffPo" erstmals den konservativen "Drudge Report" �berholte, den bisherigen Platzhirsch unter den Polit-Blogs - auch das ein Zeichen f�r das gewandelte Klima in den USA. ...

Auf der Blog-Hitliste "Technorati" rangiert die "HuffPo" als meistverlinkte Adresse auf Platz eins, vor der Tech-Site "TechCrunch", dem linken Ur-Blog "Daily Kos" und dem Klatsch-Blog "TMZ". Das Magazin "Time" f�hrt die "HuffPo" als einen der "25 besten Blogs der Welt". Als der Demokrat Barack Obama sich im Skandal um seinen Ex-Pastor Jeremiah Wright verteidigen wollte, tat er das zun�chst nicht mit einer Pressekonferenz oder einer Rede. Sondern mit einem Essay in der "HuffPo". Auch Hillary Clinton steuerte im Februar einen Blog-Eintrag bei, zum Thema "Kinderarmut" - obwohl die meisten "HuffPo"-Blogger, inklusive Arianna Huffington, offen Obama unterst�tzen. ...

In Zukunft will Huffington dar�ber hinaus "mehr und mehr" investigative Eigenrecherche "mit Gesinnung" wagen, um damit ausdr�cklich der "New York Times" und der "Washington Post" Konkurrenz zu machen.
Liegt das nur am deutlich gr��eren englischsprachigen Lesepublikum oder ist Deutschland einfach kein echtes Bloggerland?

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2008-03-17

Studie: B�rger-Journalisten haben noch wenig Einfluss

--- Glaubt man der neuen Studie The state of the American news media in 2008, ist es noch nicht so weit her mit der demokratisierenden Wirkung des Internet im Medienbetrieb. Eine Meldung von AP dazu in der Netzeitung:
Das Internet hat den Journalismus deutlich ver�ndert - einer US-Studie zufolge aber auf eine Art, wie sie noch vor wenigen Jahren nicht zu erwarten war. W�hrend lange Zeit eine Demokratisierung der Medien durch zahlreiche neue Stimmen, Geschichten und Perspektiven im Netz vorhergesagt wurde, scheint sich die Nachrichtenagenda tats�chlich eher zu verengen. Laut dem am Sonntag ver�ffentlichten j�hrlichen Zustandsbericht der Nachrichtenmedien, die das Projekt f�r Exzellenz im Journalismus erstellte, sammeln viele Webseiten lediglich Nachrichten, die an anderer Stelle produziert wurden. Zwei Themen - der Krieg im Irak und die US-Pr�sidentenwahl 2008 - beherrschten im vergangenen Jahr in den USA mehr als ein Viertel der Geschichten in Zeitungen, im Fernsehen und online. Abgesehen von Irak, Iran und Pakistan machten Geschichten �ber den Rest der Welt weniger als sechs Prozent der Nachrichten in den USA aus. Bemerkenswert sei auch, dass zwar die Zielgruppe f�r traditionelle Nachrichten in gleicher St�rke erhalten bleibe, die Zahl der Mitarbeiter bei den Nachrichtenorganisationen aber tendenziell schrumpfe, sagte Tom Rosenstiel, Direktor des Projekts. Die meisten Nachrichtenwebsites sind au�erdem nicht mehr Endziel der User.
Beim Project for Excellence in Journalism vom Pew Research Center liest sich das Ganze in der Einleitung so: Looking closely, a clear case for democratization is harder to make. Even with so many new sources, more people now consume what old media newsrooms produce, particularly from print, than before. Online, for instance, the top 10 news Web sites, drawing mostly from old brands, are more of an oligarchy, commanding a larger share of audience, than in the legacy media. The verdict on citizen media for now suggests limitations. And research shows blogs and public affairs Web sites attract a smaller audience than expected and are produced by people with even more elite backgrounds than journalists. Certainly consumers have different expectations of the press and want a changed product. But more and more it appears the biggest problem facing traditional media has less to do with where people get information than how to pay for it � the emerging reality that advertising isn�t migrating online with the consumer. The crisis in journalism, in other words, may not strictly be loss of audience. It may, more fundamentally, be the decoupling of news and advertising. This more nuanced recognition is also putting into clearer relief what news people see as their basic challenge: somehow they must reinvent their profession and their business model at the same time they are cutting back on their reporting and resources. Blogger sind also noch nicht das Mega-Ding, f�r die traditionellen Medien sieht es aber auch nicht sonderlich gut aus. Vielleicht sind ja dann doch Twitter und Co. die Zukunft des Kurznachrichtenaustauschs.

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2007-12-20

Ist der Journalismus im Web 2.0 noch zu retten?

--- Peter Ehrlich hat einen anregenden Kommentar �ber die Qualit�tssicherung der Medienberichterstattung in der FTD geschrieben:
Ist es Journalismus, wenn ein RTL-Fernsehteam den Ex-Arbeitslosen Henrico Frank in eine Bundespressekonferenz mit dem SPD-Vorsitzenden Kurt Beck einschleust? Einen Wortwechsel der beiden M�nner inszeniert, die vor einem Jahr auf einem Weihnachtsmarkt aneinandergerieten - und dann �ber das "Ereignis" berichtet? Wie am Montag geschehen? ...

Seri�ser Informationsjournalismus braucht ein G�tesiegel, eine Produktkennzeichnung, wie es sie f�r Elektroger�te oder Biolebensmittel gibt. Die Lobredner der Blogosph�re und der weiten Welt der Internetforen, des Web 2.0 und der direkten Information erkl�ren diese Art von Journalismus gelegentlich f�r �berholt. Journalisten klassischer Medien wiederum blicken oft hochn�sig auf das, was wie eine weltumspannende Sch�lerzeitung wirkt. Beide Haltungen sind falsch. Auch wenn das Internet vor allem allt�glichen Informationsbed�rfnissen dient, also digitaler Treppenhaustratsch und Marktplatz ist, st�rkt es zugleich die politische und gesellschaftliche Kommunikation. ...

Journalismus wird deshalb aber nicht �berfl�ssig. Im Gegenteil: Es geht um eine Dienstleistung, die ihrem Nutzer Zeit spart, indem sie wichtige Entwicklungen zusammenfasst und einordnet. Wenn die Quellen der Information korrekt vermerkt sind, kann jeder Nutzer sich weiter informieren, und er wird dabei implizit auch die Qualit�t der Zusammenfassung bewerten. Beeintr�chtigt wird seri�se Nachrichtenvermittlung weniger durch die vielen Angebote und Quellen im Web. Der Informationsjournalismus leidet mehr unter der Jagd nach Einschaltquoten und Klickzahlen. ...

Journalismus als Informationsvermittlung muss klar von anderen Medieninhalten unterscheidbar sein. Dazu geh�rt, dass er sich eindeutigen Regeln unterwirft. Die meisten Zeitungen etwa unterziehen sich einer freiwilligen Selbstkontrolle, dem Deutschen Presserat. Der hat Regeln aufgestellt, etwa �ber die Abgrenzung zur Werbung, �ber die Ber�cksichtigung von Pers�nlichkeitsrechten und die sachliche Korrektheit von Informationen. ...

N�tig w�re statt des Presserats und der Rundfunkr�te ein Deutscher Medienrat. Wer sich den Regeln dieses Rats unterwirft und bereit ist, R�gen bei Verst��en zu ver�ffentlichen, k�nnte das von mir geforderte Qualit�tssiegel bekommen.

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