2008-02-29

Datenbank der Irak-L�gen der Bush-Regierung

--- Schon ein bisschen �lter, aber unbedingt noch nachzutragen: Das Center for Public Integrity und der Fund for Independence in Journalism haben eine frei durchsuchbare Datenbank der L�gen und Falschdarstellungen von Mitgliedern der US-Regierungen rund um den Irak-Krieg in Form der angeblichen Bedrohungen durch das Saddam-Regime und sein bis heute nicht gefunden Massenvernichtungswaffen ins Netz gestellt:
President George W. Bush and seven of his administration's top officials, including Vice President Dick Cheney, National Security Adviser Condoleezza Rice, and Defense Secretary Donald Rumsfeld, made at least 935 false statements in the two years following September 11, 2001, about the national security threat posed by Saddam Hussein's Iraq. Nearly five years after the U.S. invasion of Iraq, an exhaustive examination of the record shows that the statements were part of an orchestrated campaign that effectively galvanized public opinion and, in the process, led the nation to war under decidedly false pretenses. On at least 532 separate occasions (in speeches, briefings, interviews, testimony, and the like), Bush and these three key officials, along with Secretary of State Colin Powell, Deputy Defense Secretary Paul Wolfowitz, and White House press secretaries Ari Fleischer and Scott McClellan, stated unequivocally that Iraq had weapons of mass destruction (or was trying to produce or obtain them), links to Al Qaeda, or both. This concerted effort was the underpinning of the Bush administration's case for war. ...

In short, the Bush administration led the nation to war on the basis of erroneous information that it methodically propagated and that culminated in military action against Iraq on March 19, 2003. Not surprisingly, the officials with the most opportunities to make speeches, grant media interviews, and otherwise frame the public debate also made the most false statements, according to this first-ever analysis of the entire body of prewar rhetoric. President Bush, for example, made 232 false statements about weapons of mass destruction in Iraq and another 28 false statements about Iraq's links to Al Qaeda. Secretary of State Powell had the second-highest total in the two-year period, with 244 false statements about weapons of mass destruction in Iraq and 10 about Iraq's links to Al Qaeda. ...

Bush and the top officials of his administration have so far largely avoided the harsh, sustained glare of formal scrutiny about their personal responsibility for the litany of repeated, false statements in the run-up to the war in Iraq. There has been no congressional investigation, for example, into what exactly was going on inside the Bush White House in that period.


Und sonst: Blogger gegen Putin und Medwedew. Russische Netzautoren bilden mit ihrer oft bei�enden Kritik an Pr�sident Putin und seinem Kandidaten Medwedew ein Gegengewicht zur Kreml-Presse. Die Bedingungen, unter denen sie das tun, sind oft schwierig.

US Air Force schr�nkt Zugang zu kritischen Blogs drastisch ein: The Air Force is tightening restrictions on which blogs its troops can read, cutting off access to just about any independent site with the word "blog" in its web address.

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2007-08-17

Putin und Sarkozy oben ohne

--- Symbolische Politik mit Oben-ohne-Fotos gestandener Staatsm�nner f�llt dieses Jahr das Sommerloch:
Der postheroische Polit-Softie ist out: Der Staatsmann von Welt l�sst die Muskeln spielen. Damit diese gut sichtbar sind, zieht er sich aus. Waschbrett statt Wampe hei�t die Devise - nicht nur bei Wladimir Putin. Der Ex-Agent Wladimir Putin �berrascht jetzt mit Oben-ohne-Fotos, beim Fischen am Jenissej-Fluss warf er sich wie Bond in die Brust und angelte damit die Aufmerksamkeit der Welt�ffentlichkeit (mehr...). Der russische Pr�sident ist nicht der erste, der sich auszog, um politisch anziehender zu wirken: Auch Berlusconi und Sarkozy stellten ihr Dekollet� zur Schau und demonstrierten damit Sportsgeist, Gesundheit und Tatendrang. Die Ikonografie passt zum politischen Klima: Der Softie hat ausgespielt, zumal Krisenherde wie der Irak und Afghanistan den ganzen Mann fordern. Der zeigt sich, wie in Putins Fall, als Outdoor-K�mpfer, dessen Pose signalisiert: Ich kann jederzeit vom Feldherrenh�gel herunterklettern und selbst mitk�mpfen. Wie Putin in Tschetschenien waren - beziehungsweise sind - auch Berlusconi und Sarkozy Feldherren. Sowohl Italien als auch Frankreich k�mpfen in Afghanistan, wo sich die geopolitischen und ideologischen Machtfragen zu handfesten Kriegen ausgeweitet haben. Vorbei also die Zeiten, als ein Top-Politiker wie Matthias Platzeck aufgrund von Burnout k�rzer treten konnte: Der Staatsmann neueren Zuschnitts ist nicht nur reflektiert, sondern vor allem trainiert. Da k�nnen Historiker lange von der posthistorischen �ra reden, in der Wehrpflicht und Soldatenehre als Auslaufmodelle gelten - mit Putin und Sarkozy kehrt Testosteron als Treibstoff zur�ck in die politische Maschinerie. Vorbei ist auch die Epoche der Saumagen-Mampfer und Sport-Verweigerer: Ein Typ wie Helmut Kohl w�re in unseren heutigen, von Fitness, Rucola und Yoga bestimmten Zeiten �sthetisch und PR-stragegisch gar nicht mehr vermittelbar. Und kein Politiker k�nnte es sich heute noch leisten, "No sports!" zu rufen - es sei denn, er h�tte ein autoaggressives Verh�ltnis zu Umfragewerten. Die deutsche Regierungschefin kann es ihren Kollegen nicht gleichtun. Im Gegenteil: M�chtige Frauen tendieren dazu, geschlechtsneutral, das hei�t auch k�rperlos zu werden. Feminit�t gilt im Politgesch�ft nach wie vor als Zeichen von Schw�che, sie wird mit n�chternen Outfits und gro�er Sachlichkeit kompensiert. Angela Merkel braucht keine Arbeitsphysis; sie brilliert als diplomatische Software, nicht als Hardware mit Lizenz zum T�ten.
Und sonst: Die Blogosph�re bzw. die wachsende Szene der bloggenden Journalisten differenziert sich weiter aus: Die Geld-Blogger. Ob Bahnstreik oder B�rsenkrise: Auf offene Wirtschaftsfragen bieten bloggende Experten im Internet viele Antworten.

Wer spinnt denn da in der Wikipedia herum? Wer bislang an den Artikeln der Internet-Enzyklop�die Wikipedia herumdokterte, konnte sich hinter seiner Anonymit�t verstecken. Leser konnten zwar sehen, dass Eintr�ge ver�ndert worden waren - aber nicht, durch wen. Lediglich ein schwer identifizierbarer Zahlencode, die sogenannte IP-Adresse, lie� vage R�ckschl�sse auf den Autor zu. Mit dieser Anonymit�t ist es jetzt vorbei, jedenfalls teilweise: Virgil Griffith, ein junger Computerspezialist aus Kalifornien, hat eine Software entwickelt, mit der sich zuordnen l�sst, zu welcher Institution bestimmte IP-Adressen geh�ren. Einige Manipulationen, die Griffith mit seinem "Wikipedia Scanner" bereits zutage f�rderte, haben es in sich. ... So wurden von Computern des Vatikans aus Passagen zum nordirisch-katholischen Politiker Gerry Adams getilgt. Durch die S�uberungen verschwanden Hinweise auf eine m�gliche Beteiligung des Sinn-Fein-F�hrers an Mordanschl�gen w�hrend der Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland. ... Besonders beliebt scheint das Redigieren von Wikipedia-Eintr�gen bei Unternehmen zu sein. In einem Eintrag zu Diebold, einer US-Firma, die Wahlautomaten herstellt, fehlte pl�tzlich ein nicht unbedeutender Aspekt: Der Chef hatte im Wahlkampf gro�e Summen an US-Pr�sident George W. Bush gespendet. Hinter der Manipulation, so fand Griffith heraus, stand offensichtlich ein Diebold-Mitarbeiter. Mehr zum Wikiscanner und den aufgedeckten spin jobs bei Wired News und heise online.

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2007-02-10

Irak-Krieg: Bush soll in die Irre gef�hrt worden sein

--- H�bsche Realsatire zu den Beweggr�nden f�r den Irak-Krieg:
Der ehemalige Leiter der Politik-Planungsabteilung im US-Verteidigungsministerium, Douglas Feith, habe im Wei�en Haus von einer �u�erst engen und ausgereiften Beziehungen zwischen der Extremistenorganisation al-Qaida und der irakischen F�hrung gesprochen, als ob es sich um eine Tatsache handle, kritisierte der Pentagon-General-Inspekteur Thomas Gimble gestern Abend. Gegenteilige Erkenntnisse der Geheimdienste habe Feith dabei schlichtweg ignoriert. Feith "zeigte die andere, abweichende Seite nicht". Feiths Handlungen seien in einigen F�llen unangemessen gewesen, weil sie ihre Abweichung von Erkenntnissen der Geheimdienste nicht deutlich gemacht h�tten, sagte Gimble. So habe Feith angegeben, dass Monate vor den Anschl�gen vom 11. September 2001 sich ihr Drahtzieher Mohammed Atta mit einem irakischen Beh�rdenvertreter getroffen habe. Die US-Geheimdienste h�tten dies jedoch nicht belegen k�nnen. Gimble kam auch zu dem Schluss, dass Ex-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz Feith beauftragt habe, alternative Geheimdiensterkenntnisse zu verfolgen. Gimble berief sich auf den Untersuchungsbericht, den er nach einj�hriger Arbeit im Auftrag des Geheimdienstausschusses des Senats am Freitag vorstellte. Trotz der Erkenntnisse wird darin empfohlen, keine Konsequenzen aus den Vorw�rfen zu ziehen. Die inzwischen vollzogenen Personalwechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums und der Geheimdienste machten eine Wiederholung unwahrscheinlich.
Und sonst: The Good Russian: Der russische Pr�sident Wladimir Putin hat den USA und der Nato unter anderem eine gef�hrliche Militarisierung der Au�enpolitik vorgeworfen. �Wir sind Zeuge ungez�gelter Milit�ranwendung in internationalen Anliegen�, sagte er auf der M�nchner Sicherheitskonferenz. ... Die USA h�tten die Grenzen in fast allen Bereichen �berschritten. Gewalt d�rfe nur das letzte Mittel sein und sei nur legitim, wenn sie von den Vereinten Nationen beschlossen worden sei - Entscheidungen der Nato oder der Europ�ischen Union k�nnten dies nicht ersetzen, sagte Putin und warnte: �Einseitige, unlegitimierte Aktionen sind keine L�sung, sondern Quelle neuer Trag�dien und Spannungsherde�.

Wir wussten es ja schon immer: Blogger sind meistens "investigative Multiplikatoren". Eine Studie �ber Blognutzer der Universit�t Leipzig in Kooperation mit der Suchmaschine ask.com sieht in ihnen vor allem Internet-Nutzer, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind. Im einzelnen machte die Studie unter den mehr als 600 befragten Internetnutzern aus Deutschland f�nf verschiedene Typen von Blognutzer aus, wie das Unternehmen in M�nchen mitteilt. Demnach werden 17,7 Prozent der Befragten als "social networker" klassifiziert. Sie nutzten Blogs in erster Linie, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, neue Bekanntschaften zu kn�pfen und um sich mit anderen auszutauschen. Ebenfalls 17,7 Prozent z�hlten zu der Gruppe der "Selbstdarsteller", die von sich behaupten, etwas zu sagen zu haben und �rger und Kritik loswerden m�chten. Die gr��te Gruppe bilden den Angaben zufolge allerdings die "Wissensdurstigen" mit 23,7 Prozent. Sie nutzten Blogs vor allem, um Hintergrundinformationen zu suchen, da sie klassischen Medien weniger trauten. Zwei weitere Gruppen seien die "Informationssucher" (18,9 Prozent) und die "aktiven Konsumenten" (22,8 Prozent).

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