2010-02-02

Unternehmer Christ gegen Spindoktor Essing

--- Es kommt nicht oft vor, dass Spindoktoren im Rampenlicht stehen. Geschieht dies, dann geht es meist um schmutzige Dinge. So wie aktuell im Fall des Kommunikationsberaters Norbert Essing. Der ber�t so schillernde Personen wie Ulrich Schumacher (einst Infineon) oder Klaus Kleinfeld (einst Siemens) in Fragen des Lebens. Essing sieht die Wirtschaft in Deutschland als Moloch, als Deutschland AG der schlimmsten Art, die wie die Mafia mit Paten bestimmt, wer im System erfolgreich mitspielen darf und wer nicht. Nach Ansicht Essings vertritt er selbst die Davids, die gegen den Goliath den Kampf aufnehmen, oder besser, in einem Kampf zu Unrecht verwickelt wurden. Essing f�hrt diese K�mpfe dann gern auch �ber die Medien, was zweifelsohne eine der Kernaufgaben der Spindoktoren ist. Im besten Fall gewinnt der Kunde den Kampf und belohnt den Berater daf�r f�rstlich.

Ein Kunde Essings packt jetzt aus: Der Unternehmer Harald Christ, im Wahlkampfteam des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, die personalisierte Wirtschaftskompetenz f�r die SPD. Christ berichtete seinerzeit schon �ber die �ble Berichterstattung der Medien, dass seine Homosexualit�t und vor allem sein Reichtum (er ist Million�r) thematisiert w�rden. Vor allem aber erz�hlte er in kleinem Kreis, dass er von einem PR-Berater mehr oder minder erpresst w�rde. Unwahrheiten w�rde der erz�hlen. Genauer wurde Christ damals nicht. Nun stehen die Details im Magazinstil geschrieben im aktuellen Spiegel. Die Nachrichtenversion findet sich online:
Harald Christ, Unternehmer und ehemaliges Mitglied im Wahlkampfteam der SPD, pr�ft eine Strafanzeige gegen seinen fr�heren PR-Berater Norbert Essing. Damit hat er nach SPIEGEL-Informationen nun den ehemaligen Bundesinnenminister Otto Schily beauftragt. Die Tatvorw�rfe lauten: versuchte Erpressung und versuchte N�tigung. Hintergrund: Christ wurde vor geraumer Zeit anonym der P�dophilie und des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. All die Vorw�rfe entbehrten jeder Grundlage, sagte Christ. Er selbst vermutet hinter den Anschuldigungen seinen eigenen fr�heren PR-Berater Norbert Essing, der die Vorw�rfe bestreitet. Eine der anonymen Verleumdungen ging am 26. Februar 2008 per Fax bei der Weberbank ein, dem damaligen Arbeitgeber des Managers Christ. Auf der Faxkennung war als Absender die Autobahnrastst�tte Nievenheim West bei D�sseldorf sowie die Uhrzeit 12.15 Uhr angegeben. Christs Anwalt lie� daraufhin die Aufnahmen der �berwachungskameras sicherstellen - die zeigen Essing, wie er mit Papier in der Hand um 12.13 Uhr die Tankstelle betritt, zur Kasse geht und dann zum Faxger�t. Die Videos liegen mittlerweile auch dem SPIEGEL vor. Essing erkl�rt, er habe an dem Tag zwar tats�chlich ein Fax von der Tankstelle abgeschickt, aber nicht an die Weberbank. Er k�nne sich nicht mehr erinnern, an wen das Schreiben ging. Im zur�ckliegenden Bundestagswahlkampf soll Essing nach SPIEGEL-Informationen versucht haben, abtr�gliches Material �ber Christ zu verbreiten. Das h�tten verschiedene Journalisten von unterschiedlichen Medien best�tigt. Essing bestreitet die Vorw�rfe. Christ erkl�rt dem SPIEGEL, Essing habe von ihm die Verl�ngerung eines alten Beratungsauftrags verlangt, was Essing allerdings ebenfalls bestreitet. Wie der SPIEGEL weiter berichtet, pr�ft auch der Essing-Kunde und fr�here WestLB-Chef Thomas Fischer mittlerweile rechtliche Schritte gegen den PR-Mann.
F�r einen Spindoktor wie Essing d�rfte der Fall eine mittlere Katastrophe darstellen. Nichts ist wichtiger in seiner Branche, als dezent im Hintergrund zu agieren. F�r Journalisten indes zeigt sich, wie vorsichtig jeder mit Informationen umgehen sollte, die diese Personen versuchen, in den Medien zu platzieren.

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2009-04-07

Folien zu Vortrag �ber Spin Doctoring online

--- Ende M�rz durfte ich einen Vortrag zum Thema "Spindoktoren � unerm�dliche Faktenverdreher oder unersetzliche Vermarktungsgehilfen?" beim Bayerischen Journalistenverband im PresseClub M�nchen halten. Es ging dabei um einen einf�hrenden "Ausflug in die Welt der Nachrichtenmacher, die Geschichten einen gewissen Drall geben". Die Pr�sentationsfolien dazu gibt es jetzt hier als PDF-Datei.

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2008-05-13

The Revolution will be - twittered

--- Es war zu erwarten gewesen: Nach den Tsunami-Bloggern wird nun Twitter bzw. Micro-Blogging als gro�e Medienrevolution nach dem j�ngsten chinesischen Erdbeben ausgerufen, wobei dpa sich inzwischen auch schon mal von einem Blogeintrag von SiliconValley.com inspirieren l�sst:
Wo sonst Meldungen �ber das Mittagessen, die Kinder oder die langweilige Arbeit stehen, wurde es am Montag ernst. Chinesische Internet-Nutzer informierten mit dem Webtool Twitter �ber das Erdbeben. Noch w�hrend am Montag in S�dchina die Erde bebte, verbreitete sich die Meldung von der Naturkatastrophe im Internet. Bewohner der Provinz Sichuan, die die Ersch�tterungen am eigenen Leib mitbekamen, setzten Meldungen mit dem Kurznachrichten-Dienst �Twitter� ab. �EARTH QUAKE in Beijing??�, schrieb ein chinesischer Nutzer. Der amerikanische Blogger Robert Scoble (�Scobleizer�) griff die Mitteilungen auf. Nun nimmt er f�r sich in Anspruch, dank des Internets als erster �ber das Beben berichtet zu haben - noch vor den etablierten Medien und dem Geologischen Dienst der USA. ... In der Blogosph�re ist eine Diskussion �ber die Bedeutung von Twitter entbrannt. Manch Blogger meint, der Dienst revolutioniere die Verbreitung von Nachrichten - schneller als �ber Twitter lie�en sich kaum Neuigkeiten sammeln und verbreiten, zumal aus entlegenen Regionen wie Sichuan. Kritiker halten dem entgegen, dass schnell nicht gleich zuverl�ssig sei.
Mehr dazu in einem BBC-Blog: Let's see, as this story unfolds, whether this is the moment when Twitter comes of age as a platform which can bring faster coverage of a major news event than traditional media, while allowing participants and onlookers to share their experiences.

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2008-04-20

Die trojanischen Pferde des Pentagon

--- Die New York Times hat eine umfassende Reportage �ber die Beeinflussung so genannter Milit�r-Analysen durch das Pentagon und die Bush-Regierung insgesamt. Es geht in den meisten F�llen um pensionierte Gener�le, die im Fernsehen und gegen�ber die Medien die Sprechblasen des US-Verteidigungsministeriums und der R�stungsindustrie wiedergeben:
To the public, these men are members of a familiar fraternity, presented tens of thousands of times on television and radio as �military analysts� whose long service has equipped them to give authoritative and unfettered judgments about the most pressing issues of the post-Sept. 11 world. Hidden behind that appearance of objectivity, though, is a Pentagon information apparatus that has used those analysts in a campaign to generate favorable news coverage of the administration�s wartime performance, an examination by The New York Times has found. The effort, which began with the buildup to the Iraq war and continues to this day, has sought to exploit ideological and military allegiances, and also a powerful financial dynamic: Most of the analysts have ties to military contractors vested in the very war policies they are asked to assess on air.

... Records and interviews show how the Bush administration has used its control over access and information in an effort to transform the analysts into a kind of media Trojan horse � an instrument intended to shape terrorism coverage from inside the major TV and radio networks. Analysts have been wooed in hundreds of private briefings with senior military leaders, including officials with significant influence over contracting and budget matters, records show. They have been taken on tours of Iraq and given access to classified intelligence. They have been briefed by officials from the White House, State Department and Justice Department, including Mr. Cheney, Alberto R. Gonzales and Stephen J. Hadley. In turn, members of this group have echoed administration talking points, sometimes even when they suspected the information was false or inflated. Some analysts acknowledge they suppressed doubts because they feared jeopardizing their access. A few expressed regret for participating in what they regarded as an effort to dupe the American public with propaganda dressed as independent military analysis.

... Kenneth Allard, a former NBC military analyst who has taught information warfare at the National Defense University, said the campaign amounted to a sophisticated information operation. �This was a coherent, active policy,� he said. As conditions in Iraq deteriorated, Mr. Allard recalled, he saw a yawning gap between what analysts were told in private briefings and what subsequent inquiries and books later revealed. �Night and day,� Mr. Allard said, �I felt we�d been hosed.�
Das Blatt hat dazu auch eine Multimedia-Dokumentation mit zahlreichen Original-Dokumenten �ber Sitzungen des Pentagons mit den dressierten "Analysten", in denen offen von PsyOps die Rede ist. Dass Propaganda gegen die eigenen B�rger in den USA von der Verfassung verboten wird, hat keinen wirklich gest�rt, wie dieses Protokoll (PDF-Datei) eines Brainstormings belegt. Ein geh�riges Misstrauen sollte man "Experten" ja immer entgegenbringen, vor allem, wenn es sich um in Rente gegangene Vertreter gro�er Interessenvereinigungen geht, aber das Ausma� der Korruption im Hintergrund �berrascht doch ab und an.

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2008-04-14

Berlusconi erneut an der Macht in Italien

--- Silvio Berlusconi ist seinem Ruf des italienischen Ph�nomens einmal mehr gerecht geworden und allem Anschein nach zum dritten Mal an der Staatsmacht im Land der bl�henden Zitronen. L�ngst hat sich die Mehrheit der Italiener mit der Ballung von Medienmacht und politischer Herrschaft abgefunden, doch die wohl unaufhaltsame erneute Wahl des Cavaliere zum Ministerpr�sidenten ist ein Akt der Verzweiflung und der Resignation. Der Medienmogul hat sich einmal mehr fast perfekt als Heilsbringer �ber alle seine TV-Kan�le inszeniert, der ein Wunder an den Geldbeuteln bewirkt und doch letztlich alles beim Alten l�sst. Ein treffender Kommentar in Zeit Online:
F�r Italien ist dieses Wahlergebnis ein gro�er R�ckschritt. Es wird die Distanz zum �brigen Europa noch weiter vergr��ern � Berlusconi und seine Verb�ndeten haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie von Europa rein gar nichts halten. ...

In seinem Wahlkampf hat Berlusconi au�er der Abschaffung der Kfz-Steuer wenig Konkretes versprochen. Umweltpolitik? Fehlanzeige. Schulpolitik angesichts der desastr�sen Pisa-Ergebnisse italienischer Sch�ler? Kein Interesse. Familienpolitik im Land mit der niedrigsten Geburtenrate der Welt? �berfl�ssig, genau wie Rezepte gegen die horrend hohe Jugendarbeitslosigkeit. Stattdessen verlieh er einem Mafia-Boss das Pr�dikat �heldenhaft�, k�ndigte regelm��ige Psycho-Tests f�r alle Richter und Staatsanw�lte an, behauptete, in seiner Partei die sch�nsten Frauen zu haben und empfahl einer Italienerin ohne Berufsperspektive, sie solle doch seinen Sohn heiraten. Es war der Berlusconi, wie ihn Italien und die Welt seit Jahren kennt � populistisch, egomanisch, folkloristisch � und hart an der Grenze des ethisch, politisch und juristisch Zul�ssigen. ...

Die Leute vertrauen Berlusconi � oder haben ihn vielleicht auch nur gew�hlt, weil sie sicher sein k�nnen, dass er sie in Ruhe l�sst. Dass er ihnen nichts abverlangt. Dass alles so bleibt wie es ist. Dass man ihnen nicht mit schmerzhaften Reformen kommt, ihnen keine Anstrengung abverlangt. Er verkauft den Italienern erfolgreich ein Bild von sich und ihrem Land, das mit der bitteren Realit�t nichts zu tun hat.

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2008-04-10

Huffington Post im Scheinwerferlicht

--- W�hrend die deutsche Bloggerszene vergangene Woche auf der re:publica mit sich selbst besch�ftigt war und mehr oder weniger still und leise vor sich hingruschelt und Abmahnungen f�rchten muss, jubelt Spiegel Online gerade mal die Huffington Post zum Wahlkampf-beeinflussenden Alpha-Blog hoch:
Was f�r eine Karriere: Die streitbare Million�rin und Kolumnistin Arianna Huffington hat ihr Blogger-Netzwerk zum einflussreichsten Alternativmedium der USA gemacht. Jetzt forderte sie die gr��ten und wichtigsten Zeitungen des Landes heraus - und bestimmt entscheidend den Vorwahlkampf mit. ... Ein ganz normaler Tag f�r die "Huffington Post". Politik, Wirtschaft, Buntes, Klatsch: Die Inhalte des im weitesten Sinne politischen Blog-Angebotes sind eine wilde Mischung. Dazu geben Hunderte Gastblogger aus dem riesigem Bekanntenkreis der Gr�nderin Arianna Huffington ihren Senf: Filmstars wie Alec Baldwin, Steve Martin, Mia Farrow und Tim Robbins. Senatoren wie Evan Bayh, Joe Biden und Barbara Boxer. Sex-Autorin Erica Jong, Watergate-Legende Carl Bernstein, Ex-General Wesley Clark, �ber-Producer Quincy Jones und New-Age-Guru Deepak Chopra.

In nicht mal drei Jahren seit ihrer Gr�ndung hat sich die "HuffPo", wie sie nur genannt wird, vom Online-Experiment zur wichtigsten Informationsquelle f�r Millionen Amerikaner gemausert. So macht sie, als Meinungsf�hrer der Google-Generation, langsam auch den etablierten Medien Konkurrenz - und mischt mit ihrem Kessel Buntes aus News und Kommentar kr�ftig im US-Vorwahlkampf mit. Und der hat die ungeniert progressiv-linke Seite jetzt ganz an die Spitze katapultiert: Im Februar schrieb der Ratingdienst Nielsen der "HuffPo" 3,7 Millionen Page-Visits zu, mehr als doppelt so viele wie noch im Dezember 2007. Womit die "HuffPo" erstmals den konservativen "Drudge Report" �berholte, den bisherigen Platzhirsch unter den Polit-Blogs - auch das ein Zeichen f�r das gewandelte Klima in den USA. ...

Auf der Blog-Hitliste "Technorati" rangiert die "HuffPo" als meistverlinkte Adresse auf Platz eins, vor der Tech-Site "TechCrunch", dem linken Ur-Blog "Daily Kos" und dem Klatsch-Blog "TMZ". Das Magazin "Time" f�hrt die "HuffPo" als einen der "25 besten Blogs der Welt". Als der Demokrat Barack Obama sich im Skandal um seinen Ex-Pastor Jeremiah Wright verteidigen wollte, tat er das zun�chst nicht mit einer Pressekonferenz oder einer Rede. Sondern mit einem Essay in der "HuffPo". Auch Hillary Clinton steuerte im Februar einen Blog-Eintrag bei, zum Thema "Kinderarmut" - obwohl die meisten "HuffPo"-Blogger, inklusive Arianna Huffington, offen Obama unterst�tzen. ...

In Zukunft will Huffington dar�ber hinaus "mehr und mehr" investigative Eigenrecherche "mit Gesinnung" wagen, um damit ausdr�cklich der "New York Times" und der "Washington Post" Konkurrenz zu machen.
Liegt das nur am deutlich gr��eren englischsprachigen Lesepublikum oder ist Deutschland einfach kein echtes Bloggerland?

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2008-04-05

NATO startet Propaganda-TV im Netz

--- Nach Al-Qaida-TV etc. gibt es jetzt p�nktlich zum Gipfel des Militr�b�ndnisses auch einen Online-Propaganda-Sender der NATO:
De Hoop Scheffer und Rasmussen starteten den b�ndniseigenen Internetfernsehsender Natochannel.tv. Generalsekret�r De Hoop Scheffer sprach anl�sslich des Launches von einem "Schritt von der Steinzeit ins 21. Jahrhundert�. Die Website, die haupts�chlich von der d�nischen Regierung bezahlt wird, will eine Antwort auf die erfolgreiche �ffentlichkeitsarbeit vieler Terrorgruppen sein. ... Sie zeigen beispielsweise wie tschechiche Soldaten durch die W�ste um Kabul fahren. Der Zuschauer blickt auf die trockene afghanische Ebene, ab und an rollen Land Rover durchs Bild. All das unterlegt die Nato mit kitschigen Ethno-Kl�ngen. Ein weiterer Bericht lobt das Engagement der Milit�rs f�r die Bildung von Frauen und M�dchen. ... Der smarte Nato-Sprecher James Appathurai bekommt im Kanal sein eigenes Videoblog. Darin darf er mitteilen, was die westliche Presse in Afghanistan bislang alles fehlinterpretiert habe. Sie solle sich besser auf die Fortschritte des Einsatzes konzentrieren. Als Zielgruppe f�r Nato-TV hat das B�ndnis nicht die allgemeine �ffentlichkeit im Visier. Der Internetkanal richtet sich in erster Linie an Fernsehstationen. Sie sollen Videomaterial �ber die Milit�roffensive der Isaf-Schutztruppe in Afghanistan herunterladen und �ber ihre Kan�le verbreiten. "Wir wollen Geschichten zeigen, die man woanders so nicht sehen w�rde�, hei�t es im Trailer auf der Website.
Aber Achtung: die Video-Applikation basiert auf Windows Media Player und die NATO-Propagandisten haben es noch nicht geschafft, ein echtes Sehvergn�gen auf anderen Plattformen wie Mac oder Linux zu erm�glichen.

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2008-03-18

F�nf Jahre Irak-Krieg - auch im Netz

--- Es j�hrt sich mal wieder der Beginn des Irak-Krieges - und auch wenn es da wenig zu feiern gibt, erh�ht sich zwangsweise mal wieder das Medieninteresse. AP etwa berichtet �ber den Krieg im Internet - allerdings mit sehr eingeschr�nktem Fokus auf die Milblogger:
The black-shrouded Web site opens with a soldier's silhouette and the pounding rhythm of Nine Inch Nails: ''Into the fire you can send us,'' the words go. ''From the fire we return.'' This is the Unlikely Soldier's blog, where a young infantryman known as The Usual Suspect rants and shares his experiences in what soldiers call The Sandbox. ''One year ago,'' when his unit first arrived in Iraq, ''we were nervous and excited and apprehensive. Ready to do this. Green as snot. I was all sorts of optimistic, thinking we were going to do great things and kick lots of ass, GI Joe hero type (expletive). That we could be cool with the people, and bring the hammer down on the baddies.'' Then, every soldier's nightmare: ''A low rumble shakes my Stryker (armored vehicle), and two of our guys are killed by an IED while they were dismounted. ''People emerged from their houses and cheered.'' This is the war in 2008 -- coming to a computer near you. Wars have often been defined by the new technologies that shaped them. The Civil War was the first photographed conflict in U.S. history, news of World War II was delivered by movie news reels, television made Vietnam the living room war and Desert Storm was the first war broadcast live by satellite. Historians will likely remember Operation Iraqi Freedom as iWar v1.0. The Web has done more than quicken reporting from the battlefield; it has made war interactive. Al-Qaida militants, conservative bloggers, peace activists, Iraqi civilians and the U.S. military all use the Internet to distribute their versions of the truth. They often engage in e-mail debates, but more often sink to slurs and threats when challenging an opposing point of view. ... Rear Adm. Gregory Smith, the top military spokesman in Iraq, insists that blogging soldiers need not worry, as long as they follow the same rules as embedded journalists and do not reveal information that could endanger operations or lives.
Keine Zensur, alles klaro, genauso wie f�r George "Mission l�ngst accomplished" Bush und seinen Adlaten Dick Cheney, der gerade auf Promo-Tour vor Ort ist: it has been a difficult, challenging but nonetheless successful endeavor ... and it has been well worth the effort. Dabei hat inzwischen auch das Pentagon best�tigt, dass die vom Wei�en Haus erfundenen Verkn�pfungen zwischen Saddam Hussein und Al-Qaida M�rchen waren. Interessant auch, wie gro�e europ�ische TV-Sender Meinungsumfragen zur Zukunft des Irak auslegen: Der Eindruck entsteht, dass die BBC eine Periode von drei Jahren und die ARD sicherheitshalber nur von zwei Jahren herangezogen haben, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Da sage noch einer, die Medien w�rden alles nur schlecht reden wollen. Wenn man sich die Zahlen aus fr�heren Umfragen anschaut, dann haben 2005 noch 71 Prozent und 2004 70 Prozent gesagt, dass es ihnen pers�nlich sehr gut oder gut gehe. Immerhin sind das 15 Prozent mehr als im M�rz 2007.

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Karlsruhe st�rkt Pressefreiheit im Unterhaltungsbereich

--- Das Bundesverfassungsgericht hat die Pressefreiheit im Entertainment-Bereich mit einem aktuellen Urteil zur Bildberichterstattung �ber Prominente ein wenig gest�rkt. Es geht mal wieder um Fotos von Caroline von Hannover/Monaco und dem F�rsten. Die Karlsruher Richter dazu allgemein und im Besonderen:
Auch die "blo�e Unterhaltung" nimmt am Schutz der Pressefreiheit teil. Unterhaltung kann wichtige gesellschaftliche Funktionen erf�llen, so wenn sie Realit�tsbilder vermittelt und Gespr�chsgegenst�nde zur Verf�gung stellt, an die sich Diskussionsprozesse anschlie�en k�nnen, die sich auf Lebenseinstellungen, Werthaltungen und Verhaltensmuster beziehen. Der Schutz der Pressefreiheit umfasst auch unterhaltende Beitr�ge �ber das Privat- und Alltagsleben prominenter Personen und ihres sozialen Umfelds, insbesondere der ihnen nahestehenden Personen. Es w�rde die Pressefreiheit in einer mit Art. 5 Abs. 1 GG unvereinbaren Weise einengen, bliebe die Lebensf�hrung dieses Personenkreises einer Berichterstattung au�erhalb der von ihnen ausge�bten Funktionen entzogen. Dabei d�rfen nicht nur skandal�se, sittlich oder rechtlich zu beanstandende Verhaltensweisen, sondern auch die Normalit�t des Alltagslebens und in keiner Weise anst��ige Handlungsweisen prominenter Personen der �ffentlichkeit vor Augen gef�hrt werden, wenn dies der Meinungsbildung zu Fragen von allgemeinem Interesse dienen kann.

Von der Pressefreiheit ist die Befugnis der Massenmedien umfasst, selbst zu entscheiden, was sie f�r berichtenswert halten. Dabei haben sie den Pers�nlichkeitsschutz Betroffener zu ber�cksichtigen. Im Streitfall allerdings obliegt die ma�gebliche Gewichtung des Informationsinteresses bei der Abw�gung mit gegenl�ufigen Interessen der Betroffenen den Gerichten. Im Zuge der Gewichtung des Informationsinteresses haben diese allerdings von einer inhaltlichen Bewertung der Darstellung als wertvoll oder wertlos abzusehen und sind auf die Pr�fung und Feststellung begrenzt, in welchem Ausma� der Bericht einen Beitrag f�r den Prozess der �ffentlichen Meinungsbildung zu leisten vermag. F�r die Gewichtung des Pers�nlichkeitsschutzes wird neben den Umst�nden der Gewinnung der Abbildung etwa durch Ausnutzung von Heimlichkeit oder beharrliche Nachstellung auch bedeutsam, in welcher Situation der Betroffene erfasst und wie er dargestellt wird.

[So] ist die Pressefreiheit verletzt, indem der Verlegerin der Zeitschrift "7 Tage" die Beigabe einer visuellen Darstellung der Beschwerdef�hrerin zu einem Beitrag �ber die Vermietung einer Ferienvilla in Kenia verboten worden ist. Die Gerichte haben es unterlassen, den Informationsgehalt des Berichts n�her zu w�rdigen, der in der Zeitschrift mit den Worten eingeleitet werden war "Auch die Reichen und Sch�nen sind sparsam. Viele vermieten ihre Villen an zahlende G�ste".
Das Urteil k�nnte aber in anderer Hinsicht auch Sprengkraft entfalten, denn es zieht der reinen Paparazzi-Fotoberichterstattung auch Grenzen beziehungsweise revidiert hier die bestehende Rechtsprechung nicht wirklich. Die S�ddeutsche kommentiert (etwas im Kampfeifer): Das ist das Ende des Paparazissmus. Das ist das juristische Aus f�r den klebrigen Eifer, mit dem so manche Fotografen bunter Bl�tter echten und unechten Prominenten nachstellen. Das ist ein Verbot, Stars und Sternchen aufzulauern, um sie im Skilift, vor der Konditorei, beim Nasenbohren oder bei sonstigen privaten Unp�sslichkeiten zu fotografieren und dann mit diesen Fotos Geld zu verdienen. Das Interdikt gilt f�r die Profi-Fotografen; es gilt auch f�r sogenannte Leserreporter, die angestiftet und bezahlt von Boulevard-Medien, mit ihren Foto-Handys die Privat- und Intimsph�re zerschie�en. Und es gilt f�r alle Bl�tter und alle Medien, die solche Fotos f�r den Inbegriff der Pressefreiheit halten. Das Bundesverfassungsgericht sagt: Die blanke Neugier, der pure Voyeurismus rechtfertigt die Verletzung der Privatsph�re nicht, auch dann nicht, wenn er sich das M�ntelchen der Pressefreiheit umh�ngt. Dagegen ist nichts zu sagen. Im Gegenteil: Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts kann dazu dienen, die Pressefreiheit zu st�rken.

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2008-03-17

Studie: B�rger-Journalisten haben noch wenig Einfluss

--- Glaubt man der neuen Studie The state of the American news media in 2008, ist es noch nicht so weit her mit der demokratisierenden Wirkung des Internet im Medienbetrieb. Eine Meldung von AP dazu in der Netzeitung:
Das Internet hat den Journalismus deutlich ver�ndert - einer US-Studie zufolge aber auf eine Art, wie sie noch vor wenigen Jahren nicht zu erwarten war. W�hrend lange Zeit eine Demokratisierung der Medien durch zahlreiche neue Stimmen, Geschichten und Perspektiven im Netz vorhergesagt wurde, scheint sich die Nachrichtenagenda tats�chlich eher zu verengen. Laut dem am Sonntag ver�ffentlichten j�hrlichen Zustandsbericht der Nachrichtenmedien, die das Projekt f�r Exzellenz im Journalismus erstellte, sammeln viele Webseiten lediglich Nachrichten, die an anderer Stelle produziert wurden. Zwei Themen - der Krieg im Irak und die US-Pr�sidentenwahl 2008 - beherrschten im vergangenen Jahr in den USA mehr als ein Viertel der Geschichten in Zeitungen, im Fernsehen und online. Abgesehen von Irak, Iran und Pakistan machten Geschichten �ber den Rest der Welt weniger als sechs Prozent der Nachrichten in den USA aus. Bemerkenswert sei auch, dass zwar die Zielgruppe f�r traditionelle Nachrichten in gleicher St�rke erhalten bleibe, die Zahl der Mitarbeiter bei den Nachrichtenorganisationen aber tendenziell schrumpfe, sagte Tom Rosenstiel, Direktor des Projekts. Die meisten Nachrichtenwebsites sind au�erdem nicht mehr Endziel der User.
Beim Project for Excellence in Journalism vom Pew Research Center liest sich das Ganze in der Einleitung so: Looking closely, a clear case for democratization is harder to make. Even with so many new sources, more people now consume what old media newsrooms produce, particularly from print, than before. Online, for instance, the top 10 news Web sites, drawing mostly from old brands, are more of an oligarchy, commanding a larger share of audience, than in the legacy media. The verdict on citizen media for now suggests limitations. And research shows blogs and public affairs Web sites attract a smaller audience than expected and are produced by people with even more elite backgrounds than journalists. Certainly consumers have different expectations of the press and want a changed product. But more and more it appears the biggest problem facing traditional media has less to do with where people get information than how to pay for it � the emerging reality that advertising isn�t migrating online with the consumer. The crisis in journalism, in other words, may not strictly be loss of audience. It may, more fundamentally, be the decoupling of news and advertising. This more nuanced recognition is also putting into clearer relief what news people see as their basic challenge: somehow they must reinvent their profession and their business model at the same time they are cutting back on their reporting and resources. Blogger sind also noch nicht das Mega-Ding, f�r die traditionellen Medien sieht es aber auch nicht sonderlich gut aus. Vielleicht sind ja dann doch Twitter und Co. die Zukunft des Kurznachrichtenaustauschs.

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2008-02-29

Selbstzensur der britischen Medien im Fall Harry

--- Die britischen Medien hatten sich ein nationales Schweigegel�bde �ber den Kampfaufenthalt ihres geliebten Prinz Harrys im S�den Afghanistans auferlegt, wird nun nach der Bekanntmachung der Geschichte durch Matt Drudge und seinen omin�sen Blog-Report offenbar. Drudge -- am besten bekannt durch seinen Scoop mit der Clinton-Lewinsky-Aff�re -- bezog seine Informationen angeblich aus einer schon im Januar publizierten australischen Nachricht �ber den Einsatz des Blaubl�ters im wilden Kriegsgebiet einer australischen Gazette, die zun�chst nicht weiter f�r Aufsehen gesorgt hatte. Nur der London-Korrespondent der "Frau im Spiegel" wunderte sich auch, wieso Harry nicht mehr das Nachtleben in London bereicherte. Jetzt ist herausgekommen, dass das britische Verteidigungsministerium den Medien im sonst so klatschs�chtigen Gro�britannien ins Gewissen geredet, sch�ne Fotoreportagen nach der R�ckkehr des Prinzen angeboten und so das Stillhalte-Abkommen erwirkt hatte. Doch das Verhalten der britischen Presse wirft medienethische Fragen auf, findet nicht nur die Washington Post:
Harry, 23, ... deployed to Afghanistan on Dec. 14 and has been fighting Taliban forces from a forward combat base in southern Helmand province. His presence there had been kept secret from the public in a remarkable deal between the British military and media. But the secret was revealed in two little-noticed articles in an Australian tabloid magazine, and then blasted into the global media spotlight Thursday by the Drudge Report Web site. ... As soon as the news of his deployment leaked, British newspapers and television stations rolled out extensive special reports on the first British royal to see combat since the Falklands War more than 25 years ago. Those reports included lengthy taped interviews with Harry just before hisdeployment in December and last week at his Afghan base. Photos and video showed Harry firing a machine gun, patrolling on foot in full combat gear in an Afghan village and washing his socks in a camp sink. "All my wishes have come true," Harry told reporters in last week's camp interview, wearing a brown military T-shirt and camouflage pants and noting that he had not showered in four days. ...

The idea that Britain's diverse and highly competitive media outlets could keep a secret about anything struck many observers as remarkable -- particularly when that secret was England's favorite young hell-raising party boy. "It makes me wonder what else is going on," said John Harmer, 30, a London office worker. "I don't think it can be the first time" that the media have agreed to keep information from the public. Some wondered whether an agreement among leading media outlets to withhold information would damage the media's credibility. "One wonders whether viewers, readers and listeners will ever want to trust media bosses again," TV broadcaster Jon Snow wrote in his blog. "Or perhaps this was a courageous editorial decision to protect this fine young man?" Every major news outlet in Britain signed on to the deal, which was struck in three meetings called by top military officials between September and December, according to a media source involved in the process. ...

Details of the arrangement were hammered out at the second and third meetings. In return for their silence, the media would get access to a pre-deployment interview. They would also be allowed several "embeds" with Harry's unit. Pooled interviews, video footage and photographs of Harry in Afghanistan would be made available to all. ... British media critic Roy Greenslade called the Harry story "an incredible piece of self-censorship."
Harry selbst wird die Tage nun fr�hzeitig abgezogen, hat das britische Verteidigungsministerium verk�ndet.

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2007-12-20

Ist der Journalismus im Web 2.0 noch zu retten?

--- Peter Ehrlich hat einen anregenden Kommentar �ber die Qualit�tssicherung der Medienberichterstattung in der FTD geschrieben:
Ist es Journalismus, wenn ein RTL-Fernsehteam den Ex-Arbeitslosen Henrico Frank in eine Bundespressekonferenz mit dem SPD-Vorsitzenden Kurt Beck einschleust? Einen Wortwechsel der beiden M�nner inszeniert, die vor einem Jahr auf einem Weihnachtsmarkt aneinandergerieten - und dann �ber das "Ereignis" berichtet? Wie am Montag geschehen? ...

Seri�ser Informationsjournalismus braucht ein G�tesiegel, eine Produktkennzeichnung, wie es sie f�r Elektroger�te oder Biolebensmittel gibt. Die Lobredner der Blogosph�re und der weiten Welt der Internetforen, des Web 2.0 und der direkten Information erkl�ren diese Art von Journalismus gelegentlich f�r �berholt. Journalisten klassischer Medien wiederum blicken oft hochn�sig auf das, was wie eine weltumspannende Sch�lerzeitung wirkt. Beide Haltungen sind falsch. Auch wenn das Internet vor allem allt�glichen Informationsbed�rfnissen dient, also digitaler Treppenhaustratsch und Marktplatz ist, st�rkt es zugleich die politische und gesellschaftliche Kommunikation. ...

Journalismus wird deshalb aber nicht �berfl�ssig. Im Gegenteil: Es geht um eine Dienstleistung, die ihrem Nutzer Zeit spart, indem sie wichtige Entwicklungen zusammenfasst und einordnet. Wenn die Quellen der Information korrekt vermerkt sind, kann jeder Nutzer sich weiter informieren, und er wird dabei implizit auch die Qualit�t der Zusammenfassung bewerten. Beeintr�chtigt wird seri�se Nachrichtenvermittlung weniger durch die vielen Angebote und Quellen im Web. Der Informationsjournalismus leidet mehr unter der Jagd nach Einschaltquoten und Klickzahlen. ...

Journalismus als Informationsvermittlung muss klar von anderen Medieninhalten unterscheidbar sein. Dazu geh�rt, dass er sich eindeutigen Regeln unterwirft. Die meisten Zeitungen etwa unterziehen sich einer freiwilligen Selbstkontrolle, dem Deutschen Presserat. Der hat Regeln aufgestellt, etwa �ber die Abgrenzung zur Werbung, �ber die Ber�cksichtigung von Pers�nlichkeitsrechten und die sachliche Korrektheit von Informationen. ...

N�tig w�re statt des Presserats und der Rundfunkr�te ein Deutscher Medienrat. Wer sich den Regeln dieses Rats unterwirft und bereit ist, R�gen bei Verst��en zu ver�ffentlichen, k�nnte das von mir geforderte Qualit�tssiegel bekommen.

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2007-12-01

Die Intimit�t der Videoblogs

--- Die S�ddeutsche Zeitung widmet sich der neuen Form der Medien�ffentlichkeit in journalistischen Vlogs:
Das Ganze steckt noch in den Kinderschuhen. Man merkt, wie jeder, der sich auf das neue Medium einl�sst, seinen eigenen Weg sucht - wobei der Eindruck des Selbstgebastelten gar nicht verwischt werden soll. Trotzdem kann man bereits in diesem Anfangsstadium beobachten, wie das neue Medium, mit einem Titel von J�rgen Habermas zu sprechen, einen "Strukturwandel der �ffentlichkeit" bewirkt. Und zwar durchaus mit einer klaren Tendenz. ...

Im Videoblog verbinden sich Eigenschaften des Print-Journalismus, der Internet-Kommunikation und des Fernsehens. Alle drei verwandeln sich dabei und bringen ein neues Format mit eigener Funktionslogik hervor. Das Hauptmerkmal dabei ist, dass es sich in einer kleinen, einer fragmentierten �ffentlichkeit abspielt - und das hat Konsequenzen auf die dort favorisierte Kommunikationskultur. ... [Dort] tritt an die Stelle dieser Allgemeinheit das Besondere, Individuelle, ja das radikal Subjektive: Hier darf jeder so richtig "Ich" sagen - schlie�lich ist man in der kleinen �ffentlichkeit quasi unter sich. Man k�nnte auch sagen: Noch nie ist der Sender dem Empf�nger so vertraulich nahe ger�ckt. ...

Das Vloggen lebt von jenen Befindlichkeitswallungen, die noch nicht die Verallgemeinerungsf�higkeit des Logos erreicht haben, die man deshalb in einem Text nur schlecht auf den Begriff ("aaarrhh") bringen kann, die aber in der kleinen, der intimen �ffentlichkeit des Videoblogs sich mitteilen wie im Familienkreis. Der diskursiv-�ffentliche Raum als eine Distanzsph�re wird verzwischenmenschlicht. Es ist kein Zufall, dass man bei Harald Martensteins Videoblog tats�chlich im Zuhause des Tagesspiegel-Redakteurs angekommen ist. Man sieht ihn vor der Kulisse seiner Wohnk�che samt Kaffeetasse, blauem Toaster und Sch�rze am h�lzernen Geschirrschrank. ... Hier muss sich der laut ge�u�erte Bewusstseinsstrom nicht vor den Kosten der wertvollen Sendezeit rechtfertigen - nur vor der Langmut des Zuschauers. ...

Das Medium, eben weil es nie der Ernstfall, sondern immer nur die Spielwiese ist, neigt dazu, in einem Morast aus Ironie zu versinken, in dem es unm�glich ist, �berhaupt noch feste Fu�abdr�cke zu hinterlassen. ... Andererseits werden sich die Leute bald danach sehnen, dass niemand mehr "Ich" sagt. Es werden dann vermutlich auch im Netz Ich-hemmende Regularien zum Aufbau institutioneller Autorit�t eingef�hrt. Denn die M�glichkeiten, die das Bloggen bietet, sind zu gro�, um sie nicht zu nutzen.
Und sonst: Bin Laden gibts jetzt auch auf deutsch -- zumindest mit deutschen Untertiteln. Und die Taliban sind unschuldig, sagt der Alte in der H�hle.

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2007-11-24

Kriegsberichterstattung im freien Fall

--- Die S�ddeutsche besch�ftigt sich mit dem Wandel der Kriegsberichterstattung in den vergangenen 20 Jahren:
Bosnien ver�nderte alles. ...Wir hatten ja immer ein privilegiertes Leben gef�hrt - immer an vorderster Front und doch niemals direkt beteiligt und betroffen. Doch nun war alles anders: Reporter waren auf einmal keine neutralen Beobachter mehr, sondern Ziel und Opfer. Tomas hatte im Journalistenhotel Holiday Inn nur knapp einen Granateinschlag in seinem Zimmer verpasst. Ron hatten Serben in der Krajina gemeinsam mit einem franz�sischen Kollegen drei Tage lang in eine Scheune gesperrt und gefoltert. Es gingen Ger�chte um, dass die serbischen Scharfsch�tzen mit Kopfpr�mien f�r Kinder und Frauen bezahlt wurden. Und angeblich waren die h�chsten Pr�mien f�r Journalisten ausgesetzt worden. Sp�ter stellte sich heraus, dass die Kopfpr�mienger�chte von der amerikanischen PR-Firma Ruder & Finn in die Welt gesetzt worden waren, die von der kroatischen Regierung 18.000 Dollar im Monat erhielt, um das Image der Kroaten aufzupolieren. Doch egal, ob Ger�cht oder nicht. Es wurde ja auf Journalisten geschossen. ... Was sich im Libanon, in Kolumbien und in Somalia schon angebahnt hatte, wurde in Bosnien besiegelt: Die Neutralit�t der Weltpresse war aufgehoben. Lokale Journalisten waren schon immer verfolgt worden, hatten ihren Mut mit dem Leben bezahlt. Wir internationale Journalisten hatten immer das Privileg der Unabh�ngigkeit genossen. Und ja auch gepflegt. Kam doch mal einer von uns ums Leben, so waren es fast immer Unw�gbarkeiten wie Kreuzfeuer, Granateinschl�ge oder betrunkene Milizen. ... Wer heute als Kriegsreporter arbeitet, der kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass ihn sein internationaler Presseausweis sch�tzt. Im Gegenteil: Im Irak kann es ihm passieren, dass ihn entweder der irakische Widerstand, die al-Qaida oder die Besatzungstruppen der Amerikaner ins Visier nehmen. Mit dem Zweifrontensystem des Kalten Krieges sind aber auch die Parameter der Berichterstattung verschwunden. Die Guerrillaromantik der sechziger und siebziger Jahre funktioniert nicht mehr.
Ansonsten: Nachdem diese Woche auf den ungarischen Server der deutschsprachigen GIMF-Seite (Globale Islamische Medienfront) erneut ein Drohvideo auftauchte, hier noch der Verweis auf einen Bericht zur BKA-Tagung "Tatort Internet":
�ber dem kleinen Jungen glitzert ein goldenes Sternchen, daneben scheint der Mond hell. Der Junge unter diesem Himmelszelt kniet auf einem Gebetsteppich. Hellblau und freundlich sieht die Internetseite der pal�stinensischen Terrororganisation Hamas aus, die sich an die Allerj�ngsten wendet. Nett und harmlos. Ein paar Mausklicks weiter sieht man ein Kopfsteinpflaster. Ein abgetrennter Frauenkopf liegt auf der Stra�e. Daneben wird das Bild einer l�chelnden, Kopftuch tragenden jungen Frau gezeigt, einer Frau, die sich f�r den Heiligen Krieg als Selbstmordattent�terin in die Luft gesprengt hat. Es ist ihr Kopf, der hier auf der Stra�e liegt. So sieht das Kinderprogramm islamistischer Terroristen aus. Immer mehr solcher Versuche gezielter Einflussnahme auf Kinder sind im Internet zu finden. Die Zahl der Terrorseiten steigt konstant. "1998 gab es weltweit zw�lf Terrorseiten, 2003 waren es 2650, im September 2007 haben wir 5860 Seiten gez�hlt", berichtete der israelische Kommunikationsforscher Gabriel Weimann von der Universit�t Haifa auf der Tagung "Tatort Internet" des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden.

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2007-10-28

Spiegel fatal: Pressefreiheit contra Buchtipp

--- Was ist nur los mit dem Spiegel? im aktuellen Heft k�rt das Nachrichtenmagazin die 68er zur Titelgeschichte. Hintergrund: Ein Spiegel-Mitarbieter hat ein Buch dazu ver�ffentlicht. Im hinteren Teil des Heftes findet sich dagegen ein Artikel, der darlegt, dass der Bundestag in K�rze per Gesetz die Pressefreiheit aushebeln wird. Mit der Telekomunikations�berwachung werde der Informantenschutz verhindert und damit kritischer Journalismus unm�glich, hei�t es da. Fr�her w�re so etwas beim Spiegel die Titelgeschichte gewesen, heute sind es Buchtipps in eigener Sache. Schade.

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2007-10-27

US-Beh�rde probierts mit gefakter Pressekonferenz

--- Von gefakten oder bezahlten Nachrichten in diversen Medien hat man ja schon einiges geh�rt. Die schon im Katrina-Umfeld in die Kritik geratene US-Notfallbeh�rde Federal Emergency Management Agency (FEMA) ging nun einen deutlichen Schritt weiter:
Es waren erfreulich harmlose Fragen, mit denen sich Harvey Johnson konfrontiert sah. "Sind Sie zufrieden mit Femas Reaktion?", fragte ein Reporter den Vizechef der Federal Emergency Management Agency zur Brandkatastrophe. "Ja, ich bin sehr zufrieden", antwortete Johnson. Kritischer wurde es im Verlauf der am vergangenen Dienstag von der Fema in Washington anberaumten Pressekonferenz nicht - denn alle vermeintlichen Journalisten vor Ort waren in Wirklichkeit Fema-Mitarbeiter, wie die "Washington Post" jetzt herausfand.Die Beh�rde hatte ihre Pressekonferenz zu den schweren Waldbr�nden in Kalifornien erst 15 Minuten vor Beginn angek�ndigt. Deshalb war es keinem einzigen Reporter m�glich, bei der Veranstaltung pr�sent zu sein. Einige Journalisten lie�en sich telefonisch zuschalten, konnten jedoch keine Fragen stellen. Vor Ort waren neben Johnson lediglich Mitarbeiter der Fema anwesend. Die Pressekonferenz wurde von mehreren TV-Stationen �bertragen. Die Beh�rdenleute gaben sich zu keiner Zeit als Fema-Angestellte zu erkennen und stellten ihrem Vorgesetzten etliche lammfromme Fragen. ohnson schrieb am Freitag in einem Beitrag f�r die "Washington Post": "Unser Ziel war es, die Information so schnell wie m�glich zu verbreiten, dabei haben wir einen Fehler gemacht." Er wies jedoch darauf hin, wie hervorragend die Reaktion der Fema auf die Waldbr�nde gewesen sei. Eine Sprecherin von Pr�sident George W. Bush sagte der "Los Angeles Times" (Samstagsausgabe): "Das ist keine Praxis, die wir hier im Wei�en Haus anwenden w�rden." ... Deutlicher �u�erte sich das US-Heimatschutzministerium, dem die Beh�rde unterstellt ist: "Das ist unentschuldbar, solche Aktionen werden nicht toleriert und d�rfen sich nicht wiederholen."
Und sonst: Sch�uble k�mpft weiter gegen islamistische Propaganda im Netz: Bundesinnenminister Wolfgang Sch�uble hat am heutigen Freitag das Gemeinsame Internetzentrum (GIZ) in Berlin besucht, dessen Aufgabe es ist, Informationen zum islamistischen Extremismus und Terrorismus durch die Beobachtung einschl�giger Internetseiten zu beschaffen. ... Die GIZ-Mitarbeiter wussten unterdessen davon zu berichten, dass Deutsch als Sprache islamistischer Propaganda im weltweiten Datennetz immer mehr an Bedeutung gewinne. Wichtigste Sprache sei zwar nach wie vor Arabisch, aber neben der zunehmenden Zahl englisch- und franz�sischsprachiger Webseiten f�nden sich zunehmend auch solche auf deutsch. Sch�uble wertete die Zunahme als ein Zeichen daf�r, wie versucht werde, gezielt Menschen anzuwerben, die weder einen ausl�ndischen noch einen Migrationshintergrund haben. Auch berichteten die Mitarbeiter dem Minister von einer explosionsartigen Vermehrung islamistischer Propaganda im Datennetz.

Passend dazu von der anderen Seite: Mit eigenen Videos gegen Terror-PR. Die NATO will politischen Eiferern, etwa islamischen Extremisten, die ihre �ffentlichkeitsarbeit inzwischen professionell aufgezogen haben, jetzt auch in puncto PR den Kampf ansagen � und k�nftig ebenfalls auf die Macht des bewegten Bildes setzen. Laut der Nachrichtenagentur Canadian Press hat D�nemark eine Million Euro bewilligt, um die NATO mit Kameras und Videotechnik zu versorgen � das Ziel: Die Soldaten sollen �ffentlichkeitswirksames Bildmaterial aus Afghanistan liefern.

Bush d�rfte als gro�er Umarmer in die Geschichte der symbolischen Politik eingehen: Bush the Embracer: Interpreting the Presidential Hug. ... Long after his presidency is history, some of the most memorable images of Bush's years in office will involve hugs.

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2007-09-15

Neuer Streit �ber Mohammed-Karikaturen

--- Es gibt mal wieder heftigen Streit �ber neue Mohammed-Karikaturen aus nordischen Gefilden:
Die Terrororganisation al-Qaida im Irak hat ein Kopfgeld auf den schwedischen Karikaturisten Lars Vilks sowie Ulf Johansson, Chefredakteur der Zeitung "Nerikes Allehanda", ausgesetzt. Diese hatte im August eine Zeichnung von Vilks abgedruckt, die Mohammed als riesiges Hundedenkmal in der Mitte eines Kreisverkehrs zeigt. Das Blatt illustrierte damit einen Leitartikel �ber Meinungsfreiheit. Wer Vilks t�te, k�nne mit einer Belohnung von bis zu 150.000 Dollar rechnen, versprach Abu Omar al-Baghdadi, der F�hrer von al-Qaida im Irak. Die Abschrift einer entsprechenden Tonaufnahme wurde heute auf einschl�gigen Websites im Internet ver�ffentlicht.
Der englischen �bersetzung zufolge, die ebenfalls auf den Seiten ver�ffentlicht wurde, sagte al-Baghdadi w�rtlich: "Wir rufen zur T�tung des Karikaturisten Lars Vilks auf, der es gewagt hat, unseren Propheten - Friede sei mit ihm - zu beleidigen, und wir setzen im gro�z�gigen Monat Ramadan eine Belohnung von 100.000 Dollar f�r denjenigen aus, der diesen Verbrecher t�tet." Wer Vilks "schlachte wie ein Lamm", der bekomme sogar 150.000 Dollar. 50.000 Dollar versprach der Terrorist demjenigen, der Johansson umbringe, hei�t es in der 30-min�tigen Audio-Aufnahme. Vilks selbst �u�erte sich telefonisch gegen�ber der Nachrichtenagentur AP. "Wir haben hier ein echtes Problem", sagte er. "Wir k�nnen nur hoffen, dass sich die Muslime in Europa und in der westlichen Welt von diesem Aufruf distanzieren und den Gedanken der Meinungsfreiheit unterst�tzen." Johansson erkl�rte, er nehme das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld ernster als alle anderen Bedrohungen, denen er je ausgesetzt war. ... Nur vereinzelt war es nach Ver�ffentlichung der Karikatur in einigen muslimischen L�ndern zu Protesten gekommen (mehr...). Anders als bei den gewaltt�tigen Demonstrationen im vergangenen Jahr, als Muslime gegen eine Zeichnung in einer d�nischen Zeitung protestierten, kam es diesmal kaum zu blutigen Auseinandersetzungen. Um f�r Entspannung zu sorgen, hatte der schwedische Premierminister Frederik Reinfeldt vergangene Woche 22 in Stockholm stationierte Botschafter aus islamischen Staaten zum Gespr�ch eingeladen. Al-Baghdadi reicht diese Geste offenbar nicht aus. Er erkl�rte, sollte sich der "Kreuzritter-Staat Schweden" nicht entschuldigen, werde es Angriffe auf schwedische Unternehmen geben.
Da kann die Debatte ja mal wieder los gehen, ob derlei Provokationen von westlichen Medien opportun sind.

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2007-09-01

Bushs neue Sprecherin: erotisch angehaucht

--- Die Welt berichtet �ber die neue Frontfrau des US-Pr�sidenten:
Dana Perino hei�t die neue Sprecherin des Wei�en Hauses in Washington. Sie �bernimmt die Stelle von Tony Snow, der wegen einer Krebserkrankung aus dem Amt scheiden wird. F�r Bush ist Perino gewiss ein Gl�cksfall � in einer ungl�cklichen Situation. ... Perino wurde wie Vizepr�sident Dick Cheney in Wyoming geboren. Sie stammt aus einer italienischen Familie und ist mit einem britischen Gesch�ftsmann verheiratet. Nach kurzen Ausfl�gen ins TV-Gesch�ft war sie mehrere Jahre im Stab eines republikanischen Abgeordneten aus Colorado t�tig. Mit Bushs Amtsantritt 2001 ging Perino in die Presseabteilung des damaligen Justizministers John Ashcroft. 2003 wurde sie im Wei�en Haus f�r die Umweltpolitik zust�ndig. George W. Bush ernannte Perino im Mai 2006 zu Snows Stellvertreterin. Erst mit dessen krankheitsbedingten Ausfall im Fr�hjahr 2007 aber bekam Perino Gelegenheit, �fter ans Pult des White House Press Corps zu treten. Sie gewann rasch Sympathien f�r ihr pr�zises Auftreten. Im Internet tauchten Loblieder neu gewonnener Fans auf, die manchmal sogar auf eine nicht anz�gliche Weise erotisch angehaucht waren. ... Dana Perino ist nach Ari Fleischer, Scott McClellan und Tony Snow Bushs vierte Sprecherin. Vor ihm hatten nur Bill Clinton, Lyndon B. Johnson und Harry Truman eine gleich hohe Fluktuation im Sprecheramt.
Und sonst: Traurige Zahlen: Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen ist in der vergangenen Woche der 200. Medienvertreter im Irak seit der US-Invasion 2003 get�tet worden.

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2007-08-02

Die Stimme der Taliban

--- Die Welt betrachtet den Medienkrieg der Steinzeit-K�mpfer:
Er telefoniert viel. Er wird seit zwei Wochen in westlichen Medien nahezu t�glich zitiert. Vor allem in Deutschland und in S�dkorea. Dabei wirkt er in seinen Anrufen bei Agenturjournalisten nicht einmal eloquent, sondern recht einsilbig. So als habe er nur Texte, die er ablese, aber kein dar�ber hinaus reichendes Wissen. Er spricht Paschtu, offenbar ausschlie�lich. Sein Name: Muhammed Jusuf Ahmadi. In anderer Schreibweise: Kari Mohammed Yusuf. Beruf: unbekannt. Aktuelle T�tigkeit: autorisierter Sprecher der Taliban. Muhammed Jusuf Ahmadi, von dem nicht einmal der Bundesnachrichtendienst ein Foto besitzt, ist nicht das Hirn der Taliban und nicht ihr Gesicht. Er ist einfach nur ihre aktuelle Stimme. Er versorgt die Medien mit den Schlagzeilen des n�chsten Tages: �Wir haben zwei Deutsche entf�hrt.� � �23 koreanischen Geiseln befinden sich in unserer Hand.� � �Das Ultimatum l�uft.� � �Beide Deutsche sind hingerichtet worden.�� �Eine letzte Frist f�r die Koreaner.� � �Dem Deutschen geht es schlecht.� Auf den Wahrheitsgehalt kommt es Jusuf Ahmadi erkennbar nicht an. ... ie von Mullah Omar gef�hrten Krieger wider die Moderne haben sich mit moderner Technik ausger�stet, um die �Ungl�ubigen� auf dem Schlachtfeld der medialen �ffentlichkeit zu besiegen. ... Hatten die Taliban in dem von ihnen beherrschten �Islamischen Emirat Afghanistan� Fernsehen, Musik, Kino und Internet unter drakonische Strafen gestellt, agieren sie heute aus ihren H�hlen und Unterst�nden mit H�rfunksendern, professionellen Web-Sites und eitlen Selbstdarstellungen vor westlichen TV-Kameras. ... Die Drehb�cher zu derartigen Inszenierungen schreibt das �Taliban-Medien-Komitee�, gegr�ndet 1993 kurz nach Ende der sowjetischen Besatzung. Abdul Hay Mudmateeb leitet die PR-Zentrale der Islamisten. Die Handy-Nummern und E-Mail-Adressen von Mudmateeb und seinen beiden Haupt-Sprechern Muhammed Jusuf Ahmadi und Zbiabullah Mujahed liegen Geheimdiensten und Journalisten vor. ... Der R�ckhalt der Taliban ist unter den Paschtunen immer noch gro�. Immerhin waren es die Islamisten, die mit Korruption aufr�umten, den Russen entgegen traten und die Macht der Warlords tadschikischer oder usbekischer Abstammung brachen. Aber BND-Experten sch�tzen den harten Kern der Taliban nur noch auf einige tausende Mann. Um sie herum agieren zigtausende Anh�nger und S�ldner mit begrenzter Loyalit�t.
Und sonst: Der Pressefreiheit gehts hierzulande anscheinend mal wieder an den Kragen: Ermittlungen gegen Journalisten. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln jetzt gegen 17 Journalisten, weil sie aus geheimen Akten des BND-Untersuchungsausschusses zitiert haben sollen

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2007-08-01

Murdoch schnappt sich Wall Street Journal

--- Der Haifisch unter den Medienmogulen hat mal wieder zugebissen und sich mit Dow Jones das Wall Street Journal einverleibt. Spiegel Online, l�ngst auf alles andere als auf Nachrichten von links abonniert, versucht die halbwegs guten Seiten bei dem Deal zu sehen bzw. diesen zumindest halbwegs n�chtern zu betrachten:
30 Millionen Dollar zahlt der m�chtigste Medienmann der Welt aus der Portokasse. Die Erben des DJ-Urvaters Clarence Barron hatten sich zwar geziert, sich bei ihrem Widerstand gegen Murdochs Pl�ne auf journalistische Grunds�tze berufen. Tats�chlich waren sie jedoch mit kaltem Cash zu k�dern. Deshalb auch die �berzogene Kaufsumme, ein 67-prozentiger Aufschlag auf den vorherigen Marktwert von DJ und das Privatverm�gen der Bancrofts. Das Murdoch-Prinzip traf selbst auf den alten Presse-Clan zu: Grunds�tze sind gut - Geld ist besser. Und so nahm seinen Lauf, was viele als Untergang des journalistischen Abendlandes beklagen: Rupert Murdoch - Machtmensch, Zeremonienmeister des Vulg�ren, brillant-skrupelloser Gesch�ftsmann - erf�llt sich seinen gr��ten Lebenstraum und verleibt sich die weltbeste Wirtschaftszeitung ein, eine der letzten unabh�ngigen Pfr�nde in der US-Zeitungslandschaft. ... Zugegeben: Unter Murdoch mutierte die linksliberale, dr�ge "New York Post" zum konservativen Kampfblatt, das jeden Feind zerfetzt. Doch ist sie selbst f�r Murdochs �rgsten Gegner Pflichtlekt�re - und hat einen auffallend gut informierten Wirtschaftsteil. Auch zugegeben: Fox News, Murdochs Nachrichtensender, verbreitet gern Regierungspropaganda. Doch sein Fox-Network - die gro�e Network-Schwester des Kabel-Newskanals - machte immerhin mit den "Simpsons" Quote, jenem subversiven Zeitkritik-Comic, in dem sich Murdoch, einmal selbst auf die Schippe nahm: "Ich bin Rupert Murdoch, der Milliard�rs-Tyrann!" ... Fest in der Tradition der Neocons, stand das "WSJ" auch US-Pr�sident George W. Bush meist treu zur Seite und trommelt bis heute f�r dessen Irak-Krieg. In dieser Hinsicht ist das "WSJ" seit langem mehr Murdoch als Murdoch selbst. Was sonst k�nnte sich �ndern? Die gro�en Reportagen, die Murdoch pers�nlich "zu lang" sind? Der oft gedrechselte Stil? Viel Spielraum hat Murdoch nicht, dazu ist der "WSJ"-Leserkreis viel zu elit�r - er d�rfte beim ersten Ausflug in niedere Gefilde schnell abwandern. "Wenn das 'Journal' seine Seite-3-Girls bekommt", juxte Murdoch im Interview mit dem US-Magazin "Fortune" in Anspielung auf die t�glichen Nacktfotos in seiner britischen Postille "Sun", "dann werden wir sicherstellen, dass sie ihren Betriebswirtschaftsabschluss haben."
Viel schlimmer kann es mit dem WSJ also gar nicht werden, auch wenn Murdochs Macht erneut w�chst. Eine �bersicht �ber die Ausbreitung des "ordoliberalen Weltenherrschers" gibts in der S�ddeutschen Zeitung. Ansonsten: Deutsche Afghanistan-Geisel von al-Dschasira in Video vorgef�hrt � das Ausw�rtige Amt bezeichnet die Aufnahmen in einer ersten Stellungnahme als "Dokument der Einsch�chterung".

Boom der PR-Industrie: Based on the survey results of 300 public relations firms around the world, The Holmes Report estimates that the industry is "generating at least $7 billion in fee income annually, employing in excess of 50,000 people, and growing by at least 8.5 percent a year."

US-Milit�r will auch im eigenen Land Propaganda betreiben d�rfen: In preparing its marketing study commissioned by the U.S. military, the RAND Corporation sought the advice of PR advisers including Burson-Marsteller, Weber Shandwick, J.D. Power, the Rendon Group, and the Lincoln Group. The report called for a review of the Smith-Mundt Act, which bans government propaganda aimed at U.S. audiences, claiming that it put the military at a "competitive disadvantage".

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2007-07-27

Bertelsmann-Stiftung r�stet sicherheitspolitisch auf

--- Die umstrittene Bertelsmann-Stiftung sorgt mal wieder f�r Schlagzeilen bei Telepolis:
Sage niemand, die Provinz sei harmlos. Einer der einflussreichsten F�rsprecher einer Militarisierung der deutschen und europ�ischen Au�enpolitik ist im westf�lischen G�tersloh zuhause. Die Bertelsmann-Stiftung unterst�tzt im Kampf um den globalen Einfluss den Aufbau der "Supermacht Europa" und deren milit�rischer Aufr�stung, wom�glich auch mit Atomwaffen. ... F�r die strategische Vorbereitung und Umsetzung ihrer gesellschaftspolitischen Projekte stehen der Stiftung 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verf�gung. Hinzu kommen von der Stiftung finanzierte Forschungsinstitute wie das Centrum f�r angewandte Politikwissenschaft (CAP) in M�nchen, sowie ein engmaschiges Netzwerk von pers�nlichen Beziehungen, das bis in die Spitzen der nationalen, europ�ischen und transatlantischen Politik reicht. Die au�enpolitische Agenda der Stiftung hat einen eindeutigen Fokus: Europa soll innerhalb der globalen Wirtschafts- und Machtbl�cke seine Interessen wahrnehmen, sich als Weltmacht definieren und zum globalen Milit�rakteur entwickeln, der bei Bedarf jeden Punkt der Welt kontrollieren kann. Damit sollen die sogenannten sicherheitspolitischen Interessen gewahrt werden, die Hand in Hand gehen mit wirtschaftlichen Interessen: sicherer Zufluss von Rohstoffen, ungehemmte Kapitalfl�sse sowie reibungslos funktionierende globale Liefer- und Absatzketten. ... 1999 gr�ndete die Bertelsmann Stiftung die Arbeitsgruppe "Venusberg Group". Sie besteht aus neun au�en- und sicherheitspolitischen "Experten" aus verschiedenen europ�ischen Staaten. Im Jahr 2000 ver�ffentlichte das Gremium unter dem Titel "Enhancing the European Union as an International Security Actor. A Strategy for Action" ein sicherheitspolitisches Konzept f�r die EU. Darin wird gefordert, dass sich "die EU bis 2030 gegen alle Arten von Bedrohung autonom verteidigen k�nnen" soll.
Und sonst: Neues vom Terror.web: Al Qaeda ramps up its propaganda. The bin Laden video is the latest of the group's 2007 media blitz: 63 messages, so far.

Aber auch Milit�rs in den USA und in der EU sind auf der Image- und Propagandafront nicht unt�tig: The Pentagon Gets a Lesson From Madison Avenue. U.S. Needs to Devise a Different 'Brand' to Win Over the Iraqi People, Study Advises: The key to boosting the image and effectiveness of U.S. military operations around the world involves "shaping" both the product and the marketplace, and then establishing a brand identity that places what you are selling in a positive light, said clinical psychologist Todd C. Helmus, the author of "Enlisting Madison Avenue: The Marketing Approach to Earning Popular Support in Theaters of Operation." The 211-page study, for which the U.S. Joint Forces Command paid the Rand Corp. $400,000, was released this week.

Gro�britanniens Verteidigungsministerium scheint da schon weiter zu sein, aber auch viel Geld zum Fenster hinauszuwerfen: Defence chiefs are spending millions of pounds of taxpayers' money on 1,000 "spin doctors" in an attempt to boost the military's public image. Yet in a striking admission, an internal Ministry of Defence (MoD) document reveals that senior officials have "no clear idea" of who they are, whether they are making an impact, or their actual cost to the country. The document, The Defence Communications Strategy, also contains what is believed to be the first official admission by the Government that there is little or no support for the war in Iraq among the British public. Simon MacDowall, the MoD's director general of media and communications, drew up the strategy in an attempt to reduce the bureaucracy of the department's public relations machine.

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2007-06-26

Wie Murdoch sein Medienimperium ausweitet

--- Die New York Times beleuchtet die st�ndige Ausbreitung des Medienimperiums von Rupert Murdoch, dessen Lobbying-Strategien und sich abzeichnende Interessenskonflikte mit dem geplanten Kauf der Verlagsgesellschaft des Wall Street Journals:
In the fall of 2003, a piece of Rupert Murdoch�s sprawling media empire was in jeopardy. Congress was on the verge of limiting any company from owning local television stations that reached more than 35 percent of American homes. Mr. Murdoch�s Fox stations reached nearly 39 percent, meaning he would have to sell some. A strike force of Mr. Murdoch�s lobbyists joined other media companies in working on the issue. The White House backed the industry, and in a late-night meeting just before Thanksgiving, Congressional leaders agreed to raise the limit � to 39 percent. One leader of the Congressional movement to limit ownership was Senator Trent Lott, Republican of Mississippi. But in the end, he, too, agreed to the compromise. It turns out he had a business connection to Mr. Murdoch. Months before, HarperCollins, Mr. Murdoch�s publishing house, had signed a $250,000 book deal to publish Mr. Lott�s memoir, �Herding Cats,� records and interviews show. His vast media holdings give him a gamut of tools � not just campaign contributions, but also jobs for former government officials and media exposure that promotes allies while attacking adversaries, sometimes viciously � all of which he has used to further his financial interests and establish his legitimacy in the United States, interviews and government records show. Mr. Murdoch may be best known in the this country as the man who created Fox News as a counterweight to what he saw as a liberal bias in the news media. But he has often set aside his conservative ideology in pursuit of his business interests. In recent years, he has spread campaign contributions across both sides of the political aisle and nurtured relationships with the likes of Bill and Hillary Clinton. More than 30 years after the Australian-born Mr. Murdoch arrived on the American newspaper scene and turned The New York Post into a racy, right-leaning tabloid, his holding company, the News Corporation, has offered $5 billion to buy a pillar of the business news establishment � Dow Jones, parent company of The Wall Street Journal. The sale would give Mr. Murdoch control of the pre-eminent journalistic authority on the world in which he is an active, aggressive participant. What worries his critics is that Mr. Murdoch will use The Journal, which has won many Pulitzer Prizes and has a sterling reputation for accuracy and fairness, as yet another tool to further his myriad financial and political agendas. �It is hard to imagine Rupert Murdoch publishing The New York Post in Midtown Manhattan, with all of his personal and political biases and business interests reflected every day, while publishing The Wall Street Journal in Downtown Manhattan with no interference whatsoever,� James Ottaway Jr., a 5 percent shareholder and former director of Dow Jones, said recently. ... From his beginnings as a proprietor of a single Australian newspaper, Mr. Murdoch now commands a news, entertainment and Internet enterprise whose $68 billion value slightly exceeds that of the Walt Disney Company.
In Richtung Murdochs Ambitionen Richtung China legt die NYT gleich auch noch mal nach, das Management der "guten alten Lady" hat wohl wirklich was gegen die �bernahme des Zeitungskonkurrenten durch den Medienmogul.

Und sonst: Mit Iran hat Murdoch noch nicht angebandelt, dort sollen Propagandakan�le wie "Press TV" unter staatlicher Regie gro� werden: Iran startet Konkurrenz zu CNN und BBC. Der Glaube, dass die eigentliche Macht in den Medien und damit in Worten und Bildern liegt, ist ansteckend.

Abgesang auf eine �ra symbolischer Politik: Die Trivialisierung der Politik. Sabine Christiansen und Tony Blair reiten dem Sonnenuntergang entgegen.

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2007-06-23

Bruce Willis �ber den Verfall des Internet

--- Die S�ddeutsche Zeitung hat mit Bruce Willis im Vorfeld der Premiere von Stirb langsam 2.0 ein h�bsches Interview gemacht, in dem es unter anderem um die Auswirkungen des Internet, Geheimdienste und den Irak-Krieg geht:
Seit es YouTube gibt, stehe ich, wie einige meiner Berufskollegen, jeden Tag in Unterhosen vor der Welt�ffentlichkeit. Ich beklage mich nicht �ber mein sehr privilegiertes Leben. Aber es ist so: Sobald ich in New York oder Los Angeles auf die Stra�e gehe, sobald ich im Meer bade, einkaufen gehe, einen Burger esse oder mit dem Fahrrad durch die W�ste fahre: es wird im Internet zu sehen sein, weil es irgendwer mit einem fuckin� mobile phone filmt. Eines Tages wird man Wege finden, mich zu filmen, w�hrend ich selbstvergessen auf dem Klo hocke. Ja, ein Mobiltelefon wird sich auf den Weg machen und von unten meine Eier filmen. Ist es das, was uns die Popkultur einst versprach? ... Na, ging es nicht bei der Kunst wie im Internet um Aufkl�rung, Freiheit und Information? War das Internet nicht das perfekte Projekt zur Verschmelzung von Pop und Politik? Das Infoparadies? ... Wir haben uns alle get�uscht, Mann! Das Internet ist ein Ort der Jagd, der Ablichtung, der Durchleuchtung. Im schlimmsten Fall: ein Ort von Hinrichtungen, sexuellem Missbrauch, ein Ort f�r Fahnder und Datensch�tzer. Im harmloseren Fall: Eine eskapistische Quatschwelt. Das Internet hat etwas Sonderbares bewirkt: Klatsch war immer ein Nebenprodukt der Popkultur. Nun ist Klatsch das Hauptprodukt des Pop...

Reden wir mal nicht mehr �ber die Soldaten, die das nun ausbaden m�ssen. Sondern �ber die Politik und �ber Ihren Geheimdienstvorschlag: Die CIA hat die Taliban gro�gemacht, weil sie sie brauchte im Kampf gegen die Sowjetunion! Die CIA hat Saddam Hussein gro�gemacht, weil sie ihn brauchte im Kampf gegen den Iran! Die CIA hat Verbrecher wie Augusto Pinochet unterst�tzt, weil sie Panik vor einem kommunistischen Chile hatten! Last not least hat die CIA 9/11 nicht verhindert, obwohl die M�glichkeit klar bestanden h�tte. Und denen trauen Sie zu, Osama bin Laden zu finden und die Taliban zu erledigen? Fuck, no! Die Sache sieht so aus: US-Regierungen haben Blut an den H�nden, wir haben zu oft die falschen Leute mit Waffen ausger�stet - und unsere jungen Soldaten da unten m�ssen auch das jetzt ausbaden.
Bruce vom Feinsten.

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2007-06-18

OhmyNews: Schw�chelt der B�rger-Journalismus?

--- Die LA Times widmet sich dem Modell Citizen Journalism am bekannten Beispiel OhmyNews in S�dkorea, das ja Vorbild etwa f�r die Readers Edition der Netzeiung oder Wikinews war (von denen man nicht so viel h�rt), und arbeitet dabei auch einige Schattenseiten des B�rger-Journalismus heraus:
Although traditional newspapers and magazines around the world are cutting jobs amid declining circulation and a shift toward the Internet, OhmyNews continues to recruit. It currently has a reporting corps of 50,000. The company's motto, posted outside its crammed office in central Seoul, is a big help-wanted sign: "Every citizen can be a reporter." The experiment has been lauded by the Economist and other publications. OhmyNews' founder and chief executive, Oh Yeon-ho, a onetime writer for a dissident magazine, has traveled the globe extolling the virtues of "participatory citizens' journalism" and offering a new business model for a struggling industry. "I find some universal applicability in the OhmyNews model," says the wiry 42-year-old. But as the news service has matured, a bit of the sheen has worn off. The headline on OhmyNews' story could be "Business Is Depressed, Readership Is Down and Backers Are Worried." After making a big splash during South Korea's 2002 presidential elections, the company lost money last year on revenue of about $6 million, most of it from ads. Its readership, as measured by page views on the Internet, has fallen to about 1.5 million a day, from a peak of 20 million five years ago. Last summer OhmyNews expanded into Japan, with $11 million of financing from Tokyo-based investment giant Softbank Corp., but neither that site nor the English-language international site has come close to matching OhmyNews' performance in South Korea. "My personal feeling is the future is not bright," says Yoon Young-chul, a journalism professor at Yonsei University in Seoul. "Its impact has been decreased." In some ways, OhmyNews is a victim of its own success. It was a pioneer of citizen journalism, but its ideas of engaging readers, particularly younger ones, have been co-opted by rival news purveyors in South Korea and all the way to CNN and the BBC. Mainstream media websites, including that of the Los Angeles Times, now post videos, photos and comments from the public. But OhmyNews has encountered other problems. It has faced questions of credibility, partly because of its liberal bent and its army of nonprofessional reporters. In one instance, an advertising agent and citizen reporter wrote a story promoting a company that, it was later discovered, was one of his clients, prompting Oh to issue a public apology. Oh declined to comment about that incident, but in an e-mail reply he said citizen reporters were required to reveal their association with clients. Reporters must also use their real names on stories and promise to abide by an ethics code similar to those of other news-gathering organizations. Thus far, the company says, only a few stories written by citizen reporters have been involved in legal disputes. ... To broaden its appeal, though, OhmyNews is devoting more resources to reporting on the economy and other topics. Oh is offering Journalism 101 classes to citizen reporters and trying to improve collaboration between the company's amateurs and professionals. OhmyNews has created a "panic button" online that citizen reporters can tap to talk with editors about what's happened to their stories. About 30% of submissions are rejected. ... Citizen reporters can't make a living working for OhmyNews. The company pays no more than $22 per submission, though readers can contribute as much as $54 at a time for a story they like through a tip-jar system, a la PayPal. Kim Young-oak, a Harvard-trained classics scholar, holds the record: More than $30,000 poured in after he wrote an article questioning the logic and wisdom of moving the nation's capital outside Seoul.
Passend dazu: Die USA suchen nach einer Definition f�r Journalisten und die damit einhergehenden Rechte: "Freier Fluss der Informationen" droht der US-Regierung zu breit zu werden. Der demokratische Repr�sentantenhaus-Abgeordnete Frederick Boucher hat mit dem Free Flow Information Act of 2007 einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der dem US-Justizministerium in seiner derzeitigen Fassung zu weit geht. Mit dem Gesetz sollen Journalisten davor bewahrt werden, Ermittlungsbeh�rden ihre Informanten preiszugeben, um den "freien Fluss der Informationen" zu gew�hrleisten. Ausnahmen gelten beispielsweise bei "Gefahren f�r die nationale Sicherheit". ... An diesem Punkt �berlappen die Argumente mit einigen, die in der Diskussion f�r und wider "B�rgerjournalismus" vorgef�hrt werden. Auch jener, der nicht daf�r bezahlt werde, der �ffentlichkeit aber wichtige Informationen �berbringe, bet�tige sich als Journalist. Insofern m�ssten auch Blogger unter das Gesetz fallen, meinen Bef�rworter von Bouchers Entwurf..

Ein recht dreister Media-Hack: Als das b�hmische Riesengebirge am gestrigen Sonntagmorgen inmitten einer Atombombenexplosion verging, d�rfte einigen Zuschauern des tschechischen Fr�hst�cksfernsehens im �ffentlich rechtlichen Sender CT2 wohl das Br�tchen im Halse stecken geblieben sein. Gl�cklicherweise stellte sich das Ganze als F�lschung der K�nstlergruppe Ztohoven heraus. Die hatten sich �ber das Internet in eine Kamera respektive einen Kameraserver gehackt, der im Rahmen des fr�hmorgendlichen Panoramafernsehens Bilder des Riesengebirges lieferte. Ausschnitte bei YouTube.

Auch das noch: Das ultimative �berwachungstool f�r Netzwerke. Strategen der US-Luftwaffe entwickelten ein wahrhaft futuristisches Konzept eines "Cyber-Fahrzeugs", um im virtuellen Medium ebenso pr�sent zu sein wie in der Luft, auf dem Boden, auf See oder im Weltraum.

Lobbying the "Googley Way": Google sucht offene Lobbying-Strategie und hat dazu ein "Public Policy Blog" ins Leben gerufen.

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2007-06-03

Bertelsmann-Stiftung als Staat im Staat?

--- In Telepolis wird die Arbeit der Bertelsmann-Stiftung von linker Seite kritisch hinterfragt:
Das Rezept der allgegenw�rtigen gemeinn�tzigen Stiftung ist stets das Gleiche: Die Gesellschaft soll wie ein Unternehmen gef�hrt werden. Die Bertelsmann-Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegr�ndet. Heute ist sie der mit Abstand einflussreichste Politikberater im Land. Und da sie offiziell als "gemeinn�tzig" agiert, ist auch gleich ganz oder teilweise von Steuerzahlungen befreit. ... Die Stiftung ist nicht etwa eine F�rderstiftung, sondern arbeitet ausschlie�lich operativ. Das hei�t, mit den ihr zur Verf�gung stehenden Mitteln von etwa 60 Millionen Euro im Jahr, die sich aus einer steuerfreien j�hrlichen Dividendenzahlung der Aktiengesellschaft an die Stiftung speisen, unterst�tzt sie nicht etwa Non-Profit-Organisationen bei der Erf�llung ihrer Aufgaben, sondern finanziert ausschlie�lich ihren, den eigenen Interessen verpflichteten Organisations-, Forschungs- und Beratungsapparat. Das unterscheidet sie auch ma�geblich von allen anderen "Beratern" im Gesch�ft: Sie nimmt kein Geld, sondern hat eigenes. ... Inzwischen gehen StiftungsmitarbeiterInnen in allen Landesregierungen ein und aus und kooperieren mit Kultusministerien, Kanzleramt und Bundespr�sident ebenso wie mit Kommunalverwaltungen. Die Experten der Stiftung sind allgegenw�rtig geworden und l�ngst nicht mehr wegzudenken: bei neuen Hochschulgesetzen, der EU-Verfassung, den Hartz-Gesetzen, der Au�enpolitik, geplanten Schulreformen, der Privatisierung von Gesundheitssystem und Kommunalverwaltungen sind ihre "Beratungen" ebenso ma�geblich und tonangebend wie auch bei der Etablierung einer Europ�ischen Armee und anderem. Mehr und mehr gelingt es der Stiftung hierbei, selbst zu definieren, was "Gemeinwohl" eigentlich meint � und zudem die Rolle der dem Staat aufgrund fehlender Steuereinnahmen immer weiter abhanden kommender eigener politischer Intelligenz einzunehmen, wodurch sie sich unabdingbar macht und bereits weit in die Kernbereiche staatlicher Souver�nit�t vorgedrungen ist: Die Stiftung wird mehr und mehr selbst zum "Staatsapparat" � ohne dabei jedoch demokratisch verfasst oder kontrolliert zu sein.

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2007-05-23

Das Internet und das "Propaganda-Modell"

--- Sheldon Rampton von PR Watch ist im Rahmen der sich interessant anh�renden Konferenz "20 Years of Propaganda?" der Aktualit�t des "Propaganda-Modells" nach:
In their groundbreaking 1988 book, Manufacturing Consent, professors Ed Herman and Noam Chomsky not only explained, but documented with extensive case studies, how mass media and public opinion are shaped in a democracy. Twenty years later, can their "propaganda model" still be used to explain modern media distortions? ... When it first appeared, it was almost unheard-of to suggest that U.S. media such as the New York Times, Time and Newsweek magazines and CBS News were propaganda vehicles. Today things are somewhat different. Across the political spectrum, there is a widespread belief that disinformation, deception and propaganda pervade the media. On the internet, the initials MSM have become a standard term of disparagement for untrustworthy "mainstream media." The right has in fact far surpassed the left at denouncing the myth of media objectivity and has developed an entire industry of think tanks, media watchdogs and pundits such as Michelle Malkin or Anne Coulter who devote themselves to discovering and denouncing purported instances of media bias � while enjoying privileged media access themselves. ... When considering media coverage of the current war in Iraq, much of Herman and Chomsky's propaganda model is directly relevant. For example, they identify the differential treatment given to "worthy" vs. "unworthy" victims of violence as a signature characteristic of propaganda. "A propaganda system," they wrote, "will consistently portray people abused in enemy states as worthy victims, whereas those treated with equal or greater severity by its own government or clients will be unworthy. The evidence of worth may be read from the extent and character of attention and indignation." ... At the same time, the history of the past 20 years since the book was written suggests that the five "filters" highlighted in the first chapter of Manufacturing Consent � media ownership, the importance of advertising, reliance on official sources, "flak" produced by wealthy interest groups, and anti-communism as an ideological control mechanism � serve better as descriptions of the media as they existed then in the United States than they do of media as they exist today. The five filters are an essential part of the Herman-Chomsky propaganda model, because they provide a way of explaining how propaganda can enter the media in a Western democratic society, without an overt system of outright coercion or censorship. ... Today, in place of "broadcasting" we hear increasingly of "narrowcasting." Rather than a single mass audience consuming the same broadcast information, we have multiple audiences, interests, and information channels. The emergence of new communications media challenge the propaganda/broadcast model by increasing the number of channels through which information reaches the public, and also by lowering the costs of entry to previously-excluded voices. On the internet in particular, blogging, virally-distributed email and collaboratively-written wikis have changed the traditional distinction between "broadcaster" and "audience."
Und sonst: U.S. Think Tank Calls for More Troops, More Propaganda. "A new security study released by the Third Way, a Democratic-leaning think tank," and authored by two former Clinton administration officials, discusses how to rebuild U.S. credibility overseas. "American voters yearn for an alternative to the Bush administration's aggressive foreign policy stance," say the Brookings Institution's William Galston and Harvard's Elaine Kamarck, "but neither Democrats nor Republicans are articulating a different path." Their study calls for "a robust military response to the terrorist threat," along with "a massive public relations effort akin to the Cold War propaganda machine."

Neue Spindoktoren braucht England: The Post-Blair Pitch Project: With British Prime Minister Tony Blair leaving office in June, people are wondering "who will be the next famous Downing Street spinner, the new Alastair Campbell," writes columnist Andy McSmith. Under Blair and his "New Labour" party, the term "spin-doctor" became widely known in Britain, and "two in particular -- Alastair Campbell and Peter Mandelson -- became so well known that the comics could make jokes about them." Unless Blair's designated successor, Gordon Brown, "has a late change of mind, it seems he will run his media operation through people who have come up via the Treasury press office and kept out of the public eye. That will mean sticking with low-profile Damien McBride, a former civil servant whose style, while direct, is less slick."

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2007-05-22

Sarkozy und die Medienmanipulation

--- Der WDR vergleicht Frankreichs neuen Staatspr�sidenten mit Berlusconi:
Nicht zuf�llig war Nicolas Sarkozy im Wahlkampf der Lieblingskandidat des Fernsehens. Wo er auftrat, stiegen die Einschaltquoten. Und der polarisierende Politiker, den die einen als Hoffnungstr�ger und die anderen als gef�hrlichen Demagogen betrachten, wusste die Spielfl�chen zur besten Sendezeit zu nutzen. Die Regie seiner sorgsam inszenierten Auftritte besorgte eine Werbefirma, deren Besitzer eingeschriebenes Mitglied seiner Partei UMP ist. Die Agentur produzierte zusammen mit TF 1, dem Sender von Martin Bouygues, die offiziellen Aufnahmen. So feilte Sarkozy via Bildschirm am eigenen Image. Als hilfreich erwies sich dabei, dass der vormalige Innenminister wie keiner vor ihm beste Kontakte in die Chefetagen der Medienlandschaft besitzt. Und der ebenso ehrgeizige wie machthungrige 52-J�hrige, den viele in Frankreich mit Napoleon vergleichen, wusste sie zu nutzen. Zum illustren Clan, den der nur 1,65 Meter gro�e Mann mit der steilen politischen Karriere um sich schart, geh�ren neben dem Bauunternehmer und Trauzeugen von Nicolas und Cecilia Sarkozy Martin Bouygues, dem Milliard�r Vincent Ballor� und dem Pr�sidenten des Luxus-G�ter-Konzerns LVMH Bernard Arnault auch Frankreichs Medienzar Arnaud Lagad�re, seines Zeichens Besitzer des Rundfunksenders Europe 1 sowie einer Reihe von Illustrierten wie "Paris Match" und diverser Provinzzeitungen, ferner Nicolas Beytout, Chefredakteur der konservativen Tageszeitung "Le Figaro", des weiteren R�stungsunternehmer und Herausgeber des "Figaro" Serge Dassault sowie der Pr�sident des Nachrichtensenders LCI Jean-Claude Dassier. ... Die N�he von Macht und Medien und Sarkozys bonapartistische Attit�de gegen�ber der Presse beobachten Vertreter der Zunft mit Sorge. Schon ist von einer "Berlusconisierung" der franz�sischen Medien die Rede. Sarkozy schr�nke die Presse- und Meinungsfreiheit ein, sein Arm reiche bis in die Redaktionsb�ros hinein und verringere dadurch die Spielr�ume einer differenzierten und kritischen Berichterstattung, so der Tenor. "Ich habe das beim Figaro-Magazine erlebt: Wenn ich etwas schrieb, das nicht komplett auf der Sarkozy-Linie lag, bekam ich einen Anruf von Serge Dassault, dem Besitzer des �Figaro' und �Figaro Magazines'", sagt Joseph Mac�-Scaron. "Mich hat die Berichterstattung �ber die Wahlkampagne von Nicolas Sarkozy an die Presse in der Sowjetunion in den 1950er Jahren erinnert - reine Propaganda." ... Hinweise auf Einsch�chterungsversuche, Drohgeb�rden und Einflussnahme bei Personalentscheidungen seitens des fr�heren Innenministers gibt es in der Tat. Nachdem "Paris Match" auf dem Titelfoto Cecilia Sarkozy mit einem Liebhaber zeigte, wurde Chefredakteur Alain Genestar entlassen. Ohnehin gilt die Illustrierte bereits als eine Art Hausblatt der Sarkozys. Als die linksliberale "Lib�ration" unter dem Titel "Der Verdacht" �ber den niedrigen Preis von Sarkozys Luxuswohnung berichtete, beschwerte der sich bei Hauptaktion�r Edouard de Rothschild �ber die "Schei�-Zeitung". "Man muss wachsam sein", meint deshalb Laurent Joffrin, Chefredakteur des Blattes, "denn es gab und gibt einige F�lle, die schwer zu verurteilen sind". Die Verflechtung von Medien und Konzernen, die von Staatsauftr�gen abh�ngig sind, sei grunds�tzlich problematisch, weil dieser Interessenkonflikt die Pressefreiheit beschr�nke.
Und sonst: In der Redaktion von Vanity Fair in Berlin Mitte herrscht zwei Stunden vor Redaktionsschluss gerade Stromausfall. Man darf gespannt sein auf die n�chste Ausgabe.

Gro�britannien arbeitet weiter an der Perfektionierung der �berwachung: Britische Polizei setzt erste Drohne ein und Britisches Innenministerium arbeitet an der Spitzelgesellschaft.

Presse-Trauma: Nicht der Einzelne ist verr�ckt, sondern das Ereignis. Traumatisiert werden kann jeder: Berufsanf�nger, aber auch alte Hasen. Der seinem Image nach abgebr�hte Kriegsreporter ebenso wie der Lokaljournalist, dessen kleine Welt f�r heil gehalten wird - und es nicht ist.

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2007-05-18

Bagdad-Videoblogger made by USA

--- Auch wo Blogger draufsteht, ist nicht immer Authentizit�t drin:
Anschl�ge, Angst und st�ndige Unsicherheit - das Leben in Bagdad ist hart. Drei junge M�nner aus der irakischen Hauptstadt berichten seit Wochen regelm��ig in Internet-Videoclips �ber ihren Alltag. Doch dahinter steckt ein cleverer Marketingtrick aus den USA. ... Nach dem ersten, fl�chtigen Anschein besitzt die Idee zu "Hometown Baghdad" die �blen Eigenheiten des Reality-TV vom Schlage "Survivor", "American Idol" oder "The Real World": Selbstbespiegelungen von M�chtegern-Stars, die sich vor Videokameras im Wettbewerb spreizen. Im blutenden Bagdad tr�ge die Banalit�t morbide Z�ge. Und wer abgew�hlt wird, endet in einer Scheinhinrichtung? In Wahrheit gelingt der Serie "Hometown Baghdad", in der drei Iraker Mitte zwanzig auftreten, das Gegenteil des Reality-Genres: Hinter dem irrealen Alltag der t�glichen Bombenanschl�ge und nach Dutzenden gez�hlten Toten tritt die unwirklich anmutende Realit�t von Ausama, Saif und Adel hervor, die um Normalit�t ringen. Das Internet ist das Forum f�r "Hometown Baghdad", die YouTube-Generation das Publikum. Die drei jungen M�nner wurden, wie die "Los Angeles Times" in einer Reportage �ber die Serie berichtet, von einer New Yorker Produktionsfirma unter 50 Bewerbern sorgf�ltig ausgew�hlt. Sie geh�ren der oberen Mittelschicht an, sprechen Englisch. ... Adel, der Rebell, tritt in einer legend�ren Szene auf, in der er Graffiti an eine H�userwand spr�ht. Sie ist zu sch�n, um wahr zu sein. Das Kamerateam half der Realit�t nach, indem es brav die Erlaubnis der Beh�rden einholte und nach dem Dreh die Wand wei� t�nchte.
Und sonst: Eine Medienverschw�rung, die dann doch wieder keine ist (PDF-Datei): Nach langer Suche hat Gerhard Hofmann, Chefkorrespondent von N-TV und RTL, einen Verleger fu?r sein Buch �Die Verschwo?rung der Journaille zu Berlin� gefunden. Ganz neue These: Einige Medien haben 2005 bewusst an Gerhard Schro?ders Stuhl gesa?gt ... Hofmann: Das waren weniger einzelne Kollegen, als vielmehr Bla?tter. Da geho?rte zum Beispiel der SPIEGEL dazu, natu?rlich BILD, in Teilen die FAZ, auch die ZEIT. Erstaunlich war das natu?rlich weniger bei BILD, als bei Druckwerken, die bisher eher auf der halblinken, sozialliberalen bis rot-gru?nen Seite zu verorten waren. ... Es gab keine gezielte Verschwo?rung � der Titel des Buches ist ironisch gemeint und als kleiner Bildungsnachweis in Anlehnung an ein klassisches Drama gewa?hlt. Es ergab eine mehr oder weniger zufa?llige Interessenu?bereinstimmung: Die einen taten es aus Auflagenopportunismus. Andere, weil sie schon immer gegen Rot-Gru?n waren, wieder andere weil man so eher Talkshow-interessant wird. Und schlie�lich: weil�s mehr fetzte � es hat einfach mehr Spa� gemacht, sich auf einen Machtwechsel einzurichten.

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2007-05-17

Keine Hoffnung f�r Irak - au�er Iran

--- Auch der neue YouTube-Channel des Pentagon kann anscheinend nichts an den Warnungen vor dem "endg�ltigen" Kollaps des Irak �ndern:
Andauernde Macht- und Vernichtungsk�mpfe gef�hrdeten das Bestehen des Landes in seiner derzeitigen Form, hei�t es in der Studie des Forschungsinstitutes Chatham House in London. Der Irak sei nicht nur durch einen B�rgerkrieg zerrissen, sondern durch Aufst�nde, an denen verschiedene religi�se, politische und ethnische Gruppen beteiligt seien. Um eine politische L�sung f�r den Irak zu finden, m�ssten die Sunniten in die Regierung miteinbezogen werden, warnte das Institut in seinem Bericht mit dem Titel �Die Wirklichkeit im Irak annehmen�. Au�erdem m�sse der radikale Schiitenf�hrer Moktada Sadr als rechtm��iger politischer Partner anerkannt werden, und f�r die Anliegen der Kurden sei eine �positive Antwort� zu finden. Die irakische Regierung sei nur einer von mehreren �staatsartigen� Handlungstr�gern, hie� es in dem Bericht. Sie sei �weitgehend unerheblich�, was das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben angehe. Dem Staat drohe die Spaltung und damit der Zusammenbruch. Vertreter des Irans und der USA wollen am 28. Mai im Irak �ber die schwierige Lage in dem Land sprechen. Um andere Themen werde es bei dem Treffen nicht gehen, betonte der iranische Au�enminister Manuchehr Mottaki bei einem Au�enministertreffen der Organisation der Islamischen Konferenz am Donnerstag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. �Nichts au�er dem Irak steht auf dem Programm.� Der Iran und die USA haben seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr miteinander.
Soweit ist es also schon, dass f�r die USA die letzte Hoffnung nun also anscheinend just Teheran mit seiner "Schurkenregierung" ist.

Und sonst: Schaulaufen der republikanischen Pr�sidentschaftskandidaten unter dem Motto: Wer ist der H�rteste im ganzen Land?: John McCain, damals wie heute Senator von Arizona, machte in der Debatte eine relativ gute, bedachtsame, konsequente Figur, gemessen daran, dass er der leidenschaftlichste Anwalt des Irak-Krieges ist, den die USA noch haben. Den Streit �ber das konservative Echtheitszertifikat losgetreten hatte �brigens der fr�here Gouverneur John Gilmore aus Virginia, der mit fahrigem, blassen Auftreten bei der TV-Debatte seine schmale Chance wohl verspielt hat. Ganz und gar verspielt hat sie Ron Paul, der silberhaarige betagte Texaner und einzige Kriegsgegner in der Runde. Er verstieg sich pl�tzlich zu langen Ausf�hrungen dar�ber, dass al-Qaida Amerika nicht wegen der Freiheiten und des christlichen Glaubens angreife, sondern weil �Amerika Hass erzeugt�. Es war ein politischer Suizidversuch auf offener B�hne, und Rudy Giuliani gab Ron Paul den Gnadenschuss. �Das ist�, rief er mit flammendem Blick, �eine erstaunliche Feststellung. Ich habe schon viele Begr�ndungen zum 11. September geh�rt, aber noch nie eine derma�en armselige!� Paul gibt sich auf seiner Kandidatensite erstaunlich Web-2.0-gewandt, aber d�rfte wohl bei der falschen Partei sein.

Nicht mehr ganz taufrisch, aber sehenswert ist die knapp einst�ndige Videodokumentation "Spin" von Brian Springer, die dem gro�en TV-Publikum verborgene Satelliten-�bertragungen auf Fl�stereien der Spindoktoren im US-Wahlkampf 1992 hin auswertet: Using the 1992 presidential election as his springboard, documentary filmmaker Brian Springer captures the behind-the-scenes maneuverings of politicians and newscasters in the early 1990s. Pat Robertson banters about "homos," Al Gore learns how to avoid abortion questions, George Bush talks to Larry King about halcyon -- all presuming they're off camera. Composed of 100% unauthorized satellite footage, Spin is a surreal expose of media-constructed reality. Dank an Max f�r den Tipp.

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2007-05-16

Der Mythos von der vierten Gewalt

--- Der Spiegel hat anl�sslich der Ver�ffentlichung des Buches Giftm�ll macht schlank ein Interview mit John Stauber von PRWatch gef�hrt. Dabei ging es auch um die "M�r" von der Presse als vierter Gewalt bzw. als "Bollwerk gegen Propaganda":
Amerika ist sicher das am meisten von Propaganda beherrschte Land der Welt. PR ist eine Multi-Milliarden-Industrie. Zehn Milliarden Dollar f�r PR sind eine konservative Sch�tzung. Anders als etwa in Deutschland sind bei uns die Journalisten zahlenm��ig den PR-Beratern deutlich unterlegen. Sie merken diesen Einfluss sofort, wenn Sie die USA mit anderen westlichen Demokratien vergleichen und darauf schauen, wie Themen wie der Klimawandel, Umweltgifte, und Arbeiterrechte diskutiert werden. Am Beispiel des Irak-Kriegs wurde das besonders deutlich. Die gro�en Medienkonzerne wiederholten im Prinzip die L�gen der Bush-Regierung. Noch im vergangenen Juli, so ergab eine Umfrage, glaubten �ber die H�lfte der Amerikaner, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besa�. Dann die Idee der "embedded reporter". ... Sie kam von Tory Clark, die vorher bei der Agentur Hill & Knowlton war und dann eine der Top-PR-Leute im Pentagon wurde. ... Es geht immer darum, den Medien das eigene Anliegen zu injizieren. Dazu geh�rt, f�r Stetigkeit in den Meldungen zu sorgen und die Medien entsprechend zu f�ttern. Bei Pressekonferenzen werden nur genehme Fragen oder Fragesteller zugelassen. Mit der M�glichkeit, im Schlepptau der Armee in Echtzeit vom Schlachtfeld zu berichten, bereitete die Regierung den Medien den Krieg so auf, dass er zum Quotenrenner wurde. Ein "Nachrichtenalarm" jagte den n�chsten. ... Von Anfang 2003 bis Mitte 2005 zahlte die amerikanische Regierung 1,6 Milliarden Dollar an PR-Agenturen und Journalisten. Eine Agentur, die Lincoln Group, sorgte sogar f�r get�rkte Nachrichten in irakischen Zeitungen. F�r US-freundliche Berichte wurde einfach gezahlt - und die US-Regierung konnte das den heimischen Medien stolz vorhalten.
Auf die Rolle von Weblogs im Irak-Krieg geht Stauber nicht ein, tsts.

Und sonst: Die GIs verbrauchen zu viel Bandbreite mit Social Networking: Soldiers serving overseas will lose some of their online links to friends and loved ones back home under a Department of Defense policy that a high-ranking Army official said would take effect Monday. The Defense Department will begin blocking access "worldwide" to YouTube, MySpace and 11 other popular Web sites on its computers and networks, according to a memo sent Friday by Gen. B.B. Bell, the U.S. Forces Korea commander. The policy is being implemented to protect information and reduce drag on the department's networks, according to Bell.

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2007-05-06

Spindoktoren sind �berall

--- Siemensskandal, Papstinszenierung oder Super-Kanzlerin Angela Merkel: Die Spindoktoren sind inzwischen �berall unterwegs. Heute beschreibt die FAS die Branche ein wenig n�her und wie sie immer wieder versuchen, �ber Ger�chte, Einsch�tzungen und Halbwahrheiten die Journalisten zu Artikeln mit dem richtigen Spin zu bewegen. Als Top-Spindoktoren der Wirtschaft werden Norbert Essing, Bernd Schuppener und Christioph Walther genannt (CNC). "Der Sturz von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld wurde zur peinlichen Niederlage f�r Walther. Noch nie wurde eine Intrige so �ffentlich ausgetragen, st�ndig gef�ttert und befeuert von dem Rudel der PR-Berater. Christoph Walthers Agentur hatte dabei den Auftrag, Kleinfelds Job zu retten. Die Spin-Doktoren gingen so offensiv und ungeschickt vor, dass sich die Siemens-Aufsichtsr�te provoziert f�hlten und dem Vorstandschef unterstellten, er wolle �ber �ffentlichen Druck eine Vertragsverl�ngerung erzwingen. Das Ergebnis ist bekannt: Heute sucht der Konzern einen neuen Chef."

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