2008-04-14

Berlusconi erneut an der Macht in Italien

--- Silvio Berlusconi ist seinem Ruf des italienischen Ph�nomens einmal mehr gerecht geworden und allem Anschein nach zum dritten Mal an der Staatsmacht im Land der bl�henden Zitronen. L�ngst hat sich die Mehrheit der Italiener mit der Ballung von Medienmacht und politischer Herrschaft abgefunden, doch die wohl unaufhaltsame erneute Wahl des Cavaliere zum Ministerpr�sidenten ist ein Akt der Verzweiflung und der Resignation. Der Medienmogul hat sich einmal mehr fast perfekt als Heilsbringer �ber alle seine TV-Kan�le inszeniert, der ein Wunder an den Geldbeuteln bewirkt und doch letztlich alles beim Alten l�sst. Ein treffender Kommentar in Zeit Online:
F�r Italien ist dieses Wahlergebnis ein gro�er R�ckschritt. Es wird die Distanz zum �brigen Europa noch weiter vergr��ern � Berlusconi und seine Verb�ndeten haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie von Europa rein gar nichts halten. ...

In seinem Wahlkampf hat Berlusconi au�er der Abschaffung der Kfz-Steuer wenig Konkretes versprochen. Umweltpolitik? Fehlanzeige. Schulpolitik angesichts der desastr�sen Pisa-Ergebnisse italienischer Sch�ler? Kein Interesse. Familienpolitik im Land mit der niedrigsten Geburtenrate der Welt? �berfl�ssig, genau wie Rezepte gegen die horrend hohe Jugendarbeitslosigkeit. Stattdessen verlieh er einem Mafia-Boss das Pr�dikat �heldenhaft�, k�ndigte regelm��ige Psycho-Tests f�r alle Richter und Staatsanw�lte an, behauptete, in seiner Partei die sch�nsten Frauen zu haben und empfahl einer Italienerin ohne Berufsperspektive, sie solle doch seinen Sohn heiraten. Es war der Berlusconi, wie ihn Italien und die Welt seit Jahren kennt � populistisch, egomanisch, folkloristisch � und hart an der Grenze des ethisch, politisch und juristisch Zul�ssigen. ...

Die Leute vertrauen Berlusconi � oder haben ihn vielleicht auch nur gew�hlt, weil sie sicher sein k�nnen, dass er sie in Ruhe l�sst. Dass er ihnen nichts abverlangt. Dass alles so bleibt wie es ist. Dass man ihnen nicht mit schmerzhaften Reformen kommt, ihnen keine Anstrengung abverlangt. Er verkauft den Italienern erfolgreich ein Bild von sich und ihrem Land, das mit der bitteren Realit�t nichts zu tun hat.

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2007-10-08

Berlusconi meldet sich auf der Politb�hne zur�ck

--- Mit seiner alten Aufteilung der Welt in schwarz und wei� sowie einem neuen Gel�bnis zum Kampf f�r die "Freiheit" hat sich Selbstinszenierungsk�nstler Berlusconi auf der schon immer besonders bunten politischen B�hne Italiens zur�ckgemeldet:
Am Ende regnet es Konfetti. Dicht fallen Flocken von der Decke, gro� wie Visitenkarten, schneewei� und himmelblau. Die Fahnen wehen, und in den hinteren Reihen h�lt es niemanden mehr auf seinen Pl�tzen. Nach vorn dr�ngen sie, nach vorn, wo ein Mann im dunkelblauen Anzug im Flockensturm die H�nde ausbreitet. L�nger als drei Stunden hatten die 8000 in der r�mischen Messehalle auf ihn gewartet, bis er endlich die B�hne betrat, rechtzeitig vor den Abendnachrichten im Fernsehen. Er sprach zu ihnen von einem Aufbruch, von einer neuen Zeit, einer besseren Regierung ... Silvio Berlusconi meldet sich zur�ck. "Ich bin �berzeugt, dass wir im Fr�hjahr w�hlen gehen", ruft er der Menge zu und zitiert gen�sslich Umfrageergebnisse, die ihm f�r diesen Fall eine satte Mehrheit versprechen. Der Wahlverlierer des vergangenen Jahres dr�ngt mit Macht heraus aus seiner ungeliebten Rolle als Oppositionsf�hrer. Er will wieder an die Regierung, mit einer neuen Partei, die das Mitte-rechts-Lager einen soll, zumindest die beiden gro�en Parteien, Berlusconis Forza Italia und die postfaschistische Alleanza Nazionale von Ex-Au�enminister Gianfranco Fini. "Circolo della libert�", Freiheitszirkel, hei�t Berlusconis neue Formation, die am Samstag in Rom zum ersten Kongress zusammengekommen ist. "Ihr seid die neue F�hrungsschicht", verspricht er ihnen, und sie feiern jubelnd ihren Meister. Die Organisation, die nach einem Jahr Arbeit in aller Stille auf mittlerweile 5300 Ortsverb�nde kommt, soll Berlusconis Waffe gegen Premierminister Romano Prodi werden ... Michela Vittoria Brambilla hei�t die Frau, die seine neue Partei organisiert. Vor einem Jahr hat sie angefangen, den Freiheitszirkel zu gr�nden. Nebenbei f�hrt die 39-J�hrige weiter die Betriebe ihrer Familie, darunter ein Gefrierkost- und ein Tierfutterunternehmen sowie ein Stahlwerk, was ihr den Beinamen "eiserne Lady" eintrug. Die langen roten Haare, der taillierte Blazer und die tief ausgeschnittene Bluse, die Zw�lf-Zentimeter-Abs�tze, die sie am Samstag in Rom tr�gt, haben dazu beigetragen, dass sie Berlusconis Liebling wurde, aber auch ihre Tatkraft, die der Meister lobt: "Sie ist eine wunderbare Person. Sie entscheidet eine Sache und setzt sie sofort um", schw�rmt Berlusconi. "Sie ist eine echte Kriegsmaschine, ein Bulldozer." Hand in Hand steigen die beiden am Samstag aufs Podium, sie strahlt ihn an und k�sst ihm die Hand: Wer hier der Chef ist, muss allen klar sein.
Wie es weitergehen k�nnte, l�sst sich im "Ph�nomen Berlusconi" nachlesen.

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