2009-06-24

Propagandakrieg im Iran nach den Wahlen

--- Um die Wahlen im Iran ist ein Propagandakrieg oberster G�te mit PsyOps offenbar von beiden Seiten und umfangreichen Medienmanipulationen ausgebrochen. Als "Ikone des Protests" gegen das Regime hat sich die erschossene Neda herauskristallisiert:
Die Bilder ihres Todes ersch�ttern seit Samstag Millionen von Menschen weltweit. Sie sind zum Symbol der Brutalit�t geworden, mit dem das iranische Regime gegen das eigene Volk vorgeht. Ein mit einer Handykamera aufgenommener Film soll Nedas letzte Augenblicke zeigen: Wie sie, anscheinend von einer Kugel in die Brust getroffen, zu Boden sinkt. Wie ihr Blut aus Mund und Nase quillt und sich zu einer dunklen Lache sammelt, wie um sie knieende M�nner verzweifelt versuchen, sie zu retten. Ein Scharfsch�tze der iranischen Sicherheitskr�fte soll f�r Nedas Tod verantwortlich sein. Ob das stimmt, wird sich wom�glich nie beweisen lassen. Wie bei allem privatem Foto- und Filmmaterial, das in diesen Tagen von Iran aus ins Internet gestellt wird, ist die Authentizit�t der Aufnahmen von Nedas Tod nicht zu �berpr�fen. ...



Einige unabh�ngige, glaubw�rdige Journalisten in Teheran arbeiten noch - die meist iranischst�mmigen Reporter mit einem zweiten, ausl�ndischen Pass nehmen dabei ein betr�chtliches Risiko auf sich. Sie waren es, die Nedas Familie ausfindig machten. Ihre Berichte erz�hlen von einer jungen Frau, die vielleicht zu Recht zur Heldin vieler junger Iraner geworden ist: Weil sie genau so war, wie sie. ... Das staatliche Fernsehen in Teheran versucht nun, den Neda-Kult zu bek�mpfen - und behauptete am Dienstag, das Video �ber den Tod der jungen Frau sei gef�lscht. Der Sender Khabar berichtete , es sei offensichtlich, dass diejenigen, die die Aufnahmen machten, auf etwas gewartet h�tten und das Ganze dann aus mehreren Winkeln gefilmt h�tten. Beweise f�r den F�lschungsvorwurf lieferte der Sender nicht.
Mehr zu vielen Widerspr�chen in den Berichten aus dem Nahen Osten und dem m�glichen Anheizen der "Revolutionsstimmung" durch westliche Geheimdienste und vor allem die CIA bei Fefe.

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2008-07-11

Bildmanipulation: Iran sch�nt Raketenstart

--- W�hrend sich die Krise zwischen Israel und Iran im Sinne auch der psychologischen Kriegsf�hrung zuspitzt, machen die Nachrichten �ber eine recht dreist Bildmanipulation der iranischen Agentur Sepah News die Runde. Die S�ddeutsche Online etwa titelt Rohrkrepierer f�r Irans Propaganda und schreibt:
Es war als Demonstration milit�rischer Macht gedacht, doch Irans Raketentest am vergangenen Mittwoch war allem Anschein nach nicht so erfolgreich, wie die Revolutionsgarden glauben machen wollten: Auf ihrer Internetseite Sepah News hatte die Elite-Einheit der Islamischen Republik ein Foto von dem Man�ver ver�ffentlicht, das zeigt, wie vier Raketen simultan ihre Feuerschweife in den Himmel ziehen und die W�stenlandschaft darunter in dichten Rauch und Staub h�llen.



Die Nachrichtenagentur Agence France-Presse verbreitete das Bild weiter, und zahlreiche internationale Zeitungen druckten es ab. Am Donnerstag zog die Agentur die Aufnahme zur�ck; sie sei "offenbar digital ver�ndert worden". Eine der vier Raketen sei vermutlich mit einem Bildbearbeitungsprogramm in das Foto hineinretuschiert worden, allem Anschein nach habe ein Geschoss nicht gez�ndet, so die Agentur weiter. Der Verdacht, die Revolutionsgarden h�tten geschwindelt, erh�rtete am Donnerstag die Agentur Associated Press, indem sie aus gleicher Quelle ein fast identisches Foto publizierte - auf dem die mobile Abschussrampe mitsamt der defekten Rakete zu erkennen ist. In der gef�lschten Aufnahme wurde offenbar die zweite Rakete von links dupliziert und als dritte von links eingef�gt. Die Rauchwolke dieser kopierten Rakete �hnelt verd�chtig jener, die im Original unten zu sehen ist. Schon in der Vergangenheit war iranischen Staatsmedien vorgeworfen worden, sie manipulierten Bilder.
Die Blogger von Boing-Boing namens gelassen und starteten einen Bildmanipulationswettbewerb unter dem Aufh�nger: "Iran: You Suck At Photoshop." Und weiter gehts: Or perhaps the headline of this post should read, "American media: you suck at fact-checking." Gewonnen hat ein Beitrag der anstatt der Raketen das Signet f�r das Stempelwerkzeug in Photoshop in den Himmel �ber der W�ste bef�rderte.

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2008-01-12

Aus Kriegssimulation im Golf wird fast Wirklichkeit

--- Der Zusammenstoss zwischen iranischen Schnellbooten und US-amerikanischen Zerst�rern in der Stra�e von Hormus hatte ein interessantes Vorspiel, berichtet die New York Times:
There is a reason American military officers express grim concern over the tactics used by Iranian sailors last weekend: a classified, $250 million war game in which small, agile speedboats swarmed a naval convoy to inflict devastating damage on more powerful warships. In the days since the encounter with five Iranian patrol boats in the Strait of Hormuz, American officers have acknowledged that they have been studying anew the lessons from a startling simulation conducted in August 2002. In that war game, the Blue Team navy, representing the United States, lost 16 major warships � an aircraft carrier, cruisers and amphibious vessels � when they were sunk to the bottom of the Persian Gulf in an attack that included swarming tactics by enemy speedboats. �The sheer numbers involved overloaded their ability, both mentally and electronically, to handle the attack,� said Lt. Gen. Paul K. Van Riper, a retired Marine Corps officer who served in the war game as commander of a Red Team force representing an unnamed Persian Gulf military. �The whole thing was over in 5, maybe 10 minutes.�

If the attacks of Sept. 11, 2001, proved to the public how terrorists could transform hijacked airliners into hostage-filled cruise missiles, then the �Millennium Challenge 2002� war game with General Van Riper was a warning to the armed services as to how an adversary could apply similar, asymmetrical thinking to conflict at sea. General Van Riper said he complained at the time that important lessons of his simulated victory were not adequately acknowledged across the military. But other senior officers say the war game and subsequent analysis and exercises helped to focus attention on the threat posed by Iran�s small, fast boats, and helped to prepare commanders for last weekend�s encounter.

In the simulation, General Van Riper sent wave after wave of relatively inexpensive speedboats to charge at the costlier, more advanced fleet approaching the Persian Gulf. His force of small boats attacked with machine guns and rockets, reinforced with missiles launched from land and air. Some of the small boats were loaded with explosives to detonate alongside American warships in suicide attacks. That core tactic of swarming played out in real life last weekend, though on a much more limited scale and without any shots fired.
Und sonst: Die gro�e Koalition sollte endlich einpacken: "Die Union kann mich mal!" Der Streit in der Gro�en Koalition eskaliert: SPD-Fraktionschef Struck provoziert im Konflikt um Jugendgewalt mit drastischen Worten - nachdem CDU und CSU ihn wegen eines Angriffs auf Koch als "infam, absto�end, perfide" beschimpft hatten.

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2008-01-09

Hillary Clinton punktet nach �ffentlichen Tr�nen

--- Das Zeigen von Emotionen scheint nicht nur Beziehungen manchmal zu retten, sondern auch Stimmen zu sichern in der Politik, jedenfalls konnte Hillary Clinton nach dem �berraschenden Anfangserfolg von Barack Obama mit einer �ffentlichen Gef�hlsdarbietung und verweinten Augen nicht weniger unerwartet in New Hampshire bei der zweiten Vorwahl punkten. "Zur�ckgeheult ins Wei�e Haus?", fragt die Welt daher frech online (Schlagzeile aber geklaut von der New-York-Times-Kolumnistin Maureen Dowd):
War es ihr tr�nenumflorter Blick, die brechende Stimme in einem Caf�haus am Morgen vor der Wahl, die Hillary Clinton retteten? Erbarmten sich die Frauen einer der Ihren, als sie einen Einblick gew�hrte, wie hart es ist, h�rter sein zu m�ssen als ein Mann, um Pr�sidentin zu werden? Man wird noch in Jahren dar�ber spekulieren, wie die Demoskopen in New Hampshire fast ohne Ausnahme so falsch liegen konnten und ob das Comeback Hillary Clintons der ersten offenen gezeigten Verletztheit in 35 Jahren geschuldet war. Oder doch der F�higkeit, die N�te, Hoffnungen und den Zorn der demokratischen Basis nach sieben Jahren Bush-Regierung besser zu erkennen als der Vision�r Barack Obama mit seiner Botschaft von Heilung und neuem Aufbruch. Fest steht, dass ihr knapper Sieg der amerikanischen Demokratie einen Dienst erweist. Es gab keine Kr�nung, es gibt weder Underdogs noch Unvermeidlichkeit.
Neben den immer mal wieder falsch liegenden Demoskopen kommen nun nat�rlich die Amerika-Experten zu Wort. In der Netzeitung etwa Thomas Greven, der beide Favoriten bei den Demokraten nicht so ganz f�r die Mehrheit der Amerikaner f�r w�hlbar h�lt: Einige Amerikaner entwickeln f�r einen schwarzen Pr�sidenten sicherlich eine gewisse Begeisterung. Aber f�r das Gros der Amerikaner ist das eine schwierige Vorstellung. Offen wird das niemand zugeben, offener Rassismus ist nicht mehr opportun in den USA. Aber ein kulturelles Unbehagen ist da. Ich gehe davon aus, dass es angesichts des Erfolges von Obama eine Gegenbewegung geben wird. ...Eine konservative Frau w�re als Pr�sidentin f�r die Amerikaner leichter vorstellbar. Aber Clinton schleppt � wie schon gesagt - viel Ballast mit sich herum. Sie gilt in den USA als liberal, in Deutschland entspricht das einer links-liberalen Einstellung. Als Kandidatin wird sie offenen Widerstand provozieren und ihre Gegner stark mobilisieren. Beim Sieg John McCains bei den Republikanern sprechen viele Beobachter derweil gleich von einem Auferstehungswunder.

Und sonst: Infoschlacht um die iranische Schnellboot-Attacke im Persischen Golf: Erst bewies das Pentagon per Videover�ffentlichung die iranische Provokation im Persischen Golf - heute droht es der Regierung in Iran, sie m�sse im Fall weiterer Konfrontationen auf See "Konsequenzen tragen". Provozierten iranische Boote US-Schiffe erneut, drohe ein Feuergefecht - und kein glimpflicher Ausgang wie bei dem Zwischenfall am Samstag. ... Die Szene stammt von Bord eines der US-Schiffe - dreieinhalb Minuten Filmmaterial, das die Darstellung des iranischen Au�enministeriums widerlegt, es habe sich um einen "Routinezwischenfall" gehandelt. Ein Offizier der iranischen Revolutionsgarde hat laut Irans staatlichem TV-Sender "Press TV" ge�u�ert, die USA h�tten das Video gef�lscht. ... Die entscheidenden 35 Sekunden O-T�ne aus der Kommunikation zwischen Navy und einem der iranischen Boote hat das Pentagon ver�ffentlicht. Die Stimme eines Iraners sagt mit starkem Akzent auf Englisch: "Ich komme auf euch zu." Ruhig, aber bestimmt, erwidert ein US-Soldat: "Zwei Boote n�hern sich unseren Kriegsschiffen. Ihre Identit�t ist nicht bekannt. Ihre Intentionen sind unklar." Man solle die Kommunikation aufnehmen. Dann pariert der iranische Soldat: "Ihr werdet in ein paar Minuten in die Luft fliegen" - als handelte es sich um einen milit�rischen Angriff oder ein Selbstmordattentat. Der US-amerikanische Soldat wiederholt diese Aussage. Dann endet die Pentagon-Aufnahme. Da kann man ja mal wieder glauben, wem man will.

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2007-12-07

Wie gef�hrlich sind die Atombestrebungen Irans?

--- In die Debatte um m�gliche atomare Bedrohung durch den Iran ist im Lauf der Woche Bewegung gekommen, weil die US-Geheimdienste pl�tzlich in einem �berraschenden Meinungswechsel vorl�ufig Entwarnung gegeben und Bushs Alarmismus als ebensolchen hingestellt haben. Der Economist hat die Sache noch einmal aufgegriffen:
Just two years ago the consensus view of America's 16 intelligence agencies was tough and unambiguous: Iran was �determined to develop nuclear weapons despite its international obligations and international pressure.� The fact that Iran then, in 2006, overtly restarted nuclear enrichment�the process to make nuclear fuel which can also be used to make fissile material for bombs�in defiance of United Nations Security Council resolutions only increased the sense of alarm. Speculation has since grown that America might take matters into its own hands and bomb Iran. George Bush said in a recent speech that an Iranian bomb could contribute to �world war three�. Dick Cheney, the hawkish vice-president, gave warning of �serious consequences� if Iran did not suspend uranium enrichment. Yet on Monday December 3rd the intelligence agencies revamped their view of Iran's nuclear-weapons programme. In a new official estimate released that day, the National Intelligence Council states frankly that �We judge with high confidence that in fall 2003, Tehran halted its weapons programme.� A few sentences later it states with �moderate confidence� that �Tehran had not restarted its nuclear-weapons programme as of mid-2007.� ... It also concludes that Iran is susceptible to outside diplomatic pressure and scrutiny ...

No explanation has been given for the agencies� about turn. But there is speculation aplenty. One analyst notes that the defection to the West of an Iranian general in 2007 may have produced better intelligence from inside Iran. The spies may also have concluded that earlier assessments were overly alarming, perhaps as a result of pressure from Mr Cheney, who may have sought an intelligence document to bolster any case for bombing Iran. ...

None of this, however, suggests that Iran�s nuclear programme is no longer a threat. America's national-security adviser, Stephen Hadley, argues that the new NIE only shows that �the international community has to turn up the pressure [on Iran]�. The NIE itself says that Iran �at a minimum is keeping open the option to develop nuclear weapons.� Even if Iran is not currently working on warheads or missiles to make a nuclear weapon (as it has been saying for years), it is publicly enriching uranium. Getting the right kind of fissile material is the hardest part of making a bomb.
Und sonst: Warum Larry Lessig nicht mehr �ber Copyright reden mag, sondern lieber Lobbying-Strukturen und Korruption in der Politik allgemein angehen will: Mr Lessig says legislators are clueless about �an issue that any rational policymaker has no problem understanding.� Swayed by campaign contributions from vested interests�such as film studios, music companies and book publishers�America's Congress has lengthened copyright terms 11 times in the past four decades, he observes. And Mr Lessig sees the same sorts of interference in other domains, such as the influence of sugar lobbies on government nutrition boards and that of pharmaceutical lobbies on doctors. �I felt I was spending too much time on the substance of copyright, as if that was the issue,� he says with palpable frustration. �I'm really getting tired of telling this story. It's not rocket science. But governments always get it wrong. What links these issues is that there is so much money involved in protecting them.� ... He is also arguing his case in speeches and on his blog, with the hopes of inspiring and encouraging others to participate in his campaign, in a manner akin to Wikipedia. If �you can architect the problem into bite-sized chunks� and then motivate volunteers, the results can be impressive, he says, noting that Wikipedia has grown to be one of the internet's ten most popular sites. �If we mobilise people to think of [corruption] as a trackable problem, we can use this technology to change Washington,� he declares.

Passend dazu: Siemens will sich von den j�ngsten Korruptionsskandalen reinwaschen: The Germany-based engineering company Siemens is launching its most extensive ad campaign ever, as it grapples with "a massive corruption scandal." The "Siemens answers" campaign, developed by WPP's Ogilvy & Mather, will run in "major markets around the globe." Siemens is spending $148 million a year on the three-year campaign, which highlights health care, energy and industrial "technologies being developed by Siemens." In addition to print ads, the campaign will include billboards, television ads and "keyword-based marketing" online. The goal is to "help Siemens regain the public's trust," after allegations surfaced that company managers paid bribes to win infrastructure contracts in several countries. Siemens is also a frequent funder of video news releases.

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2007-06-26

Wie Murdoch sein Medienimperium ausweitet

--- Die New York Times beleuchtet die st�ndige Ausbreitung des Medienimperiums von Rupert Murdoch, dessen Lobbying-Strategien und sich abzeichnende Interessenskonflikte mit dem geplanten Kauf der Verlagsgesellschaft des Wall Street Journals:
In the fall of 2003, a piece of Rupert Murdoch�s sprawling media empire was in jeopardy. Congress was on the verge of limiting any company from owning local television stations that reached more than 35 percent of American homes. Mr. Murdoch�s Fox stations reached nearly 39 percent, meaning he would have to sell some. A strike force of Mr. Murdoch�s lobbyists joined other media companies in working on the issue. The White House backed the industry, and in a late-night meeting just before Thanksgiving, Congressional leaders agreed to raise the limit � to 39 percent. One leader of the Congressional movement to limit ownership was Senator Trent Lott, Republican of Mississippi. But in the end, he, too, agreed to the compromise. It turns out he had a business connection to Mr. Murdoch. Months before, HarperCollins, Mr. Murdoch�s publishing house, had signed a $250,000 book deal to publish Mr. Lott�s memoir, �Herding Cats,� records and interviews show. His vast media holdings give him a gamut of tools � not just campaign contributions, but also jobs for former government officials and media exposure that promotes allies while attacking adversaries, sometimes viciously � all of which he has used to further his financial interests and establish his legitimacy in the United States, interviews and government records show. Mr. Murdoch may be best known in the this country as the man who created Fox News as a counterweight to what he saw as a liberal bias in the news media. But he has often set aside his conservative ideology in pursuit of his business interests. In recent years, he has spread campaign contributions across both sides of the political aisle and nurtured relationships with the likes of Bill and Hillary Clinton. More than 30 years after the Australian-born Mr. Murdoch arrived on the American newspaper scene and turned The New York Post into a racy, right-leaning tabloid, his holding company, the News Corporation, has offered $5 billion to buy a pillar of the business news establishment � Dow Jones, parent company of The Wall Street Journal. The sale would give Mr. Murdoch control of the pre-eminent journalistic authority on the world in which he is an active, aggressive participant. What worries his critics is that Mr. Murdoch will use The Journal, which has won many Pulitzer Prizes and has a sterling reputation for accuracy and fairness, as yet another tool to further his myriad financial and political agendas. �It is hard to imagine Rupert Murdoch publishing The New York Post in Midtown Manhattan, with all of his personal and political biases and business interests reflected every day, while publishing The Wall Street Journal in Downtown Manhattan with no interference whatsoever,� James Ottaway Jr., a 5 percent shareholder and former director of Dow Jones, said recently. ... From his beginnings as a proprietor of a single Australian newspaper, Mr. Murdoch now commands a news, entertainment and Internet enterprise whose $68 billion value slightly exceeds that of the Walt Disney Company.
In Richtung Murdochs Ambitionen Richtung China legt die NYT gleich auch noch mal nach, das Management der "guten alten Lady" hat wohl wirklich was gegen die �bernahme des Zeitungskonkurrenten durch den Medienmogul.

Und sonst: Mit Iran hat Murdoch noch nicht angebandelt, dort sollen Propagandakan�le wie "Press TV" unter staatlicher Regie gro� werden: Iran startet Konkurrenz zu CNN und BBC. Der Glaube, dass die eigentliche Macht in den Medien und damit in Worten und Bildern liegt, ist ansteckend.

Abgesang auf eine �ra symbolischer Politik: Die Trivialisierung der Politik. Sabine Christiansen und Tony Blair reiten dem Sonnenuntergang entgegen.

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2007-05-17

Keine Hoffnung f�r Irak - au�er Iran

--- Auch der neue YouTube-Channel des Pentagon kann anscheinend nichts an den Warnungen vor dem "endg�ltigen" Kollaps des Irak �ndern:
Andauernde Macht- und Vernichtungsk�mpfe gef�hrdeten das Bestehen des Landes in seiner derzeitigen Form, hei�t es in der Studie des Forschungsinstitutes Chatham House in London. Der Irak sei nicht nur durch einen B�rgerkrieg zerrissen, sondern durch Aufst�nde, an denen verschiedene religi�se, politische und ethnische Gruppen beteiligt seien. Um eine politische L�sung f�r den Irak zu finden, m�ssten die Sunniten in die Regierung miteinbezogen werden, warnte das Institut in seinem Bericht mit dem Titel �Die Wirklichkeit im Irak annehmen�. Au�erdem m�sse der radikale Schiitenf�hrer Moktada Sadr als rechtm��iger politischer Partner anerkannt werden, und f�r die Anliegen der Kurden sei eine �positive Antwort� zu finden. Die irakische Regierung sei nur einer von mehreren �staatsartigen� Handlungstr�gern, hie� es in dem Bericht. Sie sei �weitgehend unerheblich�, was das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben angehe. Dem Staat drohe die Spaltung und damit der Zusammenbruch. Vertreter des Irans und der USA wollen am 28. Mai im Irak �ber die schwierige Lage in dem Land sprechen. Um andere Themen werde es bei dem Treffen nicht gehen, betonte der iranische Au�enminister Manuchehr Mottaki bei einem Au�enministertreffen der Organisation der Islamischen Konferenz am Donnerstag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. �Nichts au�er dem Irak steht auf dem Programm.� Der Iran und die USA haben seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr miteinander.
Soweit ist es also schon, dass f�r die USA die letzte Hoffnung nun also anscheinend just Teheran mit seiner "Schurkenregierung" ist.

Und sonst: Schaulaufen der republikanischen Pr�sidentschaftskandidaten unter dem Motto: Wer ist der H�rteste im ganzen Land?: John McCain, damals wie heute Senator von Arizona, machte in der Debatte eine relativ gute, bedachtsame, konsequente Figur, gemessen daran, dass er der leidenschaftlichste Anwalt des Irak-Krieges ist, den die USA noch haben. Den Streit �ber das konservative Echtheitszertifikat losgetreten hatte �brigens der fr�here Gouverneur John Gilmore aus Virginia, der mit fahrigem, blassen Auftreten bei der TV-Debatte seine schmale Chance wohl verspielt hat. Ganz und gar verspielt hat sie Ron Paul, der silberhaarige betagte Texaner und einzige Kriegsgegner in der Runde. Er verstieg sich pl�tzlich zu langen Ausf�hrungen dar�ber, dass al-Qaida Amerika nicht wegen der Freiheiten und des christlichen Glaubens angreife, sondern weil �Amerika Hass erzeugt�. Es war ein politischer Suizidversuch auf offener B�hne, und Rudy Giuliani gab Ron Paul den Gnadenschuss. �Das ist�, rief er mit flammendem Blick, �eine erstaunliche Feststellung. Ich habe schon viele Begr�ndungen zum 11. September geh�rt, aber noch nie eine derma�en armselige!� Paul gibt sich auf seiner Kandidatensite erstaunlich Web-2.0-gewandt, aber d�rfte wohl bei der falschen Partei sein.

Nicht mehr ganz taufrisch, aber sehenswert ist die knapp einst�ndige Videodokumentation "Spin" von Brian Springer, die dem gro�en TV-Publikum verborgene Satelliten-�bertragungen auf Fl�stereien der Spindoktoren im US-Wahlkampf 1992 hin auswertet: Using the 1992 presidential election as his springboard, documentary filmmaker Brian Springer captures the behind-the-scenes maneuverings of politicians and newscasters in the early 1990s. Pat Robertson banters about "homos," Al Gore learns how to avoid abortion questions, George Bush talks to Larry King about halcyon -- all presuming they're off camera. Composed of 100% unauthorized satellite footage, Spin is a surreal expose of media-constructed reality. Dank an Max f�r den Tipp.

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2007-04-02

Iran �bt sich in psychologischer Kriegsf�hrung

--- Iran zieht in der Aff�re um die 15 gefangenen britischen Soldaten weiter alle Register der psychologischen Kriegsf�hrung. Gestern f�hrte das iranische Fernsehen die "Eindringlinge" noch einmal vor, einer entschuldigte sich �ffentlich beim iranischen Volk f�r die angebliche Verletzung des Territoriums:
"Alle 15 festgenommenen Soldaten haben akzeptiert, dass sie illegal in iranische Hoheitsgew�sser eingedrungen sind", meldete das iranische Staatsradio heute Morgen. Der staatliche Sender al-Alam zeigte gestern Abend Aufnahmen zweier britischer Soldaten in Khaki-Uniformen, die an einer Landkarte die Positionen ihres Schiffs erkl�rten. ... In dem TV-Kommentar hie� es, beide h�tten datailliert geschildert, wie sie in iranisches Gew�sser eingedrungen seien. Zudem h�tten die beiden angegeben, sie w�rden gut behandelt. Eine Sprecherin des britischen Au�enministeriums bezeichnete es in einer ersten Reaktion als "nicht akzeptabel, dass diese Bilder gezeigt werden".
Ungeachtet der neuen Videoaufnahmen bem�ht sich London weiter mit diplomatischen Mitteln um die Freilassung seiner Soldaten. Dazu seien interne Gespr�che im Gange, berichtete der Sender BBC heute unter Berufung auf Regierungskreise. Bereits am Wochenende zeichnete sich ab, dass London nun den direkten Kontakt zu Teheran sucht. Gro�britanniens Au�enministerin Margaret Beckett und Verkehrsminister Douglas Alexander bekr�ftigten ihre Bereitschaft zum Dialog. Sie sprachen allerdings nicht die von Teheran geforderte Entschuldigung aus. Verteidigungsminister Des Browne best�tigte, dass es zur L�sung des Konflikts "direkte bilaterale Kommunikation" mit den Iranern gebe. Einzelheiten nannte er nicht. Die Zeitung "Sunday Telegraph" zitierte einen Mitarbeiter aus dem Verteidigungsministerium mit den Worten: "Wir sind bereit, uns mit Iran �ber die Garantie zu einigen, dass wir niemals ohne ihr Einverst�ndnis in ihre Gew�sser eindringen, weder jetzt noch in Zukunft." Das Angebot sei aber kein Schuldeingest�ndnis oder eine Entschuldigung. "Ich glaube, die ganze Welt bedauert die Situation, die entstanden ist, und deswegen wollen wir einen Ausweg finden", sagte Au�enministerin Beckett. Eine L�sung solle auf friedliche Weise und so bald wie m�glich gefunden werden.
Ein Video-Mitschnitt des TV-Auftritts der beiden Gefangenen findet sich etwa bei LiveLeak, ein Bericht �ber die Darstellung der Aff�re in iranischen Blogs bei Spiegel Online.

Derweil f�llt das neue Schlachtenepos 300 von Warner Bros. bei den Iranern nicht ganz zu Unrecht unter die Kategorie westliche Propaganda: �Ganz Teheran ist in Aufruhr�, meldet das Magazin Time. Raubkopien des Films �300� hatten die iranische Hauptstadt erreicht. �300�, die Verfilmung eines Comics von Frank Miller �ber die Schlacht zwischen Persern und Spartanern 480 vor Christus an den Thermopylen, hat gleich am ersten Wochenende 70 Millionen Dollar eingespielt. ... er Film zeichnet zwei Welten: die der Spartaner, in der schon die S�uglinge abgeh�rtet werden und die Achtj�hrigen den Schwertkampf mit ihren V�tern f�hren, und die Welt der Perser, in denen Laszivit�t, Korruption, Verweichlichung und Grausamkeit herrschen. �Hollywood hat eine neue Front im Krieg gegen den Iran er�ffnet�, hie� es in den Abendnachrichten der staatlichen Fernsehanstalt Irans, und die Tageszeitung �Ayende-No� schrieb: �Der Film pr�sentiert die Iraner als D�monen, ohne Kultur, Gef�hl oder Menschlichkeit, die an nichts anderes denken als daran, andere Nationen anzugreifen und Leute umzubringen. Es ist ein weiterer Versuch, das iranische Volk und seine Zivilisation in den Augen der Welt�ffentlichkeit anzuschw�rzen, in einer Zeit zunehmender amerikanischer Drohungen gegen den Iran.� Die gr��te iranische Tageszeitung �Hamshari� erkl�rt, der Film �dient den Interessen der amerikanischen F�hrung. Er wird eine Welle des Protests in aller Welt ausl�sen. Iraner in Amerika oder in Europa werden eine solche Beleidigung nicht hinnehmen.� Javad Shamgari, der kulturpolitische Berater des Pr�sidenten Ahmadinedschad, erkl�rte, die USA wollten �Iran dem�tigen und die historische Realit�t verdrehen, um ihre eigenen Fehler wieder gutzumachen, indem sie amerikanische Soldaten und Kriegstreiber anstacheln.� Der Iran, der sich wenig empfindlich zeigte, als es um die Versammlung internationaler Holocaust-Leugner auf staatliche Einladung ging, hat bei der Uno in aller Form gegen die Darstellung der (vorislamischen) Perser in �300� scharf protestiert. ... Aber auch unter den westlichen Filmkritikern sorgt �300� f�r Unmut. Die Besprechung in �Filmstarts� nennt ihn gar �faschistische Propaganda�. Auch der Kritiker des �New Yorker� �u�ert Verst�ndnis f�r die erbosten Iraner. �Vielleicht haben die Iraner Schwierigkeiten zu verstehen, dass bei uns nicht die Regierung einen Film bestellt, sondern die Studiobosse. Aber man kann den Iranern nicht vorwerfen, dass sie keinen rechten Humor f�r unsere Popkultur haben. Sie haben in gewisser Weise recht: �300� ist eine politische Fabel, die der gegenw�rtigen Lage unheimlich auf den Leib geschneidert scheint. Wie viele antike Armeen sind, wie es hier von den Spartanern hei�t, f�r die �Vernunft� in den Krieg gezogen? Ein Hauch von Verachtung f�r den Osten � was Edward Said Orientalismus nannte � entsteigt aus dem Schlachtget�mmel, und macht �300� zu einem Epos �ber den Aufstieg der Demokratie.� Entstanden in einer Zeit der Frustration, in der Amerikaner �einen Krieg f�hren, den sie weder gewinnen noch beenden k�nnen, wirkt �300� wie das Produkt einer Kultur, die langsam und schmerzhaft durchdreht.�

Und sonst: Aufregung ohne Berechtigung im Fall Kathy Sierra? Call for blogging code of conduct. The support for a blogger hounded by death threats has intensified with some high profile web experts calling for a code of conduct in the blogosphere. The female blogger at the centre of the row has been shocked to discover that hers is not an isolated incident.

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2007-01-07

Die zwei Gesichter der Gates-Stiftung

--- Die LA Times hat sich die Gesch�fts- und Investitionspolitik der Gates-Stiftung mal genauer angeschaut, wonach die Philantrophie von Bill Gates und seiner Gattin anscheinend teilweise nach hinten losgeht bzw. die Investments ihre guten Taten konterkarieren:
Justice Eta, 14 months old, held out his tiny thumb. An ink spot certified that he had been immunized against polio and measles, thanks to a vaccination drive supported by the Bill & Melinda Gates Foundation. But polio is not the only threat Justice faces. Almost since birth, he has had respiratory trouble. His neighbors call it "the cough." People blame fumes and soot spewing from flames that tower 300 feet into the air over a nearby oil plant. It is owned by the Italian petroleum giant Eni, whose investors include the Bill & Melinda Gates Foundation. Justice squirmed in his mother's arms. His face was beaded with sweat caused either by illness or by heat from the flames that illuminate Ebocha day and night. Ebocha means "city of lights." The makeshift clinic at a church where Justice Eta was vaccinated and the flares spewing over Ebocha represent a head-on conflict for the Gates Foundation. In a contradiction between its grants and its endowment holdings, a Times investigation has found, the foundation reaps vast financial gains every year from investments that contravene its good works. ... The Gates Foundation has poured $218 million into polio and measles immunization and research worldwide, including in the Niger Delta. At the same time that the foundation is funding inoculations to protect health, The Times found, it has invested $423 million in Eni, Royal Dutch Shell, Exxon Mobil Corp., Chevron Corp. and Total of France � the companies responsible for most of the flares blanketing the delta with pollution, beyond anything permitted in the United States or Europe. Indeed, local leaders blame oil development for fostering some of the very afflictions that the foundation combats. Oil workers, for example, and soldiers protecting them are a magnet for prostitution, contributing to a surge in HIV and teenage pregnancy, both targets in the Gates Foundation's efforts to ease the ills of society, especially among the poor. Oil bore holes fill with stagnant water, which is ideal for mosquitoes that spread malaria, one of the diseases the foundation is fighting.
Interessant auch, dass die Auflistung der Times �ber die Geldanlagen auch "die Bundesregierung" ("German government") enth�lt (Anlagesumme: Between $1 billion and $1.5 billion). Sind damit Bundesschatzbriefe gemeint oder was?

Und sonst: Jawoll, Frau Bundeskanzlerin: Die Rede von Bush beim Pressegespr�ch w�hrend des letzten Besuchs von Merkel in Washington (gleich nach dem Antritt der EU-Ratspr�sidentschaft und der G8-F�hrung) ist lesenswert wegen all der sch�nen rhetorischen Darbietungen � la: Wir sprachen �ber Afghanistan, und, Frau Bundeskanzlerin, ich bin sehr dankbar f�r Ihre Unterst�tzung der Menschen in Afghanistan. Sie nehmen Ihre Verpflichtungen in der NATO ernst. Wir sind stolz darauf, an der Seite eines so starken Verb�ndeten dienen zu d�rfen.

Auch das noch aus der Sunday Times: Revealed: Israel plans nuclear strike on Iran. Israel has drawn up secret plans to destroy Iran�s uranium enrichment facilities with tactical nuclear weapons. Two Israeli air force squadrons are training to blow up an Iranian facility using low-yield nuclear �bunker-busters�, according to several Israeli military sources. The attack would be the first with nuclear weapons since 1945, when the United States dropped atomic bombs on Hiroshima and Nagasaki. The Israeli weapons would each have a force equivalent to one-fifteenth of the Hiroshima bomb. Under the plans, conventional laser-guided bombs would open �tunnels� into the targets. �Mini-nukes� would then immediately be fired into a plant at Natanz, exploding deep underground to reduce the risk of radioactive fallout. Update: Mehr zum Thema in Telepolis: Psychologische Kriegsf�hrung. Die Aufregung um vermeintliche Angriffspl�ne Israels auf Iran ist gewollt.

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