2008-07-14

Spindoktoren: Von bunten V�geln zu grauen Eminenzen

--- Die Fachzeitschrift Politik & Kommunikation berichtet in einem Beitrag von Stefan Marx im aktuellen Juli-Heft �ber neue Trends beim Spin Doctoring:
Kein Politiker kommt mehr ohne den Dreiklang aus strategischer Planung der eigenen Botschaften, der entsprechenden Pr�sentation und gro�er Reaktionsschnelle aus. Wer das vernachl�ssigt, kommt im schnellen Strom der 24-Stunden-Nachrichten sofort ins Trudeln ... Die fr�hen Spin Doctors der fr�hen Schr�der-Blair-Jahre ... griffen zur Selbstinszenierung: Blairs Sprecher Alastair Campbell lie� sich tagelang von der BBC bei der Arbeit filmen und wies vor laufender Kamera den eigenen Chef zurecht. Der Berater des Bundesfinanzministers, Klaus-Peter Schmidt-Deguelle, referierte in Interwiews �ber die Marke Hans Eichel. ...

So sehr sich auch Merkel und Brown von den Regierungsstilen der Vorg�nger abgrenzen wollen, die kommunikativen Lehren haben sie verinnerlicht. Die Pressestellen in den Regierungszentralen behalten nun die Medienberichterstattung gut im Auge: Bis eine im Internet herumgeisternde Falschmeldung dementiert ist, m�ssen Hauptstadtjournalisten oft nur noch 15 Minuten warten. Nur: Das geschieht ger�uschlos, ohne dass die PR-Experten im Bild erscheinen. Sie sind wieder graue Eminenzen -- ganz wie fr�her.

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2008-01-03

Sarkozy auf den Spuren von Berlusconi + Blair

--- Der franz�sische Pr�sident wird mit seinem gekonnten Medienspinning zum Dauergast beim Spindoktor. Dieses Mal betrachtet die FTD seinen Hang zum Boulevard und zur pomp�sen Selbstinszenierung, der schon manchem Politiker aber auch das Genick gebrochen hat:
Der Pr�sident auf Visite im Disneyland Paris an der Seite seiner neuen Geliebten Carla Bruni, der Pr�sident beim Anziehen, das Bett des Pr�sidenten mit seiner doppelten Kopfkissengarnitur, der Pr�sident beim Joggen, beim Feiern, beim Urlauben - Frankreich wird derzeit �berschwemmt von einer ikonoklastischen Bilderflut, die Kultur- und Politikgeschichte schreibt. Au revoir Diskretion, bonjour Bling-Bling: In lustvoller Selbstdarstellung inszeniert Nicolas Sarkozy sein privates wie politisches Leben als eine Reality-Show, die das Land in Atem h�lt. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass der Pr�sident einen neuen Mediencoup landet. Als Material taugt alles, was Sarkozy will, erlebt, tut. Tr�bt ein Flop wie der kommunikationspolitisch missratene Parisbesuch des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi das Image, wird die �ffentlichkeit flugs mit neuen Bildern besch�ftigt und abgelenkt - siehe das Bett und die Bruni. Die Medienstrategie ist nach den Kriterien des Product-Placements meisterhaft ... Wer nach Vorbildern f�r Sarkozys Kommunikations- und Darstellungstechnik sucht, wird im Ausland f�ndig. Von Tony Blair hat der Pr�sident gelernt, die Medien einem nie abebbenden, selbst produzierten Strom von Ereignissen auszusetzen, der den Eindruck der Dynamik erzeugt und es Journalisten schwieriger macht, den �berblick �ber Vorhaben und ihre Umsetzung zu behalten. Der italienische Medienmagnat Silvio Berlusconi hat als Premier seines Landes demonstriert, dass eine Mehrheit der W�hler nichts dagegen hat, wenn der Regierungschef neben Politik das eigene Leben zum Gegenstand seiner Darstellung macht, und dass Luxuskonsum unproblematisch ist, sofern er mit volksnahem Habitus einhergeht. Warum soll sich ein Spitzenpolitiker das verweigern, was das Volk Fu�ballern und Popstars g�nnt?
Und sonst: John Edwards - der von den Medien verdr�ngte Pr�sidentschaftkandidat der Demokraten: USA Today Squeezes Edwards Out of Race. Via PR Watch.

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2007-07-09

Die Memoiren eines Spindoktors

--- Tony Blairs langj�hriger Regierungssprecher Alastair Campbell, der Inbegriff eines Spindoktors, hat auf rund 800 Seiten Ausz�ge aus seinen Tageb�chern unter dem Titel The Blair Years ver�ffentlicht. Mega-Enth�llungen enth�lt der nat�rlich auch zurecht gesponnene, zensierte und im Vergleich zu ersten Entw�rfen immens zusammengestrichene Band ersten Medienberichten zufolge nicht. So schreibt die BBC:
Mr Campbell has been happy to confirm that he left out big chunks about the relationship between the current and former prime ministers for the simple reason he didn't want to hand David Cameron ammunition - thereby confirming these "lost" episodes would be damaging to the Labour government. He will, however, get around to recounting them some time in the future. The truth is, everybody and his dog already knows that the relationship between the two biggest political figures of the past decade was often bitter, divisive and even threatening to the smooth working of the government. Plenty of other insiders have detailed some of the spats, sulks and fallings-out so all that Mr Campbell could probably have done, under the self-imposed constraints, was add more vivid colouring to the scenes. And that is, frankly, what his published words seem mostly to have accomplished. ... But there are none of those breathtaking moments, the "killer facts" that we have come to expect, or at least hope for. ... So, nothing stunningly new in these diaries, although a diverting read for those who also lived through these events and may have a radically different take on things. And then there is the problem - the one which perhaps explains why Mr Campbell has rushed out the diaries within a fortnight of Mr Blair quitting. Things have moved on with such astonishing speed, as they do in politics, that these events already seem from another era altogether.
�hnlich Der Standard: Campbell demonstrierte mit seinem Buch drastisch, wor�ber er sich seit Jahren gern beklagt: die Beschleunigung der Zeitgeschichtsschreibung im Zeitalter einer globalisierten, 24 Stunden am Tag pr�senten Medienkultur. Aber schlie�lich w�re es doch "eine Verschwendung" gewesen, sagte Campbell der BBC, mit der Ver�ffentlichung seines Buches zu warten, "bis die Leute nicht mehr �ber uns nachdenken". Einer will das aber auch jetzt ganz bestimmt nicht tun: Der britische Premierminister Gordon Brown teilte am Wochenende mit, er werde Campbells Werk nicht lesen: "Die Vergangenheit ist die Vergangenheit." Zu dieser Vergangenheit geh�rt auch die ber�hmte Einsch�tzung des damaligen Schatzkanzlers Brown als "psychologisch defekt". Dass das urspr�nglich anonyme _Zitat von Campbell stammte, steht l�ngst fest. Aber war der H�ne aus der nordenglischen Grafschaft Yorkshire, der auch als Regierungssprecher gerne Klartext redete, auch der Urheber? Oder stammte das Zitat gar vom damaligen Premierminister Blair selbst? �ber dieses spannende Detail gibt das Buch ebenso wenig Auskunft wie generell �ber die permanenten Streitigkeiten zwischen Blair und Brown, welche die ersten zehn Jahre der Labour-Regierung pr�gten. ... Munition liefert er hingegen jenen in seiner Partei, die sich angesichts des nicht enden wollenden Debakels im Irak von der urspr�nglichen Entscheidung zum Krieg distanzieren wollen. Im Kabinett und in Blairs engem Umkreis habe es im Vorfeld des Feldzugs im M�rz 2003 niemanden gegeben, der nicht "ziemlich schwere Zweifel" gehabt h�tte. Nur einer sei vom Irak-Krieg � zumindest nach au�en hin � wirklich �berzeugt gewesen: Blair selbst. "Wenn er Zweifel hatte, dann hat er sie sogar vor uns verborgen", schreibt Campbell, der zehn Jahre als Medienberater Blairs t�tig war, lakonisch. Loyale Gefolgsleute Blairs wie Vizepremier John Prescott oder der fr�here Innenminister John Reid h�tten in der Sitzung vor dem Krieg jedenfalls "richtig krank" ausgesehen. Reid soll S�tze gesagt haben, die sich heute als bemerkenswert korrekte Weissagung lesen: Man werde "daran gemessen werden, wie der Irak nach Saddam Hussein aussieht". Ausz�ge gibts hier.

Und sonst: Frankreichs Medien werden gegen�ber Sarkozy aufm�pfiger, berichtet J�rg Altwegg in der FAZ: "Dass die Boulevardzeitung 'Aujourd'hui' ein Dossier �ber Sarkozy und die Medien erstellte, das aus dem Redaktionssystem verschwand, haben die anderen schnell gemeldet. Zwischen den Zeitungen wurde ein Informationssystem eingerichtet, das per E-Mail problemlos funktioniert. Jeder Vorfall gelangt an die �ffentlichkeit... Die Zeitungen profilieren sich gegen die Anspr�che der politischen Macht und m�ssen sich gegen das 'freie' Internet behaupten. Der Druck, den Sarkozy aus�bt, macht das Internet zur echten Informationsquelle. Millionen verfolgen im Internet die kleinen und gro�en Zensurgeschichten. Die Vorst�dte sind ruhig, die Demos auf den Stra�en ausgeblieben. Die Revolte rumort in den Medien."

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2007-06-26

Wie Murdoch sein Medienimperium ausweitet

--- Die New York Times beleuchtet die st�ndige Ausbreitung des Medienimperiums von Rupert Murdoch, dessen Lobbying-Strategien und sich abzeichnende Interessenskonflikte mit dem geplanten Kauf der Verlagsgesellschaft des Wall Street Journals:
In the fall of 2003, a piece of Rupert Murdoch�s sprawling media empire was in jeopardy. Congress was on the verge of limiting any company from owning local television stations that reached more than 35 percent of American homes. Mr. Murdoch�s Fox stations reached nearly 39 percent, meaning he would have to sell some. A strike force of Mr. Murdoch�s lobbyists joined other media companies in working on the issue. The White House backed the industry, and in a late-night meeting just before Thanksgiving, Congressional leaders agreed to raise the limit � to 39 percent. One leader of the Congressional movement to limit ownership was Senator Trent Lott, Republican of Mississippi. But in the end, he, too, agreed to the compromise. It turns out he had a business connection to Mr. Murdoch. Months before, HarperCollins, Mr. Murdoch�s publishing house, had signed a $250,000 book deal to publish Mr. Lott�s memoir, �Herding Cats,� records and interviews show. His vast media holdings give him a gamut of tools � not just campaign contributions, but also jobs for former government officials and media exposure that promotes allies while attacking adversaries, sometimes viciously � all of which he has used to further his financial interests and establish his legitimacy in the United States, interviews and government records show. Mr. Murdoch may be best known in the this country as the man who created Fox News as a counterweight to what he saw as a liberal bias in the news media. But he has often set aside his conservative ideology in pursuit of his business interests. In recent years, he has spread campaign contributions across both sides of the political aisle and nurtured relationships with the likes of Bill and Hillary Clinton. More than 30 years after the Australian-born Mr. Murdoch arrived on the American newspaper scene and turned The New York Post into a racy, right-leaning tabloid, his holding company, the News Corporation, has offered $5 billion to buy a pillar of the business news establishment � Dow Jones, parent company of The Wall Street Journal. The sale would give Mr. Murdoch control of the pre-eminent journalistic authority on the world in which he is an active, aggressive participant. What worries his critics is that Mr. Murdoch will use The Journal, which has won many Pulitzer Prizes and has a sterling reputation for accuracy and fairness, as yet another tool to further his myriad financial and political agendas. �It is hard to imagine Rupert Murdoch publishing The New York Post in Midtown Manhattan, with all of his personal and political biases and business interests reflected every day, while publishing The Wall Street Journal in Downtown Manhattan with no interference whatsoever,� James Ottaway Jr., a 5 percent shareholder and former director of Dow Jones, said recently. ... From his beginnings as a proprietor of a single Australian newspaper, Mr. Murdoch now commands a news, entertainment and Internet enterprise whose $68 billion value slightly exceeds that of the Walt Disney Company.
In Richtung Murdochs Ambitionen Richtung China legt die NYT gleich auch noch mal nach, das Management der "guten alten Lady" hat wohl wirklich was gegen die �bernahme des Zeitungskonkurrenten durch den Medienmogul.

Und sonst: Mit Iran hat Murdoch noch nicht angebandelt, dort sollen Propagandakan�le wie "Press TV" unter staatlicher Regie gro� werden: Iran startet Konkurrenz zu CNN und BBC. Der Glaube, dass die eigentliche Macht in den Medien und damit in Worten und Bildern liegt, ist ansteckend.

Abgesang auf eine �ra symbolischer Politik: Die Trivialisierung der Politik. Sabine Christiansen und Tony Blair reiten dem Sonnenuntergang entgegen.

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2007-06-13

Spin: Blair kritisiert Medienhype

-- Welche Ver�nderung geht in einem Menschen hervor, wenn er nach vielen Jahren eines der wichtigsten �mter in seinem Land abgeben muss? Tony Blair, scheidender Premierminister von Gro�britannien und einer der gr��ten Inszinierer seiner Politik (der dabei Vorbild f�r Gerhard Schr�der war) findet pl�tzlich die Inszinierung und Dauererregung in der Politik sch�dlich f�rs Land. ""Das Verh�ltnis zwischen Politik und Medien ist so besch�digt, dass es der Reparatur bedarf�, mahnt der britische Premierminister zwei Wochen vor dem Ende seiner zehnj�hrigen Amtszeit. �Der Schaden unterminiert das Selbstvertrauen des Landes und seine Institutionen, und er reduziert die F�higkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen.� Das s�hen auch F�hrungskr�fte aus Wirtschaft, Milit�r und gar Wohlfahrtsorganisationen so, sagt er. Es traue sich nur keiner, das offen zu sagen." Das notiert heute das Handelsblatt auf seiner Titelseite. Und weiter attackiert er Journalisten in einer Rede bei Reuters : "Ihnen kreidet er an, dass sie immer hektischer reagierten, immer bedenkenloser Themen hochpeitschten und immer schamloser auf den Bauch statt das Hirn des Publikums zielten. Wenn die Medien die wachsende Politikverdrossenheit kritisierten, dann m�ssten sie bei sich selber nach den Ursachen suchen. (...) "Ich gestehe meine Komplizenschaft ein�, sagt Blair. �In den fr�hen Tagen von New Labour haben wir unangemessen stark die Medien hofiert.� Damit habe man riskiert, die Trends, die er nun beklage, zu befeuern. Eine L�sung hat Blair nicht zu bieten, das ist auch nicht mehr seine Aufgabe. Er deutet nur an, dass ein neuer Regulierungsansatz n�tig sei. Die Debatte m�sse aus der Medienbranche selber kommen � �wenn die Politik sie startet, wird sie sie verlieren�.

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