2010-01-16

Kunduz und die ganze (Un-)Wahrheit

--- Sp�testens seit dem bei Wikileaks aufgetauchten Feldj�ger-Report geh�rt der Tanklaster-Beschuss bei Kunduz zu den vermintesten Gebieten des deutschen Kriegseinsatzes in Afghanistan mit viel Spinning und Propaganda drum herum. Der Spiegel legt heute mit einer knackigen Schlagzeile nach: Oberst Klein gibt gezielte Falschinformationen zu:
Vor dem Angriff hatten die von Bundeswehroberst Klein angeforderten US-Piloten mehrfach Bedenken ge�u�ert und nachgefragt, ob tats�chlich eine "akute Bedrohung" vorliege. Daraufhin lie� der deutsche Oberst seinen Fliegerleitoffizier antworten: "Ja, diese Menschen stellen eine akute Bedrohung dar", die Aufst�ndischen versuchten, das Benzin abzuzapfen, "danach werden sie sich neu formieren, und wir haben Erkenntnisse �ber laufende Operationen und dar�ber, dass sie vermutlich Camp Kunduz angreifen werden". In dem rund 500 Seiten starken Untersuchungsbericht, der bisher nur in Ausz�gen bekannt war und dem SPIEGEL vorliegt, korrigiert die Nato dagegen, dass es keine sicheren Erkenntnisse gegeben habe, "die auf einen geplanten Angriff der Taliban" gegen das deutsche Feldlager hinwiesen. Gegen�ber den Nato-Ermittlern gab Klein zudem zu, dass er gezielt die Unwahrheit angegeben habe, um sich die amerikanische Luftunterst�tzung zu sichern. Daf�r musste er den Eindruck erwecken, dass seine Soldaten Feindber�hrung hatten, also "troops in contact" waren, kurz: TIC. "Sein Problem sei gewesen, dass er gewusst h�tte, dass es in Wirklichkeit keine TIC-Situation gab", hei�t es in dem Protokoll von Kleins Befragung zusammenfassend. "Er war der Ansicht, dass er bei Meldung einer TIC-Situation die gew�nschte Luftunterst�tzung bekommen werde." ... Der Nato-Bericht bringt auch Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) weiter in Bedr�ngnis. Nach Informationen des SPIEGEL enth�lt der Bericht bereits alle Details, die Guttenberg angeblich erst bekannt wurden, nachdem er die Luftangriffe als "milit�risch angemessen" bewertet hatte.

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2009-10-15

Krieg der Drohnen

--- Esquire hat eine Reportage �ber die Wargames bei der Steuerung von Drohnen in Afghanistan aus der W�ste Nevadas unweit von Las Vegas aus:
Every so often in history, something profound happens that changes warfare forever. Next year, for the first time ever, the Pentagon will buy more unmanned aircraft than manned, line-item proof that we are in a new age of fighting machines, in which war will be ever more abstract, ever more distant, and ruthlessly efficient. ... at any given moment, three dozen armed, unmanned American airplanes are flying lazy loops over Afghanistan and Iraq. They linger there, all day and all night. When one lands to refuel or rearm, another replaces it. They guard soldiers on patrol, spy on Al Qaeda leaders, and send missiles shrieking down on insurgents massing in the night. Add to those the hundreds of smaller, unarmed Unmanned Aerial Vehicles being flown over the two countries by the Army, the Marines, and coalition countries, and a handful of missile-laden planes owned by the Central Intelligence Agency circling above Pakistan. Efficient and effective, the planes have fast become indispensable assets, transforming today's battlefields just as profoundly as the first airplanes transformed warfare during World War I. The Reapers and Predators are flown by about 500 two-man teams like Nelson and Anderson, and the crews can't keep up with demand. Last year, armed UAVs circled Iraq and Afghanistan for 135,000 hours � about fifteen years of nonstop flight time. This year, they will fly 190,000 hours, double that if you include all of the military's unmanned planes. ...

CIA Director Leon Panetta says UAVs are "the only game in town." It should be said that this kind of thinking substitutes a tactic, a piece of technology, for a strategy in Pakistan. But the remote missile strikes � there have been dozens this year � have killed many of the most-wanted Taliban and Al Qaeda leaders and scores of other fighters. They kill civilians, too, which riles the Pakistanis, but the American government has deemed that a bargain: It can methodically pick off people without risking American lives or the diplomatic headaches of a ground incursion or a captured pilot being paraded on the Internet. ... Even a desk jockey at the Pentagon can monitor the feeds if he has the right clearance. So enticing are these voyeur views that a special term for them has arisen in military circles: Predator porn.

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2008-03-29

LiveLeak zensiert Anti-Islam-Film "Fitna"

--- Just LiveLeak, das nicht gerade f�r Sensibilit�t bekannte ehemalige Ogrish.com, hat das heftig umstrittene "Fitna"-Video von seinen Seiten genommen:
Nicht einmal einen Tag lang war der Anti-Islam-Film Fitna von Geert Wilders auf dem britischen Videoportal LiveLeak.com abzurufen, wo dieser ihn gepostet hatte, nachdem die Website seiner Freiheitspartei aufgrund der Nachfrage nach dem Film zusammen gebrochen war. Der weithin kritisierte Film, der mit kruden Mitteln versucht, den Koran als Grundlage einer faschistischen Ideologie darzustellen, die nach der Weltmacht strebt, hat zumindest nach au�en hin nicht den von Wilders bezweckten Aufruhr provoziert. Wie anstelle des Videos bei LiveLeak mitgeteilt wird, habe man den Film aufgrund von nicht n�her benannten Drohungen gegen�ber den Mitarbeitern vom Netz genommen. Man habe keine andere Wahl gehabt, hei�t es in dem Statement, das sei ein schlechter Tag f�r die Meinungsfreiheit. Allerdings ist der Film dutzendfach auf YouTube (wenn auch meist nur f�r Internetnutzer, die sich angemeldet haben) und auf vielen anderen Webseiten zug�nglich. ... Wilders wird auch von unerwarteter Seite kritisiert. So fordert der d�nische Karikaturist Kurt Westergaard, dass seine Mohammed-Karikatur mit der Z�ndschnur im Turban aus dem Film entfernt werden muss. Er sei von Wilders nicht um Erlaubnis gefragt worden. ... Bei der Auseinandersetzung um den Film wird von den islamophoben Parteig�ngern Wilders weniger der Inhalt des Films diskutiert, sondern meist nur die Behauptung der Meinungsfreiheit ins Feld gef�hrt. Gelegen kommt da nun, dass LiveLeak das Video vom Netz genommen hat. Daran sehe man, welche Macht die Muslime bereits haben. Angefangen von UN-Generalsekret�r Ban Ki-Moon sehen viele in dem Film allerdings ... einen Aufruf zur Gewalt und eine Hasspropaganda.
Update: LiveLeak hat das Video wieder online gestellt.

Passend zum Thema: Trends in Cybercensorship. A talk with an editor of Access Denied: The Practice and Policy of Global Internet Filtering about the recent rise in Web censorship.

"Die andere Seite" ist derweil auch nicht unt�tig, wenn es um die Produktion von Propaganda-Videos geht: Dokumentationsfilm des "bayerischen Taliban": L�chelnd zum Selbstmordattentat. Es sind die letzten Minuten im Leben des C�neyt Ciftci: Der junge Mann aus dem bayerischen Ansbach verabschiedet sich l�chelnd von seinen afghanischen Begleitern. Wenig sp�ter z�ndet er seine Bombe.

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2008-02-29

Selbstzensur der britischen Medien im Fall Harry

--- Die britischen Medien hatten sich ein nationales Schweigegel�bde �ber den Kampfaufenthalt ihres geliebten Prinz Harrys im S�den Afghanistans auferlegt, wird nun nach der Bekanntmachung der Geschichte durch Matt Drudge und seinen omin�sen Blog-Report offenbar. Drudge -- am besten bekannt durch seinen Scoop mit der Clinton-Lewinsky-Aff�re -- bezog seine Informationen angeblich aus einer schon im Januar publizierten australischen Nachricht �ber den Einsatz des Blaubl�ters im wilden Kriegsgebiet einer australischen Gazette, die zun�chst nicht weiter f�r Aufsehen gesorgt hatte. Nur der London-Korrespondent der "Frau im Spiegel" wunderte sich auch, wieso Harry nicht mehr das Nachtleben in London bereicherte. Jetzt ist herausgekommen, dass das britische Verteidigungsministerium den Medien im sonst so klatschs�chtigen Gro�britannien ins Gewissen geredet, sch�ne Fotoreportagen nach der R�ckkehr des Prinzen angeboten und so das Stillhalte-Abkommen erwirkt hatte. Doch das Verhalten der britischen Presse wirft medienethische Fragen auf, findet nicht nur die Washington Post:
Harry, 23, ... deployed to Afghanistan on Dec. 14 and has been fighting Taliban forces from a forward combat base in southern Helmand province. His presence there had been kept secret from the public in a remarkable deal between the British military and media. But the secret was revealed in two little-noticed articles in an Australian tabloid magazine, and then blasted into the global media spotlight Thursday by the Drudge Report Web site. ... As soon as the news of his deployment leaked, British newspapers and television stations rolled out extensive special reports on the first British royal to see combat since the Falklands War more than 25 years ago. Those reports included lengthy taped interviews with Harry just before hisdeployment in December and last week at his Afghan base. Photos and video showed Harry firing a machine gun, patrolling on foot in full combat gear in an Afghan village and washing his socks in a camp sink. "All my wishes have come true," Harry told reporters in last week's camp interview, wearing a brown military T-shirt and camouflage pants and noting that he had not showered in four days. ...

The idea that Britain's diverse and highly competitive media outlets could keep a secret about anything struck many observers as remarkable -- particularly when that secret was England's favorite young hell-raising party boy. "It makes me wonder what else is going on," said John Harmer, 30, a London office worker. "I don't think it can be the first time" that the media have agreed to keep information from the public. Some wondered whether an agreement among leading media outlets to withhold information would damage the media's credibility. "One wonders whether viewers, readers and listeners will ever want to trust media bosses again," TV broadcaster Jon Snow wrote in his blog. "Or perhaps this was a courageous editorial decision to protect this fine young man?" Every major news outlet in Britain signed on to the deal, which was struck in three meetings called by top military officials between September and December, according to a media source involved in the process. ...

Details of the arrangement were hammered out at the second and third meetings. In return for their silence, the media would get access to a pre-deployment interview. They would also be allowed several "embeds" with Harry's unit. Pooled interviews, video footage and photographs of Harry in Afghanistan would be made available to all. ... British media critic Roy Greenslade called the Harry story "an incredible piece of self-censorship."
Harry selbst wird die Tage nun fr�hzeitig abgezogen, hat das britische Verteidigungsministerium verk�ndet.

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2007-09-08

Bin Laden geht unter die Globalisierungsgegner

--- Osama bin Laden hat sich wenige Tage vor dem 6. Jahrestag der Anschl�ge am 6. September einen Imagewandel verpasst. Das Blut von den H�nden gewischt, die Kalaschnikow abgelegt und den Bart schwarz gef�rbt wirbt der Terrorf�hrer in einem neuen Video um Sympathien an allen Fronten, wobei er sich vor allem in die Phalanx der Kapitalismuskritiker einreiht:
Die Rede ist aus mehreren Gr�nden ungew�hnlich. Dies betrifft zum einen den Inhalt: Nie zuvor hat Osama Bin Laden sich derart als eine Art globaler Oppositionspolitiker inszeniert. Weite Teile der Ansprache bestehen aus reiner Kapitalismus- und Globalisierungskritik. "So wie ihr euch zuvor aus der Sklaverei der M�nche, K�nige und Feudalherren befreit habt, so solltet ihr euch jetzt von den Irref�hrungen ... des kapitalistischen Systems befreien", sagt der Qaida-Gr�nder an einer Stelle.
Zum anderen ist ungew�hnlich, auf welche Art der Inhalt der Rede bekannt wurde. In der Nacht zum Donnerstag hatte die Qaida-nahe Produktionsfirma al-Sahab angek�ndigt, dass eine Rede des Terrorpaten bald ver�ffentlicht werde. Doch noch bevor die Terror-Propagandisten das Band publizierten, berichteten gestern US-Medien �ber die Kernaussagen Bin Ladens. ... Politische, geschichtliche und moralische Er�rterungen vermischend, zeichnet Bin Laden das Bild einer Nation, die auf der Verliererstra�e ist. Obwohl milit�risch �berm�chtig, k�nnten die Amerikaner im Irak nicht gewinnen - weil sie zwar moralisch argumentierten, in Wahrheit aber nur den Interessen internationaler Konzerne folgten. Das Ansehen der USA sei deswegen ruiniert. Um "den Krieg zwischen uns" zu stoppen, gebe es zwei M�glichkeiten: Entweder die Mudschahidin stellten die Kampfhandlungen ein, was aber nicht gehe, weil sie eine Pflicht erf�llten. ... Es gebe allerdings einen Ausweg, sagt Bin Laden weiter: Die Amerikaner sollten "nach einem alternativen, aufrechten Weg suchen", in dem es nicht darum gehe, andere zum eigenen Nutzen zu unterdr�cken. Nat�rlich hat dieser Weg auch einen Namen: Die Amerikaner sollen zum Islam konvertieren. Bin Laden macht sich sogar die M�he, Koranstellen aufzuz�hlen, in denen Jesus und Maria erw�hnt werden. Anders als in seiner vorherigen Ansprache aus dem Sommer 2006 droht er diesmal nicht mit Anschl�gen. Der Terrorpate sinniert stattdessen �ber B�cher, zum Beispiel des linken Intellektuellen Noam Chomsky. Der Libanon-Krieg, der Konflikt zwischen Hamas und Fatah, die Anschlagsversuche in Gro�britannien und Deutschland - all das wird nicht erw�hnt.
Einen ausf�hrlichen Bericht zur Wandlung bin Ladens gibts bei Telepolis: Mit Kapitalismuskritik zum Gottesstaat.

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2007-08-18

Bagdad-Blogger "Scott Thomas" ein Fake?

--- Spiegel Online berichtet �ber einen Glaubenskrieg um Bagdads Brutal-Blogger:
Das linke US-Magazin "New Republic" schockierte mit dem Front-Tagebuch eines Soldaten im Irak. Es steckte voller Brutalit�t, Grausamkeit, Zynismus. Die Armee erkl�rt die Berichte zur F�lschung, die Redaktion beharrt auf ihnen - eine Geschichte vom Schlachtfeld Wahrheit. Die Szenen waren herzlos, selbst f�r einen Bericht von der Front. Eine Irakerin, "ihr halbes Gesicht schwer vernarbt", von einer Bombe verbrannt. "Das t�rnt mich echt an", prahlte der Chronist. "Geschmolzene Haut, abgetrennte Gliedma�en." Er beschrieb, wie er und seine Freunde die Frau auslachten. Dann Reue: "Ich war entsetzt und sch�mte mich zugleich f�r das, was ich gerade gesagt hatte." ... Der Verfasser dieser Zeilen, einer Art Tagebuch aus Bagdad, nannte sich "Scott Thomas". Die Berichte erschienen in der "New Republic", in der Online- und dann auch der Print-Ausgabe dieses einst einflussreichen linksliberalen, neuerdings zusehends mittigen US-Magazins, das alle zwei Wochen erscheint. "Scott Thomas" sei ein Pseudonym "f�r einen Soldaten, der momentan im Irak dient", schrieb die Redaktion. Es war ein journalistischer Kn�ller: ein schonungsloses Front-Blog eines GIs mitten im Geschehen, literarisch angehaucht. Die Sache traf mitten in die hitzig gef�hrte Abzugsdebatte. ...Leider war alles erfunden. Oder �bertrieben. Oder doch wahr? Kommt nun ganz drauf an, wem man glaubt. Die Armee jedenfalls erkl�rte die Frontberichte des Soldaten, der sich unter Druck als ein Gefreiter aus Illinois zu erkennen gab, nach f�rmlichen Ermittlungen f�r "falsch". ... Eine Woche sp�ter enth�llte die "New Republic" die Identit�t von "Scott Thomas". "Ich bin der Gefreite Scott Thomas Beauchamp, ein Mitglied der Alpha Company, 1/18 Infantry, Second Brigade Combat Team, First Infantry Division", teilte der Autor auf der Website des Magazins mit. Er dementierte, seine Berichte widerrufen zu haben. "Ich bin bereit, mit meinem wahren Namen zur Gesamtheit meiner Artikel f�r die 'New Republic' zu stehen." Beauchamp, 23, versicherte, seine Texte h�tten nur seine private Sicht des Krieges zeigen sollen. ... Die "New Republic" enth�llte au�erdem, wie es zu Beauchamp kam: Er sei mit Elspeth Reeve verheiratet, der Jungreporterin des Magazins. ... Sie verteidigte, dass ihr Autor anonym geschrieben hatte: Nur so habe Beauchamp "ehrlich und offen �ber seine Emotionen und Erlebnisse" schreiben und gleichzeitig weiter bei den Frontsoldaten dienen k�nnen. Alle Essays seien von der Dokumentationsabteilung gecheckt worden, schrieb Chefredakteur Franklin Foer. Man habe Experten hinzugezogen, um die Plausibilit�t zu pr�fen. Zeugen seien kontaktiert, der Autor selbst zum Liefern "zus�tzlicher Details" gedr�ngt worden.
Eine Erkl�rung zu dem undurchsichtigen Fall, der wohl nie restlos aufgekl�rt wird, gibt es bei New Republic online.

Und sonst: Die Irakisierung Afghanistans schreitet nicht nur mit der j�ngsten Entf�hrung einer deutschen Hilfsorganisationsmitarbeiterin voran.

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2007-08-02

Die Stimme der Taliban

--- Die Welt betrachtet den Medienkrieg der Steinzeit-K�mpfer:
Er telefoniert viel. Er wird seit zwei Wochen in westlichen Medien nahezu t�glich zitiert. Vor allem in Deutschland und in S�dkorea. Dabei wirkt er in seinen Anrufen bei Agenturjournalisten nicht einmal eloquent, sondern recht einsilbig. So als habe er nur Texte, die er ablese, aber kein dar�ber hinaus reichendes Wissen. Er spricht Paschtu, offenbar ausschlie�lich. Sein Name: Muhammed Jusuf Ahmadi. In anderer Schreibweise: Kari Mohammed Yusuf. Beruf: unbekannt. Aktuelle T�tigkeit: autorisierter Sprecher der Taliban. Muhammed Jusuf Ahmadi, von dem nicht einmal der Bundesnachrichtendienst ein Foto besitzt, ist nicht das Hirn der Taliban und nicht ihr Gesicht. Er ist einfach nur ihre aktuelle Stimme. Er versorgt die Medien mit den Schlagzeilen des n�chsten Tages: �Wir haben zwei Deutsche entf�hrt.� � �23 koreanischen Geiseln befinden sich in unserer Hand.� � �Das Ultimatum l�uft.� � �Beide Deutsche sind hingerichtet worden.�� �Eine letzte Frist f�r die Koreaner.� � �Dem Deutschen geht es schlecht.� Auf den Wahrheitsgehalt kommt es Jusuf Ahmadi erkennbar nicht an. ... ie von Mullah Omar gef�hrten Krieger wider die Moderne haben sich mit moderner Technik ausger�stet, um die �Ungl�ubigen� auf dem Schlachtfeld der medialen �ffentlichkeit zu besiegen. ... Hatten die Taliban in dem von ihnen beherrschten �Islamischen Emirat Afghanistan� Fernsehen, Musik, Kino und Internet unter drakonische Strafen gestellt, agieren sie heute aus ihren H�hlen und Unterst�nden mit H�rfunksendern, professionellen Web-Sites und eitlen Selbstdarstellungen vor westlichen TV-Kameras. ... Die Drehb�cher zu derartigen Inszenierungen schreibt das �Taliban-Medien-Komitee�, gegr�ndet 1993 kurz nach Ende der sowjetischen Besatzung. Abdul Hay Mudmateeb leitet die PR-Zentrale der Islamisten. Die Handy-Nummern und E-Mail-Adressen von Mudmateeb und seinen beiden Haupt-Sprechern Muhammed Jusuf Ahmadi und Zbiabullah Mujahed liegen Geheimdiensten und Journalisten vor. ... Der R�ckhalt der Taliban ist unter den Paschtunen immer noch gro�. Immerhin waren es die Islamisten, die mit Korruption aufr�umten, den Russen entgegen traten und die Macht der Warlords tadschikischer oder usbekischer Abstammung brachen. Aber BND-Experten sch�tzen den harten Kern der Taliban nur noch auf einige tausende Mann. Um sie herum agieren zigtausende Anh�nger und S�ldner mit begrenzter Loyalit�t.
Und sonst: Der Pressefreiheit gehts hierzulande anscheinend mal wieder an den Kragen: Ermittlungen gegen Journalisten. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln jetzt gegen 17 Journalisten, weil sie aus geheimen Akten des BND-Untersuchungsausschusses zitiert haben sollen

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2007-07-24

"Infame Propaganda" der Taliban beklagt

--- Im letzten Posting war der "Infowar" der Taliban im afghanischen Geiseldrama ja schon angeklungen, jetzt gibt es dazu Einzelheiten aus Sicht der Bundesregierung:
Die noch lebende deutsche Geisel in Afghanistan ist nach ARD-Informationen aufgesp�rt worden. Dem Ingenieur gehe es entgegen der Angaben der radikal-islamistischen Taliban-Miliz vergleichsweise gut. Die Gotteskrieger sind in dem Fall offenbar nur Trittbrettfahrer. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi hatte am Dienstag behauptet, dass die deutsche Geisel gesundheitliche Probleme habe. Er sagte: "Der Deutsche ist sehr krank, er hat Diabetes". Die Aufst�ndischen h�tten keine Medikamente. "Deswegen k�nnen wir ihm nicht helfen." Es gibt allerdings erhebliche Zweifel daran, dass sich die Geisel tats�chlich in der Hand der Taliban befindet. Experten vermuten, dass die Entf�hrung stattdessen auf einen Stammeskonflikt mit kriminellem Hintergrund zur�ckgeht und die Rebellen die Geiselnahme f�r ihre Zwecke instrumentalisieren. ... So etwas wie das Verhalten der Taliban, die im aktuellen Geiseldrama nur als Trittbrettfahrer gelten, habe man noch nicht erlebt, sagte Au�enamtssprecher Martin J�ger. Ein Novum sei, dass sich so genannte Sprecher der Taliban an die �ffentlichkeit wendeten und von Dingen berichteten, die durch die Realit�t nicht gedeckt seien. So sei am Samstag die Mitteilung in Umlauf gebracht worden, das Ultimatum f�r die deutsche Geisel laufe ab. Sp�ter habe sich das als "infame Propaganda" erwiesen. Die so genannten Sprecher w�rden die Medienberichte in Deutschland genau verfolgen und darauf reagieren, sagte J�ger. Die Taliban hatten zuvor eine neue Forderung gestellt. Da die Bundesregierung einen zun�chst geforderten Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ablehnt, wollen sie stattdessen nun die Freilassung von zehn Taliban-K�mpfern aus afghanischer Haft erreichen, sagte der Taliban-Sprecher.
Update: Das Au�enministerium hat inzwischen noch einmal nachgelegt: Im ARD-�Morgenmagazin� sagte der Sprecher des Ausw�rtigen Amtes, Martin J�ger, am Donnerstag: �Wir haben es nicht nur mit der Ebene der Attentate, der Massaker und Hinrichtungen zu tun, sondern wir haben es mit einem Ph�nomen zu tun, das Journalisten Medienkrieg genannt haben. Krieg mit Worten.� J�ger sagte, es werde von Seiten der Taliban sehr effizient mit dem Instrument der Propaganda gearbeitet. J�ger sagte, es handele sich bei den Taliban um �ausgesprochene Profis�. �Das sind die Zeremonienmeister des Terrors.� Sie f�hrten die Listen ihrer Schandtaten im Internet und beobachteten ganz gezielt die politische Diskussion in Europa, um darauf Einfluss zu nehmen.

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2007-07-22

Bushs halbherziges Folterverbot

--- W�hrend Sch�uble hierzulande kr�ftig an den Pfeilern des Rechtsstaates r�ttelt, besch�ftigt sich in den USA Bush mal wieder mit den "roten Linien":
Angeblich sollen nach einem Pr�sidentenerlass die Gefangenen nach den Genfer Konventionen behandelt werden, aber wenn es sich um "feindliche K�mpfer" oder deren Unterst�tzer handelt, darf die CIA trotz Mediencoup weitermachen wie bisher. Um das Steuer noch herumzurei�en und eines der dunkelsten Kapitel des "Globalen Kriegs gegen den Terror" abzuschlie�en, hat US-Pr�sident Bush gestern eine Verf�gung unterzeichnet, nach der auch "feindliche K�mpfer" nach den Genfer Konventionen behandelt werden m�ssen und Folter verboten ist. Aber die Politik des Wei�en Hauses hat sich nicht �ber Nacht ver�ndert. Es wird weiterhin getrickst, um Medien und �ffentlichkeit hinters Licht zu f�hren. ... Hat das Wei�e Haus endlich gelernt, dass es den USA mit der Praxis des Verschwindenlassens durch Verschleppungen, der Folter von Gefangenen und der unbegrenzten Inhaftierung auf Verdacht gro�en Schaden zugef�gt hat? Das Image der USA ist au�enpolitisch auf einen Tiefpunkt gefallen, innenpolitisch haben Bush und Cheney die Verfassung ausgehebelt und mit der Kriegserm�chtigung dem Pr�sidenten immer mehr Macht zugeschaufelt. Unter Druck von der demokratischen Mehrheit im Kongress und angesichts vorerst unl�sbarer Konflikte durch den "Globalen Krieg gegen den Terror", den man flugs auf den Irak erweitert hatte, scheint man im Wei�en Haus nun zu versuchen, mit dem Nachgeben in einem Punkt den von vielen geforderten R�ckzug aus dem Irak und damit das Scheitern des wichtigsten au�enpolitischen Ziels der Bush-Regierung umgehen zu wollen. ... Jetzt also soll die CIA nach seiner Anordnung Inhaftierungen und Verh�re gem�� des Artikels 3 Genfer Konvention ausf�hren, die die Behandlung von Kriegsgefangenen regelt. Folter ist danach verboten. Bush best�tigt allerdings, dass "Mitglieder von al-Qaida, der Taliban und verb�ndeter Organisationen" weiterhin als "feindliche K�mpfer" eingestuft werden und nicht dem Schutz der dritten Genfer Konvention �ber die Behandlung von Kriegsgefangenen unterliegen. Damit will sich das Wei�e Haus auf jeden Fall schon einmal die M�glichkeit belassen, Menschen zu verschleppen und unbegrenzt zu inhaftieren. Zudem ist nur die Rede von "einem Programm der CIA zur Festnahme und Befragung" die Rede, was zudem suggeriert, es k�nne auch noch andere geben. Aber auch f�r das "eine" Programm werden Bedingungen gestellt. Im Gegensatz zur Anti-Folter-Konvention definiert der Erlass Folter nach US-Gesetzen. So ist nach dem Strafgesetzbuch � 2340 Folter nicht auch jede "grausame, unmenschliche oder dem�tigende Behandlung oder Bestrafung", sondern "severe mental pain or suffering", wozu allerdings auch die Verabreichung von Drogen oder andere Verfahren z�hlen, die die Pers�nlichkeit eines Menschen tiefgreifend ver�ndern. ... CIA-Director Michael V. Hayden beeilte sich denn auch gleich zu versichern, dass der Erlass die CIA-Angestellten sch�tzt, weil klare Regeln vorgegeben werden. Sie grenzen zwar die Folter ein, legalisieren aber auch Foltermethoden. Angeblich seien nur 100 Terrorverd�chtige � "hardened terrorists" verschleppt und verh�rt worden. Weniger als die H�lfte seien denn "verst�rkten Verh�rmethoden" unterzogen worden.
Und sonst: Auch das US-Verteidigungsministerium ist r�hrig: Darpa will mit der "Kristallkugel" und dem "Blitzkrieg" in die Zukunft sehen. Die Forschungsabteilung des Pentagon will ein System entwickeln, das im Einsatz dem Kommandeur schnelle Entscheidungshilfe bei der Planung durch Vorhersage der Folgen einer Handlung bieten soll.

Die Taliban bet�tigen sich als Infokrieger: Informations-Wirrwarr um den toten Deutschen. Im Geiseldrama werden die Informationen aus Afghanistan immer widerspr�chlicher: Ein Polizeichef bestreitet pl�tzlich, den Tod eines verschleppten Deutschen verlautbart zu haben. Unklar ist auch, ob der Leichnam eine Schussverletzung aufweist.

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2007-06-22

Terrorgefahr jetzt zwischen abstrakt und konkret

--- Seit Jahren h�ren wir davon, dass Deutschland � wie fast der gesamte Rest der Welt � zum abstrakten Gef�hrdungsraum f�r islamistische Terroranschl�ge geh�rt, dass es konkrete Anschlagshinweise aber nicht gebe. Jetzt schl�gt das Bundesinnenministerium pl�tzlich Alarm und will irgendwie die Gefahrenstufe erh�hen. Wir sind jetzt also noch st�rker zwischen abstrakt und konkret als bisher: "Die �nderungen in der Einsch�tzung seien so signifikant, dass man nicht mehr von einer abstrakten Gef�hrdung sprechen k�nne. Konkrete Erkenntnisse �ber Anschl�ge in Deutschland gebe es aber nicht." Aha. Aber mehr zu den Hintergr�nden:
Jetzt hat sich diese Lageeinsch�tzung dramatisch ver�ndert. Eilig lud der Innenstaatssekret�r August Hanning Journalisten ein, um sie �ber die aktuellen Erkenntnisse zu unterrichten. "Wir sind alarmiert", verk�ndete er. Deutschland sei so gef�hrdet wie seit 2001 nicht mehr. Er f�hle sich an die Zeit vor dem 11. September erinnert. "Wir sind voll ins Zielspektrum des islamistischen Terrors ger�ckt." Hanning, ehemals Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND, gilt als einer der Top-Experten in Sachen Terror und als ruhiger Analyst, der nicht zu alarmistischen Warnungen neigt. ... Gerade deshalb ist die Wortwahl erstaunlich - und zeugt davon, wie nerv�s die Beh�rden sind. "Wir haben eine F�lle von Mosaiksteinen", sagt ein Top-Beamter. "Es passt pl�tzlich alles zusammen, das l�sst uns so besorgt sein." Was Hannings spontanes Briefing erreichen sollte, ist nicht ganz klar. Hochrangige Beamte sagen, man habe die �ffentlichkeit sensibilisieren wollen - ohne Panik zu sch�ren. ... In letzter Zeit, so erkl�ren Experten, verfolgten deutsche und internationale Dienste einen �hnlichen "Chatter" - so nennen die Fahnder die Erkenntnisse aus E-Mail- oder Telefongespr�chen - wie vor den Anschl�gen vor sechs Jahren. Was die Fahnder h�ren, l�sst Attentate in Deutschland zumindest wahrscheinlicher erscheinen. ... Einer der j�ngsten Bausteine ist ein aktuelles Video aus Afghanistan, das der US-Sender ABC vor drei Tagen ausstrahlte: Es zeigt Hunderte Mudschahidin, die von Taliban-Kommandeur Mansur Dadullah, dem Bruder des k�rzlich get�teten Top-Kommandeurs Mullah Dadullah, zu Selbstmordmissionen in den USA, Kanada, Gro�britannien und Deutschland verabschiedet werden. ... Eine andere Begebenheit lie� die Geheimdienstler aufhorchen: Am 10. Juni wurden an der iranischen Grenze nahe der Ortschaft Taftan drei M�nner aufgegriffen. Zwei sind Deutsche, einer Kirgise. Die pakistanischen Beh�rden nehmen an, dass die Festgenommenen aus Terrorlagern kamen - oder dorthin wollten. Auffallend war die Ausstattung: Im Gep�ck fanden sich Satelliten-Telefone und Funkger�te. ... Zun�chst will die Bundesregierung nach der ge�nderten Lageeinsch�tzung vor allem die Kooperation mit ausl�ndischen Stellen schnell und effizient verbessern. Ein Schl�ssel-Partner f�r diese Zusammenarbeit sind die USA, aber auch Pakistan. Von dort, so reichlich frustrierte Ermittler, komme aber stets wenig oder nur gefiltert.
Update: Just Sonst-Scharfmacher Beckstein h�lt die Terrorwarnungen nun "aus bayerischer Sicht eher etwas �berzogen", w�hrend Sch�uble von der "Lebensnotwendigkeit" der Kommunikations�berwachung nebst heimlichen Online-Durchsuchungen spricht.

Und sonst: Die Schweiz geht gegen islamistische Internet-Propaganda vor: Swiss trial convicts two Muslims accused of supporting terror on Internet. A Swiss court on Thursday convicted two Muslims for supporting a criminal organization by running Web sites that posted statements from al-Qaida-linked groups and showed executions. The main defendant, Moez Garsallaoui, a Tunisian, was sentenced to six months in prison and given an additional 18 months suspended.

Das Pentagon heuert PR-Unterst�tzung beim Fernsehen an: Pentagon hires ABC reporter to improve PR. The Pentagon will announce this week that Geoff Morrell, previously a White House correspondent for ABC News, has been hired as the Defense Department�s on-camera briefer, a senior administration official told The Politico. Morrell, 38, will become a familiar face of the administration on television and the Web. The official said that a working journalist was chosen by Defense Secretary Robert M. Gates in an effort to improve press relations at a time when the administration is under pressure to show progress in Iraq.

Hillarys Wahlkampf 2.0: Einen Monat hat der Wettbewerb im Netz gedauert. Und die Vorschl�ge waren nicht alle sehr nett, die Hillary Clinton erhalten hat. In einem Video auf der Web-Site ihrer Wahlkampagne hatte sie Amerikas Internet-Gemeinde aufgerufen, Vorschl�ge f�r einen Titelsong f�r ihre Pr�sidentschaftswahlkampagne zu machen und dar�ber abzustimmen. Immerhin 25 000 Vorschl�ge kamen. Darunter gemeine Titel-Empfehlungen wie "Cold as ice". Blogger nannten das ganze "l�cherlich". Einer schrieb: "Wollt ihr mich verarschen?" - was Clintons Kampagne sofort ver�ffentlichte. Das alles soll nat�rlich nur eines zeigen: Dass Hillary gar nicht so ein Eisblock ist, wie viele behaupten.

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2007-04-11

Die schleichende Irakisierung Afghanistans

--- Sieht nicht gut aus am Hindukusch - Propaganda gibts ausreichend von beiden Seiten:
Kurz nachdem deutsche Tornados zu ihren Eins�tzen �ber Afghanistan gestartet sind, ersch�ttert eine neue Welle von Terroranschl�gen das Land am Hindukusch. Immer �fter sprechen Experten von der Irakisierung. ... Die Zahl der "sicherheitsrelevanten Vorf�lle" hat sich im Vergleich zum ersten Vierteljahr 2006 fast verdoppelt. Seit Januar wurden mehr als 130 Polizisten und Regierungssoldaten get�tet, die meisten davon im S�den, in Kandahar und Helmand. Das westliche B�ndnis hat bisher vor allem milit�risch reagiert: mit Offensiven, mit mehr Soldaten - erst am Dienstag k�ndigte Australien an, seine Truppen auf mehr als 1000 Mann zu verdoppeln. Dennoch mehren sich die Stimmen, die Afghanistan "auf der Kippe" sehen. Von der"schleichenden Irakisierung" Afghanistans spricht der Essener Terrorexperte Rolf Tophoven. Dabei verzeichnet die westliche Schutztruppe durchaus Erfolge: F�r den Fr�hling etwa haben die radikalislamischen Taliban eine Gro�offensive gegen die afghanische Regierung und die Truppen der Isaf angek�ndigt. "Der Angriff steht unmittelbar bevor", drohte Mullah Dadullah, ihr milit�rischer F�hrer in der Region, lautstark bereits vor Wochen: "Die Zahl der K�mpfer, die bereitstehen, hat 6000 erreicht. Und sie wird auf 10.000 steigen." ... Von einer derartigen Streitmacht k�nne kaum die Rede sein, h�lt Lieutenant Colonel Robert Walker dagegen, der das 2. Bataillon des Royal Canadian Regiment kommandiert, eine in Kandahar stationierte Kampfeinheit mit 1150 Mann: "Abgesehen von ein paar Selbstmordattentaten und improvisierten Sprengfallen war bislang nicht viel von einer Offensive zu bemerken." Die Schutztruppe, die das Land f�r die schwache Zentralregierung in Kabul stabilisieren soll, scheint den Taliban mit ihrer eigenen Fr�hjahrsoffensive zuvorgekommen zu sein: der "Operation Achilles". Anfang M�rz r�ckten amerikanische, britische, kanadische und niederl�ndische Isaf-Einheiten im Norden von Helmand ein. Dort hatten sich die radikalislamischen Gotteskrieger im vergangenen Jahr breitgemacht, die Kontrolle �ber D�rfer und ganze Landstriche �bernommen und ihre m�chtigste Waffe in Stellung gebracht: "Papaver somniferum", besser bekannt als Schlafmohn, Rohstoff f�r Opium. Glaubt man der Isaf, dann ist die Operation Achilles, an der rund 5000 Soldaten beteiligt sind, ein durchschlagender Erfolg. Der Kajaki-Staudamm im Norden Helmands, in dem 40 Prozent der afghanischen Wasservorr�te gespeichert sind, sei freigek�mpft worden, berichtet der Luftwaffen-Staffelkapit�n Dave Marsh. Ende vergangener Woche wurden Hunderte weitere Soldaten in die Provinz verlegt. Damit soll der Druck auf die Taliban weiter erh�ht werden. ... "Es besteht kein Zweifel, dass die Taliban und ihre Sympathisanten zurzeit versuchen, aus dem Irak bekannte Taktiken zu �bernehmen", sagt ein westeurop�ischer Sicherheitsexperte: "Sie verf�gen aber noch nicht �ber das gleiche K�nnen wie die dortigen Aufst�ndischen." Nachrichtendienste wollen herausgefunden haben, dass in Afghanistan das Verh�ltnis zwischen den heimischen Gotteskriegern und den Kadern des Terrornetzwerks al-Kaida alles andere als ungetr�bt ist. Letztere sollen - etwa bei der Z�ndung von Bomben - �ber hochmodernes Know-how verf�gen, dies aber nur ungern an die als r�ckst�ndig geltenden Taliban weitergeben. "Die Taliban haben keinen R�ckhalt in der Bev�lkerung", sind sich Isaf-Offizier Walker und Polizeigeneral Alizei einig. Bei dieser Einsch�tzung d�rfte allerdings einiges an Zweckoptimismus mitschwingen.
Passend zum Thema: Anti-Terror-Krieg steigert Terror-Gefahr. Eine neue britische Studie der Oxford Research Group beweist, dass mit dem "Krieg gegen den Terror" und der Irak-Invasion die Unterst�tzung f�r Islamisten gewachsen ist. Endringlich warnen die Experten vor einem Iran-Feldzug.

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2007-03-11

Islamisten-Video: Deutsche Geiseln appellieren an Merkel

--- Die Ver�ffentlichung eines sechseinhalb min�tigen Videos der islamistischen Geiselnehmer hat die aktuelle Entf�hrung zweier Deutscher im Irak wieder in den Blickpunkt des Medieninteresses ger�ckt - kurz nach der Entsendung von Tornados nach Afghanistan durch den Bundestag. In der Aufnahme fleht die Mutter des nur neben ihr kauernden Sohnes Kanzlerin Merkel unter Tr�nen an, den Forderungen der Islamisten zum R�ckzug der deutschen Truppen aus Afghanistan Folge zu leisten, sonst werde man sie beide t�ten. An die Bundesb�rger geht der Appell, sich f�r die Erf�llung der Ma�gabe der Terroristen einzusetzen. Spiegel Online dazu:
Das Video wurde heute unter anderem auf einem einschl�gigen arabischsprachigen Internetforum verbreitet, in dem verschiedene Terrororganisationen seit Monaten ihre Bekennerschreiben, Propaganda und Videos ablegen. Die �berschrift lautet: "Eilige Nachricht. Aufruf der Gruppe 'Pfeile der Rechtschaffenheit' an die deutsche Regierung (Mit Video)". Auch erste Kommentare von Sympathisanten wurden bereits verfasst. Ein User namens "Al-Mudschahid al-Tarid" schrieb: "Gepriesen seien die 'Pfeile der Rechtschaffenheit', wahrlich, der eine Muslim ist des anderen Muslim Bruder". ... Auf ein einf�hrendes Koranzitat folgt die Einblendung des deutschen Reisepasses und des Personalausweises der entf�hrten Frau. Dann ergreift sie selbst das Wort und bittet auf Deutsch mehrere Minuten lang die deutsche Regierung darum, ihr zu helfen. Die Forderung "dieser Leute" bestehe darin, dass Deutschland sich aus Afghanistan zur�ckziehe, sagt sie. Ihre Worte wurden schriftlich ins Arabische �bersetzt. Danach melden sich die Entf�hrer zu Wort: Drei M�nner sind zu sehen, zwei davon bewaffnet, alle vermummt. Der Wortf�hrer tr�gt auf Arabisch vor: Deutschland sei Teil der Besatzer Afghanistans und m�sse abziehen. "Wir geben der deutschen Regierung zehn Tage vom Datum dieser Erkl�rung an, um den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan bekannt zu geben und zu beginnen", sagt ein Maskierter. Er liest die Erkl�rung von einem Zettel ab. "Andernfalls werden sie nicht einmal die Leichen dieser beiden Agenten zu sehen bekommen." Die beiden Deutschen werden seit Anfang Februar vermisst. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei den Entf�hrten um eine mit einem Iraker verheiratete, �ber 60 Jahre alte Frau und ihren Sohn, der Mitte 20 sei. ... Dutzende Terrorgruppen aus dem Irak melden sich t�glich zu Wort, um ihre Attacken kundzutun. Aber die "Pfeile der Rechtschaffenheit" waren bisher nicht dabei.
Inzwischen ist auch die bereits bekanntere "Stimme des Kalifats" auf den Drohungszug per Video aufgesprungen: "Warum solltest Du (Deutschland) all diese wirtschaftlichen Interessen gef�hrden wollen f�r das Wohl von Bush und seiner Bande?", fragt ein Sprecher darin auf Arabisch und mit Blick auf das deutsche Engagement in Afghanistan. "Ist es nicht dumm, die Mudschahidin zu ermutigen, Anschl�ge in eurem Land zu ver�ben?" Eine Institution namens "Stimme des Kalifats" ist schon mehrfach in Erscheinung getreten, erstmals 2005. Dabei handelte es sich zun�chst um den Versuch, eine w�chentliche Internet-Fernsehsendung unter diesem Namen zu etablieren, die Terrorsympathisanten in aller Welt mit Informationen �ber die dschihadistische Internationale versorgt. Die Macher der Sendung, von der nicht einmal ein halbes Dutzend Ausgaben erschienen, entstammten nach eigenen Angaben der "Global Islamic Media Front" (GIMF). Die GIMF war urspr�nglich eine Art Online-Nachrichtenagentur, die dem Terrornetzwerk al-Qaida nahe stand. Mittlerweile scheint sie aber komplett in die H�nde von Terrorsympathisanten �bergegangen zu sein, die es als ihre Aufgabe betrachten, Neuigkeiten von al-Qaida & Co. (die sie im Internet auf einschl�gigen Dschihad-Websites zusammensuchen) einem m�glichst gro�en Publikum zug�nglich zu machen. Zu Terroranschl�gen haben sich bisher aber weder die GIMF noch der Kanal "Stimme des Kalifats" bekannt. Einige Experten vermuten, dass es sich eher um Trittbrettfahrer als um Terroristen handelt, die lediglich versuchen, mit lautstarken Erkl�rungen und Drohungen Angst und Schrecken zu verbreiten.

In Pakistan ist Ende Januar ferner ein 29-j�hriger Deutsch-Bosnier aus Pforzheim unter dem Verdacht verhaftet worden, die Terrororganisation al-Qaida unterst�tzt zu haben. Der baden-w�rttembergische Verfassungsschutzpr�sident Johannes Schmalzl sagte, immer wieder opferten "junge M�nner aus Deutschland f�r die vermeintlich gute Sache aus ihrer Sicht ihr Leben im Ausland" - etwa im Irak, in Afghanistan oder in Tschetschenien. "Der Radikalisierungsprozess geht immer schneller voran. Besondere Bedeutung kommt dabei der islamistischen Propaganda im Internet zu." Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte am Donnerstag von zwei ebenfalls aus Deutschland kommenden t�rkisch-kurdischen Terrorverd�chtigen berichtet, die k�rzlich an der pakistanisch- afghanischen Grenze aufgegriffen und dann in amerikanische Obhut gebracht worden seien. Die M�nner sollen sich in einem Ausbildungslager islamistischer Terroristen aufgehalten haben.

Die Initiative Avaaz.org (von Res Publica und Moveon.org) will einen "Krieg der Kulturen" dagegen verhindern helfen: Es wird zunehmend vom �Konflikt der Zivilisationen� gesprochen. Aber das Problem ist nicht Kultur; es ist Politik � vom 9. September bis Guant�namo, vom Irak bis Iran. Dieser Zusammenprall ist nicht unumg�nglich und die meisten Menschen rund um den Erdball weisen dies von sich. Zusammen k�nnen wir es stoppen. Aber wo beginnen? Der pal�stinensisch-israelische Konflikt ist das Schl�sselsymbol f�r die Kluft zwischen dem Islam und dem Westen. Die Zeit l�uft f�r den Frieden ab: die internationalen F�hrer m�ssen die Initiative ergreifen. Sehen Sie unser neues Video � unterzeichnen Sie bitte nachstehende Petition. Wenn sich die F�hrer Ende M�rz treffen, wird unsere Nachricht in einer Art und Weise zugestellt werden, die sie nicht ignorieren k�nnen.

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2007-02-28

Mullah Dadullah als Nachfolger bin Ladens?

--- Spiegel Online stellt einen neuen Taliban-F�hrer vor:
Es l�sst Menschen vor laufender Kamera den Kopf abschneiden, befehligt nach eigenen Worten ein Heer von 6000 Selbstmordattent�tern: Mullah Dadullah gibt sich als der neue Anf�hrer der Taliban. Den westlichen Truppen in Afghanistan droht er mit einem blutigen Fr�hling. Falls Osama Bin Laden Starall�ren haben sollte, wird er in seinem Versteck dieser Tage Depressionen bekommen. Lange schon flimmerte das Konterfei des Scheichs der Terrororganisation al-Qaida nicht mehr in den Abendnachrichten. Und die Taliban? Sie brauchen Bin Laden nicht mehr als F�hrungsfigur. F�r ihren Kampf gegen die westlichen Truppen und die Regierung von Hamid Karzai in Afghanistan haben sie ihren "eigenen Star", warnen westliche Geheimdienstler. Der neue Albtraum am Hindukusch hei�t Mullah Dadullah, tr�gt tiefschwarzen Bart, stets eine Milit�rjacke und ist medial omnipr�sent. Die blutr�nstige Propaganda des Taliban-Kommandeurs ist nahe der afghanischen Grenze nicht schwer zu finden. Fast jeder CD-H�ndler auf dem Basar in Peschawar hat die neuesten Videos des Taliban-Anf�hrers. "Ach so, sie wollen die Dadullah-Tapes", sagt einer, "die sind gerade sehr beliebt". Kaum eine Minute verschwindet er, dann kommt er mit einem ganzen Stapel wieder. Knapp drei Euro will er pro St�ck. Wer mehrere kauft, bekommt Rabatt. Die Bilder auf den DVDs zeugen von Selbstbewusstsein und der neuen Professionalit�t der Taliban. Sie k�ndigen einen blutigen Fr�hling in Afghanistan an, in dem die internationalen Truppen einer erstarkten Talib-Armee und einer reorganisierten F�hrungsriege gegen�berstehen. Gut bewaffnet und logistisch besser organisiert denn je r�sten sie zur Schlacht gegen die verhassten Nato-Besatzer, deren Allianz in der letzten Zeit Risse zeigte. "Es soll der Sommer der Entscheidung werden", sagt einer, der ab und an mit Taliban-Kommandeuren Tee trinkt. ... Erst k�rzlich hat Dadullah pers�nlich das Szenario f�r die kommenden Monate skizziert. Fast wie ein normaler Politiker lud er Journalisten von al-Dschasira zu sich in die Berge ein. Bei aller Propagandarhetorik m�ssen seine Worte beunruhigen: 6000 Freiwillige f�r Selbstmordanschl�ge befehlige er, deren Angriff stehe "unmittelbar" bevor. Einige seiner M�nner seien schon auf dem Weg zu ihrer Mission, die er als "Blutbad der Besatzer" umrei�t. Das symbolische Attentat auf den US-Vizepr�sidenten vom Montag l�sst bef�rchten, dass Dadullahs Drohungen keineswegs nur hohle Phrasen sind.
Mehr zu dem neuen Schreckgespenst und dessen PR-Abteilung Al Sabah unter anderem in der Berliner Zeitung.

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