2010-02-16

Lehrstuhl f�r Spinning ausgeschrieben

--- Spinning l�sst sich jetzt auf deutsch mit "Reformkommunikation" �bersetzen, wenn es nach einer aktuellen Stellenausschreibung geht der privaten Zeppelin University geht. Mehr bei Telepolis. Anregungen f�r den Vorsto� finden sich demnach mal wieder bei der Bertelsmann-Stiftung und der an sich schon recht spinnigen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft:
Wird es am Bodensee bald die erste Professur f�r Propaganda nach 1945 in der Bundesrepublik geben? ... Reformkommunikation, das ist, was das wissenschaftliche Ordnungsgef�ge anbelangt, ungef�hr so, als wenn man innerhalb der Veterin�rmedizin noch eine Professur f�r das Schweineschlachten ansiedelt. Und das, was bei der "Reformkommunikation" geschlachtet werden soll, ist der m�ndige B�rger. Denn wie man ihm das Fell �ber die Ohren zieht und er dabei noch immer meint, das sei zu seinem Besten, das ist der Gegenstand der "Reformkommunikation". Wer genauer wissen will, was es mit diesem Begriff auf sich hat, der kann sich zum Beispiel in einem "Diskussionspapier" der als �u�erst reformfreudig bekannten Bertelsmannstiftung mit dem Titel: Politische Reformkommunikation. Ver�nderungsprozesse �berzeugend vermitteln, informieren (PDF-Datei). ... Gerade bei Reformen, die "schmerzliche Eingriffe in die Besitzst�nde relevanter W�hlergruppen bringen", so das Bertelsmann-Papier, m�ssten die "vorhandenen gesellschaftlichen Werte- und Einstellungsmuster" durch "gezielte Kommunikationsstrategien" ver�ndert werden. ... So entbl�det sich das Bertelsmann-Papier auch nicht festzustellen, die von der "Agenda2010 eingeleitete Reformpolitik" sei nicht an den Inhalten, sondern an dem "Mangel an problemad�quatem, konsistentem kommunikativen Verhalten der politischen Akteure" gescheitert.

Labels: , ,

2009-05-30

Die Bahn: Alle reden �ber PR, wir nicht

--- LobbyControl hat verdeckte PR-Aktivit�ten der Deutschen Bahn unter Ex-Chef Mehdorn mit Propaganda, "No Badge"-Arbeit bzw. Astroturfing aufgedeckt. In einem "Untersuchungsbericht" (PDF-Datei) hei�t es:
W�hrend der Auseinandersetzung um die Privatisierung lie� die Bahn von einer Agentur verdeckte Pro-Privatisierungs-Propaganda durchf�hren. ... Die Deutsche Bahn AG best�tigte am 28. Mai 2009 in einer Antwort auf unsere Fragen die verdeckte Public Relations (PR)-Arbeit. Beauftragt wurde demnach die Lobby-Agentur �European Public Policy Advisers GmbH� (EPPA), das Auftragsvolumen belief sich auf 1,3 Mio. Euro. Innerhalb dieses Auftrags beauftragte EPPA nach schriftlicher Auskunft der Deutschen Bahn wiederum die Denkfabrik berlinpolis e.V. mit PR-Ma�nahmen. ...

Als zentrale Plattform diente eine separate Webseite, die Berlinpolis einrichtete: www.zukunftmobil.de. In der Selbstdarstellung gibt sich die Webseite als neutrales Informationsportal ... Am 22. Mai 2007 ver�ffentlichte Berlinpolis eine von Forsa durchgef�hrte Umfrage, die gezielt nach den Vorteilen einer m�glichen Bahnprivatisierung fragte � aber nicht nach m�glichen
Nachteilen. ...

Eine weitere Initiative, die pl�tzlich im April 2007 als Stimme pro Bahnprivatisierung auftauchte, war die �Initiative Mobil in die Zukunft� mit ihrer damaligen Webseite meinebahndeinebahn.de (nicht mehr aktiv). Als offizieller Ansprechpartner fungierte ein gewisser Daniel Kornauke aus Dresden. Die Seite sprach sich vehement f�r die Privatisierung der Deutschen Bahn aus. Ende April 2007 tauchten in verschiedenen Blogs oder Foren z.B. des Tagesspiegel �hnliche Kommentare auf, die die Privatisierung der Bahn bef�rworten und auf die Webseite meinebahndeinebahn.de verwiesen. ...

LobbyControl hat au�erdem Hinweise, dass in die �ffentlichkeitsarbeit von Berlinpolis zur Bahnprivatisierung auch die Firma Allenbach Media GmbH Berlin einbezogen war. Auf ihrer Webseite schreibt sie als Selbstdarstellung: �Mediengerechte Aufbereitung, Darstellung und Vermittlung von gesellschaftlichen, politischen und politiknahen Themen sind unser Kerngesch�ft. Zu unseren Kunden z�hlen Abgeordnete des Bundestages, der Landtage und des Europaparlamentes, die Bundeswehr und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).� Auch Berlinpolis wird ausdr�cklich als Referenzkunde aufgef�hrt, aber zu einem anderen Thema, n�mlich der Gesundheitsreform.

Labels: , , , ,

2007-04-11

INSM wollte Studis f�r dumm verkaufen

--- Ups, da ging der Start einer neuen INSM-Aktion aber ziemlich in die Hose:
"Liebes AStA-Team, am 10. April startet unicheck.de", hei�t es einer Mail von Anfang April an verschiedenen Studentenvertretungen, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Ein gewisser Thorsten Schr�der schreibt darin: "Unicheck ist von Studenten f�r Studenten und bewertet Universit�ten u.a. danach, wie gut oder schlecht sie die Studiengeb�hren verwenden." Im �brigen sei er f�r eine schnelle Antwort, gerne auch per Telefon, dankbar, bitte aber ohne Grundsatzdebatten: "Wir diskutieren nicht mehr, ob Geb�hren oder nicht, sondern jetzt sind sie da und wir schauen, was wird mit Eurem Geld gemacht." Was beim ersten Lesen nach einer neuen Service-Idee studentischer Jung-Unternehmer im Web klingt, hat in Wirklichkeit mit dem Konzept "von Studenten f�r Studenten" nur wenig zu tun. Denn die Domain unicheck.de wurde am 11. Januar 2007 von Jan Loleit bei der DENIC, dem nationalen Verwalter f�r Webadressen, registriert. Und Loleit ist nicht etwa Student, sondern "Chef vom Dienst" bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) - ein von den Arbeitgeberverb�nden der Metall- und Elektroindustrie finanzierter Think Tank, der sich nach eigenen Angaben als "branchen- und partei�bergreifende Plattform" versteht und sich "an drei Idealen orientiert, die schon Ludwig Erhard hochgehalten hat: Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Wettbewerb". In der urspr�nglichen Bedeutung des Wortes, bekennt die INSM, sei sie "neoliberal"; ein Eingreifen des Staates sei nur dann sinnvoll, "wenn beispielsweise Marktverzerrungen durch Monopole oder Kartelle einen fairen Wettbewerb zum Nutzen aller verhindern". Dass so ein Verein f�r Studiengeb�hren ist, versteht sich fast von selber. Die Initiative selbst zeigt sich �berrascht �ber das Vorgehen Schr�ders, der als einer von drei studentischen Hilfskr�ften bei der INSM "Unicheck.de" redaktionell betreut. Das Motto "von Studenten f�r Studenten" sei urspr�nglich mal ein Label f�r den Fragebogen auf der Website gewesen, das man dann aber wieder verworfen habe, sagt der Koordinator der Site bei der INSM, Ronald Voigt. "Wir wollen Studenten darum bitten, die Verwendung von Studiengeb�hren an ihrer Hochschule zu bewerten. Unser Ziel ist es, mit dem Portal mehr Transparenz herzustellen", sagt Voigt. Zwar werde das Portal von Studenten betreut, verantwortlich sei aber letztlich die INSM.
Inzwischen weisen mehrere Logos der Vereinigung auf der Site auch darauf hin.

Labels: , ,