2008-03-17

Studie: B�rger-Journalisten haben noch wenig Einfluss

--- Glaubt man der neuen Studie The state of the American news media in 2008, ist es noch nicht so weit her mit der demokratisierenden Wirkung des Internet im Medienbetrieb. Eine Meldung von AP dazu in der Netzeitung:
Das Internet hat den Journalismus deutlich ver�ndert - einer US-Studie zufolge aber auf eine Art, wie sie noch vor wenigen Jahren nicht zu erwarten war. W�hrend lange Zeit eine Demokratisierung der Medien durch zahlreiche neue Stimmen, Geschichten und Perspektiven im Netz vorhergesagt wurde, scheint sich die Nachrichtenagenda tats�chlich eher zu verengen. Laut dem am Sonntag ver�ffentlichten j�hrlichen Zustandsbericht der Nachrichtenmedien, die das Projekt f�r Exzellenz im Journalismus erstellte, sammeln viele Webseiten lediglich Nachrichten, die an anderer Stelle produziert wurden. Zwei Themen - der Krieg im Irak und die US-Pr�sidentenwahl 2008 - beherrschten im vergangenen Jahr in den USA mehr als ein Viertel der Geschichten in Zeitungen, im Fernsehen und online. Abgesehen von Irak, Iran und Pakistan machten Geschichten �ber den Rest der Welt weniger als sechs Prozent der Nachrichten in den USA aus. Bemerkenswert sei auch, dass zwar die Zielgruppe f�r traditionelle Nachrichten in gleicher St�rke erhalten bleibe, die Zahl der Mitarbeiter bei den Nachrichtenorganisationen aber tendenziell schrumpfe, sagte Tom Rosenstiel, Direktor des Projekts. Die meisten Nachrichtenwebsites sind au�erdem nicht mehr Endziel der User.
Beim Project for Excellence in Journalism vom Pew Research Center liest sich das Ganze in der Einleitung so: Looking closely, a clear case for democratization is harder to make. Even with so many new sources, more people now consume what old media newsrooms produce, particularly from print, than before. Online, for instance, the top 10 news Web sites, drawing mostly from old brands, are more of an oligarchy, commanding a larger share of audience, than in the legacy media. The verdict on citizen media for now suggests limitations. And research shows blogs and public affairs Web sites attract a smaller audience than expected and are produced by people with even more elite backgrounds than journalists. Certainly consumers have different expectations of the press and want a changed product. But more and more it appears the biggest problem facing traditional media has less to do with where people get information than how to pay for it � the emerging reality that advertising isn�t migrating online with the consumer. The crisis in journalism, in other words, may not strictly be loss of audience. It may, more fundamentally, be the decoupling of news and advertising. This more nuanced recognition is also putting into clearer relief what news people see as their basic challenge: somehow they must reinvent their profession and their business model at the same time they are cutting back on their reporting and resources. Blogger sind also noch nicht das Mega-Ding, f�r die traditionellen Medien sieht es aber auch nicht sonderlich gut aus. Vielleicht sind ja dann doch Twitter und Co. die Zukunft des Kurznachrichtenaustauschs.

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2007-12-20

Ist der Journalismus im Web 2.0 noch zu retten?

--- Peter Ehrlich hat einen anregenden Kommentar �ber die Qualit�tssicherung der Medienberichterstattung in der FTD geschrieben:
Ist es Journalismus, wenn ein RTL-Fernsehteam den Ex-Arbeitslosen Henrico Frank in eine Bundespressekonferenz mit dem SPD-Vorsitzenden Kurt Beck einschleust? Einen Wortwechsel der beiden M�nner inszeniert, die vor einem Jahr auf einem Weihnachtsmarkt aneinandergerieten - und dann �ber das "Ereignis" berichtet? Wie am Montag geschehen? ...

Seri�ser Informationsjournalismus braucht ein G�tesiegel, eine Produktkennzeichnung, wie es sie f�r Elektroger�te oder Biolebensmittel gibt. Die Lobredner der Blogosph�re und der weiten Welt der Internetforen, des Web 2.0 und der direkten Information erkl�ren diese Art von Journalismus gelegentlich f�r �berholt. Journalisten klassischer Medien wiederum blicken oft hochn�sig auf das, was wie eine weltumspannende Sch�lerzeitung wirkt. Beide Haltungen sind falsch. Auch wenn das Internet vor allem allt�glichen Informationsbed�rfnissen dient, also digitaler Treppenhaustratsch und Marktplatz ist, st�rkt es zugleich die politische und gesellschaftliche Kommunikation. ...

Journalismus wird deshalb aber nicht �berfl�ssig. Im Gegenteil: Es geht um eine Dienstleistung, die ihrem Nutzer Zeit spart, indem sie wichtige Entwicklungen zusammenfasst und einordnet. Wenn die Quellen der Information korrekt vermerkt sind, kann jeder Nutzer sich weiter informieren, und er wird dabei implizit auch die Qualit�t der Zusammenfassung bewerten. Beeintr�chtigt wird seri�se Nachrichtenvermittlung weniger durch die vielen Angebote und Quellen im Web. Der Informationsjournalismus leidet mehr unter der Jagd nach Einschaltquoten und Klickzahlen. ...

Journalismus als Informationsvermittlung muss klar von anderen Medieninhalten unterscheidbar sein. Dazu geh�rt, dass er sich eindeutigen Regeln unterwirft. Die meisten Zeitungen etwa unterziehen sich einer freiwilligen Selbstkontrolle, dem Deutschen Presserat. Der hat Regeln aufgestellt, etwa �ber die Abgrenzung zur Werbung, �ber die Ber�cksichtigung von Pers�nlichkeitsrechten und die sachliche Korrektheit von Informationen. ...

N�tig w�re statt des Presserats und der Rundfunkr�te ein Deutscher Medienrat. Wer sich den Regeln dieses Rats unterwirft und bereit ist, R�gen bei Verst��en zu ver�ffentlichen, k�nnte das von mir geforderte Qualit�tssiegel bekommen.

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2007-10-03

Burma: "Atombomben-Ansatz" zur Internetzensur

--- Von den "Cyber-Dissidenten" alias Burma- bzw. Birma-Bloggern war ja schon einiges zu lesen. Technology Review hat nun ein Interview mit John Palfrey, dem gesch�ftsf�hrenden Direktor des Berkman Center for Internet and Society an der Harvard Law School, zu dem inzwischen erfolgten "Internet Crackdown" der Junta in "Myanmar" gemacht:
The Burmese citizens have access to a sharply limited version of the Internet, which they call the Myanmar Internet. The military junta seems to have been thinking of the Internet as more like a local area network [LAN] than like the World Wide Web. They see the Internet as an internal network with as few links to the outside world as they can manage, particularly when it comes to political information. Burma is alongside places like North Korea in terms of offering one of the most limited, crudely blocked versions of the Internet in the world. On the best days. ... the people of Burma who wish to access the broader Internet have been able to use proxy services to get around the filtering traditionally. ... I've never seen anything like this cutoff to the Internet at such a broad scale so crudely and completely. They've taken the nuclear-bomb approach. We've witnessed what appear to be denial-of-service-type attacks during elections, for instance, but nothing so large-scale like this shutdown. Still, information has leaked out. So the military junta has found that given the many roots to the global telecommunications infrastructure, it's very hard to cut off a place entirely. ... The hope, I suppose, is that the military junta restores at least some form of Internet and cell access. The most clever people in Burma will find a way to use it to get information through the blockages. But the future of access to information about Burma, and by people within Burma, looks bleak.
Das sieht ja schlecht aus f�r die alte Weisheit, dass das Internet Zensur als Schaden behandle und einfach darum herum leite, zumindest f�r die Betroffenen vor Ort.

Update: Telepolis schreibt �ber die"dunklen Seiten" des B�rger-Journalismus aus Burma, da dieser anscheinend auch vom MIlit�rregime f�r seine Zwecke missbraucht wird. Die Junta kann sich nun vielleicht auch der Fotos und Filme bedienen, die Reporter und Burmesen gemacht haben, die also zun�chst auch dazu dienten, die Welt�ffentlichkeit �ber Blogs und Medien zun�chst auf die Proteste und dann auf deren brutale Niederschlagung aufmerksam zu machen. Sollte dies der Fall sein und sollte das Milit�rregime tats�chlich aufgrund von Fotos und Filmen nach den Menschen suchen, die sich an den Protesten beteiligt haben, dann erh�lt die vielerorts gepriesene �ffentlichkeit, die durch die �ber Blogs und Medien verbreiteten Bilder hergestellt wurde, zumindest eine dunkle Seite. Man k�nnte auch sagen, dass die Verbreitung von Bildern, die in einem Gewaltregime kenntlich Protestierende zeigen und deren Gesichter nicht unkenntlich machen, bestenfalls naiv ist, aber wom�glich auch den Sicherheitskr�ften die Arbeit abnimmt, um Oppositionelle zu identifizieren und zu jagen. Was m�glicherweise zu einem Umbruch � einer "gelben Revolution" � beitragen k�nnte, wird fatal und zum unfreiwilligen Akt der �berwachung, wenn die Protestbewegung wie jetzt in Burma erbarmungslos zerschlagen werden kann, ohne dass es tats�chlich eine Hilfe von au�en f�r die Betroffenen gibt. ... Wie Democratic Voice of Burma berichtet, hat das Milit�rregime eine Medienkampagne gestartet, um auch die "B�rgerjournalisten" zu identifizieren, die Bilder vom brutalen Vorgehen der Sicherheitskr�fte gemacht und sie an ausl�ndische Medien weiter gegeben haben. Staatliche Medien, Ministerien, Beh�rden und staatstreue B�rger werden aufgefordert, Fotos, die von diesen gemacht wurden, zur Verfolgung an die Geheimdienste weiter zu geben.

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2007-09-22

Deutsche Islamistenseite GIMF wird wieder gef�ttert

--- Die bereits mehrfach im Web umgezogene Globale Islamische Medien-Front ist auf deutsch wieder zur�ck:
Die Wiener Propaganda-Zelle, die letzte Woche ausgehoben wurde, hat offenbar noch mehr aktive Mitglieder als das inhaftierte Ehepaar. Seit Mittwoch gibt es jedenfalls eine neue Dependance der "Globalen Islamischen Medienfront" (GIMF). Dabei handelt es sich um jene deutschsprachige Gruppe von Internet-Dschihadisten, die im M�rz dieses Jahres ein Droh-Video gegen �sterreich und Deutschland ver�ffentlichte und vor Anschl�gen warnte, falls die beiden L�nder nicht ihre Soldaten aus Afghanistan abziehen - und au�erdem t�glich Bekennerschreiben und sonstige Terrorpropaganda von al-Qaida und verwandten Organisationen auf deutsch zug�nglich machte. ... Die Idee bestand darin, nach dem Vorbild der arabischsprachigen Ur-GIMF und ihrem englischsprachigen Ableger, Terrorpropaganda auch auf Deutsch zu verbreiten. ... Ermittler waren bereits fr�hzeitig davon ausgegangen, dass die GIMF aus mehr als nur ein paar Leuten bestehen muss; zu umfangreich war das Material, das die Gruppe tagt�glich �bersetzte. Noch im August hatte die deutsche GIMF auf ihrer Website zudem �bersetzer gesucht, um der F�lle der Propaganda Herr zu werden. Noch haben allerdings zumindest deutsche Beh�rden keine Hinweise darauf, wer hinter dem Relaunch der GIMF-Seite stehen k�nnte. Dem Hauptverd�chtigen Mohamed M. werden zwar mindestens ein dutzend einschl�giger E-Mail-Kontakte bis in den Irak und nach Saudi-Arabien zur Last gelegt, darunter offenbar Qaida-Kontaktpersonen - aber nach Deutschland f�hrt keine hei�e Spur. ... Terrorermittler gehen aber davon aus, dass es sich bei der deutschen GIMF um reine "Sessel-Dschihadisten" handelte, die keine Anschl�ge in der realen Welt planten. Die Bedeutung ihrer Seite wird trotzdem als potenziell gef�hrlich eingesch�tzt: "Da kann man Radikalisierung in Echtzeit beobachten", sagte ein deutscher Verfassungssch�tzer.
Und sonst: Die kleinen Br�der schlagen beim Thema Polizei-Brutalit�t auf YouTube und Co. zur�ck: Little Brother is watching you. In einer Welt, in der jeder Kameramann ist und YouTube den Sendeplatz stellt, steht potentiell jeder unter Beobachtung. F�r die Polizei in den USA wird das zu einem zunehmenden Problem. Nicht nur, weil es immer �fter die Schl�ger im Polizeicorps outed - sondern allen den Ruf versaut. Mehr zum j�ngsten Taser-Fall auch bei Telepolis: Elektroschockwaffen zur Disziplinierung.

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2007-07-18

US-Geheimdienstbericht: Irak-Krieg war vergeblich

--- Ein jetzt ver�ffentlichter US-Geheimdienstreport sorgt f�r Wirbel im Bl�tterwald und gibt den Irak-Krieg-Gegnern erneut Auftrieb:
Waren sechs Jahre "Krieg gegen den Terror" umsonst? Eine aktuelle Einsch�tzung der US-Geheimdienste zur Bedrohung der USA durch Terroristen geht in diese Richtung - Gegner von Pr�sident Bush sehen in ihr den letzten Beweis f�r Inkompetenz und Scheitern der US-Regierung. Das Echo ist verheerend. Allein die "New York Times" schickte heute drei Autoren in die B�tt, die den gestern ver�ffentlichten Bericht der US-Geheimdienste �ber die terroristische Bedrohung der USA zerpfl�ckten und f�r Angriffe auf Pr�sident George W. Bush nutzten. "Liest man den Bericht ernsthaft, stellt er eine m�chtige Widerlegung von Bushs Ansatz im Terrorkrieg dar", war im Editorial des Blattes zu lesen. "Ach ja, �brigens: Auch nach den Hunderten von Milliarden, die wir ausgegeben haben, und trotz der vielen Leben, die wir in Afghanistan und im Irak geopfert haben, sind wir heute genau so verwundbar wie zuvor", �tzte Maureen Dowd ... In der Tat geht aus dem Report hervor, dass die Gefahr von Terrorangriffen in den USA nach Ansicht der Agenten-Gemeinde gestiegen ist. Von dem "National Intelligence Estimate", das den Konsens von 16 US-Nachrichtendiensten abbildet, wurden zwar nur knapp zwei Seiten freigegeben, w�hrend der Rest als geheim klassifiziert ist. Aber die ver�ffentlichten "Schl�sselergebnisse" sind dennoch deutlich. So hei�t es etwa, dass das Terrornetzwerk al-Qaida nach wie vor die gr��te Bedrohung der Sicherheit der USA auf ihrem eigenen Gebiet darstellt. Bin Ladens Mannen sei es nicht nur gelungen, "einen sicheren R�ckzugsort" im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet zu etablieren und eine neue Schicht von "operativen Kadern" hervorzubringen, sondern im Irak auch noch einen Ableger zu schaffen, der ebenfalls Angriffe auf die USA plane ... Es ist vor allem der Vergleich mit fr�heren Einsch�tzungen, an denen deutlich wird, was am aktuellen Lagebericht so verst�rend ist. Erst im vergangenen September hatte es n�mlich gehei�en, amerikanische Operationen h�tten "die F�hrung al-Qaidas ernsthaft besch�digt". Heute schreiben dieselben Absender: "Die Gruppe hat ihre Schl�sselkapazit�ten zum Angriff auf die USA entweder bewahrt oder neu gewonnen." Diese F�higkeiten, sagen die Experten zudem voraus, werde das Netzwerk "weiter verst�rken."
Mehr dazu u.a. bei Telepolis.

Und sonst: Dan Gilmor zum Stand des Citizen Journalism: We�ve come a long way. There�s a growing recognition and appreciation of why citizen journalism matters. Investments, from media organizations and others, are fueling experiments of various kinds. Revenue models are taking early shape. And, most important, there�s a flood of great ideas. But we have a long, long way to go. We need much more experimentation in journalism and community information projects. The business models are, at best, uncertain � and some notable failures are discouraging. Dealing with the issues of trust, credibility and ethics is essential; as are more tools and training, including a dramatically updated notion of media literacy. Erw�hnt werden auch die "Leser-Reporter" der Bild als "Citizen Papparazzi".

Einen der fr�hen B�rger-Journalisten aus dem Irak-Krieg gibts auch noch: Veteran Iraq war correspondent Chris Albritton has begun writing a regular MediaWatch column for the recently-launched news website, IraqSlogger.com. Recent columns have examined the amount of U.S. reporting on Iraq compared to other topics, highlighted the work of an Iraqi editorial cartoonist, and discussed a recently-uncovered memorandum by U.S. Marines discussing how to spin the killing of civilians in Haditha.

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2007-06-18

OhmyNews: Schw�chelt der B�rger-Journalismus?

--- Die LA Times widmet sich dem Modell Citizen Journalism am bekannten Beispiel OhmyNews in S�dkorea, das ja Vorbild etwa f�r die Readers Edition der Netzeiung oder Wikinews war (von denen man nicht so viel h�rt), und arbeitet dabei auch einige Schattenseiten des B�rger-Journalismus heraus:
Although traditional newspapers and magazines around the world are cutting jobs amid declining circulation and a shift toward the Internet, OhmyNews continues to recruit. It currently has a reporting corps of 50,000. The company's motto, posted outside its crammed office in central Seoul, is a big help-wanted sign: "Every citizen can be a reporter." The experiment has been lauded by the Economist and other publications. OhmyNews' founder and chief executive, Oh Yeon-ho, a onetime writer for a dissident magazine, has traveled the globe extolling the virtues of "participatory citizens' journalism" and offering a new business model for a struggling industry. "I find some universal applicability in the OhmyNews model," says the wiry 42-year-old. But as the news service has matured, a bit of the sheen has worn off. The headline on OhmyNews' story could be "Business Is Depressed, Readership Is Down and Backers Are Worried." After making a big splash during South Korea's 2002 presidential elections, the company lost money last year on revenue of about $6 million, most of it from ads. Its readership, as measured by page views on the Internet, has fallen to about 1.5 million a day, from a peak of 20 million five years ago. Last summer OhmyNews expanded into Japan, with $11 million of financing from Tokyo-based investment giant Softbank Corp., but neither that site nor the English-language international site has come close to matching OhmyNews' performance in South Korea. "My personal feeling is the future is not bright," says Yoon Young-chul, a journalism professor at Yonsei University in Seoul. "Its impact has been decreased." In some ways, OhmyNews is a victim of its own success. It was a pioneer of citizen journalism, but its ideas of engaging readers, particularly younger ones, have been co-opted by rival news purveyors in South Korea and all the way to CNN and the BBC. Mainstream media websites, including that of the Los Angeles Times, now post videos, photos and comments from the public. But OhmyNews has encountered other problems. It has faced questions of credibility, partly because of its liberal bent and its army of nonprofessional reporters. In one instance, an advertising agent and citizen reporter wrote a story promoting a company that, it was later discovered, was one of his clients, prompting Oh to issue a public apology. Oh declined to comment about that incident, but in an e-mail reply he said citizen reporters were required to reveal their association with clients. Reporters must also use their real names on stories and promise to abide by an ethics code similar to those of other news-gathering organizations. Thus far, the company says, only a few stories written by citizen reporters have been involved in legal disputes. ... To broaden its appeal, though, OhmyNews is devoting more resources to reporting on the economy and other topics. Oh is offering Journalism 101 classes to citizen reporters and trying to improve collaboration between the company's amateurs and professionals. OhmyNews has created a "panic button" online that citizen reporters can tap to talk with editors about what's happened to their stories. About 30% of submissions are rejected. ... Citizen reporters can't make a living working for OhmyNews. The company pays no more than $22 per submission, though readers can contribute as much as $54 at a time for a story they like through a tip-jar system, a la PayPal. Kim Young-oak, a Harvard-trained classics scholar, holds the record: More than $30,000 poured in after he wrote an article questioning the logic and wisdom of moving the nation's capital outside Seoul.
Passend dazu: Die USA suchen nach einer Definition f�r Journalisten und die damit einhergehenden Rechte: "Freier Fluss der Informationen" droht der US-Regierung zu breit zu werden. Der demokratische Repr�sentantenhaus-Abgeordnete Frederick Boucher hat mit dem Free Flow Information Act of 2007 einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der dem US-Justizministerium in seiner derzeitigen Fassung zu weit geht. Mit dem Gesetz sollen Journalisten davor bewahrt werden, Ermittlungsbeh�rden ihre Informanten preiszugeben, um den "freien Fluss der Informationen" zu gew�hrleisten. Ausnahmen gelten beispielsweise bei "Gefahren f�r die nationale Sicherheit". ... An diesem Punkt �berlappen die Argumente mit einigen, die in der Diskussion f�r und wider "B�rgerjournalismus" vorgef�hrt werden. Auch jener, der nicht daf�r bezahlt werde, der �ffentlichkeit aber wichtige Informationen �berbringe, bet�tige sich als Journalist. Insofern m�ssten auch Blogger unter das Gesetz fallen, meinen Bef�rworter von Bouchers Entwurf..

Ein recht dreister Media-Hack: Als das b�hmische Riesengebirge am gestrigen Sonntagmorgen inmitten einer Atombombenexplosion verging, d�rfte einigen Zuschauern des tschechischen Fr�hst�cksfernsehens im �ffentlich rechtlichen Sender CT2 wohl das Br�tchen im Halse stecken geblieben sein. Gl�cklicherweise stellte sich das Ganze als F�lschung der K�nstlergruppe Ztohoven heraus. Die hatten sich �ber das Internet in eine Kamera respektive einen Kameraserver gehackt, der im Rahmen des fr�hmorgendlichen Panoramafernsehens Bilder des Riesengebirges lieferte. Ausschnitte bei YouTube.

Auch das noch: Das ultimative �berwachungstool f�r Netzwerke. Strategen der US-Luftwaffe entwickelten ein wahrhaft futuristisches Konzept eines "Cyber-Fahrzeugs", um im virtuellen Medium ebenso pr�sent zu sein wie in der Luft, auf dem Boden, auf See oder im Weltraum.

Lobbying the "Googley Way": Google sucht offene Lobbying-Strategie und hat dazu ein "Public Policy Blog" ins Leben gerufen.

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2007-03-12

Internet treibt Zeitungen zur Hyper-Lokalit�t

--- Das ist ja auch mal wieder ein sch�nes "Paradox" des globalen, vom Internet angeheizten Medienbetriebs: der treibt die Zeitungen n�mlich angeblich in die Hyper-Lokalit�t und verengt die Sicht auf die Weltnachrichten bei ihnen:
News organizations confronted with declining revenue and increased competition are entering an era of more limited ambition in which they will drop a broad worldview for more narrowly focused reporting, according to an annual review of the news business being released today by a watchdog group. The http://www.journalism.org/Project for Excellence in Journalism reports that the struggle to create sustainable media brands is driving "hyper-local" coverage in newspapers; encouraging citizen journalism on the Internet; and giving rise to opinion-driven television personalities like CNN's Lou Dobbs and Fox News' Bill O'Reilly. "The consequences of this narrowing of focus involve more risk than we sense the business has considered," said the report from the project, an arm of the Washington-based Pew Research Center. "Concepts like hyper-localism, pursued in the most literal sense, can be marketing speak for simply doing less." The review describes print, radio and television news operations as weathering "epochal" changes � with audiences splintering so radically that is has become difficult to accurately measure new viewing and reading habits. Daily newspaper circulation declined 3% in 2006, for instance, but the increase in online readership is more difficult to quantify. The three television networks collectively lost an additional 1 million viewers � about the average in each of the last 25 years � but YouTube and other online services created a new delivery vehicle for the networks' content. Traditional newsrooms remain the primary source for information, and the report suggests that news organizations need to be more aggressive about mining revenue for their work. The old-line media may have to form consortiums to force Internet "aggregators," which compile content from other sources, to pay licensing fees for news and information, the report says. Tom Rosenstiel, director of the Project for Excellence in Journalism, said that most news organizations would have to shrink their staffs but that much more thought needed to go into how the reductions are made. "The current thinking, hyper-localism, seems problematic," he said in an e-mail response to a question. "In an era of globalism, how can you suggest that the L.A. or Boston market does not need its own specialized foreign reporting that informs the local economy, the local culture and more, in a way that is different than what generic wires would cover?" Respected newspapers such as the New York Times and Washington Post have placed high hopes in replacing declining print advertising with ads on their websites. Indeed, as audiences online have expanded, newspapers have seen their online revenue grow by more than 30% a year. But the Project for Excellence report suggests that the boom in online news audiences and income has begun to wane. A Pew Research Center study cited in the report found that the number of Americans who said they went online for news every day declined to 27% in June 2006, compared with 34% in June 2005.
Und sonst: Anschlagspl�ne auf wichtigen Internetknoten in London entdeckt: Die britische Polizei soll bei Razzien Pl�ne islamistischer Extremisten f�r einen Anschlag auf das Internet in Gro�britannien entdeckt haben. Wie die Sunday Times berichtet, seien "Computerdateien" beschlagnahmt worden, die zeigen, dass ein Anschlag auf den wichtigsten britischen Internet-Hub London Internet Exchange, durch den praktisch alle Daten von und nach Gro�britannien flie�en, beabsichtigt worden sei.

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2007-01-15

Blogging zwischen Nihilismus und Zynismus

--- Geert Lovink hat sich mit seinen medientheoretischen Einsch�tzungen der Blogosph�re sichtlich verausgabt. Da wird vieles angestochen, aber so richtig wei� der Autor dann doch nicht, was er aus dem ach so postmodernen Ph�nomen machen will. Ein wenig Denken mehr auf den Punkt h�tte dem an sich lesenswerten Text �ber das Thema "Wir bloggen, also sind wir (nichts)" gut getan. Ein paar Ausz�ge:
Whereas the investigative journalist works months, if not years, to uncover a story, bloggers look more like an army of ants contributing to the great hive called "public opinion". Bloggers rarely add new facts to a news story. They find bugs in products and news reports but rarely "unmask" spin, let alone come up with well-researched reports. ... blogs fit into the wider trend in which all our movements and activities are being monitored and stored. In the case of blogs, this is carried out not by some invisible and abstract authority but the subjects themselves, who record their everyday lives. ... Net cynicism is a cultural spin-off from blogging software, hardwired in a specific era and resulting from procedures such as login, link, edit, create, browse, read, submit, tag, and reply. Some would judge the mere use of the term cynicism as blog bashing. So be it. Again, we're not talking about an attitude here, let alone a shared life style. Net cynicism no longer believes in cyberculture as an identity provider with related entrepreneurial hallucinations. It is constituted by cold enlightenment as a post-political condition and by confession described by Michel Foucault. People are taught that their liberation requires them to "tell the truth", to confess it to someone (a priest, psychoanalyst, or weblog), and this truth telling will somehow set them free. There is a quest for truth in blogging. But it is a truth with a question mark. Truth has become an amateur project, not an absolute value, sanctioned by higher authorities. In lieu of a common definition, we could say that cynicism is the unpleasant way of performing the truth. ... There is no possibility to simply ignore blogs and live the comfortable lifestyle of a twentieth-century "public intellectual". Like Michel Houellebecq, bloggers are trapped by their own inner contradictions in the Land of No Choice. The London Times noted that Houellebecq "writes from inside alienation. His bruised male heroes, neglected by their parents, cope by depriving themselves of loving interactions; they project their coldness and loneliness on to the world." Blogs are perfect projection fields for such an undertaking. ... We're operating in a post-deconstruction world in which blogs offer a never-ending stream of confessions, a cosmos of micro-opinions attempting to interpret events beyond the well-known twentieth-century categories. The nihilist impulse emerges as a response to the increasing levels of complexity within interconnected topics. ... Blogging is neither a project nor a proposal but a condition whose existence one must recognize. "We blog," as Kline and Bernstein say. ... Blogging is the opposite of the spectacle. It is flat (and yet meaningful). Blogging is not a digital clone of the "letter to the editor". Instead of complaining and arguing, the blogger puts him or herself in the perversely pleasurable position of media observer. ... Blogs bring on decay. Each new blog is supposed to add to the fall of the media system that once dominated the twentieth century. This process is not one of a sudden explosion. The erosion of the mass media cannot easily be traced in figures of stagnant sales and the declining readership of newspapers. In many parts of the world, television is still on the rise. What's declining is the Belief in the Message. That is the nihilist moment, and blogs facilitate this culture as no platform has ever done before. ... As a micro-heroic, Nietzschean act of the pajama people, blogging grows out of a nihilism of strength, not out of the weakness of pessimism. Instead of time and again presenting blog entries as self-promotion, we should interpret them as decadent artifacts that remotely dismantle the mighty and seductive power of the broadcast media. Bloggers are nihilists because they are "good for nothing". They post into Nirvana and have turned their futility into a productive force. They are the nothingists who celebrate the death of the centralized meaning structures and ignore the accusation that they would only produce noise. ... Translating Karen Carr's insight to today's condition, we could say that the blogger is an individual "who lives in self-conscious confrontation with a meaningless world, refusing either to deny or succumb to its power." ... What is blogged is the relentless uncertainty of the everyday. Whereas entrepreneurs colonize the future, energized by collective hallucinations, bloggers expose the present they find themselves caught in. Blogging is the answer to "individualization of social inequality". It hits back, not so much with collective action, but with massive hyper-individual linking. This is the network paradox: there is simultaneous construction and destruction of the social at hand.
Schlu�folgerung: Weitermachen!

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2007-01-04

USA: Die R�ckkehr der Neokonservativen

--- Die LA Times berichtet �ber den wieder erstarkenden Einfluss der Neocons in den USA:
Ever since Iraq began spiraling toward chaos, the war's intellectual architects � the so-called neoconservatives � have found themselves under attack in Washington policy salons and, more important, within the Bush administration. Eventually, Paul D. Wolfowitz, the Defense department's most senior neocon, went to the World Bank. His Pentagon colleague Douglas J. Feith departed for academia. John R. Bolton left the State Department for a stint at the United Nations. But now, a small but increasingly influential group of neocons are again helping steer Iraq policy. A key part of the new Iraq plan that President Bush is expected to announce next week � a surge in U.S. troops coupled with a more focused counterinsurgency effort � has been one of the chief recommendations of these neocons since the fall of Saddam Hussein in 2003. This group � which includes William Kristol, editor of the Weekly Standard magazine, and Frederick W. Kagan, a military analyst at a prominent think tank, the American Enterprise Institute � was expressing concerns about the administration's blueprint for Iraq even before the invasion almost four years ago. In their view, not enough troops were being set aside to stabilize the country. They also worried that the Pentagon had formulated a plan that concentrated too heavily on killing insurgents rather than securing law and order for Iraqi citizens. These neoconservative thinkers have long advocated for a more classic counterinsurgency campaign: a manpower-heavy operation that would take U.S. soldiers out of their large bases dotted across the country and push them into small outposts in troubled towns and neighborhoods to interact with ordinary Iraqis and earn their trust. ... If Bush goes ahead with the surge idea, along with a shift to a more aggressive counterinsurgency, it would in many ways represent a wholesale repudiation of the outgoing Pentagon leadership.
So oder so wird sich Bush 2007 mit dem Mittleren Osten weiter schwer tun. Passend zu der neuen Neocon-Perspektive jedenfalls auch die doch noch mal weitergehende Karriere von John Negroponte: John D. Negroponte, who in 2005 became the first director of national intelligence, overseeing the 16 U.S. spy agencies, will give up that job to become deputy secretary of State, U.S. officials said Wednesday evening. A veteran diplomat, Negroponte, 67, joined the new agency at a time of growing concern over the failures of U.S. intelligence to anticipate the Sept. 11, 2001, terrorist attacks and to accurately assess Iraq's illicit weapons programs before the 2003 U.S. invasion. Mehr zu dem umstrittenen Diplomaten bei Sourcewatch.

Und sonst: Weiter posthumer �rger rund um Saddam Hussein: Hinrichtungsfilmer angeblich ausgemacht - oder auch doch nicht so ganz: Der irakische Staatsanwalt Munkith al-Farun sagte, dass zwei Zeugen der Hinrichtung entgegen der Bestimmungen ein Mobiltelefon dabei hatten und offen gefilmt h�tten. Es (das Video) entstand in aller �ffentlichkeit", sagte Farun dem Sender al-Irakija. Er sei daher von der "Medienhysterie" �berrascht. Aufnahme und Verbreitung des Videos stelle nur im Falle einer kommerziellen Verwertung einen Straftatbestand dar. Die Namen der M�nner, die die Aufnahmen machten, wollte Farun nicht nennen. Die "New York Times" dagegen schrieb, Farun habe gesagt, einer der beiden sei Sicherheitsberater Mowaffak al-Rubai gewesen. Farun wies dies sp�ter zur�ck und sagte, er beschuldige Rubai nicht und habe auch nicht gesehen, dass er Aufnahmen gemacht habe. Auch Rubai selbst sagte in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN, er habe die Bilder nicht gemacht.

Abrechnung mit gegenw�rtigen Ausw�chsen des B�rger-Journalismus in Telepolis: Es ist nicht die Idee der Graswurzelmedien, die in diesen Foren Leben eingehaucht wird - denn das w�rde - ebenso wie bei den sowjetischen Volkskorrespondenten - so etwas wie einen Sinn- und Handlungszusammenhang voraussetzen. Und es ist auch nicht das Niveau der Texte und Bilder aufs Korn zu nehmen. Best�rzend allerdings ist, wie den B�rgern ihre eigene Bedeutungslosigkeit zynischerweise unter dem Label eines "partizipativen Journalismus" vorgef�hrt wird. Sie k�nnen alles schreiben und abbilden - denn es ist ohne Belang, ihre Statements gehen den Weg in den medialen Orkus, verlieren sich in Beliebigkeit und Zusammenhanglosigkeit. "Wer sind diese Leute?", lautet folgerichtig ein Kommentar zu den "Volksbildern" auf Bild. Man k�nnte unter dem Stichwort B�rgerjournalismus hellh�rig werden, wenn pl�tzlich Volkes Stimme gefragt w�re - Grund dazu g�be es ja angesichts der auseinanderdriftenden Welten von Politikern und B�rgern. Doch diese "neuen" Foren des "B�rgerjournalismus" gehorchen einem Prinzip, das die Partizipation selbst wieder aufhebt und das der franz�sische Medientheoretiker R�gis Debray f�r die Welt der Bilder so formuliert hat: "Wenn alles zu sehen ist, ist nichts mehr von Wert."

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2007-01-02

Saddams Hinrichtungsvideo schl�gt Wellen

--- Das kurz nach Saddam Husseins Hinrichtung auf dem Schaffot im Netz aufgetauchte Handy-Video �ber die letzten Minuten des irakischen Diktators, das inzwischen auch �ber g�ngige Videoseiten wie YouTube f�r eingeloggte Nutzer zu betrachten ist, besch�ftigt die irakische Regierung:
Wer filmte den Tod Saddam Husseins und wie kamen die Bilder ins Netz? Die irakischen Beh�rden wollen es herausfinden. Sie suchen nach dem Mann, der das Video von der Hinrichtung Saddam Husseins mit seinem Handy aufnahm. Der Film sorgt f�r neue Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten. Auch die Verantwortlichen daf�r, dass die Bilder ins Internet kamen, sollten ausfindig gemacht werden, sagte ein Mitarbeiter von Regierungschef Nuri el Maliki. ... Die zwei Minuten und 38 Sekunden langen inoffiziellen Aufnahmen unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von dem Film, der von der Regierung ver�ffentlicht wurde: Auf dem Band ist zu sehen und zu h�ren, wie der ehemalige Diktator bis zum letzten Moment beschimpft und verh�hnt wird. ... Der Handy-Film war zu einem Renner unter den Schiiten des Landes geworden, die sich die Bilder vom Tod ihres Erzfeindes gegenseitig weiterreichen.
Bei der Morgenpost/Welt hatte der Voyeurismus der Surfer zuvor Erstaunen ausgel�st: Im Irak zeigen Eltern ihren Kindern das Hinrichtungsvideo jetzt auf Handys. Im Internet wird es auf verschiedenen Seiten wie ein neuer Kino-Film angepriesen: "Die Exekution von Anfang bis Ende", hei�t es da, und: "Das ist nicht f�r Personen geeignet, die schwache Nerven haben." In der Rubrik Bewertung steht: 15 Punkte. Es ist eklig, was da gerade auf Millionen Computer-Bildschirmen und Handys passiert. Menschen zahlen teilweise sogar Geld daf�r, um einen anderen Menschen sterben zu sehen, um die letzten Minuten seines Lebens, die Todesangst in seinen Augen miterleben zu k�nnen. Dazu reichen wenige Klicks, dabei st�ren, wenn �berhaupt, nur ein paar Werbebotschaften im Internet. Widerlicher und abartiger k�nnen Neugier und Voyeurismus nicht sein. Was sind das f�r Menschen, die bei solchen Bildern hin- und nicht sofort wegsehen? Die sich die M�he machen, im Internet das Saddam-Video zu suchen? ... Es bleibt zu hoffen, dass das �ffentliche Ende Saddam Husseins nicht der Beginn einer neuen Selbstverst�ndlichkeit von grausamen Bildern im Web und in anderen Medien ist. Vor allem zum Schutz der Kinder: Wenn schon fiktive Computerspiele junge Menschen dazu bringen k�nnen, Amok an ihren Schulen zu laufen, mag man sich die m�glichen Auswirkungen einer echten Hinrichtungsszene lieber nicht ausmalen. Nichtsdestoweniger zeigen die Online-Ausgaben der Springer-Bl�tter das komplette Filmchen in ihren Video-News von heute (Rubrik: Ausland: Saddams Hinrichtung: Die letzte Minute vor seinem Tod"); Doppelmoral kann man das wohl nennen.

Dazu gibt es noch einen lesenswerteren Beitrag �ber die Inszenierung der Hinrichtung: Die Amerikaner, in deren Hand sich Saddam bis kurz vor seinem Tod befand, hatten ein klares Interesse, seinen Tod zu einem Symbol f�r einen "neuen" und hoffentlich besseren Irak zu gestalten, korrekt, rechtsstaatlich und fair. Und sie wollten die irakische Regierung nicht bevormunden. Die Regierung hingegen, dominiert von jenen Schiiten, die unter Saddam Hussein verfolgt, ermordet und gefoltert wurden, wollte die Hinrichtung als eine letzte Dem�tigung Saddams inszenieren, vielleicht sogar als Dem�tigung f�r die Sunniten des Irak und als Symbol der neuen schiitischen Macht. Das Ergebnis war ein seltsames Ringen zwischen Regierung und Amerikanern. Letztere hatten alle Ressourcen mobilisiert, um den Ex-Diktator zu d�monisieren und zur Strecke zu bringen; aber in den letzten Stunden seines Lebens und auch nach seiner Hinrichtung wurden sie fast zu Wahrern seiner Menschenw�rde. Die Hinrichtung geriet trotzdem zu einem Spektakel der W�rdelosigkeit im Umgang mit dem Todgeweihten.

Und sonst: Die NYT hat sich in den wenig jugendfreien Alternativen zu YouTube/MySpace wie LiveLeak oder Stickam.com unter dem Aufh�nger "Young Turn to Web Sites Without Rules" umgeschaut: where do the young thrill-seekers go? Increasingly, to new Web sites like Stickam.com, which is building a business by going where others fear to tread: into the realm of unfiltered live broadcasts from Web cameras. ... Last March, under additional pressure from copyright holders, YouTube placed a 10-minute limit on clips. Smaller start-ups who are not able, or willing, to be as diligent are seeing their audiences explode as users seek the more freewheeling environment that typified YouTube�s early days. Users post 9,000 new videos a day to Dailymotion, which had more than 1.3 million visitors in November, up more than 100 percent since May ... Another new video-sharing site, LiveLeak, based in London, has positioned itself as a source for reality-based fare like footage of Iraq battle scenes and grisly accidents. Last week, popular clips on the site included one of an agitated man in Muslim dress on a fast-moving treadmill and video of an American A-20 aircraft bombing Taliban forces in Afghanistan. Hayden Hewitt, a co-owner of LiveLeak, said that people who have been barred from YouTube for uploading explicit footage of the Iraq war have migrated to his site. LiveLeak �won�t ban anyone for showing the truth,� Mr. Hewitt said. The site also features ample sexual content that would never make it onto YouTube or MySpace.

Wolfgang Sch�uble dreht voll auf: Nach Anti-Terrordatei, Terrorismusbek�mpfungserg�nzungsgesetz und "Online-Durchsuchungen" mit Trojanern will er nun offen am Grundgesetz mit der Erfindung der Kr�cke vom "Quasi-Verteidigungsfall" herumdoktern. Die d�rften dann wohl bald f�r noch einiges mehr herhalten m�ssen. Der Widerstand gegen die "Lizenz zum T�ten" ist zumindest betr�chtlich.

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2004-11-29

Wikinews treibt Open Journalisms voran

--- Nach Wikis, Weblogs und Meta-News-Portalen wie Google News oder Indymedia kommen aus dem Hause der freien Online-Enzyklop�die Wikipedia nun die Wikinews. Wired News hat einen der ersten Artikel �ber das sich noch im Demo-Stadium befindliche Projekt, das die Debatten �ber das Internet und seine Auswirkungen auf den Journalismus weiter befl�geln d�rfte: The current rendition of Wikinews is an experimental version that, according to Wikipedia co-founder Jimmy Wales, offers just a taste of what's to come when the news effort builds momentum. Although Wikipedia already posts entries tied to current events, Wales said the Wikinews effort employs a different writing style and approach."Wikipedia has always been very strong for background articles on things that are in the news," Wales said. "But on Wikinews, each story is to be written as a news story as opposed to an encyclopedia article." ... Wales believes the process of collaborative editing has allowed Wikipedia -- which contains more than 1 million entries in more than 75 languages -- to maintain a neutral tone on a wide variety of controversial topics. He expects the same process to prevent bias in Wikinews coverage."The incentive for behavior in a wiki is to write in such a way that your writing can survive," he said. "The only way it can survive is if your writing is acceptable to an extremely wide audience." Alex Halavais, graduate director for the informatics school at the University at Buffalo, said in an e-mail interview ... "One of the things mainstream media does, for better or for worse, is report on news they expect will drive sales," he said. "This means ignoring foreign news, for example, in many cases, because a local audience is not as interested. Since there is not the same economic incentive, the question is what the agenda of Wikinews will look like.

Das Projekt ist auf jeden Fall theoretisch interessant, seine praktische Relevanz wird es aber erst beweisen m�ssen. Auf der Demo-Site ist zumindest ein echter Mehrwert nicht zu erkennen -- weder bei der Auswahl der Themen, noch bei ihrer Qualit�t oder ihrem Stil. Die Frage, warum sich jemand kostenlos als Autor beteiligen sollte, stellt sich ja auch noch deutlich st�rker als bei der "zeitlosen" Wikipedia, an der vermutlich auch viele Forscher und Wissenschaftler mitbasteln (die anderweitig bezahlt werden). Zumal die Autorenkollektive ja auch nicht benannt werden, die einen Artikel zusammenstellen, eine "Bezahlung" durch die W�hrung Aufmerksamkeit also nicht direkt gegeben ist. Allenfalls soll laut Wales eine Art "Redaktionsteam" der flei�igsten Zulieferer namentlich gew�rdigt werden. Wir d�rfen gespannt sein, ob sich hier eine ernsthafte Konkurrenz oder sinnvolle Erg�nzung zu den zahlreichen anderen Informationsquellen in der vernetzten Welt auftut.

Update: Die deutsche Wikinews-Hauptseite findet sich �brigens hier. Und einen Artikel zum Start in heise online gibt es auch.

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