2007-10-28

Spiegel fatal: Pressefreiheit contra Buchtipp

--- Was ist nur los mit dem Spiegel? im aktuellen Heft k�rt das Nachrichtenmagazin die 68er zur Titelgeschichte. Hintergrund: Ein Spiegel-Mitarbieter hat ein Buch dazu ver�ffentlicht. Im hinteren Teil des Heftes findet sich dagegen ein Artikel, der darlegt, dass der Bundestag in K�rze per Gesetz die Pressefreiheit aushebeln wird. Mit der Telekomunikations�berwachung werde der Informantenschutz verhindert und damit kritischer Journalismus unm�glich, hei�t es da. Fr�her w�re so etwas beim Spiegel die Titelgeschichte gewesen, heute sind es Buchtipps in eigener Sache. Schade.

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2007-05-22

Sarkozy und die Medienmanipulation

--- Der WDR vergleicht Frankreichs neuen Staatspr�sidenten mit Berlusconi:
Nicht zuf�llig war Nicolas Sarkozy im Wahlkampf der Lieblingskandidat des Fernsehens. Wo er auftrat, stiegen die Einschaltquoten. Und der polarisierende Politiker, den die einen als Hoffnungstr�ger und die anderen als gef�hrlichen Demagogen betrachten, wusste die Spielfl�chen zur besten Sendezeit zu nutzen. Die Regie seiner sorgsam inszenierten Auftritte besorgte eine Werbefirma, deren Besitzer eingeschriebenes Mitglied seiner Partei UMP ist. Die Agentur produzierte zusammen mit TF 1, dem Sender von Martin Bouygues, die offiziellen Aufnahmen. So feilte Sarkozy via Bildschirm am eigenen Image. Als hilfreich erwies sich dabei, dass der vormalige Innenminister wie keiner vor ihm beste Kontakte in die Chefetagen der Medienlandschaft besitzt. Und der ebenso ehrgeizige wie machthungrige 52-J�hrige, den viele in Frankreich mit Napoleon vergleichen, wusste sie zu nutzen. Zum illustren Clan, den der nur 1,65 Meter gro�e Mann mit der steilen politischen Karriere um sich schart, geh�ren neben dem Bauunternehmer und Trauzeugen von Nicolas und Cecilia Sarkozy Martin Bouygues, dem Milliard�r Vincent Ballor� und dem Pr�sidenten des Luxus-G�ter-Konzerns LVMH Bernard Arnault auch Frankreichs Medienzar Arnaud Lagad�re, seines Zeichens Besitzer des Rundfunksenders Europe 1 sowie einer Reihe von Illustrierten wie "Paris Match" und diverser Provinzzeitungen, ferner Nicolas Beytout, Chefredakteur der konservativen Tageszeitung "Le Figaro", des weiteren R�stungsunternehmer und Herausgeber des "Figaro" Serge Dassault sowie der Pr�sident des Nachrichtensenders LCI Jean-Claude Dassier. ... Die N�he von Macht und Medien und Sarkozys bonapartistische Attit�de gegen�ber der Presse beobachten Vertreter der Zunft mit Sorge. Schon ist von einer "Berlusconisierung" der franz�sischen Medien die Rede. Sarkozy schr�nke die Presse- und Meinungsfreiheit ein, sein Arm reiche bis in die Redaktionsb�ros hinein und verringere dadurch die Spielr�ume einer differenzierten und kritischen Berichterstattung, so der Tenor. "Ich habe das beim Figaro-Magazine erlebt: Wenn ich etwas schrieb, das nicht komplett auf der Sarkozy-Linie lag, bekam ich einen Anruf von Serge Dassault, dem Besitzer des �Figaro' und �Figaro Magazines'", sagt Joseph Mac�-Scaron. "Mich hat die Berichterstattung �ber die Wahlkampagne von Nicolas Sarkozy an die Presse in der Sowjetunion in den 1950er Jahren erinnert - reine Propaganda." ... Hinweise auf Einsch�chterungsversuche, Drohgeb�rden und Einflussnahme bei Personalentscheidungen seitens des fr�heren Innenministers gibt es in der Tat. Nachdem "Paris Match" auf dem Titelfoto Cecilia Sarkozy mit einem Liebhaber zeigte, wurde Chefredakteur Alain Genestar entlassen. Ohnehin gilt die Illustrierte bereits als eine Art Hausblatt der Sarkozys. Als die linksliberale "Lib�ration" unter dem Titel "Der Verdacht" �ber den niedrigen Preis von Sarkozys Luxuswohnung berichtete, beschwerte der sich bei Hauptaktion�r Edouard de Rothschild �ber die "Schei�-Zeitung". "Man muss wachsam sein", meint deshalb Laurent Joffrin, Chefredakteur des Blattes, "denn es gab und gibt einige F�lle, die schwer zu verurteilen sind". Die Verflechtung von Medien und Konzernen, die von Staatsauftr�gen abh�ngig sind, sei grunds�tzlich problematisch, weil dieser Interessenkonflikt die Pressefreiheit beschr�nke.
Und sonst: In der Redaktion von Vanity Fair in Berlin Mitte herrscht zwei Stunden vor Redaktionsschluss gerade Stromausfall. Man darf gespannt sein auf die n�chste Ausgabe.

Gro�britannien arbeitet weiter an der Perfektionierung der �berwachung: Britische Polizei setzt erste Drohne ein und Britisches Innenministerium arbeitet an der Spitzelgesellschaft.

Presse-Trauma: Nicht der Einzelne ist verr�ckt, sondern das Ereignis. Traumatisiert werden kann jeder: Berufsanf�nger, aber auch alte Hasen. Der seinem Image nach abgebr�hte Kriegsreporter ebenso wie der Lokaljournalist, dessen kleine Welt f�r heil gehalten wird - und es nicht ist.

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