2008-07-24

Sommerloch: Zeit f�r Verschw�rungstheorien

--- Es wird ruhig im sonst so geschw�tzigen Berlin: Angela Merkel hat ihre Sommerpressekonferenz hinter sich und d�st ab in den Urlaub. Barack Obama sorgt auch nur heute mit seiner Rede in Berlin f�r Wirbel, bevor er wieder zur�ck nach Amerika fliegt.
Das Sommerloch �ffnet sich. Zeit also mal eine Verschw�rungs-theorie unters Volk zu bringen.

Ist jemandem schon einmal aufgefallen, dass jedes Mal, wenn sich in der Bev�lkerung eine Mehrheit pro Kernenergie abzeichnet, St�rf�lle in Atommeilern auftreten und damit die Stimmung wieder kippt?
Vergangenes Jahr etwa wuchs die Angst unter den Deutschen, dass die Welt in einer Klimakatastrophe enden k�nnte. Die Uno, Tony Blair und nicht zuletzt Angela Merkel hatten flei�ig diese Angst gesch�rt. Pl�tzlich pl�dierten die Deutschen wieder f�r die CO2-freie Atomenergie. Die Angst vorm Global warming war gr��er als die Angst vorm Gau.
Flugs kam es zu St�rf�llen im Atommeiler Kr�mmel und Brunsb�ttel. Die Stimmung kippte.
Diese Jahr kam es wieder zum Stimmungsumschwung. Und prompt ereigneten sich wieder St�rf�lle - wenn auch dieses Mal in Frankreich. Wer so etwas steuert?
These 1: Die Atomgegner bauschen geringe Probleme in Atomeilern zu lebensbedrohlichen St�rf�llen auf. Wer mit �ngsten argumentiert, emotionalisiert, der verhindert jede Sachdebatte, dass wei� jeder Spindoktor. Selbst wenn also der St�rfall in Kr�mmel nur ein Mini-Miniproblem gewesen ist - die Menschen hatten Angst vorm Riesengau.
These 2: Frankreich betreibt massiv Industriepolitik. Damit der Staatskonzern EdF seinen Atomstrom in Zukunft auch lukrativ in Deutschland verkaufen kann, inszenieren sie St�rf�lle im eigenen Land, damit der Atomausstieg auf jeden Fall in Deutschland bestehen bleibt. Damit k�nnen RWE und Eon ihre Anlagen nicht l�nger laufen lassen als ihnen lieb ist. Kohlekraftwerke k�nnen sie gerade auch nicht bauen, weil die Bev�lkerung dagegen ist. Also muss Deutschland Strom importieren.

So weit mal meine Verschw�rungstheorien des Tages. Willkommen im Sommerloch!

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2008-07-21

Der Trick mit den Ger�chten

--- Warum nicht einfach etwas aufschreiben, wenn es einer einem erz�hlt hat und vielleicht sogar als Fachmann gilt? Spindoktoren lieben solche Chronisten.
Es ist wie im Leben: In allem steckt ein F�nkchen Wahrheit, aber oftmals leider wirklch nur ein F�nkchen. Das aber reicht nicht aus, um andere ins Scheinwerferlicht der �ffentlichkeit zu zerren unter dem sie im Zweifel verbrennen. Spindoktoren nutzen dieses Instrument gerne, um den Gegner zu desavouieren oder zumindest die eigenen Mandanten in einem besseren Licht darzustellen.
Vergangene Woche gab es wieder eine Vielzahl von F�llen, bei denen die Ger�chte entscheidend waren und dabei verherrende Folgen hatten.
1. Der Fall Madeleine: Ein Verd�chtiger kassiert jetzt von elf britischen Zeitungen eine Entsch�digung von 755 000 Euro. Au�erdem ver�ffentlichen die Bl�tter eine Entschuldigung. Sie hatten den Eindruck erweckt, der Verd�chtige habe etwas mit dem Verschwinden der drei Jahre alten Madeleine in Portugal zu tun. Die Zeitungen h�tten sein Leben zerst�rt, hatte er vor Gericht gesagt.

2. Der WDR (Monitor) berichtet vom Fall des K�lner Fliesenlegers Josef Hoss, der von einem Polizeikommando �berfallen wurde, weil er angeblich Handgranaten bei sich zu hause versteckt hatte.

"Damals hatte er mit seinen Nachbarn Streit. Sie erz�hlten sich, der Hoss bes��e Handgranaten und meldeten das der Polizei. Um sein Haus zu durchsuchen, nahmen ihn 16 Elitepolizisten fest. Da sa� er gerade im Auto.

Josef Hoss: "Dann kamen hinten acht Mann 'raus gelaufen, von vorne, und dann haben sie Scheiben eingeschlagen und haben mich mit 'nem Gummikn�ppel traktiert, die Brust kaputtgeschlagen und ins Gesicht und haben mich raus gezogen, haben mich dann auf die Stra�e geschmissen, und dann haben sie mich gefesselt mit drei, vier Mann, haben � dass ganze Gelenk oben, das knackte alles. Und dann haben sie mir Handfesseln. Und wie ich gefesselt mit dem Gesicht auf dem Pflaster lag, hat mir einer links in die Rippen getreten, dann habe ich noch einen Riesentritt gekriegt rechts in die Rippen und einer ist mir in den R�cken gesprungen oder getreten mit einem Kampfstiefel. Und dann habe ich das Bewusstsein verloren."

Die Bilanz des Einsatzes: Hoss hatte keine einzige Handgranate. Ein unschuldiger B�rger wurde von der Polizei arbeitsunf�hig gepr�gelt. Rippenbr�che, schwere Prellungen, Sch�den an der Wirbels�ule. Hoss musste seine Firma aufl�sen, das Haus verkaufen und ist heute schwer behindert. Das Strafverfahren gegen die K�lner Beamten wurde eingestellt, denn keiner der Polizisten konnte sich genauer erinnern, was sie da mit B�rger Hoss veranstaltet hatten."


3. Die FTD berichtet wie der Finanzkonzern Bear Stearns in der Finanzkrise durch Ger�chte in die Pleite getrieben wurde.

" Doch ab jenem Montag, dem 10. M�rz, beginnt das Drama, als das "Wall Street Journal" und der TV-Sender CNBC �ber Probleme bei Bear Stearns berichten. Die Aktie, die ein Jahr zuvor noch 170 $ wert war, f�llt auf 63 $, der Handelsumsatz explodiert. Noch halten alle Gesch�ftspartner zu Bear Stearns, noch sind deren Geldspeicher voll. Doch dann stellt sich Schwartz CNBC-Korrespondent David Faber zum Interview.

Als der ihn fragt, ob die Ger�chte stimmten, dass Banken ihre Gesch�fte mit Bear Stearns eingestellt haben, und Schwartz keine �berzeugende Figur abgibt, ist f�r viele klar: Das ist der Anfang vom Ende. Nichts ist f�r Banken so wichtig wie ihre Glaubw�rdigkeit - Zweifel daran k�nnen der Sargnagel sein. Tags drauf stellen massenhaft Banken und Fonds ihr Gesch�ft mit Bear Stearns ein. Die Bank kann sich kaum noch am Kapitalmarkt refinanzieren, ihre Barreserven schmelzen wie Butter in der Sonne. "Die institutionellen Investoren haben gesagt, dass sie mit Bear Stearns nichts mehr zu tun haben wollen - ohne einen Grund zu nennen", sagt ein Insider.

Am Wochenende darauf ist Bear Stearns zwar vor�bergehend gerettet dank eines 28-t�gigen �berbr�ckungskredits, den die Fed via JP Morgan gew�hrt. In der Zentrale der Bank an der Park Avenue aber geben sich die "Heuschrecken" die Klinke in die Hand: KKR, Flowers, die �blichen Verd�chtigen. �brig bleiben Dimon und JP Morgan, die Bear Stearns f�r l�cherliche 10 $ je Aktie schlucken. Angetrieben von der Fed und Finanzminister Henry Paulson, dem Ex-Chef von Goldman Sachs, die keine vier Wochen warten wollten, ob sich Bear Stearns wieder erholt. "Die wollten ein Exempel statuieren und klarmachen, dass die Bear-Banker leiden sollen, nicht der Staatshaushalt", sagt einer, der die Vorg�nge gut kennt. "Warum hat die Fed nur 20 Minuten nach dem Verkauf an JP Morgan allen anderen Investmentbanken ihr Liquidit�tsfenster ge�ffnet und nicht vorher schon Bear Stearns?"

UPDATE: Hier ist noch ein weiterer Fall.

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2008-07-14

Spindoktoren: Von bunten V�geln zu grauen Eminenzen

--- Die Fachzeitschrift Politik & Kommunikation berichtet in einem Beitrag von Stefan Marx im aktuellen Juli-Heft �ber neue Trends beim Spin Doctoring:
Kein Politiker kommt mehr ohne den Dreiklang aus strategischer Planung der eigenen Botschaften, der entsprechenden Pr�sentation und gro�er Reaktionsschnelle aus. Wer das vernachl�ssigt, kommt im schnellen Strom der 24-Stunden-Nachrichten sofort ins Trudeln ... Die fr�hen Spin Doctors der fr�hen Schr�der-Blair-Jahre ... griffen zur Selbstinszenierung: Blairs Sprecher Alastair Campbell lie� sich tagelang von der BBC bei der Arbeit filmen und wies vor laufender Kamera den eigenen Chef zurecht. Der Berater des Bundesfinanzministers, Klaus-Peter Schmidt-Deguelle, referierte in Interwiews �ber die Marke Hans Eichel. ...

So sehr sich auch Merkel und Brown von den Regierungsstilen der Vorg�nger abgrenzen wollen, die kommunikativen Lehren haben sie verinnerlicht. Die Pressestellen in den Regierungszentralen behalten nun die Medienberichterstattung gut im Auge: Bis eine im Internet herumgeisternde Falschmeldung dementiert ist, m�ssen Hauptstadtjournalisten oft nur noch 15 Minuten warten. Nur: Das geschieht ger�uschlos, ohne dass die PR-Experten im Bild erscheinen. Sie sind wieder graue Eminenzen -- ganz wie fr�her.

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2008-07-11

Bildmanipulation: Iran sch�nt Raketenstart

--- W�hrend sich die Krise zwischen Israel und Iran im Sinne auch der psychologischen Kriegsf�hrung zuspitzt, machen die Nachrichten �ber eine recht dreist Bildmanipulation der iranischen Agentur Sepah News die Runde. Die S�ddeutsche Online etwa titelt Rohrkrepierer f�r Irans Propaganda und schreibt:
Es war als Demonstration milit�rischer Macht gedacht, doch Irans Raketentest am vergangenen Mittwoch war allem Anschein nach nicht so erfolgreich, wie die Revolutionsgarden glauben machen wollten: Auf ihrer Internetseite Sepah News hatte die Elite-Einheit der Islamischen Republik ein Foto von dem Man�ver ver�ffentlicht, das zeigt, wie vier Raketen simultan ihre Feuerschweife in den Himmel ziehen und die W�stenlandschaft darunter in dichten Rauch und Staub h�llen.



Die Nachrichtenagentur Agence France-Presse verbreitete das Bild weiter, und zahlreiche internationale Zeitungen druckten es ab. Am Donnerstag zog die Agentur die Aufnahme zur�ck; sie sei "offenbar digital ver�ndert worden". Eine der vier Raketen sei vermutlich mit einem Bildbearbeitungsprogramm in das Foto hineinretuschiert worden, allem Anschein nach habe ein Geschoss nicht gez�ndet, so die Agentur weiter. Der Verdacht, die Revolutionsgarden h�tten geschwindelt, erh�rtete am Donnerstag die Agentur Associated Press, indem sie aus gleicher Quelle ein fast identisches Foto publizierte - auf dem die mobile Abschussrampe mitsamt der defekten Rakete zu erkennen ist. In der gef�lschten Aufnahme wurde offenbar die zweite Rakete von links dupliziert und als dritte von links eingef�gt. Die Rauchwolke dieser kopierten Rakete �hnelt verd�chtig jener, die im Original unten zu sehen ist. Schon in der Vergangenheit war iranischen Staatsmedien vorgeworfen worden, sie manipulierten Bilder.
Die Blogger von Boing-Boing namens gelassen und starteten einen Bildmanipulationswettbewerb unter dem Aufh�nger: "Iran: You Suck At Photoshop." Und weiter gehts: Or perhaps the headline of this post should read, "American media: you suck at fact-checking." Gewonnen hat ein Beitrag der anstatt der Raketen das Signet f�r das Stempelwerkzeug in Photoshop in den Himmel �ber der W�ste bef�rderte.

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