2008-05-31

Ex-Bush-Sprecher Scott McClellan packt aus

--- Scott McClellan, ehemaliger Sprecher bzw. "Schweiger" im Namen seines Herrn George W. Bush und in dieser Funktion h�ufiger Gast beim Spindoktor, rebelliert gegen die von ihm jahrelang mitgetragenen Propaganda-Praktiken des Wei�en Hauses mit seinem Buch "What happended?":
Das Timing hat Symbolcharakter. �Memorial Day� ist gerade zu Ende, US-Pr�sident George W. Bush hatte sich vor den Kriegstoten verbeugt, da lie� der ehemalige Sprecher des Wei�en Hauses, Scott McClellan, die Bombe platzen. Schlimmere Vorw�rfe k�nnen von einem ehemaligen Vertrauten gegen �seinen� Pr�sidenten kaum erhoben werden. Im Klartext gipfelt das neue Buch McClellans in der Anklage, der Pr�sident der m�chtigsten Nation der Welt habe den Irakkrieg mit Tricks, Manipulationen und einer Strategie des �totalen Betrugs� bewusst und absichtlich herbeigef�hrt. Die Vorw�rfe sind so ungeheuerlich, dass das Wei�e Haus klarstellte, dass Bush darauf gar nicht erst einzugehen gedenke...

Zwar sind viele Vorw�rfe nicht ganz neu, wohl aber, dass sie von einem langj�hrigen, engsten Vertrauten in aller L�nge publik gemacht werden. Bush und McClellan waren �Buddies� (Kumpels) aus alten Texas Zeiten, noch bei seiner Verabschiedung vor zwei Jahren lobte Bush die �Klasse und die Integrit�t� des Sprechers. Es gab schon viele enge Mitarbeiter, die sich in den vergangenen Monaten vom zusehends unpopul�ren Bush abgesetzt hatten, manche �u�erten sich kritisch �ber den alten Chef - doch niemand hat ihm so ungeschminkt Versagen und Betrug vorgeworfen. Statt politischer Substanz und sachlich-professioneller Abw�gung h�tten Bush und seine Mannen eine �politische Propaganda-Kampagne� gef�hrt. Strippenzieher hinter den Kulissen sei Vizepr�sident Dick Cheney gewesen, den McClellan als einen �Zauberer� beschreibt, der Politik macht, ohne dabei Fingerabdr�cke zu hinterlassen. �Selling the War� (Den Krieg verkaufen) ist eines der Schl�sselkapitel �berschrieben. Das Fazit des Buches hei�t kurz und vernichtend: �Der Irakkrieg war nicht notwendig.�
Was ist nur in den sonst so gem�tlich wirkenden Texaner gefahren, fragt man sich da? Geht es nur um die Ankurbelung des Buchverkaufs? Jay Rosen versucht sich mit Erkl�rungen, denen zufolge Scott schon immer ein "Narr" am Hof des K�nigs gewesen sei und von den damit einhergehenden Freiheiten nun Gebrauch mache und verweist dabei auch auf eine Reihe NBC-Videos zum Thema: McClellan�s story (in my paraphrase)� I was stupid, I allowed myself to be fooled by them. I was misled, and I was misguided by the people who were supposed to guide me so I don�t die out there. I trusted the wrong people, but they were the top people. I see now that I was the public speaking part of a propaganda mission. The people running it let me lie for them. They destroyed their own press secretary when they did that. The American people rejected us because we didn�t level with them. I know, because I was the one not leveling�. And just below the surface of the words. A dream I had about public service died inside when I lied for you from the White House podium. I blame myself for not seeing that. And now I turn to your part in those events. I never expected McClellan to write a book about being the jerk at the podium for Bush, or to make connections between his experience and the larger wreckage of the Bush presidency. He�s not only done that; he�s clearly ready to hit the circuit and explain himself. Zur Geschichte und den Hintergr�nden der Entwicklung des Spinnings im Wei�en Haus und der damit einhergehenden G�ngelung der Presse hat Rosen noch einige interessante Punkte zusammengetragen.

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2008-05-22

Bundespr�sident: Hopp, hopp, Frau Schwan!

--- Der Poker um das Pr�sidentenamt l�uft auf Hochtouren, so als ginge es um die US-Pr�sidentschaftswahl. Bleibt Horst K�hler im Amt, oder beerbt ihn Gesine Schwan, die 2004 bei der Wahl gegen ihn unterlag?
Es geht hier nur um Spinning, um den richtigen Zeitpunkt, um die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Heute also, zum 65. Geburtstag von Gesine Schwan, mit dem sie auch ihr Amt als Pr�sidentin der Uni Franfurt/Oder niederlegen muss, k�ndgte K�hler seinen Willen zur Wiederwahl an. F�r ein Amt, bei dem es eigentlich keinen Wahlkampf geben soll, weil er der Pr�sident ja f�r alle Deutschen da sein soll. Doch diesmal wird es wohl anders werden, wie im Spiegel deutlich wird:
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Was f�r ein Zufall! Bundespr�sident Horst K�hler verk�ndet seine Bereitschaft, ein zweites Mal f�r das Amt zu kandidieren, ausgerechnet an dem Tag, an dem die "M�rkische Oderzeitung" eine Laudatio auf Gesine Schwan abdruckt. Der Verfasser: Altbundeskanzler Gerhard Schr�der.
Es ist, kurzgefasst, ein Lobgesang auf die Uni-Pr�sidentin der Viadrana in Frankfurt/Oder, die mit dem 65. Geburtstag aus dem Amt scheiden muss - und eine Weihe f�r h�here Aufgaben. Der Altkanzler spart nicht an Lob. Sie sei "eine Intellektuelle, im Leben geerdet, politisch weitsichtig, pragmatisch und vor allem durchsetzungsf�hig". So habe er sie kennen und sch�tzen gelernt.

Und dann z�hlt der Kanzler a. D. lauter Eigenschaften auf, die sich eigentlich nur als Berufsbeschreibung einer k�nftigen Bundespr�sidenten interpretieren lassen. Ihm gefalle besonders, "dass sie das direkte Gespr�ch dem Theoretisieren vorzieht". Sie argumentiere "mutig, entschlossen, unerschrocken und - durchaus im positiven Sinne gemeint - undiplomatisch". Wer ihr begegne, der sp�re ihre Energie, lasse sich von ihrem Humor anstecken, der so "erfrischend direkt und unverstellt ist". "

2008-05-13

The Revolution will be - twittered

--- Es war zu erwarten gewesen: Nach den Tsunami-Bloggern wird nun Twitter bzw. Micro-Blogging als gro�e Medienrevolution nach dem j�ngsten chinesischen Erdbeben ausgerufen, wobei dpa sich inzwischen auch schon mal von einem Blogeintrag von SiliconValley.com inspirieren l�sst:
Wo sonst Meldungen �ber das Mittagessen, die Kinder oder die langweilige Arbeit stehen, wurde es am Montag ernst. Chinesische Internet-Nutzer informierten mit dem Webtool Twitter �ber das Erdbeben. Noch w�hrend am Montag in S�dchina die Erde bebte, verbreitete sich die Meldung von der Naturkatastrophe im Internet. Bewohner der Provinz Sichuan, die die Ersch�tterungen am eigenen Leib mitbekamen, setzten Meldungen mit dem Kurznachrichten-Dienst �Twitter� ab. �EARTH QUAKE in Beijing??�, schrieb ein chinesischer Nutzer. Der amerikanische Blogger Robert Scoble (�Scobleizer�) griff die Mitteilungen auf. Nun nimmt er f�r sich in Anspruch, dank des Internets als erster �ber das Beben berichtet zu haben - noch vor den etablierten Medien und dem Geologischen Dienst der USA. ... In der Blogosph�re ist eine Diskussion �ber die Bedeutung von Twitter entbrannt. Manch Blogger meint, der Dienst revolutioniere die Verbreitung von Nachrichten - schneller als �ber Twitter lie�en sich kaum Neuigkeiten sammeln und verbreiten, zumal aus entlegenen Regionen wie Sichuan. Kritiker halten dem entgegen, dass schnell nicht gleich zuverl�ssig sei.
Mehr dazu in einem BBC-Blog: Let's see, as this story unfolds, whether this is the moment when Twitter comes of age as a platform which can bring faster coverage of a major news event than traditional media, while allowing participants and onlookers to share their experiences.

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2008-05-07

Tui: PR-Berater kassieren

--- Wird die Tui zerschlagen? Muss Tui-Chef Micael Frenzel seinen Stuhl r�umen? �bernimmt der rusische Gro�aktion�r Mordaschow das Ruder oder gar der St�renfried John Fredriksen, Gro�aktion�r aus Norwegen? Die vergangenen Wochen ging es in der Presse hei� her, um Licht ins Dunkel um die Zukunft des Touristik- und Schifffahrtskonzerns zu bringen. Heute ist die Hauptvesammlung, Zeit f�r den Showdown also. Zeit auch f�r das , die Arbeit der PR-Berater und Spindoktoren etwas n�her zu beleuchten.

Wohl selten in der deutschen Unternehmensgeschichte hat ein einzelner Konzern in so kurzer Zeit f�r so viele Tageshonorare und Spesenabrechnungen von Spin-Doktoren gesorgt wie Tui. Zwar besch�ftigt Tui in Hannover selbst eine gut ausgestattete �ffentlichkeitsabteilung. F�r den Abwehrkampf gegen Fredriksen, der Tui aufspalten will, leistet sich das Unternehmen aber eine der teuersten PR-Agenturen der Republik: Hering Schuppener.

Doch auch die Gegenseite spart nicht. Fredriksen l�sst neben Investmentbankern aus London auch die international t�tige "Strategieberatung f�r Kommunikation" Brunswick f�r sich arbeiten. Die Spezialisten sind seit Wochen im Hintergrund aktiv; heute fr�h werden sie den anreisenden Aktion�ren schon vor Betreten des Congress Centrums in Hannover "Infopakete" in die H�nde dr�cken - nur f�r den Fall, dass jemand nach dem medialen Dauerfeuer der vergangenen Tage noch nicht mitbekommen hat, wie schlecht Fredriksen die Leistung von Frenzel bewertet und wie dringend er selbst in den Aufsichtsrat m�chte. F�r neun Uhr hat Brunswick auch zu einem Round-Table- Gespr�ch f�r Journalisten eingeladen, an dem auch Fredriksen, der gr��te Tui-Einzelaktion�r, teilnimmt.


Ihr Dasein bestimmt nat�rlich die Arbeit der Journalisten, die jeden Tag "beatmet" werden, wie die Einflussnahme und das Aspekte-Management gerne genannt wird.

Wer den zweitgr��ten Tui-Aktion�r, den Russen Alexej Mordaschow, sprechen will, ruft nicht etwa in Moskau an, sondern in M�nchen. Dort hat Mordaschow die Kommunikationsberatung CNC beauftragt, eine der einflussreichsten Agenturen Europas. CNC ist praktisch �berall aktiv, wo Unternehmen in "Sondersituationen" kommen, wie es im Branchenjargon hei�t. Die Experten von CNC erkl�ren jetzt, warum der russische Stahlunternehmer Mordaschow gemeinsam mit Tui gro�e Tourismuspl�ne schmiedet.

Das Ergebnis dieser vielk�pfigen Schar von Kommunikationsexperten ist vor allem eines: eine Verwirrung. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht der eine oder andere PR-Berater eine Geschichte in dem einen oder anderen Blatt platziert hat. Ist Frenzel wirklich siegessicher? Hat Fredriksen tats�chlich 30 Prozent des Kapitals hinter sich? Nachpr�fbare Aussagen sind selten, oft werden sie sofort dementiert. Das allein allerdings kann die PR-Lawine nicht bremsen. F�r ein paar tausend Euro Tagessatz haben die Kommunikationsexperten immer schon das n�chste Ger�cht im Angebot.

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