2008-04-29

BND und Berlin: Die Schuldfrage

--- Die FAZ hat in ausgezeichneter Art und Weise beschrieben, wie der Bundesnachrichtendienst arbeitet und welche Menschlichkeiten dort und im Zusammenspiel mit den zust�ndigen Ministerien f�r etliche Probleme sorgen. Vor allem widmet sich der Beitrag der Tatsache, dass es auch Bundesbeh�rden untereinander vortrefflich verstehen, sich die Schuld f�r den ein oder anderen Skandal zuzschieben und so in der �ffentlichkeit (also den Medien) in einem guten Licht zu erscheinen.

Schlie�lich kamen sich Nachrichtendienst und Pr�sident ziemlich verlassen vor, als wegen des Ankaufs von Steuerdateien aus Liechentstein und wegen seiner Beobachtungen zu der heimlichen Polizistenausbildung systematisch alle Vorw�rfe und Verantwortlichkeiten verschiedener Ministerien auf den BND geschoben wurden. Damals, wie auch in der j�ngsten Aff�re, hat das Kanzleramt �berwiegend geschwiegen und, den Schirm in der Hand, Uhrlaus Truppe im Regen der Vorw�rfe stehen lassen. Dass es unter solchen Umst�nden schwierig w�re, einen geeigneten Nachfolger f�r Uhrlau zu finden, versteht sich da schon fast von selbst.


So also wird alles auf dem BND abgeladen, w�hrend der Innenminsiter, der Kanzleramtsminister und andere fein raus sind.

Labels: ,

2008-04-20

Die trojanischen Pferde des Pentagon

--- Die New York Times hat eine umfassende Reportage �ber die Beeinflussung so genannter Milit�r-Analysen durch das Pentagon und die Bush-Regierung insgesamt. Es geht in den meisten F�llen um pensionierte Gener�le, die im Fernsehen und gegen�ber die Medien die Sprechblasen des US-Verteidigungsministeriums und der R�stungsindustrie wiedergeben:
To the public, these men are members of a familiar fraternity, presented tens of thousands of times on television and radio as �military analysts� whose long service has equipped them to give authoritative and unfettered judgments about the most pressing issues of the post-Sept. 11 world. Hidden behind that appearance of objectivity, though, is a Pentagon information apparatus that has used those analysts in a campaign to generate favorable news coverage of the administration�s wartime performance, an examination by The New York Times has found. The effort, which began with the buildup to the Iraq war and continues to this day, has sought to exploit ideological and military allegiances, and also a powerful financial dynamic: Most of the analysts have ties to military contractors vested in the very war policies they are asked to assess on air.

... Records and interviews show how the Bush administration has used its control over access and information in an effort to transform the analysts into a kind of media Trojan horse � an instrument intended to shape terrorism coverage from inside the major TV and radio networks. Analysts have been wooed in hundreds of private briefings with senior military leaders, including officials with significant influence over contracting and budget matters, records show. They have been taken on tours of Iraq and given access to classified intelligence. They have been briefed by officials from the White House, State Department and Justice Department, including Mr. Cheney, Alberto R. Gonzales and Stephen J. Hadley. In turn, members of this group have echoed administration talking points, sometimes even when they suspected the information was false or inflated. Some analysts acknowledge they suppressed doubts because they feared jeopardizing their access. A few expressed regret for participating in what they regarded as an effort to dupe the American public with propaganda dressed as independent military analysis.

... Kenneth Allard, a former NBC military analyst who has taught information warfare at the National Defense University, said the campaign amounted to a sophisticated information operation. �This was a coherent, active policy,� he said. As conditions in Iraq deteriorated, Mr. Allard recalled, he saw a yawning gap between what analysts were told in private briefings and what subsequent inquiries and books later revealed. �Night and day,� Mr. Allard said, �I felt we�d been hosed.�
Das Blatt hat dazu auch eine Multimedia-Dokumentation mit zahlreichen Original-Dokumenten �ber Sitzungen des Pentagons mit den dressierten "Analysten", in denen offen von PsyOps die Rede ist. Dass Propaganda gegen die eigenen B�rger in den USA von der Verfassung verboten wird, hat keinen wirklich gest�rt, wie dieses Protokoll (PDF-Datei) eines Brainstormings belegt. Ein geh�riges Misstrauen sollte man "Experten" ja immer entgegenbringen, vor allem, wenn es sich um in Rente gegangene Vertreter gro�er Interessenvereinigungen geht, aber das Ausma� der Korruption im Hintergrund �berrascht doch ab und an.

Labels: , , , , , ,

2008-04-14

Berlusconi erneut an der Macht in Italien

--- Silvio Berlusconi ist seinem Ruf des italienischen Ph�nomens einmal mehr gerecht geworden und allem Anschein nach zum dritten Mal an der Staatsmacht im Land der bl�henden Zitronen. L�ngst hat sich die Mehrheit der Italiener mit der Ballung von Medienmacht und politischer Herrschaft abgefunden, doch die wohl unaufhaltsame erneute Wahl des Cavaliere zum Ministerpr�sidenten ist ein Akt der Verzweiflung und der Resignation. Der Medienmogul hat sich einmal mehr fast perfekt als Heilsbringer �ber alle seine TV-Kan�le inszeniert, der ein Wunder an den Geldbeuteln bewirkt und doch letztlich alles beim Alten l�sst. Ein treffender Kommentar in Zeit Online:
F�r Italien ist dieses Wahlergebnis ein gro�er R�ckschritt. Es wird die Distanz zum �brigen Europa noch weiter vergr��ern � Berlusconi und seine Verb�ndeten haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie von Europa rein gar nichts halten. ...

In seinem Wahlkampf hat Berlusconi au�er der Abschaffung der Kfz-Steuer wenig Konkretes versprochen. Umweltpolitik? Fehlanzeige. Schulpolitik angesichts der desastr�sen Pisa-Ergebnisse italienischer Sch�ler? Kein Interesse. Familienpolitik im Land mit der niedrigsten Geburtenrate der Welt? �berfl�ssig, genau wie Rezepte gegen die horrend hohe Jugendarbeitslosigkeit. Stattdessen verlieh er einem Mafia-Boss das Pr�dikat �heldenhaft�, k�ndigte regelm��ige Psycho-Tests f�r alle Richter und Staatsanw�lte an, behauptete, in seiner Partei die sch�nsten Frauen zu haben und empfahl einer Italienerin ohne Berufsperspektive, sie solle doch seinen Sohn heiraten. Es war der Berlusconi, wie ihn Italien und die Welt seit Jahren kennt � populistisch, egomanisch, folkloristisch � und hart an der Grenze des ethisch, politisch und juristisch Zul�ssigen. ...

Die Leute vertrauen Berlusconi � oder haben ihn vielleicht auch nur gew�hlt, weil sie sicher sein k�nnen, dass er sie in Ruhe l�sst. Dass er ihnen nichts abverlangt. Dass alles so bleibt wie es ist. Dass man ihnen nicht mit schmerzhaften Reformen kommt, ihnen keine Anstrengung abverlangt. Er verkauft den Italienern erfolgreich ein Bild von sich und ihrem Land, das mit der bitteren Realit�t nichts zu tun hat.

Labels: , , ,

2008-04-11

Der IWF und die Welt der Zahlen

--- Wie ziehe ich weltweit als relativ unspannende Organisation die Aufmerksamkeit auf mich? Indem ich besonders unfassbare Zahlen in die Welt setze. Der Internationale W�hrungsfonds hat in dieser Woche behauptet, die Finanzkrise werde die Banken weltweit eine Billionen Dollar kosten, also 1 000 000 000 000 Dollar. Als Quatsch bezeichnet das heute die S�ddeutsche und kommentiert den Fall treffend.
So hat der IWF, der es vor kurzem schon einmal mit 800 Milliarden in die Schlagzeilen geschafft hat, seine Billion nicht ohne Grund in dieser Woche publiziert, kurz bevor sich die wichtigsten Wirtschaftsm�chte als G8 treffen. Die Herzen der Politiker sollen weich gemacht werden, bereit f�r den Griff in die Steuert�pfe, der die Welt vor einer m�glichen Wirtschaftskrise bewahren soll.
Auch andere bedienen sich der Zahlen. Etwa Hartmut Mehdorn. Mit seiner Bilanz erh�ht er geschickt den Druck auf die Politik, die Bahn zu privatisieren. Andere halten es ebenso. Die H�rigkeit ob der Allmacht der Zahl, iher Objektivit�t, folgen am Ende alle. Die SZ hat dar�ber hinaus noch andere Beispiel, wie mit Zahlen �ffentlich Druck ausge�bt wird. Mit Zahlen vor allem, die nicht unbedingt richtig sein m�ssen.

Auch anderswo werden Zahlen gern genutzt, um Entscheidungen zu beschleunigen. Rechnen Naturwissenschaftler per Modell aus, wie sich eine ebenfalls im Modell kalkulierte Erderw�rmung von ein, zwei oder drei Grad Celsius im Wirtschaftswachstum niederschl�gt, hoffen sie auf Schlagzeilen und damit auf Prestige, das neue Auftr�ge bringen k�nnte.


Ja, ja der Klimawandel. Ist irgendwie gerade nicht mehr so schlimm, oder?

Ob bei Siemens oder anderswo: Kaum ist die neue Nummer eins an Bord, werden die Zahlen schrecklich. Da zerrt einer die S�nden des Vorg�ngers ans Licht, um sp�ter als Sanierer zu gl�nzen. Auch Mitarbeiter lernen schnell, woher der Zahlenwind weht. Verlangt der Chef mehr Umsatz, wird der Preis gedr�ckt. Bekommt derjenige den Bonus, der die Rendite steigert, verkauft er lieber weniger und daf�r teurer.
Zurecht weist der Autor darauf hin, dass gerne auch Zahlen unterschlagen werden, wenn sie unangenehm sind.

So genau m�chte man dann doch nicht wissen, was die in dieser Woche verk�ndete Rentenerh�hung kommende Generationen kosten wird. Und auch beim Transrapid wurde lange dar�ber hinweggesehen, was jeder Fachmann h�tte wissen m�ssen: dass sich die Magnetbahn, so wie geplant, nicht finanzieren l�sst.

Ohne Zweifel: Zahlen sind lebenswichtig, und h�ufig hilft es, noch einmal nachzurechnen. Zuweilen sollten Entscheider jedoch der Versuchung des Zahlenspiels widerstehen. Immer dann, wenn sie wissen, dass sie eigentlich nichts wissen.


Labels:

2008-04-10

Huffington Post im Scheinwerferlicht

--- W�hrend die deutsche Bloggerszene vergangene Woche auf der re:publica mit sich selbst besch�ftigt war und mehr oder weniger still und leise vor sich hingruschelt und Abmahnungen f�rchten muss, jubelt Spiegel Online gerade mal die Huffington Post zum Wahlkampf-beeinflussenden Alpha-Blog hoch:
Was f�r eine Karriere: Die streitbare Million�rin und Kolumnistin Arianna Huffington hat ihr Blogger-Netzwerk zum einflussreichsten Alternativmedium der USA gemacht. Jetzt forderte sie die gr��ten und wichtigsten Zeitungen des Landes heraus - und bestimmt entscheidend den Vorwahlkampf mit. ... Ein ganz normaler Tag f�r die "Huffington Post". Politik, Wirtschaft, Buntes, Klatsch: Die Inhalte des im weitesten Sinne politischen Blog-Angebotes sind eine wilde Mischung. Dazu geben Hunderte Gastblogger aus dem riesigem Bekanntenkreis der Gr�nderin Arianna Huffington ihren Senf: Filmstars wie Alec Baldwin, Steve Martin, Mia Farrow und Tim Robbins. Senatoren wie Evan Bayh, Joe Biden und Barbara Boxer. Sex-Autorin Erica Jong, Watergate-Legende Carl Bernstein, Ex-General Wesley Clark, �ber-Producer Quincy Jones und New-Age-Guru Deepak Chopra.

In nicht mal drei Jahren seit ihrer Gr�ndung hat sich die "HuffPo", wie sie nur genannt wird, vom Online-Experiment zur wichtigsten Informationsquelle f�r Millionen Amerikaner gemausert. So macht sie, als Meinungsf�hrer der Google-Generation, langsam auch den etablierten Medien Konkurrenz - und mischt mit ihrem Kessel Buntes aus News und Kommentar kr�ftig im US-Vorwahlkampf mit. Und der hat die ungeniert progressiv-linke Seite jetzt ganz an die Spitze katapultiert: Im Februar schrieb der Ratingdienst Nielsen der "HuffPo" 3,7 Millionen Page-Visits zu, mehr als doppelt so viele wie noch im Dezember 2007. Womit die "HuffPo" erstmals den konservativen "Drudge Report" �berholte, den bisherigen Platzhirsch unter den Polit-Blogs - auch das ein Zeichen f�r das gewandelte Klima in den USA. ...

Auf der Blog-Hitliste "Technorati" rangiert die "HuffPo" als meistverlinkte Adresse auf Platz eins, vor der Tech-Site "TechCrunch", dem linken Ur-Blog "Daily Kos" und dem Klatsch-Blog "TMZ". Das Magazin "Time" f�hrt die "HuffPo" als einen der "25 besten Blogs der Welt". Als der Demokrat Barack Obama sich im Skandal um seinen Ex-Pastor Jeremiah Wright verteidigen wollte, tat er das zun�chst nicht mit einer Pressekonferenz oder einer Rede. Sondern mit einem Essay in der "HuffPo". Auch Hillary Clinton steuerte im Februar einen Blog-Eintrag bei, zum Thema "Kinderarmut" - obwohl die meisten "HuffPo"-Blogger, inklusive Arianna Huffington, offen Obama unterst�tzen. ...

In Zukunft will Huffington dar�ber hinaus "mehr und mehr" investigative Eigenrecherche "mit Gesinnung" wagen, um damit ausdr�cklich der "New York Times" und der "Washington Post" Konkurrenz zu machen.
Liegt das nur am deutlich gr��eren englischsprachigen Lesepublikum oder ist Deutschland einfach kein echtes Bloggerland?

Labels: , , , ,

2008-04-05

NATO startet Propaganda-TV im Netz

--- Nach Al-Qaida-TV etc. gibt es jetzt p�nktlich zum Gipfel des Militr�b�ndnisses auch einen Online-Propaganda-Sender der NATO:
De Hoop Scheffer und Rasmussen starteten den b�ndniseigenen Internetfernsehsender Natochannel.tv. Generalsekret�r De Hoop Scheffer sprach anl�sslich des Launches von einem "Schritt von der Steinzeit ins 21. Jahrhundert�. Die Website, die haupts�chlich von der d�nischen Regierung bezahlt wird, will eine Antwort auf die erfolgreiche �ffentlichkeitsarbeit vieler Terrorgruppen sein. ... Sie zeigen beispielsweise wie tschechiche Soldaten durch die W�ste um Kabul fahren. Der Zuschauer blickt auf die trockene afghanische Ebene, ab und an rollen Land Rover durchs Bild. All das unterlegt die Nato mit kitschigen Ethno-Kl�ngen. Ein weiterer Bericht lobt das Engagement der Milit�rs f�r die Bildung von Frauen und M�dchen. ... Der smarte Nato-Sprecher James Appathurai bekommt im Kanal sein eigenes Videoblog. Darin darf er mitteilen, was die westliche Presse in Afghanistan bislang alles fehlinterpretiert habe. Sie solle sich besser auf die Fortschritte des Einsatzes konzentrieren. Als Zielgruppe f�r Nato-TV hat das B�ndnis nicht die allgemeine �ffentlichkeit im Visier. Der Internetkanal richtet sich in erster Linie an Fernsehstationen. Sie sollen Videomaterial �ber die Milit�roffensive der Isaf-Schutztruppe in Afghanistan herunterladen und �ber ihre Kan�le verbreiten. "Wir wollen Geschichten zeigen, die man woanders so nicht sehen w�rde�, hei�t es im Trailer auf der Website.
Aber Achtung: die Video-Applikation basiert auf Windows Media Player und die NATO-Propagandisten haben es noch nicht geschafft, ein echtes Sehvergn�gen auf anderen Plattformen wie Mac oder Linux zu erm�glichen.

Labels: , , , , ,

2008-04-01

"PR-Krieg": Boeing gegen Airbus

--- Das Handelsblatt besch�ftigt sich damit, wie sich Boeing und Airbus um einen Auftrag der amerikanischen Luftwaffe zum Bau einer neuen Tankerflotte streiten. Der Zuschlag ging vor kurzem an den europ�ischen Konzern Airbus und nicht an die amerikanische Konkurrenz Boeing. Normalerweise wrrdedn diese Auftr�ge aber gerne an die eigenen Unternehmen vergeben. Was Airbus damals als Durchbruch auf dem amerikanischen Markt feierte, wird nun erbittert von Boeing bek�mpft. Es geht um nicht weniger als 40 Milliarden Dollar. Kein Wunder, dass Boeing etwas gegen diese Vergabe hat und sie entsprechend anzweifelt. Dazu wird offenkundig - und ebenfalls wenig verwunderlich - auch darum gek�mpft, wer das bessere Image in der �ffentlichkeit hat, um so bei der Sympathie und am Ende beim Auftrag zu punkten.


Zwischen Boeing und Northrop herrsche das "�quivalent eines totalen Krieges", sagt Richard Aboulafia, Luftfahrt- und R�stungsexperte der Washingtoner Teal Group. Northrop hat seine Lobbyisten angespitzt und in seiner Niederlassung in Washington eine Kommandozentrale f�r �ffentlichkeitsarbeit eingerichtet. Unter dem Kampagnennamen "America's New Tanker" wird dort f�r das Projekt geworben. "Dies ist der am meisten politisierte R�stungsauftrag, den ich je gesehen habe", sagt Aboulafia.
Ob eine Agenturmeldung, ein Zeitungsartikel, ein Leserbrief oder eine Stellungnahme der Gegenseite: Northrop reagiert garantiert mit einer Mitteilung darauf. "Wir betreiben in diesem Fall eine noch intensivere �ffentliche Aufkl�rung als sonst", sagt Northrop-Sprecher Tim Paynter. Artikel, die Northrop loben oder die Auftragserteilung an das Konsortium rechtfertigen, werden �ffentlich zur Lekt�re empfohlen. �u�ern sich Vertreter von Boeing oder dessen Alliierten im Kongress kritisch, kommt von Northrop umgehend eine "faktische Klarstellung".

Labels: ,