2008-04-11

Der IWF und die Welt der Zahlen

--- Wie ziehe ich weltweit als relativ unspannende Organisation die Aufmerksamkeit auf mich? Indem ich besonders unfassbare Zahlen in die Welt setze. Der Internationale W�hrungsfonds hat in dieser Woche behauptet, die Finanzkrise werde die Banken weltweit eine Billionen Dollar kosten, also 1 000 000 000 000 Dollar. Als Quatsch bezeichnet das heute die S�ddeutsche und kommentiert den Fall treffend.
So hat der IWF, der es vor kurzem schon einmal mit 800 Milliarden in die Schlagzeilen geschafft hat, seine Billion nicht ohne Grund in dieser Woche publiziert, kurz bevor sich die wichtigsten Wirtschaftsm�chte als G8 treffen. Die Herzen der Politiker sollen weich gemacht werden, bereit f�r den Griff in die Steuert�pfe, der die Welt vor einer m�glichen Wirtschaftskrise bewahren soll.
Auch andere bedienen sich der Zahlen. Etwa Hartmut Mehdorn. Mit seiner Bilanz erh�ht er geschickt den Druck auf die Politik, die Bahn zu privatisieren. Andere halten es ebenso. Die H�rigkeit ob der Allmacht der Zahl, iher Objektivit�t, folgen am Ende alle. Die SZ hat dar�ber hinaus noch andere Beispiel, wie mit Zahlen �ffentlich Druck ausge�bt wird. Mit Zahlen vor allem, die nicht unbedingt richtig sein m�ssen.

Auch anderswo werden Zahlen gern genutzt, um Entscheidungen zu beschleunigen. Rechnen Naturwissenschaftler per Modell aus, wie sich eine ebenfalls im Modell kalkulierte Erderw�rmung von ein, zwei oder drei Grad Celsius im Wirtschaftswachstum niederschl�gt, hoffen sie auf Schlagzeilen und damit auf Prestige, das neue Auftr�ge bringen k�nnte.


Ja, ja der Klimawandel. Ist irgendwie gerade nicht mehr so schlimm, oder?

Ob bei Siemens oder anderswo: Kaum ist die neue Nummer eins an Bord, werden die Zahlen schrecklich. Da zerrt einer die S�nden des Vorg�ngers ans Licht, um sp�ter als Sanierer zu gl�nzen. Auch Mitarbeiter lernen schnell, woher der Zahlenwind weht. Verlangt der Chef mehr Umsatz, wird der Preis gedr�ckt. Bekommt derjenige den Bonus, der die Rendite steigert, verkauft er lieber weniger und daf�r teurer.
Zurecht weist der Autor darauf hin, dass gerne auch Zahlen unterschlagen werden, wenn sie unangenehm sind.

So genau m�chte man dann doch nicht wissen, was die in dieser Woche verk�ndete Rentenerh�hung kommende Generationen kosten wird. Und auch beim Transrapid wurde lange dar�ber hinweggesehen, was jeder Fachmann h�tte wissen m�ssen: dass sich die Magnetbahn, so wie geplant, nicht finanzieren l�sst.

Ohne Zweifel: Zahlen sind lebenswichtig, und h�ufig hilft es, noch einmal nachzurechnen. Zuweilen sollten Entscheider jedoch der Versuchung des Zahlenspiels widerstehen. Immer dann, wenn sie wissen, dass sie eigentlich nichts wissen.


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