2007-08-28

China-Spionage und Schleichwerbung

--- Wie kommt es, dass der Spiegel p�nktlich zur China/Japan-Reise der Bundeskanzlerin in seiner Titelgeschichte �ber Hackerattacken von chinesischer Seite auf deutsche Regierungscomputer berichtet? Und sich der chinesische Premier dann auch noch w�hrend der Merkel-Visite gen�tigt f�hlt, dazu in einer Pressekonferenz Stellung zu beziehen?
Fakt ist: Scoops entstehen meist, weil sie von interessierter Seite gesteckt werden. Das Image von Merkel als resolute Regierungschefin, die in einem Land wie China nicht nur Themen wie Spionage sondern auch die Menschenrechte anspricht, wird damit gest�rkt.
Unverbl�mter geht es da bei den Bundesministerien zu: Nachdem erst eine Agentur f�r das Bundeswirtschaftsministerium Zeitungen Kupelgesch�fte zwischen redaktionellen Beitr�gen und Anzeigen angeboten hatte, �bernimmt jetzt offenbar das Bundesfamilienministerium Praktiken, die man bislang nur von der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft kannte. Dazu schreibt der Deutsche Journalistenverband heute: "Der Deutsche Journalisten-Verband verlangt von der Bundesregierung, sofort alle Versuche von Schleichwerbung zu beenden. Das ARD-Magazin Report Mainz hatte am gestrigen Abend �ber PR-Aktivit�ten des Bundesfamilienministeriums berichtet, dessen Berliner Werbeagentur A&B One H�rfunksendern sendef�hige Beitr�ge und Zeitungen layoutete Berichte �ber das Erziehungsgeld geliefert hat. Das Material der Agentur war durch O-T�ne bzw. Zitate von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen angereichert. "Das ist Schleichwerbung in Reinform und hat nichts mit kritischem Journalismus zu tun", kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Ein Bundesministerium habe den Auftrag, die �ffentlichkeit �ber seine Arbeit zu informieren und nicht zu manipulieren."

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2007-08-22

Wie das Wei�e Haus mit Demonstranten umgeht

--- Die US-B�rgerrechtsvereinigung ACLU hat ein Dokument des Wei�en Hauses von Oktober 2002 ausgegraben, indem Hinweise f�r Sicherheitskr�fte zum Umgang mit m�glichen Kritikern bei �ffentlichen Kundgebungen gegeben werden: Spiegel Online dazu:
Ein internes Handbuch belegt, mit welchen Mitteln die US-Regierung versucht, Bush-Gegner von Veranstaltungen des Pr�sidenten und anwesenden Medien fernzuhalten. .... An Veranstaltungen mit dem Pr�sidenten d�rften nur Menschen teilnehmen, deren Eintrittskarten genau kontrolliert und die im Vorfeld der Veranstaltung im Hinblick auf versteckte Protest-Zeichen durchsucht worden, hei�t es ... in dem Papier. Demonstranten, die es dennoch schafften, in die Veranstaltung zu gelangen, sollen von "Kadergruppen" niedergeschrien werden. Die wiederum sollen "strategisch" positioniert werden und gro�e Plakate mit "gef�lligen Botschaften" tragen. Mindestens ein Helfer solle im Umkreis der Protestler "umherwandern" und nach m�glichen Problemen Ausschau halten. Wenn all das nicht funktioniert, sollen die Demonstranten rausgeschmissen werden, hei�t es in dem Papier. "Die Aufgabe der Gruppe besteht darin, ihre Plakate und Banner als Schutzschilder zur Abschirmung der Demonstranten von der Presse zu benutzen. Wenn die Demonstranten beginnen, zu schreien, k�nnen die Helfer unterst�tzende Sprechch�re anstimmen (USA! USA! USA!)", zitiert die "Washington Post" aus dem Papier. Die M�he sollen sich die Helfer des Wei�en Hauses allerdings nur dann machen, wenn die Gefahr besteht, die Protestler k�nnten von der �ffentlichkeit wahrgenommen werden. Denn weiter hei�t es: "Wenn davon auszugehen ist, dass die Medien die Demonstranten weder sehen noch h�ren k�nnen und sie die Veranstaltung nicht st�ren werden, kann man sie ignorieren. Wenn die Demonstranten aber Schilder tragen, versuchen, den Pr�sidenten niederzuschreien oder das Ereignis in gr��erem Ausma� beeintr�chtigen k�nnen, m�ssen die Gegenma�nahmen umgehend ergriffen werden, um die Wirkung der Protestler zu minimieren."
Auch in Deutschland sind derweil seltsame Sitten eingezogen, um linke Stimmen mundtot zu machen: Durch Google-Suche in die Einzelhaft. BKA-Beamte wurden mit einer Suche nach den Begriffen "Gentrification" und "Prekarisierung" auf den Stadtsoziologen Andrej H. aufmerksam. Das habe f�r eine fast einj�hrige Observation, Video�berwachung und Lauschangriff ausgereicht, erkl�rt seine Anw�ltin.

Geheimdienste 2.0: US-Beh�rden basteln an MySpace f�r Spione. MySpace, Facebook, jetzt kommt A-Space. Der oberste Geheimdienstler der USA will ein social network f�r Spione gr�nden. �ber die Schlapphut-Community sollen befreundete Nachrichtendienste ihre Informationen austauschen. Doch die Geheimniskr�mer sind skeptisch. Mehr dazu in der Financial Times.

Nach Merkels Schwei�fleck-Entfernung durch den BR nun das: Zeitschrift retuschiert Sarkozys Speckrolle weg. Gut gemeint, schlecht gemacht: "Paris Match" hat Fotos abgedruckt, die Pr�sident Sarkozy in Badehose zeigen - ohne unsch�ne Speckrolle. Die wurde kurzerhand wegretuschiert. Die Konkurrenz zeigt nun h�misch Original und F�lschung.

Das Pentagon will 3 Millionen US-Dollar f�rs Spinning (ein Projekt f�r "strategische Kommunikation und Integration"), doch der US-Kongress ist skeptisch.

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2007-08-18

Bagdad-Blogger "Scott Thomas" ein Fake?

--- Spiegel Online berichtet �ber einen Glaubenskrieg um Bagdads Brutal-Blogger:
Das linke US-Magazin "New Republic" schockierte mit dem Front-Tagebuch eines Soldaten im Irak. Es steckte voller Brutalit�t, Grausamkeit, Zynismus. Die Armee erkl�rt die Berichte zur F�lschung, die Redaktion beharrt auf ihnen - eine Geschichte vom Schlachtfeld Wahrheit. Die Szenen waren herzlos, selbst f�r einen Bericht von der Front. Eine Irakerin, "ihr halbes Gesicht schwer vernarbt", von einer Bombe verbrannt. "Das t�rnt mich echt an", prahlte der Chronist. "Geschmolzene Haut, abgetrennte Gliedma�en." Er beschrieb, wie er und seine Freunde die Frau auslachten. Dann Reue: "Ich war entsetzt und sch�mte mich zugleich f�r das, was ich gerade gesagt hatte." ... Der Verfasser dieser Zeilen, einer Art Tagebuch aus Bagdad, nannte sich "Scott Thomas". Die Berichte erschienen in der "New Republic", in der Online- und dann auch der Print-Ausgabe dieses einst einflussreichen linksliberalen, neuerdings zusehends mittigen US-Magazins, das alle zwei Wochen erscheint. "Scott Thomas" sei ein Pseudonym "f�r einen Soldaten, der momentan im Irak dient", schrieb die Redaktion. Es war ein journalistischer Kn�ller: ein schonungsloses Front-Blog eines GIs mitten im Geschehen, literarisch angehaucht. Die Sache traf mitten in die hitzig gef�hrte Abzugsdebatte. ...Leider war alles erfunden. Oder �bertrieben. Oder doch wahr? Kommt nun ganz drauf an, wem man glaubt. Die Armee jedenfalls erkl�rte die Frontberichte des Soldaten, der sich unter Druck als ein Gefreiter aus Illinois zu erkennen gab, nach f�rmlichen Ermittlungen f�r "falsch". ... Eine Woche sp�ter enth�llte die "New Republic" die Identit�t von "Scott Thomas". "Ich bin der Gefreite Scott Thomas Beauchamp, ein Mitglied der Alpha Company, 1/18 Infantry, Second Brigade Combat Team, First Infantry Division", teilte der Autor auf der Website des Magazins mit. Er dementierte, seine Berichte widerrufen zu haben. "Ich bin bereit, mit meinem wahren Namen zur Gesamtheit meiner Artikel f�r die 'New Republic' zu stehen." Beauchamp, 23, versicherte, seine Texte h�tten nur seine private Sicht des Krieges zeigen sollen. ... Die "New Republic" enth�llte au�erdem, wie es zu Beauchamp kam: Er sei mit Elspeth Reeve verheiratet, der Jungreporterin des Magazins. ... Sie verteidigte, dass ihr Autor anonym geschrieben hatte: Nur so habe Beauchamp "ehrlich und offen �ber seine Emotionen und Erlebnisse" schreiben und gleichzeitig weiter bei den Frontsoldaten dienen k�nnen. Alle Essays seien von der Dokumentationsabteilung gecheckt worden, schrieb Chefredakteur Franklin Foer. Man habe Experten hinzugezogen, um die Plausibilit�t zu pr�fen. Zeugen seien kontaktiert, der Autor selbst zum Liefern "zus�tzlicher Details" gedr�ngt worden.
Eine Erkl�rung zu dem undurchsichtigen Fall, der wohl nie restlos aufgekl�rt wird, gibt es bei New Republic online.

Und sonst: Die Irakisierung Afghanistans schreitet nicht nur mit der j�ngsten Entf�hrung einer deutschen Hilfsorganisationsmitarbeiterin voran.

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2007-08-17

Putin und Sarkozy oben ohne

--- Symbolische Politik mit Oben-ohne-Fotos gestandener Staatsm�nner f�llt dieses Jahr das Sommerloch:
Der postheroische Polit-Softie ist out: Der Staatsmann von Welt l�sst die Muskeln spielen. Damit diese gut sichtbar sind, zieht er sich aus. Waschbrett statt Wampe hei�t die Devise - nicht nur bei Wladimir Putin. Der Ex-Agent Wladimir Putin �berrascht jetzt mit Oben-ohne-Fotos, beim Fischen am Jenissej-Fluss warf er sich wie Bond in die Brust und angelte damit die Aufmerksamkeit der Welt�ffentlichkeit (mehr...). Der russische Pr�sident ist nicht der erste, der sich auszog, um politisch anziehender zu wirken: Auch Berlusconi und Sarkozy stellten ihr Dekollet� zur Schau und demonstrierten damit Sportsgeist, Gesundheit und Tatendrang. Die Ikonografie passt zum politischen Klima: Der Softie hat ausgespielt, zumal Krisenherde wie der Irak und Afghanistan den ganzen Mann fordern. Der zeigt sich, wie in Putins Fall, als Outdoor-K�mpfer, dessen Pose signalisiert: Ich kann jederzeit vom Feldherrenh�gel herunterklettern und selbst mitk�mpfen. Wie Putin in Tschetschenien waren - beziehungsweise sind - auch Berlusconi und Sarkozy Feldherren. Sowohl Italien als auch Frankreich k�mpfen in Afghanistan, wo sich die geopolitischen und ideologischen Machtfragen zu handfesten Kriegen ausgeweitet haben. Vorbei also die Zeiten, als ein Top-Politiker wie Matthias Platzeck aufgrund von Burnout k�rzer treten konnte: Der Staatsmann neueren Zuschnitts ist nicht nur reflektiert, sondern vor allem trainiert. Da k�nnen Historiker lange von der posthistorischen �ra reden, in der Wehrpflicht und Soldatenehre als Auslaufmodelle gelten - mit Putin und Sarkozy kehrt Testosteron als Treibstoff zur�ck in die politische Maschinerie. Vorbei ist auch die Epoche der Saumagen-Mampfer und Sport-Verweigerer: Ein Typ wie Helmut Kohl w�re in unseren heutigen, von Fitness, Rucola und Yoga bestimmten Zeiten �sthetisch und PR-stragegisch gar nicht mehr vermittelbar. Und kein Politiker k�nnte es sich heute noch leisten, "No sports!" zu rufen - es sei denn, er h�tte ein autoaggressives Verh�ltnis zu Umfragewerten. Die deutsche Regierungschefin kann es ihren Kollegen nicht gleichtun. Im Gegenteil: M�chtige Frauen tendieren dazu, geschlechtsneutral, das hei�t auch k�rperlos zu werden. Feminit�t gilt im Politgesch�ft nach wie vor als Zeichen von Schw�che, sie wird mit n�chternen Outfits und gro�er Sachlichkeit kompensiert. Angela Merkel braucht keine Arbeitsphysis; sie brilliert als diplomatische Software, nicht als Hardware mit Lizenz zum T�ten.
Und sonst: Die Blogosph�re bzw. die wachsende Szene der bloggenden Journalisten differenziert sich weiter aus: Die Geld-Blogger. Ob Bahnstreik oder B�rsenkrise: Auf offene Wirtschaftsfragen bieten bloggende Experten im Internet viele Antworten.

Wer spinnt denn da in der Wikipedia herum? Wer bislang an den Artikeln der Internet-Enzyklop�die Wikipedia herumdokterte, konnte sich hinter seiner Anonymit�t verstecken. Leser konnten zwar sehen, dass Eintr�ge ver�ndert worden waren - aber nicht, durch wen. Lediglich ein schwer identifizierbarer Zahlencode, die sogenannte IP-Adresse, lie� vage R�ckschl�sse auf den Autor zu. Mit dieser Anonymit�t ist es jetzt vorbei, jedenfalls teilweise: Virgil Griffith, ein junger Computerspezialist aus Kalifornien, hat eine Software entwickelt, mit der sich zuordnen l�sst, zu welcher Institution bestimmte IP-Adressen geh�ren. Einige Manipulationen, die Griffith mit seinem "Wikipedia Scanner" bereits zutage f�rderte, haben es in sich. ... So wurden von Computern des Vatikans aus Passagen zum nordirisch-katholischen Politiker Gerry Adams getilgt. Durch die S�uberungen verschwanden Hinweise auf eine m�gliche Beteiligung des Sinn-Fein-F�hrers an Mordanschl�gen w�hrend der Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland. ... Besonders beliebt scheint das Redigieren von Wikipedia-Eintr�gen bei Unternehmen zu sein. In einem Eintrag zu Diebold, einer US-Firma, die Wahlautomaten herstellt, fehlte pl�tzlich ein nicht unbedeutender Aspekt: Der Chef hatte im Wahlkampf gro�e Summen an US-Pr�sident George W. Bush gespendet. Hinter der Manipulation, so fand Griffith heraus, stand offensichtlich ein Diebold-Mitarbeiter. Mehr zum Wikiscanner und den aufgedeckten spin jobs bei Wired News und heise online.

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2007-08-13

Bushs Spindoktor Karl Rove tritt ab

--- Karl Rove, der Architekt des Siegs von US-Pr�sident George W. Bush und der Wegbereiter der Neocons, kommt dem Fall seines Herrn zuvor und packt die Koffer in Washington � f�r den Moment zumindest und angeblich aus famili�ren Gr�nden. F�r die Verk�ndigung seines Abschieds vom Wei�en Haus w�hlte er das von Murdoch geschluckte Wall Street Journal. Fehler? Niemals, so die Kernaussage. Nun steht Bush also erst mal mehr oder weniger hirnlos da. Die New York Times zum Thema:
Karl Rove, the political adviser who masterminded President George W. Bush�s two winning presidential campaigns and secured his own place in history as a political strategist with extraordinary influence within the White House, is resigning, the White House confirmed today. In an interview published this morning in The Wall Street Journal, Mr. Rove said, �I just think it�s time,� adding, �There�s always something that can keep you here, and as much as I�d like to be here, I�ve got to do this for the sake of my family.� Mr. Rove said he had first considered leaving a year ago but stayed after his party lost the crucial midterm elections last fall, which put Congress in Democratic hands, and as Mr. Bush�s problems mounted in Iraq and in his pursuit of a new immigration policy. ...

The White House did not say early today whether Mr. Bolten would name a successor to Mr. Rove, who held a �deputy chief of staff� title. But even if he does, none would have the same influence with the president or, likely, the same encyclopedic knowledge of American politics. ... With his departure, Mr. Rove will be the latest major figure to leave the Bush administration�s inner circle. Earlier this summer, Mr. Bush lost as his counsel Dan Bartlett, a fellow Texan who had been part of the original group of close advisers that followed Mr. Bush from the Texas governor�s mansion to the White House. ...

Mr. Rove was not only the chief architect of Mr. Bush�s political campaigns but also the midwife of the president�s political persona itself. His continued presence in the White House had become a source of fascination in Washington ... He predicted that conditions in Iraq would improve with the continuation of the surge � though he did not address speculation that the president will face pressure this fall, possibly even from fellow Republicans, to bring troops home sooner rather than later. And he predicted that Democrats would fail to show unity on issues such as the president�s eavesdropping program. He said he intended to write a book, which had been encouraged by �the boss,� and eventually to teach. Throughout Mr. Bush�s tenure, Mr. Rove vilified Democrats, and they vilified him right back, complaining about his infamously bare-knuckled political tactics on the campaign trail and what they considered his overt politicization of the White House. He has been the focus in the Congressional investigations into the firings last year of several federal prosecutors, and he was until last year a focus of the C.I.A. leak case investigation that led to perjury charges for Vice President Dick Cheney�s former chief of staff, I. Lewis Libby. ...

But Mr. Rove was in the eye of the political storm once again this year as Congress set out to learn his role in the attorney firings, which critics charge had been carried out to impede or spark investigations for partisan aims. ... In his exit interview today, which was with Paul Gigot, the editorial page editor of The Wall Street Journal, Mr. Rove had a parting shot for his political nemeses, telling Mr. Gigot that he believed Senator Hillary Rodham Clinton would be the Democratic nominee but called her a �tough, tenacious, fatally flawed candidate,� and predicted a Republican victory in the 2008 presidential race. It is the sort of political boasting that had become Mr. Rove�s hallmark.
Mehr Polit-Tratsch zum Thema etwa im Guardian: Hired by George Bush senior aged just 22, he started a lifelong association with the family. One of his menial jobs was to hand over the Bush car keys whenever George junior went to Washington. Mr Rove's description sounds like the start of a love affair. "I can literally remember what he was wearing," he said of an occasion in 1973: "an Air National Guard flight jacket, cowboy boots, blue jeans. He was exuding more charisma than any one individual should be allowed to have." Es ist kaum �bertrieben, mit dem letztlich doch �berraschenden Abgang Roves vom Ende einer �ra zu sprechen. Aber irgendwann erweist sich der t�gliche Spagat zwischen politischer Wunschwelt und dem Rest der Wirklichkeit erfahrungsgem�� f�r jeden Spindoktor zu weit.

Und sonst: Ein PR-Skand�lchen in Berlin � Flaskamp erh�lt keine Auftr�ge vom Bundeswirtschaftsministerium mehr: Gib mir einen Zeitungsartikel, dann bekommst du eine bezahlte Anzeige: Solch anr�chige PR-Arbeit brachte das Wirtschaftsministerium von Michael Glos unter Druck. Jetzt wurde die zust�ndige Agentur gefeuert - die Regierung versichert aufgeschreckt, sie habe damit nichts zu tun.

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2007-08-11

"Sch�ner T�ten" im Hightech-Krieg

--- Die S�ddeutsche Zeitung berichtet von der Konferenz "Unmanned Systems 2007":
"Hi, ich hei�e Mark, und wir stellen hier die Killerbiene vor." Der "Networking-Lunch" auf der Jahreskonferenz der Association for Unmanned Vehicle Systems in Washington ist in vollem Gange, und Mark Page schmiert sich Mayonnaise auf das Schinkensandwich, das Israel Aerospace Industries gesponsert hat. Die "Killer Bee" ist ein futuristisches Karbon-Flugzeug mit drei Metern Spannweite. "Sie fliegt Aufkl�rungseins�tze, kann Waffen tragen, und sie macht sehr, sehr viel Spa�. Wie fast alles hier." Page weist mit einer kleinen Handbewegung auf die riesige Halle des Konferenzzentrums. Hunderte Flugzeuge neigen sich Richtung Decke, Armeetrucks parken zwischen Zimmerpalmen, und immer wieder k�ndet aufgeregtes Surren vom Nahen eines Roboters, der �ber den Teppich rollt. "Na, kleiner Kerl?" Schon in Bosnien setzte das amerikanische Milit�r Roboter ein, um Bomben zu beseitigen. Rund um die Uhr schie�en unbemannte Predators mit ihren Raketen auf Ziele im Irak, gesteuert von Soldaten, die in bequemen B�ros in Las Vegas sitzen und nach der Arbeit mit ihren Kindern im Garten spielen. Nun sollen die immer autonomeren Waffen wirklich anpacken. Ab 2015, so sieht es das Konzept "Future Combat System" vor, soll das, was langweilig, schmutzig und gef�hrlich ist, so weit wie m�glich von unbemannten Systemen erledigt werden. Patrouille fahren also, Sands�cke schleppen - und schie�en. Wie diese neuen "Ko-Kombattanten" aussehen und der Krieg, der mit ihnen gef�hrt werden wird, das l�sst sich nirgends besser erleben als hier. Noch vor wenigen Jahren war die Messe kaum mehr als ein Erfindertreff. Heute w�lzen sich 4000 Teilnehmer an 290 St�nden vorbei. Die Kampfmaschinen hei�en SWORD und DAGR, Crusher, Spector und Protector, Voyeur und GoldenEye, Black Knight und Shadow. Schon die Namen verraten, wie unverbl�mt die Industrie die ideelle Heimat ihrer Produkte in der Science-Fiction- und Superhelden-Mythologie ansiedelt. Obwohl es in der Halle von patriotischer Ikonographie und sonoren Bekenntnissen zum "War on Terror" nur so trieft, obwohl wenig von dem, was hier gezeigt ist, ohne 9/11, Bush und den Irakkrieg m�glich scheint, weht die Faszination des Phantastischen durch die Halle und zeichnet ein kindliches L�cheln auf viele Gesichter. Die Er�ffnungsshow findet drei Stunden entfernt auf dem Navy-St�tzpunkt Webster Field in Maryland statt. "Es sieht so aus, als haben wir ein paar Terroristen, die in unser Land eindringen wollen", kl�rt der joviale Moderator Frank Kingston Smith die eben erst vom Parkplatz Gekommenen auf. Das d�rre Szenario muss gen�gen, die Parade von an die 30 Flugsystemen und Robotern zu motivieren. "Ich kann ihnen sagen, ich bin heilfroh, dass Global Hawk sie schon entdeckt hat", donnert Smith. "Jetzt soll Fire Scout rausfinden, was sie vorhaben." Der unbemannte Hubschrauber schnurrt in den feuchten Dunst �ber der Chesapeake Bay, w�hrend die Zuschauer unter den Fl�geln des X-47B UCAS von Northrop Grumman vor der stechenden Sonne Schutz suchen. Der anthrazitfarbene Vogel ist nicht mehr als eine gezackte Scheibe, ein d�steres, bildsch�nes St�ck Design wie aus einem anderen Jahrtausend.

... Jerry Burdett, ein auf die 70 zugehender Ingenieur vom Unmanned-Vehicle-Programm der Marines, ist skeptischer: "Je gr��er die Distanz zwischen Soldat und Ziel, desto problematischer wird es. Es gibt Leute, die kalt werden. Man sieht das heute schon, und deshalb werden Menschen ohne Grund umgebracht. Ich hoffe, die Entwicklung geht nicht hin zu einem Krieg wie aus �Terminator�. Aber ich f�rchte, wir werden genau das erleben."

... Soweit w�rde David Anhalt von SAIC nicht gehen. "Peng" macht es, und ein blauer Werbesoftball jagt in die Menge, doch gefeuert hat nicht das Gewehr, das er grinsend in der Hand h�lt, sondern das des Roboters, der jede von Anhalts Bewegungen genau nachvollzieht. Ganze Roboterteams schie�en genau dorthin, wohin der Soldat schie�t. Folgt ein Roboter zwei Soldaten, errechnet er einen Mittelwert aus den Zielen beider. Und wer von beiden ist dann f�r den ungewollten Tod des Kindes verantwortlich? "Wir sind Technologen. Die rechtlichen Fragen muss sp�ter jemand anders kl�ren."
Mehr zu der Konferenz (aus Polizeisicht) bei CNet News.

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2007-08-02

Die Stimme der Taliban

--- Die Welt betrachtet den Medienkrieg der Steinzeit-K�mpfer:
Er telefoniert viel. Er wird seit zwei Wochen in westlichen Medien nahezu t�glich zitiert. Vor allem in Deutschland und in S�dkorea. Dabei wirkt er in seinen Anrufen bei Agenturjournalisten nicht einmal eloquent, sondern recht einsilbig. So als habe er nur Texte, die er ablese, aber kein dar�ber hinaus reichendes Wissen. Er spricht Paschtu, offenbar ausschlie�lich. Sein Name: Muhammed Jusuf Ahmadi. In anderer Schreibweise: Kari Mohammed Yusuf. Beruf: unbekannt. Aktuelle T�tigkeit: autorisierter Sprecher der Taliban. Muhammed Jusuf Ahmadi, von dem nicht einmal der Bundesnachrichtendienst ein Foto besitzt, ist nicht das Hirn der Taliban und nicht ihr Gesicht. Er ist einfach nur ihre aktuelle Stimme. Er versorgt die Medien mit den Schlagzeilen des n�chsten Tages: �Wir haben zwei Deutsche entf�hrt.� � �23 koreanischen Geiseln befinden sich in unserer Hand.� � �Das Ultimatum l�uft.� � �Beide Deutsche sind hingerichtet worden.�� �Eine letzte Frist f�r die Koreaner.� � �Dem Deutschen geht es schlecht.� Auf den Wahrheitsgehalt kommt es Jusuf Ahmadi erkennbar nicht an. ... ie von Mullah Omar gef�hrten Krieger wider die Moderne haben sich mit moderner Technik ausger�stet, um die �Ungl�ubigen� auf dem Schlachtfeld der medialen �ffentlichkeit zu besiegen. ... Hatten die Taliban in dem von ihnen beherrschten �Islamischen Emirat Afghanistan� Fernsehen, Musik, Kino und Internet unter drakonische Strafen gestellt, agieren sie heute aus ihren H�hlen und Unterst�nden mit H�rfunksendern, professionellen Web-Sites und eitlen Selbstdarstellungen vor westlichen TV-Kameras. ... Die Drehb�cher zu derartigen Inszenierungen schreibt das �Taliban-Medien-Komitee�, gegr�ndet 1993 kurz nach Ende der sowjetischen Besatzung. Abdul Hay Mudmateeb leitet die PR-Zentrale der Islamisten. Die Handy-Nummern und E-Mail-Adressen von Mudmateeb und seinen beiden Haupt-Sprechern Muhammed Jusuf Ahmadi und Zbiabullah Mujahed liegen Geheimdiensten und Journalisten vor. ... Der R�ckhalt der Taliban ist unter den Paschtunen immer noch gro�. Immerhin waren es die Islamisten, die mit Korruption aufr�umten, den Russen entgegen traten und die Macht der Warlords tadschikischer oder usbekischer Abstammung brachen. Aber BND-Experten sch�tzen den harten Kern der Taliban nur noch auf einige tausende Mann. Um sie herum agieren zigtausende Anh�nger und S�ldner mit begrenzter Loyalit�t.
Und sonst: Der Pressefreiheit gehts hierzulande anscheinend mal wieder an den Kragen: Ermittlungen gegen Journalisten. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln jetzt gegen 17 Journalisten, weil sie aus geheimen Akten des BND-Untersuchungsausschusses zitiert haben sollen

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2007-08-01

Murdoch schnappt sich Wall Street Journal

--- Der Haifisch unter den Medienmogulen hat mal wieder zugebissen und sich mit Dow Jones das Wall Street Journal einverleibt. Spiegel Online, l�ngst auf alles andere als auf Nachrichten von links abonniert, versucht die halbwegs guten Seiten bei dem Deal zu sehen bzw. diesen zumindest halbwegs n�chtern zu betrachten:
30 Millionen Dollar zahlt der m�chtigste Medienmann der Welt aus der Portokasse. Die Erben des DJ-Urvaters Clarence Barron hatten sich zwar geziert, sich bei ihrem Widerstand gegen Murdochs Pl�ne auf journalistische Grunds�tze berufen. Tats�chlich waren sie jedoch mit kaltem Cash zu k�dern. Deshalb auch die �berzogene Kaufsumme, ein 67-prozentiger Aufschlag auf den vorherigen Marktwert von DJ und das Privatverm�gen der Bancrofts. Das Murdoch-Prinzip traf selbst auf den alten Presse-Clan zu: Grunds�tze sind gut - Geld ist besser. Und so nahm seinen Lauf, was viele als Untergang des journalistischen Abendlandes beklagen: Rupert Murdoch - Machtmensch, Zeremonienmeister des Vulg�ren, brillant-skrupelloser Gesch�ftsmann - erf�llt sich seinen gr��ten Lebenstraum und verleibt sich die weltbeste Wirtschaftszeitung ein, eine der letzten unabh�ngigen Pfr�nde in der US-Zeitungslandschaft. ... Zugegeben: Unter Murdoch mutierte die linksliberale, dr�ge "New York Post" zum konservativen Kampfblatt, das jeden Feind zerfetzt. Doch ist sie selbst f�r Murdochs �rgsten Gegner Pflichtlekt�re - und hat einen auffallend gut informierten Wirtschaftsteil. Auch zugegeben: Fox News, Murdochs Nachrichtensender, verbreitet gern Regierungspropaganda. Doch sein Fox-Network - die gro�e Network-Schwester des Kabel-Newskanals - machte immerhin mit den "Simpsons" Quote, jenem subversiven Zeitkritik-Comic, in dem sich Murdoch, einmal selbst auf die Schippe nahm: "Ich bin Rupert Murdoch, der Milliard�rs-Tyrann!" ... Fest in der Tradition der Neocons, stand das "WSJ" auch US-Pr�sident George W. Bush meist treu zur Seite und trommelt bis heute f�r dessen Irak-Krieg. In dieser Hinsicht ist das "WSJ" seit langem mehr Murdoch als Murdoch selbst. Was sonst k�nnte sich �ndern? Die gro�en Reportagen, die Murdoch pers�nlich "zu lang" sind? Der oft gedrechselte Stil? Viel Spielraum hat Murdoch nicht, dazu ist der "WSJ"-Leserkreis viel zu elit�r - er d�rfte beim ersten Ausflug in niedere Gefilde schnell abwandern. "Wenn das 'Journal' seine Seite-3-Girls bekommt", juxte Murdoch im Interview mit dem US-Magazin "Fortune" in Anspielung auf die t�glichen Nacktfotos in seiner britischen Postille "Sun", "dann werden wir sicherstellen, dass sie ihren Betriebswirtschaftsabschluss haben."
Viel schlimmer kann es mit dem WSJ also gar nicht werden, auch wenn Murdochs Macht erneut w�chst. Eine �bersicht �ber die Ausbreitung des "ordoliberalen Weltenherrschers" gibts in der S�ddeutschen Zeitung. Ansonsten: Deutsche Afghanistan-Geisel von al-Dschasira in Video vorgef�hrt � das Ausw�rtige Amt bezeichnet die Aufnahmen in einer ersten Stellungnahme als "Dokument der Einsch�chterung".

Boom der PR-Industrie: Based on the survey results of 300 public relations firms around the world, The Holmes Report estimates that the industry is "generating at least $7 billion in fee income annually, employing in excess of 50,000 people, and growing by at least 8.5 percent a year."

US-Milit�r will auch im eigenen Land Propaganda betreiben d�rfen: In preparing its marketing study commissioned by the U.S. military, the RAND Corporation sought the advice of PR advisers including Burson-Marsteller, Weber Shandwick, J.D. Power, the Rendon Group, and the Lincoln Group. The report called for a review of the Smith-Mundt Act, which bans government propaganda aimed at U.S. audiences, claiming that it put the military at a "competitive disadvantage".

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