2007-10-26

Mindestlohn, Merkel und Medienschlacht

--- Ho, ha, geht es jetzt der "Springer-Presse" an den Kragen? Die Sueddeutsche erhebt heute indirekt den Vorwurf, Springer betreibe eine Kampagne, die man mit "Merkel contra Mindestlohn" umschreiben k�nnte. Ausl�ser ist die aktuelle Titelgeschichte des amerikanischen Magazins Newsweek. Darin wird Merkel als reformm�de beschrieben. Das ist vielen schon vor Monaten aufgefallen. aber weil es die deutsche Politikerin auf den Titel des US-Magazins geschafft hat, was selten einem deutschen Politikier gelingt, war der Trubel gro�. Und nicht nur das:
"Am Dienstag dieser Woche �bernahm Bild die Newsweek-Titelstory und machte im politischen Teil mit der Schlagzeile auf: "US-Magazin nennt Angela Merkel ,verlorene� Kanzlerin". Doch fehlte der Hinweis, dass Bild-Mann M�ller-Vogg zu den Kr�ften der Geschichte z�hlt. Newsweek hat die Biografien der eingespannten Texter abgedruckt. "Die Passagen, die Bild �bernommen hat, stammen nicht von den deutschen Gastautoren", teilt Springer-Sprecherin Edda Fels mit. Gemeint ist, dass sich Bild auf die Hauptgeschichte bezieht, also M�ller-Vogg nicht erw�hnt werden musste. (...) Einen Tag sp�ter als Bild - am Mittwoch dieser Woche - thematisierte die Welt, eine andere Springer-Zeitung, im innenpolitischen Teil die "M�r von Maggie Merkel". Im Mittelpunkt der Kritik ("Wirtschaft ... beklagt mangelnden Reformwillen der Regierung") steht Bild-Autor M�ller-Vogg mit seiner Newsweek-Einlassung von Merkel als einer "Politikerin ohne innenpolitischen Kompass".
An diesem Beitrag arbeitete auch die Chefkorrespondentin der Welt mit, Mariam Lau, Ehefrau des in Newsweek zitierten Zeit-Kommentators. Einen Tag vorher war Mariam Lau selbst mit einem Gastkommentar im Wall Street Journal vertreten. Ihre Kronzeugen f�r den "German Reform Blues" sind Regierungssprecher Ulrich Wilhelm und der als "ausgesprochen konservativ" vorgestellte CDU-Vertreter Volker Kauder. Um Merkel geht es auch. Haupts�chlich geht es um das Ende der Reformpolitik und um ein "Schreckensszenario": ein B�ndnis von SPD und Linken."
Die SZ sieht den Zusammenhang, dass der Springerverlag derzeit gegen den geplanten Mindestlohn in der Postbranche wettert (wir berichteten). Mit einer eigenen Firma will der Verlag der Post paroli bieten, was mit einheitlichen Mindestl�hnen schwer f�llt. Um den Mindestlohn zu verhindern wolle Springer wohl die eigene Macht demonstrieren, um Merkel zum Handeln zu zwingen, lautete die Botschaft. Springer dementiert nat�rlich. Und vermutlich zurecht. Friede Springer hat doch andere Zug�nge zur Kanzlerin als auf eine derartige Art und Weise mit den Muskeln zu spielen. Die Story hat noch andere Schw�chen, auch wenn es den bekannten Springerhass bedient. Nur weil Springer mehrere Zeitungen hat und entsprechend die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass auch ein Springerblatt wie alle anderen auch dem Leitmedium Bild folgen: Wie sollte es der Springer-Verlag schaffen, dass ein US-Magazin Merkel auf den Titel hebt? Kundige bitte melden!

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2 Comments:

At 1:02 PM, Anonymous Anonym said...

Es ist wirklich abstrus, welche Verschw�rungstheorien seit vorgestern an den Tag gelegt werden. Ich habe der Artikel als Privatperson f�r den Blig geschrieben. Ein Grund war und ist, dass ich es f�r mich pers�nlich f�r an der Zeit hielt, einmal gegen den Zeitgeist zu schreiben, der meiner Meinung nach - als Verl�ngerung des Wahlkampfes - Merkel in einer teilweise schwer nachvollziehbaren Art und Weise glorifiziert.
Das hier Verschw�rungstheorien ausgerechnet gegen die Bundeskanzlerin die Runde machen, finde ich unglaublich. Seit Jahren f�hrt ein Gro�teil der Medien eine so eindeutige Kampagne gegen die SPD, missbrauchen Journalisten so ma�los ihre Meinungsmacht (J�rges, Steingart, Kleber, etc.., siehe dazu das Buch von RTL-Reporter Hoffmann: "Die Journalille von Berlin"), das einem aus beruftsethischen Gr�nden schlecht wird. Dass es sogar Menschen gibt die glauben, es verhalte sich gerade umgekehrt, macht mich eigentlich sprachlos.
Die Kampagne der Springer-Presse, der der Post-Konkurrent Pin-AG geh�rt, gegen Mindestl�hne ist in der Tat skandal�s. F�r mich liefert diese Tatsache aber keineswegs Hinweise f�r eine Verschw�rung gegen Merkel, sondern vielmehr ein Beispiel, wie Medien heute ihre Meinungsmacht f�r eigene Ziele ausnutzen. Wenn jemand seit Jahren davon profitiert, weil �ber sie aus eigenen parteipolitischen �berzeugungen einiger Journalisten nur positiv berichtet wird, dann unsere liebe Kanzlerin. Das davon, und das war der Anlass meines Atikels, ausl�ndische Zeitungen frei sind, ist sch�n. Und zu glauben, ein weltweit anerkanntes Magazin wie Newsweek lasse sich von einer Bande von deutschen Mindestlohngegenern ( zu denen ja erwiesener Ma�en Joschka Fischer z�hlt) instrumentalisieren, der ist nicht zu retten.

Sch�nen Samstag

 
At 2:12 PM, Anonymous Leitkulturevolution said...

Die ehemalige Genossin der FDJ mach uns derzeit wirklich Leid.

 

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