2007-09-08

Bin Laden geht unter die Globalisierungsgegner

--- Osama bin Laden hat sich wenige Tage vor dem 6. Jahrestag der Anschl�ge am 6. September einen Imagewandel verpasst. Das Blut von den H�nden gewischt, die Kalaschnikow abgelegt und den Bart schwarz gef�rbt wirbt der Terrorf�hrer in einem neuen Video um Sympathien an allen Fronten, wobei er sich vor allem in die Phalanx der Kapitalismuskritiker einreiht:
Die Rede ist aus mehreren Gr�nden ungew�hnlich. Dies betrifft zum einen den Inhalt: Nie zuvor hat Osama Bin Laden sich derart als eine Art globaler Oppositionspolitiker inszeniert. Weite Teile der Ansprache bestehen aus reiner Kapitalismus- und Globalisierungskritik. "So wie ihr euch zuvor aus der Sklaverei der M�nche, K�nige und Feudalherren befreit habt, so solltet ihr euch jetzt von den Irref�hrungen ... des kapitalistischen Systems befreien", sagt der Qaida-Gr�nder an einer Stelle.
Zum anderen ist ungew�hnlich, auf welche Art der Inhalt der Rede bekannt wurde. In der Nacht zum Donnerstag hatte die Qaida-nahe Produktionsfirma al-Sahab angek�ndigt, dass eine Rede des Terrorpaten bald ver�ffentlicht werde. Doch noch bevor die Terror-Propagandisten das Band publizierten, berichteten gestern US-Medien �ber die Kernaussagen Bin Ladens. ... Politische, geschichtliche und moralische Er�rterungen vermischend, zeichnet Bin Laden das Bild einer Nation, die auf der Verliererstra�e ist. Obwohl milit�risch �berm�chtig, k�nnten die Amerikaner im Irak nicht gewinnen - weil sie zwar moralisch argumentierten, in Wahrheit aber nur den Interessen internationaler Konzerne folgten. Das Ansehen der USA sei deswegen ruiniert. Um "den Krieg zwischen uns" zu stoppen, gebe es zwei M�glichkeiten: Entweder die Mudschahidin stellten die Kampfhandlungen ein, was aber nicht gehe, weil sie eine Pflicht erf�llten. ... Es gebe allerdings einen Ausweg, sagt Bin Laden weiter: Die Amerikaner sollten "nach einem alternativen, aufrechten Weg suchen", in dem es nicht darum gehe, andere zum eigenen Nutzen zu unterdr�cken. Nat�rlich hat dieser Weg auch einen Namen: Die Amerikaner sollen zum Islam konvertieren. Bin Laden macht sich sogar die M�he, Koranstellen aufzuz�hlen, in denen Jesus und Maria erw�hnt werden. Anders als in seiner vorherigen Ansprache aus dem Sommer 2006 droht er diesmal nicht mit Anschl�gen. Der Terrorpate sinniert stattdessen �ber B�cher, zum Beispiel des linken Intellektuellen Noam Chomsky. Der Libanon-Krieg, der Konflikt zwischen Hamas und Fatah, die Anschlagsversuche in Gro�britannien und Deutschland - all das wird nicht erw�hnt.
Einen ausf�hrlichen Bericht zur Wandlung bin Ladens gibts bei Telepolis: Mit Kapitalismuskritik zum Gottesstaat.

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