2007-04-02

Iran �bt sich in psychologischer Kriegsf�hrung

--- Iran zieht in der Aff�re um die 15 gefangenen britischen Soldaten weiter alle Register der psychologischen Kriegsf�hrung. Gestern f�hrte das iranische Fernsehen die "Eindringlinge" noch einmal vor, einer entschuldigte sich �ffentlich beim iranischen Volk f�r die angebliche Verletzung des Territoriums:
"Alle 15 festgenommenen Soldaten haben akzeptiert, dass sie illegal in iranische Hoheitsgew�sser eingedrungen sind", meldete das iranische Staatsradio heute Morgen. Der staatliche Sender al-Alam zeigte gestern Abend Aufnahmen zweier britischer Soldaten in Khaki-Uniformen, die an einer Landkarte die Positionen ihres Schiffs erkl�rten. ... In dem TV-Kommentar hie� es, beide h�tten datailliert geschildert, wie sie in iranisches Gew�sser eingedrungen seien. Zudem h�tten die beiden angegeben, sie w�rden gut behandelt. Eine Sprecherin des britischen Au�enministeriums bezeichnete es in einer ersten Reaktion als "nicht akzeptabel, dass diese Bilder gezeigt werden".
Ungeachtet der neuen Videoaufnahmen bem�ht sich London weiter mit diplomatischen Mitteln um die Freilassung seiner Soldaten. Dazu seien interne Gespr�che im Gange, berichtete der Sender BBC heute unter Berufung auf Regierungskreise. Bereits am Wochenende zeichnete sich ab, dass London nun den direkten Kontakt zu Teheran sucht. Gro�britanniens Au�enministerin Margaret Beckett und Verkehrsminister Douglas Alexander bekr�ftigten ihre Bereitschaft zum Dialog. Sie sprachen allerdings nicht die von Teheran geforderte Entschuldigung aus. Verteidigungsminister Des Browne best�tigte, dass es zur L�sung des Konflikts "direkte bilaterale Kommunikation" mit den Iranern gebe. Einzelheiten nannte er nicht. Die Zeitung "Sunday Telegraph" zitierte einen Mitarbeiter aus dem Verteidigungsministerium mit den Worten: "Wir sind bereit, uns mit Iran �ber die Garantie zu einigen, dass wir niemals ohne ihr Einverst�ndnis in ihre Gew�sser eindringen, weder jetzt noch in Zukunft." Das Angebot sei aber kein Schuldeingest�ndnis oder eine Entschuldigung. "Ich glaube, die ganze Welt bedauert die Situation, die entstanden ist, und deswegen wollen wir einen Ausweg finden", sagte Au�enministerin Beckett. Eine L�sung solle auf friedliche Weise und so bald wie m�glich gefunden werden.
Ein Video-Mitschnitt des TV-Auftritts der beiden Gefangenen findet sich etwa bei LiveLeak, ein Bericht �ber die Darstellung der Aff�re in iranischen Blogs bei Spiegel Online.

Derweil f�llt das neue Schlachtenepos 300 von Warner Bros. bei den Iranern nicht ganz zu Unrecht unter die Kategorie westliche Propaganda: �Ganz Teheran ist in Aufruhr�, meldet das Magazin Time. Raubkopien des Films �300� hatten die iranische Hauptstadt erreicht. �300�, die Verfilmung eines Comics von Frank Miller �ber die Schlacht zwischen Persern und Spartanern 480 vor Christus an den Thermopylen, hat gleich am ersten Wochenende 70 Millionen Dollar eingespielt. ... er Film zeichnet zwei Welten: die der Spartaner, in der schon die S�uglinge abgeh�rtet werden und die Achtj�hrigen den Schwertkampf mit ihren V�tern f�hren, und die Welt der Perser, in denen Laszivit�t, Korruption, Verweichlichung und Grausamkeit herrschen. �Hollywood hat eine neue Front im Krieg gegen den Iran er�ffnet�, hie� es in den Abendnachrichten der staatlichen Fernsehanstalt Irans, und die Tageszeitung �Ayende-No� schrieb: �Der Film pr�sentiert die Iraner als D�monen, ohne Kultur, Gef�hl oder Menschlichkeit, die an nichts anderes denken als daran, andere Nationen anzugreifen und Leute umzubringen. Es ist ein weiterer Versuch, das iranische Volk und seine Zivilisation in den Augen der Welt�ffentlichkeit anzuschw�rzen, in einer Zeit zunehmender amerikanischer Drohungen gegen den Iran.� Die gr��te iranische Tageszeitung �Hamshari� erkl�rt, der Film �dient den Interessen der amerikanischen F�hrung. Er wird eine Welle des Protests in aller Welt ausl�sen. Iraner in Amerika oder in Europa werden eine solche Beleidigung nicht hinnehmen.� Javad Shamgari, der kulturpolitische Berater des Pr�sidenten Ahmadinedschad, erkl�rte, die USA wollten �Iran dem�tigen und die historische Realit�t verdrehen, um ihre eigenen Fehler wieder gutzumachen, indem sie amerikanische Soldaten und Kriegstreiber anstacheln.� Der Iran, der sich wenig empfindlich zeigte, als es um die Versammlung internationaler Holocaust-Leugner auf staatliche Einladung ging, hat bei der Uno in aller Form gegen die Darstellung der (vorislamischen) Perser in �300� scharf protestiert. ... Aber auch unter den westlichen Filmkritikern sorgt �300� f�r Unmut. Die Besprechung in �Filmstarts� nennt ihn gar �faschistische Propaganda�. Auch der Kritiker des �New Yorker� �u�ert Verst�ndnis f�r die erbosten Iraner. �Vielleicht haben die Iraner Schwierigkeiten zu verstehen, dass bei uns nicht die Regierung einen Film bestellt, sondern die Studiobosse. Aber man kann den Iranern nicht vorwerfen, dass sie keinen rechten Humor f�r unsere Popkultur haben. Sie haben in gewisser Weise recht: �300� ist eine politische Fabel, die der gegenw�rtigen Lage unheimlich auf den Leib geschneidert scheint. Wie viele antike Armeen sind, wie es hier von den Spartanern hei�t, f�r die �Vernunft� in den Krieg gezogen? Ein Hauch von Verachtung f�r den Osten � was Edward Said Orientalismus nannte � entsteigt aus dem Schlachtget�mmel, und macht �300� zu einem Epos �ber den Aufstieg der Demokratie.� Entstanden in einer Zeit der Frustration, in der Amerikaner �einen Krieg f�hren, den sie weder gewinnen noch beenden k�nnen, wirkt �300� wie das Produkt einer Kultur, die langsam und schmerzhaft durchdreht.�

Und sonst: Aufregung ohne Berechtigung im Fall Kathy Sierra? Call for blogging code of conduct. The support for a blogger hounded by death threats has intensified with some high profile web experts calling for a code of conduct in the blogosphere. The female blogger at the centre of the row has been shocked to discover that hers is not an isolated incident.

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