2007-02-05

In einem Bett: Medien und PR

--- Die NZZ berichtet �ber eine neue Studie zur �bernahme von PR-Material in den (Schweizer) Medien:
Wie selbst�ndig berichten die Medien? Zu wenig, findet erneut eine Studie, welche die Leistungen von Lokalmedien in den R�umen Z�rich und St. Gallen analysierte. �Was als Medienleistung erscheint, ist zu einem betr�chtlichen Teil PR-Leistung�, heisst es im Bericht, welchen die Publicom dem Auftraggeber, dem Bundesamts f�r Kommunikation, vorlegte. Ren� Grossenbacher, der Forschungsleiter, findet damit seine Untersuchungen best�tigt, die er vor zwanzig Jahren durchf�hrte. Danach agieren die Medien oft am G�ngelband der �ffentlichkeitsarbeiter. Im aktuellen Fall untersuchte die Publicom, wie die elektronischen Lokalmedien die Pressekonferenzen der Z�rcher und St. Galler Beh�rden verarbeiteten. Zwei Arbeitsmonate dienten als Forschungsbasis. Die Ergebnisse sind ern�chternd; sie best�tigen allerdings intuitive Eindr�cke. So konnte man in gut der H�lfte der Berichte keinerlei inhaltliche Eigenleistung der Medien erkennen. Publiziert wurde die unver�nderte oder lediglich gek�rzte Fassung der Texte, die von den beh�rdlichen Medienstellen zur Verf�gung gestellt wurden. Nur 13 Prozent der Beitr�ge kamen eigenst�ndig zustande. Nachrecherchen erfolgten selten. Begrenzt scheint �berdies die Bereitschaft, die Quellen der verbreiteten Informationen offenzulegen. Nur ein F�nftel der Beitr�ge verwies auf die Medienkonferenzen als Basis. In der Regel werden allerdings die Personen genannt, von welchen die Informationen stammen. So vermittelt das Medium dem Publikum den falschen Eindruck, der Beitrag beruhe auf einer Eigeninitiative. In gut einem Viertel der Berichte werde aber auch dies nicht ersichtlich, h�lt die Studie fest. Die Quellen werden vor allem durch die Online- Medien und die privaten Fernsehsender verschleiert.
Tats�chlich ist ja das Copy & Paste von Pressemitteilungen das "Gesch�ftsmodell" einiger "Newsticker" im Internet ohne jeglichen Verweis auf den Ursprung der "Nachrichten". Siehe auch einen Kommentar zum Thema in der NZZ: Die Kernaussagen der nebenstehend pr�sentierten Studie sind ersch�tternd: Die Medien arbeiten danach zu einem grossen Teil als blosse Transporteure von Botschaften aus den Werkst�tten der �ffentlichkeitsarbeiter. Die Forscher sehen damit Untersuchungen (Barbara Bearns / Ren� Grossenbacher) aus den achtziger Jahren best�tigt. Schon damals wurde errechnet, dass zwei Drittel aller von den Medien verbreiteten Meldungen aus Pressestellen und PR-Agenturen stammen. ... Die Medien betreiben somit in hohem Mass Etikettenschwindel. Das ist verwerflich. Dennoch muss man die genannten wissenschaftlichen Befunde relativieren. Eine wesentliche Aufgabe der Medien besteht darin, �ber Ereignisse und Entscheide in Politik und Wirtschaft zu berichten. �fters handelt es sich um Informationen, die nicht kontrovers sind. Diese werden heute von den jeweiligen Kommunikationsabteilungen meist Medien-affin und professionell aufbereitet. Zudem sind �ffentlichkeitsarbeiter auf ein Vertrauensverh�ltnis mit den Medienschaffenden angewiesen. Durch Vermittlung gezinkter Informationen w�rden sie ihre Glaubw�rdigkeit sch�digen. Sie liefen Gefahr, den Zugang zu den Medienkan�len zu verlieren. Denn die Journalisten treffen die Auswahl unter den PR-Meldungen. Als Schleusenw�rter nehmen sie eine Kontrollfunktion wahr. In diesem Sinne herrscht also kein universeller �Verblendungszusammenhang�. Nicht alles, was aus PR-Werkst�tten kommt, muss von vorneherein schlecht sein. ... Wenn man die Presse einbezogen h�tte, w�ren die Resultate wohl etwas positiver ausgefallen. W�hrend Websites, Privatradios und Lokalsender immer noch als Durchlauferhitzer funktionieren (daran werden Subventionsgelder kaum etwas �ndern), liefert das gedruckte Medium am ehesten noch Einordnungen und Analysen. Angesichts der �konomischen Schwierigkeiten steht allerdings auch die Presse unter Druck. Der Sparzwang gef�hrdet das Reflexionspotenzial. PS: Baerns heisst die Barbara aber, nicht Bearns.

Und sonst: media-bl�d k�mpft gegen Abmahnungen mit einer seltsamen Art von "Justiztourismus".

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