2006-10-05

Citizen-Wahlkampf in den USA mit YouTube + Co.

--- Spiegel Online berichtet �ber den Internet-Wahlkampf 2.0 in den USA:
Aggressive Blogger krempeln mit Hilfe von "YouTube" und "MySpace" den US-Wahlkampf um. Ausrutscher von Kandidaten kursieren oft Minuten sp�ter als Videos im Web - ebenso schnell k�nnen sie politische Karrieren ramponieren. Die Sonne strahlte in Virginia, und der republikanische Senator George Allen mit ihr. Allen stand unter einem Baum im "Breaks Interstate Park", er versprach einen positiven und heiteren Wahlkampf und fing gleich damit an - auf seine Weise. Der Senator ersp�hte einen dunkelh�utigen jungen Mann mit einer Kamera unter seinen Zuh�rern, winkte ihm zu und rief ihn fr�hlich: "Macaca". So hei�en asiatische Bergaffen. Die Leute lachten, und Allen kam so richtig in Fahrt: "Willkommen in Amerika, Macaca", schickte er grinsend hinterher. Der dunkelh�utige junge Mann, S. R. Sidarth, ist in Virginia geboren. Er hatte seine Kamera auf Allen gerichtet, weil er f�r dessen demokratischen Herausforderer arbeitete - und genau auf solche Ausrutscher hoffte. Flugs stellte Sidarth die Aufnahme des "Macaca"-Gru�es auf die Video-Website "YouTube". Dort avancierte sie zum meistgesehenen Clip der Seite. Bald griffen "Washington Post" und Fernsehkan�le die Geschichte auf. Allen entschuldigte sich zweimal �ffentlich. Doch binnen weniger Tage wurde aus dem m�glichen Pr�sidentschaftskandidaten ein Politiker unter Rassismusverdacht, der um seine Wiederwahl bei den Kongresswahlen im November zittern muss. "Pass auf, mit deiner n�chsten Dummheit kannst du auf 'YouTube' landen", gibt die "New York Times" derzeit als Losung an Amerikas Politiker aus. Die neuen Medien haben zwar schon bei der Pr�sidentschaftswahl 2004 eine gewichtige Rolle gespielt. ... Doch zwei Jahre sind eine Ewigkeit im Datennetz. In dieser Zeit gab es neben neuen Ph�nomen wie "YouTube" einen Boom von sozialen Netzwerken wie "MySpace" oder "Facebook" ... Die Betreiber von "Facebook", das als Netzwerk f�r Studenten begann, legten Anfang September 1600 elektronische Profile der Kandidaten f�r Gouverneursposten, Senat und Kongress an. 200 davon haben diese schon personalisiert, wie Evan Bayh. Auch "MySpace" will nun soziales Netzwerken mit Politik mixen. Die Seite bietet seit kurzem seinen mehr als 100 Millionen registrierten Nutzern an, sich per Mausklick f�r die Wahl registrieren zu lassen. Politiker buhlen aggressiv um diese Zielgruppe. Der texanische Gouverneurs-Kandidat Kinky Friedman hat durch humorige Pflege seines "MySpace"-Profils in wenigen Wochen 30.000 Online-Freunde gesammelt. Besonders im Wahlkampf m�ssen US-Politiker aber auch die schon etablierteren Blogs im Auge behalten. Als bei den Nominierungs-Parteitagen beider Parteien 2004 erstmals Blogger Akkreditierungen erhielten, machte das noch Schlagzeilen. Mittlerweile haben sie l�ngst bewiesen, dass sie politische Karrieren torpedieren oder bef�rdern k�nnen. ... Aus Respekt vor solcher Macht lud John Edwards, vor zwei Jahren Vizepr�sidentschaftskandidat von John Kerry, im Sommer zehn wichtige Blogger zum Essen ein. Edwards f�ttert nun seinen eigenen Blog jede Woche mit Videointerviews. Hillary Clinton, ebenfalls eine m�gliche Kandidatin f�r das Wei�e Haus, hat bereits einen "Internet Outreach Officer" engagiert. ... Wenn das Internet au�erdem zu einer gewaltigen Datenbank wird, in der jede spontane �u�erung auf ewig abrufbar ist, dann k�nnten US-Politiker noch mehr zu Marionetten ihrer Berater werden.
Fast schon traditionell dagegen: Citizen-Journalism: Die Amateure kommen. B�rgerjournalismus ist unter Medienprofis umstritten und legt zugleich M�ngel des Medienbetriebes offen.

Und sonst: Tot oder lebendig? Verwirrung um Tod des Al-Qaida-Chefs im Irak. Der neue Chef des Al-Qaida-Netzwerks im Irak, Abu Ajjub al-Masri, soll nach einem Medienbericht ums Leben gekommen sein. Die US-Streitkr�fte halten das aber f�r "h�chst unwahrscheinlich".

Foltern auch Bundeswehr-Spezialeinheiten? Der als "Bremer Taliban" bekannt gewordene Murnat Kurnaz wurde nach seiner Verschleppung nach Afghanistan in einem geheimen US-Gef�ngnis anscheinend auch von deutschen Elitesoldaten misshandelt. ... Der heute 24-j�hrige Schiffsbauer aus Bremen war am 1. Dezember 2001 im pakistanischen Peshawar auf dem Weg zum Flughafen, wo er seinen Heimflug antreten wollte, an einem Checkpoint aus dem Shuttlebus gezogen und nach Kandahar in eines der ber�chtigten US-Geheimgef�ngnisse verschleppt worden. Dort wurde er nach seinen Angaben von Angeh�rigen des US-Milit�rs gefoltert, unter anderem mit Elektroschocks. In dem US-Gef�ngnis wurde Kurnaz aber auch von deutschen Soldaten misshandelt, wie er nun dem stern berichtet.

US-Universit�ten arbeiten an Beschn�ffelungssoftware: Software Being Developed to Monitor Opinions of U.S.A consortium of major universities, using Homeland Security Department money, is developing software that would let the government monitor negative opinions of the United States or its leaders in newspapers and other publications overseas. Such a �sentiment analysis� is intended to identify potential threats to the nation, security officials said.

Passend dazu: US-Regierung darf weiter B�rger abh�ren. Die US-Regierung darf ihren umstrittenen Lauschangriff zun�chst fortsetzen. Telefongespr�che d�rfen solange abgeh�rt und E-Mails gelesen werden, bis �ber einen Einspruch der Regierung gegen ein vorheriges richterliches Verbot der Praxis entschieden wird.

Auf der Suche nach den schlimmsten EU-Lobbyisten: EU Lobby Awards 2006 Nominieren Sie jetzt:�den erfolgreichsten Einfl�sterer der Einflussreichen, die gr��te Manipulation durch�Lobbyisten, die fragw�rdigste Methode der Interessenvertretung.�Die Nominierungphase findet in diesem Jahr zum ersten Mal �ffentlich statt. Machen�Sie mit auf der Suche nach dem schlimmsten Lobbying in der EU 2006.

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