2006-09-23

Papst Benedikt, der Islam und die Medien

--- Die NZZ widmet sich den r�tselhaften �u�erungen Ratzingers zum Islam und dessen angeblicher Unvernunft und Schwertfreudigkeit und den Medienreaktionen darauf :
In dieser Woche setzte der �Spiegel� die Worte �Papst contra Mohammed� auf die Titelseite. In der Ank�ndigung der dazugeh�rigen Geschichte �ber die muslimischen Reaktionen auf den Regensburger Vortrag von Benedikt XVI. ist von einer �neuen Runde im Kulturkampf zwischen Orient und Okzident� die Rede. �hnlich t�nt es in der Berliner �TAZ�, die �Benedikt auf Kreuzfahrt� sieht. Der erneute Griff zu einer solch suggestiven Formel verr�t eine trotzige Denkfaulheit in den beteiligten Redaktionen. Denn zu einem Kampf geh�ren mindestens zwei Gegner, und die sind derzeit nicht erkennbar. Es gibt kein westliches Pendant zum inszenierten Wutausbruch der angeblich beleidigten Gl�ubigen, keine Gegenspieler jener aggressiv-ignoranten muslimischen W�rdentr�ger, die die Rede des Papstes verdammten, ohne sie zu kennen. In den deutschen Medien herrscht keine Kreuzzugsstimmung, auch wenn die �S�ddeutsche Zeitung� sich vor angeblichen �Angstphantasien vor einem aggressiven Islam� in der Publizistik gruselt und Islam-Lobbyisten gern die Wandersage von der �Islamphobie� der deutschen Presse verbreiten. In Wirklichkeit haben f�hrende Bl�tter ausgesprochen sachlich reagiert. Das gilt auch f�r die Bl�tter, die wie die �Welt� und die �FAZ� die Position des Papstes unterst�tzten. Hier wurde historischer und theologischer Sachverstand aufgeboten, wurde differenziert und argumentiert. Allenfalls der Feuilleton-Aufmacher der �FAZ�, der den Titel �Der Islam will die Welteroberung� unter eine Szenenfoto mit Anthony Quinn als schwertschwingendem Mohammed-Onkel setzte, verriet die Lust an zuspitzender Inszenierung. Selbst die �Bild�-Zeitung, die sich nach der Papstwahl mit der Schlagzeile �Wir sind Papst!� als besonders romtreu positioniert hatte, bot statt Aufstachelung nur Larmoyanz: �Warum hassen diese Moslems unseren Papst?� H�ufig war dagegen der papstkritische Tadel: Benedikt XVI. habe keinen �Blick f�r die religionspolitische Realit�t� (�S�ddeutsche Zeitung�) und bedenke nicht, dass er in seinem Amt nicht provozieren d�rfe (�Zeit�). Ein Leitartikler des �Tagesspiegels� formulierte im Urteil �ber die Papst-Worte den Tenor, der sich in nur leichten Variationen in vielen Tageszeitungen und bei zahlreichen Politikern fand: �Kommunikation durch Konfrontation: Diese Strategie hat ihre Grenze dort, wo sich der Angesprochene nicht mehr herausgefordert, sondern beleidigt f�hlt.� Das ist f�r Medien eine riskante Devise, verschiebt sie doch den Skandalisierungsanlass vom Sachlichen ins bloss Subjektive. Das Gef�hl einer Kr�nkung ist aber in der muslimischen Welt jederzeit abrufbar. Wird es zum Kriterium, an dem sich Thesen und Themen der �ffentlichen Meinungsbildung messen lassen m�ssen, dann bedeutet das de facto die vorauseilende Aufgabe der Meinungs- und Berichterstattungsfreiheit.
Leider wissen wir immer noch nicht, was der durch und durch vern�nftige Papst mit seiner Rede nun bezwecken wollte. Klug waren sie so oder so nicht, zumindest unter Verzicht auf den Hinweis auf die eigenen Kreuzfahrerhistorie.

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1 Comments:

At 7:07 PM, Blogger Karl_Schmitt said...

zur Papst- Vorlesung in Regensburg

Es geht um die Frage, ob der Papst eine R�ckentwicklung in die Zeit vor der Aufkl�rung ge�fordert hat � oder ob er eine Weiterentwicklung der westlichen Kultur fordert, nachdem das nicht messbare und nicht mathematisch Beschreibbare in den Bereich der �Pseudowissenschaftlichkeit� verdr�ngt wurde (obwohl auch die Erkenntnisse aus der Quantenphysik l�ngst auf die Unhaltbarkeit eines mechanistischen Weltbildes hinweisen).

Die Kirche hatte im Hochmittelalter die griechische Logik in der Scholastik eingesetzt, um sie f�r Gottesbeweise und �hnliches zu nutzen. Thomas von Aquin wird hierf�r heute noch von der Kirche verehrt. Die vom Papst kritisierten Duns Scothus und William von Occam jedoch weniger, da sie diese Logik wertfrei gemacht hatten. Der Papst erl�utert in seinem Vortrag die nachfolgende geschichtliche Entwicklung. Die Aufkl�rung f�hrte mit der wertfreien Logik zu einer Wissenschaftlichkeit, die heute Beschreibungen der Welt nur dann anerkennt, wenn diese auch mathematisch dargestellt werden k�nnen. Gott r�ckt hierbei au�er�halb dieser Art von Wissenschaftlichkeit. Der fr�here Professor Ratzinger hielt seinen Vortrag an der theologischen Fakult�t Regensburg und nutzte die Gelegenheit, seine Autorit�t als Papst Benedikt einzusetzen und eine neue Wissenschaftlichkeit zu fordern, indem wir �die selbstverf�gte Beschr�nkung der Vernunft auf das im Experiment Falsifizierbare �berwinden und der Vernunft ihre Weite wieder er�ffnen�. Er hatte zuvor festgestellt, dass die Vernunft, von der griechischen Philosophie als Logos bezeichnet, eben nicht wertfrei sei: �Nicht mit dem Logos handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider.� Dies Zitat war auch, wie er am Ende seine Vortrags noch einmal betont, der eigentliche Grund, warum er den Kaiser Manuel II zitiert hatte.

Ebenso war es auch der Grund f�r seinen entschiedenen Widerspruch gegen die zwei obengenannten Scholastiker, die im Ergebnis wohl auch als V�ter der Aufkl�rung bezeichnet werden k�nnen. Scothus hatte behauptet, dass wir nichts �ber die g�ttliche Vernunft wissen k�nnen und die 10 Gebote somit auch vollst�ndig unterschiedliche Inhalte haben k�nnten, die wir, als Teil seiner Sch�pfung, dann ebenso zu befolgen h�tten. Aus dieser Logik folgt, dass Vernunft und Moral zwei entkoppelte Begriffe sind. Der Papst hat eine andere Weltsicht; offenbar deshalb, da er davon ausgeht, dass unsere Seelen (im Mittelalter auch als �g�ttliche Funken� bezeichnet), der Art Gottes entsprechen und wir deshalb sehr wohl ein Wissen �ber das Wesen Gottes haben, bzw. mit unseren Seelen in der Lage sind, Gut und B�se unterscheiden zu k�nnen.

Zun�chst stellte er fest: �Die eben in ganz groben Z�gen versuchte Selbstkritik der modernen Vernunft schlie�t ganz und gar nicht die Auffassung ein, man m�sse nun wieder hinter die Aufkl�rung zur�ckgehen und die Einsichten der Moderne verabschieden.�

Aber �Eine Vernunft, die dem G�ttlichen gegen�ber taub ist und Religion in den Bereich der Subkulturen abdr�ngt, ist unf�hig zum Dialog der Kulturen� und �In diesen gro�en Logos, in diese Weite der Vernunft, laden wir beim Dialog der Kulturen unsere Gespr�chspartner ein. Sie selber immer wieder zu finden, ist die gro�e Aufgabe der Universit�t (in der auch die Theologie wieder eine Rolle findet, die �ber die heutige �historische und humanwissenschaftliche Disziplin� weit hinausgeht).

Am Schlu� seines Vortrages betonte er noch, dass eine derartige Erweiterung der wissenschaftlichen Logik dringend notwendig ist, da andere tief religi�se Kulturen gerade mit dem westlichen Begriff der Wissenschaftlichkeit, in der das G�ttliche ausgeschlossen wurde, nichts anfangen k�nnen und der dringend notwendige Dialog der Kulturen hier auch von uns ein Umdenken erfordert (gerades diese Ausf�hrungen des Papstes am Schlu� seines Vortrages zeigen die Borniertheit, m�glicherweise auch Infamie, mit der sein impliziertes Angebot auf ein Entgegenkommen von islamischen Wortf�hrern zur�ck gewiesen und er auch noch pers�nlich bedroht wurde).

 

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