2006-08-02

Propaganda-Krieg in Nahost

--- Der Krieg Israels gegen die Hisbollah ist auch ein Propaganda-Krieg, wie mehrere Medien momentan herausarbeiten. Spiegel Online etwa widmet sich zum einen der "Medienbetreuung" der Israelis vor Ort:
Der Anruf kommt p�nktlich, morgens neun Uhr. "Hallo, hier ist das Government Press Office", fl�tet eine weibliche Stimme, "was haben Sie heute vor, brauchen sie noch eine Idee"? Danach sprudelt es: Gespr�chspartner, eine Tour zu den von Raketen getroffenen H�usern Haifas - inklusive, mit Opfern zu sprechen. Ebenso kommt ein Experte mit, der die Raketen erkl�rt - "gern auch im O-Ton". Das Angebot ist noch nicht ausgesch�pft. "Das Highlight kommt noch", so die Dame vom Presseb�ro der israelischen Regierung, kurz GPO. "Wir haben in Naharya ein Gespr�ch mit den Eltern eines entf�hrten Soldaten", sagt sie. Die Eltern von Ehud Goldwasser, seit dem 12. Juli in der Hand der Hisbollah, st�nden in einem Hotel bereit. Ein Dolmetscher? Nicht n�tig. "Sie sprechen gutes Englisch, keine Sorge". ... Es ist nicht viel, was Schlomo Goldwasser zu sagen hat - die typischen S�tze, die Sicherheitsbeh�rden den Eltern von Gekidnappten einfl�stern, wenn sie einen Aufruf durch die Medien senden wollen oder sollen. ... Propaganda geh�rt zum Krieg. Vor allem, wenn ein Staat seinen Waffengang als gerecht, als berechtigt erkl�ren will. Der erste Irakkrieg, Afghanistan, noch etwas perfider vor dem zweiten US-Einmarsch im Irak, es war das gleiche Spiel. Ganze Abteilungen arbeiteten am emotional gepr�gten Bild, dass die Politik der Kriegslenker in den Medien st�tzen soll. Ein ganz normales Gesch�ft - PR f�r den Krieg eben. ... Die israelische Journalisten-Betreuung kommt trotzdem geradezu exzessiv daher. Kaum hat man sich bei der GPO akkreditiert, wird man mit e-mails und Telefonanfragen bombardiert. Muss man sich bei anderen Krisen gerade als Deutscher eher einschmeicheln, nach pers�nlichen Kontakten suchen, herrscht hier eine Art all-inclusive-Stimmung. Es wird nicht gelogen oder vertuscht - es wird gut betreut.
Zum zweiten gibt es in dem Online-Nachrichtenticker Einblicke in innovative M�glichkeiten der Handy-Nutzung im Krieg:
m andauernden Konflikt im Libanon wird eifrig per Handy kommuniziert: SMS und automatisierte Anrufe mit Tonbandansagen sind unter anderem Teil der psychologischen Kriegsf�hrung. Die Berichte �ber den t�dlichen Beschuss des UN-Beobachtungspostens im S�d-Libanon enthielten ein Detail, dass gew�hnlich nicht auftaucht, wenn es um kriegerische Auseinandersetzungen geht: Die Blauhelme riefen mehrmals bei einem israelischen Verbindungsoffizier an, um auf ihre prek�re Lage aufmerksam zu machen. ... So scheinen automatisierte Anrufe und SMS ein integraler Teil der "Psyops" (Psychological Operations) der israelischen Armee zu sein, denen sonst Websites wie "All 4 Lebanon" zuzurechnen sind: Laut der israelischen Zeitung "Maariv" werden dort Informationen gesammelt, die Israel helfen k�nnten, die Hisbollah zu bek�mpfen. Nach Angaben der "BBC" erhielten unterdessen die Bewohner im S�dlibanon vermeintlich aus Italien oder Kanada stammende Anrufe auf ihren Mobiltelefonen, bei denen eine Tonbandstimme im israelischen Auftrag dazu aufforderte, die Gegend zu verlassen, weil Gefechte bevorst�nden. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Hisbollah �ber die gleichen Mobilfunknetze mindestens bestimmte Teile ihrer Kommunikation abgewickelt hat. ... der britische "Guardian" berichtet von israelischer Propaganda per SMS: Demnach bekommen Handy-Nutzer im ganzen Libanon Nachrichten, in denen die Hisbollah und deren F�hrer Hassan Nasrallah f�r den Konflikt verantwortlich gemacht werden.
Telepolis berichtet derweil �ber die "Virtuelle Schlacht �ber das Image von Israel":
Das israelische Au�enministerium hat Angestellte beauftragt, Webseiten und Internetforen zu beobachten, um Gruppen mit j�dischen Aktivisten in den USA und Europa Hinweise zu geben, wo sie Mitteilungen zur Unterst�tzung der israelischen Politik machen k�nnen. In einem Brief an pro-israelische Organisationen von Amir Gissin, dem Leiter der �ffentlichkeitsabteilung im Au�enministerium, wurden diese auf "die Bedeutung des Internet als neues Kampfgebiet f�r das Image Israels" hingewiesen. Es sei jetzt notwendig, die Online-Aktivit�ten besser zu machen und sie zu koordinieren. Empfohlen wird, das von einer israelischen Firma entwickelte "kostenlose, sichere und n�tzliche" Programm "Internet Megaphone" von der Website giyus.org herunterzuladen und zu installieren: "We need 100,000 Megaphone users to make a difference. So, please distribute this mail to all Israel's supporters." GIYUS (Give Israel Your United Support) wurde von der World Union of Jewish Students (WUJS) entwickelt und seit dem 19. Juli verbreitet, um der anti-israelischen Stimmung, die sich seit dem Krieg im Libanon verbreitet, entgegenzuwirken. Mittlerweile haben sich dem Projekt auch viele andere Organisationen angeschlossen. "W�hrend Israel um seine Zukunft k�mpft", so hei�t auf der Webseite, "ist eine virtuelle Schlacht �ber das Image von Israel im Internet ausgebrochen." Der "Kampf um die �ffentliche Meinung im Internet" sei der "h�rteste Kampf". Das Programm weist auf von einem Team von Studenten in Jerusalem ausgew�hlte Nachrichten in verschiedenen Sprachen im Web hin, auf die reagiert werden soll, aber auch auf Umfragen auf Webseiten, um dort die Meinung zugunsten von Israel zu beeinflussen.

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