2005-12-27

Zensur und Todesf�lle

--- Aus dem Berufsalltag der Journalisten gibt es wieder bedenkliche Nachrichten: Direkt vor Weihnachten wurden der Deutschen Welle und BBC die Sendelizenzen in Russland entzogen, ohne dass es eine Begr�ndung der Putin-Regierung gegeben hat, wie beide Sender berichten. Unterdessen hat das International News Safety Institute eine Studie ver�ffentlicht: Danach ist der Irak der gef�hrlichste Kriegsschauplatz seit dem Zweiten Weltkrieg, wie die FAZ heute zitiert. 88 Journalisten seien bislang umgekommen. Das US-Milit�r w�rde nichts zum Schutz der Journalsiten tun, hei�t es, so dass bislang mehr Journalisten als Soldaten Aufst�ndischen zum Opfer gefallen seien. 37 Journalisten seien bislang entf�hrt worden, 31 konnten befreit werden. Weltweit seien im vergangenen Jahr 117 Menschen in Krisengebieten get�tet worden, das sei die h�chste Zahl seit zehn Jahren.

2005-12-24

Echelon-Spionage der NSA holt die USA ein

--- In Europa ist es nach entsprechenden Berichten f�r das EU-Parlament seit langem kein Geheimnis mehr, dass die NSA �ber das weit gestrickte Spionagesystem Echelon die weltweite Telekommunikation via Telefon, Fax oder E-Mail belauscht und mithilfe von Stichwortabfragen durchsucht. In den USA schlagen die Informationen �ber den gigantischen Lauschangriff des technischen US-Geheimdienstes erst jetzt richtig Wellen, nachdem die New York Times heute berichtet, dass auch US-B�rger in gro�em Stil in die F�nge der Spione geraten:
he National Security Agency has traced and analyzed large volumes of telephone and Internet communications flowing into and out of the United States as part of the eavesdropping program that President Bush approved after the Sept. 11, 2001, attacks to hunt for evidence of terrorist activity, according to current and former government officials. The volume of information harvested from telecommunication data and voice networks, without court-approved warrants, is much larger than the White House has acknowledged, the officials said. It was collected by tapping directly into some of the American telecommunication system's main arteries, they said. As part of the program approved by President Bush for domestic surveillance without warrants, the N.S.A. has gained the cooperation of American telecommunications companies to obtain backdoor access to streams of domestic and international communications, the officials said. The government's collection and analysis of phone and Internet traffic have raised questions among some law enforcement and judicial officials familiar with the program. One issue of concern to the Foreign Intelligence Surveillance Court, which has reviewed some separate warrant applications growing out of the N.S.A.'s surveillance program, is whether the court has legal authority over calls outside the United States that happen to pass through American-based telephonic "switches," according to officials familiar with the matter. "There was a lot of discussion about the switches" in conversations with the court, a Justice Department official said, referring to the gateways through which much of the communications traffic flows. "You're talking about access to such a vast amount of communications, and the question was, How do you minimize something that's on a switch that's carrying such large volumes of traffic? The court was very, very concerned about that." Since the disclosure last week of the N.S.A.'s domestic surveillance program, President Bush and his senior aides have stressed that his executive order allowing eavesdropping without warrants was limited to the monitoring of international phone and e-mail communications involving people with known links to Al Qaeda. What has not been publicly acknowledged is that N.S.A. technicians, besides actually eavesdropping on specific conversations, have combed through large volumes of phone and Internet traffic in search of patterns that might point to terrorism suspects. Some officials describe the program as a large data-mining operation. ... Officials in the government and the telecommunications industry who have knowledge of parts of the program say the N.S.A. has sought to analyze communications patterns to glean clues from details like who is calling whom, how long a phone call lasts and what time of day it is made, and the origins and destinations of phone calls and e-mail messages. Calls to and from Afghanistan, for instance, are known to have been of particular interest to the N.S.A. since the Sept. 11 attacks, the officials said. This so-called "pattern analysis" on calls within the United States would, in many circumstances, require a court warrant if the government wanted to trace who calls whom. ... Historically, the American intelligence community has had close relationships with many communications and computer firms and related technical industries. But the N.S.A.'s backdoor access to major telecommunications switches on American soil with the cooperation of major corporations represents a significant expansion of the agency's operational capability, according to current and former government officials.
Nur seltsam, dass die NYT Echelon nicht mit einem Wort erw�hnt, obwohl sie dar�ber in fr�heren Jahren ja auch schon berichtete. Vielleicht regt sich jetzt aber trotzdem mehr Emp�rung �ber das grenzenlose Schn�ffel, obwohl das Timing f�r den Artikel am Heiligabend f�r die gro�e Aufmerksamkeitserregung ja nicht sonderlich gut ist. Mehr zum Thema u.a. in Telepolis.

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Deutsche Sicherheitsbeh�rden nutzen Foltergest�ndnisse

--- Die Verstrickung der deutschen Sicherheitsbeh�rden in Folterf�lle zum Antiterrorkampf wird immer gr��er:
Deutsche Beh�rden haben laut einem fr�heren Terrorfahnder wissentlich von Foltergest�ndnissen Gefangener aus einem libanesischen Milit�rgef�ngnis profitiert. Der ehemalige BKA-Terrorfahnder Ralph Trede sagte dem ARD-Politikmagazin �Kontraste�, die Beh�rden h�tten wochenlang mit dem libanesischen Geheimdienst zusammengearbeitet und Foltermethoden wissentlich in Kauf genommen. Er selbst habe �ber mehrere Wochen den Austausch von Fragen zwischen dem Bundeskriminalamt und dem libanesischen Milit�rgeheimdienst organisiert, so Trede. �Da werden durch deutsche BKA-Beamte Fragen erstellt, durch mich diese Fragen entsprechend dem Verbindungsoffizier weitergegeben und diese dann mittels Folter oder durch Folterma�nahmen zu einem Ergebnis gebracht und uns wieder zur�ck �bergeben.� ... Trede warf dem ehemaligen Innenminister Otto Schily und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) vor, trotz Kenntnis der Vorg�nge unt�tig geblieben zu sein und seine Hinweise ignoriert zu haben. Er habe Schily und Zypries im November 2004 dar�ber informiert, dass f�r deutsche Ermittlungen Menschen im Libanon gefoltert werden, sagte er. Zuerst habe er pflichtgem�� seine Vorgesetzten beim BKA und den Generalbundesanwalt �ber seine Erkenntnisse informiert. Als alle angesprochenen Stellen unt�tig blieben, habe er im Februar 2005 schriftlich die Fraktionsvorsitzenden des Deutschen Bundestages informiert, darunter auch Angela Merkel (CDU/CSU) und Franz M�ntefering (SPD). Bis heute habe er keine Antwort erhalten.
Aber Folter interessiert in den etablierten Kreisen in Berlin anscheinend niemand so richtig, wenn sie mit dem Schlagwort Terrorismus gerechtfertigt wird. Anders sieht die Situation momentan in Rom aus: Europ�ische Haftbefehle gegen 22 CIA-Agenten. Die Entf�hrung eines �gypters durch CIA-Agenten in Italien hat juristische Konsequenzen. Ein Mail�nder Richter erlie� Haftbefehle gegen die Geheimdienst-Mitarbeiter.

Und sonst: Einige seltsame Nachrichten aus Russland: Die Deutsche Welle hat Moskau erst mal abgestellt. Intendant Bettermann bef�rchtet, dass die Unstimmigkeiten bez�glich der Sende-Rechte der Deutschen Welle in Moskau die deutsch-russischen Beziehungen belasten k�nnten. Das Radio-Programm war am Donnerstag abgeschaltet worden. Die BBC ist angeblich auch betroffen. Und dann auch noch das: Russland will Menschenrechtler �berwachen. Die russische Duma hat ein umstrittenes Gesetz �ber eine st�rkere Kontrolle von Nichtregierungs- Organisationen verabschiedet. Menschenrechtler f�rchten dadurch eine "Zerst�rung der russischen Zivilgesellschaft".

Auch Berlusconi dreht mal wieder am Rad: Berlusconi glaubt nach Wahlreform an Sieg. Nach der �nderung des italienischen Wahlrechts gibt sich Regierungschef Berlusconi siegessicher. Eine Wiederholung der Niederlage wie 1996 sei damit unm�glich. Aber ihm droht auch mal wieder Ungemach: Kartellbeh�rde ermittelt gegen Berlusconi. Die italienischen Wettbewerbspr�fer ermitteln gegen Silvio Berlusconi. Der Ministerpr�sident, so die Beh�rde, habe Subventionen zu seinem Vorteil verteilt.

Gut verhandelt, Angela: Teurer EU-Kompromiss: Nettozahlungen steigen um zwei Milliarden. Der EU-Finanzkompromiss kostet Deutschland j�hrlich zwei Milliarden Euro mehr als bisher.

Bush d�piert: Der US-amerikanische Kongress hat die Anti-Terror-Gesetze des Patriot Act lediglich um f�nf Wochen verl�ngert.

Saddam-Verhaftungsmythos: Die Sache mit dem Loch ist anscheinend frei erfunden. Via Fefe. Insgesamt spinnt die Bush-Regierung immer wieder ziemlich rum rund um den Irak-Krieg, dar�ber gibts jetzt auch ein ganzes Buch von Norman Solomon: War Made Easy: How Presidents and Pundits Keep Spinning Us to Death. Ausschnitt auch hier.

Was ist denn ein Medien-Emir? Amerikanische Soldaten haben nach eigenen Angaben ein f�hrendes Mitglied der Terrorgruppe Ansar al-Sunna gefasst. Der "Medien-Emir" der Extremistenorganisation in der Stadt Mossul im Nordirak sei unter anderem f�r die Produktion von Videos �ber Bombenanschl�ge, Entf�hrungen und Enthauptungen verantwortlich gewesen, die ins Internet gestellt worden seien, teilte die US-Armee am Freitag mit.

Mit diesem wilden Nachrichtenmix w�nscht der Spindoktor frohe Weihnachten!

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2005-12-22

Blogger setzen verst�rkt die Agenda

--- Es gibt mal wieder eine Studie zum Thema Blogger und Agenda-Setting, ver�ffentlicht in First Monday. Die Ergebnisse sind wohl ziemlich erwartungsgem��:
More than 350 studies have explored the agenda setting hypothesis, but most of this research assumes a clear distinction between reporters and their readers. Web logs erode this distinction, facilitating participatory media behavior on the part of audiences (Blood, 2003). The activities of journalistically focused web log authors give us new ways to understand and measure the agenda setting process. While previous researchers have explored issue salience by focusing on audience recall and public opinion, web logs invite us to consider hyperlinks as behavioral indicators of an issue�s perceived importance. This paper tracks news stories most often linked to by web log authors in 2003, comparing the results to stories favored by traditional media. Arguing that web log authors construct an alternative agenda within the admittedly limited realm of the blogosphere, I note that their focus has shifted from technology to broader political issues. My findings support Chaffee and Metzger�s (2001) prediction that �the key problem for agenda-setting theory will change from what issues the media tell people to think about to what issues people tell the media they want to think about� ... The novelty of web logs has diminished during the past three years. Far from an intrinsically revolutionary technology, they are best understood as a part of a broader trend toward the decentralization of communicative power. Attempts at amateur journalism constitute only a small part of the overall blogosphere, but they have demonstrated their ability to affect the flow of information between traditional journalists and audiences. From the standpoint of agenda setting, the most important thing about web logs is the way that they bridge these components of our public sphere.
Und sonst: In den USA ist die Aufregung �ber den Gro�en Lauschangriff der Bush-Regierung auf die eigenen B�rger mithilfe der NSA nach wie vor gro� und der US-Pr�sident wird bei der Behandlung des Falls immer wieder eines leichtfertigen Umgangs mit der Wahrheit verd�chtigt: Oops! Spying Program Snared U.S. Calls. Auch sonst wird Bush im Antiterrorkampf die ein oder andere L�ge vorgehalten. Die New York Times, welche den Stein mit reichlicher Versp�tung letztlich doch noch ins Rollen gebracht hat, soll zudem schon vor den Pr�sidentschaftswahlen 2002 von der Schn�ffelerlaubnis Bushs gewusst (aber eben erst jetzt dar�ber berichtet) haben. Siehe auch: Disgrace: NY Times Knew before the Election. Einige technische Details zu der sich immer weiter auswachsenden Lauschaff�re gibs bei ars technica. It is entirely possible that the NSA technology at issue here is some kind of high-volume, automated voice recognition and pattern matching system. Now, I don't at all believe that all international calls are or could be monitored with such a system, or anything like that. Rather, the NSA could very easily narrow down the amount of phone traffic that they'd have to a relatively small fraction of international calls with some smart filtering. First, they'd only monitor calls where one end of the connection is in a country of interest. Then, they'd only need the ability to do a roving random sample of a few seconds from each call in that already greatly narrowed pool of calls. As Zimmermann describes above, you monitor a few seconds of some fraction of the calls looking for "hits," and then you move on to another fraction. If a particular call generates a hit, then you zero in on it for further real-time analysis and possible human interception. All the calls can be recorded, cached, and further examined later for items that may have been overlooked in the real-time analysis. Und auch das noch: anscheinend findet Merkel Bushs Lauschprogramm und dessen pr�sidialen, nach immer mehr Macht strebenden Politikstil sexy. Aber es gibt zumindest noch aufrechte Richter: Spy Court Judge Quits In Protest. A federal judge has resigned from the court that oversees government surveillance in intelligence cases in protest of President Bush's secret authorization of a domestic spying program, according to two sources.

Dan Gillmor ("we media") will n�chstes Jahr ein Center for Citizen Media ins Leben rufen, um das Medien-�kosystem zu verbessern.

Das d�rfte f�r b�ses Blut sorgen: Das Kosovo erh�lt nach dem Willen der UN-Verwaltung ein eigenes Innen- und Justizministerium. Serbien protestierte gegen die Entscheidung.

Wer schn�ffelt denn da schon wieder in Uniform? Verbotene Ermittlungen bei der Bundeswehr. Bundeswehr-Soldaten haben sich den Angeh�rigen von Terrorverd�chtigen Medien zufolge als Journalisten ausgegeben. Der Inhalt der Gespr�che landete nicht in der Zeitung, sondern in einem Geheimbericht.

Bl�ten des Antiterrorkampfs: Terrorfahndung in Kinderzimmern. In den letzten Wochen fanden bundesweit Hausdurchsuchungen bei 1.700 Kunden von Chemikalienh�ndlern statt. Prompt wurde von "H�llenstoffen" und "Teufelszeug" berichtet, dabei handelt es sich gr��tenteils um harmlose Stoffe in geringen Mengen.

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2005-12-20

Deutschland: "Drehscheibe" bei CIA-Entf�hrungen

--- Der britische Menschenrechtler Clive Stafford Smith hat in einem Interview mit der Welt neue schwere Vorw�rfe gegen die Bundesregierung wegen ihrer politischen Verstrickungen in die CIA-Entf�hrungen zur Erpressung von Gest�ndnissen mithilfe von Folter erhoben:
Es gibt da einen jungen Jemeniten, 17 Jahre alt, der nach Jordanien verschleppt und dort 16 Monate lang festgehalten wurde. Er hei�t Hassan Ben-Attash. Dringender wollte man eigentlich seinen Bruder fassen, Tawfiq mit Vornamen, wie er sich manchmal nennt. Das gelang im Jahr 2003. Tawfiq Ben-Attash wurde daraufhin, wie man mir sagt, nach Deutschland verbracht und dort verh�rt.
DIE WELT: Woher haben Sie diese Information?
Stafford Smith: Von einem meiner Klienten in Guant�namo Bay, nicht �brigens von dem j�ngeren Bruder, der dort einsitzt.
DIE WELT: Der deutsche Au�enminister jedenfalls hat aber gerade vor dem Parlament ausgesagt, die Beh�rden h�tten weder Informationen �ber CIA-Praktiken wie diese so genannte "extraordinary rendition", also die Verbringung von Gefangenen per Flugzeug von einem Land ins andere, und erst recht nicht habe es irgendwelche Kooperationen gegeben.
Stafford Smith: Es handelt sich bei dem von mir Genannten ja auch nicht um einen deutschen Staatsb�rger, sondern um einen Jemeniten. Das erlaubte es - und hier sehe ich ein Muster in der allgemeinen europ�ischen Regierungsreaktion auf diese Vorg�nge -, auf die Maxime "Nichts sehen, nichts h�ren, nichts sprechen" zur�ckzufallen. Die Blair-Regierung behauptet sogar, ihre Basis Diego Garcia im Indischen Ozean sei nie f�r solche Zwecke von den Amerikanern benutzt worden. Wer das glaubt, glaubt auch an den Nikolaus. ...
DIE WELT: Was w�rden Sie der deutschen Regierung raten, in Bezug auf den Fall El-Masri?
Stafford Smith: Ich w�rde Ihnen raten, sich auf Prozesse gefa�t zu machen von jedem, der auf deutschem Boden illegal festgehalten, verh�rt, wenn nicht gefoltert wurde. Auf jeden Fall schiene es mir dringend, Aufkl�rung aller in diesem Kontext relevanten CIA-Aktivit�ten anzustreben. Auch die Downing Street ist erst t�tig geworden, nachdem B�rgerrechtsorganisationen drohten, die Regierung wegen Unterlassung zu verklagen. Deutschland und Jordanien waren die beiden gr��ten Drehscheiben f�r die Verschleppung von Gefangenen.
Und sonst: In den USA sorgen zahlreiche Berichte f�r Aufsehen, wen die unterschiedlichsten Regierungsstellen dort alles im vermeintlichen Kampf gegen den Terrorismus aussp�hen. Das Pentagon etwa hat es auf Schwule und Lesben abgesehen, das FBI auf Menschenrechtsgruppen, Katholiken und Umweltsch�tzer. Newsweek berichtet zudem dar�ber, dass Bush die New York Times Anfang Dezember noch einmal davon abbringen wollte, �ber den heftig umstrittenen Lauschangriff der NSA auf die US-B�rger zu berichten.

Der etwas andere Medienpreis: P.U.-litzer Prizes for 2005: The annual awards have given recognition to the stinkiest media performances of the year, unter anderem an Judy Miller + Bob Woodward.

Neue Forderungen f�r eine Amtsenthebung Bushs: The Constitution in Crisis: The Downing Street Minutes and Deception, Manipulation, Torture, Retribution and Coverups in the Iraq War.

Weg mit Robbie: Iran verbietet westliche Filme und Musik. Staatliche Radio- und Fernsehsender im Iran sollen ab sofort strengen Regeln unterliegen. Pr�sident Ahmadinedschad erkl�rte die positive Darstellung "arroganter", ausl�ndischer M�chte zum Tabu.

Da haben sich ja zwei gefunden: Antrittsbesuch in Rom: Merkel und Berlusconi wollen enger kooperieren.

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2005-12-19

Bush macht gegen Pressefreiheit mobil

--- Jetzt sind die Medien"mal wieder die B�sen bei Bush, denn sie haben verraten, dass der US-Pr�sident die Bespitzelung auch der amerikanischen B�rger durch die NSA zugelassen hat:
US-Pr�sident George W. Bush hat die Medienberichte �ber geheime Lauschangriffe auf Terrorverd�chtige in den USA als Geheimnisverrat bezeichnet. Die Enth�llung der Abh�rma�nahmen sei eine �sch�ndliche Tat�, sagte Bush in Washington. Die Zeitung �New York Times� hatte �ber die umstrittenen Abh�raktionen des Geheimdienstes NSA berichtet. Bush hatte daraufhin 30 Lauschangriffe zugegeben. Der US-Pr�sident verteidigte die Lauschangriffe als notwendig. Sie seien nicht illegal und es werde sie auch k�nftig geben. Der Kampf gegen die Terrororganisation Al Qaeda erfordere �ein neues Denken und Handeln�. Er werde die Abh�raktion fortsetzen, �solange das Land einem Feind gegen�bersteht, der amerikanische B�rger umbringen will�.
Hier gibts die entsprechende Radio-Ansprache Bushs auch als Text beim Wei�en Haus. Es ist ja nichts Neues, dass der Texaner nichts von der Notwendigkeit einer "4. Gewalt" h�lt. Aber langsam �bertreibt er ja mal wieder etwas. In der US-Blogosph�re werden die j�ngsten Ansprachen Bushs jedenfalls kontrovers diskutiert. Die einen emp�ren sich �ber das Bekenntnis zum Weiterlauschen, das in der Praxis �brigens anscheinend weniger auf Terroristen als vielmehr auf Protest- und B�rgerrechtsgruppen abzielt. Andere sehen in der Tatsache, dass Bush den Irak-Krieg als "seinen" Feldzug darstellt, Hinweise darauf, dass die Auseinandersetzungen im Zweistromland bald von den USA f�r diese entschieden werden. Interessant nur, dass Bush schon im Mai 2003 die "Mission" als erfolgreich absolviert ("accomplished") feierte. Nichts wissen will der Pr�sident dagegen auf einmal mehr davon, dass er zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs Verbindungen zwischen al-Qaida und Saddam Hussein zog. Der wegen seiner freiz�gigen Linie beim Foltern umstrittene US-Justizminister Gonzales behauptet derweil, die US-Volksvertreter h�tten den Lauschangriff auf die US-B�rger doch selbst autorisiert.

Und sonst: Eine Schlappe muss Bush derweil noch verdauen: seine Antiterrorgesetze in Form des Patriot Act sind erst mal nicht verl�ngert worden. Demokratische Senatoren haben die Verabschiedung durch ein Filibuster (Totreden) zun�chst verhindert.

Auch das noch: �berwachung selbst f�r B�cher soll Bush angeordnet haben. S. a. Bush�s War on Paper.

Mehr zur US-Regierungspropaganda im Irak: Planted PR Stories Not News to Military. U.S. officials in Iraq knew that a contractor was paying local papers. Discretion was the key.

Susanne Osthof ist nun also freigekommen und es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Bundesregierung daf�r L�segeld gezahlt hat. Andererseits passt das ja weniger gut in die Berichterstattung �ber das "Weihnachtswunder von Bagdad", dass sie f�r andersweitige Aufwendungen des Ausw�rtigen Amts eventuell Schadensersatz zahlen muss. Deutsche muslimische Gruppen finden das nicht gut. Bock auf Deutschland hat Osthoff jedenfalls nicht -- nur aufgrund des zu erwartenden Medienrummels? Diese Nachricht traf -- ebenfalls etwas unpassend -- zudem auch noch ein: Ein am Montag im Internet gezeigtes Video soll die Ermordung eines Mannes im Irak zeigen. Nach Angaben der Terrorgruppe Islamische Armee handelt es sich bei der Geisel um den entf�hrten US-Berater Schulz. Er soll von hinten erschossen, nicht enthauptet worden sein.

Ausgebloggt? Die US Army versaut es sich gerade ziemlich mit den Milbloggern in ihren Reihen, obwohl diese doch eigentlich in der Regel ein gutes Propagandawerkzeug f�rs Milit�r sind.

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2005-12-16

Sarkawi angeblich gefasst - und wieder laufen gelassen

--- W�hrend sich die Terroristenj�ger in der EU auf die elektronischen Spuren unschuldiger B�rger st�rzen, haben auch ihre irakischen Kollegen gerade mal wieder einen vollen Erfolg zu vermelden. Denn wie erst jetzt bekannt wurde, hatten sie das gro�e Phantom al-Sarkawi zun�chst gefangen, ihn aber gar nicht erkannt und daher wieder laufen gelassen. Toll auch die Erkl�rung des US-Milit�rs dazu.
Iraqi security forces caught the most wanted man in the country last year, but released him because they didn't know who he was, the Iraqi deputy minister of interior said Thursday. Hussain Kamal confirmed that Abu Musab al-Zarqawi -- the al Qaeda in Iraq leader who has a $25 million bounty on his head -- was in custody at some point last year but he wouldn't provide further details. A U.S. official couldn't confirm the report, but said he wouldn't dismiss it. "It is plausible," he said. Thursday's news tops a list of reports of missed opportunities to capture the 39-year-old terrorist mastermind. An official said the military receives frequent reports of al-Zarqawi sightings, all of which are investigated. In April, U.S. troops stormed a hospital in Ramadi based on credible intelligence that terrorists were hiding there, but no suspects were found, military officials said in early May. A high-ranking Iraqi Army officer said there were rumors that al-Zarqawi was at the Ramadi medical center, and several groups affiliated with the al Qaeda operative issued statements saying the same.
Und sonst: Bush wusste vor dem Krieg mehr �ber Irak-Geheimdienstinformationen als der US-Kongress: It's Official: Congress Didn't See Same Pre-War Intelligence as Bush.

Au�erdem hat Bush angeblich die Bespitzelung der US-B�rger durch den technischen US-Geheimdienst NSA autorisiert und damit eine der letzten Tabus beim Ausbau des �berwachungsstaates in den USA gebrochen. Siehe in der New York Times: Bush Lets U.S. Spy on Callers Without Courts. Update: Ist ja gut und sch�n, dass die NYT solche Themen mal wieder anpackt, aber diese Zusatzinfo gibt schon zu denken: In einer ungew�hnlichen Erkl�rung, die dem Scoop folgte, erl�uterte Bill Keller, Executive Editor des Blattes, die Entstehung der Geschichte. Danach hielt das Blatt den Artikel auf Bitten der US-Regierung ein Jahr lang zur�ck. Das Wei�e Haus habe bef�rchtet, eine Ver�ffentlichung k�nnte Ermittlungen gegen Terroristen unterminieren und Verd�chtige warnen. Die Redaktion hatte daraufhin Passagen aus dem Artikel entfernt und zus�tzliche Recherchen angestellt. Laut Keller waren die Redakteure schlie�lich zu dem Schluss gekommen, dass sie den Artikel ohne Schaden f�r laufende Anti-Terror-Ermittlungen publizieren konnten.

Nachrichten-Parodie: �Ich mag Fakten nicht�. Eine Satire auf den US-Informationsbetrieb.

Auch Spiegel Online hat jetzt Berichte �ber eine neue Propaganda-Imagekampagne des Pentagons aufgegriffen -- wie Ulysses in seinen Streifz�gen treffend bemerkt, gabs entsprechendes beim Spindoktor schon vor langem zu lesen.

Ansonsten kocht die Folterdebatte weiter vor sich hin: Bush hat angeblich seinen Widerstand gegen ein Folterverbot aufgegeben, doch damit es nicht nicht weit her: Legalisierung von Guantanamo. M�glicherweise wird das gestern vom Wei�en Haus akzeptierte Folterverbot durch einen anderen Gesetzesvorschlag, der schon vom Senat gebilligt wurde, wieder aus den Angeln gehoben; es soll den Umgang mit "feindlichen K�mpfern" legalisieren. Gro�britannien k�mpft derweil mit Vorw�rfen, �hnlich zu verfahren und angeblich �beraus gef�hrliche Terrorverd�chtige nicht einmal zu verh�ren. Hierzulande entpuppt sich derweil Sch�uble auf den Spuren Schilys als Folteradvokat. Sein Vorsto� zur Nutzung von Informationen, die durch Folter erpresst worden sind, erfreut sich jedoch nicht allgemeiner Beliebtheit.

Wir sind alle bedroht: Islamisten-Waffenlager bei Paris ausgehoben. Die franz�sische Polizei hat bei einer Razzia nahe Paris Waffen, Dynamit und Munition entdeckt. Offenbar wollten Islamisten damit Anschl�ge ver�ben. Und dann auch noch das: BND: Irans Raketen k�nnten Berlin erreichen. Nach einem Bericht des deutschen Auslands-Geheimdienstes hat der Iran Raketen-Baus�tze mit einer Reichweite von 2500 Kilometern gekauft. Nordkorea ist schuld. Da ist die Achse des B�sen ja mal wieder schwer in Aktion.

Die Lobby-Krake: Br�ssel: Mekka der Lobbyisten. Erstmals Preis f�r die schlimmste EU-Lobbyorganisation vergeben.

Mythos violetter Finger: Ausgew�hlte W�hlerschaft. Ein US-amerikanisches Politikinstitut kritisiert den Ablauf der irakischen Parlamentswahl.

Sch�ner (semantisch) Bloggen: Rund 30 Unternehmen haben eine Initiative f�r strukturiertes Blogging ins Leben gerufen und stellen ersten Beta-Code zum Download bereit. Im Kern geht es darum, Blog-Eintr�ge mit entsprechenden Meta-Daten zu versehen, um eine Erfassung und Einordnung durch spezialisierte Suchmaschinen, aber auch den Austausch von Inhalten zu vereinfachen.

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2005-12-14

EU-Parlament schreddert Datenschutz und Kommunikationsfreiheit

--- Kein guter Tag f�r die Grundrechte in der EU: m�rbe gemacht durch die britische Ratspr�sidentschaft hat die "gro�e Koalition" aus Christ- und Sozialdemokraten heute die heftig umstrittene Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten abgesegnet. Die Entscheidung kann zurecht als Dammbruch in der Balance zwischen Freiheit und Sicherheit bei der vermeintlichen Antiterrorbek�mpfung bezeichnet werden:
Wer in einem EU-Land Anrufe t�tigt, E-Mails verschickt, im Web surft oder andere Dienste im Internet nutzt, muss in Zukunft davon ausgehen, dass seine elektronischen Spuren zwischen sechs und 24 Monate lang gespeichert werden. Die bei den 450 Millionen EU-B�rgern anfallenden gigantischen Informationshalden d�rfen Polizeien und Geheimdienste mit Data-Mining-Techniken auf Verkn�pfungen zwischen Kommunikationspartnern hin untersuchen. Damit wird potenziell vollst�ndig rekonstruierbar, wer wann mit wem und wie lange kommuniziert und zum Beispiel auch, wer sich wann im Internet aufgehalten hat. Jeder ist damit k�nftig verd�chtig und potenziell im Fadenkreuz der Sicherheitsbeh�rden. ... Im Lauf der gestrigen Debatte hatten sich Abgeordnete quer auch durch die gro�en Fraktionen geteilter Meinung gezeigt. Laut der finnischen EVP-Abgeordneten Piia-Nora Kauppi d�rfte es nicht sein, "dass alle in der Gesellschaft �berwacht werden". Sie bezeichnete den Kompromiss als "nicht ausgewogen". Was mit "schweren Straftaten" gemeint sei, werde in dem Papier nicht definiert. Die Konservative warf die Frage auf, ob der Zugriff auf die Datenhalden etwa "auch bei Verst��en gegen das geistige Eigentumsrecht" m�glich werde, wie dies die Unterhaltungsindustrie fordert. "Wir wollen Terroristen bek�mpfen, aber dann werden pl�tzlich andere Ziele verfolgt", argw�hnte Kauppi. Ihrer Ansicht nach sind die in das Gesetz eingezogenen Grenzen "k�nstlich".
Kein Wunder, dass die Emp�rung gro� ist und Orwells 1984 zum "Stummfilm" im Vergleich zu der beschlossenen �berwachung bezeichnet wird. Kann man nur noch auf die Gerichte hoffen. Mehr zum Thema auch in Zeit Online.

Und sonst: Das hatten wir ja erwartet: Bundesregierung entlastet sich im Fall Masri. Die Bundesregierung hat im CIA-Entf�hrungsfall Masri BKA und Bundesanwalt korrekt informiert (behauptet sie). Die Nachrichtendienste erfuhren von dem Fall erst nach der Freilassung Masris, wie interne Recherchen ergeben haben sollen. Doch wer h�tte das gedacht: Gr�ne und Linkspartei zeigen sich unzufrieden mit den Ergebnissen der Anh�rungen im Innenausschuss. �ber Sch�ubles angeblichen "Coup" berichtet Spiegel Online: Zum einen berichtete der Minister, dass deutsche Beh�rden zu zwei weiteren von den USA verschleppten Deutschen gereist waren, um diese zu vernehmen. ... Durch Sch�uble fast genuschelten Redebeitrag stellt sich der Vorgang nun wesentlich klarer dar: Demnach sei Schily zwar von US-Botschafter Daniel Coats �ber den Fall el-Masri unterrichtet worden. Allerdings seien dabei die Worte "Entf�hrung" oder "Afghanistan" nicht gefallen, so Sch�uble, Coats habe nur �ber die versehentliche Inhaftierung eines Deutschen gesprochen, die durch "Unklarheiten bei den P�ssen" entstanden sei. Am Ende des Satzes sagte Sch�uble kaum vernehmbar, Coats habe Schily mitgeteilt, die USA h�tten sich bei el-Masri entschuldigt, und ihm einen Geldbetrag gezahlt. Dieser streitet das �ber seinen Anwalt aber entschieden ab.

Den Gr�nen scheint in der Aufkl�rung der CIA-Entf�hrungen und Gefangenentransporte derweil die Auseinandersetzung mit Wertvorstellungen den USA notwendig. Die Bindung ans Recht habe Priorit�t. Derweil gibt es anderweitig auch neue Meldungen zum Folter-Verschleppungsthema: CIA unterhielt geheime Basis in Polen. Der polnische Geheimdienst ist wahrscheinlich tiefer in die CIA-Aff�re verstrickt als bislang bekannt. Er soll den Amerikanern ein Ausbildungszentrum f�r Verh�re Terrorverd�chtiger zur Verf�gung gestellt haben. Bob Scheer berichtet zudem �ber das von den USA betriebene "Outsorcing of Torture".

Aha: US-Pr�sident Bush hat erstmals die Verantwortung daf�r �bernommen, auf Grundlage falscher Geheimdienstinformationen in den Krieg gegen den Irak gezogen zu sein.

Der schon wieder: Italiens Ministerpr�sident Silvio Berlusconi hat sich im Parlament mit einer umstrittenen Neuregelung des Wahlrechts durchgesetzt. Die Opposition wirft dem Regierungschef und seiner Mitte-Rechts-Koalition vor, sich Vorteile f�r die n�chste Wahl zu verschaffen.

Der auch schon wieder: Irans Pr�sident nennt Holocaust einen "Mythos". Reaktionen erfolgten postwendend.

Lang, aber lesbar: Journalismus und Mediend�mmerung. Zum Strukturwandel der virtuell irritierten �ffentlichkeit: Aufkl�rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Gef�hlsnaivit�t, die ihn, bis der "Spiegel" kam, die geheimen Motive der M�chtigen zwischen verf�hrerischem Lachen und klingenden Worten nicht durchschauen lie�. Von der Sozialsemantik Merkels bis zu den Untiefen der interpretatorisch offenen Foltersemantik der Condoleezza Rice gibt es journalistisch also scheinbar alle H�nde voll zu tun.

Der Horror am Abend: Internationaler Terror - jederzeit, an jedem Ort. Und das von "Friedensforschern".

Bezeichnend: Journalisten in Haft: USA und Burma gleichauf.

Arnolds Stern weiter im Sinkflug: Deutsche Zeitungen befassen sich mit der Weigerung des kalifornischen Gouverneurs Schwarzenegger, den wegen Mordes verurteilten "Tookie" Williams vor der Hinrichtung zu bewahren. Der Staat werde in den USA zum "B�ttel gnadenloser Gewalt", hei�t es.

Weiter gibt es jenseits des Atlantiks eine Debatte �ber Vorw�rfe, dass einzelne Kommentatoren der Washington Post zu "liberal" seien. PressThink hat dazu ein ausf�hrliches Interview.

Es darf gebloggt werden: Bloggers rally to cover Iraq elections. Pajamas Media, which debuted this fall, said Wednesday that it will have bloggers and reporters in eight Iraqi provinces, including Mosul and Najaf. The online venture plans to offer around-the-clock coverage, with photos and videos to accompany stories.

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2005-12-13

Folter: Der Rechtsstaat im Kampf gegen den Terror

--- Die Debatte um die Rechtm��igkeit der Anwendung von Folter im Kampf gegen den Terrorismus ist eines der Hauptthemen in diesen Tagen. Angeheizt wird sie durch immer neue Erkenntnisse und Enth�llungen, wonach auch "gestandene" Demokratien ihre Widerst�nde gegen den Einsatz dieses zweifelhaften Mittels aufgegeben haben. Spiegel Online etwa berichtet �ber einen Art Fortsetzung des Fall Masri mit anderen Mitteln unter der rei�erischen �berschrift: Vergessen im Folter-Knast:
In der Debatte �ber CIA-Methoden bleibt ein brisanter Fall meist unerw�hnt: Der deutsche Terror-Verd�chtige Zammer wurde entf�hrt, vermutlich gefoltert und anschlie�end von deutschen Ermittlern vernommen. Die Bundesregierung versucht, die Fakten geheim zu halten. ... Der Fall Zammar ist ein Musterbeispiel des Verschleppungsprogramms der CIA. Seit dem 11. September 2001 ahnten amerikanische und deutsche Beh�rden, dass Zammar an der Rekrutierung der Todes-Piloten von New York und Washington beteiligt war - nur beweisen konnte man ihm nichts. Indizien wie Telefongespr�che, Finanztransfers und Zeugenaussagen lagen reichlich vor, doch gerichtsfest war nichts davon. Die Deutschen gaben sich damit zufrieden, Zammar zu beobachten und abzuwarten. Als der Hamburger schlie�lich Ende 2001 nach Marokko reiste, verschwand er unter dubiosen Umst�nden, wurde per CIA-Privatjet nach Syrien verschleppt und dort unter landes�blichen Umst�nden verh�rt. Im Klartext: Rechtsstaatliche Konventionen spielten in Syrien keine Rolle. Aussagen von Mitgefangenen und Berichte von Amnesty International sprechen von folter�hnlichen Methoden. In Deutschland wusste man zumindest bei den Geheimdiensten recht genau �ber den Vorgang bescheid. Dass die deutsche Regierung informiert war, l�sst sich nicht beweisen, aber man muss es vermuten. Doch die Deutschen hatten ihre ganz eigenen Interessen. Zu gern wollten auch die deutschen Terror-Fahnder wissen, was Zammar ausgesagt hatte. Am Ende vereinbarte man mit den Syrern einen Kuhhandel.
Das Bundeskriminalamt hat zudem eingestanden, f�r seine Ermittlungen Aussagen verwendet zu haben, die zuvor durch Folter erzwungen wurden. F�r morgen hat die Bundesregierung ja nun den "Tag der Aufkl�rung" �ber die CIA-Entf�hrungen und die Vestrickungen der deutschen Politik gegeben. Da sind wir ja gespannt, denn bisher wird die Rolle der Deutschen als Erf�llungsgehilfen der CIA anscheinend kleingeredet.

Aber auch sonst beherrscht das Thema Folter die Nachrichten: Der Europarat-Ermittler Dick Marty etwa sieht glaubw�rdige Hinweise darauf, dass der US-Geheimdienst Terrorverd�chtige verschleppt hat. Er wirft den USA die Missachtung von Rechtsnormen vor. In den USA sorgen derweil erneut Meldungen f�r Aufsehen, dass in Milit�rgef�gnissen im Irak weiter gefoltert wird. Der irakische Premier ist "not amused".

Und sonst: Eine andere �beraus zweifelhafte Ma�nahme im Anti-Terrorkampf steht morgen im EU-Parlament zur Abstimmung: Die Einf�hrung einer Pflicht zur Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten. Heute gab es eine abschlie�ende Debatte in Stra�burg. Demnach k�nnte die Abstimmung sehr knapp verlaufen. Das ganze Verfahren ist derart zweifelhaft gelaufen, dass hoffentlich in der Nacht noch einigen Abgeordneten Bedenken kommen angesichts der sonst bevorstehenden Einf�hrung eines Generalverdachts gegen alle 450 Millionen EU-B�rger.

Der Independent hat eine ern�chternde Bilanz der ersten "1000 Tage" des Irak-Kriegs erstellt. Ein paar Zahlen: $204.4 billion: The cost to the U.S of the war so far. 2,339: Allied troops killed. 30,000 : Estimated Iraqi civilian deaths. 0: Number of WMDs found. 66: Journalists killed in Iraq. 5: foreign civilians kidnapped per month.

Immer mehr Beteiligte bei Aktionen im Bereich "Citizen Journalism": People Contribute Record Number of Photos & Video to BBC After London Fire. People e-mailed the BBC with more than 6,500 photos or mobile phone video clips of the inferno at the Buncefield oil depot explosion yesterday.

Dazu passend: "Blogger ver�ndern die Meinungsbildung". Der amerikanische Politologe Daniel W. Drezner geht davon aus, dass Journalisten sich mehr und mehr an Elite-Bloggern orientieren. Sie beeinflussen damit die Meinungsbildung in den Medien, sagte er der Netzeitung.

Unser Ex und seine lieben Russenfreunde: A Hund isser scho. Der Dreistigkeit, mit der der kaum aus dem Amt geschiedene Altbundeskanzler Schr�der sich pers�nlich bereichern will, kann die SPD nicht nur mit lahmer Kritik begegnen. Schr�der meint: "Ich bin erst 61 Jahre alt und will arbeiten."

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2005-12-11

Fort Bragg: Einblicke ins Infowar-Zentrum des US-Milit�rs

--- Die New York Times liefert heute einen ausf�hrlichen Einblick ins Herz der Infowar-Operationen des US-Milit�rs:
The 1,200-strong psychological operations unit based at Fort Bragg turns out what its officers call "truthful messages" to support the United States government's objectives, though its commander acknowledges that those stories are one-sided and their American sponsorship is hidden. "We call our stuff information and the enemy's propaganda," said Col. Jack N. Summe, then the commander of the Fourth Psychological Operations Group, during a tour in June. Even in the Pentagon, "some public affairs professionals see us unfavorably," and inaccurately, he said, as "lying, dirty tricksters." The recent disclosures that a Pentagon contractor in Iraq paid newspapers to print "good news" articles written by American soldiers prompted an outcry in Washington, where members of Congress said the practice undermined American credibility and top military and White House officials disavowed any knowledge of it. President Bush was described by Stephen J. Hadley, his national security adviser, as "very troubled" about the matter. The Pentagon is investigating. But the work of the contractor, the Lincoln Group, was not a rogue operation. Hoping to counter anti-American sentiment in the Muslim world, the Bush administration has been conducting an information war that is extensive, costly and often hidden, according to documents and interviews with contractors, government officials and military personnel. Lincoln says it planted more than 1,000 articles in the Iraqi and Arab press and placed editorials on an Iraqi Web site, Pentagon documents show. For an expanded stealth persuasion effort into neighboring countries, Lincoln presented plans, since rejected, for an underground newspaper, television news shows and an anti-terrorist comedy based on "The Three Stooges." Like the Lincoln Group, Army psychological operations units sometimes pay to deliver their message, offering television stations money to run unattributed segments or contracting with writers of newspaper opinion pieces, military officials said. "We don't want somebody to look at the product and see the U.S. government and tune out," said Col. James Treadwell, who ran psychological operations support at the Special Operations Command in Tampa. The United States Agency for International Development also masks its role at times. AID finances about 30 radio stations in Afghanistan, but keeps that from listeners. The agency has distributed tens of thousands of iPod-like audio devices in Iraq and Afghanistan that play prepackaged civic messages, but it does so through a contractor that promises "there is no U.S. footprint."
Dazu passend: U.S. Air Force expanding cyberwar mission.

Und sonst: Franz�sische Geheimdienste kl�rten die USA schon vor langem �ber falsche Informationen �ber das angebliche Bedrohungspotenzial des Iraks auf: France's spy service warned the U.S. various times before the war that there was no proof Iraq sought uranium from Niger, ex-officials say.

Es st�rmte noch nicht genug in den USA in diesem Jahr: U.S. Won't Join in Binding Climate Talks.

Nach wie vor keine Meinungsfreiheit in Afghanistan: Post-Taliban Free Speech Blocked by Courts, Clerics. Jailed Afghan Publisher Faces Possible Execution. Aber auch in Europa sieht es verdammt schlecht aus f�r die Pressefreiheit, warnt der VDZ, denn die Vorratsdatenspeicherung und der damit einhergehende Gro�angriff auch auf die Informationssph�re von Journalisten scheint unabwendbar.

Zwei interessante Artikel aus der Huffington Post: Jihad vs. McSex und Seeds of Abu Ghraib.

Der britische Auslandsgeheimdienst MI6 hat bei CIA-Verschleppungen mitgewirkt, welch Wunder. Und Die Welt verteidigt Folter.

Wer h�tte gedacht, dass die Dame �berhaupt noch weiter spionierte? Die im Mittelpunkt eines Washingtoner Enth�llungsskandals stehende CIA-Agentin Plame arbeitet nicht mehr f�r den US-Geheimdienst. Laut Medienberichten will sie sich nun mehr ihrer Familie widmen.

US-S�ldner im Irak mal wieder au�er Rand und Band? U.S. Military Probing Video Of Road Violence.

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2005-12-09

Deutsche Sicherheitsbeh�rden und der Masri-Fall

--- Deutsche Geheimdienste haben bei der Entf�hrung el-Masris durch die CIA angeblich Vorarbeit geleistet, berichtete die Berliner Zeitung heute. Der Tagesspiegel setzt sich mit der Behauptung eher kritisch auseinander, aber so ganz k�nnen die Verdachtsmomente nicht ausger�umt werden. Ein Engel scheint el-Masri jedenfalls auch nicht zu sein, was eine Verschleppung aber nicht rechtfertigt:
Er ist kein Mensch, der zu Aufregung neigt. Doch der in der �ffentlichkeit g�rende Verdacht, deutsche Beh�rden k�nnten bei der mutma�lichen Entf�hrung von Khaled al Masri durch die CIA eine dubiose Rolle gespielt haben, bringt den hochrangigen Sicherheitsbeamten in Rage. Es sei �perfide�, sagt der Experte, wenn in den Medien suggeriert werde, �weil wir einen Verd�chtigen nicht sch�n foltern d�rfen, geben wir den Amerikanern Informationen, damit die den Mann abgreifen und loslegen�. ... Khaled al Masri sei den deutschen Beh�rden als �Randfigur� der Islamistenszene in Neu-Ulm bekannt gewesen, so der Beamte. Es k�nne sein, dass der Name des Deutsch-Libanesen beim Austausch von Informationen mit befreundeten Nachrichtendiensten gefallen sei. So wie es bei der Zusammenarbeit mit Amerikanern, Franzosen und anderen Partnern �blich sei. Da Khaled al Masri aber f�r die deutschen Beh�rden nie von zentraler Bedeutung war, mache der Verdacht keinen Sinn, dass er der CIA als interessante Person oder gar als lohnendes Entf�hrungsobjekt pr�sentiert worden sei, sagt der Experte. Es gebe nach wie vor nur eine plausible Erkl�rung f�r die mutma�liche Entf�hrung: Die CIA habe al Masri mit einem Al-Qaida-Kader verwechselt, den einer der Drahtzieher des Terrorangriffs vom 11. September 2001, der in US-Gewahrsam sitzende Ramsi Binalshibh genannt hatte. ... Ende 2003 reiste al Masri bekanntlich nach Mazedonien, wo er von einheimischen Sicherheitskr�ften festgenommen und an die Amerikaner weitergereicht worden sein soll. ... Die deutschen Beh�rden hatten al Masri im Blick, weil er im Neu-Ulmer �Multikulturhaus� verkehrte, einem Treffpunkt von Islamisten. Hier kam al Masri nach Informationen des Tagesspiegels in Kontakt mit dem Deutsch-�gypter Reda S., gegen den Generalbundesanwalt Kay Nehm wegen des Verdachts der Unterst�tzung einer Terrorgruppe ermittelt.
Die Bundesregierung will derweil ihr Schweigen in dem Fall brechen und einen Bericht bis zur n�chsten Woche erstellen. Human Rights Watch hat ferner interessante Neuigkeiten: Das wichtigste CIA-Verh�rzentrum in Europa soll bis vor kurzem in Polen gewesen. Der Menschenrechtsorganisation zufolge werden derzeit weltweit mindestens 100 Gefangene in geheimen CIA-Gef�ngnissen verh�rt. Und aus den USA gibt es beunruhigende Nachrichten, wof�r die bei Verschleppungen erpressten Informationen alles missbraucht werden k�nnen, n�mlich etwa zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs.

Und sonst: Die Republikaner haben sich darauf verst�ndigt, die umstrittene Antiterrorgesetzgebung der USA, den Patriot-Act, zu verl�ngern.

�berraschung: Islamische L�nder "unumkehrbar" gegen Terror. Vertreter von mehr als 50 islamischen Staaten haben in einer gemeinsamen Erkl�rung bekr�ftigt, keine terroristischen Aktivit�ten zu dulden. Wie sie gegen Extremisten vorgehen wollen, hatten sie zwei Tage lang in Mekka beraten.

Keine Blog-Power hierzulande? �Du bist Deutschland� und die (Ohn)Macht der Blogs. In den USA gibt es derweil einen handfesten Streit um die Frage, ob rechte oder linke Blogger "erfolgreicher" sind.

Die Demontage einer Journalisten-Legende Teil X: �I think none of us can really understand Bob�s silence for two years about his own role in the case,� said David Broder of the Washington Post on Meet the Press, Nov. 27. Broder�an elder in the church of shoe leather reporting�had been asked about reactions at the Post to Bob Woodward�s confession and apology for keeping secrets about the leak investigation from his editor.

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2005-12-08

Politische Erm�chtigung durchs Internet

--- Das Center for the Digital Future der USC Annenberg School hat eine Studie (PDF) ver�ffentlicht, wonach sich immer mehr Onliner durch das Netz in ihrer politischen T�tigkeit erm�chtigt sehen:
Internet users say that going online creates political clout. The comprehensive study ... found that for the first time, the number of users who say that the Internet can be used to gain political power has increased. In 2005, 39.8 percent of Internet users agree that going online can give people more political power -- up from 27.3 percent in the previous study. And, 61.7 percent of respondents -- Internet users and non-users alike -- now agree that going online has become important to political campaigns. "We are now seeing tangible evidence of the increasing role of the Internet in political decision-making," said Jeffrey I. Cole, director of the USC Annenberg School Center for the Digital Future. "The Internet�s growing role in political decision-making cannot be underestimated. "More than three-quarters of users who went online for political campaign information sought insight regarding issues and candidates about which they were undecided," Cole said. "Clearly, the Internet�s role in the American political process will continue to grow, and it could have a significant impact during the Congressional elections of 2006."
Auch sonst bietet die Studie noch einiges interessantes statistisches Material zur Blogverbreitung oder zur Internetnutzung allgemein. Ganz gut passend zum Thema gibts ein Buch von linken US-Blogger (DailyKos und MyDD): Crashing the Gate. Netroots, Grassroots, and the Rise of People-Powered Politics.

Und sonst: Online-Aktivismus in Aktion: Aktion: Dunkelm�nner sch�tzen gilt nicht, Herr Lammert! Bundestagspr�sident Norbert Lammert (CDU) will die vom Bundestag beschlossene Ver�ffentlichungspflicht jetzt noch zu Fall bringen ... Campact hat deshalb mit Unterst�tzung von LobbyControl, BUND, Attac, Mehr Demokratie und Transparency International eine Eil-Aktion gestartet.

Bizarr-emp�rende Vorschl�ge aus dem Iran: Irans Pr�sident Ahmadinedschad hat nachgelegt: Erst forderte er, Israel m�sse von der Landkarte getilgt werden. Jetzt will er das ganze Land umsiedeln. ... Damit sollten die Juden f�r den Holocaust entsch�digt werden, sagte Ahmadinedschad am Donnerstag auf einem Islam-Gipfel in Mekka.

FDP an Steinmeier wegen der CIA-el-Masri-Aff�re: FDP-Generalsekret�r Dirk Niebel verlangte den R�cktritt von Au�enminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). �Normalerweise w�re es f�r einen deutschen Au�enminister ein R�cktritts- oder Entlassungsgrund, wenn man die �ffentlichkeit so hinters Licht f�hrt, wie Herr Steinmeier getan hat�, sagte Niebel der �Passauer Neuen Presse�. Die FDP will zudem "mehr Biss" f�r die Geheimdienstkontrolle. Die FDP-Rechtsexpertin Leutheusser-Schnarrenberger pl�diert daf�r, die parlamentarische Kontrolle deutscher Geheimdienste zu verbessern.

Rice wei� derweil weiter von Nichts: US-Au�enministerin Rice will m�gliche Rechtsverst��e des Geheimdienstes CIA in Europa aufkl�ren. Die USA h�tten aber weder Flugh�fen noch den Luftraum in Europa dazu genutzt, Menschen an Orte zu bringen, wo sie gefoltert wurden. Au�erdem erkl�rte sie, dass Vertreter der USA weltweit Gefangene nicht grausam behandeln d�rfen. Niemals, keine Folter f�r niemand.

Neuer Enthauptungsschlag?Die radikale Gruppe "Islamische Armee im Irak" hat nach eigenen Angaben eine US-Geisel ermordet. Es handle sich um den 40 Jahre alten Amerikaner Ronald Schulz, der im Irak als Sicherheitsberater f�r das irakische Bauministerium arbeitete, erkl�rte die Gruppe im Internet. Siehe auch: Gewalt eskaliert vor irakischer Parlamentswahl.

Wer hat denn da gew�hlt? Ein europ�isch-amerikanisches Institut hat den britischen Premier Blair zum "Staatsmann des Jahrzehnts" gek�rt. Er wurde unter anderem f�r seine Irak-Politik ausgezeichnet (die ja gar nicht nach hinten los ging).

Wundersame Einsichten im Pentagon: Der erste Krieg im wirklichen Medienzeitalter. US-Verteidigungsminister �ber den ersten Krieg im 21. Jahrhundert, Video dokumentiert, wie Sicherheitskr�fte einer britischen Firma willk�rlich auf Zivilfahrzeuge feuern. F�r viele Soldaten ist das Leben im Irak derweil angeblich gleichbedeutend mit "Party machen".

Anti-Terrorkampf made in USA: Air Marshal Kills Passenger; DHS Says Man Talked of Bomb. A federal air marshal yesterday shot and killed an American Airlines passenger who allegedly said he had a bomb in his bag at Miami International Airport, the first fatal shooting by an undercover agent since the sky marshals' rapid expansion after the 2001 terrorist attacks.

2005-12-07

Bushs Spin-Maschine weiter auf Hochtouren

--- Bezeichnend: schon die Nachrichtenagenturen stellen inzwischen auf die Spin-Maschinerie Bushs ab:
From the Strategy for Victory in Iraq to "Recovery Channel" TV on federal disaster relief, the Bush administration's spin operation is in high gear, aiming its message directly at the American public as it critiques the mainstream media. There has been plenty to spin: since George W. Bush's August vacation in Texas, when grieving military mother Cindy Sheehan camped outside his Crawford ranch, the president has had to deal with a perceived sluggish federal response to Hurricane Katrina, the failed Supreme Court nomination of Harriet Miers, the 2,000th U.S. military death in Iraq, the investigation into who leaked a covert CIA operative's name and the indictment of White House aide Lewis "Scooter" Libby. As his job approval rating dipped below 40 percent in a recent Gallup poll, Bush went on the offensive last week, with speeches on the Iraq war -- unveiling a 35-page National Strategy for Victory in Iraq -- immigration and the economy. But these addresses are only part of this administration's strategy to shape public opinion. The U.S. military last week acknowledged paying Iraqi newspapers to publish pro-American stories written by an "information operations" task force. Then on Monday, Defense Secretary Donald Rumsfeld blamed the mainstream press for dwelling on "the worst about America and our military." This bad news, Rumsfeld told an academic audience, is "reported and spread around the world, often with little context and little scrutiny, let alone correction or accountability after the fact." A secretive White House Iraq Group, or WHIG for short, set strategy for selling the Iraq war to the public. The group's work became a focus of the investigation into who leaked CIA agent Valerie Plame's name to the media.
Skurriles gibt es aber auch von der islamistischen Propaganda-Front zu berichten: Da spielt al-Dschasira "versehentlich" ein uraltes Terror-Video von al-Sawahiri -- und alle Nachrichtenagenturen st�rzen sich gleich auf die vermeintlich neue Botschaft des Terrorf�rsten. Dabei lief genau dasselbe Ding doch schon drei Monate vorher �ber alle Ticker.

Und sonst: Die el-Masri-CIA-Aff�re weitet sich rasant aus: Neben Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Ex-Innenminister Otto Schily (SPD) waren auch das Au�en- und das Justizministerium schon fr�hzeitig mit dem mutma�lichen Entf�hrungsfall des Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri durch den CIA befasst. Ups: zumindest Frau Zypries ist ja weiterhin im Amt.

Nachlese zur Wahl in Kasachstan: Opposition spricht von Betrug. Noch vor Schlie�ung der Wahllokale in Kasachstan hat die Opposition am Sonntag nach eigenen Angaben dutzende Beschwerden wegen angeblicher Manipulationen der Abstimmung �ber einen neuen Staatspr�sidenten eingereicht. Die FAZ vermeldete gestern zudem, dass wei�russische Wahlmaschinen zum Einsatz kamen -- das st�rkt das Vertrauen in das Verfahren.

Schr�der im Einsatz bei der Osthoff-Entf�hrung: "Lassen Sie Osthoff frei".

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CIA: Folter-Gefangene ab in die W�ste

--- An Ger�chten ist ja bekanntlich oft was dran, w�rde auf jeden Fall ins Schema passen:
Der amerikanische Geheimdienst CIA hat US-Presseberichten zufolge Geheimgef�ngnisse auf europ�ischem Boden erst vergangenen Monat geschlossen und die H�ftlinge in die nordafrikanische W�ste deportiert. Die US-Regierung hat die Existenz solcher Gef�ngnisse bislang weder best�tigt noch dementiert. Nach Angaben des TV-Senders ABC sollen vor dem Europabesuch von US-Au�enministerin Condoleezza Rice hochrangige Al-Qaida-Mitglieder auf polnischen und rum�nischen Milit�rbasen verh�rt worden sein. Warschau wies den Bericht zur�ck, Bukarest will den Fall untersuchen. ABC berichtet �berdies, dass mutma�liche Terroristen von der CIA in Staaten deportiert wurden, die bei Verh�ren h�rter zur Sache gehen als die Amerikaner. Dabei handele es sich vor allem um Marokko, �gypten, Jordanien und Syrien. Die konkreten L�ndernamen und m�gliche Mitwisserschaft europ�ischer Regierungen sind neu. Das Vorgehensmuster hingegen hat sich �ber die vergangenen Monate kontinuierlich herausgesch�lt: Im Kampf gegen den Terror setzt sich die US-Regierung �ber geltende v�lkerrechtliche Normen hinweg. Dies belegt eine Vielzahl von Quellen. Nicht nur Untersuchungen des Roten Kreuzes, sondern auch interne �berpr�fungen von FBI und Pentagon haben ergeben, dass in US-Milit�rgef�ngnissen von Guant�namo bis Afghanistan Verh�rtechniken angewendet werden, die Misshandlungen tolerieren und "gleichbedeutend mit Folter sind", so das Rote Kreuz. Zweifellos gestehen auch Menschenrechtler den USA bei der Terrorabwehr ausdr�cklich das Recht zu, Geheimdienstinformationen zu sammeln. Dabei d�rften jedoch nicht demokratische Grundprinzipien �ber Bord geworfen werden. Wann dieser Punkt erreicht ist, dar�ber streiten US-Regierung, Europ�er und Menschenrechtler. Im Kern geht es dabei um die Definition von Folter. Nat�rlich weist Washington den Foltervorwurf von sich. "Die USA foltern nicht und verschicken Menschen auch nicht, damit sie anderswo gefoltert werden", bem�hte sich Rice vor dem Abflug nach Europa klarzustellen. Allerdings �bt sich die US-Regierung in technisch-rhetorischen Verrenkungen, um verbotene Methoden zu legitimieren.
Merkel ist derweil eingeknickt beim versprochenen "Transparenz"-Schaffen gegen�ber bzw. mit Rice, wer h�tte anderes erwartet. Trotzdem f�hlt sich die US-Regierung ein wenig angepisst (keine "Fehlerakzeptanzrate"). Die US-B�rgerrechtsbewegung ACLU l�sst dagegen nicht locker: sie verklagt den Ex-CIA-Chef Tenet im Namen des nach Afghanistan verschleppten Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri. Au�erdem kommt die ganze Entf�hrungsaff�re auch dem Ex-Kanzleramtschef und jetzigem Aussenminister Steinmeier nicht gerade gelegen.

Und sonst: Folterlager auch im Kosovo: "Jeder wusste, wie es in Bondsteel zugeht". Ohne juristisches Verfahren wurden in einem Milit�rcamp im Kosovo Menschen monatelang weggesperrt. Zust�nde wie in Guantanamo habe er gesehen, berichtet der Menschenrechtsbeauftragte des Europarates, Alvaro Gil Robles.

Terrorabwehr in den USA versagt trotz CIA-Rechtsbeugungen, sagt die sich mal wieder zu Wort meldende 9/11-Kommission: U.S. Is Given Failing Grades By 9/11 Panel. The federal government received failing and mediocre grades yesterday from the former Sept. 11 commission, whose members said in a final report that the Bush administration and Congress have balked at enacting numerous reforms that could save American lives and prevent another terrorist attack on U.S. soil.

Gruseliger Wettbewerb: Rakenangriff f�r Terrorwebsite : Irakische Widerstandsgruppe will eine Website. Der Sieger soll �ber das Internet drei Raketen auf einen US-St�tzpunkt im Irak ferngesteuert abschie�en d�rfen.

Noch mehr grausames Treiben im Irak: Zwei Putzfrauen als Todesengel. Selbstmordattent�terinnen sprengten sich in einer Polizeischule in die Luft.

Paris rules: Frankreich will seine "Weltsicht" verbreiten. CII soll mit CNN, BBC-World, Al-Dschasira und der Deutschen Welle konkurrieren, um bei der "Bilderschlacht in der ersten Reihe" zu stehen.

Fataler Richtspruch: Das Internet in den M�hlen des Rechts. Foren und Haftung: Von der Demontage eines interaktiven Mediums und der Geburt der Blogger-Polizei.

2005-12-04

CIA-Folter-Beugehaft: Bundesregierung wu�te Bescheid

--- Dass insbesondere Otto Schily und letztlich auch ein Teils des restlichen alten Bundeskabinetts eifrige Antiterrork�mpfer waren und den USA jenseits des Mitstreitens im Irak wenig abschlugen, ist bekannt. Die Washington Post berichtet heute in einem langen Artikel aber �ber konkrete Verstrickungen der Bundesregierung in einen der Folter-Beugehaft-F�lle der CIA:
In May 2004, the White House dispatched the U.S. ambassador in Germany to pay an unusual visit to that country's interior minister. Ambassador Daniel R. Coats carried instructions from the State Department transmitted via the CIA's Berlin station because they were too sensitive and highly classified for regular diplomatic channels, according to several people with knowledge of the conversation. Coats informed the German minister that the CIA had wrongfully imprisoned one of its citizens, Khaled Masri, for five months, and would soon release him, the sources said. There was also a request: that the German government not disclose what it had been told even if Masri went public. The U.S. officials feared exposure of a covert action program designed to capture terrorism suspects abroad and transfer them among countries, and possible legal challenges to the CIA from Masri and others with similar allegations. The Masri case, with new details gleaned from interviews with current and former intelligence and diplomatic officials, offers a rare study of how pressure on the CIA to apprehend al Qaeda members after the Sept. 11, 2001, attacks has led in some instances to detention based on thin or speculative evidence. The case also shows how complicated it can be to correct errors in a system built and operated in secret. The CIA, working with other intelligence agencies, has captured an estimated 3,000 people, including several key leaders of al Qaeda, in its campaign to dismantle terrorist networks. It is impossible to know, however, how many mistakes the CIA and its foreign partners have made. Unlike the military's prison for terrorist suspects at Guantanamo Bay, Cuba -- where 180 prisoners have been freed after a review of their cases -- there is no tribunal or judge to check the evidence against those picked up by the CIA. The same bureaucracy that decides to capture and transfer a suspect for interrogation-- a process called "rendition" -- is also responsible for policing itself for errors. While the CIA admitted to Germany's then-Interior Minister Otto Schily that it had made a mistake, it has labored to keep the specifics of Masri's case from becoming public. As a German prosecutor works to verify or debunk Masri's claims of kidnapping and torture, the part of the German government that was informed of his ordeal has remained publicly silent. Masri's attorneys say they intend to file a lawsuit in U.S. courts this week.
Zur�cktreten kann Schily, der Obergeheimniskr�mer, ja nun nicht mehr. Seine "Regentschaft" wird uns durch diesen neuen Fall des undemokratischen Handelns aber nicht in besserer Erinnerung bleiben. Mehr zum Thema bei Dialog International und bei Spiegel Online.

Und sonst: Irak-Enf�hrung: Prominente, der Bruder von Osthoff, der Rest der Familie und auch islamische Gruppierungen fordern die Freilassung der deutschen Arch�ologin. Der Spindoktor fragt sich immer noch, ob der ganze Fall nicht zuviel Aufmerksamkeit erf�hrt. Nat�rlich geht es hier um die Rettung von Menschleben, aber ob sich die Entf�hrer, die angeblich aus dem Umfeld der arabisch-nationalistischen Ischrin-Brigaden stammen ("Saraja al Salasil: Sturmtruppen der Erdbeben" -- noch nie geh�rt), davon erweichen lassen oder sich nur ins F�ustchen lachen? Sch�uble zeigt derweil, dass er anscheinend keinen Deut besser ist als Schily, denn er missbraucht den Entf�hrungsfall, um f�r eine bis zu 24-monatige Fast-Rundum�berwachung der elektronischen Nutzerspuren zu werben. Da haben wohl ein paar Synapsen nicht richtig funktioniert im Hirn des Innenministers und seiner Einfl�sterer.

Konkrete Zahlen gibt es derweil zum Stammgast CIA im deutschen Luftraum in punkto Gefangenentransporte: Vor dem Deutschland- Besuch von US-Au�enministerin Condoleezza Rice in dieser Woche hat die Bundesregierung nun eine detaillierte Liste von Bewegungen und Landungen getarnter CIA-Flugzeuge in Deutschland in der Hand. Mit solchen Maschinen sollen Terrorverd�chtige entf�hrt und in geheime Lager gebracht worden sein. Laut Liste nutzten die US-Geheimen Deutschland in mindestens 437 F�llen f�r ihre nun international umstrittenen Fl�ge. Die Statistik fertigte die Deutsche Flugsicherung aufgrund einer Anfrage der Linkspartei im Bundestag an. Die EU verlangt derweil nur halbherzig Aufkl�rung, am klarsten dr�ckte sich da mal wieder der britische Innenminister Charles Clarke (ein gro�er Freund von B�rgerrechten und Demokratie) aus: The European Union Justice and Home Affairs Council, meeting in Brussels Thursday, did not discuss the issue of CIA secret jails and prisoner flights in Europe which is causing an international uproar. "We didn't discuss it at all. Why not, because we set the agenda," was the curt reply given by British Interior Minister Charles Clarke.

Das Pentagon hat zudem zugegeben, f�r Propagandaberichte in irakischen Medien gezahlt zu haben: The U.S. military command in Baghdad acknowledged for the first time yesterday that it has paid Iraqi newspapers to carry positive news about U.S. efforts in Iraq, but officials characterized the payments as part of a legitimate campaign to counter insurgents' misinformation.

Lobby-Kraken: Gesetze? Lehnen wir ab! Interna publik gemacht: Deutsche Industrieverb�nde gegen "Kyoto".

Infowar und Medienstrategien der al-Qaeda in Pakistan: Islamic radicals, and their supporters in the media, are waiting for an opportunity to avoid a PR disaster in earthquake ravaged northern Pakistan.

Wer klaut da von wem? Press Plagiarist of the Year Award aus Sicht der Blogosph�re.

Politisch korrekt bloggen: �Eine Art ehrenamtliche Blogger-Polizei� soll bei Tomorrow Focus (Burda) daf�r sorgen, dass alles mit rechten Dingen zugeht, vermeldet W&V. Aber deutsche Blogs f�hren ja eh noch ein Schattendasein.

Die US-Presse vergisst mehr oder weniger, �ber die wenig sch�nen neuen Nachrichten zum Global Warming und langsamen Ausfall des Golfstroms zu berichten.

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2005-12-01

US-Medien verschlafen Irak-Krieg

--- Der New York Observer emp�rt sich dar�ber, dass die US-Medien angeblich nur halb soviel �ber den Irak-Krieg berichten als �ber den Vietnam-Krieg:
On the morning of Aug. 3, 1965, a 33-year-old CBS correspondent named Morley Safer, in fatigues and with a bulky recording contraption on his hip, stood in Cam Ne, Vietnam, before a backdrop of burning thatch-roof huts. He clutched a battered metal microphone. Moments earlier, a unit of baby-faced American soldiers had set the huts on fire. Young women ran wailing, cradling babies; an elderly man hobbled toward Mr. Safer, pleading in Vietnamese. �This is what the war in Vietnam is all about, the old and the very young,� Mr. Safer said, turning to face the camera. Forty years later, the United States is in a desert war, transmitted instantly by satellite and broadband. There are no boundaries on our technical capabilities to cover events. But there are other limits�commercial, political, editorial. And they have kept the war in Iraq marginal in the American media, from soon after the initial invasion in the spring of 2003 till last week, when Representative John Murtha hurled it back into the spotlight. While Vietnam is remembered as the television war, Iraq has been the television-crawl war: a scrolling feed of bad-news bits, pushed to the margins by Brad and Jen, Robert Blake, Jacko and two and a half years of other anesthetizing fare. Americans could go days on end without engaging with the war, on TV or in print. �There�s a dearth of seriousness in the coverage of news,� said veteran war correspondent Christiane Amanpour, �at a time when, in my view, it couldn�t be more serious.�
� Dead troops are invisible. The Bush administration�s ban on capturing flag-draped coffins is echoed in the press� overall treatment of American war dead. A May 2005 survey by the Los Angeles Times found that over a six-month span, a set of leading United States newspapers and magazines ran �almost no pictures� of Americans killed in action, and they ran only 44 photos of wounded Westerners.
� Average monthly war coverage on the ABC, NBC and CBS evening newscasts, combined, has been cut in half�from 388 minutes in 2003, to 274 in 2004, to 166 in 2005.
� Major newspapers have cut back on the size of their Baghdad bureaus, with some closing them or allowing them to go unstaffed for stretches.
Bessere Noten kriegt die US-Presse -- zumindest w�hrend der "hei�en" Kriegsphase -- dagegen von Wiener Kommunikations-Wissenschaftler J�rgen Grimm, Roland Burkart und Peter Vitouch: Bei einer vergleichenden Untersuchung nahmen sie die Berichterstattung �ber den Irak-Krieg 2003 in acht L�ndern unter die Lupe. Ihr Ergebnis: "Die viel gescholtene US-Presse war erstaunlich n�chtern und nicht patriotisch-�berschw�nglich. Dass allzu klischeehafte Bild, dass sich alles um den US-Pr�sidenten scharrte, kann nicht aufrechterhalten werden." Die englische Presse, so die Forscher, sei da viel emotionaler gewesen. Haken an der Untersuchung: Die Zeitungen des heftig die Kriegstrommel r�hrenden Medienmoguls Rupert Murdoch wurden nicht miteinbezogen.

Und sonst: Handelt es sich bei den irakischen Entf�hrern der deutschen Arch�ologen gar nicht um Islamisten? Knapp eine Woche nach der Entf�hrung einer Deutschen im Irak hat die Bundesregierung noch keinen Kontakt mit den Geiselnehmern. Auch die Motive f�r die Tat bleiben weiter im Dunkeln. Experten bezweifeln, dass die Entf�hrer islamistische Terroristen sind.

Blogger-Stile: Meme-du-jour Blogger, Caterers, Nichebloggers, Internet guides, Celebrity-bloggers etc.

Die geklaute US-Wahl -- mal wieder offiziell von Bundesbeh�rde best�tigt: GAO confirms - 2004 Election Was Stolen.

Br�ssels Lobby-Kraken: Report exposes role of corporate lobbyists in setting EU trade agenda. Brussels is now home to over 15,000 lobbyists (more than one for every European Commission official) but just 10 per cent of these represent environmental and social groups.

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