2005-09-29

Kanzler-Qual: Und raus seid ihr

--- Franz Walter, Politikwissenschaftler in G�ttingen, nimmt dem Spindoktor in Bezug auf die fortdauernde Kanzler-Qual die Worte aus dem Mund:
So schwach wie zu Beginn dieses Jahrhunderts war das b�rgerliche Lager in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert kaum einmal. Die Parteien diesseits des christlich-liberal-konservativen Altb�rgertums haben am 18. September - und dies erst zum zweiten Mal in der deutschen Parlamentsgeschichte - �ber 50 Prozent der Stimmen errungen. Allein das ist bemerkenswert. ... In den Zukunftssektoren der Gesellschaft und Wirtschaft, bei den Zugeh�rigen des Dienstleistungsbereichs, hat die Christliche Union lediglich deprimierende 29 Prozent der Stimmen erzielen k�nnen. Die Niederlage der CDU ist also gerade mit Blick auf die Zukunft noch weitaus drastischer und alarmierender, als es das Gesamtergebnis von 35,4 Prozent auf den ersten Blick offenbart. ... nachgerade trostlos ist, wie substanzlos, ja im Grunde uninteressiert die Debatte verl�uft. �ber die M�glichkeiten einer Minderheitsregierung verloren die meisten professionellen Interpreten keine zwei S�tze. Dabei bildeten Minderheitskabinette die Majorit�t unter den Regierungstypen im Gros der europ�ischen L�nder seit 1945. ... Weder Schr�der noch Merkel taugen auch nur im Geringsten als Kanzler einer Gro�en Koalition. Gro�e Koalition mit zwei ann�hernd gleich starken Parteien funktionieren nur, wenn niemand an der Spitze steht, der als Truppenf�hrer der einen Formation in den zur�ckliegenden Schlachten der anderen Seite tiefe Wunden zugef�gt hat. Mehr noch: Gro�e Koalition von gleicherma�en potenten Parteien vertragen keine Kraftnatur an der Spitze, keinen kalten und zielstrebigen Machtmenschen, keinem eifernden Ordnungs- und Richtungspolitiker. ... Gro�e Koalitionen sind gro�e Kungelrunden. Der Proporz spielt eine ma�gebliche Rolle. Der Raum f�r Patronage wird weit gesteckt. Eben deshalb sind Gesellschaften mit grand coalitions auf Ventile und Korrektivfilter plebiszit�rer Art angewiesen. Gro�e Koalitionen und direkte Demokratie geh�ren - so paradox es auch klingen mag - unmittelbar zusammen; sie stabilisieren, rationalisieren und komplettieren einander. Deshalb sind es gerade die Konkordanzdemokratien in Europa, welche Volksbegehren und Volksentscheide kennen und praktizieren.
Mehr Experimentierfreude ist also nach wie vor allemal gefragt in der Berliner Runde. Noch scheint die Jamaika-Koalition ja auch nicht ganz vom Tisch zu sein, was zumindest noch ein wenig Farbe in den Koalitionspoker bringt. Gestern plauschte Angie jedenfalls ausgiebig und fast eine Viertelstunde lang bei der Bertelsmann-Party in Berlin mit der gr�nen Bundesvorsitzenden Claudia Roth, die es ja bekanntlich faustdick hinter den Ohren hat. Aber ansonsten fragt man sich ja, was in diese Promi-Tanten gefahren ist, die morgen fett in der FAZ f�r Merkel werben wollen. Stehen die alle unter der Fuchtel von Alice Schwarzer?

Und sonst: Der Abu-Ghraib-S�ndenbock Lynndie England ist zu drei Jahren verknackt worden, doch damit will die Bush-Regierung letztlich nur eine echte Aufarbeitung der Folter-Skandale unter den Teppich kehren.

�berhaupt viel �rger f�r die Republikaner, wo ihr F�hrer im Repr�sentantenhaus und Bush-Kumpel Tom DeLay jetzt auch noch angeklagt worden ist: For G.O.P., DeLay Indictment Adds to a Sea of Troubles. Republicans are dealing with a string of ethical issues along with Iraq, Hurricane Katrina and hopeful Democrats.

Nachwahl-Kampf gegen Medien f�llt aus

--- Am 13. Oktober wollte das Bundespresseamt per Kongress mit den Medien abrechnen. Daraus wird jetzt nichts, wie die S�ddeutsche offline berichtet. "Der Vizeregierungssprecher Thomas Steg sagte die Veranstaltung am Mittwoch ab [...] Das Bundespresseamt war erst Ende letzter Woche an Medien-Institute herangetreten, hat aber niemanden gefunden, der sich in der Lage sah, in nur zwei Wochen einen solchen Kongress zu veranstalten." Na, da haben die Medien ja noch einmal Gl�ck gehabt, nachdem der Kanzler sie am Wahlabend schon gescholten hatte. "Offenbar aber h�lt man die Idee zur Tagung nun f�r einen Schnellschuss, der nach hinten gehen k�nnte. 'In den Medien hat jetzt selbst eine intensive Diskussion eingesetzt'", sagte Steg laut SZ und blies das Vorhaben damit endg�ltig ab. Allerdings steht auch so gut wie fest: Die Regierungssprecher-Mannschaft w�rde ohnhin nicht mehr im Amt sein, sollte die neue Regierung jemals einen derartigen Kongress in Angriff nehmen.UPDATE: �bringes: Die FAz widmet dem Thema ihren Kasten auf der Seite 1.

2005-09-28

Titten und Tote: Fotos von und f�r US-Soldaten

--- Es gibt mal wieder ein Skand�lchen um digitale Fotos von US-Soldaten, die in Afghanistan und im Irak stationiert sind. Denn wie Online Journalism Review berichtet, haben die vom Kriegseinsatz genervten GIs auf dem von ihnen h�ufig besuchten Sex-Forum NowThatsFuckedUp.com auch von ihnen erstellte Aufnahmen von zu Tode gekommenen Aufst�ndischen und Gegnern in der Rubrik "Blutige Bilder" ver�ffentlicht:
According to the site's owner, Chris Wilson, who lives in Lakeland, Fla., but hosts the site out of Amsterdam, the site was launched in August 2004 and soon became popular with soldiers in Iraq and Afghanistan. When female soldiers started to appear in the nude on the site, the Pentagon blocked access to the site from military computers in the field, according to the New York Post. But the story gets more twisted. Wilson said that soldiers were having trouble using their credit cards in Iraq to access the paid pornographic content on the site, so he offered them free access if they could show that they were actually soldiers. As proof, some sent in G-rated photos of traffic signs in Baghdad or of a day in the life of a soldier abroad. Others sent in what appear to be Iraqi civilians and insurgents who were killed by suicide bombs or soldiers' fire. Now there's an entire forum on the site titled "Pictures from Iraq and Afghanistan - Gory," where these bloody photos show body parts, exploded heads and guts falling out of people. Along with the photos is a running commentary of people celebrating the kills, cracking jokes and arguing over what kind of weaponry was used to kill them. But the moderators will also step in when the talk gets too heated, and sometimes a more serious discussion about the Iraq war and its aims will break out. Wilson told me in a phone interview that he is "not very" political and considers NTFU as a community site. "People say, 'This is a porn site so why are you talking politics?' " Wilson said. "But it's actually a porn community, and any time you have a community with shared interests there's going to be other interests. Just because somebody looks at porn doesn't mean that they have a below-60 IQ and don't know anything. I have doctors and lawyers and police officers and teachers, and it doesn't surprise me that there are educated people who want to discuss things. It's interesting, and I love reading it." Wilson has no qualms about running the gory photos of war in open forums that don't require registration or payment. "I enjoy seeing the photos from the soldiers themselves," Wilson said. "I see pictures taken by CNN and the mainstream media, and they all put their own slant on what they report and what they show. To me, this is from the soldier's slant. This is directly from them. They can take the digital cameras and take a picture and send it to me, and that's the most raw you can get it. I like to see it from their point of view, and I think it's newsworthy." ... Ibrahim Hooper, spokesman for the Council on American-Islamic Relations, saw the gory photos as another black eye for the U.S. military after the Abu Ghraib prison torture photos. "This is just another form of pornography," Hooper told me. "I think this is something that should be strongly discouraged by military authorities.
Die Bilder sind auf jeden Fall nicht sonderlich appetitlich und einige sind laut den Z�hlerangaben bereits gut 50.000 mal angeschaut worden. Die Site scheint auf jeden Fall gut besucht zu sein. Mehr zu der Story heute in der New York Times. Update: Inzwischen auch in Telepolis. Und ein paar Stunden sp�ter auch in Spiegel Online.

Update II: Upgefucked: Der Betreiber der Sex-Website wurde wegen sexueller Obsz�nit�t verhaftet.

Der scheidende US-Generalstabschef Myers predigt derweil Durchhalte-Appelle an die US-Bev�lkerung aufgrund des Irak-Kriegs: "Unser Lebensstil steht auf dem Spiel."

Und sonst: Deutlich �sthetischere, aber dennoch beeindruckende Schwarz-Wei�-Fotos von den Katrina-Nachwirkungen gibts von Alan Chin in den BAGNewsNotes.

Mein aktueller Beitrag zur Meta-Weblogdebatte: Weblogs und die gro�e Freiheit: Das Handbuch der "Reporter ohne Grenzen" sieht Blogger als Vork�mpfer der freien Meinungs�u�erung.

Medienschelte Revisited: Bundespresseamt sagt Medien-Kongress ab. Die Bundesregierung wird nun doch keinen Kongress zum Thema "Die Rolle der Medien im Wahlkampf" veranstalten. Die Planung wurde �berraschend eingestellt. Offiziell hei�t es, die Zeit fehle, so etwas seri�s vorzubereiten.

PR-Bloggen f�r Wal-Mart: RedState Blogger Boosts Wal-Mart For Bucks.

Das Lobbying- und PR-Buzzword Corporate Social Responsibility (CSR) auseinandergenommen: The Corporate Placebo Effect.

2005-09-27

Al-Qaida startet "Wochenschau" per Videocast

--- Die Propaganda-Abteilung von Al Qaida hat sich laut Washington Post mal wieder etwas Neues einfallen lassen und nach der Auflage mehrerer Magazine auch eine angeblich w�chentlich wiederkehrende Video-Nachrichtenschau unter dem Titel "Die Stimme des Kalifats" gestartet:
An Internet video newscast called the Voice of the Caliphate was broadcast for the first time on Monday, purporting to be a production of al Qaeda and featuring an anchorman who wore a black ski mask and an ammunition belt. The anchorman, who said the report would appear once a week, presented news about the Gaza Strip and Iraq and expressed happiness about recent hurricanes in the United States. A copy of the Koran, the Muslim holy book, was placed by his right hand and a rifle affixed to a tripod was pointed at the camera. The origins of the broadcast could not be immediately verified. If the program was indeed an al Qaeda production, it would mark a change in how the group uses the Internet to spread its messages and propaganda. Direct dissemination would avoid editing or censorship by television networks, many of which usually air only excerpts of the group's statements and avoid showing gruesome images of killings. The broadcast was first reported by the Italian Adnkonos news agency from Dubai. The 16-minute production was available on Italian newspaper Web sites. ... A commercial break of sorts followed, which previewed a movie, "Total Jihad," directed by Mousslim Mouwaheed. The ad was in English, suggesting that the target audience might be Muslims living in Britain and the United States. The final segment was about Hurricane Katrina. "The whole Muslim world was filled with joy" at the disaster, the anchorman said. He went on to say that President Bush was "completely humiliated by his obvious incapacity to face the wrath of God, who battered New Orleans, city of homosexuals." ... According to credits following the broadcast, it was produced by the Global Islamic Media Front.
URLs zu dem Videocast (O-Titel: Sout bwz. Sawt al Khilafah) gibts bei Internet Haganah.

Und sonst: Angeblich haben irakische und US-amerikanische Soldaten die Nummer 2 von Al-Qaida im Irak, Abu Assam, get�tet.

Seltsame Anti-Terrorprozesse in Spanien: Zweifelhaftes Urteil im Al-Qaida-Prozess in Madrid. Statt mit mehr als 74.337 Jahren Strafe ging der erste Gro�prozess gegen Al-Qaida mit einer H�chststrafe von 27 Jahren zu Ende.

Das "Gesicht" der Folter in Abu Ghraib, Lynndie England, ist von einem US-Milit�rgericht nach mehreren Anl�ufen jetzt schuldig gesprochen worden. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Gef�ngnis.

Schelte f�r die Image-PR von Rot-Gr�n: Steuerzahlerbund tadelt Regierungs-PR. Der Bund der Steuerzahler hat mit seinem Schwarzbuch eine neue Giftliste der Verschwendung von Abgaben vorgelegt. Die Bundesregierung wird f�r ihre �ffentlichkeitsarbeit ger�gt.

Bericht von der Weblog-Konferenz im ZKM: Von akademischen Groupies und Bloggern.

Was ist mit Bush los? Entdeckt er nun gar die New Ecology und mausert sich zum wahren Koalitionspartner der Gr�nen? To Conserve Gas, President Calls for Less Driving. President Bush also issued a directive for federal agencies to cut energy use and to urge employees to use public transportation.

Weblogs im Wahlkrampf: Das "Bamberger Centrum f�r Europ�ische Studien" hat eine Studie (PDF) ver�ffentlicht �ber "Weblogs im Vorfeld der Bundestagswahl 2005". Der Initiator der Studie, Roland Abold, fasst auf "Politik-Digital" die Ergebnisse zusammen: Zum einen bleibt trotz des Medienhypes um Weblogs im Wahlkampf 2005 die Nutzung dieser Form des Meinungsaustausches die Angelegenheit einer kleinen Gruppe von hoch gebildeten, politisch stark interessierten Internetnutzern, die politisch eher dem linken Spektrum zuzuordnen ist. Zum anderen stellen Weblogs f�r diese Gruppe eine starke Bereicherung des Angebots an politischer Information und eine Plattform f�r politische Diskussionen dar. Da die Zusammensetzung der politischen Blogosph�re darauf schlie�en l�sst, dass es sich dabei vor allem um so genannte Meinungsf�hrer handelt, ist eine starke indirekte Wirkung von Weblogs auf die ��ffentliche Meinung� jedoch keineswegs ausgeschlossen.� Was irgendwie bekannt vorkommt. Via Metablocker.

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Schily verteidigt Cicero-Durchsuchung

--- Schily war heute beim Kongress des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zu Gast und versuchte dort angesichts einer emp�rten Schar von Pressevertretern die Redaktions- und Hausdurchsuchungen im Fall Cicero sch�n zu reden. Seine Argumente f�r die penetrante Einsch�chterungsaktion klingen allerdings wenig �berzeugend:
"Die Pressefreiheit rechtfertig keine Gesetzesbr�che", argumentierte der Minister. Gegen einen solchen Verrat von staatlichen Geheimnissen m�sse sich der Staat zu Wehr setzten, nat�rlich mit den Mitteln des Rechtsstaats. "Selbstverst�ndlich geht es nicht darum, die W�chterfunktion der Presse einzuschr�nken", unterstrich Schily seine Haltung. Zudem sei auch die Aufkl�rer- und Aufdeckerfunktion der Presse dadurch nicht in Gefahr. Es sei in dem Fall "Cicero" ja nicht um einen regierungsinternen Skandal gegangen, sondern um das Zitieren aus als "geheim" eingestuften Ermittlungsakten, so Schily.
H�h, was darf die Presse denn dann noch, wenn sie nicht aus "geheimen" Beh�rdeninformationen zitieren darf? Wer wei� denn schon, was da in der Verwaltung alles sch�n als "nur f�r den Dienstgebrauch" gestempelt wird, nur zu dem Zweck, damit es ja nicht ans Licht der �ffentlichkeit ger�t? Der Obergeheimniskr�mer Schily hat sich hier wohl ein ganzes St�ck vergaloppiert. Und dann verfiel er auch noch wie sein Obergenosse Schr�der in einem allgemeine Medienschelte, weil angeblich schwarz-gelb herbeigeschrieben worden sei. Geschicktes Ablenkman�ver, das hier aber nicht zieht. K�stlich jedenfalls sein Zitat: "Die Pressefreiheit ist mir ja sozusagen in Fleisch und Blut �bergegangen" Hier leidet jemand an Realit�tsverlust. Oder wie es andere ausdr�cken:
Der "Politikchef der "S�ddeutschen Zeitung", Heribert Prantl, warf dem Minister vor, v�llig unverh�ltnism��ig zu agieren, mit Durchsuchungen in Redaktionen die Pressefreiheit zu einer "einbalsamierten Leiche" zu degradieren und erinnerte sogleich an die Methoden zu Zeiten der SPIEGEL-Aff�re in den sechziger Jahren. "Damals war es wenigstens noch Landesverrat", polterte der Leitartikler, "heute reicht ihnen schon das Kavaliersdelikt des Geheimnisverrats". Prantl argumentierte weiter, die steigende Zahl von Strafverfahren f�hre fast nie zu Urteilen und diene nur der Schikane der Presse.
Mehr zum Thema in der taz, die den roten Sheriff einen Despot schimpft, und einen Agenturbericht gibts in der Linkszeitung.

Und sonst: Pentagon-Propaganda hoch drei aus dem Irak-Krieg: Der Fall Pat Tillman.

Klein-Bloggersdorf wacht auf: Der Spiegel auf dem Weg in die Merkel-Republik: Arschlochalarm!

Geeks unter Verdacht in London und anderswo: Suspicious behaviour on the tube. Via Politech mit einigen mehr oder weniger �hnlich gelagerten F�llen. Und Wired News hat auch noch eine seltsame Story �ber eine terrorisierte Nonne: Nun Terrorized by Terror Watch.

"Information Warfare" made in Germany: Gute Laune von der Bundeswehr. Ein Radiosender und eine Zeitung sind die vielleicht wirksamsten Waffen der Deutschen in Afghanistan

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2005-09-26

Sloterdijk lehnt Umfragen ab

--- Philosophen, Philosophen von Hegel bis Kant - wer sind die Spindoktoren im ganzen Land? Der Pop-Philosoph Peter Sloterdijk schaltet sich in die Nachwahl-Debatte ein und hat die Demoskopen als Spindoktoren Nummer Eins geortet. Nach seinem herrlichen Ausspruch "Schr�der leidet nicht unter Realit�tsverlust, er genie�t ihn", fordert er ein Gesetz zur Eind�mmung von Meinungsforschung. Sie stellten eine "unlegitmierte Meinungsdiktatur" dar. In der Tat st�tzen sich die Medien stark auf diese Demoskopen, um von Stimmungsumschw�ngen und anderem zu berichten. Die Wahlergebnisse und die Prognosen der Demoskopen sprechen aber eine andere Sprache. So wie die Volksparteien nur noch schwer das Volk hinter sich bringen, weil es zersplittert und in Minderheiten unterteilt ist, schaffen es auch die Demoksopen nicht mehr, deren Pr�ferenzen exakt zu benennen. Kritisch setzt sich heute die FAZ mit dem Thema auseinander. "Auch Leute, die den Namen "Wolfgang Gerhardt" zum ersten Mal h�ren, werden zur Einsch�tzung gebeten, ob sie seinen Tr�ger gern als Au�enminister h�tten." Grotesk war gar die Umfrage eines Instituts im Auftrag der BILD, die nach der Wahl wissen wollte, wen die Deutschen als Kanzler haben wollten. Ja, wozu wurde denn wenige Tage vorher gew�hlt? Die FAZ jedenfalls lehtn trotz allem ein Gesetz gegen Meinungsumfragen ab und schl�gt vor: "Es ginge viel einfacher. Denn eigentlich fehlt nur eine Meinungsumfrage, in der zwei Drittel der Leute mitteilen, sie seien gegen Meinungsumfragen."

UPDATE: Im Handelsblatt �u�ert sich heute Gerald Wood, Chef der Deutschland-Zentrale des US-Marktforschers Gallup zu den deutschen Meinungsforschern:
"Wood: Der deutsche Markt f�r Wahlforschung wird von ganz wenigen Instituten beherrscht. Sie haben �berraschenderweise alle um 41 Prozent der W�hlerstimmen f�r die Union prognostiziert. Das bedeutet: Sie arbeiten alle mit �hnlichen oder gleichen Methoden, und m�glicherweise lief da auch etwas zwischen den Instituten. Ich k�mpfe seit Jahren im Unternehmensbereich daf�r, dass wir mehr Transparenz und ein neues Wertebewusstsein brauchen. Dieses In-einem-Bett-Liegen von Meinungsforschern, politischen Parteien und zum Teil den Medien, das gef�llt mir nicht.
Es ist also mehr als nur ein Problem der Meinungsforschungsinstitute?
Wood: Ja, die Politiker bedienen sich der Wahlforscher, die Medien sind mit im Spiel. Das ist die Deutschland AG in der politischen Meinungsforschung, und das muss man aufbrechen. Forsa, Allensbach, Infratest dimap, das ist wie ein Konglomerat, die beherrschen den Markt.
Werfen Sie den Wahlforschern vor, die Prognosen manipuliert zu haben?
Wood: Ich kann nicht �berpr�fen, ob eine Manipulation vorliegt, weil die Rohdaten und Methoden nicht vorliegen. Das ist �brigens einer der Missst�nde, �ber die man sprechen muss.
Sie werfen den Instituten keine Manipulation vor, sie ist aber auch nicht auszuschlie�en?
Wood: Genau. In den USA kann man alle Daten einsehen und nachrechnen, hier nicht, deshalb kann ich das nicht ausschlie�en."

Project Censored: Die "vergessenen" Nachrichten

--- Das Project Censored hat seine Liste der von den Massenmedien vergessenen oder zu wenig bearbeiteten Nachrichten f�r die Jahre 2004/2005 ver�ffentlicht. Hier die Top Ten:

#1 Bush Administration Moves to Eliminate Open Government

#2 Media Coverage Fails on Iraq: Fallujah and the Civilian Deathtoll

#3 Another Year of Distorted Election Coverage

#4 Surveillance Society Quietly Moves In

#5 U.S. Uses Tsunami to Military Advantage in Southeast Asia

#6 The Real Oil for Food Scam

#7 Journalists Face Unprecedented Dangers to Life and Livelihood

#8 Iraqi Farmers Threatened By Bremer�s Mandates

#9 Iran�s New Oil Trade System Challenges U.S. Currency

#10 Mountaintop Removal Threatens Ecosystem and Economy

Wer sich in der Blogosph�re umtut, dem werden viele dieser Geschichten aber sehr wohl bekannt vorkommen.

Und sonst: Die Iran-Krise spitzt sich wieder zu: Die Internationale Atomenergiebeh�rde (IAEA) will den Iran m�glicherweise noch in diesem Jahr vor den Sicherheitsrat bringen. Eine entsprechende Resolution wurde vom Gouverneursrat verabschiedet. Mehrere L�nder, darunter China und Russland, enthielten sich der Stimme.

Seit langem gab es in den USA am Samstag die ersten gro�en Demos gegen den Irak-Krieg und die Politik der Bush-Regierung. Vorreiterin war die Soldatenmutter Cindy Sheehan. Siehe auch Anti-War Sentiment Growing in US. Es gab aber auch eine Gegendemonstration f�r das weitere Engagement der USA im Irak, auf die konservative Blogger verweisen. Das Image der USA im Rest der Welt und insbesondere in arabischen Staaten ist derweil nach wie vor schlecht trotz aller PR-Bem�hungen des Wei�en Hauses.

Die BBC startet eine sechsmonatige gro�e Marketing-Kampagne unter Einsatz von Instant Messaging, RSS, einem "News Flash Module" etc., um sich als f�hrende Online-Nachrichtensite in Szene zu setzen. Siehe auch: News for a Non-Stop World

Die New York Times verlangt seit einer Woche Kohle f�r das Lesen ihrer Kolumnisten im Web, was Unmut erregt.

Wir sind nicht nur Papst und Kanzler, sondern auch Deutschland: Heute abend geht es los: mit �Du bist Deutschland� startet eine Kampagne deutscher Medienunternehmen f�r eine neue Aufbruchsstimmung in Deutschland. Koordiniert wird sie von Bertelsmann � unterst�tzt durch die Werbeagenturen Jung von Matt/Alster (Kreation) und kempertrautmann (strategische Kampagnenentwicklung).

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2005-09-24

Kirchhof zieht bei Medienschelte nach

--- Paul Kirchhof f�hlt sich auch von der Presse ungerechtfertigt behandelt und beklagt allgemein die Manipulation durch die Medien:
Medienmanipulation die zweite: Nachdem Schr�der am vergangenen Wahlsonntag in seiner Klammer-Rede in der SPD-Parteizentrale in Berlin und st�rker noch sp�ter beim Elefantenduell im TV heftige Medienschelte betrieb und inzwischen von Genossen dabei gest�tzt wird, zog Paul Kirchhof am Donnerstagabend auf der Speakersnight am Rand des Kommunikationskongresses des Bundesverbands deutscher Pressesprecher nach. Vertreter der naturgem�� offenen Wissenschaft, die sich dem Transparenzprinzip verschrieben h�tten, k�nnten aufgrund einer manipulativen Medienberichterstattung leicht "ins politische Hintertreffen" geraten, betonte der ehemalige Verfassungsrichter auf sich bezogen in der Berliner Philharmonie. Generell pl�dierte er f�r mehr Sachlichkeit in der Presse, denn "die Macht des Wortes kann Freiheit zerst�ren und Menschen vernichten." Kirchhof nutzte einen seiner ersten gr��eren �ffentlichen Auftritte nach dem mittelm��igen Abschneiden der Union zun�chst f�r eine allgemeine, stark ethisch und moralisch gepr�gte Auseinandersetzung mit der Mediendemokratie. Die Medien h�tten in unserer Welt den "Dirigentenstab" �bernommen, fand der gute Rhetoriker sch�ne Bilder im Konzertsaal. Die Wirklichkeit werde durch sie "wie in einem Holzschnitt abgebildet". Es gehe also um das Hervorheben von Grundstrukturen, wobei ein sauberes Portr�t oder eine entstellende Karikatur herauskommen k�nne. L�ngst sei es kein Geheimnis mehr, dass gerade im Fernsehen die an sich "objektive Kamera" durch die "subjektive Auswahl" des Kameramanns und der Redaktion gelenkt werde. ... Langsam konkret werdend ging der CDU-nahe Parteilose auf die nicht beim Namen genannten Medienmanipulationen beim TV-Duell zwischen Merkel und Schr�der ein. Da seien "Details hervorgehoben oder verborgen worden", gab Kirchhof verklausulierend zu bedenken. Die eine Person h�tte man etwa schon auf dem Weg zum Studio H�nde sch�ttelnd und ins Gespr�ch mit Journalisten vertieft gesehen. Die andere sei mehr oder weniger in die Aufnahmer�ume hetzend und �berwiegend von hinten gezeigt worden. Ihm selbst sei �hnlich zugesetzt worden, kam Kirchhof schlie�lich zur Sache. So sei sein Steuerkonzept h�ufig als Pl�doyer f�r die Einf�hrung einer Art "Kopfsteuer" pr�sentiert worden, obwohl davon seit dem Mittelalter keiner mehr spreche. Regelm��ig h�tten die Journalisten unterschlagen, dass er eben gerade keinen Einheitssteuersatz in H�he von 25 Prozent f�r alle wolle, sondern dass er beispielsweise "Freibetr�ge f�r Sekret�rinnen" vorgesehen habe.
Mehr zur Speakersnight aus dem vergangenen Jahr gibts im Archiv und Fotos von der aktuellen Veranstaltung bei AEDT.

Und sonst: Die get�rkte US-Wahl die x-te: Wahlmaschinenhersteller Diebold hat angeblich absichtlich Hintert�ren in seine Systeme eingebaut. Entsprechend Hinweise machen in der Blogosph�re die Runde.

Bloglines-Chef Mark Fletcher und seine Bill of Rights f�r Blogger: We urge Congress and the FEC to ensure that the Internet, particularly blog activity, remains free from campaign finance regulation. Mehr zu Thema bei Yahoo News: Political Bloggers Demand Speech Freedoms.

Auch US-Elite-Soldaten sollen irakische Gefangene regelm��ig missbraucht haben.

F�nf Jahre Bush und die Polarisierung der rechten US-Blogosph�re.

Hurrikan Rita schl�gt zu.

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2005-09-22

Kanzler-Sharing: die zweigeteilte Kanzlerschaft

--- Schon am Wahlabend war der Vorschlag ja nebenbei erw�hnt worden, doch eventuell Halbe/Halbe zu machen zwischen der Union und der SPD und in einer gro�en Koalition die Kanzlerschaft gleichm��ig aufzuteilen. Damals war das eher ein Gag, aber nach der andauernden Schlacht ums Kanzleramt und fortdauernden Ampeleien muss man sich derlei Vorschl�ge wohl noch einmal vor Augen f�hren. Zumindest mehren sich auch die Stimmen, die eine gesplittete Kanzlerschaft gar nicht so abwegig finden. Gestern etwa vertiefte Claudia Kissling in Telepolis entsprechende �berlegungen (wenn da auch noch eher juxhaft als "Halbtagsstellen"-L�sung vorgetragen), heute legt Wolfgang M�nchau in der FTD voller Ernst nach:
Schr�der wird eine gro�e Koalition unter Merkel mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Au�enminister Joschka Fischer blockiert schon jetzt die von der Union ins Gespr�ch gebrachte "Schwampel"-Koalition aus Schwarz, Gelb und Gr�n. Damit hat er ausnahmsweise Recht. ... Unter den gegebenen Umst�nden ist nur die gro�e Koalition realistisch. Aber unter wessen F�hrung? Mein Vorschlag ist, dass die Union mit Schr�der einen Deal machen sollte, und der sieht so aus: Schr�der bleibt noch zwei Jahre Bundeskanzler, Wolfgang Sch�uble wird sein Au�enminister, Friedrich Merz Finanzminister, Wolfgang Clement bleibt Wirtschaftsminister. Vielleicht bleiben auch Peter Struck und Otto Schily in ihren �mtern. Das w�re gar keine so schlechte Regierung. F�r die Union h�tte diese L�sung einen gewissen Reiz. Sie hat noch keinen Nachfolger f�r Merkel. Weder der hessische Ministerpr�sident Roland Koch noch der nieders�chsische Regierungschef Christian Wulff sind in der Position, ihr jetzt nachzufolgen. Das Gleiche gilt f�r Merz. Unter Schr�der k�nnten sie sich hingegen profilieren, und einer von ihnen k�nnte ihn nach der H�lfte der Legislaturperiode beerben. Diese L�sung w�re f�r alle Parteien gleicherma�en akzeptabel. ... Beispiele f�r die Teilung des obersten Regierungspostens zwischen zwei Parteien gibt es: In den 80er Jahren einigten sich in Israel der Likud und die Arbeiterpartei auf dieses Modell. Zwischen 1984 und 1986 regierte Schimon Peres von der Arbeiterpartei, dann folgte bis 1988 Yitzhak Shamir vom Likud. Das Arrangement funktionierte, weil Peres die Macht freiwillig abgab.
Der gordische Knoten im gegenw�rtigen deutschen Politikbetrieb w�re damit auf jeden Fall gel�st und die Webdemo gegen Angie k�nnte wieder abgeblasen werden.

Update: Inzwischen macht sich auch Heribert Prantl in der S�ddeutschen f�r eine gesplittete Kanzlerschaft stark.

Und sonst: Wargames revisited: And now, the war forecast. Can software really predict the outcome of an armed conflict, just as it can predict the course of the weather?

Noch mehr Hightech im Krieg und anderswo: "Sound-Laser". Neue L�rmwaffen werden im Irak eingesetzt, aber auch in Katastrophenregionen wie in New Orleans, um �ber weite Entfernung Botschaften zu �bermitteln oder durch schmerzhaft laute Ger�usche Menschenmengen aufzul�sen.

Bloggerwohlstandstr�ume: Can Bloggers Strike It Rich? Blog network pioneers keep their finances close to the chest, but salary information for scribes behind hit sites like Gizmodo, Fleshbot and Gawker is starting to trickle out. Time to quit your day job and blog for a living?

Es war unvermeidlich: Das Rita-Blogging geht los, momentan noch aus Houston (doch die meisten verlassen die Stadt momentan lieber, so sie irgendwie k�nnen).

Streit um RFID-Bericht vom ZDF: FIFA und Metro gegen ZDF-Bericht �ber RFID-Funkchips -- eine Folge der neuen Lobbymacht hinter den Funkchips?

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Die Schlagzeilen-Geber

--- Spindoktoren sind Menschen, die die Sicht der Dinge gerne aus ihrer Sicht diskutieren wollen. Dazu brauchen sie aber Journalisten, die ihre Sicht der Dinge �ffentlich zur Schau stellen. Auch Medien wollen die Welt so darstellen, wie sie sie sehen oder gerne sehen wollen. Im Wahlkpamf musste das Gehard Schr�der sp�ren, als seine Spindoktoren weniger erfolgreich waren, die Zeitungen den Demoskopen folgten und der "Kanzlerin" Angela Merkel den Hof machten. Noch am Wahlabend versuchte Schr�der in der Elefantenrunde seine Interpretation der Wahlergebnisse durchzusetzen. Sein Frust war nicht unbegr�ndet: Selbst die S�ddeutsche Zeitung hatte sich im Wahlkampf distanziert, was so manchen Wahlkampf-Manager bei der SPD frustrierte.
Inzwischen aber scheint alles wieder im Lot zu sein. Nachdem der SZ-B�roleiter Berlin, Christoph Schwennicke, noch im Fr�hjahr mit einem Aufmacher die Kapitalismus-Debatte, die die SPD lostreten wollte, ins n�tige mediale Rollen brachte (was allerdings bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nicht mehr half), versucht er es jetzt aufs Neue. "SPD will Unionsfraktion sprengen", titelt die SZ heute. Woher hat er die News? Nat�rlich wieder einmal von der SPD. Und warum gerade heute? Weil SPD und Union sich zu ersten Sondierungsgespr�chen treffen und die SPD zwischen CDU und CSU Zwietracht s�en will. Sie plant, die Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU per Gesch�ftsordnung aufzul�sen, um so als st�rkste Fraktion (als Partei sieht sie sich ja bereits so) den Ton anzugeben.
Am Tag des SZ-Kapitalismus-Aufmachers sagte der SPD-Pressesprecher, etwas besseres h�tte der SPD gar nicht passieren k�nnne. Mal abwarten, was er jetzt sagt. Heribert Prantl jedenfalls kommentiert in der selben Ausgabe der SZ die Pl�ne der SPD, die Gesch�ftsordnung des Deutschen Bundestages zu �ndern, um das Kanzleramt zu halten mit den Worten "Die Trickdemokraten".
Vor allem aber beantwortet die SZ gar nicht, mit welcher Mehrheit denn eine Gesch�ftsordnung des Deutschen Bundestages ge�ndert werden kann. Die Antwort auf die Frage erst zeigt, ob in den SPD-Pl�nen ein Bluff oder Trickserei zu sehen ist. �126 jedenfalls sagt:
"Abweichungen von den Vorschriften dieser Gesch�ftsordnung k�nnen im einzelnen Fall mit Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder des Bundestages beschlossen werden, wenn die Bestimmungen des Grundgesetzes dem nicht entgegenstehen."

UPDATE: M�ntefering hat gerade angek�ndigt, dass er keine �nderung der Gesch�ftsordnung will. Die Gr�nen haben das begr��t.

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Und sonst: Die Zeit besch�ftigt sich in einem sehr guten Artikel ("Der Spieler") mit der Gef�hlslage des Kanzlers am Tag nach der Wahl (Besuch im Kanzleramt) und der SPD und erkl�rt die Motive f�r die Vorf�lle der letzten Tage. O-Ton Schr�der zu seinem TV-Auftritt: "War nicht gut, ich wei�."

2005-09-21

Jamaika-Schwampel, Ampel oder Gro�e Koalition?

--- Eines hat der f�r die gro�en Parteien wenig glorreiche Wahlausgang auf jeden Fall mit sich gebracht: einen neuen Reichtum der deutschen Sprache. Die ist jetzt n�mlich erg�nzt um so sch�ne Begriffe wie Jamaika-Koalition, Schwampel (was beides synonym gebraucht wird) oder sonstige "Ampeleien" (wobei sich die Menschheit noch uneins ist, ob FDP-Chef Westerwelle bewusst diesen Begriff in den Mund nahm oder doch einfach nur "Hampeleien" mit der SPD ablehnte. Letztere sind ihm ja nicht ganz unbekannt). Auch sonst ist Bewegung gekommen in die verkrustete Parteienlandschaft, was wirklich nicht schaden kann. Nun bem�ht sich erst mal fast jeder um jeden, ist doch sch�n so. Wobei dem Spindoktor schleierhaft ist, wie etwa die Gr�nen gemeinsam mit der Union eine Linie etwa bei der Inneren Sicherheit oder beim Thema B�rgerrechte finden sollten -- das w�re doch mit der FDP allein schon schwer geworden. Da w�ren die Gemeinsamkeiten bei Schwarz-Rot schon deutlich gr��er. Insgesamt d�rfen wir gespannt sein auf die neuen Farbenspiele, denn das einzige, was nach dem Sonntag klar ist, ist nun einmal, dass die W�hler weder ein einfaches Weiter so f�r Rot-Gr�n noch eine schwarz-gelbe Republik unter Merkel wollen. Mehr Einfallsreichtum bei der Koalitionsbildung also und mehr Macht f�r die Kleinen! Gerade in Zeiten, wo die Langweiler anscheinend wieder die Oberhand gewinnen.

Und sonst: Deutschland nix Mediendemokratie: Der Souver�n l�sst sich nicht zutexten.

Einblicke in die liberale Version des Drudge-Reports: Wired News interviewt Arianna Huffington, Gr�nderin der Huffington Post. Nat�rlich gehts da vor allem um das Thema Massenmedien und Weblogs.

Mitte-Rechts-Blogger haben in den USA die inzwischen auch von den Massenmedien aufgegriffene Kampagne "Porkbusters" ausgerufen. Mitstreiter sollen dabei auf vermeidbare Verschwendungen von Steuergeldern in ihren Verwaltungen hinweisen.

Telepolis begutachtet Medienblogs (insbesondere der Massenmedien): Schwer ist leicht was. Wenn Journalisten auch noch bloggen m�ssen�

Mark Comerford, Mitentwickler des Netzeitung-Pioniers Aftonbladet.se, h�lt nicht sonderlich viel von Blogs und findet die Debatte �ber bloggende Journalisten und journalistische Blogger langweilig: Ein Weblog ist f�r ihn nichts weiter als "just a content management system."

Neue (undurchsichtige) Werbeeinnahmem�glichkeiten f�r Blogger in den USA: die Blogvertorials kommen.

Neue US-Milit�r- und Geheimdienstaff�re? Das Projekt "Able Danger" zieht jedenfalls langsam weitere Kreise: Pentagon blockiert Anh�rung �ber Able Danger. Eine Geheimdienstgruppe soll Atta bereits Anfang 2000 als Terroristen identifiziert haben.

Rita, der n�chste und bereits mit Katrina an St�rke konkurrierende Hurrikan, macht den Texanern und deren Oberh�uptling Bush zu schaffen.

Bei den Demokraten w�chst der Widerstand gegen Bushs Wunschkandidaten JR (John Roberts) f�r den Chefposten beim US Supreme Court.

Irak-Krieg f�r die Katz: Beweis f�r Terrortraining im Irak. UN-Bericht �ber unabh�ngige Gruppen der al-Qaida - Rekruten aus der ganzen Welt. Siehe dazu auch: Uno warnt vor "dritter Terroristengeneration". Die Terrorgruppe al-Kaida hat nach Erkenntnissen der Uno inzwischen eine "dritte Generation" von neuen Anh�ngern auf der ganzen Welt gefunden. Diese Generation sei ge�bt im H�userkampf und in der Organisation von Selbstmordanschl�gen.

Die Iraker werden derweil von allen Seiten mit zweifelhaften Versprechungen und Behauptungen umworben: Iraqis Being Bombarded With Propaganda. ... The most recent broadside showed up in al-Mutammar, a secular daily newspaper, as an anonymous paid advertisement denouncing al-Qaida in Iraq as "followers of the devil."

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2005-09-20

Chronistenpflicht: Schr�ders Medienschelte

--- Am Wahlabend war Gerhard Schr�der so erfreut �ber das Wahlergebnis, dass er es nicht lassen konnte, zum Rundumschlag gegen die Medien auszuholen. Von "Medienmacht und Medienmanipulation" sprach er im Willy-Brandt-Haus und legte sp�ter in der Elefantenrunde von ARD und ZDF noch einmal kr�ftig nach. Wir dokumentieren den Dialog zwischen Moderator Brender und Schr�der:
"Brender: Herr Bundeskanzler, . . .
Schr�der: Wie Sie mich schon ansprechen.
B: Sind Sie jetzt schon zur�ckgetreten?
S: Nein, �berhaupt nicht.
B: Also noch einmal, Herr Bundeskanzler, das sind Sie ja noch . . .
S: . . . und das bleibe ich auch, auch wenn Sie dagegen arbeiten . . .
B: Ob wir dagegen arbeiten? Sie haben von Medienmacht und Medienkampagne geredet. Ich weise darauf hin, dass ARD und ZDF sich da nichts vorzuwerfen haben. Nicht alles, was Ihnen nicht passt, ist Medienkampagne.
S: Der eine sieht es so, der andere sieht es so, Herr Brender.
B: Nicht alles, was Ihnen nicht passt, ist Medienkampagne. Meine Frage an Sie ist: Sie wollten st�rkste Partei werden. Sie haben das nicht erreicht. Sie haben das drittschlechteste Ergebnis einer Sozialdemokratischen Partei in dieser Republik erreicht.
S: Das ist doch das, was ich meine . . .
B: Ist es nicht erlaubt zu fragen, ob Sie auch verloren haben?
S: Aber nat�rlich haben wir verloren. Das ist doch gar keine Frage. Aber verglichen mit dem, was in dieser Republik geschrieben und gesendet worden ist, gibt es doch einen eindeutigen Verlierer, und das ist nun wirklich Frau Merkel, und das sollten auch Sie einmal zur Kenntnis nehmen. Das ist doch so. Und deswegen sage ich . . .
B: Herr Schr�der, vielleicht haben Sie nicht zugeh�rt, mein Kollege hat Frau Merkel eben dorthin gef�hrt, da� sie verloren hat.
S: Darf ich denn auch einmal reden, oder wollen Sie mich st�ndig unterbrechen? Wir haben verloren, das ist doch gar keine Frage, und das schmerzt mich. Aber verglichen mit dem, von wo wir kamen, von 24 Prozent n�mlich. Verglichen mit dem, was wir erleben mussten in den letzten Wochen und Monaten, bin ich wirklich stolz auf meine Partei, auf die Menschen, die mich unterst�tzt haben, die uns gew�hlt haben und die uns ein Ergebnis beschert haben, das eindeutig ist. Jedenfalls so eindeutig, dass niemand au�er mir in der Lage ist, eine stabile Regierung zu stellen. Niemand, au�er mir!
B: Herr Bundeskanzler, Sie kamen von 38,5 Prozent im Jahre 2002. Also haben Sie reichlich verloren. Sie haben nicht so viel gewonnen, wie Sie jetzt sagen.
S: Aber schauen Sie einmal. In Ihren Sendungen ist gesagt worden, Frau Merkel ist bei 49 Prozent, bei 45 Prozent, bei 43 Prozent, und jetzt ist sie bei knapp 35 Prozent oder etwas mehr.
B: Die Messungen waren zu der Zeit immer korrekt.
S: Ich wei� nicht, ob sie korrekt waren. Ich finde, da� Sie einmal einsehen m�ssen . . .
B: In unseren Sendungen ist das nachvollzogen worden, was in den Meinungsumfragen aller Institute geschrieben worden ist. Das ist nicht nur in unseren Sendungen gesendet worden, sondern in allen Zeitungen erschienen. Ich wei� ja nicht, welche Zeitungen Sie lesen. Wir m�ssen uns da nichts vorwerfen lassen. Ich m�chte Ihnen aber bitte noch eine Frage stellen: Wenn wir noch einmal die Begr�ndung im Bundestag, die Sie zur Aufl�sung, zur Neuwahl gegeben haben . . .
S: Wollen wir den Wahlkampf fortsetzen, oder was?
B: Wenn wir uns noch einmal die Begr�ndung im Bundestag anschauen, die Sie zur Neuwahl gegeben haben, und das Ergebnis heute sehen, ist diese Begr�ndung eingeholt worden, n�mlich die Grundlage f�r eine stabile Regierung fehlt.
S: Ich finde schon. Ich finde schon, da� meine Entscheidung sehr kompliziert war, und wie ich fand, auch mutig; zu sagen: Ich m�chte f�r eine Politik, die in Wahlk�mpfen diskutiert worden ist, in den L�ndern eine Legitimation durch das Volk. Und wissen Sie, was mich besonders freut, wenn ich das noch kurz sagen darf, dass die Menschen in Deutschland sich ihr Recht herausgenommen haben, so zu entscheiden, wie sie wollen, und nicht so zu entscheiden, wie die Medienmacher meinten, sie sollen entscheiden.
B: Mit acht Prozent und 34,2 Prozent kann man zumindest nicht der starke F�hrer einer neuen Regierung sein.
S: Aber Entschuldigung, nat�rlich kann ich das. "

Spindoktoren: Gleichschaltung gelungen


--- Was Toni Blair und seine Spin-Doktoren in Wahl-k�mpfen vorz�glich organisieren konnten, ist jetzt auch der SPD gelungen: Die Gleichschaltung der Positionen der eigenen Mitglieder. Bereits am Wahlabend gab es erste Stimmen, die als Echo von Bundeskanzler Gerhard Schr�der und Parteichef Franz M�ntefering fungierten. Eine Vorstands- und Pr�sidiumssitzung sowie die des gesch�ftsf�hrenden Fraktionsvorstands sp�ter singen alle Mandatstr�ger der SPD das selbe Lied: Wir haben nicht verloren, wir sind die st�rkste Partei, wir stellen den Kanzler. Diese Groteske mag im ersten Moment lustig wirken, bei genauer Betrachtung indes schadet das Ganze doch erheblich der politischen Kultur in unserem Land. Da werden zum einen die Medien verpr�gelt, sie seien nicht objektiv und h�tten den Kanzler im Wahlkampf im Stich gelassen; bei den Reformen forderten sie ohnehin zu schnell zu viel und warteten nicht ab, bis Reformen wirken. Da ist auf der anderen Seite die SPD, die Vollgas gibt nach der Wahl, die die relative Siegerin Merkel unter Druck setzt, montags schon Briefe an die Parteien schickt mit dem Angebot f�r Sondierungsgespr�che, dass die anderen Parteien nat�rlich ablehnen, was der SPD bewusst ist, um sie dann gen�sslich in die Ecke der vaterlands- und verantwortungslosen Gesellen zu stellen. Dabei ist es die SPD, die letztlich Verantwortung ablehnt. Bildet man so verantwortungsvoll eine neue Regierung oder ist es doch so, dass diese Partei auf Biegen und Brechen an der Macht klebt, um nicht am Ende auf der Oppositionsbank zu landen, eingeklemmt von Gr�nen-Opositionsf�hrer Joseph Fischer auf der rechten und Gregor Gysi und Oskar Lafontaine (Linke.PDS) auf der linken Seite? Der Rethoriker muss in der SPD noch gefunden werden, der sich aus dieser illustren Runde hervorhebt, damit die Partei nicht untergeht. Der SPD st�nden dann schwere Zeiten bevor. Aber soweit kommt es wahrscheinlich gar nicht. Schr�ders Ziel steht fest: Wenn er es nicht werden kann, dann wird sie es auf jeden Fall auch nicht. Dann kommen zwei andere, die die gro�e Koalition f�hren. Der geneigte Leser m�ge den Blick gen Hessen und Rheinland-Pfalz richten.

2005-09-19

Bundestagswahl: Zocken um die Macht

--- Mit diesem Wahlausgang hatten wohl weder Gerhard Schr�der noch Angela Merkel gerechnet. Anders ist nicht zu erkl�ren, was sich gestern abend in der Elefantenrunde von ARD und ZDF abspielte: Ein Bundeskanzler, der schon vor ab einige Gl�ser Wein getrunken haben soll, gerierte sich als alter und neuer Bundeskanzler, obwohl er die CDU als st�rkste Fraktion den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten wird, und eine Bundeskanzlerkandidatin, die trotz der Mehrheit der Stimmen derart verloren hat, dass ihrem Blick nur noch Tr�nen fehlten, um das Ungl�ck komplett visualisiert zu haben. Schr�der der Spindoktor: Er wei�, dass die Union intern jetzt die Personalie Merkel diskutieren wird, dass sie vor allem bei den Stammw�hlern der Union (Katholiken) verloren hat, also demontiert er flei�ig �ffentlich mit und ruft sich als Kanzler aus, um den Druck auf Merkel zu verst�rken. "Ich glaube an eine gro�e Koalition unter meiner F�hrung."
Schr�der spielte das Spiel so unversch�mt mit einem Dauergrinsen, dass es selbst Spindoktor Schmidt-Deguelle unheimlich wurde. Er sch�ttelte im Willy-Brandt-Haus des �fteren den Kopf, als er Schr�ders Attacken am Fernseher verfolgte. Diese aber hatten System beim Zocker Schr�der, auch wenn er damit reichlich Sympathie bei etlichen SPD-W�hlern verloren haben mag. Die Strategie liest sich auf Schr�ders Homepage so: "Die W�hlerinnen und W�hler in Deutschland haben entschieden: Sie haben dem von den Medien herbei geschriebenen Regierungswechsel zu Schwarz-Gelb eine klare Absage erteilt. Sie wollen Angela Merkel nicht die F�hrung unseres Landes �berlassen. Daraus ergibt sich f�r uns der Auftrag, mit den anderen Parteien �ber die Bildung einer neuen Regierung zu verhandeln."
Die neue Kommunikationsstrategie wird konsequent durchgezogen. SPD-Vorstandsmitglied Ute Vogt sagte schon nachts, die SPD sei die st�rkste Fraktion, weil die CDU ohne die CSU hinter der SPD liege. Das bekr�ftigte Wolfgang Clement heute noch einmal in der FTD, die auch feststellt: "Ab 16.30 Uhr sa�en Schr�der und seine Frau Doris gemeinsam mit den Ministern Wolfgang Clement, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Manfred Stolpe und Peter Struck sowie den L�nderchefs Klaus Wowereit und Matthias Platzeck im B�ro von M�nteferings zusammen. Dort wurde auch die Variante erdacht, CDU und CSU als zwei getrennte Parteien zu betrachten und damit die SPD zur st�rksten Partei zu erkl�ren. "
Zeit genug dazu hatten sie: Bereits das 14 Uhr-Zwischenergebnis zeigte an, dass es f�r CDU und FDP nicht reichen w�rde. Um 17.30 war dann alles klar: Schwarz-gelb war verhindert, die Partei jubelte im Willy-Brandt-Haus um 18.00 Uhr hinterher. Wen st�rt da schon, dass Rot-Gr�n verloren hat, dass die SPD fast das schlechteste Ergebnis seit Lafontaine eingefahren hat. Wenn auch Schr�der nicht recht behalten und das Kanzleramt wird r�umen m�ssen: Die Strategie wirkt zumindest als Seelenmassage, der sich in den vergangenen Wochen abzeichnende Sturz von Parteichef M�ntefering ist f�rs Erste abgewendet. Sollte es aber doch zu einer Schwarz-Gelb-Gr�n-Variante kommen, dann tritt das Erdbeben in der SPD noch auf, wenn auch etwas sp�ter - wegen des Spindoctorings.

2005-09-16

Sarkawi: Al-Qaida will den "totalen Krieg"

--- Da werden ja mal wieder Erinnerungen an den Faschismus wach, dieses Mal im Mittleren Osten:
Der jordanischst�mmige al-Qaida-Anf�hrer im Irak Abu Mussab al-Sarkawi hat in einer Tonbandaufnahme den Schiiten des Irak, der Regierung des Landes und deren Sicherheitskr�ften den "totalen Krieg" erkl�rt. Die Ank�ndigung erfolgte am Ende des blutigsten Tages in der nun mehr als zweij�hrigen Geschichte des irakischen Guerillakriegs. Selbstmordattentate, Stra�enbomben und Schie�ereien kosteten am Mittwoch landesweit mindestens 177 Menschen das Leben, rund 570 weitere wurden verletzt. Am Donnerstag ging das Blutvergie�en weiter, mit mindestens vier Bombenattentaten in Bagdad, einem weiteren Anschlag in Kirkuk, K�mpfen in Ramadi und Haditha sowie Feuergefechten, Entf�hrungen und Hinterhalten in verschiedenen Teilen des "sunnitischen Dreiecks". Die Zahl der Opfer der letzten beiden Tage stieg damit auf weit mehr als 200, wobei noch keine aktuellen Opferzahlen einer fortdauernden Regierungsoffensive im Nordwesten des Landes bekannt wurden. Der September ist bereits der m�rderischste Monat seit dem Fall Bagdads im April 2003. Im Bagdader Stadtteil Dora, wo gestern die meisten Angriffe stattfanden, fuhren irakische Polizeistreifen und US-Truppen mit Lautsprechern durch die Stra�en und forderten die Bev�lkerung auf, in ihren H�usern zu bleiben, weil sie weitere f�nf Autobomben in der N�he vermuteten. In Ramadi kamen amerikanische Truppen unter M�rserbeschu�, w�hrend Rebellen offen auf den Stra�en patrouillierten. Sarkawi bezeichnete die Angriffswelle als "Beginn der Schlacht zur Rache f�r die Sunniten von Tal Afar". Damit war die Regierungsoffensive entlang der syrischen Grenze gemeint, bei der rund 200 Terroristen get�tet wurden. Sarkawi versucht seit geraumer Zeit, mit Angriffen gegen Regierungstruppen und schiitische Zivilisten einen B�rgerkrieg auszul�sen. Insofern stellte seine gestrige Ank�ndigung keine neue Strategie dar, eher eine Intensivierung der Angriffe.
In den USA interessiert den B�rgerkrieg im Irak derweil aber kaum jemand -- wenigstens ein PR-Vorteil f�r Bush und seine gro�e Wiederaufbau-Agenda f�r New Orleans, die aber etwas sp�t kommt.

Und sonst: Wahlentscheidungshilfe gefallen nicht allen: Wahl-O-Mat macht Politiker nerv�s.

2005-09-15

Google startet Blogsuchdienst

--- Google baut seine f�hrende Position als Online-Infrastrukturdienstleister aus und bietet seit kurzem eine Suchmaschine f�r Weblogs an. Dazu dpa: "Der neue Suchdienst erm�glicht es, gezielt in Blogeintr�gen zu suchen und erfasst die Eintr�ge automatisch, wenn das Blog �ber einen sogenannten RSS- oder Atomfeed verf�gt. RSS steht f�r �Really Simple Syndication�. Mit RSS oder Atom und einer speziellen Software k�nnensich Nutzer schnell einen �berblick �ber die neuesten Nachrichten und �nderungen auf vielen Webseiten verschaffen, ohne die Seiten mit dem Browser besuchen zu m�ssen. Das macht sich jetzt auch Google zu Nutze."
Zu den Konkurrenten von Google geh�rt Technorati, die bereits Blogs listen.
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Spindoktoren l�sst eine Meldung aufhorchen, die ich vorgestern in der Neuen Z�rcher Zeitung gefunden habe. Danach hat das US-Pentagon gepr�ft, k�nftig atomare Pr�ventivschl�ge gegen die gern genannten "Schurkenstaaten" durchzuf�hren. Man stelle sich vor, wie die Spindoktoren der US-Regierung wieder einen Staat anprangern, ihn atomar verseuchen und sp�ter wieder sagen, sie h�tten leider Schulbusse mit Atomtransporten verwechselt.

2005-09-14

Chancen, Risiken + Nebenwirkungen des Netzjournalismus

--- Gerade aus der Post gefischt: Das B�chlein Online-Journalismus: Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der Internet-Kommunikation vom Netzwerk Rercherche, eine interessante Doku einer Tagung aus dem Fr�hjahr. Im Pressetext dazu hei�t es:
Weblogs, Wikis, Social Software � was passiert im Internet? Neue, einfach zu bedienende Programme erg�nzen l�ngst bekannte Technologien und erlauben eine neue Art der Kommunikation. Mit wenigen Klicks kann jeder Texte, Bilder, Videos und eigene Radiosendungen ins Netz stellen. Netzwerke spannen sich in sekundenschnelle um die Welt, praktisch jeder Internetnutzer kann zum Reporter werden. L�ngst werden Weblogger und Netzaktivisten zur Herausforderung f�r den klassischen Journalismus: Neben privaten Belanglosigkeiten findet sich gelegentlich auch qualitativ hochwertiger Journalismus im Netz. Ohne Schere im Kopf, ohne R�cksicht, oftmals subjektiv gef�rbt und oft erfrischend ehrlich. Auch die kritische Gegen�ffentlichkeit vernetzt sich und erh�lt �ber gezielte Links und Suchanfragen eine nie da gewesene Popularit�t. Eine simple Webseite mit brisanten Informationen, erstellt in wenigen Minuten, kann binnen weniger Stunden zur Bedrohung f�r etablierte Akteure wie etwa gro�e Unternehmen werden. Das ist � so Internet-Experten � der Anfang eines grundlegenden Wandels: Immer mehr Menschen gehen online, nutzen das Netz als Informationsquelle und f�r soziale Kontakte. ... "Der indirekte Einfluss der Internet-Kommunikation auf die journalistische Themenbildung �ber Suchmaschinen, Blogs und andere Kommunikationsangebote wird insgesamt untersch�tzt. Deshalb besch�ftigen wir uns mit den Chancen, aber auch mit den Risiken und Nebenwirkungen der wachsenden Internet-Kultur", sagte der Vorsitzende des Netzwerk Recherche, Dr. Thomas Leif, anl�sslich der Vorlage der Dokumentation. Diese gibt Einblick in erfolgreiche Internet-Kampagnen, die aktuelle soziologische Forschung, in die laufende technische Debatte und Abl�ufe netzinterner Kommunikation. Sie geht der Frage nach, wie sich der "klassische Journalismus" ver�ndert und welche Chancen soziale Bewegungen in der digitalen Welt haben.
Und das Beste: Der Band l�sst sich gegen Beilage des Portos in H�he von 1,50 Euro einfach bestellen bei Albrecht Ude, Lehderstra�e 53, 13086 Berlin. Und online gibt es sie nat�rlich auch als PDF (knapp 1,5 MB).

Passend zum Thema auch: Will Community Blogging Redeem Local News Sites? There are something like 1,500 local newspapers in the United States that have websites, and if you pick one at random, chances are that you'll find zero community interactivity. If you get lucky and find one with active forums, you may stumble into a cesspool of nastiness, racism, personal abuse, and wingnut politics. That's the ugly side of community interactivity, and it's a result of newspapers putting up forums but adopting a "hands off" policy. But now we're seeing a new cycle of interactivity under the banner of community blogging, with this month's launch of Austin360 Blogs, affiliated with the Austin American-Statesman, It's Your Times, affiliated with the St. Petersburg Times (which is owned by Poynter), and TheColumbiaRecord.com, affiliated with The State in Columbia, South Carolina.

Und sonst: Das Bomben im Bagdad hat einen neuen traurigen H�hepunkt erreicht: Mindestens 150 Tote bei Anschlagserie in Bagdad

Mehr Technik hilft da wohl auch wenig weiter: Hightech-Mobil soll Humvees abl�sen. Weil bereits Hunderte US-Soldaten bei Anschl�gen auf Humvees umgekommen sind, sucht die US-Armee nach sichereren Fahrzeugen. Ein jetzt vorgestelltes Konzeptauto setzt auf Hightech-Panzerung und Bordcomputer zur besseren Steuerung.

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2005-09-13

BKA: Angriff auf die Pressefreiheit

--- Man muss sich schon wundern, in welcher Scheindemokratie wir hier leben: da zitiert ein Journalist aus einem ihm zugeflatterten Papier des BKA -- und schon hat er die Beamten desselben im Haus und in der Redaktion, als ob er ein Verbrechen begangen h�tte. Journalistenverb�nde sind zurecht emp�rt:
Fahnder der Staatsanwaltschaft Potsdam durchsuchten gestern die R�ume des Politikmagazins "Cicero". Anlass war ein Artikel, in dem aus vertraulichen Akten des Bundeskriminalamts zitiert wurde. Journalistenverb�nde sprechen von einem Angriff auf die Pressefreiheit. Montagmorgen, Berliner Stra�e 89 in Potsdam: Pl�tzlich stehen ein Dutzend Vertreter von Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) im Flur der Redaktion des Politikmagazins "Cicero". Sie durchsuchen die B�ros, f�llen Kartons mit Unterlagen und bringen den Redaktionsbetrieb f�r einen halben Tag zum Erliegen. ... Chefredakteur Wolfram Weimer. ... "Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Wir werden unsere Autoren und Informanten sch�tzen." "Unser Autor", das ist in diesem Fall Bruno Schirra, Reporter f�r den Nahen und Mittleren Osten. Seit Jahren bereist der ehemalige "ZEIT"-Redakteur die Region und recherchiert unter anderem �ber die Hintergr�nde des Terrorismus. Anfang der Woche wurde auch seine Wohnung in Berlin durchsucht. Der Grund: In der April-Ausgabe von "Cicero" erschien ein Artikel von Schirra, in dem er den Aufstieg von Abu Mussab al-Sarkawi beschreibt. Sarkawi, der "Kronprinz Osama Bin Ladens", ist nach Einsch�tzung des jordanischen Geheimdienstes der "gef�hrlichste Mann der Welt". Ein Terrorist, der auch die deutschen Ermittlungsbeh�rden besch�ftigt. Schirra zitiert in seinem Bericht aus Akten des BKA, die den Vermerk "VS - nur f�r den Dienstgebrauch" tragen. Auf 125 Seiten haben die Ermittler des BKA den Werdegang des Topterroristen verfolgt. "Nach hiesiger Einsch�tzung wird Sarkawi als F�hrer eines eigenst�ndigen, autonom arbeitenden terroristischen Netzwerks gesehen", folgern sie. Interessant nur, dass die Ver�ffentlichung der Interna im April niemanden gest�rt hat. Das BKA wusste wohl, dass es gegen den Journalisten Schirra nur unter speziellen Umst�nden vorgehen kann. Wenn ein Informant vertrauliche Dokumente an eine Redaktion weitergibt, kann sie diese bedenkenlos verwenden. Brisant wird der Fall nur, wenn w�hrend dieses Vorgangs eine Straftat begangen wurde oder wenn die Ver�ffentlichung den Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik widerspricht. Von letzterem geht das BKA wohl nicht aus; nach Informationen der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" wurden weder Chefredakteur Weimer noch Autor Schirra verh�rt. Eine Anzeige war f�r die Durchsuchung ebenfalls nicht notwendig, f�r solche Aktionen reicht bereits der Beschluss eines Amtsgerichts. Die Ermittler versuchen, �ber Schirra an den Informanten aus den eigenen Reihen heranzukommen - und treten dabei die Pressefreiheit mit F��en.
Ups: grad erst gesehen, dass Daniel das auch schon gepostet hat. Aber doppelt gemoppelt h�lt ja bekanntlich besser.

Und sonst: Die CSU spamt. (Update: Der entsprechende Blog-Eintrag bei der CSU war zeitweilig nicht mehr zug�nglich, jetzt ist er aber samt seiner h�bschen Kommetare wieder erreichbar). Aber bald ist es ja vorbei mit dem Wahlkrampf, zum Gl�ck: Schlafe, mein W�hler, schlaf ein. Der exzessive TV-Wahlkampf fordert bei Protagonisten und Publikum seinen Tribut. Und erwartungsgem�� geht es bei den Umfragen wieder rauf und runter, dieses Mal muss Schr�der eher Federn lassen.

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BKA st�rmt Cicero-Redaktionsr�ume

--- Gestern haben Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes die Redaktionsr�ume des Monatsmagazins "Cicero" gest�rmt. Das berichtet der Spiegel. Der Anlass: Ein Cicero-Autor hatte einen Artikel �ber Terrorismus verfasst - allerdings schon im April - und dabei aus vertraulichen BKA-Unterlagen zitiert. "Chefredakteur Wolfram Weimer muss jetzt aufpassen, was er sagt. Wie seine Kollegen wei� er nicht genau, was der Redaktion angelastet wird - deswegen m�chte er sich nicht mit unbedachten Worten zu weit vorwagen. Eine Anzeige gegen einen "Cicero"-Mitarbeiter wurde nach seinem Wissen noch nicht gestellt. Beim BKA m�chte man sich dazu nicht �u�ern. Auch bei der Staatsanwaltschaft Potsdam war niemand f�r eine Stellungnahme zu erreichen. Nur eine Sache kann Weimer klar aussprechen: "Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Wir werden unsere Autoren und Informanten sch�tzen."
Die Wohnung des Autors, Bruno Shirra, soll bereits Anfang der Woche durchsucht worden sein. Laut Potsdamer Neueste Nachrichten werden ihm und der Chefredaktion Beihilfe zum Geheminsiverrat vorgeworfen. "Interessant nur, dass die Ver�ffentlichung der Interna im April niemanden gest�rt hat. Das BKA wusste wohl, dass es gegen den Journalisten Schirra nur unter speziellen Umst�nden vorgehen kann. Wenn ein Informant vertrauliche Dokumente an eine Redaktion weitergibt, kann sie diese bedenkenlos verwenden. Brisant wird der Fall nur, wenn w�hrend dieses Vorgangs eine Straftat begangen wurde oder wenn die Ver�ffentlichung den Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik widerspricht.Von letzterem geht das BKA wohl nicht aus; nach Informationen der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" wurden weder Chefredakteur Weimer noch Autor Schirra verh�rt. Eine Anzeige war f�r die Durchsuchung ebenfalls nicht notwendig, f�r solche Aktionen reicht bereits der Beschluss eines Amtsgerichts. Die Ermittler versuchen, �ber Schirra an den Informanten aus den eigenen Reihen heranzukommen - und treten dabei die Pressefreiheit mit F��en. "Dies ist der Versuch, Journalisten gegen ihren Willen zu Handlangern der Beh�rden zu machen", sagte Stefan Michalik, Sprecher des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger, der ddp. Dabei sei der Informantenschutz eine der wesentlichen Grundlagen f�r eine freie und unabh�ngige Presse."

2005-09-12

Warblogger Kevin Sites heuert bei Yahoo an

--- Bei CNN durfte Kevin Sites mit seinem pers�nlichen multimedialen Blog w�hrend des Irak-Kriegs nicht so ganz wie er wollte: der Sender sah in der Netzberichterstattung eine ungewollte Konkurrenz und untersagte Sites das Bloggen. Nun schl�gt der Action-Reporter mitsamt dem Internet zur�ck: Er wird vom Ende des Monats an beim Online-Portal Yahoo News aus der Hot Zone verbreiten. Die New York Times bringt einen Vorbericht:
Lloyd Braun, the former chairman of ABC's entertainment group who now oversees Yahoo's expanded media group in Santa Monica, has hired Kevin Sites, a veteran television correspondent, to produce a multimedia Web site that will report on wars around the world. ... Yahoo is building a large beachhead in Santa Monica to establish relations with Hollywood, both to buy content from others and to produce its own. One of its motivations is to tap into the rapidly growing demand for video advertising on the Internet. ... Mr. Sites, who is 42, has long been comfortable using new technology and the Internet as part of his reporting, from shooting his own video to writing blogs from places like Kosovo and Afghanistan. The use of technology, he said, allows him "to report in ways that haven't been done routinely in the network news business." Mr. Braun, for his part, said he leaped at the chance to create the Web site when Mr. Sites presented the concept to him in March. "If we execute this the right way, it is a great first step to show people how we can present content in a different kind of way than television," Mr. Braun said. "One that embraces the qualities of the Internet." Those qualities, he said, including giving users the ability to control what they see and how they see it, and also to interact and respond. ... As he travels to these places, Mr. Sites will write a 600- to 800-word dispatch each day and produce a slide show of 5 to 10 digital photographs. He will also narrate audio travelogues. There will be several forms of video - relatively unedited footage posted several times a week, and once a week, a more traditional video report, edited in the style of a network news broadcast. ... Mr. Sites plans to travel largely by himself, although he will hire translators, drivers and security guards as needed. His carefully constructed travel ensemble includes a rolling suitcase filled with lightweight clothing treated with insect repellent, a sleeping bag and a custom backpack that contains an array of gadgets that would put James Bond to shame.
Da hat sich der gute Kevin ja einiges vorgenommen. Gr��ere Aufmerksamkeit hatte Sites zuletzt im vergangenen Jahr erregt, als er die Erschie�ung eines Unschuldigen in Falludscha filmte und dazu in seinem Blog ausf�hrlich Stellung nahm. Mehr zum Thema in Spiegel und heise online.

Update: BoingBoing-Blogger Xeni Jardin kritisiert den Vorsto� des Webportals: Yahoo's latest experiment reveals that it considers war news just another form of entertainment.

Und sonst: USA setzen weiter auf den "pr�emptiven" Einsatz von Atombomben: Pentagon Revises Nuclear Strike Plan. Strategy Includes Preemptive Use Against Banned Weapons.

Bushs Firmenprotektionismus bei der Rettung New Orleans: Bush Cronies to Mop Up Katrina. Companies with ties to the Bush White House and the former head of FEMA are clinching some of the administration's first disaster relief and reconstruction contracts in the aftermath of Hurricane Katrina. At least two major corporate clients of lobbyist Joe Allbaugh, President George W. Bush's former campaign manager and a former head of the Federal Emergency Management Agency, have already been tapped to start recovery work along the battered Gulf Coast. One is Shaw Group and the other is Halliburton subsidiary Kellogg Brown and Root. Vice President Dick Cheney is a former head of Halliburton.

Al-Qaida warnt mal wieder: Europ�ische Al-Qaida-Gruppe k�ndigt weitere Anschl�ge an. Der europ�ische Arm des internationalen Terrornetzwerks Al Qaida hat am vierten Jahrestag der Terroranschl�ge vom 11. September weitere Anschl�ge angek�ndigt. Nach dem Vorbild der Selbstmordattent�ter von London w�rden Al-Qaida-Aktivisten "Rache �ben f�r unsere Br�der und Schwestern, die get�tet, eingesperrt und gefoltert wurden und deren Ehre beschmutzt wurde". ... Wenige Stunden vor Erscheinen der Botschaft im Internet war ein Video bekannt geworden, in dem ein mutma�liches Al-Qaida-Mitglied mit Angriffen auf Los Angeles und die australische Metropole Melbourne droht. "Gestern London und Madrid. Morgen Los Angeles und Melbourne, so Gott es will", sagte der Mann auf Englisch in einem elfmin�tigen Video, das der US-Fernsehsender ABC am Sonntag ausstrahlte.

Schon wieder TV-Wahlkrampfget�se, das kann doch kein Mensch mehr ertragen: Aggressive Attacken beim Wahlkampffinale. Beim TV-Streitgespr�ch haben alle Spitzenpolitiker die M�glichkeit einer Gro�en Koalition nach der Bundestagswahl ausgeschlossen. In der letzten Fernsehdiskussion vor der Abstimmung warfen sich Kanzler Gerhard Schr�der und seine Herausforderin Angela Merkel gegenseitig L�gen vor.

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FTD-Wahlempfehlung: Rot-Gr�n, (nein) danke!

--- Wie schon vor drei Jahren fr�hnt die FTD heute also wieder ihrer nicht ganz unumstrittenen Praxis zur Abgabe einer Wahlempfehlung. Gro�e �berraschungen gibt es nicht: Danke an Rot-Gr�n f�r die Bem�hungen um eine Reformagenda, lautet das Motto, aber jetzt muss die Angie mal ran:
Mit der Agenda 2010 setzte Rot-Gr�n erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik ernsthaft marktorientierte Korrekturen auf dem Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen durch. �konomische Anreizsysteme wurden verbessert. Handwerkliche Probleme bei der Umsetzung - die es auch unter der Regierung von Helmut Kohl zuhauf gab - und die rein statistischen Effekte der Hartz-IV-Reform, die zu Jahresanfang erst einmal zu einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosenzahl f�hrten, sollten davon nicht ablenken. ... Wir halten es f�r dringend notwendig, dass die begonnene Neuausrichtung der Politik entschlossen, stimmig und verl�sslich weitergef�hrt wird. Dazu geh�ren neue Strukturreformen, aber auch ein aufmerksamer Blick f�r das konjunkturelle Umfeld, damit die kurzfristigen Bremseffekte solcher Reformen den sich abzeichnenden leichten Aufschwung nicht zerst�ren. Kann eine weitere Regierung Schr�der/Fischer dies leisten? Wir trauen es ihr, trotz der genannten Verdienste, nicht mehr zu. Inhaltlich ist es Rot-Gr�n bis heute nicht gelungen, aus dem in der Not geborenen Ad-hoc-Programm - nicht weniger, aber auch nicht mehr ist die Agenda 2010 - eine Gesamtstrategie zu entwickeln. Die Regierung konnte zuletzt kaum noch erkl�ren, welche Schritte sie demn�chst aus welchen Gr�nden in Angriff nehmen w�rde. ... bleibt nur das Fazit, dass die rot-gr�ne Koalition politisch an ihrem Ende angekommen ist. Erhielte sie unerwarteterweise doch noch eine Mehrheit, so w�re dies eher ein Albtraum: Am Morgen des 19. September w�rde sich ein B�ndnis treffen, dessen Spitzenkr�fte vom Wahlkampf ausgelaugt und ohne jeden durchdachten Regierungsplan sind.
Das Ern�chternde an der ganzen Sache ist aber doch nur, dass es Schwarz-Gelb ja keineswegs besser geht. Auch hier ist eine tragf�hige "Agenda Merkel" weit und breit nicht in Sicht und Angies Kompetenzteam strotzt auch nicht �berall an der angema�ten F�higkeit. Die Wahlempfehlung wird daher auch recht d�nn bei der Begr�ndung, wieso man nun auf Schwarz-Gelb setzt (die Gro�e Koalition wird dagegen ja momentan von allen Leitartiklern herunter geschrieben und geredet):
Union und FDP haben zuletzt Konzepte vorgestellt, die eine klare, gemeinsame Grundrichtung haben. Wachstum und Besch�ftigung stehen im Mittelpunkt dieser Vorschl�ge, der begonnene Reformkurs soll entschlossen weitergetrieben werden.
Und nat�rlich der �berwachungsstaat ausgebaut, die B�rgerrechte weiter beschnitten werden. Aber das sind nat�rlich nicht so die Themen einer Wirtschchaftszeitung - und zudem hat Schily der Union an diesem Punkt ja keinen echten Profilierungsraum mehr gelassen. F�r die beiden noch gr��ten Parteien in diesem Lande kann es daher eigentlich beide nur hei�en: Zur�ck an den Start. Am interessantesten bei der FTD eigentlich auch die Erkl�rung zum Zustandekommen der Empfehlung:
Die Diskussion schwankte hin und her, mal schien die Union die besseren Argumente auf ihrer Seite zu haben, mal die FDP. Es gab ein Patt. Am Ende entschied Chefredakteur Steffen Klusmann: Dieses Mal mache die FTD ein Kreuz bei der FDP, "allerdings nur mit dem Bleistift".
Seine Wahl d�rfte dann aber wohl ung�ltig sein ;-) Update: Also, die Bleistifte gespitzt, denn auch damit darf man g�ltig sein Kreuzchen machen, sagt Markus.

Und sonst: Das Meinungsmacherblog hat hehre Ziele (In diesem Weblog geht es um die Bedeutung von Blogs, Bloggern und der Blogosph�re f�r die Unternehmenskommunikation und f�r die politische Kommunikation. Insbesondere wird gezeigt, welche Auswirkungen die neuen M�glichkeiten der Online-Kommunikation auf die Meinungsbildung haben.) und will ein Buch ("Die neuen Meinungsmacher") verkaufen. Das Inhaltsverzeichnis sieht auf den ersten Blick vern�nftig aus, angesichts der Blogroll scheinen sich die Autoren aber nicht sonderlich tief in die Blogosph�re vorgetastet zu haben.

Passend dazu: Heute startet die zweite Welle der Internet-Umfrage "Internet im Wahlkampf 2005". Ziel der Studie der Uni Bamberg ist es, die Ver�nderungen in Akzeptanz und Nutzung von Polit-Blogs und anderen politischen Internetangeboten durch den laufenden Wahlkampf zu untersuchen.

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2005-09-11

9/11 und Katrina

--- Heute ist also der vierte Jahrestag der Anschl�ge auf New York und Washington vom 11. September 2001. Es findet sich dazu nat�rlich auch das ein oder andere St�ck dazu in den Medien. Peter B�rger etwa wirft in Telepolis auf die sich in zahlreichen Hollywood-Filmen schon vorab abgespielte Katastrophe. Einen Ausblick auf k�nftig denkbare ferngesteuerte Terroranschl�ge liefert Florian R�tzer dazu. Update: Und inzwischen reflektiert da auch noch Goedart Palm �bers Terror-Business as usual. Die Welt am Sonntag bringt derweil Beckstein und Schily zum Thema Terrorbek�mpfung auf Kuschelkurs. Die beiden sich duzenden Gesinnungsbr�der bem�hen sich redlich, noch irgendwelche Unterschiede bei den bereits erfolgten und noch ausstehenden m�glichen Einschnitte in die B�rgerrechte deutlich zu machen (es gelingt nicht so wirklich). Doch ansonsten wird der Schrecken von 9/11 allenthalben durch Katrina und die Folgen �berlagert. Die LA Times etwa kritisiert nicht nur den vom Pentagon inszenierten Gedenkmarsch Freedom Walk, sondern zieht in ihrem Editorial einen Vergleich zwischen den beiden "epochalen" Ereignissen:
IF 9/11 SHOWED HOW MUCH the world had changed, then 8/29 showed how much it hadn't. Four years ago, when terrorists crashed jets into the World Trade Center and the Pentagon, history was cleaved in half � the era before 9/11 and after. Will 8/29, the day Hurricane Katrina made landfall along the Gulf Coast, prove to be a similar demarcation line? The answer is complicated by the slow realization, with each anniversary, that 9/11 did not change the world (or America) as much as we thought. The response to Katrina, from both the government and the public, is the best illustration. Both days laid bare intractable problems, but in the case of 9/11, blame for the tragedy was clear: Terrorists had attacked America. Bound by a common enemy, Democrats and Republicans enjoyed an unusual period of civility and cooperation. No such period exists today. In part this is because the differences 9/11 glossed over are now plain; as it turns out, liberals and conservatives disagree about a lot of things, including the best way to fight a war against terrorists. In the aftermath of 8/29, unlike 9/11, the politics are more vicious because the enemy is less obvious. In other ways, 8/29 showed the government (at all levels) to be just as unprepared and incompetent � although in new and distressing ways � as it was before 9/11.
Die New York Times haut in dieselbe Kerbe und rechnet der Bush-Administration und den restlichen Regierungsverantwortlichen ihr Versagen bei der Reaktion auf die Naturkatastrophe und noch einmal im Detail vor (Breakdowns Marked Path From Hurricane to Anarchy). Zudem r�umt sie den Erinnerungen "�berlebender" breiten Raum ein. CNN hat derweil durchgesetzt, dass die Suche nach Leichen vom Fernsehen begleitet und die Bilder gesendet werden d�rfen. Die Beh�rden hatten zun�chst anderes angek�ndigt, der Nachrichtensender mit einer Klage gedroht. Die Verh�ltnisse k�nnten also kaum unterschiedlicher sein als nach dem 11. September 2001. Bushs Vorw�rtsverteidigung mit dem eigenen Vergleich zwischen 9/11 und Katrina verf�ngt da nicht mehr, seine Umfragewerte liegen im Keller.

Und sonst: Noch ein Jahrestag, und zwar der von Rathergate.

Die ARD widmete sich in Plusminus mal wieder der beim Spindoktor besonders beliebten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die momentan auch ganze Zeitungen wie die FTD mit einer Werbekampagne �berzieht.

Passend dazu auch das neue Buch von Cerstin Gammelin und G�tz Hamann: Die Strippenzieher. Manager, Minister, Medien � Wie Deutschland regiert wird. Via LobbyControl.

Update: Der unvermeidliche Br�ckers darf an diesem Tag nat�rlich auch nicht fehlen.

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Gewissensn�te vor dem Wahltermin

--- Der Trend geht klar zur Zweitverwertung auch in Blogs, daher hier Ausschnitte aus meinem aktuellen Wahlkrampf-Beitrag im Wahltagebuch:
Habe nun, ach, die Wahlprogramme der gr��eren Parteien studiert, neben dem Wahltagebuch brav auch die �berparteilichen Polit- und Wahlblogs mit den mehr oder weniger einfallsreichen Namen Wahlblog, Wahlblog05 oder lautgeben.de regelm��ig konsultiert sowie den �Kampagne 05�-Newsletter eines Politverlags und die �Presseschau Wahlthemen� der Bundeszentrale f�r politische Bildung abonniert. Mit dem Phrasinator 3.0 habe ich mich guten Mutes auf eine gro�e Koalition einzustellen versucht, auch wenn die Bild-Zeitung mir gerade klar machte, dass sich dieses immer heftiger umhergeisternde Schlagwort nur mit �Ganz gro�er Blockade� �bersetzen l�sst. Die �Welt� stie� ins gleiche Horn und verdeutlichte schon lautmalerisch, dass wohl wenig von einer �Groalition� zu erwarten w�re. Und doch komme ich in der Endphase vor dem erneuten �Richtungs- und Schicksalswahltag� nicht nur wegen der Juli-Temperaturen ins Schwitzen und sp�re die Crux mit dem Kreuzchen immer schwerer auf mir lasten. Zumal die Briefwahlunterlagen schon vor mir liegen. Sollte ich etwa zu den 30 Prozent der Unentschlossenen z�hlen, die Wahlforscher ausgemacht haben? Zum x-ten Male werfe ich den Wahl-O-Mat an und wechsle dann unbefriedigt mit dem immer gleichen Ergebnis hin�ber zur noch taufrischen Kandidaten-Empfehlungsmaschine �Wen W�hlen?� � aber dort haben bislang erst zwei m�gliche Volksvertreter meines Wahlkreises ihr Profil ausgef�llt und ihre mir letztlich bekannt vorkommenden Wahlversprechen zu Protokoll gegeben. M�ssen doch die W�rfel fallen? Oder muss ich mir gar Argumente zurechtlegen, um ins Lager der Nichtw�hler �berwechseln zu d�rfen? ... Da steh ich nun, ich armer Tor � Bleibt nur noch eins: Heute Abend wird die ultimative Priorit�tenliste gemacht, was mir am wichtigsten ist. Dann wird die pers�nliche Bilanz gezogen von sieben Jahren Rot-Gr�n und der schon etwas verschwommen Kohl-�ra zuvor. Von den Versprechungen in den Wahlprogrammen werden 98 Prozent abgezogen. Mit wem sich dann noch die gr��ten Gemeinsamkeiten ergeben, der kriegt meine Stimme gem�� dem Motto: �das kleinere �bel w�hlen�. Umschlag zu � und alles wird besser. Danach verh�nge ich mir eine einw�chige Nachrichtensperre. Denn man kennt das ja: just nach dem Kauf eines Investitionsgutes findet man bei der weiteren Suche ein noch viel vorteilhafteres Angebot. Und meine pers�nliche Agenda 2030 heb ich mir auf bis in vier Jahren (oder mal wieder eher?), damit die Entscheidung dann einfacher wird. Notfalls muss die dann herhalten f�r: Warum-ich-jetzt-wirklich-nicht-mehr-waehle.de.
Interessant auch ein Kommentar dazu: Brauchen wir mal alle Ruhe? Ruhe zum Nachdenken, zum Luftholen-ja auch zum diskutieren? ... Ein Bekannter sagte k�rzlich zu mir: Ich komme mir so alleine vor, weil ich mir Gedanken mache. Gedanken �ber den Zustand unserer Gesellschaft.Einsam sein, weil man sich Gedanken macht. Traurige Realit�t in Deutschland.

2005-09-09

Powell: UN-M�rchenstunde ist ein Schandfleck

--- Colin Powell hatte die Nase ja sichtlich schon l�nger voll vom Spin der Bush-Regierung rund um den Irak-Krieg. Jetzt hat der Ex-US-Au�enminister erstmals seine L�gen- und M�rchenstunde vor dem UN-Sicherheitsrat im Februar 2003 kurz vor Kriegsbeginn �ffentlich bereut und in einem ABC-Interview als "Schandfleck" in seinem Lebenslauf bezeichnet:
It was Powell who told the United Nations and the world that Saddam Hussein had weapons of mass destruction and posed an imminent threat. He told Walters that he feels "terrible" about the claims he made in that now-infamous address � assertions that later proved to be false. When asked if he feels it has tarnished his reputation, he said, "Of course it will. It's a blot. I'm the one who presented it on behalf of the United States to the world, and [it] will always be a part of my record. It was painful. It's painful now." He doesn't blame former CIA Director George Tenet for the misleading information he says he pored over for days before delivering his speech; he faults the intelligence system. "George Tenet did not sit there for five days with me misleading me. He believed what he was giving to me was accurate. � The intelligence system did not work well," he said. Nonetheless, Powell said, some lower-level personnel in the intelligence community failed him and the country. "There were some people in the intelligence community who knew at that time that some of these sources were not good, and shouldn't be relied upon, and they didn't speak up. That devastated me," he said.
Und es sollen angeblich noch mehr Neocon-M�de das Licht der �ffentlichkeit suchen, was Bush in Zeiten von Katrinagate nicht gelegen kommen d�rfte:
Powells Fernseh-Bekenntnis ist m�glicherweise nicht die einzige pers�nliche Nachbetrachtung. Es gehen in Washington Ger�chte um, auch der im Juli 2004 gescha�te Tenet werde bald �ffentlich zu den auf die CIA heruntergeprasselten Vorw�rfen schlampiger Arbeit Stellung beziehen. Tenet hatte in einer von Woodward publizierten Episode auf die Frage Pr�sident Bushs, ob die CIA-Informationen wasserdicht seien, mit dem Satz aus der Basketballsprache geantwortet "Der Ball ist im Sack" ("It's a slam dunk"). Er soll aber den Eindruck gewonnen haben, die CIA werde zum S�ndenbock f�r eine Politik gemacht, die nicht in der CIA, sondern im Wei�en Haus ihren Ausgang genommen habe.
A propos Katrinagate: Bush sah sich hier inzwischen gezwungen, seinen guten Freund Michael Brown (den mit dem gesponnen Lebenslauf) von seinen Aufgaben bei der Katastrophenbew�ltigung in New Orleans entbinden. Ein echtes Bauernopfer halt erst einmal. Es wird damit gerechnet, dass der Chef der Federal Emergency Management Agency (FEMA), der US-Katastrophenschutzbeh�rde, generell nicht mehr lange zu halten sein d�rfte.

Und sonst: Die gro�e Koalition -- Schreckgespinst oder Hoffnungstr�ger?

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2005-09-08

Citizen Journalism: OhmyNews als Paradebeispiel

--- Ronda Hauben besch�ftigt sich in Telepolis mit dem Paradebeispiel f�r die Einbeziehung von Citizen Journalism in Redaktionsalltag beim koreanischen Online-Magazin OhmyNews sowie mit dessen Gr�nder Oh Yeon Ho:
The first edition of OhmyNews was December 21, 1999. At the time OhmyNews had a staff of four and received twenty articles from citizen reporters. By the official launch date, February 22, 2002 at 2:22 p.m., when the incorporation papers were signed, there were 727 citizen reporters. His goal, Oh explains, was to create a media culture where "the quality of news determined whether it won or lost" not the power and prestige of the media organization that printed the article. Fortunately, Oh was embarking on an undertaking that would depend upon the nature of the Internet, which provides an online environment created to be plastic, malleable, interactive, general purpose, and which supports collaborative efforts. ... According to Oh, there are currently 75 paid staff, which includes 45 reporters. Among the reporters, 12 are editors for the submissions received from citizen reporters. Min estimates that there are currently 39,000 citizen reporters. Describing the thinking which led him to the concept of the citizen reporter, Oh writes: Every citizen is a reporter. Journalists aren't some exotic species, they're everyone who seeks to take new developments, put them into writing, and share them with others. This common truth has been trampled on in a culture where being a reporter is seen as something of a privilege to be enjoyed. Privileged reporters who come together to form massive news media wielded power over the whole process of news production, distribution, and consumption. The seriousness of the problem is that the massive media power is the final gutter of Korean capitalist society. There is a lot about those media that is dirty, and yet they have packaged themselves as clean and acted self-righteously towards the rest of society. We therefore stand up to them raising high the flag of guerrilla warfare. Our weapon is the proposition that 'Every citizen is a reporter.' We intend to achieve a'News alliance of the news guerrillas'. ... If a citizen reporter's article is used, the citizen reporter earns W2000 (W1000 = approx .80 euro), W10,000, or W20,000. Articles that appear on the main page earn W2000, those that appear at the top of one of the sections, earn W10,000, and those that appear somewhere else in the online publication earn W2,000. OhmyNews reports that when citizen reporters are asked why they submit their articles to OhmyNews even though they are paid so little, they respond that they want to contribute to creating a better world. ... Oh explains that OhmyNews has now entered its second stage. The objective of this stage is to "go beyond criticism of the existing social establishment to propose alternatives for a new society."
Wir sind gespannt.

Und sonst: Die Londoner Times warnt vor den Wirtschaftsrezepten der m�glichen neuen "eisernen Lady" Angie Merkel.

Ups, zeigt sich da langsam ein anderes Gesicht beim strahlenden Revolutionsf�hrer in der Ukraine? Ukrainische Regierung nach Korruptionsvorw�rfen aufgel�st. Der ukrainische Pr�sident Wiktor Juschtschenko hat die wegen Korruptionsvorw�rfen unter Druck geratene Regierung seines Landes entlassen. Juschtschenko beauftragte den Regionalgouverneur bereits mit der Bildung einer neuen Regierung. ... Ausgel�st wurde der Skandal von Stabschef Oleksandr Sintschenkok, der Korruptionsvorw�rfe gegen f�hrende Juschtschenko-Vertraute erhoben und sein Amt aufgegeben hatte.

Ohne Worte: 25.000 Leichens�cke f�r Louisiana.

Michael Albert, Vordenker eines "nach-kapitalistischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell" unter dem Namen Parecon, ist morgen in Berlin.

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2005-09-07

Bushs Katrinagate

--- Der PR-Spinning-Notfallplan des Wei�en Hauses rund um Katrinas Folgenbew�ltigung mithilfe symbolischer Politik geht weiter nicht auf. Nachdem sich bereits abzeichnete, dass die Schockwellen des Hurrikan in den Medien noch einige Zeit andauern werden, macht jetzt die Rede von Bushs Katrinagate die Runde. Ob das Schlagwort zun�chst in Blogs gepr�gt wurde oder von etablierterteren Nachrichtenmedien wie der BBC, wei� niemand mehr so recht zu sagen. Aber auf jeden Fall wird allenthalben der neue "Biss" der US-Medien gelobt, w�hrend gleichzeitig Katrinagate in Deutschland verst�rkt auftaucht, etwa online direkt oder indirekt auch in der Offline-Ausgabe der S�ddeutschen:
Nicht nur die Reaktion Washingtons auf Hurrikan "Katrina" war langsam, sondern auch die der Medien. Nun aber gehen sie angesichts der schleppenden Katastrophenhilfe mit der US-Regierung so scharf ins Gericht wie nie zuvor. Die ersten US-Medien sprechen gar von Katrinagate, der gr��ten Herausforderung f�r das gesamte politische Establishment seit der Watergate-Aff�re in den siebziger Jahren um Richard Nixon. War die Washingtoner Reaktion auf Katrina langsam, so auch die der Medien. Bis Freitag hatten die Reporter vor Ort selbst gro�e M�he, das Ausma� des Elends, des Todes zu erfassen. Fassungslos, erst langsam begreifend, stolperten vor allem die Fernsehreporter durch die ersten Stunden der Berichterstattung. Dann kamen die Emotionen. Eine CNN-Reporterin brach in Tr�nen aus, konnte nur m�hsam sprechen, als sie �ber die nach Hilfe schreienden Menschen auf den D�chern in Louisiana berichtete. Dann rollte die Welle der Washingtoner Beh�rdenvertreter an und damit der Pressekonferenzen, auf denen der eine Politiker dem anderen dankte - f�r den gro�artigen unerm�dlichen Einsatz. Und damit kam die Wut. Dies ist nicht Irak, dies ist nicht Somalia, dies ist unsere Heimat, rief ein NBC-Fernsehreporter aus. Ein normalerweise stoisch-ruhiger ABC-Moderator, Ted Koppel, f�hrt den Chef der Washingtoner Beh�rde f�r Katastrophenschutz, Michael Brown, in einem Interview direkt an, weil dieser keine Angaben �ber die Zahl der Fl�chtlinge im Convention Center in New Orleans machen kann. 'Schaut ihr Leute euch denn kein Fernsehen an' wettert der Fernsehveteran. 'H�rt ihr Leute denn niemals Radio' Unsere Reporter haben dar�ber (die Fl�chtlinge) schon l�nger als heute berichtet. Eine CNN-Vertreterin geht ebenfalls mit Brown direkt ins Gericht. �Wie ist es m�glich, dass wir bessere Informationen habt als ihr? Warum wird keine Verpflegung abgeworfen. In Banda Aceh, in Indonesien, haben sie das zwei Tage nach dem Tsunami getan.' Da selbst der regierungsfreundliche Sender Fox News erste Zeichen von Abtr�nnigkeit zeigt, d�rften bei Bush inzwischen alle Alarmglocken schrillen.
Der von einem Zustimmungstief geplagte US-Pr�sident hat derweil die Einsetzung einer Untersuchungskommission begr��t -- aber nat�rlich sp�ter -- in der Hoffnung, dass die Medienflutwelle doch schnell abebbt.

Und sonst: Die S�ddeutsche schimpft �ber die Unehrlichkeit Angies, w�hrend sich die Kandidatin und er Amtsverteidiger im Bundestag heute noch mal beide L�genvorw�rfe um die Ohren gehauen haben. Schr�der profitiert derweil erst mal noch vom TV-Duell, wie lang aber wohl?

Gro�er Reibach f�r B�rgerjournalisten? Steve Outing fordert jedenfalls eine Bezahlung f�r die Dienste von Laienjournalisten, um dem Citizen Journalism zu einer echten Bl�te zu verhelfen. Weit sind vergleichbare Pay-Modelle im Netz ja aber noch kaum irgendwo gekommen. Und passend dazu hat die Washington Post auch noch mal einen Artikel zu Katrina-Bloggern und der dank ihnen geleisteten Nachbarschaftshilfe. Update: Mehr zum Thema Katrina, Bush und die Medien inzwischen bei PressThink.

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Spindoktoren im Rampenlicht

--- Die Spindoktoren dieser Republik geraten entgegen ihrer Intention als Undercaover Imagegestalter und Medienfl�sterer wieder ins Rampenlicht. Die Zeit beschw�rt das Ende der Spezies. "Sichtbarer Ausdruck daf�r ist das Verschwinden zweier Herren: Wo sind Matthias Machnig und Michael Spreng abgeblieben, einst Vorsteher der �Kampa� der SPD und der �Arena 02� der CDU? Im Finale 2005 stehen sie nur noch am Spielfeldrand, auf einem Privatsender kommentieren sie den Kampf ums Kanzleramt wie die Opas in der Muppet Show." Nun, Machnig wurde in der Tat nicht mehr gewollt von Parteichef M�nterfering, was den Parteisoldaten Machnig besonders schmerzt. Nicht zu vergessen ist, dass Spreng nicht der einzige ist, der die Union ber�t. Da ist auch noch etwa Hans-Hermann Tietje, Ex-Bild-Chefredakteur wie Spreng und heute bei WMP t�tig. Er ist parteipolitisch schmerzlos und gibt allen Rat - auch Oskar Lafontaine. Die Zeit aber schreibt: "Nat�rlich besch�ftigen alle Parteien von CDU bis Linkspartei weiterhin Werbeagenturen, Plakatekleber und Kosmetikratgeber. Doch mit dem Abgang der Machnigs und Sprengs wurden bezahlte Helfer von den H�hen des Feldherrenh�gels wieder zum Fu�volk herabgestuft. Mit dem Ende der Berater, die bestimmen wollten, hat sich ein politisches Ph�nomen der neunziger Jahre erledigt: der Glaube an Wahlsiege durch Outsourcing."
Derweil verk�ndet die Agentur AP, dass sich Hans Eichel von seinem Spindoktor Klaus-Peter Schmidt-Deguelle getrennt hat. Der Minister verl�ngere den Vertrag nicht mehr, "weil es nichts mehr bringe", hei�t es in der Meldung.

2005-09-03

Katrina-Folgen: Michael Moore und Fox gegen Bush

--- Die vom Hurrikan Katrina angerichtete Katastrophe in und um New Orleans f�hrt seltsame Bettgenossen zusammen. So sind sich Michael Moore und Fox News ausnahmsweise einmal einig, dass die Bush-Regierung in ihrer Antwort auf das Elend der betroffenen Menschen absolut versagt und trotz erster Hilfskonvois die Hilfe nicht ankommt. Moore, der in letzter Zeit wenig von sich h�ren lie�, wendet sich in einem Offenen Brief an George W.:
Any idea where all our helicopters are? It's Day 5 of Hurricane Katrina and thousands remain stranded in New Orleans and need to be airlifted. Where on earth could you have misplaced all our military choppers? ... Also, any idea where all our national guard soldiers are? We could really use them right now for the type of thing they signed up to do like helping with national disasters. How come they weren't there to begin with? ... I especially like how, the day after the hurricane, instead of flying to Louisiana, you flew to San Diego to party with your business peeps. Don't let people criticize you for this -- after all, the hurricane was over and what the heck could you do, put your finger in the dike? And don't listen to those who, in the coming days, will reveal how you specifically reduced the Army Corps of Engineers' budget for New Orleans this summer for the third year in a row. You just tell them that even if you hadn't cut the money to fix those levees, there weren't going to be any Army engineers to fix them anyway because you had a much more important construction job for them -- BUILDING DEMOCRACY IN IRAQ! On Day 3, when you finally left your vacation home, I have to say I was moved by how you had your Air Force One pilot descend from the clouds as you flew over New Orleans so you could catch a quick look of the disaster. Hey, I know you couldn't stop and grab a bullhorn and stand on some rubble and act like a commander in chief. Been there done that. ... Even those pesky scientists who predicted this would happen because the water in the Gulf of Mexico is getting hotter and hotter making a storm like this inevitable. Ignore them and all their global warming Chicken Littles. There is nothing unusual about a hurricane that was so wide it would be like having one F-4 tornado that stretched from New York to Cleveland. No, Mr. Bush, you just stay the course. It's not your fault that 30 percent of New Orleans lives in poverty or that tens of thousands had no transportation to get out of town. C'mon, they're black! I mean, it's not like this happened to Kennebunkport. Can you imagine leaving white people on their roofs for five days? Don't make me laugh! Race has nothing -- NOTHING -- to do with this!
Mit anderen Mitteln, aber im fast gleichen Tenor schie�t sich der sonst so treue Bush-Vasall Fox News made by Murdoch nun auch gegen Washington ein. In einem herzerweichenden Beitrag (umfangreichere Videodatei) halten zumindest Reporter vor Ort Babys in die Kamera, zeigen sich sprachlos �ber die versperrten Fluchtwege in die Nachbarstaaten und die hygienischen Verh�ltnisse etwa am Convention Center in New Orleans und wissen keine Antwort auf die unterbleibende bzw. die Obdachlosen nicht erreichende Hilfe. Mehr zum Thema auch bei Under Radar.

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Katrina, die Blogger und das Netz als Hilfswerkzeug

--- In der Berichterstattung �ber die von Katrina angerichtete Katastrophe im S�dosten der USA wird verst�rkt auch auf das Internet als Informations- und Hilfsmittel etwa zur Suche nach Vermissten und Koordination von Wohnungsangeboten hingewiesen. Einen Bericht �ber die New-Orleans-Blogger und -Foren etwa findet sich in Spiegel Online:
"Online Journalism Review" sammelt die Links zur Berichterstattung, und nat�rlich w�chst nun auch die Zahl der Blogs, die eben das auch versuchen. Die Stadt selbst und ihre Umgebung mag weitgehend "tot" sein, doch rundherum und rund ums Thema New Orleans entsteht eine Informationsnetz, wie es dichter gewebt kaum sein k�nnte. Und auch, wenn das Internet als Kommunikationsmittel aus dem betroffenen Gebiet nicht minder versagt haben mag als alle anderen Medien auch, erwies es sich letztlich als �berlegen. Denn wo der Leser, H�rer oder Zuschauer vor der Flut unfassbarer Nachrichten, die die klassischen Medien verbreiten, nur noch verstummen kann, verleiht das Web allen Betroffenen und Interessierten eine Stimme. Und im schlimmsten Fall sorgt das Web sogar daf�r, dass die Medien selbst nicht verstummen. Nichts zeigt das so deutlich wie die Webseite der "New Orleans Times-Picayune", die auch den Kontaktforen f�r die "St. Tammany Parish" und viele andere als publizistisches Dach dient: Online berichtet die Lokalzeitung weiter, obwohl es sie "auf Papier" nat�rlich nicht mehr gibt. Die Druckmaschinen, die Produktions- und Redaktionsr�ume sind f�r das Redaktionsteam unerreichbar. Online aber macht die "Nola" weiter. "Thank God", res�mierte die "Washington Post", "for the Internet." Aus der Not geboren wagt die "Nola" hier ein Medien-Experiment, das weit �ber alles hinausgeht, was etablierte Medien in Sachen Blogs und Foren bisher wagten. Seit dem Donnerstag wird augenf�llig, dass das Forum der "New Orleans Times" sich zu einer Art kollektivem Blog entwickelt, aus dem einerseits exklusive, aller Wahrscheinlichkeit nach authentische Vor-Ort-Eindr�cke in die mediale Berichterstattung einflie�en, w�hrend es zugleich kommunikative Schnittstelle im Chaos ist. So wird die "Nola"-Seite vielleicht zum ersten glaubw�rdigen, von einem professionellen Medienhaus betriebenen "Weblog". "Wir sitzen hier auf dem Dach unseres Hauses, " schreibt da einer am Donnerstag, "und trauen uns nicht herunter. In den Stra�en sind Bewaffnete unterwegs. Wenn das hier jemand liest, bitte sagt der Polizei Bescheid, dass die jemanden vorbeischicken. Wir brauchen Hilfe!" Live erlebt man im Forum, wie die Geschichte von Katastrophe, Solidarit�t im Elend, von Gleich- und Heldenmut abkippt ins post-apokalyptische Chaos-Szenario von New Orleans, wie es sich am heutigen Freitag darstellt: mit bewaffneten Gangs, Schie�ereien, Pl�nderungen, Kriegsrecht und dem Schie�befehl an die Polizei, die die Situation nicht unter Kontrolle bekommen kann.
Als wichtiges Hilfsmitteln hat sich etwa auch die Community Craigslist herauskristallisiert. Poynter Online verweist zudem auf Blogger, die auf die "vergessenen Gebiete" au�erhalb der Mississippi-Metropole aufmerksam machen. Und Wired News interviewt den Macher von Scipionus.com, einem auf Google Maps aufbauenden, selbst editierbaren Infoseite zu den Befindlichkeiten und Stra�enzerst�rungen im Katastrophengebiet. Dort auch interessant die Hintergr�nde, wieso all die seit Jahren vorhandenen Computersimulationen des Disasters letztlich doch nichts brachten. Ray Nagin, der B�rgermeister des nie sonderlich reichen New Orleans, war derweil reichlich "pissed" �ber Bush und Co. in Washington.

Update: Inzwischen auch bei Techology Review ein Bericht zu Katrina: A Defining Moment for Blogs.

Und sonst: Auch die c't kommt am Bloggerhype nicht mehr vorbei.

Heute ist der Jahrestag der Beslan-Geiselaff�re: Beslan remembers bloody end to school siege.

War Games: Der spielerische Krieg. �ber die Verwischung von virtuellem und realem Krieg durch Videospiele.

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2005-09-02

Das "Testament" der London-Bomber

--- Al Dschasira hat ein Video ver�ffentlicht, in dem einer der London-Bomber seine Beweggr�nde f�r das Attentat vom 7. Juli kund tut:
London bomber Muhammad Sadiq Khan, a 30-year-old British national from West Yorkshire, said responsibility for the attacks on European and US cities fell squarely on the shoulders of the West. He explained the West was backing governments that were carrying out crimes against humanity. "Your [the West's] democratically elected governments continue to perpetuate atrocities against my people all over the world. "Your support for them makes you directly responsible ... until we feel security, you will be our targets. Until you stop the bombing, gassing, imprisonment and torture of my people, we will not stop."
Laut Spiegel Online zeigt die Aufnahme, wie tief die Kluft zwischen den Kulturen bereits ist:
Schon der Anfang der Videoaufzeichnung dokumentiert in aller Klarheit: F�r Mohammed Sidique Khan, den 30-j�hrigen mutma�lichen Anf�hrer der Selbstmordattent�ter von London, lohnt nicht einmal mehr der Dialog mit der westlichen Gesellschaft, in der er selbst aufwuchs: "Worte richten bei euch nichts aus", sagt der junge Mann darin, auf dem Boden hockend vor einer mit Teppichen verh�ngten Wand. "Darum werde ich mit euch in einer Sprache sprechen, die ihr versteht. Unsere Worte sind tot, bis wir ihnen mit Blut Leben einhauchen." ... Zusammen mit Khans Botschaft ging al-Dschasira auch eine Videobotschaft von Aiman al-Sawahiri zu, der Nummer Zwei des Terrornetzwerks al-Qaida. Darin preist der �gypter den Anschlag von London und k�ndigt weitere Terrorakte im Westen an. Es handelt sich um das erste direkte Bekenntnis al-Qaidas zu den Londoner Bomben. ... Sadiq Khan beispielsweise war Assistenzlehrer. Doch in seiner Abschiedsbotschaft l�sst er keinen Zweifel daran, dass er sich in Wahrheit als Fremdk�rper empfand, als Feind im Feindesland: "Wir sind im Krieg", sagt er an einer Stelle, "und ich bin ein Soldat." Dass er seine Botschaft in deutlich regional gef�rbtem, britischen Akzent verliest, macht dieses Dokument einer hasserf�llten Entfremdung besonders eindringlich. ... Den "geliebten" Qaida-Chef Osama Bin Laden, dessen Stellvertreter Aiman al-Sawahiri und den Qaida-Statthalter im Irak, Abu Musab al-Sarkawi, nennt Sidique Khan ausdr�cklich, offenbar um auf Quellen seiner Inspiration hinzuweisen. Das Video liefert damit weitere Indizien daf�r, dass sich die Attent�ter von London aus eigenem Antrieb al-Qaida angeschlossen haben k�nnten und nicht unbedingt rekrutiert wurden.
Und sonst: In New Orleans ist die Lage eskaliert: Der B�rgermeister von New Orleans, Ray Nagin, steht der Situation offenbar hilflos gegen�ber. Er sandte einen �verzweifelten SOS-Ruf� aus, diesen Leuten zu helfen. Nagin hat der Bush-Regierung vorgeworfen, sich �ber das Ausmass der Katastrophe an der Golfk�ste gar nicht im Klaren zu sein. �Die haben keinen blassen Schimmer, was da unten abgeht�, sagte Nagin dem Rundfunksender WWL-AM. �Ich bin stocksauer.� Er habe Bush j�ngst gesagt, dass �wir eine unglaubliche Krise hier haben�, und dass sein �berflug mit der Pr�sidentenmaschine Air Force One der Sache nicht gerecht werde. ... Scharfe Kritik wird auch laut an den Vers�umnissen in der Vergangenheit. So sollen Mittel f�r den Hochwasserschutz massiv gek�rzt worden sein, obwohl in einem Bericht von 2001 ein Hurrikan �ber New Orleans als eines der drei wahrscheinlichsten Desaster f�r die USA bezeichnet worden war. Laut einem ehemaligen Mitarbeiter der Clinton-Administration sei das Geld f�r vorsorgliche Massnahmen aber in den Irak-Krieg geflossen. Dazu auch bei lautgeben.de: Who cares about the Flut-Opfers? Die Sache mit den Pressemitteilungen und den Mitteilungen der Presse. Eine kleine Chronologie einer publizistischen Attacke.

2005-09-01

Gr�ne Guerilla-Wahlkampfspots

--- Jacob Bilabel (Thema 1, Ex-Universal-Kommunikationschef), macht mit einer Reihe Kreativen Guerilla-Wahlkampf f�r die Gr�nen auf der Website www.xfuergruen.de. Die Spots sind auf jeden Fall deutlich lustiger, als was man sonst so in diesem Wahlkrampf sieht:
Umwelts�nden k�nnen t�dlich enden. Gerade hat sich der sorglose Entsorger einen ruhigen Platz auf einem Parkplatz an einem See gesucht, schon mal flei�ig �l abgelassen und M�ll aus seinem Wagen geworfen, als es ihn �bel erwischt. Von hinten schl�gt ihm eine mannshohe Sonnenblume die K�hlerhaube auf den Kopf, bis er leblos �ber seinem Auto h�ngt. Die Blume ist mit ihrem Einsatz sichtlich zufrieden. "Die Natur schl�gt zur�ck", lautet die unzweideutige Message des Werbespots. ... Genau diese Langeweile im gr�nen Wahlkampf wollen junge K�nstler, Werber und Filmemacher kurz vor der Wahl in etwas mehr als zwei Wochen durchbrechen. Mit sieben kurzen Spots machen Kreative wie Paul Snowden und mehrere Werbeagenturen ihre ganz eigene, etwas skurrilere Wahlwerbung f�r die Gr�nen. Diese ist ausschlie�lich im Netz unter dem Stichwort "X f�r Gr�n" zu sehen. Seit dem Mittwoch ist die Seite www.xfuergruen.de online, die Filme nach kurzer Download-Zeit zum Anschauen bereit. Ganz bewusst fehlt auf der Seite jedes offizielle Logo der Gr�nen. ... Ausgesucht wurden die Spots in einem eilig anberaumten Wettbewerb, bei dem der ehemalige Journalist und Werber Bilabel viele Agenturen ansprach und sie um ihre Ideen f�r einfallsreichere Spots bat. Am Ende steuerte auch die gr�ne Parteikasse jeweils 3000 oder 5000 Euro f�r die Realisierung der kleinen Filmchen bei - bei den meisten deckte das gerade mal die Produktionskosten. "Viele der Agenturen haben die Spots aus purer Sympathie verwirklicht", glaubt Bilabel, "da sie mit der normalen Werbung der Gr�nen nicht viel anfangen konnten".
Und sonst: Probleme mit Blog-Kommentaren in den USA: Blogger Faces Lawsuit Over Comments Posted by Readers. Traffic-Power.com sued Aaron Wall, who maintains a blog on search engine optimization � tactics companies use to get themselves to appear higher in searches at Google, Yahoo and elsewhere � alleging defamation and publication of trade secrets.

Mehr Katrina-Weblogs-Links (via Instapundit, der wegen seiner Parteinahme f�r die US-B�rgerrechtsorganisation von ganz rechten Bloggern gerade massiv aus deren Blogrolls entfernt wird, seltsame Sitten in der US-Blogosph�re).

Beim linken Instapundit-Gegenspieler, DailyKos, gibt es derweil eine Umfrage zum Thema, ob die US-Wahlen von den Republikanern "gestohlen" wurden. Mehr zum Thema im Democratic Underground und immer wieder bei Under Radar.