2005-08-30

Die "b�se Ideologie": nur ein neues Phantom?

--- Adam Curtis, der mit seiner kritischen Serie zum Anti-Terrorkrieg "The Power of Nightmares" im vergangenen Jahr f�r Aufsehen sorgte, setzt sich nun mit der Parole der britischen Regierung zum Kampf gegen die "b�se Ideologie" auseinander:
The Power of Nightmares said bluntly that this was a fantasy. The real threat came not from a network, but from individuals and groups linked only by an idea. Our energies were going into fighting a phantom enemy. We were looking for a network that didn't exist when we should have been dealing with an idea that does. The evidence we have of what lies behind the London bombings confirms that this was the real nature of the threat. It is fascinating to see how suddenly all the terror "experts" have changed their tune. For three years they told us breathlessly about a terrifying global network. Now, suddenly, it has gone away and been replaced by "an evil ideology" that inspires young, angry Muslim males in our own society. It is good that we now all agree on the nature of the threat, but there remains a danger that the "idea" will be simplified, exaggerated and distorted just as the "network" was, and that in this mood of fear the government will bring in policies that will alienate young Muslims further and drive them towards dangerous extremism. ... There are worrying signs that journalists are confusing the murderous beliefs of a genuinely destructive minority with the political ideas of a much wider movement. By lumping Islamism into a frightening, violent, anti-western movement led by the "preachers of hate", they risk exaggerating and distorting the threat yet again. The real danger is that, by suppressing Islamism, we will make its ideas more attractive to already marginalised young men. In the process we may inadvertently drive them further towards the extreme militant wings of the movement, and prove yet again the old adage that the real threat to democracy from terrorism is not the action but the reaction.
Und sonst: Jetzt d�rfen (oder m�ssen) also auch eine Handvoll Redakteure der S�ddeutschen Zeitung bloggen. Jede gestandene Zeitung braucht dieser Tage anscheinend ein Weblog. Kr�ftig angegriffen werden sie gleich mal von Don Alphonso, aber noch wird tapfer, wenn auch etwas laut, zur�ckgeschossen.

Der Krieg der Republikaner gegen die Wissenschaft: Rezension des entsprechenden Buches bei Wired News: 'Swift Boating' Science . Chris Mooney skillfully uncovers the Bush era's institutionalization of spinning, distorting and ignoring science in The Republican War on Science.

SPD noch w�hlbar? Die Stunde null der SPD. Es ist die letzte Chance: Am Mittwoch wird der Kanzler versuchen, seine Genossen mitzurei�en und neuen Kampfesmut zu wecken. Doch in der Partei glaubt kaum jemand an eine Wende - die SPD hat sich praktisch aufgegeben.

Irak vor neuen schweren Auseinandersetzungen aufgrund der neuen Verfassung: Iraq Battle Moving Toward Ballot Box. After battling over Iraq's draft constitution for months in the halls of government, Iraq's Shiites, Sunnis and Kurds prepared Monday to take their fight to the streets, mosques and airwaves ahead of a nationwide referendum on the document.

Der zensierte Krieg: The Photos Washington Doesn't Want You To See. The grim reality of Iraq rarely appears in the American press. A photo gallery reveals the war's horrible human toll.

,

36 Jahre Mediendemokratie

--- Die Zeit wirft einen Blick zur�ck auf 36 Jahre Mediendemokratie und die Verstrickungen von Medien und Politik -- von Willy Brandt bis Gerhard Schr�der. Lesenswertes St�ck, wenn auch teilweise etwas manieriert und nicht sonderlich klar auf dem Punkt:
Ohne Nostalgie: Ein beschwingendes Gef�hl von Autonomie und Hineinredenk�nnen beherrschte noch in den siebziger Jahren das Gros der jungen Journalisten. Die vierte Gewalt, das sind wir! �bersch�tzte man im �berschwang, beim �mehr Demokratie wagen� schreibend dabei zu sein, seine Freiheit, seinen Einfluss? Die Bonner Korrespondenten hockten eng mit der Politik zusammen, sehr eng. So sehr man auf der Hut sein wollte, sich nicht einbinden zu lassen � dabei sein wollte man auch. Ein Schmiergeld namens N�he �berschrieb der Journalist Peter Zudeick eine Philippika gegen diese Enge, die es schwer machte, die Rollen zwischen Politikern und Journalisten trennscharf auseinander zu halten. ...



Das Fernsehen bricht herein: Die Wechselbeziehung zwischen Journalisten und Politik am Tatort nahm sich auch zu Helmut Schmidts Zeiten noch vergleichsweise unkompliziert aus, obgleich der h�ufig �ber die �Medienbarriere� klagte und auf das unordentliche V�lkchen gern ein bisschen mehr p�dagogischen Einfluss gehabt h�tte. Laut schimpfte er dar�ber, dass das Fernsehen zu Oberfl�chlichkeit verf�hre, f�r seinen Berufsstand sei es gef�hrlich, weil es �sympathies�chtig� mache. Schmidt pr�gte das Wort vom �Staatsschauspieler�, aber darin schwang mit, dass einer, der das durchschaut, auf dem R�cken des Tigers reiten k�nne. Aus Brandts �Randfiguren� wurde allm�hlich die �Meute�, auch �Wegelagerer�. Aber noch hatte das etwas Augenblinzelndes: Klaus B�lling, Kurt Becker, R�diger von Wechmar und eine Heerschar von Mitarbeitern verwendeten unendlich viel Zeit darauf, die Politik zu erkl�ren und abzusichern, ohne dass man das Gef�hl hatte, Spin-Doktoren aufzusitzen. War das Selbstbetrug? Nein, man hatte es noch mit Handwerkern der Macht zu tun, nicht mit Public-Relation-Fachleuten, und es standen noch Trennw�nde zwischen Politikern, Journalisten, Inszenierungsprofis und Demoskopen. ... Die legend�re Performance des jungen Kanzlers Schr�der, der glaubte, mit der qualmenden Cohiba zwischen den Z�hnen oder den Lifestyle-Anz�gen ein Image zu verfestigen, von dem er dauerhaft profitiert � Pal�olithikum! Angela Merkels Wechselfrisuren und Apricotkost�mierungen wirken wie nette Zitate aus jenen Lehrjahren. Leichter hat Gerhard Schr�der sich den Umgang mit den Medien gewiss vorgestellt. Medien sind �Chefsache�! Wenn es, wie er glaubte, prim�r auf �Bild, BamS und Glotze� ankommt, dann k�mmert er sich eben pers�nlich darum. Schlie�lich, dass er �kann� mit den Medien, wei� man � und das hat er bewiesen. Nur hat sich etwas entkoppelt. Es steht Kanzlern gut an, sich in der Arena der postmodernen Mediendemokratie zu tummeln. Aber es versendet sich. Dem Raum fehlt der Resonanzboden.
Und sonst: Kaum zu glauben: Frauen in Frauendom�ne PR benachteiligt: Ladykiller "Public Relations". Selbst in einem von Frauen dominierten Beruf sind M�nner erfolgreicher.

Die FAZ portr�tiert den roten Sheriff Otto Schily und den von ihm hervorgerufenen "Klimawandel" aus konservativer Sicht (sprich: beim Aufbau des �berwachungsstaates noch zu wenig erreicht).

Auch Katrina entgeht den Hurrikan-Bloggern nat�rlich nicht, hier eine Linkliste. Noch mehr Links beim Instapundit.

Letzter Teil der Wahlkampfserie mit dem Check der Programme der gr��eren Parteien bei heise/c't aktuell, dort auch Links zur kompletten Reihe.

Befragung: Weblogs als PR-Tool.

, ,

Blogger bei SPD-Parteitag

Was Amerikaner mit ihren Convention-Bloggers vorgemacht haben, k�nnen Deutsche erst Recht: Die SPD l�dt zu ihrem au�erordentlichen Parteitag erstmals Blogger ein - alledings nur ausgew�hlte. Dazu hei�t es offiziell:
"Die SPD l�dt, als erste Partei in Deutschland, ausgew�hlte Blogger zum au�erordentlichen Parteitag nach Berlin, um ihnen die Berichterstattung auf ihren Seiten zu erm�glichen. Der SPD-Parteivorstand ist bereits zur Europawahl 2004, als erste deutsche Partei mit einem eigenen Weblog gestartet und setzt in der Kampagne zur Bundestagswahl 2005 auf die Unterst�tzung einer breiten, SPD-nahen Blogsph�re. Mit www.roteblogs.de steht daf�r eine eigene Plattform zur Verf�gung. Auch wenn die Entwicklung in Deutschland noch am Beginn steht, wollen wir dazu beitragen, dieses neue Kommunikationsinstrument weiter zu f�rdern. Folgende Autoren werden den au�erordentlichen Parteitag der SPD in ihren Blogs begleiten: Christian Hochhuth (www.wahlblog05.de), Johnny Haeusler (www.spreeblick.de), Nico Lumma (www.lumma.de), Thorsten Matolat (blog.nrwspd.de), Felix Schwenzel (www.wahlblog.de), Thomas Praus (www.roteblogs.de) Valentin Tomaschek (www.notizblogg.de/jusoshh/), Andreas Kesting (blog.websozis.de)."

Warum allerdings eine Zensur mittels gezielter Einladungen erfolgt, erschlie�t sich nicht. Platzgr�nde jedenfalls reichen als Begr�ndung nicht aus: Die SPD zelebriert sich -- wie die Linkspartei samt dem "Luxus-Linken" Lafontaine am vergangenen Wochenende -- im Berliner Estrel, dessen Saal mehrere tausend Menschen fasst.

2005-08-29

Die Macht des Wahlduells

--- Die FAZ widmet sich heute den Rededuellen und deren Wirkung und Vorbereitung in den USA. Neben der Tatsache, dass Bush-Herausforderer John Kerry 2004 trotz dreier TV-Duellsiege am Ende doch nicht Pr�sident wurde, beschreibt Matthias R�b vor allem, einen wichtigen Aspekt in punkto Pressefreiheit: "Anders als in Deutschland, wo die Redaktionen der �ffentlich-rechtlichen und der privaten Fernsehsender selbst die Regie bei den Fernsehdebatten f�hren und auch die Moderatoren bestellen, �bernimmt diese Aufgabe in den Vereinigten Staaten eine 1987 eigens gegr�ndete unabh�ngige Kommission. Diese lie� sich bei der Vorbereitung der Debatten im vergangenen Jahr nicht von den Wahlkampfst�ben der Kandidaten dazu �berreden, da� die vier Moderatoren der einzelnen Debatten - respektierte Journalisten dreier privater Sender und des �ffentlich-rechtlichen Fernsehkanals PBS - das Dokument ebenfalls unterzeichneten: Sie wollte die Kontrolle �ber das Verfahren bei den Fernsehduellen nicht an die Wahlkampfteams abtreten." Hierzulande reden die Wahlkampfteams erheblich mit, wenn es um die Gestaltung der Duelle geht. Gut zu wissen, dass deren Bedeutung in der reiz�berfluteten Mediengesellschaft nicht mehr entscheidend sind, wenn auch bei dem diesj�hrigen, extrem kurzen Wahlkampf Medien mit einer hohen und vor allem schnellen Verbreitung wichtiger sind als bei anderen Wahlk�mpfen. "Die Zweik�mpfe in Amerika, die Debatten der Spitzenkandidaten der Parteien in Deutschland im Fernsehen sind gewi� wichtig in unserer Epoche der �Mediendemokratien� - aber so wichtig nun auch wieder nicht. L�ngst n�mlich sind die Kandidaten, ihre Positionen und ihre Sentenzen, ihre Haartracht und ihre Kleidung, ihre Mimik und ihre Gestik fast schon bis zum �berdru� bekannt. So gut ist man mit Angie und mit Gerhard, mit George W. und mit John zumal aus dem Fernsehen vertraut, da� eine entscheidende Fernsehdebatte eben nichts mehr entscheidet."

2005-08-27

Pannen und Fehler bei der Terroraufkl�rung

--- Der Hamburger Innensenator und die Polizeif�hrung der Hansestadt m�ssen sich Kritik gefallen lassen an dem Gro�einsatz der letzten Tage aufgrund eines letztlich wohl fehlgeleiteten Verdachts:
Die in Hamburg unter Terrorverdacht festgenommenen Tschetschenen sind von der Polizei freigelassen worden. M�glicherweise war ein schlechter Scherz Ausl�ser f�r eine Gro�fahndung nach den drei M�nnern. Der Staatsschutz schloss nach intensiven Befragungen und Ermittlungen aus, dass von den M�nnern die Gefahr eines terroristischen Anschlags ausgeht. Das teilte das Landeskriminalamt am Samstag mit. ... Hamburgs Innensenator Udo Nagel (parteilos) h�lt es f�r m�glich, dass ein schlechter Scherz Ausl�ser f�r den Gro�einsatz gewesen sein k�nnte. M�glicherweise habe es sich bei den von einem Zeugen mitgeh�rten �u�erungen der drei Tschetschenen um "Bl�dsinn" gehandelt, sagte Nagel ... Der Nahost-Experte Peter Scholl-Latour kritisierte den Einsatz. "Die Fahndung ist grotesk. Das schlimmste im Kampf gegen den Terror ist, wenn Beh�rden hysterisch reagieren", sagte er der "Bild"-Zeitung. Die Formulierungen der Tschetschenen seien nicht eindeutig gewesen. Sie h�tten �ber alles M�gliche reden k�nnen, etwa �ber Krankheit. Die Fahnder hatten Donnerstagabend Fahndungsbilder der M�nner ver�ffentlicht, die bei verd�chtigen �u�erungen an einer Bushaltestelle belauscht worden waren. Bei dem Gespr�ch auf Arabisch soll nach Aussage des Ohrenzeugen der Satz vorgekommen sein: "Wir werden morgen als Helden vor Allah stehen."
Ein "Protokoll" der ersten Fahndungstage gibts beim Hamburger Abendblatt.

Noch deutlich Seltsameres ist dagegen von der "Aufkl�rung" der Attentate in Madrid zu vernehmen:
Es ist nicht verwunderlich, dass man in Spanien die Tageszeitung El Mundo versucht mundtot zu machen, die immer neue Details �ber die Anschl�ge in Madrid am 11. M�rz 2004 offenbart. Nun hat die Zeitung ver�ffentlicht, dass die Polizei glaubt, einer ihrer Beamten habe beim Bombenbau direkt mitgewirkt. Zudem hatten die Sicherheitskr�fte die Telefone von einem Teil der Attent�ter noch am Tag der Anschl�ge angezapft. Doch ausgerechnet am Tag nach den Anschl�gen wurde beantragt, w�hren der fieberhaften Ermittlungen, die Telefon�berwachung auszusetzen. Diese Daten stammen aus den Akten des Ermittlungsrichters, der sie unter Strafandrohung zur�ckhaben will. F�r den 12. September wurde der El Mundo Direktor vor den Nationalen Gerichtshof zitiert. ... Wieso die Polizei die Abh�rma�nahmen ausgerechnet am Tag nach den Anschl�gen einstellen wollte, gibt, neben den vielen Merkw�rdigkeiten, Raum f�r d�stere Vermutungen. Die gehen weit dar�ber hinaus, dass die damals regierende Volkspartei (PP) versuchte, der baskischen Untergrundorganisation ETA die Anschl�ge in die Schuhe zu schieben. Gegen besseres Wissen, wie das d�rftige Ergebnis der parlamentarischen Untersuchungskommission zeigte (vgl. Verbindungen zwischen den Attent�tern in London und Madrid?). Daran war vor allem die Verhinderungsstrategie der jetzt regierenden Sozialisten (PSOE) schuld. Die PSOE versucht offenbar zu verbergen, wie tief Parteimitglieder in die Anschl�ge verwickelt sind. Schlie�lich ist nicht nur einer der Geheimdienstler, der Kontakt in den Kreis der Attent�ter hatte, f�hrendes Mitglied der Partei, sondern auch einer der mutma�lichen Drahtzieher.
Schon erstaunlich, dass man in den Mainstream-Medien hierzulande so gut wie Nichts �ber derlei haarstr�ubende Ungereimtheiten liest.

Und sonst: US-Armee-F�hrung gibt neue Guidelines f�r Milblogger heraus.

Debatten �ber "Luxus-Linke" statt Wahlprogramminhalte bei der Linkspartei: Lafontaine beschw�rt "vereinigte Linke".

Ausmisten in Abu Ghraib: Irak: US-Armee l��t tausend Gefangene frei. Freigelassene haben keine schweren Verbrechen begangen und der Gewalt abgeschworen.

�bertriebene H�rte der Polizei im Einsatz gegen "Hooligans" in Berlin: Nach dem rigorosen Einsatz eines Sondereinsatzkommandos der Polizei in der Berliner Diskothek "Jeton" sind bis Freitag von 35 Betroffenen 63 Anzeigen erstattet worden.

2005-08-26

"Agenda Setting Power" aus dem Netz

--- Derzeit �berschlagen sich die Medien mal wieder mit Berichten rund um den Citizen Journalism. Die FTD hatte diese Woche etwa ein St�ck zum Thema �ffentlichkeitsarbeit: Risiko vernetzter Kunde �ber die Herausforderungen durch Weblogs f�r den Rest der Welt:
Moderne Kommunikationskan�le wie Weblogs, Email und SMS werden genutzt, um in hoher Geschwindigkeit Mehrheiten zu organisieren, Nachrichten zu verbreiten und zu diskutieren. Gut verfolgen lie� sich das bei der Organisation der Revolution in der Ukraine oder den Protesten gegen den G8-Gipfel: �ber SMS-Verteiler wurden Demonstranten informiert und erschienen pl�tzlich wie aus dem Nichts am verabredeten Ort. Forscher bezeichnen dieses Verhalten als "Schwarmintelligenz" - und schw�rmen selbst von "einer v�llig neuen Art des Denkens", wie der deutsche Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz glaubt. Auch wenn weniger optimistisch gesinnte Zeitgenossen das Ph�nomen eher in der Rubrik "Herdentrieb" einordnen - die Auswirkungen sind real. "Die Massenmedien haben ihre "Agenda Setting Power" zum Teil an die digitale Community verloren", sagt Thomas Str�tling, Gesch�ftsf�hrer bei Ahrens & Bimboese, einer Agentur f�r Kommunikationsforschung und -beratung in Berlin. Mit weit reichenden Folgen f�r die Arbeit der �ffentlichkeitsarbeiter: "Das �bliche Abschmettern mit Pressemitteilung und Gegendarstellung funktioniert in Krisensituationen nicht mehr", sagt Str�tling. Wird ein Weblog abgemahnt, steht die Geschichte in kurzer Zeit auf einer anderen Seite, und oft sind die Urheber gar nicht erst ausfindig zu machen.
Ansonsten sind iKauder und Co. mittlerweile auch bei Telepolis angekommen, wo es in einem kurzen Artikel um Podcasts als Medium politischer Kommunikation geht. Den ganzen Hype werden wir wohl noch einige Zeit �ber uns ergehen lassen m�ssen, angesch�rt etwa vom "BlogDay 2005".

Und sonst: Reaktionen auf das Wahlurteil vom Bundesverfassungsgericht und zur anbrechenden "Kanzlerdiktatur" zusammengefasst im heutigen Newsletter der Kampagne 05 und in Telepolis.

Cyberwar Revisited: Cybertroops Keep War Games Real. The Pentagon marshals thousands of computer-generated soldiers, tanks, ships and networked flight simulators to make large-scale training exercises more realistic than ever before.

Terroraufruhr in Hamburg: Fahnder nehmen drei M�nner in Gewahrsam. Bei den 21- bis 25-j�hrigen Tschetschenen handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um jene Personen, nach denen seit Donnerstag in einer Gro�fahndung gesucht worden war, wie der Leiter des Hamburger Landeskriminalamtes, Reinhard Chedor, am Freitag mitteilte. Insgesamt waren 255 Personen im Rahmen der Aktion �berpr�ft worden. Die Polizei hatte Fahndungsbilder der M�nner ver�ffentlicht, die bei verd�chtigen �u�erungen an einer Bushaltestelle belauscht worden waren. Bei dem Gespr�ch auf arabisch soll nach Aussage des Ohrenzeugen der Satz vorgekommen sein: "Wir werden morgen als Helden vor Allah stehen."

Personendossiers nie gekannter Ausma�e: Kritik an Gesetzentwurf zur Anti-Terror-Datei. Sechs Bundesl�nder haben einen Entwurf f�r eine Anti-Terror-Datei erarbeitet. Er sieht laut S�ddeutscher Zeitung eine Volltext-Datei vor und nicht die von anderen bevorzugte Index-Datei.

Glotz ist tot: Vordenker, Vielschreiber, Vielredner. So lauteten einige der nicht immer schmeichelhaften Titulierungen. Sich selbst bezeichnete Peter Glotz in den letzten Jahren h�ufig als �beschleunigten Menschen�, der sich bereit f�r die Aufgaben des �digitalen Kapitalismus� macht.

Offene Fragen zum Beslan-Jahrestag: For Russians, Wounds Linger in School Siege. A year after the siege in Beslan, there is scarcely more clarity about what happened than there was immediately after the event.

, ,

2005-08-25

Wahlkrampf geht in die hei�e Phase

--- Das Bundesverfassungsgericht hat nun also entschieden, dass der Wahlkrampf nicht mehr gestoppt wird:
Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts hat die Organklage der Bundestagsabgeordneten Hoffmann und Schulz, die sich gegen die Anordnung des Bundespr�sidenten vom 21. Juli 2005 �ber die Aufl�sung des 15. Deutschen Bundestages und �ber die Festsetzung der Wahl auf den 18. September 2005 gewandt hatten, als unbegr�ndet zur�ckgewiesen. Die angegriffenen Entscheidungen des Bundespr�sidenten seien mit dem Grundgesetz vereinbar. Ein dem Zweck des Art. 68 GG widersprechender Gebrauch der Vertrauensfrage, um zur Aufl�sung des Deutschen Bundestages und zu einer vorgezogenen Neuwahl zu gelangen, lasse sich nicht feststellen. Der Einsch�tzung des Bundeskanzlers, er k�nne bei den bestehenden Kr�fteverh�ltnissen im Deutschen Bundestag k�nftig keine vom Vertrauen der Parlamentsmehrheit getragene Politik mehr verfolgen, sei keine andere Einsch�tzung eindeutig vorzuziehen.
Keine besonders mutige Entscheidung, aber nun gilt es eben, am 18.9. trotz aller Wahlm�digkeit das Kreuzlein zu setzen. Eine Entscheidungshilfe gibt es am morgen bei heise online bzw. c't aktuell, wo der Spindoktor mitgeholfen hat, die Wahlprogramme unter speziellen Gesichtspunkten unter die Lupe zu nehmen:
Wir haben die Wahlprogramme der gr��eren Parteien nach sechs Stichpunkten untersucht und exzerpiert. Sie decken die Felder ab, in denen der Einsatz von Informationstechnologie heute die gr��ten Wirkungen entfaltet. Unter Forschung und Spitzentechnologief�rderung finden sich die Aussagen zur Forschung und besonders zur IT-Forschung, die mit dem Jahr 2006 als "Jahr der Informatik" einen eigenen Schwerpunkt hat. Unter den Verbraucherschutz fallen Aussagen zum E-Commerce, aber auch zur Einf�hrung der RFID-Technologie. Der Punkt Geistiges Eigentum ist besonders knifflig. Unter ihn f�llt das m�gliche Recht auf Privatkopie ebenso wie die Frage der Softwarepatente, die von allen Parteien auf deutscher Ebene abgelehnt, in der europ�ischen Union aber teilweise zustimmend behandelt werden. Zum Stichwort Innere Sicherheit haben wir Aussagen gesammelt, die direkt die Privatsph�re der B�rger beeinflussen. Wir analysieren, ob die Parteien etwa im Namen der Terror- oder Kriminalit�tsbek�mpfung die �berwachung der B�rger verst�rken wollen. Medien & Internet fragen danach, was neben dem allgemeinen Bekenntnis zur Wissensgesellschaft in diesem Bereich an Geboten und Verboten geplant ist. Unter Sonstiges finden sich Aussagen zu Themen, die schwer klassifiziert werden k�nnen, aber sehr wohl in den Rahmen passen, der von den anderen Kategorien abgesteckt wird.
Schr�der kann derweil aber anscheinend nicht einmal von der Flut im S�den profitieren, nachdem ihn das Hochwasser an der Elbe vor drei Jahren ja noch mit nach oben sp�lte. Denn die Bayern brauchen keine nationale Solidarit�tsfigur, haben ja auch schon ihren Stoiber. Und mit dem Ziehen der Iran-Karte hat der Kanzler auch noch nichts erreicht. Wiederholungen gefallen aber ja auch nicht, da m�ssten sich Schr�der und die SPD schon noch mal was Neues einfallen lassen auf die Schnelle. Doch M�nte ist auch schon mal symbolisch fast zu Boden geganten, schlechte Vorzeichen.

2005-08-19

Schluss mit dem Wahlkrampf!

Der Spindoktor bloggt heute eifrig im Wahltagebuch �ber Meinungsumfragen vor der Wahl, mangelnde Alternativen und nat�rlich den Papst, also eigentlich �ber Gott und die Welt:
Angela Merkel und ihre Mannen genie�en Narrenfreiheit im Sp�tsommer 2005. Unabh�ngig davon, in welche Fettn�pfchen sie treten und wie heftig sie patzen, am Wechselwillen der W�hler scheint sich wenig zu �ndern. Die Auguren sind sich jedenfalls einig: Die Debatten �ber Angies Brutto-Netto-Schwachfug, ihr g�hnend-langweiliger Ost-Wahlkampfauftakt in der Lutherstadt Wittenberg, Eddies Ost-Frustrierten-Gegr�le oder Sch�nbohms Proll-Arie haben der Union bislang keine Stimmen gekostet. Anscheinend hat Stoiber gar einen Nerv getroffen bei seiner gut beh�teten Klientel im tiefen Westen mit seinem Gepolter �ber das leider nicht mehr hinter der Mauer lebende Pack aus dem Osten. Doch selbst in der �Zone� sehen Wahlforscher die Union momentan wieder als st�rkste Kraft an. Meinungsumfragen vor Wahlen sind generell Spielverderber und nehmen die Spannung vor dem Urnengang weg. ... Fakt ist, dass keiner den von Schr�der dem Volk aufoktroyierten Wahlkrampf wirklich mag. Gleichzeitig ist die Unzufriedenheit mit Rot-Gr�n gro�, da viele Reformen und Vorhaben im Streit mit dem jeweiligen Koalitionspartner und der Opposition verw�ssert wurden und eine neue Berliner Linie nicht mehr erkennbar war. Die W�hler wollen ein neues Farbenspiel an die Macht bringen, wobei der endg�ltige Mix ihnen noch nicht eindeutig vor Augen steht. Hier gibt es noch leichten Gestaltungsspielraum, aber der Wahlkampf selbst scheint gr��tenteils gelaufen, bevor er nur richtig anfing. Das allgemeine inhaltsfreie Politikerges�lze interessiert den B�rger nicht mehr, den Versprechen auf einen echten Richtungswechsel glaubt keiner. Gro�e Visionen fehlen, werden gegenw�rtig von keiner Partei ernsthaft kommuniziert. Die einzige Hoffnung der W�hler ist, dass es doch zumindest irgendwie einen Tick anders wird in der n�chsten Legislaturperiode. Aber blo� nicht zuviel Ver�nderung! Letztlich werden also so oder so die Frustrierten die Wahl entscheiden. ... Am besten w�re es daher f�r die Parteistrategen und Politikbegeisterte, den Wahlkrampf 2005 zu boykottieren und stattdessen mit Hochdruck an Wegen zu arbeiten, um die M�glichkeiten zur Beteiligung der B�rger an der Demokratie mit Petitionen und bundesweiten Volksabstimmungen zu st�rken. ... Bis dahin bleibt dem W�hler wenig anderes �brig als das zwanghafte Treiben auf der politischen B�hne als Beitrag zum t�glichen Medien-Entertainment abzuhaken oder sich an der Unzahl an Kandidatenweblogs und deren virtuellen Unterst�tzerheerscharen g�tlich zu tun. Wenn die Blogs der Wahlk�mpfer nur nicht immer so bierernst geschrieben w�ren und uns auch einmal �ber etwas anderes als das Wetter am Strand von Wanne-Eickel aufkl�ren w�rden! F�r die iPod-Generation gibt es zum Gl�ck inzwischen zumindest die Stimmen von Generalsekret�ren gleich zum Mitnehmen, denn es m�ssen ja nicht immer nur U2 und Coldplay beim Joggen oder in der U-Bahn laufen. Das heilige Brot zu den Spielen serviert der Bischof aus Rom in diesen Tagen in K�ln noch dazu.
Das Wahltagebuch wird aktuell auch in einem Artikel �ber Wahlbogs jenseits der Parteien von Spiegel Online nicht unerw�hnt gelassen.

Und sonst: Unerwartete Wahlkampfhilfe f�r Schr�der aus England: So etwas gab es seit Jahren nicht mehr: Der "Economist", das einflussreichste Wirtschaftsmagazin der Welt, bejubelt den Standort Deutschland. Den Aufschwung vermasseln, so mahnt das Blatt, k�nnten nur noch die deutschen Politiker. Den Original-Artikel gibts nur gegen Kohle bei Economist Online.

Wahlkampf Visuell: Virtuelle Sammlung von aktuellen Wahlkampfplakaten von Politik Visuell (Anscheinend haben demnach nur die CDU und die FDP gute Plakate)

Lug und Trug rund um Menezes-Erschie�ung: Londoner Polizeichef in Erkl�rungsnot. Ian Blair soll versucht haben, eine Untersuchung der t�dlichen Sch�sse in Londoner U-Bahn zu stoppen

Bushs Verstrickung in seiner eigenen L�genwelt: Why Bush Believes His Lies Via Under Radar.

Unser geliebter Medienpapst -- ein verkappter Neokonservativer? Benedict XVI: The Neocon Pope, Dialog International. Das mit dem Filtern und der "Zensur" auf dem Weltjugendtag war zwar wohl nicht b�se Absicht, ging aber voll nach hinten los.

Neues aus der Rubrik Cititzen Journalism: "What Mainstream Misses Is Most Read" so der schlagende Vorteil des B�rger-Journalismus laut Journalismus-Prof Clyde Bentley. Eine andere US-Akademikerin verk�ndet derweil "The Rise of the Citizen Editor". Citizen Journalism in Aktion gegen Microsofts Lobbying im Berliner Abgeordnetenhaus gibts bei Netzpolitik und die Zusammenfassung bei heise online. Und auch in Chile setzen Blogger verst�rkt die politische Agenda.


, , ,

2005-08-15

Bundestagswahl - warum?!

--- In dem politischen Wahlkampf-Gepl�nkel, das sich seit Wochen in den deutschen Medien abspielt, geht ein wenig der Blick aufs Wesentliche verloren: Warum m�ssen wir eigentlich - so es das Bundesverfassungsgericht will - am 18. September w�hlen? Vermutlich der TV-Duelle wegen. Seit heute zumindest d�rfen wir uns auf ein weiteres freuen (nach Merkel-Schr�der und den Parteispitzen unter sich): Der Herr der Bierzelte, CSU-Chef und Ostdeutschland-Beschmutzer, Edmund Stoiber, will gegen den Links-Populisten und Steigb�gelhalter der PDS, Oskar Lafontaine, antreten. Nachdem Stoiber die Ostdeutschen als "Frustierte" abgekanzelt hat - die ihm aus seiner Sicht den Traum vom Job als Bundeskanzler 2002 zerst�rt haben sollen -, will er ihnen nun im Fernsehen zeigen, was f�r Thesen Lafontaine und die Linke.PDS vertreten und welche Folgen eine derartige Politik h�tte. "Ich werde Lafontaine stellen", erkl�rt er heute dazu in der Bild. "Die Antwort des Saarl�nders kam postwendend. �Mit gr��tem Vergn�gen�, so Lafontaine, nehme er die Herausforderung an." Jetzt m�ssen die beiden nur noch einen TV-Sender finden, der bereit ist, den Schlagabtausch zu senden. Aber das d�rfte in unserer Medienwelt wohl das geringste Problem sein.

2005-08-14

USA geben irakischen Traum verloren

--- Das wird die Neokonservativen aber gar nicht freuen (s. Links in der Nachrichtenschau von gestern): Wie die Washington Post schreibt, hat sich die US-Regierung weitgehend von ihrem Traum verabschiedet, den Irak zu einer westlichen Vorzeigedemokratie umzumodeln:
The Bush administration is significantly lowering expectations of what can be achieved in Iraq, recognizing that the United States will have to settle for far less progress than originally envisioned during the transition due to end in four months, according to U.S. officials in Washington and Baghdad. The United States no longer expects to see a model new democracy, a self-supporting oil industry or a society in which the majority of people are free from serious security or economic challenges, U.S. officials say. "What we expected to achieve was never realistic given the timetable or what unfolded on the ground," said a senior official involved in policy since the 2003 invasion. "We are in a process of absorbing the factors of the situation we're in and shedding the unreality that dominated at the beginning." ... The ferocious debate over a new constitution has particularly driven home the gap between the original U.S. goals and the realities after almost 28 months. ... But whatever the outcome on specific disputes, the document on which Iraq's future is to be built will require laws to be compliant with Islam. Kurds and Shiites are expecting de facto long-term political privileges. And women's rights will not be as firmly entrenched as Washington has tried to insist, U.S. officials and Iraq analysts say. "We set out to establish a democracy, but we're slowly realizing we will have some form of Islamic republic," said another U.S. official familiar with policymaking from the beginning, who like some others interviewed would speak candidly only on the condition of anonymity. "That process is being repeated all over." ... Killings of members of the Iraqi security force have tripled since January. Iraq's ministry of health estimates that bombings and other attacks have killed 4,000 civilians in Baghdad since Prime Minister Ibrahim Jafari's interim government took office April 28. Last week was the fourth-worst week of the whole war for U.S. military deaths in combat, and August already is the worst month for deaths of members of the National Guard and Reserve. ... Washington now does not expect to fully defeat the insurgency before departing, but instead to diminish it, officials and analysts said. ... "The most thoroughly dashed expectation was the ability to build a robust self-sustaining economy. We're nowhere near that. State industries, electricity are all below what they were before we got there," said Wayne White, former head of the State Department's Iraq intelligence team who is now at the Middle East Institute. "The administration says Saddam ran down the country. But most damage was from looting [after the invasion], which took down state industries, large private manufacturing, the national electric" system.
Mehr als eine Verschlimmbesserung scheint bei dem Irak-Abenteuer Bushs also nicht mehr herauszukommen, wenn man optimistisch bleibt.

Und sonst: Nur immer neue Waffentechnik ist eben auch nicht das Wundermittel: Bitte noch kleiner! Die Darpa will eine Mini-Drohne entwickeln, die kleiner als 5 cm ist, aber sucht auch nach neuen (Wunder)Techniken f�r den Stadtkampf.

Bei Done with Mirrors werden die US-Propagandamethoden von heute mit Klassikern aus dem 2. Weltkrieg verglichen.

Es menschelt gar sehr bei Gerd im Wahlkampf: Daheim bei Schr�ders: Handy nein, Pantoffeln ja.

Neu- und Alt-Frustrierte unter sich -- das kann ja heiter werden beim etwas anderen Duell der Spitzen: Stoiber und Lafontaine vereinbaren Rede-Duell.

, ,

2005-08-13

Der Grand Plan von al-Qaida

--- Al-Qaida will die Weltherrschaft mit der Errichtung eines islamistischen Kalifats an sich rei�en. Dies hat sich zumindest beim jordanischen Journalist Fuad Hussein in Gespr�chen mit Vordenkern des Terrornetzwerkes als Strategie der Gotteskrieger herauskristallisiert, schreibt Spiegel Online in einem Artikel �ber die "Agenda 2020" der Dschihad-Anh�nger:
"Ich habe eine Reihe von Qaida-Ideologen interviewt, um herauszufinden, wie die Zukunft des offenen Krieges zwischen al-Qaida und Washington aussehen wird", schreibt der Jordanier im Vorwort. Was er dann auf den Seiten 202 bis 213 vorlegt, ist ein Szenario, das von der Verblendung der Terroristen ebenso zeugt wie von ihrer brutalen Kompromisslosigkeit. In sieben Phasen, geht daraus hervor, hofft das Terrornetzwerk ein islamisches Kalifat zu errichten, welches zu bek�mpfen die westliche Welt dann zu schwach sein wird. ... Die Vorstellung, al-Qaida k�nnte in 15 Jahren ein die gesamte islamische Welt umfassendes Kalifat errichten, ist absurd. In dem 20-Jahre-Plan spielen religi�s begr�ndete Vorstellungen eine �berragende Rolle; mit der Wirklichkeit haben insbesondere die Phasen 4 - 7 kaum noch etwas zu tun. Einfach vom Tisch wischen sollte man die Erkenntnisse Husseins aber auch nicht. Einige Schritte, die in der Agenda zusammengetragen wurden, sind plausibel. Dass Syrien in den Blickpunkt der Mudschahidin ger�t, gilt unter einigen Experten als wahrscheinlich. "Schlie�t die Reihen, konzentriert euch auf die Rekrutierung, gr�ndet Zellen!", hei�t es etwa in einem Aufruf "an die Mudschahidin in Syrien", der Anfang August auf einer Internetseite verbreitet wurde. ... Die Vorstellung, al-Qaida w�rde sich gegenw�rtig immer mehr zu einer Bewegung entwickeln und f�r junge, frustrierte M�nner an Attraktivit�t gewinnen, ist ebenfalls nicht aus der Luft gegriffen. Das Netzwerk steckt viel Aufwand in seine Propaganda - offenbar, wie man nun mit etwas mehr Gewissheit vermuten darf, in der Absicht, seine Basis zu erweitern. Interessanterweise finden Gro�anschl�ge gegen den Westen in den Antworten an Fuad Hussein keine Erw�hnung. Wegdenken darf man sie sich deswegen wohl kaum - sie gelten f�r al-Qaida aber anscheinend eher als Begleitung ihrer Aktivit�ten auf dem Weg zur Errichtung des Kalifats. Anschl�ge wie in New York, Madrid und London w�ren demnach nicht der Grund, aus dem al-Qaida sich gebildet hat, sondern Mittel zum Zweck - Etappenziele auf dem Weg zur totalen Verunsicherung des Westens. Al-Qaida ist heute schwieriger einzusch�tzen als je zuvor: Die Organisation ist in Filialen und lose angebundene Zellen zerfallen, verwandte Organisationen gehen in ihr auf, Menschen, die vorher mit al-Qaida kaum etwas zu tun hatten, f�hren in ihrem Namen Anschl�ge durch. Von der "Zentrale" ausgesandte Direktiven sind nicht mehr vorstellbar, weil die F�hrung um Osama Bin Laden vor allem mit �berleben besch�ftigt ist. Zugleich wird die Trennung zwischen Kadern und Sympathisanten immer unsch�rfer. Es ist leicht, auf Desinformation hereinzufallen - auch auf diesem Gebiet tut sich al-Qaida hervor. Das von Hussein entworfene Szenario ist nicht �ber jeden Zweifel erhaben. Seine Studie sollte man deshalb als das lesen, was sie in Wahrheit ist: ein Versuch, sich in die Gedankenwelten der Qaida-Terroristen hineinzuversetzen und aus diesen Vorstellungen ein Puzzle zusammenzusetzen, das Auskunft dar�ber gibt, was das Terrornetzwerk will und auf dem Weg dahin f�r n�tig h�lt.
Der "Kampf der Kulturen" wird wohl auf jeden Fall noch eine ganze Weile weitergehen und sich versch�rfen. Trotzdem mehr als einfallslos, dass Schr�der bei seinem x-ten Wahlkampfauftakt nur mal wieder Bush-Bashing betreibt und dabei allein Irak mit Iran austauscht. F�r wie dumm h�lt der die W�hler denn? An dieser Stelle soll nicht unerw�hnt bleiben, dass der Spindoktor zum "Mitarbeiter des Monats" des Medienph�nomens und Bundteskanzlers Gerhardt Schr�der gek�rt wurde.

Hannah Arendt Revisited: �berwachung und totalit�re Propaganda: Ihr Ziel habe die totalit�re Propaganda nicht erreicht, sagt Arendt, "wenn sie �berzeugt, sondern wenn sie organisiert: 'Sie ist die Kunst der Machtbildung ohne den Besitz der Machtmittel'". Wenn ein �ffentlicher Diskurs wie der �ber Sicherheit zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Pr�senz in den Medien erreicht hat, beginnt er sich selbst am Leben zu erhalten und an Macht zu gewinnen. Diese sich selbst erhaltende (autopoietische) Stufe der Produktion und Pr�senz eines Diskurses richtet immer mehr Ereignisse und Aufmerksamkeiten auf die Sicherheitsperspektive aus. Gelingt das Anzapfen und Ausrichten der Aufmerksamkeiten, beginnt die der totalit�ren Propaganda inh�rente "Kraft" zu wirken, von der Arendt sagt, dass sie die Menschen, die mit jedem neuen Ungl�cksschlag leichtgl�ubiger w�rden, "imagin�r von der wirklichen Welt abzuschlie�en" beginne.

Passend dazu: Der Ober-Neokonservative William Kristol fordert im Weekly Standard, dass Bush seinen getreuen Rumsfeld in die W�ste schicken soll, weil der nicht mehr so richtig am "Krieg gegen den Terror" und an den Tr�umen vom Aufbau des westlichen Musterdemokratielandes Irak festh�lt.

Neue 9-11-Einblicke: Vast Archive Yields New View of 9/11. Faced with a court order and unyielding demands from the families of victims, the city of New York yesterday opened part of its archive of records from Sept. 11, releasing a digital avalanche of oral histories, dispatchers' tapes and phone logs so vast that they took up 23 compact discs.

2005-08-12

Angst vor dem Springer-Moloch und der schwarzen Republik

--- Die Zeit widmet ihr Dossier diese Woche der geplanten enormen Vergr��erung des Springer-Imperiums durch den vor einer guten Woche angek�ndigten Wunsch zur �bernahme von ProSiebenSat1. Dabei geht es viel um die Bild-Zeitung, die alten Kirch-Zeiten und Medienmacht allgemein:
Es ist ein Gesch�ft, das die Reichweite, die wirtschaftliche Basis und die publizistische Macht des Springer-Konzerns immens erweitern wird. Im vergangenen Jahr hat die gr��te private Senderfamilie, bestehend aus ProSieben, Sat.1, kabel eins, N24 und 9Live durchschnittlich 21,8 Prozent aller deutschen Zuschauer erreicht. Auf dem Werbemarkt ist dieses Publikum so wertvoll, dass die Sendergruppe bei den Werbeeinnahmen seit langem an der Spitze liegt, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fast 45 Prozent aller TV-Werbegelder absch�pfen konnte. Der Umsatz des TV-Unternehmens lag im vergangenen Jahr bei 1,8 Milliarden Euro, der Jahres�berschuss bei 133 Millionen. Ausgerechnet Springer! Der Name allein ist ein Reizwort seit mehr als 40 Jahren. ... Springer ist nicht Hugenberg, doch der neue Medienriese verbreitet Furcht und Unbehagen. Die wichtigen Fragen lauten: Wird Springer das neue Herrschaftsgebilde straff f�hren und im Sinne einer konservativen Politik einsetzen? Werden die Themen des �Leitmediums� Bild nach einer �bergangszeit an die Fernsehsender generalstabsm��ig weitergereicht? So, als seien alle Medien des Konzerns �eine Gro�familie�, wie die konservative Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vermutet, �wenn einer angegriffen wird, f�hlen sich alle angegriffen�? �Diese Konzentration ist nicht gut f�r das Land�, sagt einer, der es wissen muss. Medienmanager J�rgen Richter kennt den Verlag von innen. Er f�hrte den Springer-Konzern von 1994 bis 1998 als Vorstandschef, bis er das Haus im Streit verlassen musste. �ber seine Nachfolger urteilt er: �Die wollen eine andere Republik, eine schwarze Republik. Deren Behauptung, das sei nicht der Fall, glaube ich nicht.� ... In der Demokratie geht alle Macht vom Volke aus, bei Bild vom so genannten Balken, jenen Tischen, an denen die leitenden Redakteure des Blattes jeden Tag die Welt erfinden und erkl�ren. ... Kritiker wie Udo R�bel, Bild-Chefredakteur von 1998 bis Ende 2000, sieht eher wirtschaftliche Ambitionen als politisches Machtstreben bei Springer. Die Generation, die jetzt im Unternehmen das Sagen hat, nennt R�bel �die Winner-Generation�: um die 40 oder knapp dar�ber, zwar irgendwie konservativ, aber nicht ideologisch. Nicht um eine Mission gehe es Leuten wie Diekmann, sondern darum, �zu zeigen, wer die Kerle mit den dicksten Muskeln sind�. Au�erdem glaube er nicht, �dass diese Leute Sendungsbewusstsein haben. Die wollen mitspielen, die sehen das als gro�e Spielwiese. D�pfner gef�llt sich als Global Player.�
Wie man es auch nimmt, als gro�e Bedrohung der publizistischen Vielfalt oder als "reine" Wirtschaftsstory, in der Haut des Kartellamt-Chefs m�chte ich momentan nicht stecken.

Ebenfalls in der Zeit - Berlusconi Revisited: Silvio und die Chinesen. Deutsche Verh�ltnisse in Italien: Das Land steckt in einer tiefen Krise. Ein Lagebericht aus dem Veneto.

Entt�uschung �ber Politiker-Blogs: Noch keine Bereicherung der Blogosph�re und Wenn Politiker bloggen gehen... Und trotzdem: Die gr�ne Spitze will nun doch auch noch bloggen, doch das Blog wird gleich mal gewartet.

Medienwirklichkeiten: Wikipedia-Gr�nder Jimmy Wales wehrt sich gegen die Verhunzung einer �u�erung von ihm zum angeblichen "Einfrieren von Artikeln" durch die S�ddeutsche Zeitung und Reuters.

Transfers im Auge behalten: Vorsicht bei Zwischenlandung in den USA. Ausl�nder, die auf internationalen Fl�gen in den USA umsteigen m�ssen, haben praktisch keine Rechte und m�ssen mit �bergriffen bis hin zur (leichten) Folter rechnen.

Noch immer keine "Exit-Strategie" beim Irak-Abenteuer: In Iraq, No Clear Finish Line. The Bush administration has sent seemingly conflicting signals in recent days over the duration of the U.S. deployment to Iraq, openly discussing contingency plans to withdraw as many as 30,000 of 138,000 troops by spring, then cautioning against expectations of any early pullout.

Fehlt im Osten die Zivilgesellschaft? Das andere Deutschland. Das Problem: Edmund Stoiber hat es im Osten mit Menschen zu tun, die er politisch nicht einsch�tzen kann. Warum der Ostw�hler dem Westen ein R�tsel bleibt.

2005-08-11

Stoiber vs. die dummen Ost-Frustrierten

--- Nach Merkels Brutto-Netto-Patzer und Sch�nbohms Proletarisierungsarie tritt -- es war kaum anders zu erwarten -- nun Edmund Stoiber in die Fettn�pfchen und macht sich Feinde im Osten. Auf einer Wahlveranstaltung hatte der bayerische Alleinherrscher vor dem Hintergrund des Umfragehochs der Linkspartei in Ostdeutschland gesagt: "Ich akzeptiere nicht, dass der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird. Die Frustrierten d�rfen nicht �ber Deutschlands Zukunft bestimmen." Und legte noch nach: "Leider haben wir nicht �berall so kluge Bev�lkerungsteile wie in Bayern." Nun geht die �bliche Spindoktorei los:
CSU-Generalsekret�r Markus S�der versuchte in der Nacht zum Donnerstag, die �u�erungen Stoibers gerade zu r�cken. Mit dem Wort "Frustrierte" habe Stoiber die Spitzenkandidaten der Linkspartei, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, bezeichnet und nicht die Menschen in Ostdeutschland. Die CSU akzeptiere nicht, dass ein ausgewiesener Gegner der deutschen Einheit wie Lafontaine und in seinem Schlepptau Gysi die Menschen in Ostdeutschland mobilisieren wollten, um �ber ein Linksb�ndnis zu bestimmen, wer Kanzler in Deutschland werde. Es sei absurd, daraus eine Beleidigung der Menschen in Ostdeutschland zu drechseln. Alles andere sei abwegig und eine bewusste Fehlinterpretation. Der Chef der Mittelstandsunion, Hans Michelbach (CSU), �u�erte sich �hnlich. Stoiber sehe in den Ostdeutschen keine "W�hler zweiter Klasse", sagte Michelbach am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. ... In den Reihen von SPD und Gr�nen wurde Stoibers �u�erung dagegen als Affront gegen die Ostdeutschen gewertet, die nach j�ngsten Umfragen die Linkspartei und nicht die Union zur st�rksten Kraft w�hlen wollen. ... CDU-Generalsekret�r Volker Kauder hatte am Vorabend im ZDF wortreich eine Stellungnahme zum Stoiber-Zitat vermieden.
Bei Merkel machen Kommentatoren dagegen eine "sprachliche Abr�stung" im Wahlkrampfkrieg aus.

Und sonst: Bushs Ranch im Belagerungszustand: "Ich will George sprechen". Cindy Sheehan, die im Irak-Krieg ihren Sohn verloren hat, ist das neue Symbol der US-Friedensbewegung.

Pakistan will anscheinend nicht mehr der Hinterhof bin Ladens sein: Osama Bin Laden hat angeblich Pl�ne, sein afghanisches Versteck aufzugeben und statt dessen im Irak Unterschlupf zu suchen. Das schreibt die pakistanische Zeitung "Daily Mail" und beruft sich auf den Bericht des israelischen Geheimdienst-Netzwerkes DEBKAfile. Die "kodierten elektronischen Signale", zitiert die Zeitung ihre israelische Quelle, "die in den letzten Tagen zwischen Al-Qaida-Elementen des Mittleren Ostens �ber geheime Internet-Seiten ausgetauscht wurden, enthalten alle die gleiche Botschaft: Der oberste F�hrer, Osama Bin Laden, hat sein Versteck in Afghanistan verlassen und ist auf dem Weg in den Irak".

Zur Versch�rfung der Krise im Mittleren Osten: Interview mit Abr�stungs-Experte Meier: ''Das Irak-Szenario ist in Iran unrealistisch'' und Moskau mahnt Iran zu Zur�ckhaltung. Teheran setzt umstrittenes Nuklearprogramm fort. Siehe auch: IAEA will Iran-Resolution beschlie�en. Annan: Weiter verhandeln.

2005-08-10

Blogger vs. Firmen: "Omnipr�senter Feind"

--- Richard Levick, der im Namen seiner eigenen PR-Firma schon schwere F�lle wie Napster, die katholische Kirche oder die Neuausz�hlung bei den Wahlen in Florida "betreute", warnt im Legal PR Bulletin vor konzertierten Blogger-Attacken gegen Firmen. Ein "virtueller omnipr�senter Feind" enstehe im Internet, auf den man sich einstellen m�sse (der Jamba-Fall l��t gr��en):
Blogs by themselves should not give rise to fear. But when well coordinated they may be an early warning sign of things to come. Your client has to track them carefully to understand what may be in store. ... It is only a matter of time before blogs become commonplace weapons allowing well-organized adversaries to both disseminate and preserve shrewder anti-corporate messages. One recent blog, for example, attacks a plan by FedEx to build a hub at the Piedmont Triad Airport in Guilford County, North Carolina. Guilford County is a sprawling community that cannot easily convene town meetings to debate development projects. The blog is a natural substitute, especially for these typically computer-literate citizens. There�s also a local newspaper, the News & Record, that everybody reads and that can be counted on to inform its audience of the blog�s existence. The FedEx experience is illustrative for a larger reason as well. NGOs have often been marginalized as radicals. But because blogs are pure stealth warfare, people who might never choose to ally themselves with activists are more susceptible to their messages. After all, they don�t see their faces or know their real names. The NGOs are but one possible adversary. Labor unions and plaintiffs� counsel are others. ... Success breeds growth. As the blogs get more hits, they grow broader and deeper. A wealth of resources is soon added to the page, such as op-ed pieces selectively posted to convey thirdparty imprimatur. The blogs then begin to look and feel legitimate. For reporters, they become useful sources of information even though they aren�t exactly impartial sources of information. Tactically, blogs pose far greater threats than any other kind of online attack.
"Pure Stealth Warfare", so, so. Gegenma�nahmen h�lt Levick nat�rlich auch ein paar bereit. Passend dazu auch die Meldung, dass immer mehr Firmen von sich aus die Initiative ergreifen und eigene PR-Blogger anstellen, die ihr Haus in das bestm�gliche Licht r�cken. Links via PR Watch.

Dort auch gefunden: Neues vom Citizen (Open Source) Journalism: Kent Bye's "Echo Chamber Project" is attempting a new type of citizen journalism: an "open source, investigative documentary about the how the television news media became an uncritical echo chamber to the Executive Branch leading up to the war in Iraq." By "open source," Bye means that he is sharing both the transcripts and footage from his documentary with anyone who wants to use it or remix it with other footage as they see fit. He is also trying to "develop more sophisticated techniques for citizen journalism," include new software tools that will enable other collaborative efforts.

Und sonst: Neues Experiment zum Online-Wahlkampf: Electofix ist ein Wiki f�rs kollektive Fact Checking der Wahlkampfaussagen der Politiker im Rennen um den neuen Bundestag. Auch die "sonstige Berichterstattung in den Medien" und Wahlblogs sollen kommentiert werden. Die Idee stammt von Tim Bonnemann. Via do-wire.

Auch von do-wire: Politics Online sucht die "Top 10 Who Are Changing the World of Internet and Politics".

Offene al-Qaida-Unterst�tzung in der T�rkei: "[El] Kaide" Magazine Published Openly in Turkey. Herausgeber ist die "Great East Islamic Raiders Front".

Das Downing Street Memo jetzt auch in Lettre: Geheimsache Irak-Krieg. Ein Memorandum enth�llt das falsche Spiel mit Uno und �ffentlichkeit.

2005-08-09

Das Web als Waffe -- neues vom Terror-Netz

--- Nachdem der erste Teil der sommerlichen Serie der Washington Post zum Terrorweb wenig Neues brachte und sich der zweite vor allem dem Informationskrieg der Al-Qaida-Anh�nger in Gro�britannien widmete, wird es im ">dritten Teil noch mal aktueller mit einigen bislang kaum publizierten Details �ber die Professionalisierung der Online-Propaganda der Islamisten. Ein paar Ausz�ge:
The jihadist bulletin boards were buzzing. Soon, promised the spokesman for al Qaeda in the Land of the Two Rivers, a new video would be posted with the latest in mayhem from Iraq's best-known insurgent group. On June 29, the new release hit the Internet. "All Religion Will Be for Allah" is 46 minutes of live-action war in Iraq, a slickly produced video with professional-quality graphics and the feel of a blood-and-guts annual report. In one chilling scene, the video cuts to a brigade of smiling young men. They are the only fighters shown unmasked, and the video explains why: They are a corps of suicide bombers-in-training. As notable as the video was the way Abu Musab Zarqawi's "information wing" distributed it to the world: a specially designed Web page, with dozens of links to the video, so users could choose which version to download. There were large-file editions that consumed 150 megabytes for viewers with high-speed Internet and a scaled-down four-megabyte version for those limited to dial-up access. Viewers could choose Windows Media or RealPlayer. They could even download "All Religion Will Be for Allah" to play on a cell phone. ... Never before has a guerrilla organization so successfully intertwined its real-time war on the ground with its electronic jihad, making Zarqawi's group practitioners of what experts say will be the future of insurgent warfare, where no act goes unrecorded and atrocities seem to be committed in order to be filmed and distributed nearly instantaneously online. Zarqawi has deployed a whole inventory of Internet operations beyond the shock video. He immortalizes his suicide bombers online, with video clips of the destruction they wreak and Web biographies that attest to their religious zeal. He taunts the U.S. military with an online news service of his exploits, releasing tactical details of operations multiple times a day. He publishes a monthly Internet magazine, Thurwat al-Sinam (literally "The Camel's Hump"), that offers religious justifications for jihad and military advice on how to conduct it. ... By April, the al-Ansar bulletin board had become too well known as Zarqawi's outlet. The forum closed without notice. Alternatives quickly appeared. For a while, "mirror" sites emerged featuring many of the same users, with the same logins and passwords. They, too, disappeared. The al-Masada forum briefly took up the banner. Then participants began to warn that it had been breached by Western intelligence -- and the jihadists abandoned it, as well. The upheaval has resulted in a much more decentralized system for disseminating the bulletins from Iraq, with new boards constantly cropping up. As soon as a posting from Zarqawi's group appears now, dozens of new links to it are copied to the other jihadist sites within minutes, making for an intricate game of Internet cat-and-mouse. And even if the forums or fixed Web sites are temporarily out of commission, other ways still exist -- such as mass e-mails sent out several times a day with the latest in Iraq guerrilla videos, communiques and commentary from Yahoo e-groups such as ansar-jehad. While Zarqawi's group has moved away in recent months from videotaped beheadings of foreigners, the shock value of the Berg beheading has created a race for more and more realistic video clips from Iraq. Filming an attack has become an integral part of the attack itself. In April, a cameraman followed alongside an armed insurgent, video rolling, as they ran to the scene of a helicopter they had just shot down north of Baghdad. The one member of the Bulgarian crew found still alive was ordered to stand up and start walking, then shot multiple times on film as the shooter yelled, "This is Allah's judgment." The three-minute video from the Islamic Army of Iraq came at a time when many of the bulletin board sites were down; SITE Institute's Rita Katz found the link through the ansar-jehad e-group. "It's the exact reason why we built the Internet, a bargain-basement, redundant system for distributing information," said Kohlmann. "We can't shut it down anymore." Indeed, just last week, a notice went out on the jihadist bulletin boards: The Ansar forum that had disappeared in April was back up and running.

Neuwahlen - Ja oder nein?

--- Das Bundesverfassungsgericht hat das letzte Wort: Derzeit verhandeln die obersten Bundesrichter, ob Schr�ders Schachzug nun von Erfolg gekr�nt sein wird, die vergangenen zarten Wahlkampfwochen irgendeinen Sinn hatten oder das Wahlvolk noch ein Jahr warten muss. Die Klagen gegen die Neuwahlen f�hren der gr�ne Bundestagsabgeordnete Werner Schulz und die SPD-Abgeordnete Jelena Hoffmann. Die Begr�ndungen ihrer Anw�lte jedenfalls lesen sich recht plausibel. Die FAZ beschreibt dies eindr�cklich und in epischer L�nge. Leider findet sich der Artilel nur im Bezahl-Archiv.
Gewinner des angelaufenen Wahlkampfes gibt es trotz allem schon. Matthias Machnig und Michael Spreng, Strippenzieher des vergangenen Bundestagswahlkampfes (Machnig f�r Schr�der und Spreng f�r Stoiber) analysieren inzwischen in einer eigenen TV-Show einmal die Woche den laufenden Wahlkampf, Pannen und Erfolge der Protagonisten. Der "Wahlkampfcheck" l�uft jeden Montag im RTL-Nachtjournal und dienstags bei n-tv.

Und noch ein Wahlkampf-Blog

--- Heute wird in Karlsruhe �ber die Aufl�sung des Bundestags und die geplante Neuwahl verhandelt -- dabei ist der Wahlkampf l�ngst in vollem Gange. Ein wenig absurd ist das alles schon. Jedenfalls hat gestern noch ein weiteres Wahlkampf-Blog das Licht der Cyberwelt entdeckt, und zwar das Wahltagebuch der Heinrich-B�ll-Stiftung. Aus dem Editorial: Der politische Meinungsstreit ist zu wichtig, um ihn allein den Parteien zu �berlassen. Man will einen Beitrag leisten zu der angesichts der deutschen Unsicherheiten erforderlichen "gro�en gesellschaftlichen Debatte". Tagesaktuell macht sich heute Claus Leggewie Gedanken �ber Karlsruhe und die Folgen:
Das k�nnen die nicht machen, ist die feste �berzeugung aller Parteistrategen, die mit Wahlk�mpfen schon begannen, bevor der Bundespr�sident seine Entscheidung bekannt gegeben hatte. Das schafft Fakten, die auch Karlsruhe nicht ignorieren darf - meint man in Berlin. Karlsruhe darf. Auch wenn drei Verfassungsorgane - Kanzler, Bundestag, Pr�sident - die Weichen anders gestellt haben und Gerhard Schr�der, wie er im Fernsehen proklamiert, �immer nur einen Plan A hat�. Diese Arroganz haben die europ�ischen Regierungschefs an den Tag gelegt, als das Volk zu entscheiden hatte. Karlsruhe muss eventuell sogar Nein sagen. Der gro�e Schwachpunkt ist weniger die offensichtliche Farce der Vertrauensfrage, die nur zwei Abgeordnete nach Karlsruhe getrieben hat, es ist Schr�ders �Dokumentation� seiner Regierungsunf�higkeit. Schr�ders Plan B wird sein: R�cktritt.
Na, erst mal abwarten, wann die Verfassungsrichter denn nun was entscheiden. Der Spindoktor darf demn�chst auch einen Eintrag in das Wahltagebuch vornehmen.

Und sonst: Terrorverd�chtiger mit Karten deutscher St�dte gefasst. Plante er einen Terrorangriff in Deutschland? Schily dagegen: Terrorabwehr funktioniert in Deutschland gut -- auch ohne jahrelange Speicherung von Telefon- und Internetdaten.

Aber dann: Nachl�ssige Geheimdienste: Four in 9/11 Plot Are Called Tied to Qaeda in '00 In 2000, a military intelligence unit identified Mohammed Atta and three other future Sept. 11 hijackers as likely members of a cell of Al Qaeda operating in the U.S.

�berforderte Bundespolizei: Ertrunken im Datenfluss. Beim FBI werden so viele Daten gesammelt, dass niemand mehr in der Lage ist, sie sinnvoll zu sichten. Geeignete �bersetzer fehlen - und neue �bersetzer einstellen ist schwierig: man muss ja auch sie ersteinmal ausreichend �berpr�fen.

Gro�britannien r�stet sich f�r einen "Aufstand" der Islamisten wie im Irak und macht seine Autofahrer h�bsch �berwachbar mit RFID-Chips auf den Kfz-Kennzeichen (zwar erst ein Test, aber der wird von m�glichen Nachahmern wie den USA etwa schon genau beobachtet).

Die S�ddeutsche Zeitung entdeckt den Citizen Journalisms, Videoblogging und sonstige soziale Software: Stunde der Amateure. Schon etwas �lter �ber Web- und Warblogs aus der SZ: Die f�nfte Gewalt. Via Netzpolitik.

2005-08-08

Who the f... is Gerhardt Schr�der?

--- Ein gewisser Gerhardt Schr�der wundert sich auf seiner Website �ber die zahlreichen und regelm��igen Erw�hnungen, die ihm in den Medien zuteil werden. Artig bedankt er sich immer wieder f�r den Hinweis in dem Artikel auf mich, auch wenn der Inhalt wiederum nur bedingt mit mir zu tun hat, und ernennt die Autoren der Berichte -- beispielsweise aus Spiegel Online oder der Berliner Zeitung -- zu "Mitarbeitern der Woche". Denn nat�rlich schreibt sich der Wahlk�mpfer und Noch-Bundeskanzler Gerhard Schr�der, der in den Artikeln wohl gemeint sein soll, ohne "dt" im Vornamen. Der Macher der Site sammelt die Verschreiber jetzt auf einer gesonderten �bersichtsseite, versehen mit dem Hinweis: Ich bitte alle Artikelschreiber, wenn Sie meinen Namen schon richtiger Weise mit �dt� schreiben, auch Bundteskanzler korrekter Weise mit �dt� zu schreiben ! Damit werden unn�tige Verwechselungen vermieden! Auf der Kontaktseite bedankt sich der "Gerdt" zudem bei dem Berliner Jens Schnauber f�r die Gestaltung des Webangebots.

Und sonst: Telepolis hat die Linkszeitung jetzt auch entdeckt.

Terror.web -- jetzt mal von der Washington Post gro� beleuchtet (aber viel Neues enth�lt der Artikel nicht): Terrorists Turn to the Web as Base of Operations. In the snow-draped mountains near Jalalabad in November 2001, as the Taliban collapsed and al Qaeda lost its Afghan sanctuary, Osama bin Laden biographer Hamid Mir watched "every second al Qaeda member carrying a laptop computer along with a Kalashnikov" as they prepared to scatter into hiding.

Noch mehr Terrorweb: Rekrutierung f�r den Krieg?Bilder vom Krieg und Terror im Internet: iFilm hat die Rubrik "Warzone" eingerichtet, Beliebigkeit ist die Devise.

Schwergewichtige Lobby-Unterst�tzung f�r die Demokraten in den USA: Rich Liberals Vow to Fund Think Tanks. At least 80 wealthy liberals have pledged to contribute $1 million or more apiece to fund a network of think tanks and advocacy groups to compete with the potent conservative infrastructure built up over the past three decades. The money will be channeled through a new partnership called the Democracy Alliance. Update: Auch diese Story findet sich inzwischen in Telepolis.

Konfrontationskurs weiter im Mittleren Osten: Iran weist EU-Vorschlag zum Atomstreit zur�ck. Iran hat den von den Europ�ern vorgelegten Kompromissvorschlag im Streit um das Atomprogramm des Landes abgelehnt. Er sei "inakzeptabel" und entspreche nicht einmal den Mindesterwartungen Teherans, sagte ein Sprecher des Au�enministeriums.

2005-08-06

Watchblog f�r Spiegel Online am Start

--- Die Macher von Blogs wie Medienrauschen oder IT & Witchcraft schauen den Redakteuren bei Spiegel Online ja schon seit l�ngerem immer wieder auf die Finger. Doch jetzt gibt es den Versuch, ein eigenes Watchblog allein f�r die Netzwelt-Sparte des Online-Magazins auf die Beine zu stellen. Der Begr�nder des Blogs Der Netzwelt-Spiegel, Florian Cramer, denkt dabei an eine kollektive Fehlersuche und sucht noch Mitstreiter. Selbst hat er mit zwei Eintr�gen schon mal losgelegt, zu der seltsamen Windows-Vista-"Viren"-Story und zu einer Wikipedia-Story bei Spiegel Online. Zum Vergleich zieht Cramer regelm��ig den Heise-Newsticker heran. Ein Auszug:
SPIEGEL ONLINE schl�gt Alarm im heutigen "Netzwelt"-Aufmacher: "Sicherheitsl�cke - Erster Windows-Vista-Virus aufgetaucht". Konkret geht es um Skripte f�r die neue Windows-Befehlszeilenumgebung MSH (zu der es einen informativen Wikipedia-Artikel gibt), die in kommenden Windows-Versionen die alte MSDOS-Kommandobox ersetzen soll. Zwar relativiert SPIEGEL ONLINE die eigene Schlagzeile im selben Artikel und meldet, dass es sich bei den f�nf "Danom" genannten Viren lediglich um "so genannte Proof-of-Concept-Viren" handele, die "nur geringe Sch�den" verursachten. Und wom�glich werde die MSH-Umgebung in Windows Vista noch gar nicht enthalten sein. Die Schlagzeile wird aber nicht nur durch den Artikel, sondern auch durch die technischen Fakten konterkariert. Die Meldung von der "Sicherheitsl�cke" ist in diesem Fall schlicht falsch.
Ob Cramer mit dem Einfall an den Erfolg des Bild-Blogs ankn�pfen kann (oder �berhaupt will ;-?) Update: einen spezifischen Spiegel-Online-Artikel hat sich auch ein London-Blogger gerade mal vorgenommen.

Und sonst: Terrorabwehr vs. Grundgesetz. Wie viel �berwachung vertr�gt der freiheitliche Rechtsstaat?

Hat der B�rger-Journalismus schon wieder ausgedient? Dies vermutet zumindest der s�dafrikanische Medienprof Vince Maher. Anscheinend ist sein Essay Citizen Journalism Is Dead! aber so provokativ, dass es momentan gar nicht erreichbar ist. Mehr dazu bei Poynter Online. Dort wird aber auch gleich auf die Site OurMedia.org hingewiesen, die freien Speicherplatz unter anderem f�r Projekte im Bereich B�rger-Journalismus f�r Podcaster, Video-Blogger, Autoren, Fotografen etc. zur Verf�gung stellt.

Neues von der CIA-Rove-Aff�re: Der US-Kolumnist Robert Novak, ein Freund von Karl Rove, der die ganze Geschichte mit ins Rollen gebracht hatte, st�rmte am Donnerstag aus einem Interview mit CNN davon. Er f�hlte sich anscheinend in die Enge getrieben. Hintergr�nde bei PressThink.

Medienaktivisten revisited: Aufstieg und Grenzen der "Kommunikationsguerilla". Eine Ausstellung in Berlin �ber die "Semiotik des Widerstands"

Mehr Pentagon-Propaganda: Drehb�cher schreiben im Dienst der Wissenschaft. Um Jugendliche f�r Naturwissenschaften zu begeistern, schult das Pentagon Wissenschaftler in der Kunst des Drehbuchschreibens.

Exponentielles Blogwachstum: Moore's Law Hits Blogosphere. The Real Explosion May Be Yet To Come.

Nur das Kartellamt kann das Springer-Imperium noch stoppen: Macht �ber Wort und Bild. Der bedenkliche Zugriff des Springer-Verlags auf das private Fernsehen: Hier w�chst zusammen, was nicht zusammengeh�rt, wenn die Meinungsvielfalt erhalten bleiben soll.

Bush vs. Datenschutz: A civil-liberties board ordered by the U.S. Congress last year has never met to discuss its job of protecting rights in the fight against terrorism, and critics say it is a toothless, underfunded shell with inadequate support from President Bush.

Die Richter wissen Bescheid: Montana Supreme Court justice warns Orwell's 1984 has arrived. Believe it or not, it's perfectly legal for police to rummage through your garbage for incriminating stuff on you -- even if they don't have a warrant or court approval.

2005-08-05

TV-Duell und kein Ende

--- Nun soll es doch noch ein zweites TV-Duell geben, allerdings ohne Merkel - und ohne Schr�der. Vor allem wird es gar kein Duell sein, sondern ein Wettstreit unter Dreien. Wie ARD und ZDF berichten, soll es am 8. September ein solches Spektakel zwischen Guido Westerwelle (FDP), Joschka Fischer (Gr�ne) und Oskar Lafontaine (Die Linke.PDS) geben. Wenn sie auch nicht inhaltsreich sein sollte, so d�rfte diese Runde doch hoch am�sant werden. Die Frage bleibt: Wer wird die Nummer Drei im Bundestag sein?

Al-Qaida droht mal wieder

--- Bin Ladens linke Hand, der Terrordoktor Ayman al-Zawahri, hat mal wieder ein Video an al-Dschasira geschickt, in dem er blutige Warnungen insbesondere in Richtung London und Washington, aber letztlich gegen alle L�nder mit "Besatzungstruppen" in Afghanistan und Irak ausgesto�en:
"Blair's policies brought you destruction in central London and will bring you more destruction ... ," al-Zawahri, Osama bin Laden's deputy, said in a tape aired on Aljazeera. "What you have seen in New York, Washington and Afghanistan, are only the initial losses and if you (United States) continue the same hostile policies you will see what will make you forget those horrors," he said in reference to the 11 September 2001 attacks. He said bin Laden had offered a truce to Western countries asking them to pull out their armies from Iraq and Afghanistan in order to live in peace. "Our message to you is clear, strong, and final: There will be no salvation until you withdraw from our land, stop stealing our oil and resources, and end support for corrupt rulers," al-Zawahri added. Zawahri, who in the footage appeared to be standing outside with an assault rifle at his side, also warned the Americans of horrors worse than the war in Vietnam.
Agenturmeldungen auf deutsch gibt es nat�rlich auch dazu, Beim NEIN schlie�t man aus der Tatsache, dass Zawahri dieses Mal einen schwarzen statt wie in seinen bisherigen Ansprachen einem wei�en Turban tr�gt, dass mit der Drohung nicht zu spa�en sei. Aber letztlich sind die ganzen Terrorvideos doch auch zu einem eingefahrenen Ritual geworden. Und nichts Genaues wei� man nat�rlich nicht.

Und sonst: "Wir sind im Krieg". US-Pr�sident Bush will am "Krieg gegen den Terror" festhalten, nachdem Berater f�r eine andere, weniger einseitig milit�risch ausgerichtete Terminologie wie dem "Kampf gegen gewaltt�tigen Extremismus" pl�diert hatten.

Merkels Bl�dsinn und das Schlafen der Medien: Sinkende Bruttol�hne und steigende Inkompetenz. Die CDU-Kanzlerkandidatin steckt im Formtief - Deutschlands Presse bei ihrer Wahlkampfberichterstattung offensichtlich auch.

Kommerzieller B�rger-Journalismus - geht das? Citizen scoops. A new online photo agency wants to sell your amateur snaps to the mainstream media (Im Guardian, via Dienstraum).

Interessante Veranstaltung zum We-Media-Hype in New York Anfang Oktober - aber knapp 700 Euro allein Teilnahmegeb�hr ohne Presseakkreditierungsm�glichkeit? Dat wird wohl nix.

Stillstand beim Governator: A hard slog. The governor is struggling to get his reform plan through.�FANTASTIC� remains the governor of California's favourite word. So is Arnold Schwarzenegger smoking something other than his customary cigar?

2005-08-04

Sch�nbohm redet sich um Kopf und Kragen

--- Nach dem Brutto-Netto-Wechselspiel der CDU bei einem inzwischen �berall aufgekochten Fehler Angies (die anscheinend auf den Versprecherpfaden Stoibers wandelt) hat die Union nun einen weiteren gro�en Patzer im Wahlkampf. Ex-General J�rg Sch�nbohm redet sich angesichts der grauenhaften Kindsmorde in Brandenburg gerade um Kopf und Kragen. Erst sah er eine Ursache der Tat in der "Proletarisierung" des Ostens durch das SED-Regime und machte sich damit zur Zielscheibe bei politischen Gegnern wie Freunden. Jetzt rudert der brandenburgische CDU-Innenminister kr�ftig rhetorisch umher:
Im ZDF-Morgenmagazin sagte der CDU-Politiker, die DDR sei ein totalit�res System gewesen. Darin sei das Thema Wertevermittlung sehr kleingeschrieben gewesen, der Staat habe die Werte vorgegeben. Man sei in diesem Staat gut damit gefahren, �wenn man nicht zu sehr Anteil nahm am Nachbarn oder anderen Dingen�. Sch�nbohm forderte eine st�rkere Konzentration auf die �Zivilgesellschaft�.
Das ist nat�rlich schon eine gravierende Kehrtwende: einer der gr��ten Verfechter eines �berwachungsstaates nach Stasi-Muster fordert nun eine St�rkung der sich immer wieder gegen "Big Brother" zur Wehr setzenden Zivilgesellschaft. Das zumindest sollte man im Hinterkopf behalten. Einen von zahlreichen lesenswerten Kommentaren gibt es bei Zeit.de.

Und sonst: Selbstinszenierungsk�nstler: Wir werden ihn vermissen. Er hat Stil, und er hat seinen eigenen Stil. Gerhard Schr�der ist, nach �ber 30 Jahren Politik und sieben Jahren Kanzlerschaft, ein Gesamtkunstwerk.

Irak-Widerstand gewinnt weiter an Schlagkraft: Insurgents Using Bigger, More Lethal Bombs, U.S. Officers Say. The explosion that killed 14 marines in Haditha yesterday was powerful enough to flip the 25-ton amphibious assault vehicle they were riding in, in keeping with an increasingly deadly trend, American military officers say.

Wende in Ohio? All Political Eyes Again Turn to Ohio. A Republican narrowly wins a congressional race in a heavily GOP district. Heartened Democrats say the result may signal a backlash.

US-Supreme-Court-Kandidat liberaler als gedacht? Oder ohne R�ckgrat? Supreme Court nominee John G. Roberts Jr. worked behind the scenes for gay rights activists, and his legal expertise helped them persuade the Supreme Court to issue a landmark 1996 ruling protecting people from discrimination because of their sexual orientation.

Wired �ber Milblogs: The Blogs of War. On the 21st-century battlefield, the campfire glow comes from a laptop. It's a real-time window on life behind the lines - and suddenly the Pentagon is on the defensive.

2005-08-03

TV-Duell: Einmal reicht!

--- Der Kanzler gibt sich vers�hnlich: In der Diskussion um die Frage, wie viele TV-Duelle es nun zwischen ihm und seiner Herausforderin geben soll, reicht ihm nun doch ein TV-Duell. "Wenn Frau Merkel weder Zeit noch Lust hat, sich zwei TV-Duellen zu stellen, dann soll es eines sein�, sagte Regierungssprecher B�la Anda am Mittwoch vor Beginn der abschlie�enden Gespr�che zwischen denParteienvertretern und den wichtigsten Fernseh-Anstalten. Als Kompromiss zeichnet sich wohl ab, dass es ein Duell in �berl�nge werden k�nnte. Ob das gut ist? So mancher Krimi endete schon als Flop, weil sich das Ende einfach nicht fand. Sch�rder d�rfte es gleich sein: Er tingelt derzeit durch die Tageszeitungen und Fernsehsender, um seinen ganz pers�nlichen Wahlkampf zu absolvieren. Kommende Woche darf er eine dreiviertel Stunde allein seine Position in der M�nchner Runde des Bayerischen Rundfunks darlegen. Wer braucht da noch eine Gegnerin?
UPDATE: Das einzige direkte Aufeinandertreffenzwischen Schr�der und Merkel vor den TV-Kameras soll am 4. September um 20.30 Uhr stattfinden und 90 Minuten dauern. Da kann von �berl�nge keine Rede sein. F�r das Duell werden die Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1/Pro7 "gleichgeschaltet", um das Ereignis gleichzeitig zu �bertragen. Moderiert wird es wegen der Parit�t von jeweils einem Moderator der jeweiligen Sendeanstalt. Mal sehen, ob sie zu Viert h�rter fragen als Christiansen allein.

Nach der Linkspartei die Linkszeitung

--- Ein neues Online-Magazin hat das Licht der Internetwelt erblickt: Die Linkszeitung. Inwiefern es dort wirklich mehr gibt als selektiv ausgew�hlte Agenturmeldungen und kurze Newsh�ppchen, l�sst sich zwei Tage nach dem Start noch nicht so recht ausmachen. Ganz auf Linie der Linkspartei will man jedenfalls nicht liegen, wie Chefredakteur Werner Jourdan betont:
�Wir machen eine Online-Zeitung f�r jedermann�, sagt Werner Jourdan (50), frisch gebackener Chefredakteur der Linkszeitung. �Nur die etwas andere Perspektive, die Sicht von unten und die Parteinahme f�r die vermeintlich kleinen Leute, unterscheidet uns von anderen Nachrichtenmedien�, so der gelernte Zeitungs- und H�rfunkjournalist. Die Linkszeitung will ansonsten von Parteien und Politikern unabh�ngig bleiben. �Wir nehmen uns einfach die Pressefreiheit�, sagt Jourdan und verspricht seinen Lesern: �Wir werden gr�ndlich recherchieren, frech schreiben und uns durch nichts und niemand kaufen lassen.�
Angesto�en wurde das Projekt von einer "Hand voll Journalisten und Webprogrammierer, die sich aus einem politischen Internet-Forum kannten." Der Blick ins Impressum zeigt keine besonders bekannten Namen. Via Dialog International.

Und sonst: Geschichte wird gemacht: Die Wiederentdeckung des Imperiums. Eine alte Herrschaftsstrategie erobert das 21. Jahrhundert. TP-Rezension vom neuen M�nkler-Buch "Imperien. Die Logik der Weltherrschaft � vom alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten".

Ab- und durchgeknallt: US-Journalist im Irak entf�hrt und get�tet. Bei seinen Recherchen in der s�dirakischen Stadt Basra ist ein US-Journalist entf�hrt worden. Stunden sp�ter wurde seine Leiche gefunden.

Fatale Reaktionen: Gewalt gegen Muslime sprunghaft gestiegen. Seit den Londoner Anschl�gen registriert die britische Polizei vermehrt Drohungen, k�rperliche Attacken oder Sachbesch�digungen.

Rot-Gr�ne Errungenschaften: Reformbaustelle Deutschland: Homos sind gleich, Heterosexuelle gleicher. Der Ruf nach Reformen ist allgegenw�rtig. Aber was kam unter der rot-gr�nen Regierung in den vergangenen sieben Jahre zustande, und was muss noch angepackt werden?

Sch�ner lauschen: USA errichten Abh�rstation in Algerien. Insgesamt 1000 US-"Milit�rberater" sollen in Nordafrika gegen Terroristen k�mpfen

Ungereimtheiten bei der Aufkl�rung einer angeblichen Attentatvorbereitung in den USA: The Incident Near Tinker Air Force Base � My Conversation With The Eyewitness: �My Life Will Never Be The Same�

CDU mag keine Weblogs - oder doch?

--- CDU-Generalsekret�r Volker Kauder hat heute mit seinem teAM den Online-Wahlkampf seiner Partei mit leeren Versprechen gestartet -- unter www.leere-versprechen.de war heute mittag zumindest die CDU-Site selbst zu erreichen. Inzwischen f�hrt sie aber auf die richtigen Inhalte. Als hohl erkennen sollen die W�hler n�mlich nat�rlich eigentlich die Ank�ndigungen von Rot-Gr�n. Besonders innovativ erscheinen die Netzbem�hungen nicht, zumal die SPD ja bereits mit der falschen-Wahl.de vorgeprescht war. Dem Blogger-Hype im Wahlkampf (man verliert ja wirklich langsam die �bersicht, welcher Politiker sich da nicht inzwischen alles in der pers�nlicheren W�hleransprache mit eigenem Online-Journal versucht -- die �bersicht bei Kampagne 05 ist da recht hilfreich) wollen sich die Christdemokraten laut Marketingchef Stefan Hennewig jedenfalls entziehen:
Er glaube nicht, dass die Vorf�hrpolitiker anderer Parteien tats�chlich ihr Wahlkampftagebuch selbst schreiben. "Daran kranken die gefakten Weblogs ein wenig", konstatiert der Politmarketing-Experte. Man d�rfe die W�hler auch nicht hinter Licht f�hren, pflichtete ihm Kauder bei: "Solide, anst�ndig und korrekt muss es im Online-Wahlkampf zugehen."
Update: Nur seltsam, dass die CDU/CSU-Fraktion gleichzeitig eine anscheinend von Politikerscreen und Blog.de lancierte PM herausgibt und darin schreibt: Weblogs erhalten eine gr��ere Bedeutung in der politischen Online-Kommunikation ... Abgeordnete der Unionsfraktion beteiligen sich an zahlreichen politischen Blogs. Das mit der Koordination im Wahlkampfget�se lernen wir wohl noch. Mehr zum Thema im Pottblog und bei lautgeben. Und peinlich das st�mperhafte Spindoktoring rund um ein Merkel-Zitat auf der relaunchten Site.

Und sonst: Wieder Probleme mit dem Mullahs: EU droht Iran mit Abbruch der Atomgespr�che. Bundeskanzler Gerhard Schr�der hat die Lage im Atomstreit mit dem Iran als bedrohlich bezeichnet und die Regierung in Teheran zum Einlenken gedr�ngt. Passend dazu auch in der WaPo: Iran Is Judged 10 Years From Nuclear Bomb. U.S. Intelligence Review Contrasts With Administration Statements.

Insulin f�r bin Laden: Christian G. aus Duisburg -- Osamas deutscher General.

2005-08-02

Schr�der ohne Merkel - Das TV-Duell

--- Wenn es derzeit etwas in Sachen Wahlkampf gibt, was die Medien zu Berichten verleitet, dann ist es das TV-Duell. Bundeskanzler Gerhard Schr�der und Kanzlerkandidatin Angela Merkel duellieren sich derzeit �ffentlich zu der Frage, ob sie ein TV-Duell wollen, oder zwei ... Im Zweifel komme er auch alleine, gab Schr�der Anfang der Woche zu verstehen, als Merkel sich nur auf ein Duell festlegen wollte. Die Motive Schr�ders sind dabei verst�ndlich: Am Sonntag abend durfte er angenehm bei "Christiansen" plaudern (5,2 Millionen schauten zu) und sich als Medienprofi geschickt in Szene setzen. "Schr�der, den Mann, den sie Medienkanzler nannten, bot eine Performance, von der jeder Au�endienstmitarbeiter etwas lernen kann", res�miert die S�ddeutsche. "Schr�dersolo - Der Kanzler h�lt Hof bei Christiansen", titelt die FAZ.
Wen interessieren schon die Fragen, wenn man seine Botschaften transportieren will und sich, Schr�der, als Programm pr�sentiert und lieber kein Wort �ber die treulose Fraktion oder die rebellierende Parteilinke verliert? Das Handelsblatt schreibt heute: "Der erste gro�e Fernsehauftritt des Bundeskanzlers im Wahlkampf l�sst erahnen, weshalb den Beratern der Unions-Herausforderin Angela Merkel so sehr vor den TV-Duellen graust. Die Kandidatin hat sich kurz zuvor in einem Fernsehinterview wieder einmal verhaspelt, als sie versprach, durch die Reduzierung der Lohnnebenkosten w�rden �f�r alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Bruttol�hne um ein Prozent sinken�, was diesen Spielraum f�r die private Altersvorsorge verschaffe. Als am Ende des Gespr�chs ihre Anspannung weicht, sackt Merkel in sich zusammen. Schr�der hingegen steht am Schluss der Sendung auf, tritt einen Schritt in Richtung Publikum und ballt mit perfekt inszeniertem Medienl�cheln die beiden H�nde zum Siegeszeichen."
Schr�der reagiert entsprechend gelassen, wenn die Sprache auf das TV-Duell kommt. �Mein ernsthafter Vorschlag w�re: Wenn Frau Merkel keine Zeit hat, soll sie doch Herrn Stoiber zum zweiten Duell schicken�, sagte Schr�der in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse. Denn er wei�: Im Fernsehen kann er nur punkten. "Es ist eine verkehrte Welt, der man nur entflieht, wenn man den Fernseher einschaltet und dem Kanzler zuh�rt. Bei H�ren und sehen kann einem da glatt der Blick aufs Wesentliche der Lage vergehen und darauf, wie es �berhaupt gekommen ist, dass wir am 18. September Wahlen haben. Unser Tip: Jeden Tag bis zum 18. September eine Stunde Schr�der im Fernsehen, und die SPD schafft die absolute Mehrheit", schreibt die FAZ.

2005-08-01

US-Bundesrichter outet sich als Blogverfechter

--- Der US-Bundesrichter Richard Posner wirft in der New York Times einen Blick auf das viel beschworene Spannungsverh�ltnis zwischen klassischen Medien und Weblogs:
conventional news media are embattled. Attacked by both left and right in book after book, rocked by scandals, challenged by upstart bloggers, they have become a focus of controversy and concern. Their audience is in decline, their credibility with the public in shreds. ... What really sticks in the craw of conventional journalists is that although individual blogs have no warrant of accuracy, the blogosphere as a whole has a better error-correction machinery than the conventional media do. The rapidity with which vast masses of information are pooled and sifted leaves the conventional media in the dust. Not only are there millions of blogs, and thousands of bloggers who specialize, but, what is more, readers post comments that augment the blogs, and the information in those comments, as in the blogs themselves, zips around blogland at the speed of electronic transmission. This means that corrections in blogs are also disseminated virtually instantaneously, whereas when a member of the mainstream media catches a mistake, it may take weeks to communicate a retraction to the public. ... The charge by mainstream journalists that blogging lacks checks and balances is obtuse. The blogosphere has more checks and balances than the conventional media; only they are different. The model is Friedrich Hayek's classic analysis of how the economic market pools enormous quantities of information efficiently despite its decentralized character, its lack of a master coordinator or regulator, and the very limited knowledge possessed by each of its participants. In effect, the blogosphere is a collective enterprise - not 12 million separate enterprises, but one enterprise with 12 million reporters, feature writers and editorialists, yet with almost no costs. It's as if The Associated Press or Reuters had millions of reporters, many of them experts, all working with no salary for free newspapers that carried no advertising.
Posner betreibt selbst ein Blog zusammen mit dem �konomen Gary Becker.

Und sonst: Der "Schickals-Wahlkampf" hat begonnen, sowohl bei der Union als auch bei der sich um ihre linke Flanke sorgende SPD, aber irgendwie interessiert es angesichts der wenigen echten Alternativen keinen so richtig. Daf�r streitet man geh�rig �ber die Zahl der TV-Duelle, wo Angie nicht so recht mitspielen will.

Nein, nat�rlich nicht: "Wir wollten nicht t�ten". Mutma�licher Attent�ter von London bestreitet Verbindung mit al-Qaida - Britische Polizei bef�rchtet dritte Terrorwelle.

Das Terror-Internet: Das virtuelle Afghanistan der Terroristen. Der britische Geheimdienst soll nun vermehrt gegen Websites vorgehen, um sie vom Netz zu nehmen.

Die Saudis und ihre Connections: Die Blumen der Mudschahedin III. Die Nachfolger von K�nig Fahd.

Bushs Agenda: Demokraten emp�rt �ber Bushs Entscheidung f�r Bolton. Verbitterung unter den US-Demokraten: Pr�sident George W. Bush hat den Senat umgangen und seinen Wunschkandidaten John Bolton per Dekret zum neuen Uno-Botschafter ernannt. Bolton gilt als Hardliner und Gegner der Vereinten Nationen.

Geklaute US-Wahl: Von Mark Crispin Miller wird im Herbst das Buch "Fooled Again -- How the Right Stole the 2004 Election" (Ohio, the election, and America's servile press) erscheinen. Hintergrund dazu im "demokratischen Untergrund", via Under Radar. Miller hat unter anderem auch an einem Propagandaklassiker von Edward L. Bernays mitgewerkelt.

Sch�ner Bloggen: Jay Rosen berichtet vom Treffen der weiblichen Blogger in Kalifornien, der Konferenz BlogHer '05.

Sch�ner Ausreisen trotz Video�berwachung: Osmans merkw�rdige Reise nach Rom. Die problemlose Ausreise eines Rucksackbombers aus Gro�britannien wirft Fragen auf. Trotz einer der gr��ten Anti-Terror-Fahndungen der Nachkriegszeit war es dem inzwischen festgenommenen Hussein Osman gegl�ckt, im Eurostar das Land zu verlassen. War es eine Ermittlungspanne oder ein Trick der Fahnder?

Braucht es eine asymmetrische Kriegsf�hrung gegen den Islamisten-Terror? "Manchmal haben wir nur die Wahl zwischen Desaster und Katastrophe". "Wie kann man �berleben, wenn man sich an Regeln h�lt, die der Feind nicht akzeptiert", fragt der niederl�ndische Schriftsteller Leon de Winter. Er wirft den Europ�ern Naivit�t im Umgang mit islamistischen Terroristen vor und erkl�rt, dass ihnen mit dem Rechtsstaat nicht beizukommen ist.

Deutscher Wahlkampf erreicht die USA: New York Times Joins the Attacks on the Linkspartei, Dialog International.

Bloggen verboten: US-Soldat wegen seines Blogs bestraft. Ein im Irak stationierter Soldat der Nationalgarde, der sich als Liberaler outete und den Einsatz im Irak kritisierte, erhielt eine Geld- und Bew�hrungsstrafe.