2005-01-31

Ein bisschen Demokratie f�r den Irak

--- Wenn schon nicht den wirklichen Frieden, so hat die im Vorfeld von zahlreichen Terrorakten bek�mpfte Wahl dem Irak der Mehrheit der Medienberichte zufolge zumindest ein bisschen Demokratie gebracht. �berall machen Fotos die Runde, auf denen stolze Iraker ihre blau markierten Finger als Zeichen f�r die Stimmabgabe zeigen. Das Symbol ist nat�rlich auch so zu interpretieren, dass sie damit gleichzeitig dem Terrorpapst al-Sarkawi und seinen Mannen "den Finger" zeigen. Denn das Kalk�l der Terrorbande, mit Warnungen �ber blut�berlaufene Stra�en die Bev�lkerung vom W�hlen abzuhalten, gingen gl�cklicherweise nicht auf: Trotz der m�rderischen Begleitumst�nde ist die Wahl im Irak ein Erfolg - f�r die Amerikaner, vor allem aber f�r das irakische Volk. Die Menschen haben mutig gegen den grassierenden Fatalismus votiert. ... Falls die Wahlbeteiligung von 60 Prozent eine belastbare Angabe sein sollte, w�re das keine Sensation aber auf jeden Fall ein gutes Ergebnis. Immerhin besser als bei manchen Landtagswahlen im friedlichen Deutschland. Nie hat eine Regierung im Irak so viel Legitimation besessen wie die, die in den kommenden Wochen in der streng gesicherten Green Zone von Bagdad eingeschworen werden wird. Das Land, das sie regieren soll, ist voller schwarzer L�cher. Vor allem im Zentralirak gab es wegen der B�rgerkriegssituation keine echte Wahlfreiheit - und das war ausnahmsweise nicht die Schuld der US-Besatzer. �ber die Frage, wie sich die sunnitische Minderheit nun im neuen Irak aufzustellen gedenkt, wird in den kommenden Wochen viel spekuliert werden. ... Der Irak ist seit dem 30. Januar neben Israel und der Pal�stinensische Autonomiebeh�rde im Mittleren und Nahen Osten das einzige Land, in dem ein demokratisches Staatswesen existiert oder aufgebaut wird. ... Der Ausgang des Krieges, den die Terroristen im Irak zu gewinnen drohten, ist jedenfalls seit heute wieder offen. Viel Pathos str�mt da mit in vielen Meldungen �ber die mutigen Bewohner des Zweistromlandes, obwohl noch abzuwarten ist, ob nicht haupts�chlich die sich auf der Suche nach einem eigenen Staat befindlichen Kurden gew�hlt haben. Aber zumindest scheint der Irak tats�chlich erstmals wieder eine Chance zu haben.

2005-01-28

Wahlen, Terror und Bushs vorsichtiger R�ckzieher

--- Wie nicht anders zu erwarten wird die sonnt�gliche Wahl im Irak von massiven Terrorakten schon im Vorfeld begleitet. Zugleich mehren sich die Zweifel in der islamischen Welt, ob die Wahl �berhaupt als demokratisch bezeichnet werden kann: Die Terrorgruppe von Abu Mussab al-Sarkawi hat nach eigenen Angaben wieder zugeschlagen. Im Internet verbreiteten die Islamisten jetzt ein Video, auf dem die Erschie�ung eines Mannes zu sehen ist. ... Er soll der Sekret�r des irakischen Premiers Ijad Alawi sein. Vorher sagt er in die Kamera: "Ich rufe alle Iraker auf, insbesondere junge Menschen, die feindlichen Besatzer weder zu unterst�tzen noch mit ihnen zusammenzuarbeiten." ... In der N�he eines Wahllokals in der nordirakischen Stadt Samarra explodierte ein mit Sprengstoff beladenes Auto. Dabei kamen sieben Menschen ums Leben, wie der Nachrichtensender al-Arabija berichtete. Bei Angriffen auf Stra�ensperren der irakischen Sicherheitskr�fte in Mahmudija und Musajib s�dlich von Bagdad starben nach Polizeiangaben insgesamt vier Polizisten. Zw�lf weitere Menschen wurden verletzt. In Bakuba riss ein Selbstmordattent�ter einen Polizeioffizier mit in den Tod. Neun Menschen, darunter drei Polizisten, wurden nach Angaben von Krankenhaus�rzten verletzt. ... Der t�rkische Ministerpr�sident Tayyip Erdogan hat sich kritisch zu den f�r Sonntag geplanten Wahlen im Irak ge�u�ert. "Es ist nicht m�glich, diese Wahl als vollst�ndig demokratische Wahl zu charakterisieren", sagte Erdogan am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Erdogan verwies insbesondere darauf, dass mit den sunnitischen Arabern eine wichtige Bev�lkerungsgruppe beschlossen habe, nicht teilzunehmen. "Dies ist das Zeichen f�r weitere negative Entwicklungen in der Zukunft des Irak."

Bush schaltet daher jetzt doch schon mal langsam in den R�ckwartsgang, wie einem Interview mit der New York Times zu entnehmen ist: resident Bush said in an interview on Thursday that he would withdraw American forces from Iraq if the new government that is elected on Sunday asked him to do so, but that he expected Iraq's first democratically elected leaders would want the troops to remain as helpers, not as occupiers. "I've, you know, heard the voices of the people that presumably will be in a position of responsibility after these elections, although you never know," Mr. Bush said. "But it seems like most of the leadership there understands that there will be a need for coalition troops at least until Iraqis are able to fight." He did not say who he expected would emerge victorious. But asked if, as a matter of principle, the United States would pull out of Iraq at the request of a new government, he said: "Absolutely. This is a sovereign government. They're on their feet."

Mehr dazu in Agenturberichten und bei Spiegel Online, wo auch eine Meldung aus dem Guardian zitiert wird: Mittlerweile sollen sich die USA und Gro�britannien nach einem britischen Zeitungsbericht auf eine R�ckzugsstrategie f�r den Irak geeinigt haben. Laut "Guardian" soll die Zahl der irakischen Polizeisch�ler verdoppelt werden. Aus ihren Reihen sollen dann spezielle Einheiten gebildet werden. Diese "aggressiveren" Einheiten, ein Mittelding zwischen Polizei und Armee, sollen dann nach und nach die 150.000 Mann starken alliierten Streitkr�fte ersetzen. Darauf h�tten sich US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und sein britischer Kollege Geoff Hoon Anfang der Woche verst�ndigt, schreibt die Zeitung. Einen Zeitplan f�r den Abzug der Truppen gebe es aber nicht, hie� es unter Berufung auf eine britische Milit�rquelle weiter. ... Gestern Abend teilte der Demokrat Edward Kennedy bei einer Rede an der Johns-Hopkins-Universit�t hart gegen US-Pr�sident Bush aus: "Die US-Milit�rpr�senz im Irak ist mittlerweile Teil des Problems, nicht Teil der L�sung." Weiter sagte er: "Es mag Gewalt geben, wenn wir uns milit�risch aus dem Irak zur�ckziehen, aber es wird weit mehr Gewalt geben, wenn wir unseren derzeitigen gef�hrlichen und destabilisierenden Kurs fortsetzen."

2005-01-27

Schock und Schrecken der Bush-Regierung

--- Auch der Economist widmet sich jetzt der wachsenden Realit�tsverzerrung in den Reihen der Bush-Regierung: MOST presidents get more defensive and hesitant as they go on. George Bush is getting bolder. Since his re-election, the president has committed himself to transforming, among other things, Iraq, the Middle East, the tax system, pensions and the legal system. Phew. If he were allowed to win a third term, what would he do for an encore? Yet the gap between Mr Bush's rhetoric and what is actually happening, or is likely to happen, is embarrassingly wide. The day after his �freedom speech� his officials fanned out to explain that he didn't really mean anything specific. In Iraq things are not going according to plan�if indeed the administration actually has a plan (see article). Tax reform has been sidelined to a commission, with action this year, next year, sometime. His attempt to privatise part of the Social Security system is in trouble even before it starts. The gap between ambition and follow-through at home can partly be blamed on the fact that Mr Bush has yet to start revealing the details of his policy. But in foreign policy, the contradiction looks well established. Neo-conservatives, who loved the inauguration speech, claim that Mr Bush is undermining it through the people he has appointed. ... There is often a gap between promise and achievement in politics�and nearly always one in inauguration speeches, which are supposed to be aspirational. What is unusual about Mr Bush's ambition is the way it is centred on what might be called �discretionary policies�. Social Security privatisation, tax reform, the overthrow of Saddam Hussein and the �war on tyranny� are all causes Mr Bush chose to espouse. He was not forced to take them on by events, and no one would have censured him (much) had he not mounted these hobby-horses. In contrast, many of his other policies have either been �reactive� (the overthrow of the Taliban, the �war on terror�) or are more conventional, with deep roots in Republican tradition (like cutting taxes). The discretionary element makes Mr Bush's job much harder. Compare, for instance, the bipartisan support Mr Bush received for his �reactive� war in Afghanistan with the more patchy support he received from Democrats for his discretionary quest in Iraq; or the initial acclaim for the �war on terror� with the mixed response to his new �war on tyranny�. And this is about to get worse. Schlechte Aussichten. C�sar Bush hat sich wohl wirklich ein wenig zu viel vorgenommen mit seiner Politik, die all�berall einen Unterschied machen soll.

Irak vor der Wahl: Jedem seine improvisierte Bombe

--- Wired News berichtet �ber die eifrigen und improvisierenden Bombenbastler im Irak, die der US-Armee immer st�rker zusetzen: When U.S. Army Capt. Christopher Sullivan was killed last week by a handmade bomb, it was a tragedy for his family -- and a tragically ordinary event for the American military. Improvised explosive devices, or IEDs, have been responsible for hundreds of American casualties in Iraq. And so far, there doesn't appear to be any reliable way of stopping them. The Pentagon, scrambling for answers, is in the middle of a frantic search for high-tech methods to find and neutralize the jury-rigged weapons. Microwave blasts, radio-frequency jammers and chemical sensors are among the methods being explored and deployed in this largely secret effort. But, because IEDs are cobbled together from "whatever the people that plant them can find," warned Cliff Anderson, a program manager at the Office of Naval Research, "there is no magic bullet" that will suddenly end the IED threat. Almost anything that blows up can be turned into an IED, from grenades to plastic explosives to leftover mines. The most everyday of electronics -- a cell phone, a garage door opener, a child's remote-control toy -- can be recast as a trigger. And the hiding places for the handmade bombs are everywhere: in the ground, aboard a truck, even inside an animal carcass. ... So far, the strongest push to silence the bombs has come from the Army, which has ordered thousands of radio-frequency jammers from Simi Valley, California, firm EDO Communications & Countermeasures. The devices, called Warlock Green and Warlock Red, intercept "the signal sent from a remote location to the IED instructing it to detonate," an Army official told military newsletter Inside Defense. The signal "cannot make contact, therefore when it can't make contact it doesn't detonate," he added. "(It's like) the cell phone never gets through, but (enemy forces) think it goes through."

In der Zwischenzeit haben die USA noch an der Meldung zu knabbern, dass das T�ten wenige Tage vor der Wahl im Irak "munter" weiter geht, auch nachdem der angebliche Oberbombenbauer Sarkawis gefangen genommen wurde: Thirty-one U.S. troops were killed in a desert helicopter crash and six more died in insurgent attacks Wednesday on the deadliest day for American forces since they led the invasion of Iraq in March 2003. With just four days before Iraq's national election, at least 23 Iraqis were also reported killed Wednesday in a series of suicide bombings and ambushes by insurgents intent on disrupting the vote. Anxious residents are preparing for a virtual three-day national lockdown beginning Friday, in which Iraq's borders will be sealed, schools and businesses closed and driving banned. The military transport helicopter crash, which killed 30 Marines and one sailor, occurred during bad weather as troops conducted a mission to prepare for Sunday's election, officials said. The cause of the crash was under investigation and the names of the victims were not released immediately by the military. There were no survivors, officials said. Bush h�lt derweil krampfhaft an seiner l�ngst schal gewordenen Befreiungsrhetorik fest: President Bush, who is facing growing skepticism at home over his handling of the war, expressed condolences to the victims' families and urged Americans to be patient with progress in Iraq. "The story today is going to be very discouraging to the American people," the president said during a White House news conference. "I understand that. We value life. And we weep and mourn when soldiers lose their life." "But it is the long-term objective that is vital," Bush said, "and that is to spread freedom." Die Iraker fordert Bush auf, trotz der �beraus hohen Terrorgefahr w�hlen zu gehen: �Ich bin stolz auf den Irak und seine Menschen�, sagte George W. Bush in einem Interview mit dem Sender Al Arabia. �Ich will denjenigen Anerkennung f�r ihren Mut zollen, die zum Aufbau und zur St�rkung der Demokratie beitragen.� Am Sonntag gebe es eine historische Wahl f�r den Irak, und er hoffe auf eine gro�e Beteiligung. Auf der ersten Pressekonferenz seiner zweiten Amtszeit sagte Bush: "Ich bitte alle Menschen dringend, sich diesen Terroristen zu widersetzen."

Eine Reportage �ber die irakische "Demokratie hinter Panzersperren" bringt die Zeit. Eine gute Internetinformationsseite f�r alle, die sich tiefer mit den zur Wahl stehenden Parteien besch�ftigen wollen, ist Election Monitor Iraq.

2005-01-26

Disinfopedia goes SourceWatch

--- Das Anti-Propaganda-Wiki Disinfopedia (betrieben vom Center for Media and Democracy) hat an seinem Namen selbst mal ein wenig herumgesponnen und h�rt nun auf den Titel SourceWatch (eventuell auch inspiriert von den ganzen Mediawatchern und Watchblogs). Zur Begr�ndung schreibt Sheldeon Rampton von der Nichtregierungsorganisation: Launched in March 2003, the Disinfopedia has grown rapidly to include more than 6,000 articles about PR firms, think tanks, industry-friendly experts and many of the other individuals and institutions that play an important role in shaping public opinion and public policies. We're very happy with the way supporters of our work have stepped forward to contribute information and insights to the project. Along the way, however, we began to hear complaints about the name, which some people felt sounded too "paranoid." Others pointed out that as the Disinfopedia grew, it came to include a range of people and organizations, some of which are indeed guilty of deceptive practices, but not all. I think that these are legitimate criticisms. I am the person who coined the name "Disinfopedia." It was intended in part as a reference to the Wikipedia, a free, online, wiki-based encyclopedia that runs on the same software. It was also intended as a tongue-in-cheek commentary on the Bush administration's ill-fated Total Information Awareness program. Our original logo for the Disinfopedia, which you can see here, even mimicked the TIA's own logo, with its all-seeing eye. ... After surveying Disinfopedia users and consulting with a number of people who have been friends and advisors to the Center for Media and Democracy, we settled on the new name "SourceWatch." We feel that this name accurately reflects the project's expanded purpose: to track the the people and organizations that serve as sources of information and ideas regarding important public issues.

Ganz interessant dazu auch eine Meldung in der FT zum Thema Glaubw�rdigkeit von NGOs: Pressure groups and charities have overtaken governments, media and big businesses to become the world's most trusted institutions, according to an international poll to be presented this week to the World Economic Forum in Davos. An annual survey of attitudes in eight countries suggests public trust has been eroded by scandals such as corporate malfeasance and discredited journalism. The survey, conducted in December for Edelman, a US public relations firm, found that non-governmental organisations (NGOs) such as Amnesty International and Greenpeace now scored the highest for trustworthiness in the US and Europe. Kein Wunder bei all dem Gespinne von Politikern und vielen Mainstream-Medien.

2005-01-25

Folter in irakischen Gef�gnissen weit verbreitet

--- Abu Ghraib hat anscheinend Schule gemacht und Nachahmer auch unter irakischen Gef�ngnisaufsehern gefunden, vermeldet Human Rights Watch: Die irakischen Sicherheitskr�fte begehen systematische Folter und wenden andere Formen der Misshandlung gegen Gefangene an, erkl�rte Human Rights Watch in einem neuen, heute ver�ffentlichten Bericht. Der 94-seitige Bericht �The New Iraq Torture and Ill-treatment of Detainees in Iraqi Custody� beschreibt, wie willk�rliche Festnahmen, langfristige Isolationshaft, Folter und andere Misshandlungen von Gefangenen (darunter auch Kinder) durch die irakischen Beh�rden zur Routine geworden sind. Human Rights Watch hat im Irak Befragungen von 90 Gefangenen durchgef�hrt, von denen 72 angeblich gefoltert oder misshandelt wurden, vor allem w�hrend der Verh�re. Obwohl aufst�ndische Gruppen zahlreiche Anschl�ge auf die irakische Polizei ver�bt haben, sei dies keine Rechtfertigung f�r die von den irakischen Beh�rden begangenen Misshandlungen, meinte Human Rights Watch. �Den Menschen im Irak wurde nach dem Fall der Regierung Saddam Husseins etwas Besseres versprochen,� sagte Sarah Leah Whitson, Direktorin der Mittlerer Osten- und Nordafrika-Abteilung von Human Rights Watch. �Die irakische Regierung h�lt ihr Versprechen nicht, die grundlegendsten Menschenrechte zu achten und zu wahren. Traurigerweise leidet die irakische Bev�lkerung nach wie vor unter einer Regierung, die bei der Misshandlung von Gefangenen ungestraft vorgehen kann.� Die von den Gefangenen angef�hrten Foltermethoden umfassen Schl�ge mit Kabeln, Schl�uchen und anderen Hilfsmitteln. Die Gefangenen berichteten, dass sie getreten, mit der Hand oder der Faust geschlagen, �ber l�ngere Zeitr�ume hinweg mit hinter dem R�cken gefesselten H�nden an den Handgelenken aufgeh�ngt wurden, elektrischen Schl�gen an empfindlichen K�rperstellen wie Ohrl�ppchen und Genitalien ausgesetzt waren und mehrere Tage lang ununterbrochen mit verbundenen Augen und/oder Handschellen festgehalten wurden. In mehreren F�llen erlitten die Gefangenen m�glicherweise dauerhafte k�rperliche Sch�den. Gefangene berichteten ferner, dass irakische Sicherheitsbeamte ihnen Nahrung und Wasser vorenthalten und sie in kleine �berf�llte Zellen gesteckt haben, in denen sie nur stehen konnten. Zahlreiche Gefangene beschrieben, wie die irakische Polizei Bestechungsgelder verlangte, um die Gefangenen freizulassen, ihnen Kontakt mit Familienmitgliedern zu erlauben oder ihnen Nahrung und Wasser zu geben.

Die LA Times berichtet derweil �ber neue Dokumente, die weitere Misshandlungen irakischer Gefangener durch amerikanischer W�chte und Milit�rsoldaten belegen sollen. Pentagon documents released Monday disclosed that Iraqi prisoners had lodged dozens of abuse complaints against U.S. and Iraqi personnel who guarded them at a little-known palace in Baghdad converted to a U.S. prison. Among the allegations was that guards had sodomized a disabled man and killed his brother, whose dying body was tossed into a cell, atop his sister. The documents, obtained in a lawsuit against the federal government by the American Civil Liberties Union, suggest for the first time that numerous detainees were abused at Adhamiya Palace, one of Saddam Hussein's villas in eastern Baghdad that was used by his son Uday. Previous cases of abuse of Iraqi prisoners have focused mainly on Abu Ghraib prison. ... "Some of the investigations have basically whitewashed the torture and abuse," said the group's director, Anthony D. Romero. "The documents that the ACLU has obtained tell a damning story of widespread torture reaching well beyond the walls of Abu Ghraib." Dazu kommen Meldungen, dass in Guantanamo im Sommer 2003 zwei Dutzend H�ftlinge kollektiven Selbstmord begehen wollten. Das Folterthema wird damit immer heikler f�r Bushs neuen Justizminister Gonzales. Andererseits soll nicht unerw�hnt bleiben, dass auch von Deutschland aus anscheinend mal wieder Qaida-Attentate vorbereitet wurden.

Terror und Medien in der Aufmerksamkeitsspirale

--- Stephan Alexander Weichert versucht sich in Telepolis an der Aufarbeitung des terroristisch-medialen Beziehungskomplexes: Dieser eruht auf einem Tauschverh�ltnis mit Folgen: So wird neben einer stetig wachsenden Abh�ngigkeit der Terroristen von den Medien gleichzeitig eine gewisse Abh�ngigkeit der Medien vom Terrorismus registriert. Der 11. September 2001 und die darauf folgenden Terroranschl�ge der vergangenen Jahre haben eine Debatte dar�ber entfacht, ob und vor allem wie Medien �ber Terrorakte berichten sollen - und das nicht allein aus ethischen Gr�nden. Sondern auch, um nicht zu unfreiwilligen Handlangern von Terroristen gemacht zu werden. ... Eine m�gliche gegenseitige Abh�ngigkeit von Medien und Terrorismus w�re folgenreich: Sie k�nnte "zu einem zentralen Problem demokratischer Gesellschaften werden, die auf umfassende Informationen, Ursachenanalyse, gesellschaftliche Debatten und politische Diskurse angewiesen sind", merkt der Publizist und Medienwissenschaftler Klaus Kreimeier in der taz vom 11. September 2004 an. Dabei ist nicht nur eine eigenartige Mischung aus aufgeregtem 'Realtime-Reflex' seitens der Journalisten und einer wachsenden 'Breaking-News-Mentalit�t' seitens der Medienunternehmen zu sp�ren, die dieses grausame Wechselspiel um die Aufmerksamkeit des Publikums beg�nstigen. Vielmehr ist laut Kreimeier eine simple Erfolgslogik daf�r verantwortlich: Im Zuge der Globalisierung der Nachrichten funktioniere schlie�lich auch die Bewusstseinsindustrie nach den Gesetzen des Marktes. Terrorismus und Medien folgten daher einem "Zwang zur Selbst�berbietung", hei�t: Wo sich die einen durch Gewaltanwendung und Massenmord einen maximalen St�reffekt erhoffen, w�nschen sich die anderen durch dramatisierende und emotionalisierende Gewaltberichterstattung den maximalen Marktanteil.

Leider bringt der Artikel letztlich nicht viel, was nicht schon mit den diversen Nachrichtenwerttheorien zum Ausdruck gebracht wird. Die vorgebrachten L�sungsans�tze sind banal bis schal und gehen deswegen wohl wieder mal einfach im Redaktionsalltag unter, so sie dort denn �berhaupt geh�rt werden. Aber wer sich mit dem Thema noch nicht viel besch�ftigt hat, findet sicher ein paar Anhaltspunkte.

2005-01-24

Iran geht weiter gegen Blogger vor

--- Die LA Times hat mal wieder einen Report �ber die Leiden iranischer Blogger: The criminal seems younger than his 25 years. He is the quiet type, shy and lanky, peering solemnly through octagonal glasses. He has no weapons, not in the traditional sense. His name is Hanif Mazroui, and the tools of his crime are a handful of ideas and skinny fingers flying over the keyboard. He is one of about 20 Iranian Web loggers and journalists who have been arrested and jailed in recent months. Government prosecutors call Mazroui a violator of national security and an inciter of unrest. If you ask the nation's conservative mullahs, he's an acid eating away at the fabric of the Islamic revolution. He has done time in solitary confinement, and reportedly weathered death threats from judiciary officials. Asked about his time in prison, Mazroui dropped his chin, studied his shoes and said, "I prefer not to talk about it." ... After toiling for years to silence dissent within the Iranian republic, the mullahs have turned their war against free press to the last reserve of open political debate: the Internet. Since the summer, Iran's Web loggers, or bloggers, and online journalists have been demonized as CIA collaborators, their work whitewashed from many Iranian computers with filters. "They can't accept the free exchange of ideas and equality offered by the Internet," said Sayed Mustafa Taj-Zadeh, an advisor to reformist President Mohammad Khatami. "They had to crack down on it." ... In their first year, nearly 3,000 Persian blogs sprang to life. In a nation where apathy has saturated the younger generation, there were hopes for a political awakening on the Internet. Intimate and interactive, the Internet holds tremendous appeal here, delivering a slice of the world, a tangle of private and public utterances, into studies and living rooms. But as its political uses became clear and as reformists began to move their censored ideas into the freewheeling realms of cyberspace, the government soured on the Internet. The fight began quietly when filters appeared, blocking Web pages. ... The arrest of online journalists and bloggers began last fall. The writers say they were tortured and forced to publicly denounce their work. Even technicians who worked on Web pages have been imprisoned. President Khatami has ordered an investigation into the reports of torture.

Update: Mehr zum Thema gefolterte Weblogger im Iran jetzt in Telepolis.

Pentagon entwickelt Nano-Bomben

--- Seit langem sind sie ein Horror f�r Techno-Apokalyptiker wie Bill Joy: ganz neue Waffenarten dank Nanotechnologie. Jetzt macht das US-Verteidigungsministerium ernst mir der Entwicklung der "Killer-Applikation": Nanotechnology is grabbing headlines for its potential in advancing the life sciences and computing research, but the Department of Defense (DoD) found another use: a new class of weaponry that uses energy-packed nanometals to create powerful, compact bombs. With funding from the U.S. government, Sandia National Laboratories, the Los Alamos National Laboratory, and the Lawrence Livermore National Laboratory are researching how to manipulate the flow of energy within and between molecules, a field known as nanoenergentics, which enables building more lethal weapons such as "cave-buster bombs" that have several times the detonation force of conventional bombs such as the "daisy cutter" or MOAB (mother of all bombs). Researchers can greatly increase the power of weapons by adding materials known as superthermites that combine nanometals such as nanoaluminum with metal oxides such as iron oxide, according to Steven Son, a project leader in the Explosives Science and Technology group at Los Alamos. "The advantage (of using nanometals) is in how fast you can get their energy out," Son says. Son says that the chemical reactions of superthermites are faster and therefore release greater amounts of energy more rapidly. "Superthermites can increase the (chemical) reaction time by a thousand times," Son says, resulting in a very rapid reactive wave. Son, who has been working on nanoenergetics for more than three years, says that scientists can engineer nanoaluminum powders with different particle sizes to vary the energy release rates. This enables the material to be used in many applications, including underwater explosive devices, primers for igniting firearms, and as fuel propellants for rockets. However, researchers aren't permitted to discuss what practical military applications may come from this research. Because nanometal provides a higher concentration of energy while requiring fewer raw materials, the overall cost of these weapons would drop, according to Kevin Walter, vice president of technical business development at nanometals manufacturer Nanoscale Technologies. "You get a little better bang for your buck," Walter says. Mehr Bombenkraft f�r weniger Dollars -- da kann das Pentagon nat�rlich nicht Nein sagen. Wen st�rt es, dass gleichzeitig alle bestehenden Waffenkontrollabkommen mit der neuen Gattung �ber den Haufen geschmissen werden.

Update: Artikel jetzt auch auf deutsch bei Technology Review.

Amerikanische TV-News = Bad News

--- TV-Versagen hoch drei: Der Ex-CBS-Auslandsreporter Tom Fenton rechnet in seinem Ende M�rz erscheinenden Buch Bad News (dramatischer Untertitel: How the Failing News Industry Is Endangering Americans) mit den US-Fernsehnachrichten ab, schreibt die Washington Post: In late 1996, veteran CBS foreign correspondent Tom Fenton pitched his network on a plan to use Saudi connections to land an interview with Osama bin Laden. "Our bosses saw him as an obscure Arab of no interest to our viewers," Fenton says. "More concerned with saving dollars than pursuing the story, they killed the project." Months later, Fenton says, he sat down with an Arab journalist who had interviewed bin Laden and described his violent designs on America, but "our navel-gazing executives" left that part of the piece "on the cutting-room floor." He says CBS executives asked that all references to bin Laden be cut because the story had "too many foreign names." ... Fenton, who retired last month, uses tales like these to castigate network news for failing to adequately cover the rest of the world. It is a stinging indictment that gains force from his quarter-century of service in CBS's London bureau. Fenton blames "corporate greed" for the decline, saying he was "beaten down by the corporate bean counters" and had "so many of my stories rejected" in the decade before 9/11. CBS's London bureau, he writes, "doesn't do much reporting any more. What it does is called packaging," assembling video and facts gathered by outside organizations. Likening the practice to Dan Rather's use of what Fenton calls "phony" memos in the discredited story on President Bush's National Guard service, Fenton says the networks "take it on trust. Don't shoot it, don't report it -- just wrap it up and slap the CBS eye on it." ... The book argues that media inattention contributed to America's isolation and false sense of security: "Foreign correspondents like myself came to be regarded as alarmists, waving our arms from remote places like Rwanda or Yugoslavia, trying in vain to attract attention." Nicht einmal bad news sind good news im US-TV.

2005-01-23

Neuer diplomatischer Kurs bei Bush nicht sichtbar

--- Was wird nun konkret nach Bushs erneuter Amtseinf�hrung mit den Ank�ndigungen neuer diplomatischer Allianzen mit den traditionellen Verb�ndeten? Der US-Pr�sident wird mit seiner neokonservativen Agenda f�r die zweite Amtszeit w�hrend seinen kommenden Werbetouren durch Deutschland und Europa wohl kaum auf allzu offene Arme sto�en, schreibt die Washington Post: For all the talk of fresh diplomacy and rebuilding frayed alliances, Bush heads into his second term still demanding that the rest of the world meet him on his terms -- and now he has redefined those terms to an even more provocative degree with an inaugural address articulating a grand vision for spreading democracy and "ending tyranny" in "every nation." With his eye on history, Bush wants to change the world. The rest of the world is not necessarily so eager to be changed. While administration officials have since tried to tamp down expectations of a radical shift in policy, the inaugural speech reflected a worldview dramatically at odds with that in many parts of Europe and the Middle East, where it has only confirmed the image of Bush as an American unilateralist pursuing his own agenda with messianic fervor.

Update: Ein Dean-Anh�nger hat inzwischen mal die ganzen Spindoktoreien des Wei�en Hauses rund um die Inaugurationsrede zusammengestellt. Und Telepolis wirft einen Blick auf Bushs Einfl�sterer der Freiheitsrhetorik.

Rumsfelds Schn�ffeltruppe

--- Die Washington Post hat neue Details zu den bereits bekannt gewordenen Planungen des Verteidigungsministeriums, seinen Geheimdienstapparat aufzustocken und unabh�ngiger von der CIA zu werden. Das US-Milit�r soll damit besser zum Aufbau heimlich agierender Einheiten f�r Spezialoperationen, die nat�rlich auch weniger der demokratischen Kontrolle unterstehen, bef�higt werden: The previously undisclosed organization, called the Strategic Support Branch, arose from Rumsfeld's written order to end his "near total dependence on CIA" for what is known as human intelligence. Designed to operate without detection and under the defense secretary's direct control, the Strategic Support Branch deploys small teams of case officers, linguists, interrogators and technical specialists alongside newly empowered special operations forces. Military and civilian participants said in interviews that the new unit has been operating in secret for two years -- in Iraq, Afghanistan and other places they declined to name. According to an early planning memorandum to Rumsfeld from Gen. Richard B. Myers, chairman of the Joint Chiefs of Staff, the focus of the intelligence initiative is on "emerging target countries such as Somalia, Yemen, Indonesia, Philippines and Georgia." ... The Strategic Support Branch was created to provide Rumsfeld with independent tools for the "full spectrum of humint operations," according to an internal account of its origin and mission. Human intelligence operations, a term used in counterpoint to technical means such as satellite photography, range from interrogation of prisoners and scouting of targets in wartime to the peacetime recruitment of foreign spies. A recent Pentagon memo states that recruited agents may include "notorious figures" whose links to the U.S. government would be embarrassing if disclosed. Da w�rden wir nat�rlich schon gerne wissen, welche "Prominenten" da f�r Rumsfeld weltweit schon arbeiten. Perhaps the most significant shift is the Defense Department's bid to conduct surreptitious missions, in friendly and unfriendly states, when conventional war is a distant or unlikely prospect -- activities that have traditionally been the province of the CIA's Directorate of Operations. ... Some Pentagon officials refer to the combined units as the "secret army of Northern Virginia."

2005-01-22

Entsetzen �ber den "Bomben-Holocaust" der NPD

--- Mal wieder sorgt die metaphorische Verwendung eines Begriffs aus dem Umfeld der Judenvernichtung im Dritten Reich: f�r geh�riges Aufsehen: Die Republik ist schockiert �ber die NPD. Zuerst boykottierten die Rechtsextremen gestern eine Schweigeminute f�r Nazi-Opfer, sp�ter verglichen sie die Bombardierung Dresdens mit dem Holocaust. Die Staatsanwaltschaft pr�ft, ob Volksverhetzung vorliegt. Antisemitismus sei "wieder salonf�hig", klagt der Zentralrat der Juden. ... Die zw�lf NPD-Abgeordneten hatten gestern f�r einen Eklat gesorgt, weil sie w�hrend einer Schweigeminute f�r die Opfer der Nazi-Diktatur demonstrativ den Plenarsaal verlassen hatten. ... So schaltete der Landtagspr�sident dem NPD-Fraktionschef Apfel das Mikrofon ab, als dieser vom "Massenmord" und von "angloamerikanischen Gangsterkomplizen" sprach. ... Der NPD-Abgeordnete J�rgen Gansel bezeichnete die alliierten Angriffe als "Bomben-Holocaust". Angesichts dieser Ausf�lle sprach der SPD-Innenpolitiker Wiefelsp�tz heute von "geistigem Brandstiftertum". Er appellierte an die B�rger, sich das Verhalten der NPD nicht gefallen zu lassen. "Da sollten die B�rger aufstehen; das ist nicht hinnehmbar, was da l�uft." Aufsehenerregende Vergleiche rund um Hitler und Holocaust geh�ren seit Jahrzehnten zur Sprache der Politik und der Propaganda. Die linke taz hatte in den 1980ern auch mal f�r einen Eklat gesorgt, als sie eine Berliner Disco als "gaskammervoll" bezeichnete. Doch bei der NPD liegt der Fall nat�rlich anders und es handelt sich um bewusste Provokation -- die hierzulande quasi zum Erfolg verdammt ist, weil sich alle anderen Kr�fte einfach dar�ber aufregen m�ssen. Die W�hler der NPD d�rfte das Ganze Trara dagegen wohl kaum st�ren, da m�sste also dann h�chstens schon wieder ein Parteiverbot her.

Update: Schily ist mal wieder lustig: Er sieht keine Chance f�r ein neues Verbotsverfahren gegen die rechtsextreme NPD. Hohe H�rden st�nden einem erneuten Anlauf im Weg, sagte Schily. Stattdessen will der Innenminister das Versammlungsrecht versch�rfen. "Ich werde dazu demn�chst einen Entwurf vorlegen", sagte Schily. Doch die Grenzen f�r eine Versch�rfung sind auch nach Auffassung des Innenministeriums au�erordentlich eng, da die Versammlungsfreiheit zu den Grundrechten geh�rt. Was soll denn nun aber das Demonstrationsrecht an sich mit den rhetorischen Provokationen der NPD zu tun haben? Auf diesem Weg d�rfte wohl kein Brauner von seiner Gesinnung abzubringen sein, stattdessen w�ren eher viele berechtigte Protestz�ge das Opfer.

Update 2: Einen guten Kommentar zu Schilys Demoverbotsplan, der in der Hauptstadt auch viel Unterst�tzung findet, gibt es jetzt in der Berliner Morgenpost.

Irak: Enthauptung auf offener Stra�e

--- Die Mannen al-Sarkawis haben eine gute Woche vor der geplanten Wahl im Irak zwei M�nner auf offener Stra�e gek�pft und ein Video der Bluttat im Netz ver�ffentlicht. Die Nachrichten dar�ber machen momentan online die Runde, etwa beim NEIN: The al-Qaeda group in Iraq led by the most despicable Abu Musab al-Zarqawi posted a video on an Islamic website Friday showing the beheading of 2 Iraqis who "confessed" to working at a U.S. base. The men, who identified themselves as Ali Hussein Jassem Mohammad al-Zubaidi and Ahmad Alwan Hussein al-Mahmadawi in the video said they were residents of Sadr City and worked at a US base in Ramadi, a city west of Baghdad. Meanwhile, the Muslim majority here in the U.S. remains silent despite the inhumanities. Das Video selbst gibt es auf einschl�gigen Schockerseiten wie Ogrish. Spiegel Online berichtet ebenfalls �ber die brutale Abschlachtung der beiden Iraker: Das Videoband ist etwa zehn Minuten lang. In welcher Stadt im Irak es aufgezeichnet wurde, ist unklar. ... Mit der �berschrift "Die Informationsabteilung der al-Qaida im Zweistromland pr�sentiert Euch ein Band mit den Gest�ndnissen und der anschlie�enden Vollstreckung des g�ttlichen Urteils zweier vom Glauben Abgefallener, die den USA geholfen haben" wurde die Videoaufzeichnung heute am fr�hen Morgen auf einer arabischsprachigen Internetseite abgelegt. Die beiden M�nner geben vor ihrer Enthauptung zu, als Lastwagenfahrer Nahrungsmittel f�r die Amerikaner transportiert zu haben. ... Gepostet wurde das Band unter demselben Namen, unter dem schon in der Vergangenheit Botschaften und Videos aus dem Umfeld des Topterroristen Abu Musab al-Sarkawi abgelegt wurden: Abu Maisara al-Iraki. Das US-amerikanische Terrorforschungsinstitut Site glaubt, dass sich hinter diesem Namen der Sprecher Sarkawis verbirgt. Mehrere entf�hrte und in einem Video vorgef�hrte Chinesen sind dagegen wieder frei. Hierzulande soll derweil die "Aktion Kehraus" f�r Ruhe sorgen: Die Beamten in Bund und L�ndern stellen schwarze Listen von Islamisten zusammen, die in n�chster Zeit ausgewiesen werden sollen. Die Grundlagen des Terrors lassen sich damit allerdings nicht gerade bek�mpfen.

Update: Sollte es Sarkawis vorl�ufig letzte Schandtat gewesen sein? Die Ger�chtek�che brodelt. Mehr zu dem barbarischen Akt selbst jetzt in Telepolis.

Update 2: Sarkawi soll auf einem Tonband der "unislamischen" Demokratie den Kampf erkl�rt haben.

2005-01-20

Proteste bei Bush-Vereidigung: wieder kein Medienthema?

--- Die heutige Vereidigung Bushs, wegen der Washington in eine Festung verwandelt wird, ist an sich nat�rlich ein gro�es Medienthema. �berall wird mal wieder spekuliert, ob der Irak-Kriegsherr trotz der aktuellen Verstimmungen mit dem Irak in der zweiten Amtszeit sanfter und diplomatischer wird. Bush selbst will das vage, aber in den USA �beraus positiv besetzte Thema "Freiheit" bei den 40 Millionen Dollar teuren Inaugurationsfeiern beackern: "Ich lege morgen den Amtseid ab und werde in meiner Antrittsrede �ber die Freiheit reden", k�ndigte Bush an. "Das ist die Sache, die unser Land eint und der ganzen Welt Hoffnung gibt." Er sei bereit und begierig, die vor ihm liegenden Aufgaben anzupacken. Freiheit eine das Land, gebe der Welt Hoffnung "und wird uns in eine Zukunft des Friedens f�hren", sagte Bush den Konzertbesuchern. Die amerikanische Nation rief er auf, nach dem Wahlkampf zur Einheit zur�ckzufinden und sich auf die zuk�nftigen Aufgaben zu konzentrieren. Danny Schechter wirft im Mediachannel derweil die Frage auf, ob es die angek�ndigten Gegendemos wohl dieses Mal schaffen, die Aufmerksamkeit der Massenmedien auf sich zu ziehen: Not surprisingly, the protesters will be out in force as they were in 2000. Back then, the press barely took notice of the biggest inaugural protest in American history. Writer Dennis Loy Johnson wrote a must-read little book called "The Big Chill" on "The great unreported story of the Bush Inauguration Protests..." (Melville House.) The protests were ignored, he charges, "There seemed to be a determined and almost paternalistic effort by the media to soothe and assure the populace that everything was fine, that the democracy was running smoothly (as if that was the obligation of either print or broadcast journalists) that there was, in any case no dissent except from the usual suspects �" That was then. That event signaled a new media paradigm for marginalizing dissenters. Last year, the Post's ombudsman Michael Getler investigated complaints that the Post had been downplaying protests and minimizing their numbers. He concluded that the complaints were valid. And it was done as a matter of policy. The paper carried a mini-mea culpa about its prewar coverage. And then it was back to news business as usual. Mehr zum Thema bei ReDefeatBush.com.

Update: Die Washington Post hat inzwischen beispielseweise einen Report auch �ber die Demonstrationen gegen Bush online. Mehr zu der Rede, die tats�chlich von den Gegenpolen Freiheit und Tyrannei lebte, in Telepolis.

Update 2: Die Washington Post sieht keinen Kurswechsel bei Bush, die Rede sei die "indoktrination" seiner Politik (bzw. die seiner neokonservativen Einfl�sterer) gewesen. Die arabische Welt sch�tze Bushs Rhetorik als hohl ein.

2005-01-19

Folterskandal nun auch in Gro�britannien

--- Gef�lschte Fotos mit angeblichen Misshandlungen irakischer Gefangene durch britische Soldaten machten ja schon mal die Runde, aber nun scheinen die Briten wohl doch einen Folterskandal zu haben: Die Aufnahmen von Folterungen irakischer Gefangener durch britische Soldaten im Irak k�nnten die im Irak stationierten Truppen zus�tzlich gef�hrden, hei�t es in der britischen Presse. Mehrere Zeitungen ver�ffentlichten heute die Bilder, die an die Folterfotos von US-Soldaten im Bagdader Gef�ngnis Abu Ghureib erinnern. Sie sind Teil der Anklage gegen drei britische Soldaten, gegen die gegenw�rtig wegen des Verdachts der Misshandlung irakischer Gefangener vor einem Milit�rgericht auf einem britischen Milit�rst�tzpunkt in Osnabr�ck verhandelt wird. "Schande" und "Schock" lauteten einige der �berschriften �ber den Bildern, auf denen nackte Iraker zu sehen sind, die offenbar sexuelle Handlungen simulierten. Auf anderen Fotos werden Gefangene offenkundig geschlagen und misshandelt. Die drei Soldaten haben sich f�r nicht schuldig erkl�rt. Anders als im Fall Abu Ghureib gibt es bislang keine Vorw�rfe systematischer Folter bei den britischen Truppen. Dennoch d�rften die Bilder zur einem Wutausbruch in der arabischen Welt f�hren und den Ruf der britischen Armee beschmutzen, schreibt die "Times". Die "Financial Times" sieht aus dem Skandal neue politische Risiken f�r Blair erwachsen, dessen enge Allianz mit den USA im Irakkrieg bei der Mehrheit der Briten auf Kritik gesto�en war. Mehr dazu u.a. im Guardian oder bei der BBC.

Update: Jetzt auch in ein Bericht zum Abu Ghraib der Briten in Telepolis.

Stabilit�tspakt: Schr�ders Kurswechsel

--- Die FAZ widmet sich heute der Kommunikationsstrategie dem Regierungsduo, Franz M�ntefering und Gerhard Schr�der. Weil in diesem und vor allem im Wahljahr 2006 teure Wahlgeschenke ein kostbares Gut f�r die Regierung sind, strebt Rot-Gr�n die Lockerung des Stabilit�tspaktes an. So etwas will aber vorbereitet sein, schlie�lich hat sich Rot-Gr�n jahrelang als Spar-Regierung geriert. Dazu schreibt G�nter Bannas: "Einen Kurswechsel legen die beiden langfristig an. Sie operieren mit versteckten Hinweisen und mit dementierten Dementis, mit Nebens�tzen und mit dem Kleingedruckten. Am Ende k�nnen sie sagen, der neue Kurs sei gar nicht neu, sondern die Fortsetzung des alten Weges. Sie verstehen das auch als �berzeugungsarbeit, und einen besonders langen Atem braucht es, wenn sie daran gehen, den - in ihren Augen oft genug sperrigen - Finanzminister Eichel auf Linie zu halten. Maastrichter Verschuldenskriterien, Konsolidierungskurs? Nichts ist mehr so, wie es 1999 war, als Eichel sein Amt als Finanzminister antrat und als Sparkommissar �ber allgemeines Ansehen verf�gte."
Bei so einem Wandel muss man nat�rlich gute Argumente anf�hren, um den Boden f�r eine positive Debatte dar�ber zu initiieren. "Seit Fr�hjahr 2003 - also einem halben Jahr nach der Bundestagswahl - wurde am Paradigmenwechsel in der Verschuldenspolitik gearbeitet. Das ging zeitlich einher mit den innerparteilichen Debatten �ber das Agenda-2010-Programm, welches in der SPD als beispiellose politische Zumutung empfunden wurde. Schr�der verfolgte das Ziel, die Kritiker in der Partei mit Hinweisen auf arbeitsmarktf�rdende Ma�nahmen zu beruhigen. Debatten �ber das Drei-Prozent-Kriterium nannte er im Parteivorstand - keineswegs beil�ufig - �berechtigt�. Auch k�nne sich der Irak-Krieg mit seinen m�glichen Folgen auf den Konsolidierungskurs insgesamt auswirken. Parteilinke rieten zu einer europ�ischen Initiative. Schr�der sagte: �Das sehe ich genauso.� Gespr�che werde es geben und wegen der Lage auf dem Arbeitsmarkt k�nne es ein �Weiter so� in der Konsolidierungspolitik nicht geben."
Und so fordert Schr�der nun also das bislang Undenkbare und setzt es vor allem durch, was obendrein den europ�ischen Gedanken indirekt besch�digt: "Schr�der forderte, bei der Bewertung der Kriterien seien k�nftig Sonderlasten zu ber�cksichtigen - Kosten f�r Strukturreformen, Beitr�ge f�r die Europ�ische Union und - speziell f�r Deutschland - die weiterhin anfallenden Kosten der deutschen Einheit. In dem Papier M�nteferings wird - entsprechend - der bisherige Konsolidierungskurs neu definiert und Konditionen unterworfen. �Es mu� gespart werden, wo dies konjunkturunsch�dlich m�glich ist�, hei�t es in dem Text. Sodann: �Die Finanzprobleme werden bis 2010 nicht v�llig verschwunden sein. Trotzdem darf das Schlie�en von Haushaltsl�chern nicht das politische Handeln dieser Jahre dominieren.�
Erst die Nation, dann Europa, lautet das Motto der Wahlk�mpfer.

Webkampagne gegen Raffke-Mentalit�t bei Politikern

--- Schier t�glich f�hren Indiskretionen gegen�ber der Presse momentan zu neuen Enth�llungen �ber geschmierte Politiker. Gestern erregte der Fall Werner M�ller mit seiner fr�hzeitigen "Rente" die Gem�ter, heute ist es der gr�ne Ludger Volmer, der nicht nur als Volks-, sondern als Firmenvertreter t�tig ist. Eine interessante Aktion f�r Netzb�rger, die dem nicht l�nger tatenlos zusehen und sich ohne gro�en Zeitaufwand f�r eine Offenlegung s�mtlicher Nebeneink�nfte und Geh�lter von Abgeordneten einsetzen wollen, hat da nun Campact gestartet. Bericht dazu gibts in c't aktuell: Mit der Online-Petition will Campact mehr "Bewusstsein schaffen f�r die Bedeutung von Lobbyeinfluss auf die Politik", sagt Bautz. Die Verschr�nkung zwischen parlamentarischen Arbeit und den Interessensvertretern hat seiner Ansicht nach "erschreckende" Ausma�e angenommen. Der Lobbyismus m�sse daher "zur�ck in die Lobby, n�mlich den Vorraum des Parlamentes", fordert er. Mit der um sich greifenden Einflussnahme auf die Politik sei es "wie mit Dracula: Im klaren Licht der �ffentlichkeit" sei sie ungef�hrlich. Campact dr�ngt auf eine generelle �berpr�fung der Gelder, die Abgeordnete und sonstige Politiker nebenbei einstreichen. Es mache keinen Sinn, nur Zahlungen "ohne Gegenleistung" anzuprangern. Vielmehr m�sse ein "strukturelles Problem" der Interessensverschr�nkung bek�mpft werden, ohne Abgeordnete unter Generalverdacht zu stellen. ... Vorbild ist die US-amerikanische Aktionsplattform MoveOn.org, die laut Bautz zu den "entscheidenden zivilgesellschaftlichen Akteuren" jenseits des Atlantiks geh�re und an der sich regelm��ig 2, 7 Millionen Menschen beteiligten. International einen Namen machte sich das Netzwerk vor allem wegen seiner -- letztlich aber vergeblichen -- Aktionen gegen den Irak-Krieg und die Wiederwahl George Bushs zum US-Pr�sidenten. Momentan bewegt sich auf der Site aber nicht viel -- anscheinend wollten zu viele B�rger ihrer Emp�rung Luft machen.

Krieg der Worte im Krieg gegen den Terror

--- Michael Keane, Autor des bald erscheinenden Buchs "Dictionary of Modern Strategy and Tactics", kommentiert in der LA Times den Krieg der Worte und die "gefolterte Sprache" im Krieg gegen den Terror: Official Pentagon news releases continue to avoid the more neutral "guerrilla" or "militant" in favor of "terrorist" and "anti-Iraq forces." Last summer, when the Pentagon insisted that its quick victory over Iraq's conventional forces was not deteriorating into a guerrilla war, a reporter confronted Donald Rumsfeld with the Defense Department's own definition of the term � "Military and paramilitary operations conducted in enemy-held or hostile territory by irregular, predominantly indigenous forces." ... The careful selection of words in war is almost always a calculated attempt to manipulate perceptions. Whether an act of violence is called a "suicide bombing" or a "homicide bombing" depends more on the politics of the speaker than on any sincere attempt to describe objective reality. Even when the language of war is mechanical or colorless it may be deliberate, an attempt to shield both civilians and soldiers from the horrors of modern conflict. "Battles are won through the ability of men to express concrete ideas in clear and unmistakable language," concluded Brig. Gen. S.L.A. Marshall, who studied soldiers in combat in World War II. Before the coalition's recent attack on enemy forces in Fallouja, the American commander there changed the rules of engagement from "capture or kill" to "kill or capture." He sought to communicate to his troops that they were shifting to the offensive and to instill the aggressive posture needed for success in combat. ... Our military commanders and political leaders must be careful that in using language to deceive the enemy, to propagandize or to persuade, they do not obscure their own thinking. That is what appears to have happened with the Justice Department's twisting of the definition of torture. Language is a powerful weapon, but like friendly fire, it can lead to self-inflicted wounds. As the French playwright Jean Anouilh warned, "Propaganda is a soft weapon: Hold it in your hands too long, and it will move about like a snake, and strike the other way."

2005-01-18

Rice und die Vorposten der Tyrannei

--- Uff, Deutschland kann aufatmen: Es ist nicht auf der Liste der Tyrannenstaaten verzeichnet, die Bushs neue rechte Hand Condi jetzt herumgereicht hat: Die designierte US-Au�enministerin Condoleezza Rice hat die sechs Staaten Birma, Kuba, Iran, Nordkorea, Simbabwe und Wei�russland als "Vorposten der Tyrannei" in der Welt gebrandmarkt. Die Vereinigten Staaten solidarisierten sich mit den unterdr�ckten Menschen in diesen L�ndern, betonte sie am Dienstag in einem Statement aus Anlass ihrer Anh�rung durch den Senat in Washington. Gleichzeitig k�ndigte die Beziehungen zu den Verb�ndeten st�rken, die wegen des Irak-Kriegs gelitten haben. Also Deutschland vorerst runter von der "Achse des B�sen", mit der uns Rumsfeld vor 2 Jahren noch in Verbindung brachte. Das mit der Tyrannei h�rt sich ansonsten aber schon recht stark an, da sind die deutschen Unworte des Jahres ("Humankapital", "Begr��ungszentrum") ja nix dagegen.

Wir sind jedenfalls gespannt, was Condi noch so alles von sich gibt in der Zukunft. Ihr Vorg�nger Colin Powell fand ja laut Financial Times zumindest in letzter Zeit im Bezug auf das Irak-Desaster klare Worte: According to Chas Freeman, former US ambassador to Saudi Arabia and head of the independent Middle East Policy Council, Mr Bush recently asked Mr Powell for his view on the progress of the war. "We're losing," Mr Powell was quoted as saying. Mr Freeman said Mr Bush then asked the secretary of state to leave. ... Analysts are concerned that with the departure of Mr Powell and his replacement by Condoleezza Rice, the president's loyal national security adviser, the White House will be further shielded from dissent. Mehr zu diesen anhaltenden Realit�tsverzerrungen im Wei�en Haus in Telepolis.

Planetopia vom Bloggerhype �berfordert

--- Es kam, wie es kommen musste: nach dem ganzen Bloggerhype der letzten Wochen hat sich nun also auch das "Wissenschaftsmagazin" Planetopia von Sat.1 mit dem Thema Weblogs auseinandergesetzt (Video u.a. hier) und dabei den Schwerpunkt auf "Internettageb�cher als neue Informationsquelle". Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, die Technikmagazine anderer TV-Magazine wie "Neues" von 3sat machen dies schon seit langem. Die Planetopianer kamen jetzt aber anscheinend haupts�chlich wegen der Jamba-Geschichte von Johnny auf das Thema und gingen -- von einem alten Medium her kommend -- recht skeptisch an die neue Informationsstr�me im Web heran, welche die Redaktion wohl auch einfach ein wenig be�ngstigte und rein quantitativ �berforderte. So merken die Beitragsmacher denn auch rasch an: Auch selbstverfasste Nachrichten werden in Umlauf gebracht. Frech, wer d�rfte es wagen, das "traditionelle Medienmonopol" auf die Nachrichtenverbreitung zu knacken? Wir sind hier also mal wieder bei unserem Lieblingsthema Weblogs und Mainstream-Medien, wobei sich nach meiner Ansicht beide Seiten ja letztlich wunderbar erg�nzen (mehr zum dummen "Kampf" zwischen Bloggern und Journalisten bei Mario Sixtus). Planetopia befragte nun Prof. Christoph Neuberger, Kommunikationswissenschaftler: �Bei den Weblogs ist das Prinzip im Grunde genommen genau umgekehrt im Vergleich zu den traditionellen Massenmedien. Die haben Redaktionen, die zun�chst pr�fen, bevor etwas ver�ffentlicht wird. Bei Weblogs wird erst ver�ffentlicht und dann gepr�ft, wobei an dieser Pr�fuzng (sic) die anderen online-Nutzer beteiligt sind, vor allem nat�rlich die Blogger, die in der Blogossph�re eng miteinander vernetzt sind.�

So sehr ich den Kollegen Neuberger und den Gro�teil seiner Arbeit sch�tze: aber das stimmt so in der Pauschalit�t nat�rlich nicht ganz: Das meiste, was in Blogs publiziert wird, ging doch zun�chst durch die angeblich auch so gute Pr�fung der Redaktionen der Massenmedien. Wo sollten die armen Blogger denn sonst ihre News herbekommen? Nat�rlich hat der ein oder andere Weblogger auch Insider-Informationen. Aber wieso sollte er die nicht auch �ffentlich machen d�rfen, solange er �ber eigene Erfahrungen berichtet? In Weblogs wird das massenmedial Berichtete in der Regel aber doch "nur" kommentiert oder in eigene Zusammenh�nge gestellt. Das mit der kollektiven Pr�fung von Nachrichten in Weblogs ist so doch eine tolle Sache, nicht zuletzt kam es deswegen ja auch zu den "Watchblogs". Sind sich doch alle einig, dass sich in die massenmediale Berichterstattung auch ab und an Fehler einschleichen. Wenn diese dann ein Blogger mal �bernimmt, wie es Planetopia dem Schockwellenreiter bei einem schon recht "altert�mlichen" Fall vorwirft, ist dann etwa der Blogger daran schuld? In der Regel wird er ja zudem sehr schnell auf den Fehler aufmerksam gemacht und bringt ein Update oder eine Erg�nzung -- das ist ja das Sch�ne an der vernetzten Blogosph�re. Dass die Blogger aus unergr�ndlichen Netzquellen irgendwelche Geschichten zusammentippen und verlinken und diese sich ungepr�ft wie eine Lawine ausbreiten und gar von den Massenmedien "zwangsweise" �bernommen werden, ist also wohl nicht so die gro�e Gefahr, wie von Neuberger bef�rchtet.

Andererseits ist aber auch die Aufregung bei den ebenfalls gesch�tzten Bloggerkollegen (Planetopia l�gt, titelt der Schockwellenreiter und legt heute noch mal nach mit einer Verdammis schier der dreiviertel Journalistenzunft, Johnny hat eine "Zusammenfassung" der L�genvorw�rfe erstellt) nicht so ganz nachzuvollziehen. Mich hat die Sat.1-Redaktion auch angefragt wegen eines potenziellen Interviews f�r die Sendung. Aber als ich ihnen meine These von der weitgehenden Selbstkorrekturfunktion in den seri�sen und auf ihren Ruf bedachten Blogs dargelegt habe, passte das wohl so gar nicht in das Konzept, das am Telefon ja schon recht deutlich wurde. Im Medienrauschen finden die Kollegen denn auch, dass Johnny und der wellenreitende J�rg Sat.1 ja in erster Linie gar kein Interview h�tten geben m�ssen. Oder im Gespr�ch halt noch deutlicher sagen m�ssen, wieso die Blogosph�re gut ist und was ihre St�rken und ihre Unterschiede im Vergleich zu den traditionellen Medien sind. Aber sowas passt vermutlich dann doch nicht in einen Privatsender.

PS: Mehr Bloggerhype auch schon wieder in der FAZ. Und ach ja, eigentlich sollte man eher �ber neue, gerade noch glimpflich abgelaufene, nichtsdestoweniger haarstr�ubende Entf�hrungen im Irak und Bushs weitere Drohkulisse gegen Iran ("Alle Optionen sind offen") berichten, was hiermit zumindest noch am Rande getan werden soll.

Update: H�bsch der dezente Warnhinweis bei wirres.net (Kommentar zu Planetopia dort nat�rlich auch), den ich gleich mal oben eingebaut habe.

Update 2: Der Senfstau (Name kommt irgendwie bekannt vor ;-) m�chte sich derlei Themen k�nftig anscheinend gern verst�rkt annehmen.

2005-01-17

"Hotel-Journalismus" aus dem Irak

--- Aus dem Irak ist eine halbwegs normale Berichterstattung jenseits des "eingebetten" Journalismus nicht mehr m�glich, schreibt Robert Fisk (Original im britischen Independent, seinem Stammblatt, dort aber nur kostenpflichtig). Die st�ndige Angst vor Entf�hrungen oder Anschl�gen f�hre zu einer reinen "Reportage" aus den halbwegs sicheren vier W�nden aus. "Hotel journalism" is the only way to describe it. More and more, Western reporters in Baghdad are reporting from their hotels rather than the streets of Iraq's towns and cities. Some are accompanied everywhere by hired and heavily armed Western mercenaries. A few live in local offices, from which their editors refuse them permission to leave. Most use Iraqi "stringers" - part-time correspondents who risk their lives to conduct interviews for American or British journalists - and none can contemplate a journey outside the capital without days of preparation, unless they "embed" themselves with US or British forces. Rarely, if ever, has a war been covered by reporters in so distant and restricted a way. Several Western journalists simply do not leave their rooms while on station in Baghdad. So grave are the threats to Western journalists that some television stations are talking of withdrawing their reporters and crews altogether. Amid an insurgency where Westerners - and many Arabs as well as other foreigners - are kidnapped and killed, reporting on this war is becoming close to impossible. ... "The US military couldn't be happier with this situation," a longtime American correspondent in Baghdad says. "They know that if they bomb a house of innocent people, they can claim it was a 'terrorist' base and get away with it. They don't want us roaming around Iraq, and so the 'terrorist' threat is great news for them. They can claim they've shot 600 or 1 000 insurgents and we have no way of checking because we can't go to the cemetery or visit the hospitals - because we don't want to get kidnapped and have our throats cut." Von einer "freien Presse" kann da nat�rlich keine Rede sein. Der bloggende Reporter Christopher Allbritton ist auf jeden Fall auch noch vor Ort in Bagdad. �ber die Rechercheumst�nde erf�hrt man aber wenig, da er das Bloggen nur noch sehr sporadisch betreibt. (Besten Dank an Daniel F. f�r den Tipp).

Bush und Rumsfeld bereiten Iran-Angriff vor

--- Der investigative US-Reporter Seymour Hersh, der zuletzt mit seinen Enth�llungen rund um Abu Ghraib Aufmerksamkeit erregte, hat mal wieder zugeschlagen. In seinem Stammmagazin New Yorker verr�t er, dass die Bush-Regierung mit ihrem Oberfalken Rumsfeld bereits konkrete Angriffsziele im Iran aussp�ht, w�hrend die Europ�er noch auf Verhandlungen setzen: Despite the deteriorating security situation in Iraq, the Bush Administration has not reconsidered its basic long-range policy goal in the Middle East: the establishment of democracy throughout the region. Bush�s re�lection is regarded within the Administration as evidence of America�s support for his decision to go to war. It has reaffirmed the position of the neoconservatives in the Pentagon�s civilian leadership who advocated the invasion, including Paul Wolfowitz, the Deputy Secretary of Defense, and Douglas Feith, the Under-secretary for Policy. According to a former high-level intelligence official, Secretary of Defense Donald Rumsfeld met with the Joint Chiefs of Staff shortly after the election and told them, in essence, that the naysayers had been heard and the American people did not accept their message. Rumsfeld added that America was committed to staying in Iraq and that there would be no second-guessing. �This is a war against terrorism, and Iraq is just one campaign. The Bush Administration is looking at this as a huge war zone,� the former high-level intelligence official told me. �Next, we�re going to have the Iranian campaign. We�ve declared war and the bad guys, wherever they are, are the enemy. This is the last hurrah�we�ve got four years, and want to come out of this saying we won the war on terrorism.� ... The Administration has been conducting secret reconnaissance missions inside Iran a least since last summer. Much of the focus is o the accumulation of intelligence and targetin information on Iranian nuclear, chemical, an missile sites, both declared and suspected. Th goal is to identify and isolate three dozen, an perhaps more, such targets that could b destroyed by precision strikes and short-ter commando raids. �The civilians in th Pentagon want to go into Iran and destroy a much of the military infrastructure as possible, the government consultant with close ties to th Pentagon told me.

Das Desaster im Irak hin oder her -- die Mullahs sollen dran glauben, auch wenn die Beziehungen mit der EU dann endg�ltig in die Br�che gehen w�rden. Aber zun�chst will Bush ja erst mal mit h�chstem Sicherheitsaufwand und trotzdem gleichzeitig unbeschwert seine Wiederwahl feiern, was die Nachrichten �ber einen bevorstehenden Iran-Angriff in dieser Woche erst einmal �berlagern wird. Und �berhaupt, ein Bericht "voller Ungenauigkeiten", t�nt es aus dem Wei�en Haus. Eine sch�ne Best�tigung der Recherchen, denn nat�rlich wei� man dort noch besser �ber die eigenen Pl�ne Bescheid. Aber die Richtung des Wahnsinnsunternehmens scheint zu stimmen.

2005-01-16

Bezahlte Blogger, Politikberater und Medienaktivisten

--- In der amerikanischen Blogosph�re sorgt ein Fall f�r Furore, in dem mal wieder einige beliebte Debattenstr�nge rund um Blogger und Medienethik zusammenlaufen. Ausl�ser war ein Blogeintrag von Zephyr Teachout (die Frau hei�t tats�chlich so) alias "Zonkette", den die Gelegenheitsbloggerin nach eigenen Angaben in Vorbereitung der Harvard-Konferenz Blogging, Journalisms & Credibility (findet Ende der Woche statt) geschrieben hat. Die fr�here Co-Managerin des Internetwahlkampfs von Howard Dean verriet dabei einige bisher nicht allgemein bekannte Details der Netzkampagne: On Dean�s campaign, we paid Markos and Jerome Armstrong as consultants, largely in order to ensure that they said positive things about Dean. We paid them over twice as much as we paid two staffers of similar backgrounds, and they had several other clients. While they ended up also providing useful advice, the initial reason for our outreach was explicitly to buy their airtime. To be very clear, they never committed to supporting Dean for the payment -- but it was very clearly, internally, our goal. Der InstaPundit und andere rechte Blogger st�rzten sich als erstes auf die Nachricht, denn Markos Moulitsas Zuniga und Armstrong gelten mit ihren Gruppenblogs DailyKos bzw. MyDD als die wichtigsten linken Blogger in den USA. Und dass sich diese anscheinend vom Dean-Team bezahlen lie�en (prinzipiell f�r Technikberatung, aber gew�nscht war eher inhaltliche Unterst�tzung), ist zumindest ein Skand�lchen. Zumal gerade Nachrichten die Runde machten, dass der konservative TV-und-sonstwas-Kommentator Armstrong Williams satte 240.000 US-Dollar von der Bush-Regierung eingesackt hatte, um ein umstrittenes Ausbildungsgesetz, den h�bsch betitelten No Child Left Behind Act, im Fernsehen undercover zu promoten.

Die Geschichte �ber die "Schmiergeldaff�re" ("Payola") erhielt richtig Zunder, als das Wall Street Journal Teachouts Posting aufgriff und ein wenig aufbauschte (vermutlich auch, um vom Williams-Skandal abzulenken). Armstrong und Zuniga mussten sich nat�rlich rechtfertigen, was im Fall des ersteren noch recht gut gelang: er h�rte w�hrend seiner Arbeit f�r die Dean-Kampagne komplett mit dem Bloggen auf und konnte seine H�nde so in Unschuld waschen. Bei DailyKos ist die Sache dagegen etwas heikler: Moulitsas postete zwar damals eine ausf�hrliche "Full Disclosure"-Note, doch weder �ber die H�he des Beratersal�rs (3000 Dollar im Monat), noch �ber seine genaue T�tigkeit gab er Auskunft und verwies auf eine Verschwiegenheitserkl�rung: I will not discuss my role within the Dean campaign, other than to say it's technical, not message or strategy. I will also not discuss any of my other clients, including their identities (I have non-disclose agreements to which I must adhere). Zudem verwies Moulitsas inzwischen mehrfach auf den Unterschied zum Williams-Fall, da dieser ja auch noch Steuergelder bekommen h�tte. Seine Mitblogger haben dazu auch eine kleine Tabelle gebastelt und andere "Prominente" aus der Dean-Kampagne geben ihm inzwischen R�ckendeckung. Trotzdem bleibt ein unfeiner Nachgeschmack, wie ihn etwa ein Slate-Reporter zur Sprache bringt.

Die Story beweist zum einen erneut, wie sehr sich die Aufmerksamkeit auch der traditionellen Medien inzwischen auf die Blogosph�re und ihr Treiben richtet. Zu diskutieren ist in diesem Zusammenhang auch mal wieder die Selbstbeschreibung der Mehrzahl der Blogger gegen�ber dem Arbeitsverst�ndnis der Massenmedien (obwohl beide bekanntlich teilweise aufeinander zulaufen). Denn es d�rfte inzwischen wohl klar sein, dass Blogger nicht unbedingt dem Mythos der Objektivit�t hinterrennende Qualit�tsjournalisten sind, sondern "h�chstens" Kommentatoren und Editorial-Schreiber, wenn man schon den Vergleich mit der Presse beibehalten m�chte. Moulitsas selbst hat sich als "Aktivist" beschrieben, nicht als Journalist. Und �ber Kampagnen am Laufen haltende Blogger hat der Spindoktor auch bereits berichtet. Interessant dagegen, dass just der InstaPundit jetzt so sehr seine "Neutralit�t" herausstellt. Dabei f�hrt er in der Regel auch nichts weiter als Kampagnen zur Unterst�tzung der Bush-Regierung, wie ich in Krieg und Internet im direkten Vergleich mit DailyKos gezeigt habe. Das hat sich zwar inzwischen ein wenig gemildert, vom Tenor bleibt der InstaPundit aber politisch nat�rlich trotzdem ein konservativer Blogger. Aber daf�r hat er ja auch seine Kritiker auf der linken Seite, sodass insgesamt die Selbstkorrektur in der Blogosph�re doch recht gut -- und vor allem besser als in den Mainstream-Medien -- funktioniert.

Update: Mehr zum Thema inzwischen auch in Salon.

2005-01-15

Politiker-Nebeneink�nfte und kein Ende

--- Nachdem die Volks(wagen)vertreter-Aff�re mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Jann-Peter Janssen ein erstes Opfer gefunden hat, geht Siemens jetzt in die Offensive und verr�t etwas �ber Politiker auf seiner Gehaltsliste: Die Firma entlohnt nach den Worten des Konzernchefs Heinrich von Pierer mehrere B�rgermeister, Landtagsabgeordnete und einen Bundespolitiker. ... Von den zw�lf Berufspolitikern, die weiterhin ein Siemens-Gehalt bekommen, seien sieben B�rgermeister, vier s��en im Landtag, einer im Bundestag. "Wir wollen doch, dass mehr wirtschaftlicher Sachverstand in die Politik kommt", sagte der Siemens-Chef weiter und betonte: "Deshalb f�rdern wir als Unternehmen, dass gute Mitarbeiter in die Politik wechseln." Namen nannte von Pierer nicht. Eine k�stliche Umschreibung f�r die Verbindung von Direkt-Lobbying und Politikergeschmiere. SPD und Gr�ne wollen mit den intransparenten Zusatzverdiensten aus den Konzernkassen jetzt vorgehen: Die Fraktionsspitzen von SPD und Gr�ne vereinbarten am Samstag, die Verhaltensregeln f�r die Parlamentarier so schnell wie m�glich zu �ndern. "Wir d�rfen das nicht auf die lange Bank schieben", sagte Gr�nen-Fraktionschefin Katrin G�ring-Eckardt bei dem Treffen in W�rlitz bei Dessau. Es gebe aber noch "keine Verabredung, wie die Sanktionen aussehen sollen". Ihre Amtskollegin Krista Sager sprach von einem Defizit, da bislang Strafen f�r Verst��e gegen die Verhaltensregeln fehlten. SPD und Gr�ne h�tten sich aber noch nicht auf Strafen geeinigt. Der "Spiegel" hatte zuvor unter Berufung auf die Koalitionsspitze berichtet, dass ertappte Abgeordnete die nicht ordnungsgem�� erhaltenen Zahlungen in doppelter H�he an die Bundestagsverwaltung abf�hren sollen. Auf einen interessanten Fall aus dem EU-Parlament in Verbindung mit der Urheberrechtsgesetzgebung verweist ansonsten Netzpolitik.org.

Update: Ein Gl�ck, dass Werner M�ller zumindest nicht mehr von seinem Ministerposten zur�cktreten kann. Zumindest eine gro�e, gro�e Spende ist aber auch bei ihm f�llig!! Das schl�gt nun wirklich dem Fass den Boden aus.

Abu-Ghraib-Folterer Graner schuldig gesprochen

--- Die US-Medien und die deutschen Online-Ticker sind heute voll von der Verurteilung des inzwischen degradierten Abu-Ghraib-Folterkorporals Charles A. Graner. Unterschiedlich fallen die Urteile aus, ob der 36-J�hrige auf Stimmen von oben geh�rt hat oder selbst einen Trend in dem Milit�rgef�ngnis ausgel�st hat. Aus der Washington Post: The defense maintained that Graner, who was a corporal and has since been demoted, and the other low-ranking enlisted soldiers indicted in the case were scapegoats set up by the Army to deflect blame from senior offices in charge of the prison. No officer at Abu Ghraib, and no one higher in the chain of command, has faced criminal charges to date. That discrepancy became the core defense argument at the court-martial. Defense attorney Guy Womack reiterated the point in closing arguments Friday. "The government is asking a corporal to take the hit for them," Womack said. "The chain of command says, 'We didn't know anything about this stuff,' " he continued. "You know that is a lie." Four others stationed at Abu Ghraib have pleaded guilty to charges resulting from the abuse; three were sentenced to prison terms, and one was reduced in rank. Two more face trials in the next two months. Daneben schildert die Post noch mal recht detailliert, welche (sexuellen) Spiele Graner und seine anderen Folterknechte mit den Gefangenen durchexerziert haben.

Die New York Times zeigt sich vor allem erleichtert, dass mit der Verurteilung und den drohenden 15 Jahren Haft ein wenig Gerechtigkeit wiederhergestellt ist: The prosecutor, Capt. Chris Graveline, urged jurors for a guilty verdict in his closing arguments, saying: "It will speak volumes to the accused. It will speak volumes to our Army. It will speak volumes to our country. It will speak volumes to the world." In der LA Times dazu noch die Stimme eines Misshandelten: Prosecutors played a videotaped deposition from Iraq by Hussein Mutar, a suspected car thief who was one of the detainees stacked naked in a pyramid and forced to perform mock sexual acts. "The Americans came to free the Iraqi people from Saddam," Mutar said through an interpreter. "I didn't expect this was going to happen. They took Saddam out of power and it appeared they were good. But this incident changed the entire picture of what Americans look like." Eines der dunkelsten Kapitel der US-Milit�rgeschichte lebt damit noch einmal auf. Bleibt zu hoffen, dass es damit nicht gleich ganz beendet ist und Graner als Bauernopfer allein f�llt. Siehe auch das Posting zum Thema bei DailyKos.

Update: Graner erh�lt zehn Jahre Haft und fliegt aus der Armee.

Update2: "The Graner verdict changes nothing", schreibt David.

Zeitungen �ffnen ihre Redaktionen

--- Nachdem die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gezeigt hat, wie leicht der Eintritt in die redaktionellen Teile der Zeitungen und Magazine gelingt, folgt nun der m�chtige ADAC. Der Deutschlandfunk berichtet heute, dass die Verlage verst�rkt redaktionelle Arbeiten outsourcen, um Kosten zu sparen. "So gab es bei der M�nchner Abendzeitung seit Jahrzehnten eine "Motorseite", doch die Redaktion wurde Anfang des Jahres geschlossen. An ihre Stelle dr�ngte das so genannte Sprachrohr f�r Millionen Autofahrer, der Gro�lobbyist ADAC in das Blatt. Chefredakteur der ADAC Motorwelt ist Michael Ramstetter." Der will vom Verlust journalistischer Freiheit nichts wissen, wobei viele Motorteile ohnehin nicht daf�r bekannt sind, unabh�ngig und kritisch zu berichten. Ramstetter: "Wenn ich in ein solches Konzept wie mit der Abendzeitung einsteige, dann hat sich der ADAC journalistisch zur�ckzunehmen, dann muss nicht deutlich sein, dass das alles ADAC ist, sondern da steht der saubere, seri�se Journalismus mit einer journalistischen Beratung im Vordergrund und dann ist das Agenturt�tigkeit, also quasi Redaktionsagenturt�tigkeit und nicht Werbeagenturt�tigkeit." Fragt sich nur, wer dann die Verantwortung f�r den Inhalt �bernimmt und vor allem, wer will da im Zweifel pr�fen, woher die Informationen stammen?
Bravo Sport wird laut DLF-Beitrag bereits von einem K�lner Journalistenb�ro erstellt, Nachrichtenagenturen wie DPA haben ebenfalls reagieren und bieten Beitr�ge f�r die sogenannten Serviceseiten an.
Der Trend d�rfte fr�hlich weitergehen: "
Nach einer Studie des Verbands deutscher Zeitschriftenverleger gaben 41 Prozent der kleinen Verlagen an, redaktionelle T�tigkeiten bereits an externe Dienstleister ausgegliedert zu haben. Bei den gro�en Verlagen, mit �ber 100 Millionen Euro Umsatz, waren es nur 13 Prozent. Und weitere 13 Prozent der Gro�verlage sehen heute im Outsourcing redaktioneller Arbeit eine zuk�nftige Alternative." Freie Journalisten dieser Welt: Das ist eure Chance!

2005-01-14

Bushs irakische Realit�tsverzerrung

--- Der arme George: da wird doch glatt kurz vor seiner pomp�sen Inauguration die Suche nach den vermeintlichen Massenvernichtungswaffen im Irak von US-Geheimdienstexperten eingestellt, und nun muss er sich schon wieder irgendwie aus der Patsche helfen, denn zu rechtfertigen gibt es da ja einfach nichts mehr. Also mal wieder Erstaunen geheuchelt und die alte Platte (mit Sprung) aufgelegt: Saddam was dangerous. And . . . the world was safer without him in power. War sagt Bush immerhin, denn nach dieser vielleicht ein paar Tage einnehmenden Epoche in der Menschheitsgeschichte, ist der Irak l�ngst wieder zur Brutst�tte und zum "Magnet" f�r Terroristen geworden, wie die CIA konstatiert (aber auch dies keineswegs zum ersten Mal). Mehr zum L�gengespinst in Washington in Telepolis.

2005-01-13

Irak: keine Massenvernichtungswaffen, keine allgemeinen Wahlen

--- Die Washington Post hat gleich zwei interessante Irak-News zu vermelden. Zum einen hat die Iraq Survey Group (ISG), die mit dem Aufsp�ren der laut der Bush-Regierung von Saddam Hussein gegen den Rest der Welt bedrohlich in Stellung gebrachten Massenvernichtungswaffen beauftragt war, im Dezember heimlich still und leise ihre Arbeit ergebnislos eingestellt: Four months after Charles A. Duelfer, who led the weapons hunt in 2004, submitted an interim report to Congress that contradicted nearly every prewar assertion about Iraq made by top Bush administration officials, a senior intelligence official said the findings will stand as the ISG's final conclusions and will be published this spring. ... The ISG has interviewed every person it could find connected to programs that ended more than 10 years ago, and every suspected site within Iraq has been fully searched, or stripped bare by insurgents and thieves, according to several people involved in the weapons hunt. Das war also ein Schlag ins Wasser, mit dem sich die Amerikaner und der Rest der Welt nun aber weiterhin herumschlagen m�ssen. Doch auch im Spindoktor wurde zu dem Thema schon alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt.

Derweil ger�t nun auch der Mythos von den freien und allgemeinen Wahlen im Irak, auf den Bush seine letzte Hoffnung bei der Befriedung des Landes setzt, ganz offiziell ins Hintertreffen: As violence continued, interim Prime Minister Ayad Allawi said the lack of security in some parts of the country could prevent voters from participating in elections scheduled for Jan. 30. "Certainly, there will be some pockets that will not be able to participate in the elections for these reasons, but we think that it will not be widespread," Allawi said at a news conference.

Mehr zu Allawis anscheinend nur angesichts der Bedrohlichkeit der Lage kurz unterbrochenem Herumgespinne in Telepolis: Eigentlich ist er ein Routinier der Sch�nf�rberei, doch diesmal lie� der irakische Interims-Ministerpr�sident etwas Wirklichkeit in seine luftigen Reden vom befreiten Land einflie�en. Zum ersten Mal gab der Mann mit dem notorischen Hang zur fiktionalen Versch�nerung der Realit�t zu, dass die Gewalt im Irak die Wahlen in einigen Teilen des Landes verhindere. ... Der Verdacht liegt nahe, dass weiterhin "Irakmethik" betrieben wird, das Spiel mit Zahlen, die der Selbstdarstellung der Amerikaner und einiger Mitglieder der derzeitigen irakischen Regierung, die beispielsweise kontinuierlich �berh�hte Zahlen von den R�ckkehrern nach Falludscha nach au�en geben, gut zupass kommen. Berichterstattung aus dem Irak wird sowohl von der amerikanischen Regierung wie von Teilen der irakischen vorwiegend als Public Relations-Angelegenheit verstanden; die halbe, gut verk�ufliche Wahrheit ist gefragt, eine �ffentlichkeit vorausgesetzt, die nur beruhigt werden will. Die politischen Mitarbeiter des irakischen Ministerpr�sidenten gehen mit dieser arroganten, herrschaftlichen Konzeption von �ffentlichkeit und Berichterstattung anscheinend sehr weit. Wie die Financial Times berichtete, lud Allawis Wahlkampfmannschaft arabische Journalisten nach einer Pressekonferenz nach "oben", um ihnen 100 Dollar in einem Umschlag zu �berreichen. Kommentieren l�sst sich so etwas eigentlich kaum noch.

2005-01-12

Weissrussland: reif f�r die n�chste Revolution?

--- Nach dem Regimesturz in der Ukraine, den der unterlegene Janukowitsch aber noch nicht akzeptieren will, richtet sich nun der Blick verst�rkt auf das benachbarte Weissrussland: der gro�m�ulige wei�russische Machthaber Alexander Lukaschenko demonstriert gro�spurig seinen Herrschaftsanspruch, obwohl er in unmittelbarer N�he zu den ukrainischen Ereignissen besonders gef�hrdet scheint. Doch Lukaschenko gibt sich unbeirrt. In seinem Reich werde es "keine Rosen-, keine orangefarbene, keine Bananenrevolution geben", machte er sich am Wochenende w�hrend eines Weihnachtsgottesdienstes in Minsk stark. Er als Pr�sident werde weiterhin f�r Frieden und Stabilit�t in Wei�ru�land sorgen, versprach er. Das Limit des Landes an Kriegen und Revolutionen sei ausgesch�pft. "Ich bitte daran zu denken und zu diesem Thema nicht mehr zur�ckzukehren", befahl "Batjuschka", das V�terchen, wie er sich gerne nennen l��t, den Teilnehmern des Gottesdienstes. ... da� der Westen �berall die H�nde im Spiel hat, daran zweifelt in der wei�russischen F�hrung niemand, schon aus Staatsraison. So will Nikolai Losowik, Chef der wei�russischen zentralen Wahlkommission, erkannt haben, da� der Gesetzesnihilismus w�hrend der Pr�sidentenwahl im Nachbarland "mit dem Segen, m�glicherweise sogar auf Initiative von Beobachtern internationaler Organisationen" um sich gegriffen habe ... Oppositionelle, die in der Stadt mit orangefarbenen B�ndern ihre Solidarit�t mit dem neuen ukrainischen Pr�sidenten Juschtschenko ausdr�cken, werden schon mal vom Fleck weg verhaftet, Teilnehmer einer B�rgerinitiative in einem Hotel festgenommen. Aber der Widerstand bleibt gering. Wei�ru�lands Opposition, die sich gerne ein Beispiel nehmen m�chte am revolution�ren Elan der Ukrainer, ist schwach. Da wird also wohl erst mal wenig passieren.

Dagegen muss sich Russlands Putin mal wieder mit Vorw�rfen besch�ftigen: Nach einer l�hmenden zehnt�gigen Feiertagsserie zum Jahresbeginn hat das �ffentliche Leben in Ru�land wieder eingesetzt. Mit �berraschend herben Aktionen, die Pr�sident Wladimir Putin unter Druck setzen. Landesweit gingen die Rentner auf die Stra�e und protestierten gegen das, was die russische F�hrung die "Monetarisierung der Verg�nstigungen" nennt: Bisher kostenlos verteilte Wohltaten des Staates m�ssen vom 1.�Januar an bezahlt werden, sollen aber durch finanzielle Leistungen ausgeglichen werden. ... "Die Demokratie weicht einer brutalen Diktatur", befand Ex-Schachweltmeister Gari Kasparow dieser Tage auf einer Presseveranstaltung in London. Das geschehe mit offener oder stillschweigender Unterst�tzung des Westens f�r Putin, den Kasparow - weit �ber das Ziel hinausschie�end - als "Faschisten" apostrophierte. Kasparow geh�rt zu den Mitbegr�ndern des Komitees 2008, das eine Verfassungs�nderung verhindern will, mit der der Kremlchef ein drittes Mal kandidieren k�nnte, und das nach einem geeigneten Nachfolger Ausschau h�lt.

2005-01-11

Wandelndes Fallbeil: Bushs neuer Heimatschutzminister

--- Bush hat nach dem Flop mit dem Superbullen Kerik nun den Ex-Richter und ehemaligen stellvertretenden US-Justizminister Michael Chertoff als obersten Heimatsch�tzer auserkoren. Linke B�rgerrechtsgruppierungen wie die ACLU sind mal wieder �u�erst besorgt: we are troubled that his public record suggests he sees the Bill of Rights as an obstacle to national security, rather than a guidebook for how to do security properly. He has been a vocal champion of the Bush administration�s pervasive belief that the executive branch should be free of many of the checks and balances that keep it from abusing its immense power over our lives and liberty. His nomination as head of the Department of Homeland Security - a new and untested agency with great influence on civil liberties - means that Chertoff should be questioned aggressively to ensure his fitness for the position, and the strength of his dedication to the Bill of Rights. This is made more imperative by the fact that, as with Attorney General-nominee Alberto Gonzales, some of Chertoff�s post-9/11 policies have been repudiated by others in the government. Namely, two reports by the Justice Department�s inspector general, released in June and December 2003, castigated Chertoff�s use of rarely enforced and minor immigration violations to hold non-citizens shortly after 9/11 for as long as possible, without bail or access to a lawyer. None of these non-citizens was found to have any connection to the 9/11 attacks. Chertoff was also an architect of the USA Patriot Act, which has come under increasing fire from conservatives and progressives alike since its passage in 2001. Die Bef�rwortung der Schleppnetzfahndung wird Chertoff vorgeworfen, was einem k�nftigen Minister nicht sonderlich gut zu Gesicht steht. Der stramme Republikaner wurde auch schon als "Top-Gremlin" des Ex-Justizministers Ashcroft bezeichnet.

Die Reaktionen von rechten Bloggern wie Lone Star Times aus den weiten Texas' sind dagegen genauso bezeichnend: Knowing next to nothing about the man, my initial reaction is positive. First of all, he just looks like a real bastard. That's good. I want a�bastard in charge of Homeland Security. Das ist unmissverst�ndlich. Mal sehen, ob der US-Senat das genauso haben will oder ob Bush erneut nachlegen muss. Mehr zum gestrengen Chertoff u.a. bei Spiegel Online: Selbstverst�ndlich ist Chertoff ein �berzeugter Bef�rworter der Todesstrafe. Freundlich im Ton, eisenhart in der Sache. Ein l�chelndes Fallbeil. Ein Typ ganz nach dem Geschmack von George W. Bush also. Chertoff sei "ein praktischer Organisator, kundiger Manager und brillianter Denker", sagt der US-Pr�sident �ber den Mann, der sein neuer Heimatschutzminister werden soll. Vor allem aber ist Chertoff, wie alle Mitglieder des nunmehr kompletten, neuen Kabinetts, ein verl�sslicher Gefolgsmann Bushs.

Heute auch noch lesenswert: Der US-Sender CBS ver�ffentlicht eine Untersuchung des von Bloggern aufgedeckten "Rathergate"-Skandals rund um den Nachrichtenfrontmann Dan Rather (die ganze Analyse gibt es hier als PDF). Und Telepolis wirft ein Auge auf die Hassblogger.

2005-01-10

Newsweek: USA plant Einsatz von Terror vs. Terror im Irak

--- Die Bush-Regierung und insbesondere das Pentagon werden anscheinend immer verzweifelter, was den Irak-Krieg und die Eskalation des Terrors im Zweistromland angeht. Denn laut Newsweek plant man nun, den Terror mit Gegenterror zu bek�mpfen. Alles nat�rlich in geheimer Mission und ohne �ffentlichen Segen: The Pentagon�s latest approach is being called "the Salvador option"�and the fact that it is being discussed at all is a measure of just how worried Donald Rumsfeld really is. "What everyone agrees is that we can�t just go on as we are," one senior military officer told NEWSWEEK. "We have to find a way to take the offensive against the insurgents. Right now, we are playing defense. And we are losing." ... Now, NEWSWEEK has learned, the Pentagon is intensively debating an option that dates back to a still-secret strategy in the Reagan administration�s battle against the leftist guerrilla insurgency in El Salvador in the early 1980s. Then, faced with a losing war against Salvadoran rebels, the U.S. government funded or supported "nationalist" forces that allegedly included so-called death squads directed to hunt down and kill rebel leaders and sympathizers. ... Following that model, one Pentagon proposal would send Special Forces teams to advise, support and possibly train Iraqi squads, most likely hand-picked Kurdish Peshmerga fighters and Shiite militiamen, to target Sunni insurgents and their sympathizers, even across the border into Syria, according to military insiders familiar with the discussions. ... Also being debated is which agency within the U.S. government�the Defense department or CIA�would take responsibility for such an operation. Rumsfeld�s Pentagon has aggressively sought to build up its own intelligence-gathering and clandestine capability with an operation run by Defense Undersecretary Stephen Cambone. But since the Abu Ghraib interrogations scandal, some military officials are ultra-wary of any operations that could run afoul of the ethics codified in the Uniform Code of Military Justice. Da war der Kalte Krieg ja fast schon Zuckerschlecken gegen die hei�e Terrorschlacht, die da droht. Mehr zu den Todesschwadronen in Telepolis.

Die Zukunft der New York Times und die Zukunft der Zeitung

--- BusinessWeek wirft einen ausf�hrlichen und spannenden Blick auf die k�nftigen Herausforderungen f�r die New York Times als Hort des Qualit�tsjournalismus -- und damit auf die anspruchsvolle Printbranche insgesamt: The growing polarization of the body politic along ideological lines also is hurting the Times and its big-media brethren. One of the few things on which Bush and Kerry supporters agreed during the Presidential campaign was that the press was unfair in its coverage of their candidate. Keller says the Times was deluged with "ferocious letters berating us for either being stooges of the Bush Administration or agents of Michael Moore." Complaints from the Right were far more numerous, even before the newspaper painted a bull's-eye on itself in running a column by public editor Daniel Okrent headlined "Is The New York Times a Liberal Newspaper?" Okrent's short answer: "Of course it is." What a growing, or at least increasingly strident, segment of the population seems to want is not journalism untainted by the personal views of journalists but coverage that affirms their partisan beliefs -- in the way that many Fox News (FOX ) shows cater to a conservative constituency. For years, major news organizations have been accused of falling short of the ideal of impartiality that they espouse. Now, the very notion of impartiality is under assault, blurring the line between journalism and propaganda. For its part, the Bush White House has succeeded to a degree in marginalizing the national or "elite" press by walling off public access to much of the workings of the government and by treating the Fourth Estate as merely another special interest group that can be safely ignored when it isn't being exploited. The Bushies particularly dislike the Times, which, in their view, epitomizes the Eastern liberal Establishment. ... The Times also is under attack from another branch of the federal government -- the judiciary. The paper figures centrally in most of a half-dozen pending court cases that collectively pose a dire threat to the traditional journalistic practice of assuring confidentiality to whistle-blowers and other informants. ...

The New York Times, like all print publications, faces a quandary. A majority of the paper's readership now views the paper online, but the company still derives 90% of its revenues from newspapering. "The business model that seems to justify the expense of producing quality journalism is the one that isn't growing, and the one that is growing -- the Internet -- isn't producing enough revenue to produce journalism of the same quality," says John Battelle, a co-founder of Wired and other magazines and Web sites. Today, Sulzberger faces an even bigger challenge than when he took charge of the Times in the mid-1990s. Can he find a way to rekindle growth while preserving the primacy of the Times's journalism? The answer will go a long way toward determining not only the fate of America's most important newspaper but also whether traditional, reporting-intensive journalism has a central place in the Digital Age.

2005-01-09

Bushs Krisenrethorik -- etwas �berstrapaziert?

--- Die Washington Post beleuchtet Bushs Strategie, k�nstlich Krisen herbeizureden, um seine politischen Ziele dann als "perfekte" L�sung zu pr�sentieren: President Bush had great success in his first term by defining crises that demanded decisive responses. Now, as he begins a second term, Bush is returning to the same tactic to accomplish three longtime conservative goals. Warning of the need for urgent action on his Social Security plan, Bush says the "crisis is now" for a system even the most pessimistic observers say will take in more in taxes than it pays out in benefits well into the next decade. He calls the proliferation of medical liability lawsuits a "crisis in America" that can be fixed only by limiting a patient's right to sue for large damages. And Bush has repeatedly accused Senate Democrats of creating a "vacancy crisis" on the federal bench by refusing to confirm a small percentage of his judicial nominees. This strategy helped Bush win support for the war in Iraq, tax cuts and education policies, as well as reclaim the White House. What is unclear is whether the same approach will work, given the battering to the administration's credibility over its Iraq claims and a new Democratic campaign accusing Bush of crying wolf. ... Democrats and some presidential scholars say there is a danger for Bush if he appears to stoke fears for political gain. The Bush administration was criticized throughout the campaign -- and before -- for its repeated prewar warnings of Saddam Hussein's deadly weapons cache, which turned out to be based on faulty intelligence and proved largely untrue. Democrats contend Bush also exaggerated the nation's economic problems to justify tax cuts, terrorist threats to convince the public of the need for restrictions on civil liberties, and John F. Kerry's record to win a second term. "One of the key problems of this form of rhetorical leadership" is discerning the difference "between a genuine and manufactured crisis," said Jeffrey K. Tulis, author "The Rhetorical Presidency" and a government professor at the University of Texas. "People do respond to crisis -- if you think there is one, you tend to support the leader. The danger there is if it appears there is not one, you can have a credibility problem."

Spendentheater: N�chstenliebe aus Eigennutz

--- Die Welt am Sonntag wirft heute einen erweiterten Blick hinter das Spendentheater rund um die Jahrhundertflut im indischen Ozean: Diese Bilder der Begeisterung w�nschen sich die USA seit ihrem Einmarsch in Bagdad vor beinahe zwei Jahren: Tausende Muslime strecken ihre H�nde dankbar den Reiss�cken und Wasserkanistern entgegen, die US-Soldaten aus Hubschraubern entladen. Jetzt kommen diese imagetr�chtigen Motive vom Nordzipfel der indonesischen Insel Sumatra. Die von dem Seebeben am zweiten Weihnachtstag in einem apokalyptischen Ausma� verw�stete Landschaft gibt die Kulisse f�r eine der gr��ten Sympathieoffensiven, die das US-Milit�r seit der Berlin-Blockade mit seinen Rosinenbombern unternommen hat. 100�000 Menschen wurden in der vergangenen Woche zeitweilig aus der Luft versorgt - der gr��te Einsatz des US-Milit�rs in Asien seit dem Vietnamkrieg. "Amerikanische Werte am Werk", beschrieb ein stolzer Nochau�enminister Colin Powell diese logistische Meisterleistung bei seinem Besuch vor Ort. W�hrend sich die USA global karitativ geben und so verh�rtete Fronten gegen�ber der muslimischen Welt aufbrechen, gingen am Mittwoch vergangener Woche die Deutschen in die Offensive. Kanzler Gerhard Schr�der und sein Au�enminister Joschka Fischer k�ndigten an, die Hilfe Berlins f�r die Krisenregion auf 500 Millionen Euro aufzustocken. Damit setzte sich Deutschland kurzfristig an die Spitze der internationalen Gebergemeinschaft, bis die Australier am gleichen Tag nachlegten. ... Die USA, die Deutschen, die EU und die UNO - die gr��te humanit�re Aktion aller Zeiten, die Spendenrallye �ber alle Kontinente hinweg, sie ist auch ein Spiel um Macht und Einflu� in der wichtigen Region S�dasien und abseits dieser B�hne. Die politische Konkurrenz spornt die Hilfe an, doch der inzwischen mancherorts schon etwas protzig zur Schau getragene Wettstreit um einen Platz im Medaillenspiegel der Barmherzigkeit hat eine realpolitische Komponente, die oft verschwiegen wird. Es geht um Geltung in einer Region, in der sich die USA, Japan und China dr�ngeln, um gro�es Format statt kleinem Karo auf der Weltb�hne und auch darum, in der Heimat als reaktionsstark und krisenfest zu punkten. Angesichts dieses Motivb�ndels jenseits reinen Gutmenschentums bef�rchten Entwicklungshelfer, da� bei weitem nicht alle Zusagen eingehalten werden. Singapurs Ministerpr�sident Lee Hsien Loong warnt, da� dem "kollektiven Kurzzeitged�chtnis" schnell entfallen k�nnte, da� die Region vor bis zu zehnj�hriger Aufbauarbeit stehe.

"Spiegel" sch�rt den Weblog-Hype

--- Nach einer Woche voller, voller Blognews kommt jetzt auch der Spiegel in der Printversion nicht mehr am Thema vorbei und bringt einen konventionellen Artikel �ber Weblogs. Nichts Neues, aber zumindest auch nicht viel gr��lich Falsches: Online-Tageb�cher, sogenannte Blogs, setzen sich als eigene journalistische Stilform allm�hlich auch in Deutschland durch. Die Internet-Chronisten k�nnen zur Gefahr f�r Politiker und Unternehmen werden. Doch Glaubw�rdigkeit wird nicht immer mitgeliefert. ... In Deutschland sind Weblogs erst seit j�ngster Zeit auf dem Vormarsch: Vor zwei Jahren gab es 500, heute sind es bereits rund 50 000 deutsche Angebote. T�glich kommen im Schnitt 120 neue dazu. ... Zumindest ist es ihnen gelungen, einen der Frontm�nner des politischen Journalismus zu erledigen: Dan Rather. Der Star-Journalist des CBS-Nachrichtenmagazins "60 Minutes" hatte dem Fernsehpublikum Papiere vorgelegt, die beweisen sollten, dass sich Pr�sident Bush w�hrend seiner Zeit bei der Nationalgarde einem Befehl entzogen habe. Direkt nach der Sendung tauchten im Netz Zweifel an der Echtheit der Papiere auf. Die Folge: Rather musste gehen - als erstes und bedeutendstes Opfer des traditionellen Journalismus. Und auch Politiker sind bereits �ber Blogger gestolpert: Sie verbreiteten eine rassistische Bemerkung des republikanischen Senatsf�hrers Trent Lott so beharrlich, dass er schlie�lich zur�cktreten musste. ... Trotzdem m�ssen sich vor allem Unternehmen schon jetzt mit einer ganz anderen Form von �ffentlichkeit auseinander setzen. Denn Erfahrungen mit Produkten sind ein beliebtes Thema unter Bloggern und machen im Netz schnell die Runde - vor allem, wenn sie negativ sind.

Peinlich aber dieser Satz: Auch Microsoft und Google bieten seit kurzem einen Weblog-Basteldienst an. Denn wie immer ist Microsoft mit seinem "Spaces"-Service zwar wirklich sehr sp�t erst vor anderthalb Monaten auf den Zug aufgesprungen. Blogger.com ist dagegen ein Pionier der Szene und wurde von Google bereits im Februar 2003 gekauft. Wo waren da nur die Faktenpr�fer und Glaubw�rdigkeitsapostel beim Spiegel? Tsts.

Mehr Bloggerhype bezogen auf das Bildblog gibts bei heute.de. Und Links �ber eine interessante Debatte �ber die Ethik von Bloggern (denen ja auch mal Geld f�r gewisse Eintr�ge geboten werden k�nnte und die nat�rlich letztlich nie interessensfrei agieren) hat der InstaPundit gesammelt.

Update: Telepolis bek�mpft inzwischen den (kommerziellen) Blogger-Hype.

2005-01-08

Politiker, Lobbyisten, Nebeneink�nfte - die unendliche Geschichte

--- Die Medien schie�en sich langsam auf das Thema geschmierte Politiker so richtig ein. Diskussion um Nebeneink�nfte spitzt sich zu, berichtet der neue Spiegel vorab schon mal online beispielsweise und schreibt dann weiter: Rainer Funke, Justitiar der FDP-Bundestagsfraktion, best�tigte die Zahlungen der Privatbank M.M. Warburg. "�ber mein Gehalt wurde Stillschweigen vereinbart", sagte Funke dem SPIEGEL. Er arbeitet als Gesch�ftsf�hrer der Hamburgischen Immobilien Handlung (HIH), einer Tochter der Bank. Bei der HIH "nehme ich an Sitzungen der Gesch�ftsleitung teil und erledige juristische Fragestellungen sowie einzelne Gesch�ftsvorg�nge", sagte er. Er sei kein Lobbyist, und er habe seine T�tigkeit dem Bundestagspr�sidenten von Anfang an mitgeteilt. ... Nach wie vor ungekl�rt ist, mit welcher Begr�ndung der ehemalige CDU-Generalsekret�r Laurenz Meyer im Juli 2000 rund 160.000 Mark von seinem ehemaligen Arbeitgeber, der VEW AG, bekommen hatte. Deswegen gehen Vorst�nde und Aufsichtsr�te der RWE, die inzwischen mit der VEW verschmolzen ist, davon aus, dass Mitarbeiter des Konzerns mit den Zahlungen Untreue begangen haben. Es gebe einen "begr�ndeten Anfangsverdacht", hie� es. Bundespr�sident Horst K�hler findet allerdings inzwischen, dass die Medien �bertreiben. Der Rheinischen Post sagte er, solche T�tigkeiten w�rden von vielen Medien zu schnell und pauschal in die Ecke einer "Raffke-Mentalit�t" geschoben. Die Diskussion verl�uft teilweise so, dass ich Sorge habe, sie k�nnten pauschal das Ansehen der Politiker herabsetzen. Das w�re eine gef�hrliche Entwicklung. Als ob da noch viel Imagerettung m�glich w�re -- auch wenn es sicher falsch ist, alle Politiker als Handaufhalter abzustempeln und �ber einen Kamm zu scheren. K�hler sollte trotzdem lieber mal den Politikern als den Medien ins Gewissen reden. Was Abgeordnete sich bezahlen lassen d�rfen und was nicht, hat die Berliner Morgenpost/Welt mal zusammengestellt.

2005-01-07

Gonzales: Blackout beim Folter-Memorandum

--- Bushs designierter, aber umstrittener Justizminister Alberto Gonzales hat sich bei einer Senatsanh�rung jetzt entschieden von der zuvor zumindest tolerierten Folterpolitik in Namen der USA distanziert: "Torture and abuse will not be tolerated by this administration," Gonzales said. "I will ensure the Department of Justice aggressively pursues those responsible for such abhorrent actions." Da wird er ja alle H�nde voll zu tun haben. Bez�glich des fr�heren Foltermemorandums, das w�hrend seiner Zeit als Berater des Wei�en Hauses entstanden ist, verwies der Latino auf einen Blackout und wusch seine H�nde in Unschuld: Gonzales said he could not remember who had requested the legal guidance on permissible interrogation tactics -- many officials have said it was the CIA -- but he acknowledged under questioning that high-pressure interrogation techniques were discussed in White House meetings at which he was present. Others have said the tactics included mock burials and simulated drownings. The memo -- which was used to formulate permissive Defense Department rules on interrogations -- was withdrawn by the Justice Department after it was revealed publicly in 2004 and has since been rewritten, reaching starkly different conclusions. Mehr dazu u.a. in der LA Times.

CIA gesteht 9/11-Versagen offziell ein

--- Die CIA steht wegen dem 11. September seit langem von allen erdenklichen Seiten unter Beschuss. Laut einem Bericht der New York Times gesteht der gr��te Geheimdienst der Welt sein Versagen jetzt auch offiziell ein: An internal investigation by the Central Intelligence Agency has concluded that officials who served at the highest levels of the agency should be held accountable for failing to allocate adequate resources to combating terrorism before the Sept. 11 attacks, according to current and former intelligence officials. The conclusion is spelled out in a near-final version of a report by John Helgerson, the agency's inspector general, who reports to Congress as well as to the C.I.A. Among those most sharply criticized in the report, the officials said, are George J. Tenet, the former intelligence chief, and James L. Pavitt, the former deputy director of operations. Both Mr. Tenet and Mr. Pavitt stepped down from their posts last summer. The findings, which are still classified, pose a quandary for the C.I.A. and the administration, particularly since President Bush awarded a Medal of Freedom to Mr. Tenet last month. It is not clear whether either the agency or the White House has the appetite to reprimand Mr. Tenet, Mr. Pavitt or others. The report says that Mr. Pavitt, among others, failed to meet an acceptable standard of performance, and it recommends that his conduct be assessed by an internal review board for possible disciplinary action, the officials said. The criticism of Mr. Tenet is cast in equally strong terms, the officials said, but they would not say whether it reached a judgment about whether his performance had been acceptable. As described by the officials, the basic conclusion that the C.I.A. paid too little heed to the threat posed by terrorism echoes those reached in the last two years by the joint Congressional panel on the Sept. 11 attacks and by the independent commission that investigated those attacks. But the criticisms of senior C.I.A. officials are more direct and personal than those spelled out in either of those two previous formal assessments. The findings were described by people who have read or been briefed on significant parts of the near-final version of the document. But the officials said the conclusions could still change on the basis of responses being solicited from those criticized in the document. Mr. Tenet and Mr. Pavitt are among those from whom Mr. Helgerson has solicited responses, the officials said. A final report is expected to be completed within six weeks.

2005-01-06

Schwarzenegger in Aktion mit Reformagenda

--- Wer sich f�r die Fortentwicklung des Populismus in der Politik interessiert, sollte die "Neujahrsansprache" Schwarzeneggers lesen. Der Gouvernator hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt, insbesondere die Haushaltskonsolidierung, was nat�rlich zwangsweise mit der Streichung von Finanzmitteln und dem R�ckbau des Staates einhergeht. Aber alles ist nat�rlich nur im Interesse der B�rger, wie Arnold nicht m�de wurde zu betonen in seiner Ansprache. Einige rhetorische Highlights daraus, bei denen Schwarzenegger seine Herkunft aus dem Showbiz nicht verheimlichen kann: n these State of the State speeches, governors often begin by listing their accomplishments of the past year. I will do the same. The year before I took office as governor, California had 300 days of sunshine. Last year, under my administration, we had 312 days of sunshine. That's what true leadership is all about. ... My friends, this is a time for choosing. Will California have a government that encourages the dreams of the people? Or will the decline of recent years accelerate and further destroy the people's faith in their government? We must not let that happen. I get up every morning wanting to fix things here in Sacramento. I ask you today: Help me fix them. ... My colleagues, I say to you, political courage is not political suicide. Ignore the lobbyists. Ignore the politics. Trust the people. ... I can also announce that we intend to wipe out nearly 100 unnecessary boards and commissions, abolishing over 1000 political appointments in the process. No one paid by the state should make $100,000 a year for only meeting twice a month. ... The current system is rigged to benefit the interests of those in office . . . not the interests of those who put them there. And we must reform it. On top of the reforms to be addressed in the special session, we must also reform and reorganize the structure of government itself. We need a 21st Century government to match a 21st Century world. ... I love riding my motorcycle along the Pacific Coast Highway - the freedom of the road and the smell of the sea. That is the California spirit. F�r eine kritische W�rdigung der Rede siehe diesen Artikel in der LA Times.

US-Folterpolitik: Der Weg zu Abu Ghraib wird klarer

--- Die wichtigsten US-Zeitungen sind heute mal wieder voll von Nachrichten �ber die umstrittene Folterpolitik der US-Regierung. So berichtet die New York Times �ber fr�he Bekundungen der harten Linie in inzwischen ver�ffentlichten Dokumenten: When the Abu Ghraib scandal broke last spring, officials characterized the abuse as the aberrant acts of a small group of low-ranking reservists, limited to a few weeks in late 2003. But thousands of pages in military reports and documents released under the Freedom of Information Act to the American Civil Liberties Union in the past few months have demonstrated that the abuse involved multiple service branches in Afghanistan, Iraq and Cuba, beginning in 2002 and continuing after Congress and the military had begun investigating Abu Ghraib. Yesterday, in response to some of the documents, the Pentagon said it would investigate F.B.I. reports that military interrogators in Guant�namo abused prisoners by beating them, grabbing their genitals and chaining them to the cold ground. Questions on the handling of detainees will be central to Senate hearings today on the nomination of the White House counsel, Alberto R. Gonzales, as attorney general and to the court-martial of the accused leader of the Abu Ghraib abuse, which begins Friday in Texas. An article in today's issue of The New England Journal of Medicine says that military medical personnel violated the Geneva Conventions by helping design coercive interrogation techniques based on detainee medical information. Some doctors told the journal that the military had instructed them not to discuss the deaths that occurred in detention.

Die Washington Post wei� zudem von einem Fall, der bis Ende 2001 zur�ckreicht und in dem auch die Geheimdienste mal wieder eine unr�hmliche Rolle spielen: U.S. authorities in late 2001 forcibly transferred an Australian citizen to Egypt, where, he alleges, he was tortured for six months before being flown to the U.S. military prison at Guantanamo Bay, Cuba, according to court papers made public yesterday in a petition seeking to halt U.S. plans to return him to Egypt. Egyptian-born Mamdouh Habib, who was detained in Pakistan in October 2001 as a suspected al Qaeda trainer, alleges that while under Egyptian detention he was hung by his arms from hooks, repeatedly shocked, nearly drowned and brutally beaten, and he contends that U.S. and international law prohibits sending him back. Habib's case is only the second to describe a secret practice called "rendition," under which the CIA has sent suspected terrorists to be interrogated in countries where torture has been well documented. It is unclear which U.S. agency transferred Habib to Egypt. Mehr �ber die Hintergr�nde zu Abu Ghraib in Telepolis.

Jamba: Blogger machen Druck

--- Die Blogger-Communitiy hat dieser Tag den Klingelt�ne-Verk�ufer Jamba in Verlegenheit gebracht. Das berichtet Spiegel Online. Johnny H�usler hatte auf www.spreeblick.de (Seite ist derzeit nicht zug�nglich) das Gesch�ftsprinzip und den resultierenden Erfolg von Jamba angeprangert. Dann schlug das Blogger-Netzwerk zu. In Spiegel Online hei�t es: "Dass viel davon aus dem Taschengeld von Minderj�hrigen stammt, wurmt offenbar nicht nur Johnny H�usler. Obwohl die launige Jamba-Geschichte keine wirklich neuen Informationen enthielt, begannen andere innerhalb von Stunden, per Link darauf zu verweisen. In k�rzester Zeit gelang der Blog-Community, wovon Vermarkter tr�umen: Die Jamba-Story auf Spreeblick.de landete ganz oben im Google-Ranking. Noch heute steht der Eintrag auf Platz drei, wenn man deutsche Seiten nach "Jamba" durchsucht. "Ich habe das am Anfang nicht glauben k�nnen", sagt H�usler jetzt, gut drei Wochen sp�ter." Danach machte wohl ein Jamba-Mitarbeiter Druck, in dem er positive Kommentare zu Jamba in den Blog setzte - was aber aufflog. "Bei der Netz-Gemeinde l�st derartige Undercover-PR stets heftige Reaktionen aus. Die Kommentare wurden w�tender, immer mehr andere Blogs verwiesen auf den Spreeblick-Artikel. Schlie�lich stellte H�usler die Kommentarfunktion in seinem Blog ab." Dem Spiegel sagte Jan Schmidt, Kommunikationswissenschaftler an der Universit�t Bamberg: "Diese Geschichte ist ein Zeichen, dass die deutsche Blogosph�re eine kritische Masse erreicht hat." Das sieht auch Tilo Bonow von Jamba so. Man habe nun in Deutschland in dieser Hinsicht "eine Pionierrolle, ob r�hmlich oder nicht."

2005-01-05

Der lange Arm der Flutkatastrophe und der Spendenwettlauf

--- Die schwedische Regierung sieht sich schweren Vorw�rfen wegen anf�nglicher Unt�tigkeit nach der Flutkatastrophe rund um den Indischen Ozean ausgesetzt: Eine "gigantische Potemkinfassade", ein "unannehmbares Ausma� von Unf�higkeit der Obrigkeit im bestorganisierten Land der Welt" - selten haben schwedische Zeitungen und die �ffentlichkeit die Regierung so scharf und einhellig kritisiert wie nach der Katastrophe in Asien. Noch immer gelten etwa 1.000 Schweden nach dem Seebeben als vermi�t. Inzwischen haben sich Trauer und Sorge in Zorn verwandelt. Weil sie unzureichend reagiert habe, wird die Regierung zum R�cktritt aufgefordert; ihr wird eine sp�te und falsche Informationspolitik sowie anf�ngliche Beh�bigkeit vorgeworfen: Zu sp�t seien Rettungsflugzeuge nach Asien geschickt worden. Schwedische Zeitungen wiesen darauf hin, da� Deutschland und vor allem Italien schon am ersten Tag rasch und entschlossen reagiert h�tten. Mehr dazu bei Zeit.de: F�r Schweden war Thailand zum neuen Mallorca geworden. Nun hat das skandinavische Land besonders viele Opfer unter den Touristen zu beklagen. Derzeit werden nach offiziellen Angaben etwa 2000 Schweden vermisst. In einem Land von neun Millionen B�rgern w�ren das 0,2 Promille der Bev�lkerung � umgerechnet auf Deutschland, mehr als 16 000 Menschen. ... Umso mehr erregt es viele Schweden, dass Politik und Beh�rden sp�t und widerspr�chlich reagierten. Es mangelte an Koordination, an Information und wohl auch am Willen. Die Au�enministerin Laila Freivalds besuchte am Abend des Katastrophentages eine Theatervorstellung in Stockholm. Ihr Ministerium schien wie gel�hmt. Und eine stolze Zahl von 370 Beh�rden mit eigenst�ndigen Oberh�uptern f�hlten sich mal mehr, mal weniger angesprochen.. Hm, bei so viel Unmut wird wohl ein Bauernopfer in der schwedischen Regierung f�llig sein.

Die deutsche Bundesregierung mit dem vom Elbhochwasser krisengest�hlten Kanzler -- er verdankt seine Widerwahl schlie�lich mit einer Flutkatastrophe -- gl�nzt derweil genauso wie die bundesdeutschen B�rger mit Hilfsleistungen. Schon seit einer Woche versuchen sich die reichen Nationen des Westens an Gro�z�gigkeit und Spendenkraft zu �berbieten. Nun will sich das Bundeskabinett mit einem Hilfsversprechen in H�he von 500 Millionen Euro also endlich an die Spitze der Geberstaaten setzen. Da tut es anscheinend nichts zur Sache, dass kein Mensch wei�, wo im Hartz-IV-Land die Staatskohle pl�tzlich herkommen soll. Und wo all die Spendengelder hinflie�en, wird wohl letztlich auch keiner so genau verfolgen k�nnen. Aber Hauptsache, es wird jetzt erstmal zumindest symbolisch stark gehandelt. Verpennt hat diese Inszenierungschance �brigens lange der Bush-Clan: Der Pr�sident pers�nlich und die USA insgesamt haben erst sp�t verstanden, dass es nach dem Tsunami auch um ihr ramponiertes Image im s�dostasiatischen Raum geht. Noch-Au�enminister Powell und Pr�sidentenbruder Jeb sollen es nun richten. Doch Pech auch f�r Bush, dass nun just in Washington seine pomp�se, 40 Millionen US-Dollar verschlingende Inaugurationsfeier ansteht. Die Parties zusammenstreichen und das Gesparte spenden, meint der selbst nicht ganz arme Blogger Mark Cuban. Das geht Bloggern weiter rechts nat�rlich gegen den Strich.

Update: Kritik an den Hilfsleistungen der US-Regierung bei Telepolis: "Weniger als ein Tausendstel der R�stungsausgaben"

Senfstau im Cyberspace: Weblogs aus der Medienszene

--- Das Magazin Insight testet in seiner Januarausgabe unter dem Titel "Senfstau im Cyberspace" Weblogs aus der Medienszene (Autor: Timur Vermes) und ist von den meisten wenig erbaut. Als l�bliche Ausnahme wird neben dem Bildblog auch der Spindoktor erw�hnt, was uns nat�rlich sehr freut: Stefan Krempl und Daniel Delhaes weisen tagesaktuellen Meldungen unterschwellige Tendenzen nach. Oder sie quengeln, wenn die deutschen Medien in braver Einm�tigkeit den EU-Bericht herunterspielen, in dem Deutschland bei der korruptionsbedingten Verschwendung von EU-Mitteln immerhin Platz zwei einnimmt. Gut, das ist nicht immer spa�ig, ermutigt aber zum Blick �ber den Tellerrand. Und setzt damit eine Messlatte, unter der die anderen munter durchrauschen. Das tun die meisten vor allem deshalb, weil sie eine Grundregel des Mediums missachten: Kauf keine Schrankwand, wenn du mit dem Fahrrad unterwegs bist. Na, da haben wir alten Anti-Spa�blogger doch wieder mal eine sch�ne Weisheit subtil auf Brot geschmiert bekommen. Zum Teil b�se Verrisse hagelt es dagegen f�r die Blogs zahlreicher Kollegen -- ei, ei, da sagen wir mal lieber nichts dazu. Hoffentlich stellen die Insighter ihren Report auch noch online, bislang ist da nix zu finden auf der Homepage aus Rommerskirchen. Ansonsten m�ssen wir wohl mal den Scanner aufw�rmen.

Update: Mehr zum Thema jetzt u.a. bei generation neXt und im Dienstraum.

Update 2: Der Artikel ist inzwischen auch online.

2005-01-04

Reformpropaganda der Regierung heftig umstritten

--- Die zum Jahreswechsel mithilfe einer umfangreichen Medienbeilage erfolgte Propaganda zur Reformagenda der Bundesregierung hat inzwischen ein �ber Pressemitteilungen ausgetragenes Gefecht ausgel�st. So geiselt der Bund der Steuerzahler die Geldverschwendung: P�nktlich zum Jahreswechsel wollte die Bundesregierung �ber ihre bisherigen Reformen und Neuregelungen zum Jahresbeginn informieren. Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass Leser aus der Medienbeilage neue Informationen gewinnen k�nnen, kritisiert der Bund der Steuerzahler. Denn S�tze wie �Damit f�llt der Startschuss f�r das gr��te Reformpaket in der Geschichte unseres Landes,� dienen kaum der Information der Leser. Das gilt auch f�r den Gesch�ftsbericht der Bundesregierung 2003/2004, der den Titel tr�gt: �Auf unsere St�rken besinnen�. 284.200 Euro kostete es, den 76-seitigen Bildband mit wenigen Informationen und vielen Werbeslogans zu erstellen und an Pers�nlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zu verteilen. Regierungssprecher B�la Anda h�lt jetzt dagegen: Die regelm��ig wiederkehrende Kritik des Bundes der Steuerzahler an jeglicher �ffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung tr�gt inzwischen geradezu rituelle Z�ge Man komme doch nur seiner Informationspflicht nach. Aber allein die Tatsache, dass sich Anda zum Kontern gezwungen f�hlt, ist ja auch bezeichnend.

2005-01-03

Blogging goes Mainstream, "Citizen Reporter" macht ernst

--- Das Pew Internet & American Life Project hat einen neuen Report zur Blog-Nutzung in den USA herausgegeben. Die Schl�sselfunde der dahinter stehenden zwei Umfragen: By the end of 2004 blogs had established themselves as a key part of online culture. Two surveys by the Pew Internet & American Life Project in November established new contours for the blogosphere: 8 million American adults say they have created blogs; blog readership jumped 58% in 2004 and now stands at 27% of internet users; 5% of internet users say they use RSS aggregators or XML readers to get the news and other information delivered from blogs and content-rich Web sites as it is posted online; and 12% of internet users have posted comments or other material on blogs. Das gro�e Aber: 62 Prozent der Amis wissen noch �berhaupt nichts mit dem Begriff Weblog anzufangen -- der Anteil d�rfte damit in Deutschland (wo es keine vergleichbaren Zahlen gibt) noch deutlich gr��er sein. Noch interessant zu Politbloggern: Just under one-in-ten internet users (9%) said they regularly or sometimes read political blogs during the campaign such as the Daily Kos or TalkingPoints Memo or Instapundit: 4% said they did so regularly and 5% said they did so sometimes. Eine Meldung auf deutsch zum Thema u.a. bei heise.

Dan Gillmor, zuletzt bekannt geworden vor allem mit seinem Buch We the Media, will sich derweil ganz dem von ihm gepredigten "Citizen Journalism" und der Neugeburt des Medienwesens aus dem Geist des Internet und der Blogs heraus widmen. Er hat seinen Posten beim Silicon-Valley-Hausblatt San Jose Mercury News aufgegeben und treibt neue Projekte erst mal auf einem neuen Weblog voran, wo sonst.

Transrapid: Wahnwitziger Erfolg

--- Was tun, wenn ein Projekt nicht rund l�uft? Man verkauft es als Erfolg. So h�lt es derzeit die bayerische Magnetbahnvorbereitungsgesellschaft, die f�r die Planung und Umsetzung des Transrapids vom M�nchner Bahnhof zum Flughafen zust�ndig ist. Derzeit stockt das Projekt, weil seit mehr als einem Jahr nicht einmal die Finanzierung auf die Beine gestellt werden konnte, trotzdem aber flei�ig f�r viel Geld geplant wird. Experten gehen inzwischen sogar davon ausgehen, dass das Projekt nie Wirklichkeit werden wird. Damit dar�ber nicht so viel geredet wird, ist heute entsprechend ein anderer Aspekt via Pressemitteilung beleuchtet worden: "�Die Nachfrage nach Transrapid-Informationen war noch nie so stark wie im ver­gangenen Dezember,� erkl�rte Dr. Josef Zeiselmair, Gesch�ftsf�hrer der Bayerischen Mag­netbahnvorbereitungsgesellschaft (BMG), am ersten Werktag im neuen Jahr in M�nchen. Bereits Anfang Dezember 2004 h�tten die Zugriffzahlen auf die BMG-Internet-Homepage mit knapp 400 pro Tag �berdurchschnittlich zugenommen. Am Ende des Weihnachtsmonats wurde www.schweeeben.de 11.590 mal �angew�hlt�. Mit 8.786 Zugriffen war der November 2004 schon sehr gut. Im Januar 2004 habe die Zahl der Internetverbindungen im Januar wenig �ber 2.000 gelegen. Zeiselmair: �Diese Steigerung hatten wir so nicht erwartet.� Was f�r eine Steigerung, das waren 373 pro Tag im Dezember, so viel wie bei jeder kleinen Internetseite im Netz. Da kommt man doch ins Schweeeben...

PS: Dieses rattenscharfe und vielsagende Foto soll die gro�e Nachfrage nach dem Transrapid verdeutlichen.

2005-01-02

Terrorverdacht? F�r immer hinter Gitter!

--- Die Washington Post enth�llt mal wieder neues aus dem Giftschrank Bushs, des Pentagons und der CIA: es geht um die M�glichkeit, Terrorverd�chtige (und so ein Verdacht besteht ja recht leicht) f�r immer einzukerkern: Administration officials are preparing long-range plans for indefinitely imprisoning suspected terrorists whom they do not want to set free or turn over to courts in the United States or other countries, according to intelligence, defense and diplomatic officials. The Pentagon and the CIA have asked the White House to decide on a more permanent approach for potentially lifetime detentions, including for hundreds of people now in military and CIA custody whom the government does not have enough evidence to charge in courts. The outcome of the review, which also involves the State Department, would also affect those expected to be captured in the course of future counterterrorism operations. "We've been operating in the moment because that's what has been required," said a senior administration official involved in the discussions, who said the current detention system has strained relations between the United States and other countries. "Now we can take a breath. We have the ability and need to look at long-term solutions." One proposal under review is the transfer of large numbers of Afghan, Saudi and Yemeni detainees from the military's Guantanamo Bay, Cuba, detention center into new U.S.-built prisons in their home countries. The prisons would be operated by those countries, but the State Department, where this idea originated, would ask them to abide by recognized human rights standards and would monitor compliance, the senior administration official said. As part of a solution, the Defense Department, which holds 500 prisoners at Guantanamo Bay, plans to ask Congress for $25 million to build a 200-bed prison to hold detainees who are unlikely to ever go through a military tribunal for lack of evidence, according to defense officials. The new prison, dubbed Camp 6, would allow inmates more comfort and freedom than they have now, and would be designed for prisoners the government believes have no more intelligence to share, the officials said. It would be modeled on a U.S. prison and would allow socializing among inmates. Agenturmeldungen zu dem rechtsstaatlich inakzeptablen Vorhaben gibt es auch auf deutsch.

Die Blogger und der Tsunami

--- Nach der New York Times und Telepolis widmet sich nun die FAZ am Sonntag den Tsunami-Bloggern und k�rt sie gleich zu den "besten Quellen in dieser Katastrophe": Nicht nur, weil sie eine Gegen�ffentlichkeit schaffen zu den oft gesch�nten Berichten der staatlichen Medien vor Ort. Sondern auch, weil es Berichte aus erster Hand sind, von Menschen, die bis letzte Woche �ber Musik und Filme und Gott und die Welt geschrieben haben, bis die Flut kam und sie �ber Angst und tote Freunde und verschwundene Verwandte und mit den H�nden geschaufelte Gr�ber schreiben lie�. Ihre unmittelbaren Berichte schaffen eine ungeheure N�he. Und sie schufen eine au�erordentliche Gemeinschaft, die nicht nur bloggt, sondern hilft. Danach kommen zahlreich Beispiele aus Blogs wie ronnietan's journal, Shandy's Blog oder hideout0.5. Mehr nach wie vor auch bei hboingboing und Hilfe koordiniert das South-East Asia Earthquake and Tsunami Blog. Na, das gibt ja wieder mal einen richtigen Blog-Hype.

Update: Jetzt hat auch Spiegel Online die Blogger und das Web als praktikable Kommunikationsplattform nach der Flutkatastrophe entdeckt.

Update 2: Die FAZ kommt zu einem g�nzlich anderen Eindruck als die FAZ am Sonntag und Spiegel Online: sie w�rmt die alten Mythen �ber die ach so gro�e Unzuverl�ssigkeit der Blogger anhand einer ausgemachter Schwarzer Schafe mal wieder gen�sslich auf: Der journalistische Wildwuchs in den Blogs provoziert auch Fragen nach der Qualit�t und Verl��lichkeit des neuen Graswurzeljournalismus, der vielfach nicht mehr von der Recherche, sondern von der Verbreitung pers�nlicher �berzeugungen lebt. So bl�hen in den Blogs Spekulationen �ber die Verantwortung der reichen Industriel�nder und westlicher Geheimdienste f�r die Flutkatastrophe. Zum Gl�ck hat die Autorin dann wenigstens noch einen Fachmann zitiert, der sich mit der Blogosph�re auskennt. (Dank an den getee(r)ten und gefeederten Martin f�r den Hinweis).

2005-01-01

Joi Ito, die "aufstrebende Demokratie" und die Hacker

--- Joi Ito berichtete auf dem 21. Chaos Communication Congress der Hackergemeinde �ber Weblogs und die St�rkung der Demokratie: Seine Thesen hat der umtriebige Japaner, der momentan auch im Direktorium der Netzverwaltung ICANN sitzt, in einem Essay unter dem Titel "Emergent Democracy" niedergeschrieben. Das Papier sei eventuell ein wenig "zu optimistisch" gewesen, gibt Ito inzwischen zu. Aber grunds�tzlich h�lt er an seiner Idee fest. Standesgem�� hat er den Text zur kollaborativen Weiterbearbeitung in einem Wiki zur Verf�gung gestellt. Ganz neu ist die Idee der sich aus neuen Medien anders herauskristallisierenden Demokratie allerdings nicht. Weblogs betrachtet Ito als exzellent f�r die Meinungsbildung, weil sie ein Mittelding darstellen zwischen reinen statischen Websites, auf denen man Besucher nur schwer halten k�nne, sowie Mailinglisten, die immer wieder die Aufmerksamkeit der Nutzer �berstrapazieren w�rden. Die Online-Journale entspr�chen dagegen mit ihren einfachen Schnittstellen f�r das Hochladen von Inhalten sowie standardisierten M�glichkeiten zur "Content-Syndication" der "traditionellen Ethik des Internet". Vor allem die Trackback-Funktion, mit der Blogger ihre Eintr�ge gegenseitig weitgehend automatisch verlinken, haben laut Ito "den Internet-Diskurs komplett ver�ndert." Die Online-Kommunikation gestalte sich nun wie bei einer Cocktail-Party: Wenn etwas interessant sei, werde es sofort in die allgemeine Konversation aufgenommen. Uninteressante Beitr�ge w�rden einfach ignoriert. ... Sp�testens mit dem Schicksal Howard Deans wurde Ito aber klar, dass sich die ersehnte St�rkung der Demokratie nur �ber das Bauen von Br�cken zu den Massenmedien und den Apparaten der "alten" Politikwelt erreichen l�sst. Dean hatte als Pr�sidentschaftskandidatenanw�rter der Demokraten vor allem das Internet eingesetzt. Er war Anfang des Jahres im Vorwahlkampf gescheitert, als das Fernsehen dabei eine gr��ere Rolle einzunehmen begann. Nur aus einem neu austarierten Zusammenspiel der Medien und Institutionen k�nne "eine gemeinsame Infrastruktur f�r die freie Meinungs�u�erung" entstehen, so Ito. Um dieses zu diskutieren, haben Blogaktivisten bereits ein neues Forum in Form des Gemeinschaftsjournals Global Voices Online ins Netz gestellt.

In heise online und in Telepolis gibt es noch einige andere Artikel vom Spindoktor zum Hackertreffen. Ein Interview mit Ito findet sich zudem in IT&W.

522.810 Euro f�r Regierungs-Reform-Propaganda

--- Ups, gleich �ber eine halbe Million Euro l�sst sich die Bundesregierung eine erneute Werbekampagne in Form von Medienbeilagen kosten, mit der sie f�r ihre Reformen rund um die Agenda 2010 die Trommel r�hren will. In der total versponnenen Pressemitteilung zum Thema hei�t es: Der Jahreswechsel markiert einen weiteren Meilenstein bei der Umsetzung der Agenda 2010. Das gibt Anlass, erste Reformerfolge wie die Steuerreform, den Umbau des Gesundheits- und Rentensystems und den Ausbildungspakt �ffentlich zu bilanzieren und �ber wichtige �nderungen, die jetzt wirksam werden, zu informieren. Noch ist der Reformprozess nicht abgeschlossen. Er wird 2005 weitergehen. Die Bundesregierung hat mit ihrer Initiative zum Ausbau der Ganztagsschulen und der Tagesbetreuung f�r die ganz Kleinen die Voraussetzungen daf�r geschaffen, dass Kinder beste Chancen erhalten. Die letzte Stufe der Steuerreform entlastet vor allem Familien. Mit der Reform der Arbeitslosenhilfe nach dem Prinzip "Fordern und f�rdern", vielen gel�ufig unter dem Schlagwort Hartz IV, wird die Arbeitsvermittlung mehr Service bieten, aber auch mehr Eigenverantwortung abverlangen. Dem Ziel, die Rente f�r die �lteren sicher und die Rentenbeitr�ge f�r die J�ngeren bezahlbar zu halten, dient der Nachhaltigkeitsfaktor, der ab 1. Januar 2005 eingef�hrt wird. Im Vorwort zum Gesch�ftsbericht der Bundesregierung machte Bundeskanzler Gerhard Schr�der deutlich, dass es bei den Reformen kein Zur�ck geben werde. Ei, ei, alles wird also besser durch die Reform und es gibt kein Zur�ck mehr -- wir haben verstanden. Aber ob auch die rund 200.000 Arbeitslosengeld-II-Bezieher so einsichtig sind, die am Montag wohl erst mal ohne Kohle auf dem Konto dastehen?

Update: Auch das Bundesjustizministerium spinnt sich das vergangene Jahr ganz sch�n zurecht. Gerade mit dem "Verbraucherrechte st�rken" ist es beispielsweise bei der weiteren Reform des Urheberrechts ja gar nicht weit her.

Lobbyausgaben auf Rekordh�he in den USA

--- Die LA Times hat mal zusammengerechnet, welche neuen Rekordsummen in den USA f�r Lobbying in 2004 ausgegeben wurden: Special interests spent $1.1 billion during the first half of 2004 on lobbyists and advertising campaigns, according to public records that interest groups are required to file with the Senate. Topping the list of spenders were the U.S. Chamber of Commerce and the American Medical Assn., which spent a combined $39 million during the six-month period to appeal for medical liability limits, according to politicalmoneyline.com. The independent group tracks spending on political campaigns and lobbying. Reports tallying lobbyist expenditures for the rest of the year are due in February � and industry insiders expect the yearly total to exceed last year's record of roughly $2 billion. ... "The overall issue of lawsuit abuses and bringing a stop to them will mean that the lobbying frenzy will be even more intense in 2005," Moore added. So far in 2004, businesses and interest groups are paying their lobbyists at a record pace. This was the first year in which spending during the first six months topped $1 billion; businesses and interest groups spent about $963 million during the same period in 2003. And the new figures demonstrate how the cash flow to lobbying firms on Washington's K Street is accelerating � up from an average of $128 million a month during the first half of 2000, the last year of the Clinton administration, to the 2004 monthly average of $176 million. "Businesses and other interests sense an opportunity, and they are going to be spending a tremendous amount of money to ensure that they get their way," said Larry Noble, executive director of the Center for Responsive Politics, a nonpartisan group that monitors lobbying practices. "No one should doubt that they're spending this money for their own special interests and not the public interest." Other big spenders on lobbying during the first half of 2004 included General Electric Co., which spent $8.44 million on various issues, such as Iraq contracts and broadcast policies, and the Pharmaceutical Research and Manufacturers of America, which spent about $8 million on legislation affecting Medicare, drug issues and other healthcare matters. Erschreckend, wie hier "�ffentliche" Meinung gemacht wird.

Update: Welche Abgeordneten in Deutschland auf wessen Gehaltsliste stehen: ein paar Namen und Zahlen dazu heute in der Berliner Morgenpost.

Update 2: "Bild" und "Welt" legen noch einmal nach: "Bis zu 100 Politiker auf VW-Gehaltsliste?" und thematisieren die "Raffke-Mentalit�t mancher Abgeordneter.

Update 3: Einen gesonderten Blick auf die IT-Branche und Lobbying wirft heise online. Mehr dazu auch bei der Organisation Political Money Line, welche die ganzen Zahlen zusammengestellt hat.

Die "Falsies" 2004 f�r Informationsumweltverschmutzer

--- Das Center for Media and Democracy hat den Falsies-Award ins Leben gerufen. Damit sollen die gr��ten Verschmutzer der Informationsumwelt bedacht werden: To remember the people and players responsible for polluting our information environment, we are issuing a new year-end prize that we call the "Falsies Awards." The top ten finalists will each receive a million bucks worth of free coupons, a lifetime supply of non-fattening ice cream, an expenses-paid vacation in Fallujah, and our promise to respect them in the morning. Zu den Gewinnern geh�ren u.a. eine als Reporterin getarnte PR-Tante, Achmed Tschalabi und sein Iraqi National Congress, Bush-Ghostwriter im Wahlkampf sowie Wal-Mart. Ehrenvoll als Spin-Durchschauer werden u.a. bedacht: Tami Silicio and the Seattle Times brought the first images of U.S. military casualties to the American mass media in April 2004. Silicio, a Kuwait-based cargo worker whose photograph of flag-draped coffins of fallen U.S. soldiers was published in the Times, was fired along with her husband. Her employer, a private contractor, said it decided to fire her after receiving a complaint from the military about her violation of the Pentagon's ban on images of soldiers' caskets.

Irak im B�rgerkrieg mit "ethnischen S�uberungen"

--- Selbst US-Nachrichtenseiten wie Military.com sehen den Irak inzwischen auf einen noch blutigeren B�rgerkrieg zuschlittern und geben die US-Stellung dort mehr oder weniger verloren. Zudem ist davon die Rede, dass "ethnische S�uberungen" im Nordirak im Gange sind (was normalerweise ja immer die Weltpolizisten auf die B�hne ruft, doch die Karte ist ja l�ngst ausgereizt): Iraq faces the prospect of civil war as Prime Minister Iyad Allawi's government loses credibility and violence against U.S. forces increases, according to almost a half dozen former and serving administration officials. In last Tuesday's suicide bombing attack at a mess tent at Mosul, 22 were killed -- 18 of them Americans -- and 50 wounded. "We can't afford to keep taking that kind of hit," a Pentagon official said. "We can't afford it in terms of American public opinion, and it causes us to loose credibility with the Iraqi public." Upcoming January elections will not improve the deteriorating security situation, these sources said, all speaking on condition of anonymity because of the sensitiveness of the topic. Plus a new threat has arisen. "We are starting to play the ethnic card in Iraq, just as the Soviets played it in Afghanistan," said former CIA chief of Afghanistan operation Milt Bearden. "You only play it when you're losing and by playing it, you simply speed up the process of losing," he said. Phoebe Marr, an analyst who closely follows events in Iraq, told United Press International that "having the U.S. military unleash different historical enemies on each other has become an unspoken U.S. policy." Bearden, Marr and others also referred to the Pentagon's tactic of pitting one group of enemies against another in Iraq as being fraught with danger. For example, during the assault on Fallujah, wary of the reliability of Iraqi forces, the Marines used 2,000 Kurdish Peshmerga militia troops against the Arab Sunnis. The two groups share a long history of mistrust and animosity, according to Marr. Both ethnic groups are Sunni, but Kurds speak a different language, have distinct customs, and are not Arabs. "I think the U.S. military is trying to get ethnic groups to take on the insurgents, and I don't think it will work," Marr said. According to a former senior CIA official, the agency is dealing with reports of ethnic cleansing being undertaken by the Kurds in areas near Kirkuk. "It's all taking place off everyone's radar, and it's very quiet, but it's happening," this source said. Original reports disclosing that up to 150,000 Arab Sunnis had been uprooted and placed in camps have proved to be unreliable, several U.S. officials said. Das d�rfte gar kein gutes Jahr werden f�r den Irak, wo sich momentan alle Interessensgruppen nur noch selbst zerfleischen. Und nicht nur 2005 d�rfte weiter st�rmisch werden: Amerikanische Militaerexperten gehen zunehmend davon aus, dass die US-Truppen im Irak in einen Guerillakrieg verwickelt seien, der Jahrzehnte andauern k�nnte.

US-Justizministerium spinnt sich neue Folterdefinition zurecht

--- Das neue Jahr f�ngt ja gut an: Das US-Justizministerium hat am Donnerstag ohne weiteren Kommentar und unter einer kryptischen Bezeichnung ein Schreiben auf seine Website gestellt, in dem der stellvertretende US-Justizminister pl�tzlich den Einsatz von Folter beim Ausquetschen von Gefangenen enger definiert (als eingescanntes und daher entsprechend aufgeblasenes PDF dazu auch noch). Das Man�ver ist �beraus durchsichtig, weil schon in B�lde der von Bush als neuer US-Justizminister auserkorene Alberto Gonzales noch einige Befragungen durch den Senat anstehen. Der Hispanier hatte sich zuvor recht weit f�r den Einsatz von Folter aus dem Fenster gelehnt. Die New York Times schreibt zu dem Man�ver heute: The new memorandum, first reported in The Wall Street Journal and The Washington Post, largely dismisses the August 2002 definition, especially the part that asserted that mistreatment rose to the level of torture only if it produced severe pain equivalent to that associated with organ failure or death. "Torture is abhorrent both to American law and values and to international norms," said the new memorandum written by Daniel Levin, the acting assistant attorney general in charge of the Office of Legal Counsel, which had produced the earlier definition. Mr. Gonzales, who will go before the Senate committee for confirmation hearings, served as a supervisor and coordinator inside the administration as lawyers drafted new approaches on the limits of coercive techniques in interrogations and the scope of the president's authority in fighting a war against terrorists. A memorandum in January 2002 to President Bush that Mr. Gonzales signed sided with the Justice Department in asserting that the Geneva Conventions did not bind the United States in its treatment of detainees captured in the fighting in Afghanistan. The August 2002 Justice Department memorandum and a later memorandum from an administration legal task force with similar conclusions were widely denounced in Congress and by human rights groups as cornerstones in the approach to detainees that led to abuses at Abu Ghraib and at the detention center in Guant�namo. The political effect of the new memorandum on Mr. Gonzales's appearance before the committee was unclear. He has been expected to assert, as he has before, that neither he nor Mr. Bush condones torture. But the change could underline what had been the undisputed policy of the administration at least until June, when officials said it was no longer applicable and would be rewritten. That position came just after the August 2002 memorandum was disclosed in published reports. Michael Ratner, the president of the Center for Constitutional Rights, which has sued the administration over its interrogation policies, said Friday that the redefinition "makes it clear that the earlier one was not just some intellectual theorizing by some lawyers about what was possible." "It means it must have been implemented in some way," Mr. Ratner said. "It puts the burden on the administration to say what practices were actually put in place under those auspices." The International Committee of the Red Cross has said in private messages to the United States government that American personnel have engaged in torture of detainees, both in Iraq and at Guant�namo. ... David Scheffer, a senior State Department human rights official in the Clinton administration who teaches law at George Washington University, said Friday that while the Justice Department's change was commendable, it might still provide too flexible a definition of torture, leaving too many judgments in the hands of interrogators.

Update: Das amerikanische Folterunwesen hat seinen Weg inzwischen auch in Telepolis gefunden.