2005-11-22

Kanzlerin Merkel, Girls-Camps und Teebeutel

--- 51 Abgeordnete der Gro�en Koalition haben heute vormittag gegen Angela Merkel als neue Bundeskanzlerin gestimmt. Das geht in Ordnung f�r alle Seiten, berauschend f�r die von K�hler inzwischen vereidigte CDU-Chefin ist es aber nicht. Zum Thema "m�chtigste Politikerin der Welt" (Wall Street Journal), dem Merkelschen Rollenverst�ndnis und ihren Frauen-Netzwerken gibts heute einen interessanten Artikel in der S�ddeutschen:
die Ministerinnen aus dem scheidenden rot-gr�nen Kabinett haben der zuk�nftigen Kanzlerin dringend geraten, jetzt Frauen-Seilschaften zu bilden. Die aber hat sie schon l�ngst. Sie selbst hat gar nicht viel daf�r tun m�ssen. Die Verlegerinnen Friede Springer und Liz Mohn, die Filmproduzentin Regina Ziegler, die Rechtsanw�ltin Gr�fin Pilati, die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, die Unternehmerinnen Martine Dornier-Tiefenthaler, Ann Kathrin Bauknecht, die Journalistinnen Inga Giese und Patricia Riekel, die Schriftstellerin Freya Klier und viele andere haben in den letzten Jahren ein engmaschiges und tragf�higes Netzwerk f�r Angela Merkel gewebt. In jedem Bundesland agiert inzwischen mindestens eine m�chtige oder einflussreiche Frau, die ihrerseits Merkel-Unternetzwerke hat, die noch einmal nach unten verzweigt sind. Und dann ist da angeblich auch noch Merkels �Girls-Camp�. Angela Merkel hat, was die meisten Spitzen-M�nner in der Politik auch haben: eine B�roleiterin (Beate Baumann) und eine Pressesprecherin (Eva Christiansen), die seit Jahren ihre engsten Vertrauten sind. Ein Girls-Camp wurde daraus, weil drei verschworene Frauen offenbar schon etwas Verd�chtiges an sich haben. Weil es kein Rollenmodell und keinen fertigen Instrumentenkasten f�r weibliche Machtinszenierungen in diesem Land gibt. Und weil deswegen jeder sein Frauenbild auf die eine an der Spitze projiziert. Angela Merkel hat jetzt die Aufgabe und die Freiheit, dieses Rollenmodell selbst erfinden und liefern zu m�ssen. Kleine M�dchen werden jetzt zum ersten Mal eine Frau in den Nachrichten sehen, f�r die �berall auf der Welt Soldaten salutieren und rote Teppiche ausgerollt werden. ...Ob Merkel selber Vorbilder hat? Auf ihrem Schreibtisch steht ein Portr�t von Katharina der Gro�en. Und an Hillary Clintons Biographie fand sie zweierlei bemerkenswert: Dass die amerikanische Nation so sehr Anteil nahm an der Frisurwerdung der Pr�sidentengattin und Senatorin. Und dann noch diesen eher komischen Satz: �Frauen sind wie Teebeutel. Du wei�t nicht, wie stark sie sind, bis du sie ins hei�e Wasser tauchst.�
Zu hoffen bleibt auf jeden Fall, dass sich Merkel nicht als Marionette in der Hand ihrer einflussreichen Protagonistinnen entpuppt. Eine interessante Personalie machte am Wochenende bereits die Runde: Mit Ulrich Wilhelm stellt Merkel einen CSU-Mann und Stoiber-Vertrauten als Regierungssprecher an, was immer man davon halten soll. Eventuell wegen seiner besonderen Charaktereigenschaften: Der studierte Jurist Wilhelm versteht es, auch dem unwichtigsten Gespr�chspartner das Gef�hl zu geben, er sei etwas besonders Wichtiges.

Und sonst: Einige neue Entwicklungen bei der BND-Journalisten-Aff�re: So fordert der Bundesrat etwa eine Untersuchung der Vorg�nge, w�hrend angeblich auch Journalisten von sich aus mit dem Bundesnachrichtendienst kooperiert haben sollen. Um den fr�heren Chef der Abteilung mit dem Decknamen Frank Offenbach, der vor Jahren gestorben sei, soll sich laut "Focus" zudem ein neuer Skandal anbahnen: Der Beamte habe m�gliche Verr�ter in den eigenen Reihen observieren lassen, Trunk- und Spielsucht leitender Mitarbeiter �berpr�ft und Liebesaff�ren von Agenten verfolgt. Wirbel gibt es auch um ein angeblich geplantes neues Enth�llungsbuch von BND-Aussteiger Norbert Juretzko. Schlecht weg kommt der BND auch mal wieder mit seinem zweifelhaften Geheimdienstmaterial rund um den Irak-Krieg im Rahmen der Curveball-Aff�re.

Der US-Auslandsgeheimdienst k�mpft derweil selbst an allen PR-Fronten, denn "Folter" hei�t dort jetzt "einzigartige und innovative" Verh�rmethode laut Sprachregelung von weit oben. Mehr zu den genehmigten harten Verh�rtechniken der CIA hier. Zudem regt sich hierzulande Unmut �ber Zwischenlandungen mit brisanten Gefangenen der CIA: Die CIA soll ehemaligen Geheimdienstlern zufolge drei als zivile Airlines getarnte Fluglinien mit insgesamt 26 Flugzeugen unterhalten. Demnach geh�ren zu den Maschinen der "Tepper Aviation", "Pegasus Technologies" und "Aero Contractors" luxuri�s umgebaute Boeing 737 Business-Jets, Kleinmaschinen vom Typ Gulfstream V und Milit�rtransporter vom Typ Hercules. Nach Informationen von Menschenrechtsorganisationen werden insbesondere die Hercules-Maschinen zum Gefangenentransport benutzt. Zu diesem Zweck seien die Flugzeuge mit so genannten "dog sized"-K�figen ausgestattet. Zum Teil w�rden Gefangene in der Luft verh�rt und gefoltert; auf den Flugh�fen w�rden die Gefangenen nur "geparkt". Die CIA-Gefangenentransporter landen nach Angaben fr�herer Geheimdienstler auf Milit�rbasen in neun osteurop�ischen L�ndern: In Ungarn nahe Pecs, in der Ukraine bei Lwow, in Polen in Szczynto-Szymany in den Masuren; desweiteren in Skopje (Mazedonien), Tiflis (Georgien), Shkoder (Albanien) und Burgas (Bulgarien) sowie in Moldawien in der N�he von Floresti und in Rum�nien nahe Constanta.

Wenig Erbauliches aus der Ukraine: Die Orangen-Revolution verrottet. Im November 2004 hielt die Welt den Atem an: Mitten in Kiew zitterten Hunderttausende Menschen - nicht nur wegen der eisigen K�lte, sondern auch aus Angst vor den Panzern der Staatsmacht. Am Ende siegten die friedlichen Revolution�re. Ein Jahr danach ist vielen die Feierlaune vergangen.

Weitere Irak-Krieg-Enth�llungen: Bush wollte die Sendezentrale von al-Dschasira in Katar bombadieren. Nach einem geheimen Memo, das dem Mirror bekannt wurde, brachte Blair den US-Pr�sidenten von dem Plan ab, den l�stigen Sender durch Zerst�rung zu beseitigen. Ausgebomt wurde dann aber doch nur das Sendeb�ro in Bagdad.

Seltsame Ger�chte �ber den Tod eines Phantoms: al-Sarkawi soll mal wieder draufgegangen sein.

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2 Comments:

At 10:26 AM, Blogger Markus said...

Hallo Stefan, ich finde Deinen Blog gut.

 
At 2:52 PM, Blogger sk said...

danke, Markus :-)

 

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