2005-11-08

Frankreich: Brandstifter, Flash-Mobs + Randale-Blogs

--- Was geht da ab in Frankreichs Vorst�dten? Gibt es dort wirklich nur noch Ghettos, deren soziale Sprengkraft nun bis in die Innenst�dte reicht und erste Tote bei den n�chtlichen Aufst�nden produziert? Das Thema wird die Medien jedenfalls die n�chste Zeit wohl permanent in Atem halten., denn angeblich handelt es sich l�ngst um einen "Fl�chenbrand", w�hrend sich der traditionell starke Staat in Paris nat�rlich herausgefordert f�hlt:
Wie auch in der Nacht zuvor versuchte die Regierung vergeblich, der Unruhen durch ein starkes Sicherheitsaufgebot Herr zu werden. Allein in der Region Ile-de-France waren rund 2300 Sicherheitskr�fte im Einsatz. Sieben mit Scheinwerfern und Kameras ausgestattete Hubschrauber �berflogen die betroffenen Pariser Vororte. Innenminister Nicolas Sarkozy hatte zuvor ein hartes Vorgehen angek�ndigt. Der Staat k�nne die Gewalt nicht akzeptieren, sagte Sarkozy nach einem Krisentreffen bei Premierminister Dominique de Villepin.
Einen gro�en Plan gibt es abseits von allen Intifada-Spekulationen aber anscheinend nicht hinter dem Schrei nach Aufmerksamkeit, w�hrend viele Medien die n�chtlichen Unruhen kr�ftig ausschlachten:
Vermutlich wissen die meisten Jugendlichen, die sich an den n�chtlichen Unruhen beteiligen, abgesehen von den Kriminellen, die auf Pl�nderungen aus sind, nicht, was sie mit ihren Aktionen wirklich erreichen wollen. Sarkozy bildet nur einen schnellen gemeinsamen Nenner, auch mit dessen Absetzung w�rde nichts anders werden. Der Vandalismus, die �berbordende Destruktivit�t, ist ein Produkt des Hasses, aber wohl auch der Langeweile und der Verzweiflung, von dem, was andauernd an sch�nem Leben von den Medien und in den St�dten vorgef�hrt wird, ausgeschlossen zu sein. Immerhin sind dort �ber 30 Prozent der Jugendlichen arbeitslos, teils auch mit guter Ausbildung. Doch mit diesen Motiven vermengen sich die sozialen Verst�rkereffekte durch Politik und vor allem Medien, die eifrig und minuti�s die Hitliste der "violences urbaines" erstellen. ... Am einfachsten w�rden sich die meisten Probleme dann l�sen, wenn die Wirtschaft boomt und alle am Wohlstand teilhaben k�nnen oder zumindest das Versprechen glaubhaft w�re. Diese Wunderformel, auf die alle Politiker, auch hierzulande, zur L�sung der Probleme hoffen, ist derzeit wohl nicht realistisch und auch keine realistische Zukunftsperspektive. Man wird also die Polizei und die �berwachung verst�rken, die Angst vor der Unsicherheit sch�ren und den Konflikt zumindest schwelen lassen, was der Radikalisierung der Menschen in den Banlieues und au�erhalb weiteren Auftrieb geben wird.
�ber Terror, Selbstmordattent�er und Verlierer spekuliert derweil ganz passend Hans Magnus Enzensberger im Spiegel (via Beruf Terrorist):
Warum f�hlen sich gerade Muslime als Verlierer der neuen Weltgesellschaft? Die Ursache ihrer "narzistischen Kr�nkung", antwortet der Autor, liege in der kulturgeschichtlichen Entkopplung der arabischen Welt: "Alles, worauf das t�gliche Leben im Maghreb und im Nahen Osten angewiesen ist, jeder K�hlschrank, jedes Telefon, jede Steckdose, jeder Schraubenzieher, von Erzeugnissen der Hochtechnologie ganz zu schweigen, stellt daher f�r jeden Araber, der einen Gedanken fassen kann, eine stumme Dem�tigung dar. Selbst die parasit�ren �lstaaten, die von ihrer Grundrente zehren, m�ssen ihre Technik aus dem Ausland beziehen; ohne westliche Geologen, Bohr- und Verfahrenstechniker, Tankerflotten und Raffinerien w�ren sie nicht einmal in der Lage, ihre eigenen Ressourcen auszubeuten. Insofern ist selbst ihr Reichtum ein Fluch, der sie st�ndig an ihre Abh�ngigkeit erinnert."
Des Weiteren gibt es nat�rlich auch "Randale-Blogs" (entdeckt von Spiegel Online: Die Absprache zur Brandstiftung erfolgt per SMS, das Gejohle findet auf Dutzenden Blogs seinen Widerhall: Die jugendlichen Randalierer, die nachts die Pariser Vorst�dte unsicher machen, berichten danach auf Weblogs �ber ihre Taten.) und Spekulationen �ber Flash Mobs und Netwar im Zusammenhang mit den Pariser Problemen.

Und sonst: Qaida-Propaganda gezielt f�r T�rken hierzulande? Hoffentlich hat sich der BDK hier nicht zu sehr von Pressemitteilungen einer Filterfirma beeindrucken lassen: Das Terrornetzwerk Al Qaeda versucht offenbar verst�rkt, T�rken f�r seinen Kampf anzuwerben. Laut dem Bund Deutscher Kriminalbeamter wird auf t�rkischsprachigen Websites zum heiligen Krieg aufgerufen.

Cheneys Lagerhaltungspolitik: Over the past year, Vice President Cheney has waged an intense and largely unpublicized campaign to stop Congress, the Pentagon and the State Department from imposing more restrictive rules on the handling of terrorist suspects, according to defense, state, intelligence and congressional officials.

FBI beschn�ffelt US-B�rger im gro�en Stil: The FBI now issues more than 30,000 national security letters a year, according to government sources, a hundredfold increase over historic norms. The letters -- one of which can be used to sweep up the records of many people -- are extending the bureau's reach as never before into the telephone calls, correspondence and financial lives of ordinary Americans.

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, Rove kann gehen: If Bush and the White House Won't or Can't Fight Back, Maybe It's Time Karl Rove Should Leave.

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2 Comments:

At 1:38 AM, Anonymous Anonym said...

Hallo,

ich glaube, da� Enzensberger irrt, wenn er versucht, Freud-Schemen auf die Brandstifter zu projizieren.
Ich vermute, islamische Terroristen radikalisieren und isolieren sich in Gruppen wie jede andere Sekte und handeln dann individuell aus dem Gruppenfanatismus heraus.

Da� die Medienberichte �ber den Terrorismus die Unruhen um Paris f�rdern halte ich f�r m�glich. Die Medienberichterstattung erfolgt aber meistens nicht zuf�llig so, wie sie denn stattfindet.

 
At 8:58 PM, Anonymous Matthias said...

Respekt ist das, was unserer Gesellschaft fehlt. Mangelnder Respekt hat die Krawalle in Frankreich ausgel�st. Respekt kostet nichts ...

 

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