2005-10-18

Deutschland ist und bleibt korrupt

--- Transparency International (TI) hat heute den Korruptionsindex 2005 vorgestellt. Deutschland ist und bleibt demnach ziemlich korrupt:
Nach Jahren der Verbesserung des deutschen Punktwerts im Korruptionswahrnehmungsindex stagniert Deutschland in diesem Jahr bei 8,2 Punkten. Doch reicht schon Stagnation aus, dass Hongkong an Deutschland auf der Tabelle vor�berzieht. Das ist politisch bemerkenswert: In China sei Korruption unumg�nglich, behaupten viele Gesch�ftsleute. Bekanntlich wird das Riesenland in Enklaven bereits bei High-Tech-Produkten konkurrenzf�hig: �Nun kann ein Teil von China auch mithalten beim Wettbewerb um Integrit�t als wesentlichem Standortfaktor. Das sollte auch insbesondere die Wirtschaft zu gr��erem Engagement gegen Korruption herausfordern�, erkl�rte Dr. Hansj�rg Elshorst, Vorsitzender von Transparency Deutschland. Viel Aufmerksamkeit erregte in Deutschland in den letzten Monaten die H�ufung von Korruptionsvorf�llen in der Wirtschaft. Prominente Namen waren im Spiel: BMW, DaimlerChrysler, Infineon, VW, Siemens. Zwar waren alle Vorf�lle unterschiedlich und das zeitliche Zusammentreffen eher zuf�llig. Doch ging es auch um Vorw�rfe gegen Vorstandsmitglieder oder leitende Angestellte. �Die berichteten Vorg�nge hatten aber auch eine Gemeinsamkeit�, so Dr. Peter von Blomberg, stellvertretender Vorsitzender von Transparency Deutschland. �In nahezu allen F�llen ging es um Korruption zwischen privaten Unternehmen.� Dieser Tatbestand ist seit 1997 Bestandteil des Kernstrafrechts. Der Gesetzgeber hat damit fr�hzeitig darauf reagiert, dass Bestechung �von privat zu privat� erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Das ist unter anderem eine Folge von Strukturver�nderungen in der Wirtschaft, etwa die massive Zunahme von Outsourcing: Die Vervielfachung der Lieferanten hat zu einer erheblichen Steigerung von M�glichkeiten zur Korruption gef�hrt. Auch nehmen Loyalit�t und gegenseitiges Vertrauen da ab, wo sich Arbeitnehmer nur noch als Kostenfaktor behandelt sehen. Doch durch all das wird es auch schwerer, intern aufgedeckte Korruptionsf�lle ohne gr��eres Aufsehen �in der Familie zu halten�, also innerhalb der Firma zu erledigen. Die Anzahl der F�lle, die an die �ffentlichkeit dringen, wird weiter zunehmen. �Nach wie vor wird Korruption in der Wirtschaft von der �ffentlichkeit und von der Wirtschaft selbst untersch�tzt�, so Peter von Blomberg. Nach Umfragen sch�tzen Unternehmen das Korruptionsrisiko in Deutschland zwar als erheblich ein, nicht jedoch in der eigenen Firma. �Bei aller Unterschiedlichkeit der aufgetretenen F�lle machen die Vorg�nge deutlich, dass die Wirtschaft es bislang vers�umt hat, in den Unternehmen eine eindeutige Null-Toleranz-Strategie von Korruption zu etablieren.�
Die Nachrichtenagenturen haben die Meldung �ber das geschmierte Ablaufen von Gesch�ftsbeziehungen schon recht eifrig �bernommen, aber Hintergrundanalysen und Berichte von der Pressekonferenz sind bislang noch kaum zu finden. So wichtig ist das Thema anscheinend f�r viele Mainstream-Medien denn doch nicht.

Update: Eine Handvoll Tageszeitungen haben am Tag danach denn doch Beitr�ge zum Korruptionsindex. Die Welt etwa wartet mit einem Portr�t des TI-Gr�nders Peter Eigen auf und hat zudem einen aktuellen Text �ber den neuen Bericht. Mehr etwa bei der taz oder in der K�lnischen Rundschau.

Und sonst: Uups: Bock geschossen. Gleich beim ersten Auftritt leistete sich der neue Bundestagspr�sident Norbert Lammert einen peinlichen Versprecher. In der Debatte �ber die Erweiterung des Pr�sidiums rief er den Gr�nen-Abgeordneten Beck als "Volker Bock" auf.

F�llt der Berliner Verlag den Falschen in die H�nde? Heuschrecken am Alexanderplatz - die "Berliner Zeitung" setzt sich zur Wehr. So etwas hat es in der deutschen Presselandschaft noch nicht gegeben: In einer beispiellosen Aktion setzt sich seit gestern die Belegschaft der "Berliner Zeitung" in offenem Kampf gegen den offenbar drohenden Verkauf des hauseigenen Verlages an die britische Investorengruppe "3i" unter David Montgomery zur Wehr.

US-Vizepr�sident und seine Mannen im Strudel der Plame-Aff�re: Cheney's Office Is A Focus in Leak Case. As the investigation into the leak of a CIA agent's name hurtles to an apparent conclusion, special prosecutor Patrick J. Fitzgerald has zeroed in on the role of Vice President Cheney's office, according to lawyers familiar with the case and government officials. The prosecutor has assembled evidence that suggests Cheney's long-standing tensions with the CIA contributed to the unmasking of operative Valerie Plame.

Arianna Huffington verst�rkt ihre Kritik am Handling der Miller-Aff�re (die andere Seite der Plame-Aff�re ;-) durch die New York Times und spricht von der einstigen Vorzeige-Journalistin als "Krebs" bei der Zeitung.

PsyOps (aus welcher Ecke auch immer) rund um al-Qaida und Atomwaffen: On Islamic Websites: A Guide for Preparing Nuclear Weapons.

1 Comments:

At 11:58 PM, Anonymous Anonym said...

Eine richtige Hintergrundanalyse ist es nicht. Das kann in den n�chsten Tagen ja noch kommen. In der aktuellen Ausgabe der Weltwoche vom letzten Donnerstag ist aber schon einmal ein l�ngeres Interview mit Peter Eigen, Vorsitzender von Transparency International, zu finden.
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=12261&CategoryID=62

RJ

 

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