2005-09-22

Kanzler-Sharing: die zweigeteilte Kanzlerschaft

--- Schon am Wahlabend war der Vorschlag ja nebenbei erw�hnt worden, doch eventuell Halbe/Halbe zu machen zwischen der Union und der SPD und in einer gro�en Koalition die Kanzlerschaft gleichm��ig aufzuteilen. Damals war das eher ein Gag, aber nach der andauernden Schlacht ums Kanzleramt und fortdauernden Ampeleien muss man sich derlei Vorschl�ge wohl noch einmal vor Augen f�hren. Zumindest mehren sich auch die Stimmen, die eine gesplittete Kanzlerschaft gar nicht so abwegig finden. Gestern etwa vertiefte Claudia Kissling in Telepolis entsprechende �berlegungen (wenn da auch noch eher juxhaft als "Halbtagsstellen"-L�sung vorgetragen), heute legt Wolfgang M�nchau in der FTD voller Ernst nach:
Schr�der wird eine gro�e Koalition unter Merkel mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Au�enminister Joschka Fischer blockiert schon jetzt die von der Union ins Gespr�ch gebrachte "Schwampel"-Koalition aus Schwarz, Gelb und Gr�n. Damit hat er ausnahmsweise Recht. ... Unter den gegebenen Umst�nden ist nur die gro�e Koalition realistisch. Aber unter wessen F�hrung? Mein Vorschlag ist, dass die Union mit Schr�der einen Deal machen sollte, und der sieht so aus: Schr�der bleibt noch zwei Jahre Bundeskanzler, Wolfgang Sch�uble wird sein Au�enminister, Friedrich Merz Finanzminister, Wolfgang Clement bleibt Wirtschaftsminister. Vielleicht bleiben auch Peter Struck und Otto Schily in ihren �mtern. Das w�re gar keine so schlechte Regierung. F�r die Union h�tte diese L�sung einen gewissen Reiz. Sie hat noch keinen Nachfolger f�r Merkel. Weder der hessische Ministerpr�sident Roland Koch noch der nieders�chsische Regierungschef Christian Wulff sind in der Position, ihr jetzt nachzufolgen. Das Gleiche gilt f�r Merz. Unter Schr�der k�nnten sie sich hingegen profilieren, und einer von ihnen k�nnte ihn nach der H�lfte der Legislaturperiode beerben. Diese L�sung w�re f�r alle Parteien gleicherma�en akzeptabel. ... Beispiele f�r die Teilung des obersten Regierungspostens zwischen zwei Parteien gibt es: In den 80er Jahren einigten sich in Israel der Likud und die Arbeiterpartei auf dieses Modell. Zwischen 1984 und 1986 regierte Schimon Peres von der Arbeiterpartei, dann folgte bis 1988 Yitzhak Shamir vom Likud. Das Arrangement funktionierte, weil Peres die Macht freiwillig abgab.
Der gordische Knoten im gegenw�rtigen deutschen Politikbetrieb w�re damit auf jeden Fall gel�st und die Webdemo gegen Angie k�nnte wieder abgeblasen werden.

Update: Inzwischen macht sich auch Heribert Prantl in der S�ddeutschen f�r eine gesplittete Kanzlerschaft stark.

Und sonst: Wargames revisited: And now, the war forecast. Can software really predict the outcome of an armed conflict, just as it can predict the course of the weather?

Noch mehr Hightech im Krieg und anderswo: "Sound-Laser". Neue L�rmwaffen werden im Irak eingesetzt, aber auch in Katastrophenregionen wie in New Orleans, um �ber weite Entfernung Botschaften zu �bermitteln oder durch schmerzhaft laute Ger�usche Menschenmengen aufzul�sen.

Bloggerwohlstandstr�ume: Can Bloggers Strike It Rich? Blog network pioneers keep their finances close to the chest, but salary information for scribes behind hit sites like Gizmodo, Fleshbot and Gawker is starting to trickle out. Time to quit your day job and blog for a living?

Es war unvermeidlich: Das Rita-Blogging geht los, momentan noch aus Houston (doch die meisten verlassen die Stadt momentan lieber, so sie irgendwie k�nnen).

Streit um RFID-Bericht vom ZDF: FIFA und Metro gegen ZDF-Bericht �ber RFID-Funkchips -- eine Folge der neuen Lobbymacht hinter den Funkchips?

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3 Comments:

At 9:36 PM, Anonymous Marcel vom Parteibuch said...

Heute berichtet nun auch Spiegel-Online von der Idee des Kanzler-Sharing und beruft sich dabei auf Johannes Kahrs.

 
At 1:13 AM, Anonymous laotse90 said...

Warum denn Kanzlersharing? Aus einem nur geringen geographischen Abstand betrachtet (ausser halb der s�dlichen Landesgrenzen, notabene: aus Helvetien) ist die Auff�hrung schon fast lustig, dieses Geziehe und Gezerre um dendie Repr�sententIn der deutschen Pseudomonarchie (Bismarck ist noch immer unter den Lebenden, scheint es). Nun, hier in CH (wann verlieren die in D wohnhaften Deutschen eigentlich ihre arroganten Grosser-Bruder-All�ren gegen�ber Helvetien?) gibt es seit mehr als 50Jahren das Rotationsprinzip an der Spitze, und alle arbeiten immer an der Regierung mit. Hinterher kann sich dann keiner 'rausreden, und auf Dauer f�hrt das zu enorm konstruktiver Arbeit. Wahlkampfblokaden? unbekannt! Richtlinienkompetenz? unn�tig! Verschwendung von Steuergeldern? unbekannt! Ausgeglichene Landes und Gemeindehaushalte? fast �berall! Wer regiert? Das Volk. Das w�re sicher auch Modell f�r die "reife Gesellschaft" in D (Sloterdijks Diagnose). Er meinte wohl matschig-reif. Also: kommt mal auf einen mehrw�chigen Urlaub nach Bern:)
apropos: ich bin aus D nach CH ins politische Exil gefl�chtet...

 
At 6:20 PM, Anonymous kanzlerschroeder said...

Super Id�e. Ich kandidiere sofort.

 

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