2005-09-20

Chronistenpflicht: Schr�ders Medienschelte

--- Am Wahlabend war Gerhard Schr�der so erfreut �ber das Wahlergebnis, dass er es nicht lassen konnte, zum Rundumschlag gegen die Medien auszuholen. Von "Medienmacht und Medienmanipulation" sprach er im Willy-Brandt-Haus und legte sp�ter in der Elefantenrunde von ARD und ZDF noch einmal kr�ftig nach. Wir dokumentieren den Dialog zwischen Moderator Brender und Schr�der:
"Brender: Herr Bundeskanzler, . . .
Schr�der: Wie Sie mich schon ansprechen.
B: Sind Sie jetzt schon zur�ckgetreten?
S: Nein, �berhaupt nicht.
B: Also noch einmal, Herr Bundeskanzler, das sind Sie ja noch . . .
S: . . . und das bleibe ich auch, auch wenn Sie dagegen arbeiten . . .
B: Ob wir dagegen arbeiten? Sie haben von Medienmacht und Medienkampagne geredet. Ich weise darauf hin, dass ARD und ZDF sich da nichts vorzuwerfen haben. Nicht alles, was Ihnen nicht passt, ist Medienkampagne.
S: Der eine sieht es so, der andere sieht es so, Herr Brender.
B: Nicht alles, was Ihnen nicht passt, ist Medienkampagne. Meine Frage an Sie ist: Sie wollten st�rkste Partei werden. Sie haben das nicht erreicht. Sie haben das drittschlechteste Ergebnis einer Sozialdemokratischen Partei in dieser Republik erreicht.
S: Das ist doch das, was ich meine . . .
B: Ist es nicht erlaubt zu fragen, ob Sie auch verloren haben?
S: Aber nat�rlich haben wir verloren. Das ist doch gar keine Frage. Aber verglichen mit dem, was in dieser Republik geschrieben und gesendet worden ist, gibt es doch einen eindeutigen Verlierer, und das ist nun wirklich Frau Merkel, und das sollten auch Sie einmal zur Kenntnis nehmen. Das ist doch so. Und deswegen sage ich . . .
B: Herr Schr�der, vielleicht haben Sie nicht zugeh�rt, mein Kollege hat Frau Merkel eben dorthin gef�hrt, da� sie verloren hat.
S: Darf ich denn auch einmal reden, oder wollen Sie mich st�ndig unterbrechen? Wir haben verloren, das ist doch gar keine Frage, und das schmerzt mich. Aber verglichen mit dem, von wo wir kamen, von 24 Prozent n�mlich. Verglichen mit dem, was wir erleben mussten in den letzten Wochen und Monaten, bin ich wirklich stolz auf meine Partei, auf die Menschen, die mich unterst�tzt haben, die uns gew�hlt haben und die uns ein Ergebnis beschert haben, das eindeutig ist. Jedenfalls so eindeutig, dass niemand au�er mir in der Lage ist, eine stabile Regierung zu stellen. Niemand, au�er mir!
B: Herr Bundeskanzler, Sie kamen von 38,5 Prozent im Jahre 2002. Also haben Sie reichlich verloren. Sie haben nicht so viel gewonnen, wie Sie jetzt sagen.
S: Aber schauen Sie einmal. In Ihren Sendungen ist gesagt worden, Frau Merkel ist bei 49 Prozent, bei 45 Prozent, bei 43 Prozent, und jetzt ist sie bei knapp 35 Prozent oder etwas mehr.
B: Die Messungen waren zu der Zeit immer korrekt.
S: Ich wei� nicht, ob sie korrekt waren. Ich finde, da� Sie einmal einsehen m�ssen . . .
B: In unseren Sendungen ist das nachvollzogen worden, was in den Meinungsumfragen aller Institute geschrieben worden ist. Das ist nicht nur in unseren Sendungen gesendet worden, sondern in allen Zeitungen erschienen. Ich wei� ja nicht, welche Zeitungen Sie lesen. Wir m�ssen uns da nichts vorwerfen lassen. Ich m�chte Ihnen aber bitte noch eine Frage stellen: Wenn wir noch einmal die Begr�ndung im Bundestag, die Sie zur Aufl�sung, zur Neuwahl gegeben haben . . .
S: Wollen wir den Wahlkampf fortsetzen, oder was?
B: Wenn wir uns noch einmal die Begr�ndung im Bundestag anschauen, die Sie zur Neuwahl gegeben haben, und das Ergebnis heute sehen, ist diese Begr�ndung eingeholt worden, n�mlich die Grundlage f�r eine stabile Regierung fehlt.
S: Ich finde schon. Ich finde schon, da� meine Entscheidung sehr kompliziert war, und wie ich fand, auch mutig; zu sagen: Ich m�chte f�r eine Politik, die in Wahlk�mpfen diskutiert worden ist, in den L�ndern eine Legitimation durch das Volk. Und wissen Sie, was mich besonders freut, wenn ich das noch kurz sagen darf, dass die Menschen in Deutschland sich ihr Recht herausgenommen haben, so zu entscheiden, wie sie wollen, und nicht so zu entscheiden, wie die Medienmacher meinten, sie sollen entscheiden.
B: Mit acht Prozent und 34,2 Prozent kann man zumindest nicht der starke F�hrer einer neuen Regierung sein.
S: Aber Entschuldigung, nat�rlich kann ich das. "

8 Comments:

At 3:00 PM, Anonymous Anonym said...

Aus der S�ddeutschen:

"Als die Bilder das Willy-Brandt-Haus erreichten, waberten die Mutma�ungen durch die kleinen und gro�en Gespr�chsrunden: Alkohol? Oder einfach nur ein �berschuss an Endorphinen? (...) Augenzeugen schworen sp�ter Stein und Bein, Schr�der habe in den Stunden vor seinem Fernsehauftritt nur Kaffee und Wasser zu sich genommen."

Dass eine gro�e deutsche Zeitung es f�r n�tig h�lt, so etwas �ber den (Noch- und zuk�nftigen M�chtegern-)Kanzler zu schreiben, finde ich doch "peinlich ber�hrend" (um Friedrich Nowottny zu zitieren) und bedarf eigentlich keines weiteren Kommentars...

 
At 5:41 PM, Anonymous Anonym said...

Als der Moderator "ich wei� ja nicht, welche Zeitungen Sie lesen" gesagt hat, meinte Schr�der "alle", der andere Moderator hat das, wenn ich mich korrekt erinnere, mit "aha" quittiert.

 
At 6:06 PM, Blogger ddd said...

Schr�der soll in der Tat nichts getrunken haben vorher. Soll man aber verheimlichen, dass die �berraschten TV-Zuschauer im Willy-Brandt-Haus dar�ber spekuliert haben, da er sich nun einmal sehr "au�ergew�hnlich" verhalten hat?

 
At 7:04 PM, Anonymous Anonym said...

Kleiner Lesetipp: http://www.faz.net/s/RubAC861D48C098406D9675C0E8CE355498/Doc~E9776464D5AF64D068F7B7CDC27D554AD~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 
At 10:41 PM, Anonymous Anonym said...

Die Medien die systematisch die Montagsdemonstrationen ignoriert haben und die Entlassung von 10.000 Siemensmitarbeitern am 12. (vor der Wahl) erst am 19. (nach der Wahl) ver�ffentlicht haben, aha braucht man da Ein Herz f�r Schr�der?

 
At 9:59 AM, Anonymous Nero said...

Man will ja nichts Unbewiesenes behaupten, doch es ist ja bekannt, was sich �rzte/ Unternehmer/ (Spitzenpolitiker) (stressbedingt) sobnst noch alles reinhauen regelm�ssig. Das sieht mir auch nicht gerade nach Alkohol aus bei seinen Antworten. Jedenfalls finde ich, dass sich ein Kanzler auch auf dem �rgsten Trip etwas um die sogenannte demokratische Kultur scheren m�sste.

 
At 3:54 PM, Anonymous Anonym said...

Abgesehen von den sp�teren Ausf�llen Schr�ders ist doch dieser Hinweis Schr�ders sehr vern�nftig. Unverst�ndlich ist mir, warum die Journalisten hier so unprofessionell reagiert haben.

 
At 9:33 PM, Anonymous Chip said...

Sein Verhalten in der Runde und auch jetzt ist l�cherlich. Die CDU/CSU hat zwar keine Mehrheit, die SPD wurde jedoch abgew�hlt und ist nicht st�rkste Partei. Schr�der soll/muss endlich einsehen, dass er verloren hat.

 

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