2005-03-25

Sloterdijk �ber Globalisierung, symbolische Politik und Terror

--- Die Welt hat Peter Sloterdijk interviewt anl�sslich des Erscheinens seines Buchs Im Weltinnenraum des Kapitals (Ja, der hat schon wieder eins fertig, flei�ig, flei�ig). Einige interessante Ausz�ge: Entgegen ihrer Selbstreklame ist Globalisierung kein Beschleunigungs-, sondern ein Verdichtungsvorgang. Witzigerweise ist es tonangebenden Autohypnotiseuren gelungen, eine Welt, die auf gegenseitiger Behinderung aufbaut, als eine Welt umfassender Kooperation darzustellen. Die illusion�re Botschaft lautet: Gemeinsam sind wir schneller. Die wahre Nachricht hie�e: Gemeinsam verwalten wir den Stillstand besser. ... Die deutsche Gesellschaft �chzt zur Stunde unter der bitteren Entdeckung, da� das, was man bisher f�r Politik gehalten hat, nicht mehr m�glich ist. Der politische Raum ist bereits so stark vom Gesetz der gegenseitigen Behinderung gepr�gt, da� es de facto nur noch simulatorische Politik geben kann. Die gr��te Leistung des Politikers besteht heute darin, in der Bev�lkerung die Phantasie am Leben zu halten, unter seinen H�nden w�rden die Dinge im Land souver�n vorangetrieben. Das ist im �brigen eine St�rke des heutigen Bundeskanzlers. Der wirkliche K�nig der Lethargie war aber sein Vorg�nger Kohl, der seinen Thron �ber dem totalen Stau errichtete. ... In der Tat ist Terror jederzeit ambivalent: Er provoziert Abscheu, und dennoch w�rden viele Menschen gern auch einmal so expressiv sein und so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie ein Terrorist. ... Der Terrorismus wird bei uns geradezu sakralisiert. ... Nadelstichgro�e Effekte im Realen werden durch unsere Medien bis auf das Format von interstellaren Ph�nomenen vergr��ert. Das d�rfte damit zu tun haben, da� die Menschen im gro�en Komfortsystem des Westens regelrecht gieren nach jener Information, auf die wir anthropologisch programmiert sind: Der Fre�feind hat sich gezeigt! So wie die Existenz von Blutgerinnungsk�rpern beweist, da� der menschliche K�rper mit Verletzung rechnet, so beweist unsere Bereitschaft, den Terrorismusalarm aufzufangen, die Existenz einer apriorischen Feind-Erwartung. Als Erben des uralten Stre�programms der S�ugetiere k�nnen und wollen wir von solchen Signalen mobilisiert werden.