2005-02-14

US-Blogger sammeln neuen Journalisten-Skalp

--- Die New York Times berichtet �ber den rapiden Fall des CNN-Nachrichtenmoderators Eason Jordan, den nach Dan Rather von CBS mal wieder die Blogger auf dem Gewissen haben sollen. Die eifrigen Journale-Schreiber werden dabei als "Troph�enj�ger" dargestellt: With the resignation Friday of a top news executive from CNN, bloggers have laid claim to a prominent media career for the second time in five months. ... On Friday, after nearly two weeks of intensifying pressure on the Internet, Eason Jordan, the chief news executive at CNN, abruptly resigned after being besieged by the online community. Morever, last week liberal bloggers forced a sketchily credentialed White House reporter to quit his post. For some bloggers - people who publish the sites known as Web logs - it was a declaration that this was just the beginning. Edward Morrissey, a call center manager who lives near Minneapolis and has written extensively about the Jordan controversy, wrote on his blog, Captain's Quarters: "The moral of the story: the media can't just cover up the truth and expect to get away with it - and journalists can't just toss around allegations without substantiation and expect people to believe them anymore." Mr. Jordan, speaking at the World Economic Forum in Davos, Switzerland, in late January, apparently said, according to various witnesses, that he believed the United States military had aimed at journalists and killed 12 of them. There is some uncertainty over his precise language and the forum, which videotaped the conference, has not released the tape. When he quit Friday night, Mr. Jordan said in a statement that, "I never meant to imply U.S. forces acted with ill intent when U.S. forces accidentally killed journalists." ... within days of his purported statement, many blog sites were swamped with outraged assertions that he was slandering American troops. ... But while the bloggers are feeling empowered, some in their ranks are openly questioning where they are headed. One was Jeff Jarvis, the head of the Internet arm of Advance Publications, who publishes a blog at buzzmachine.com. Mr. Jarvis said bloggers should keep their real target in mind. "I wish our goal were not taking off heads but digging up truth," he cautioned. ... It was a businessman attending the forum in Davos who put Mr. Jordan's comments on the map with a Jan. 28 posting. Rony Abovitz, 34, of Hollywood, Fla., the co-founder of a medical technology company, was invited to Davos and was asked to write for the forum's first-ever blog, his first blogging effort. In an interview yesterday, he said that he had challenged Mr. Jordan's assertion that the United States was taking aim at journalists and asked for evidence. Mr. Abovitz asked some of the journalists at the event if they were going to write about Mr. Jordan's comments and concluded that they were not because journalists wanted to protect their own. There was also some confusion about whether they could, because the session was officially "off the record." Mr. Abovitz said the remarks bothered him, and at 2:21 a.m. local time, he posted his write-up on the forum's official blog (www.forumblog.org) under the headline "Do U.S. Troops Target Journalists in Iraq?"He did not think it would get much attention. But Mr. Jordan's comments zipped around the Web and fired up the conservative bloggers, who saw the remarks attributed to Mr. Jordan as evidence of a liberal bias of the big American news media. Ein weiterer spannender Fall aus dem Grenz- und Streitgebiet zwischen Bloggern und Journalisten. Dazu gibt es �brigens am Mittwochabend in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin ab 19.00 eine Diskussionsrunde mit verehrten Blogger- und Journalistenkollegen und meiner einer.

Update: Im Blog "Local Man" findet sich ein interessanter Erkl�rungsansatz zu der angeblichen �u�erung Jordans: demnach hatte sich der global agierende Nachrichtenmensch etwas im lokalen Zielpublikum vertan. Seine Ansage sei im Mittleren Osten zwar eine Selbstverst�ndlichkeit gewesen, f�r den amerikanischen Zuh�rer jedoch habe sie die Wirkung einer Bombe gehabt.

3 Comments:

At 2:14 PM, Anonymous Melkus said...

Dazu sollte man ruhig mal bei Jay Rosen nachlesen (wenn man viel Zeit hat), der sich in der letzten Woche mit einer ehrfurchteinfl�ssenden Besessenheit dem Thema gewidmet hat. Letztlich kommt er zum Schluss, dass der R�cktritt �bertrieben und unverh�ltnism��ig war. Ich ebenfalls - besser w�re es nat�rlich gewesen, wenn sich CNN der Diskussion gestellt und das Recht verteidigt h�tte, ab und zu mal eine unpopul�re Sicht zu vertreten. Man hatte wohl Angst, dauerhaft als "liberal" gebrandmarkt zu werden.
Eine ausgesprochen multidimensionale Geschichte...

 
At 12:50 AM, Anonymous Wuldorblogger said...

Der Versuch mancher amerikanischer - und bisher aller deutscher - Medien, Leute wie Eason Jordan zum "Opfer" zu stilisieren (mit Vorliebe das "radikaler Bush-Anh�nger") und die Blogger zum unverantwortlichen Lynchmob ist l�cherlich.

Der eigentliche Skandal ist, da� Jordan 14 Tage quasi nichts zur Aufkl�rung beigetragen hat.

Da� er die Freigabe eines existierenden Videobandes (DAS, nicht sein R�cktritt, war die Forderung der Blogger) abgelehnt hat.

Da� die "Qualit�tsmedien" nach Jordans �berraschendem R�cktritt wie der Ochs vorm Berg standen, weil sie ihren Lesern den R�cktritt aufgrund eines Skandals erkl�ren mu�ten, den sie zuvor nie erw�hnt hatten. (Daher ist es auch l�cherlich zu behaupten, Jordan habe so sehr "unter Druck" gestanden - der L�wenanteil der Amerikaner wu�te gar nichts von der Story).

Und im �brigen hat Ed Morrissey von "Captain's Quarters" Jordan �hnliche und ebenso unbelegte Behauptungen aus der Vergangenheit nachgewiesen, z. B. �ber "Reporte, denen er vertraue, da� US-Soldaten Journalisten gefoltert h�tten".

Wenn ein Nachrichtenchef eines Senders wie CNN so etwas behauptet (oder nicht klarstellt, da� er es nicht behauptet hat), und daf�r keine Belege vorlegt, dann ist er selbst schuld.

Und wer es f�r �bertrieben h�lt, aufgrund solcher unbewiesenen Behauptungen zur�ckzutreten, der m�ge sich vor Augen f�hren, da� das Leben der Soldaten im Irak durch solche Dinge sicher nicht ungef�hrlicher wird. Al-Dschasira hat zur Jordan-Debatte sogar einen Cartoon mit einem US-Soldaten ver�ffentlicht, der eine Panzerfaust auf einen Journalisten richtet. Unter solchen Umst�nden sollte man von einem CNN-Nachrichtenchef schon erwarten k�nnen, da� er sich klar ausdr�ckt, und - wenn er Anschuldigungen erhebt - auch Beweise vorlegt.

Genauso wie zuvor Dan Rather oder danach "Jeff Gannon" ist Jordan gest�rzt, weil er sich falsch verhalten hat, nicht weil ihn irgendwelche Hexenj�ger verfolgt h�tten. Die Blogger haben hier nur das getan, was fr�her nicht passiert w�re: Verantwortlichkeit eingefordert. Ich wei� jedenfalls noch von keinem Fall, in dem die Blogger am Ende einen "Skalp" gesammelt h�tten, obwohl die Anschuldigungen unberechtigt waren.

Ich wei� allerdings sehr wohl von einer ganzen Menge zutiefst diffamierenden und unwahren Texten von professionellen Journalisten �ber Blogger.

(Am Rande: CNN braucht nicht als "liberal" gebrandmarkt werden. CNN ist liberal. Und das hat in dieser Geschichte �berhaupt keine Rolle gespielt. Einer der f�hrenden Jordan-Kritiker, Mickey Kaus, ist ein Liberaler. Hier geht es nicht um Ideologie oder Parteipolitik, hier geht es um essentielle Verhaltensregeln und die Sicherheit der amerikanischen Soldaten.)

 
At 3:26 PM, Anonymous Melkus said...

Aber wir wissen ja nicht, welche internen Prozesse bei CNN zum R�cktritt gef�hrt haben. Denkbar w�re ja auch, dass CNN Jordan die Unterst�tzung verweigert hat. Die zentrale Frage ist doch, ob man Belege f�r Jordans �u�erungen nicht vorweisen konnte oder wollte.
Mangelnder R�ckhalt im Network w�re ein nachvollziehbarer Grund f�r einen R�cktritt. Andernfalls h�tte es eine schlichte Entschuldigung
getan. Was Rosen kritisiert, ist die mangelnde Transparenz dieser Entscheidungsprozesse. Alles andere ist Interpretation, weil wir eben nicht genug wissen.

 

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