2005-02-22

Propaganda in Zeiten von Goebbels und heute

--- Anl�sslich der Erscheinung des Buches Das Goebbels-Experiment ver�ffentlicht Spiegel Online ein Interview daraus mit Lord Weidenfeld, der 1942 die erste Studie zur Propagandapolitik Goebbels' verfasste. Ein paar interessante Ausz�ge und Zeitbez�ge zu heute: Er hat die zeitgen�ssischen Konzepte des politischen Marketings fusioniert und perfektioniert, nach 1933 dann unter den Rahmenbedingungen eines totalit�ren Regimes, die f�r dieses "Experiment" nat�rlich g�nstig waren. Es gibt bei ihm diese Fusion zwischen Asphalt-Lyrik, Balladen, deutscher Romantik. Dann gab es die M�rsche, der von den Kommunisten nicht sonderlich unterscheidbare Musikeinsatz, deshalb auch im "Goebbels Experiment" ein eigenes Kapitel �ber die NS-Musik. Er hat es verstanden, sich vom Gegner schamlos das Beste oder Effizienteste herauszuklauben und die Vorzeichen umzukehren. Und nach 1933 hatte er die Instrumente der totalen Meinungslenkung. Er konnte also weitgehend auf seiner Klaviatur spielen, das war schon einzigartig. Nicht nur bei der Massenkommunikation, auch bei bildender Kunst, Theatern, �ffentlichen Ritualen. Diese Macht der Kommunikationslenkung hat keiner vor ihm und nach ihm gehabt, jedenfalls nicht in halbwegs zivilisierten L�ndern. ... Wenn Sie dagegen die schlechte Organisation der angloamerikanischen Propaganda jetzt im Irak-Krieg sehen, wo es noch nicht einmal gelungen ist, die Kriegsgr�nde klar zu vermitteln. Das ist eine Trag�die. Ein Kritiker des Irak-Kriegs selbst ist Weidenfeld allerdings nicht, er sieht eher die demokratischen Werte des Westens in Gefahr: Die Moral der westlichen Staaten ist schlecht, weil die Anti-Kriegspropaganda so gut ist. ... Wenn man es schafft, den Gegner st�ndig moralisch zu diffamieren und zu demoralisieren, und die Gegenwehr zu schwach ist, dann ist das der halbe Sieg. ... Ich habe sehr viele Vorbehalte gegen die Richtung, die viele europ�ische Medien in der Berichterstattung �ber den Irak-Krieg eingeschlagen haben. ... Heute f�hrt Pr�sident Bush, ob wir ihn nun m�gen oder nicht, einen Mehrfrontenkrieg gegen einen Feind, der um einiges gef�hrlicher ist als das "Dritte Reich" und die anderen totalit�ren Diktaturen alten Stils. Die SS-Einsatzgruppenleute mussten von Himmler noch f�r ihre blutige Arbeit hart gemacht werden. Kaum jemand hat das freudig und freiwillig gemacht. Das ist bei den islamistischen Selbstm�rdern ganz anders. Das ist eine ganz andere Mentalit�t, das hat nichts mehr mit Nationalismus alter Schule zu tun, sondern mit entgrenzten Religionskriegen. ... Es geht mir nicht so sehr um spin doctors, um taktische Reaktionen von Tag zu Tag. Es geht mir eher darum, dass man Grundhaltungen durchh�lt und diese auch vermittelt, sie jederzeit auffrischt, professionell an den Mann und an die Frau bringt, seine eigene Sache dadurch auch verteidigt. Das ist ungleich schwieriger in einer Demokratie, wo die Problemstellungen zugleich �ffentlicher und subtiler sind als in totalit�ren Systemen. Aber es ist eine Aufgabe, die gemeistert werden muss. Weidenfeld hat in mancher Beziehung sicher recht, aber �berzeugende Argumente, warum so etwas wie der Irak-Krieg nun n�tig gewesen sein soll, bringt er nicht vor. Auch er betreibt letzlich "politisches Marketing".