2005-01-25

Terror und Medien in der Aufmerksamkeitsspirale

--- Stephan Alexander Weichert versucht sich in Telepolis an der Aufarbeitung des terroristisch-medialen Beziehungskomplexes: Dieser eruht auf einem Tauschverh�ltnis mit Folgen: So wird neben einer stetig wachsenden Abh�ngigkeit der Terroristen von den Medien gleichzeitig eine gewisse Abh�ngigkeit der Medien vom Terrorismus registriert. Der 11. September 2001 und die darauf folgenden Terroranschl�ge der vergangenen Jahre haben eine Debatte dar�ber entfacht, ob und vor allem wie Medien �ber Terrorakte berichten sollen - und das nicht allein aus ethischen Gr�nden. Sondern auch, um nicht zu unfreiwilligen Handlangern von Terroristen gemacht zu werden. ... Eine m�gliche gegenseitige Abh�ngigkeit von Medien und Terrorismus w�re folgenreich: Sie k�nnte "zu einem zentralen Problem demokratischer Gesellschaften werden, die auf umfassende Informationen, Ursachenanalyse, gesellschaftliche Debatten und politische Diskurse angewiesen sind", merkt der Publizist und Medienwissenschaftler Klaus Kreimeier in der taz vom 11. September 2004 an. Dabei ist nicht nur eine eigenartige Mischung aus aufgeregtem 'Realtime-Reflex' seitens der Journalisten und einer wachsenden 'Breaking-News-Mentalit�t' seitens der Medienunternehmen zu sp�ren, die dieses grausame Wechselspiel um die Aufmerksamkeit des Publikums beg�nstigen. Vielmehr ist laut Kreimeier eine simple Erfolgslogik daf�r verantwortlich: Im Zuge der Globalisierung der Nachrichten funktioniere schlie�lich auch die Bewusstseinsindustrie nach den Gesetzen des Marktes. Terrorismus und Medien folgten daher einem "Zwang zur Selbst�berbietung", hei�t: Wo sich die einen durch Gewaltanwendung und Massenmord einen maximalen St�reffekt erhoffen, w�nschen sich die anderen durch dramatisierende und emotionalisierende Gewaltberichterstattung den maximalen Marktanteil.

Leider bringt der Artikel letztlich nicht viel, was nicht schon mit den diversen Nachrichtenwerttheorien zum Ausdruck gebracht wird. Die vorgebrachten L�sungsans�tze sind banal bis schal und gehen deswegen wohl wieder mal einfach im Redaktionsalltag unter, so sie dort denn �berhaupt geh�rt werden. Aber wer sich mit dem Thema noch nicht viel besch�ftigt hat, findet sicher ein paar Anhaltspunkte.