2004-12-07

Union spinnt sich Merkels Wahlergebnis sch�n

--- Die arme Angie: ist zwar wiedergew�hlt worden zur CDU-Parteichefin -- aber mit was f�r einem Ergebnis. Da hilft erst mal nur, gute Miene zum b�sen Spiel zu machen.. Aber ob das noch was wird mit Frau Kanzlerin?: Am ersten Tag des CDU-Parteitags hat es noch betretene Mienen �ber das Wahlergebnis von Parteichefin Angela Merkel gegeben. Nun lautet die offizielle Parteilinie: Das Ergebnis ist gut. "Ich bin sehr zufrieden mit meinem Wahlergebnis", sagte Merkel. Sie habe keine gr��ere Zustimmung bei ihrer Wiederwahl erwartet. Merkel war am Montag mit 88,4 Prozent als Vorsitzende best�tigt worden. Das waren gut f�nf Prozent weniger als bei der Wahl im Jahr 2002 auf dem Parteitag in Hannover. Das Ergebnis wurde allgemein als D�mpfer f�r ihre Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur gewertet. Die "Bild"-Zeitung wittert sogar eine Verschw�rung der m�nnlichen CDU-F�hrungsriege hinter dem Ergebnis. Merkel wollte davon jedoch nichts wissen. "Wir haben keine ganz einfachen Monate hinter uns", sagte Merkel. Sie sei "eindeutig und mit einem gro�en Vertrauensvotum wiedergew�hlt worden". Dem "RTL Nachtjournal" sagte Merkel: "Wir haben spannende Zeiten vor uns, und ich bin hochmotiviert, in diese spannenden Zeiten mit der CDU als Vorsitzende zu gehen." Auch Merkels Stellvertreter J�rgen R�ttgers sprach im RBB-Inforadio von einem "sch�nen Ergebnis". Man m�sse sich an den Kopf fassen, "wenn man so sieht, was kommentiert wird". Merkel sei "durch dieses Wahlergebnis gest�rkt". Ups, wie war das mit der gemeinsamen Realit�tsverzerrung?

Auch f�r ihre Rede, die von konservativen Zeitungen wie der Welt teilweise dokumentiert und hoch gelobt wird, erh�lt Angie nicht nur Bestnoten: Dass Quantit�t nicht immer etwas mit Qualit�t zu tun hat, hat Angela Merkel in D�sseldorf eindrucksvoll bewiesen. Zwei Stunden lang redete sie auf dem CDU-Parteitag, aber sie sagte nicht viel. Reformprojekte � la Kopfpauschale, f�r die sie im vergangenen Jahr auf dem Leipziger Parteitag zu Recht gefeiert wurde? Fehlanzeige. Erkenntnisse, wie eine Kanzlerin Merkel das Land regieren w�rde? Kaum. Ein bisschen Menschelei, die Gerhard Schr�der meist erfolgreich einsetzt, wenn seine Rede eine Luftblase ist? Auch das vermochte Merkel, die oft als kalter Machtmensch beschrieben wird, nicht zu liefern. Hat sie also einen v�llig verungl�ckten Parteitagsauftakt hingelegt? Dieses Urteil w�re voreilig. Immerhin erntete sie f�r ihre blutarme Rede achteinhalb Minuten Ovationen ... Angesichts der ausgepr�gten Einigkeitssehnsucht in der CDU h�tte Merkel wahrscheinlich auch �ber das Paarungsverhalten der Murmeltiere referieren k�nnen, um denselben Effekt zu erzielen, aber immerhin: Nach au�en hin stehen die Christdemokraten jetzt geschlossen da, und dies ist das Verdienst der Parteichefin. Also gilt f�r Merkel: Zwischenetappe erreicht. Die bedeutendere Aufgabe, die sie in D�sseldorf nicht zu erledigen brauchte, steht Merkel noch bevor. Sie muss nun auch noch die CSU, die Wirtschaft und sp�ter die W�hler davon �berzeugen, dass sie die Eignung hat, Deutschland zu regieren.

Update: Wer h�tte das gedacht: Just der eigentlich als Kanzlerkandidat schon abgeschriebene Stoiber trumpfte beim Parteitag der Schwesterpartei noch auf.

Update 2: Telepolis widmet sich den "patriotischen Begriffsh�lsen" der CDU-Chefin.

5 Comments:

At 9:24 PM, Anonymous Anonym said...

Da fragt sich doch, ob der spindoktor manches mal nicht auch ein bisschen "spind"?! Was ist an 88 Prozent in einer Demokratie so schlecht? Und was sind schon f�nf Prozent bei vielleicht 400 Deligierten? Was hat das mit einem Kanzlersturz zu tun? Warum spricht niemand �ber Hans-Josef Arentz, der nun wei� Gott abgest�rzt ist? So kann nur einer schreiben, der aus pers�nlichen Ressentiments 88 Prozent schlecht finden will, um ja nie von einer Dame namens Merkel regiert zu werden, oder?

 
At 11:42 PM, Blogger sk said...

wenn ein Absturz von 93,7 % 2002 auf 88,4 % 2004 kein Absturz ist bei einer _Parteitagswahl_, na dann ... ansonsten einfach mal die Presse von heute durchbl�ttern (wahllos): �berall wird das Ergebnis so gewertet.

 
At 1:04 PM, Blogger lichten said...

... die Frage ist nur inwieweit die Medien das Ergebnis erst schlecht reden. Vor der Abstimmung sagte ein Reporter vom ZDF dass ein schlechtes Ergebnis 85 % sei. Falls sie unter diese Marke rutschen wuerde, haette sie Probleme. Da jetzt die Medien von einem schlechten Ergebnis reden, ist das Ergebnis natuerlich auch schlecht, denn der Normalbuerger wird nur durch die Reporter vor Ort informiert. Also hat Merkel jetzt ein Problem in der Oeffentlichkeit - ein typisches Henne-Ei Problem.
Ein schlechtes Ergebnis passt natuerlich auch in den Kontext, dass die CDU zerrissen sei, wie vorher berichtet wurde. Da mag es manchen Redakteuren schwerfallen, nicht von einem schlechten Ergebnis zu sprechen

 
At 4:29 PM, Anonymous Anonym said...

In der Tat ist es ein schlechtes Argument, nur auf die Berichterstattung der anderen zu verweisen und sich dem Mainstream zu vergewissern. Genau das ist doch der Grund, weshalb die Medien oft zu undifferenziert berichtten. Lieber mitberichten, als eine eigene Position aufbauen, die am Ende verteidigt werden muss. Ich finde, 88 Prozent sind ein anst�ndiges Ergebnis. W�re es bei einem Gerhard Schr�der oder sonst wem auch.

 
At 4:47 PM, Blogger sk said...

nur den "mainstream" in der presse abzulehnen, weil es der mainstream ist, bringt ja nun aber auch leider gar nichts. ich bleibe bei meiner ansicht: merkel (und viele in der cdu) hatte eindeutig mit einem besseren ergebnis gerechnet -- die bilder von ihr bei der ergebnismitteilung sprechen da ja auch baende (s. etwa ftd-titelseite von gestern) -- und der spin liegt bei der union, nicht bei den mainstream-medien.

 

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