2004-11-19

Speakersnight: Komischer Auftritt der Pressesprecher

--- Gestern abend lud der Bundesverband deutscher Pressesprecher zur 1. Speakersnight in die Berliner Staatsoper. Bei seiner kleinen Gala waren sich die Chefverk�ufer von Firmen-, Partei- und Verbandsinteressen nicht zu schade, einen Preis f�r die schlechteste Berichterstattung von Journalisten zu vergeben ("fauler Apfel"). "Sieger" wurde Oliver Schr�m, der f�r die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung das St�ck "Der Gesichtsverlust" geschrieben hatte. Die Begr�ndung der Pressesprecher: "Er behandelt darin den Terroranschlag von Djerba und die Folgen - zu einseitig und ohne alle Beteiligten zu Wort kommen zu lassen, wie die BdP-Mitglieder befanden." Und: es sei "unsauber recherchiert, bewusst falsch gemeldet, unfundiert berichtet"worden. Aber warum nur? Der Autor reagiert: "Wie mir m�ndlich von Ihrem Verbandspr�sidenten mitgeteilt wurde � eine schriftliche Begr�ndung liegt mir leider noch nicht vor -, soll ich den Preis erhalten, weil ich die Sichtweise von TUI nicht dargestellt und den Pressesprecher des Konzerns nicht angerufen h�tte. Meines Erachtens sprechen die schriftlichen �u�erungen der leitenden TUI-Mitarbeiter sowie des Anwalts f�r sich selbst - deutlicher als sie irgendjemand �bersetzen k�nnte. Wollte sich der Reiseveranstalter - unabh�ngig von der Schuldfrage � von der zynischen Haltung seines Anwalts distanzieren, st�nde im das bew�hrte Instrument der Pressemitteilung zur Verf�gung. Es wurde in den vergangenen Monaten hierf�r nicht genutzt." Schr�m vermied es, selbst zu erscheinen - wer reist schon gern freiwillig zu seiner eigenen Hinrichtung? Entsprechend reagierte er per schriftlicher Stellungnahme. Unter den G�sten machte sich der Eindruck breit, dass hier ein Fall von beleidigter Pressesprecher vorgelegen haben muss. Offenkundig hatten sie es bei ihrem Online-Voting zum schlechtesten Artikel nicht ertragen k�nnen, wenn sie die Kommunikation �ber ihr zu vermarktendes Produkt nicht unter Kontrolle haben - unabh�ngig davon, dass der Anwalt der Familie im konkreten Fall gezielt auf die Medien zugegangen ist, um den Fall so in den Zeitungen beschrieben zu finden. Vielleicht sollten sich die Pressesprecher fragen, ob sie in Zukunft nicht so arbeiten sollten, dass sie auch angerufen werden. �berhaupt, wozu ein Preis f�r eine Ente - und dann noch von Pressesprechern? Eitelkeit des Verbandes, Aufmerksamkeitssucht? Viel geklatscht wurde jedenfalls nicht. Ach ja, es wurde auch ein "goldener Apfel" f�r die "beste" Geschichte vergeben.

Update: Fotos vom Event bei AEDT.