2004-11-09

Bertelsmanns Lobbymacht weiter in der Kritik

--- B-Day heute bei Telepolis: Nachdem die S�ddeutsche Zeitung im September bereits mit einem Bericht und Interview zum Buch Bertelsmann. Hinter der Fassade des Medienimperiums aufgewartet hatte, bringt das Online-Magazin heute ebenfalls einen Doppelpack. Die Autoren B�ckelmann und Fischler beleuchten dabei im nachgedruckten Vorwurt zun�chst die Bertelsmann Stiftung als Lobbyvorhut des Konzerns: Die Aktiengesellschaft repr�sentiert die Sph�re von Profit, Macht und Einfluss, von der sich die Bertelsmann Stiftung als unabh�ngige und gemeinn�tzige Denkfabrik vorteilhaft abhebt. So l�sst der Konzern vergessen, dass die Stiftung einen immensen politischen Einfluss aus�bt und dabei stets den Profit des Unternehmens im Auge beh�lt, aus dem sie hervorgegangen ist. Sie ebnet dem Medienimperium die Bahn f�r aktuelle Vorhaben, sorgt f�r die notwendigen Kontakte und vermag es, bei schwierigen Entscheidungsprozessen in den passenden Momenten nachzuhelfen. �ber die Stiftung wirkt der Konzern in Deutschland und Europa auf undurchsichtige Weise an fast allen bedeutsamen sozial- und bildungspolitischen Reformen und sicherheitspolitischen Entscheidungen mit. Zudem schreiben sie �ber ihre Motivation zum Schreiben des Bands: Der eine von uns (Fischler) erlebte 1998, wie unduldsam der Konzern reagiert, wenn man an seine Traditionsfassade kratzt. Der andere (B�ckelmann) registrierte bei seiner T�tigkeit als Medienwissenschaftler oftmals, dass bei Bertelsmann Methoden an der Tagesordnung sind, die man anderen Medienunternehmen, etwa der Kirch-Gruppe, als Lobbyismus, Verdr�ngungswettbewerb, unstete B�ndnispolitik oder Uners�ttlichkeit �bel ankreidete. Bei Bertelsmann hingegen werden sie ignoriert oder wohlwollend hingenommen. ... Nach unserer Beobachtung befinden sich viele Wirtschafts- und Medienjournalisten, Medienexperten und Politiker gegen�ber dem Ph�nomen Bertelsmann in einem Haltungskonflikt. Aber sie leben mit diesem Konflikt seit zehn oder zwanzig Jahren. Auf ihm liegt schon die Patina der Resignation. Respekt vor Bertelsmanns Gr��e und Interesse an weiterhin guten Direktkontakten nach G�tersloh mischen sich mit Unbehagen �ber die aufgesetzte Firmenethik und mit Besorgnis �ber einen Staat im Staate, dessen Einflussgrenzen nicht erkennbar sind.

Neben der Werbeeinblendung f�r das Buch gibt es noch ein Interview mit B�ckelmann. Da geht es viel um Entdemokratisierungsprozesse und Erziehungsprogramme made in G�tersloh. Noch hilfreicher w�re eine eigene Rezension gewesen, denn letztlich bleibt auch in dem Gespr�ch die von den Autoren ausgemachte besondere von Bertelsmann ausgehende Gefahr f�r die Demokratie recht verschwommen.