2004-09-11

Zero-Tolerance gegen Terroristen auf schwankendem Niveau

--- Unausweichlich r�ckt die Auseinandersetzung mit dem islamistischen Terrorismus am heutigen dritten Jahrestag der Anschl�ge auf New York und Washington in den Vordergrund. In der deutschen Online-Welt sorgt dabei momentan vor allem Henryk M. Broder mit seiner Verarbeitung des B�sen in der Welt und seiner Abrechnung mit den "Terroristen-Verstehern" f�r Aufruhr. Ein mir bisher unbekannter Gedankengang dabei: Broders (nur rhetorisch vorweg halb zur�ckgenommener) Vergleich der Gotteskrieger mit den Nazis: Es hat solche Ausbr�che eines Massenwahns in der Geschichte schon �fter gegeben: Ohne wirklich vergleichen zu wollen, k�nnte man auch das Dritte Reich als einen Versuch begreifen, sich zuerst auszutoben und dann kollektiv Selbstmord zu begehen. Wie verzweifelt m�ssen die Nazis gewesen sein, um die Massaker von Oradour und Lidice zu begehen? War Goebbels umjubeltes Angebot vom "totalen Krieg" nicht von der gleichen Art wie das Glaubensbekenntnis der Terroristen, die den Tod mehr als das Leben lieben? Wir aber sind inzwischen weiter. Nicht Reinhard Heydrich oder Osama Bin Laden sind unsere Vorbilder, sondern der Dalai Lama, weil der auch in aussichtslosen Momenten die Gewaltlosigkeit predigt. Und wir sind stolz auf eine "friedliche Revolution", bei der nicht einmal eine volkseigene Kaffeemaschine besch�digt wurde. Warum empfehlen wir den Terroristen nicht den gleichen Weg? Warum unterstellen wir ihnen ehrenwerte Motive? Warum haben wir Verst�ndnis f�r Massenm�rder, die keine Gnade kennen, weil sie in Gottes Auftrag handeln? Warum gehen wir nicht hin und machen ihnen ein faires Angebot: "Liebe Leute, wenn ihr euch unbedingt umbringen wollt, dann macht es. Wir werden euch daran nicht hindern. Aber macht es bei euch zu Hause. Alles Gute und viel Erfolg." Broder hat Recht, dass ein Verhandeln mit Gotteskriegern, die mit dem Leben abgeschlossen haben, in der Regel nichts bringt. Dass der Terror aber zumindest im Ansatz auch eine Reaktion auf die Machtbestrebungen westlicher M�chte im Nahen und Mittleren Osten ist und politisches Handeln nicht v�llig vergeblich ist, vergisst oder unterdr�ckt er aber der Polemik willen. Ein wenig stilistische Kritik gibts aber zumindest gleich bei Spiegel Online, dem Publikationsort des Artikels, dazu.

Ansonsten zum 11.9.: D�monologische Betrachtungen zum Jubil�um eines Weltschicksalstags von Goedart Palm in Telepolis, das Special bei der New York Times oder die "totalit�re Herausforderung" in der Welt. Aufschlussreich auch die skeptische Bestandsaufnahme von Juan Cole zum Krieg zwischen den USA und al-Qaida (Dank an David f�r den Hinweis).

2 Comments:

At 3:26 PM, Blogger fartmeal said...

So interessant und lesenswert die in den Telepolis-Artikeln ge�u�erten Gedankeng�nge auch sein m�gen - lesbar schreiben k�nnen dort nur wenige...
Der referenzierte Beitrag von Goedart Palm strotzt schon wieder vor unn�tigen Fremdw�rtern, die den Leseflu� behindern, und bedient sich eines ausgesprochen m�hsamen Satzbaus.
Was er uns eigentlich sagen will: Die Bush-Regierung hat im Lichte von 9/11 bereitwilligst die Werte verraten, die sie zu sch�tzen und zu verteidigen vorgibt. Unkoordinierte Aktionen anstelle wohl�berlegter Politik bestimmen ihr Handeln und werden mit fadenscheinigen und ewig gleichen Begr�ndungen gerechtfertigt. Die Geheimdienste waren und sind nicht in der Lage, haltbare Handlungsgrundlagen zu schaffen. Die tiefere Motivation (das eigene Machtstreben, der Machterhalt, wobei JEDES Mittel recht ist) wird verheimlicht und auf Nachhaken damit beantwortet, da� die �ffentlichkeit die wahren Beweggr�nde nicht ertragen w�rde - dabei folgt gleichzeitig das Versprechen, es geschehe alles nur zum Besten der eigenen Nation bzw. der freiheitsliebenden Nationen.
Und als Fazit: Die westliche Welt erlebt einen R�ckfall in beinahe tierische Verhaltensweisen, die in der Geschichte zahlreich zu finden sind und als bereits �berwunden galten.

War das jetzt so schwer? Der ganze Abschnitt kommt mit ganz wenigen und gemeinhin bekannten Fremdw�rtern aus. Die Kernaussage l��t sich auf wenige S�tze beschr�nken. Warum nur kann Herr Palm�(und mit ihm andere TP-Autoren) nicht auf dieses ganze pseudo-akademische Geschwafel verzichten, das letztlich nur eine "readers divide" schafft? (Damit ist keineswegs sk gemeint, die Betr�ge hier im Blog sind stets gut lesbar und verst�ndlich geschrieben).

 
At 4:38 PM, Anonymous Anonym said...

I strongly recommend the Juan Cole's historical overview of 9-11 which he posted today in his blog: www.juancole.com
He is the best source of news (daily) on developments in Iraq and the Middle East.

-David

 

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