2004-08-23

Schlammschlacht um Kerrys Vietnam-Verdienste

--- Bush hat gute Erfahrungen mit Schlammschlachten rund um Vietnam, schlie�lich half ihm diese Taktik schon einmal, seinen republikanischen Konkurrenten John McCain loszuwerden. Dieses Mal hat er wieder eine Truppe gefunden, die gegen seinen demokratischen Herausforderer John Kerry im Dreck w�hlt: Es wirkt surreal, dass die Pr�sidentenwahl 2004 wom�glich dar�ber entschieden werden k�nnte, ob am 13.�Februar 1969 im S�dwestzipfel S�dvietnams ein Sack Reis umgefallen ist oder, in diesem Falle, ein Reisschober. Genau das geschieht aber derzeit, denn auch mit dem Reisschober steht oder f�llt die Glaubw�rdigkeit und damit das politische �berleben John Kerrys. Kerry w�re der letzte, der das �bers�he. Er kennt seinen Widersacher John O'Neill, den Vorsitzenden der "Veteranen f�r die Wahrheit". Er kennt ihn seit nunmehr 33 Jahren, seit einer Fernsehdebatte am 20.�Juni 1971 �ber die Aussichten des Vietnamkriegs, besonders aber �ber US-Kriegsverbrechen. O'Neill, heute Rechtsanwalt in Houston, sagt seit damals: Erstens, John Kerry hat alle US-Soldaten mit der Aussage beleidigt, nahezu jeder habe Kriegsverbrechen begangen - Babies t�ten, Frauen vergewaltigen, M�nner k�pfen. Zweitens, die Behauptung sei vor allem deshalb auf Geh�r gesto�en, weil Kerry als Kriegsheld gelte. Seine Orden aber habe Kerry sich zusammengelogen, und hier bringt O'Neill neben vielem anderen den Reisschober ins Spiel. ... Der Reisschober wurde im Februar 1969 mit Handgranaten in die Luft gejagt. Kerry zog sich dabei Splitter im Ges�� zu. Kurz darauf fuhren zwei Patrouillenboote, auch dasjenige Kerrys, auf eine Mine. Kerry wurde gegen seine Kaj�tent�r geschleudert, erlitt eine Prellung am Arm, und erhielt f�r "im Kampf erlittene Verletzungen" sein drittes Purpurherz. O'Neill behauptet: Kerry hat den Reisschobersplitter zum Minensplitter des Vietcong umgedeutet und deshalb �berhaupt das Purpurherz erhalten. Denn im Gefechts-Tagesreport stehe w�rtlich: "Schrapnellwunde linkes Ges�� und Prellung rechter Vorderarm (geringf�gig)". John O'Neill behauptet weiterhin, alle drei Verwundetenabzeichen seien so zu Stande gekommen. Bezeichnend ist die ganze Debatte, denn anscheinend z�hlt der Umgang mit der Vietnam-Vergangenheit mehr als die Behandlung der blutigen Gegenwart im Irak.

Bush hat sich von seiner Ranch aus inzwischen halbherzig von der ungew�hnlichen Vietnam-Aufbereitung distanziert. Was vor allem die Swift Boat Veterans for Truth da momentan so alles an Kampagnen fahren, ist ihm, dem Vietnam-Verweigerer, anscheinend doch nicht ganz geheuer.