2004-07-16

TV entdeckt den Terror im Web

--- Langsam merken es selbst die klassischen Medien, dass sich der Dschihad auch online niederschl�gt. Premiere feierte das Thema in einen l�ngeren Beitrag vom NDR im Magazin Panorama am gestrigen Donnerstag. Der Anrei�ertext gab sich dramatisch: Ein Gefangener wird im Irak mit einem S�bel gek�pft � und das Ganze wird gefilmt. Mit diesen unfassbaren Bildern haben islamistische Terroristen die Welt vor einigen Monaten geschockt. Doch mittlerweile vergeht fast kein Tag, an dem nicht neue Videos �ber Attentate oder Hinrichtungen auftauchen. Die Propaganda der Macher wird immer professioneller: der Selbstmord-Attent�ter hat mittlerweile einen Kameramann an seiner Seite, der nicht nur den Anschlag filmt, sondern zuvor bereits den Abschied von seinen Angeh�rigen aufgenommen hat. Tats�chlich zeigte der Beitrag dann auch vor allem Ausschnitte aus dem "Best of"-Video der Selbstmordattent�ter, das �ber angeblich pro-israelische Sites wie www.inhonor.net l�ngst auch online verf�gbar ist (angeblich zur Aufkl�rung �ber die Beweggr�nde der Terroristen und zusammen mit all den anderen blutigen Videos aus dem Qaida-Umfeld). Ansonsten wurden die einschl�gigen Experten zum Thema befragt wie Gabriel Weimann oder Aaron Weisburd von Internet Haganah, der gestern mit einem akuten Anschlagwarnung f�r Italien in Fachkreisen f�r Aufsehen sorgte. Letztlich kamen aber auch Verfassungssch�tzer in dem NDR-Beitrag nur zu der Auffassung, dass man nichts machen k�nne gegen die Nutzung des Internet durch die Gotteskrieger. Ratlosigkeit verbreitet sich also �ber die Medienstrategien der Islamisten, die nat�rlich just von den demokratischen Werten und �ffentlichkeitstheorien profitieren, die sie eigentlich streng ablehnen und im Rahmen ihres Dschihad mit bek�mpfen. Am aussichtsreichen erscheint da -- trotz der teilweisen alarmistischen Fehlschl�ge -- der Weg von Weisburd und seinen Kollegen aus der "Cyberwehr", die immer wieder auf das Treiben der Glaubenskrieger im Netz hinweisen und so zumindest ihre "heilige Ruhe" st�ren. Mehr zum Thema in Telepolis.

3 Comments:

At 12:25 AM, Blogger fartmeal said...

Der Telepolis-Beitrag ist leider voller Widespr�che, aber in einem Punkt schlie�e ich mich der ge�u�erten Auffassung an: Das Internet als durch und durch anarchisches Medium, das sich der ansonsten allerorten m�glichen Kontrolle durch die Machtinstitutionen aufgrund seines inh�renten Wesens wirkungsvoll entzieht, ist doch schon lange vielen Machtinhabern ein Dorn im Auge - UND den klassischen Medien erst recht, da sie im Internet m�glicherweise eine schwer einsch�tzbare "Konkurrenz" f�rchten. Und weiterhin liegt es in der Natur des Mediums, da� es immer einen Tick schneller bleiben wird als die klassischen Medien - diese Tatsache allein ist ja schon eine immense Bedrohung.

M.E. - obwohl ich den Beitrag selbst nicht sehen konnte - haben sich die Autoren dieser Sendung die weltweite verbreitete Furcht vor Anschl�gen und den weiter zu bef�rchtenden Konsequenzen weltweiten Terrors zunutze gemacht, um mal eben einen Seitenhieb auf das Internet als "Wurzel allen Ungemachs" und potentiellen Multiplikator terroristischer Aktivit�ten loszuwerden. Und das Tagesgeschehen belegt ja, da� diverse Internet-Dienste tats�chlich so benutzt werden.

Aber: Wir m�ssen ja keineswegs tatenlos dabeisitzen. Ich denke, Weisburds Beispiel sollte l�ngst weitl�ufig Schule gemacht haben und Nachahmer finden, vor allem in Kreisen gem��igter Muslime. Tats�chlich sollte man aktiv die Bildung solcher "Cyberwatch"-Zentren vorantreiben. Gem��igte Muslime erhalten so auch die M�glichkeit, sich effektiv und plakativ vom Sumpf der Fundamentalisten zu distanzieren. Und schlu�endlich d�rfte es angesichts des Mi�brauchs des Internets als Kommunikationsmedium f�r den Jiihad nicht schaden, wenn Betreiber von Internet-Caf�s dazu �bergehen, ihre Stationen eben nur noch registrierten Benutzern zu �berlassen (wobei die Registrierung per Personalausweis, Angabe der heimischen Adresse oder sonstiger bindender Angaben erfolgen mu�).

Im �brigen: Klassische Medien werden ja gleicherma�en von den Machtinhabern im Westen zur mehr oder minder gezielten Verbreitung von Propaganda (ich sage nur "embedded journalists") benutzt.

Im Endeffekt stehen die Medien wieder vor der Frage, ob und welchen Kodex sie sich auferlegen wollen, also konkret: Was kann, darf oder mu� gezeigt und gemeldet werden? Ich denke, in der Mehrzahl schielen westliche Medien auf Quote und solang das die Motivation bleibt, werden wir auch weiterhin Enthauptungen in Bild, Ton und detaillierter Beschreibung pr�sentiert bekommen (und zynischerweise mehr und mehr von den Vertretern westlicher Medien).

 
At 12:11 PM, Blogger sk said...

guter punkt mit den embeds und dem dadurch erfolgenden "freiwilligen missbrauch" der massenmedien. den panorama-beitrag gibt es ansonsten als stream ueber die verlinkte website zu bewundern.

 
At 2:40 AM, Blogger fartmeal said...

Danke f�r den Tipp mit dem Stream - habe mir den Beitrag gleich angeschaut, was meine vorher ge�u�erte Ansicht jedoch erh�rtet hat. Ich bleibe dabei: Entweder, die Geheimdienste machen ihre Arbeit k�nftig selbst richtig (siehe der Beitrag �ber "Imperial Hubris" und die in diesem Buch ge�u�erten Unterlassungen des CIA) oder es braucht eben noch viele Weisburds. Und vielleicht kann ja auch die "gute" alte DoS-Attacke mal gezielt auf die eine oder andere Islamisten-Site losgelassen werden...

 

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