2004-06-02

Die verst�ndnisvolle Diktatur kann nicht punkten

--- US-Pr�sident Bush kuschelt mal wieder heftig mit den Europ�ern, um sich das leidige Irakproblem vor den Wahlen im Herbst doch noch halbwegs vom Hals zu schaffen. Da telefoniert er s�uselnd mit Bundeskanzler Schr�der, dort zeigt er sich verst�ndnisvoll sogar in den franz�sischen Medien: In einem Interview mit dem franz�sischen Magazin "Paris Match", sagte Bush: "Ich selbst k�nnte es nicht ertragen, wenn mein Land besetzt w�re." Deshalb werde man den Irakern auch bald ihre Souver�nit�t zur�ckgeben. Schlie�lich seien nicht alle K�mpfer dort Terroristen, einige ertr�gen schlicht die Tatsache der Besatzung nicht. Doch das S��holzraspeln hilft bislang wenig: Frankreich, Russland und Deutschland lehnen trotzdem die neue von den USA ma�geblich gepr�gte UN-Resolution zum Truppenabzug der Koalition bis 2005 ab. Sie bestehen auf mehr Unabh�ngigkeit f�r die irakische �bergangsregierung. Die sei zwar das Beste, was man unter den Besatzungsumst�nden erreichen konnte, so der UN-Sonderbeauftragte f�r Irak, Lakhdar Brahimi. Gleichzeitig hat er aber den US-Zivilverwaltungschef Paul Bremer nicht gerade mit freundlichen Titeln bedacht: �Ich glaube, er wird es mir nicht �bel nehmen wenn ich sage, dass Bremer der Diktator von Irak ist. Er hat das Geld und das letzte Wort�, reagierte Brahimi in Bagdad auf Kritik am starken US-Einfluss auf die Bildung der �bergangsregierung f�r Irak. Es seien nach wie vor �die Amerikaner, die das Land regieren�. Deshalb sei ihre Sichtweise bei der Zusammensetzung der Regierung selbstverst�ndlich ber�cksichtigt worden. Na, da muss Bush wohl noch etwas �ben beim Umgarnen der UN und der Europ�er.

Update: In Agenturmeldungen findet sich noch ein weiteres Zitat Bushs, in dem der Pr�sident seine Krieg gegen den Terror mit dem Zweiten Weltkrieg vergleicht und das daher nicht unbeachtet bleiben soll: In einer Rede vor Graduierten der Luftwaffen-Akademie in Colorado Springs [wo sonst] wies Bush Vorw�rfe von Kritikern zur�ck, der im Namen der Terrorismus-Bek�mpfung gef�hrte Milit�r-Einsatz der USA in Afghanistan und in Irak habe in der moslemischen Welt zu einer Radikalisierung gef�hrt. "Wie im Zweiten Weltkrieg begann auch unser jetziger Konflikt mit einem ruchlosen �berraschungsangriff auf die USA", sagte Bush in Anspielung auf den japanischen Angriff auf die US-Flotte in Pearl Harbor und die Anschl�ge vom 11. September 2001 in New York und in Washington. "Wir werden diese Ruchlosigkeit nicht vergessen und uns mit nicht weniger als dem Sieg �ber die Feinde zufrieden geben." Die Schallplatte scheint einen Kratzer zu haben.