2004-05-30

Skepsis bei Biometriepass im Bundestag

--- Nach den Fachmedien greift jetzt auch mal die Welt am Sonntag den Irrsinn mit der biometrischen Aufr�stung der deutschen Ausweisdokumente auf: Die Einf�hrung von Ausweisen mit biometrischen Daten wird in Deutschland bis zu 669 Millionen Euro f�r einmalige Investitionen kosten und weitere 610 Millionen Euro j�hrlich f�r laufende Aufwendungen. Das geht aus einem Bericht hervor, den der Bundestag beim B�ro f�r Technikfolgenabsch�tzung (TAB) in Auftrag gegeben hat. Diese Kosten fallen an, wenn die bisherigen Ausweise durch ein v�llig neues System ersetzt und mit elektronischen Speichermedien kombiniert werden. Dann k�nnen Ausweise auch f�r elektronische Unterschrift und Daten eingesetzt werden. Wenn nur die Fotos auf den bisherigen Ausweisen digitalisiert werden, kostet das lediglich 22 Millionen einmalig und 4,5 Millionen Euro j�hrlich. ... Die SPD ist nach der Vorstellung des Berichts skeptisch: "Der Bericht r�umt auf mit der weit verbreiteten Vorstellung, dass zus�tzliche Merkmale in Ausweisdokumenten ein Allheilmittel zur Terrorismusbek�mpfung sind", meint die stellvertretende Ausschussvorsitzende Ulla Burchardt (SPD). Die innenpolitische Sprecherin der Gr�nen Silke Stokar warnte ebenfalls vor "�berzogenen Erwartungen" an solche neuartigen Ausweise. Innenminister Otto Schily (SPD) setzt dagegen auf die Versch�rfung der Sicherheitsstandards bei Ausweisdokumenten. Bei Schilys US-H�rigkeit ist allerdings nicht davon auszugehen, dass die Skepsis der Abgeordneten etwas bringt.

Update: Die New York Times setzt sich aktuell in zwei Artikeln mit biometrischen Entwicklungen auseinander: Zum einen beschreibt sie die Leidensgeschichte eines Automechanikers aus der Bronx, der f�lschlicherweise wegen seiner Fingerabdr�cke in die M�hlen der Justiz ger�t. Zum anderen wirft sie einen Blick auf aktuelle Entwicklungen beim Einsatz von Gesichtserkennungssoftware zum Herausfiltern Verd�chtiger aus gr��eren Menschenmengen. Einmal mehr erweist sich dabei die Polizei in Florida als Vorreiter dieses Kontrollsystems, das aber anscheinend nur dann funktioniert, wenn ein Bild in der Datenbank fast identisch ist mit einer aktuellen Aufnahme und somit nach wie vor h�ufig falschen Alarm ausl�sen d�rfte: "The companies have not done a good job of positioning it, and as a result the technology has gotten a black eye," said Thomas J. Colatosti, a security consultant who was formerly the chief executive of Viisage, one of the few publicly traded companies in the business.