2004-05-12

Enthauptung: "Moralischer und zivilisatorischer Tiefpunkt"

--- Peter M�nch von der S�ddeutschen Zeitung widmet einen Kommentar dem islamistischen Enthauptungsvideo und spricht von einem "moralischen und zivilisatorischen Tiefpunkt". Die Kriege von heute sind nicht schlimmer, blutiger, unmoralischer als die zu jeder Zeit. Aber sie sind letztlich auch nicht besser, unblutiger, chirurgischer. Selbst wenn sie nicht mehr in gro�en V�lkerschlachten gef�hrt werden, sondern aus der Distanz und mit High-Tech-Waffen, so wird weder virtuell gek�mpft noch virtuell gestorben. Genau dieser Eindruck war allerdings eine Zeit lang mithilfe von Fotos und Videoclips vermittelt worden. Zumindest die westliche Welt pflegte die M�r vom sauberen Krieg. Die vom Milit�r verbreiteten oder zensierten Bilder aus Bagdad, Kabul oder Belgrad wirkten so, als w�ren sie von Blutflecken chemisch gereinigt worden. Gezeigt wurden die von den Bomben ausgel�sten Blitze am Nachthimmel und nicht die Leichen am Boden. Die j�ngsten Aufnahmen von Folter und Enthauptung stehen f�r das Gegenteil. Und sie belegen nicht nur, dass die Amerikaner die Hoheit �ber die Bilder verloren haben, seit es neben CNN auch al-Dschasira und �ber allem das Internet gibt. Sie dokumentieren vor allem, dass sich der zun�chst nur auf einem Nebenschauplatz angesiedelte Krieg der Bilder verselbstst�ndigt hat. ... Dennoch wird das Hinrichtungsvideo seine Wirkung nicht verfehlen, vor allem nicht in der arabischen und islamischen Welt. Dies zeigt, wie sehr die USA auch im Krieg der Bilder in die Defensive geraten sind. Ausgerechnet jene Macht, die wie keine andere die visuelle Kriegsf�hrung perfektioniert hatte, muss nun die Bilder f�rchten � Fotos von den eigenen Taten ebenso wie ein grausames Video des Feindes. Auch interessant: ein SZ-Interview mit Klaus Theweleit zum Universalismus der Folter.

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