2003-11-25

--- Der Fall Gerster stinkt zum Himmel: Nicht nur, weil der Chef der Bundesanstalt f�r Arbeit (ein Euphemismus in sich: ehrlicherweise m�sste die in Anstalt f�r Nicht-Arbeit umbenannt werden) selbstherrlich und ohne Ausschreibung einen Berater- und PR-Vertrag an den auch nicht ganz unbeschriebenen Bernd Schiphorst in H�he von satten 1,3 Mio. Euro vergeben hat. Sondern auch, weil der Ex-NRW-Politiker doch anscheinend tats�chlich glaubt(e), er brauche kein Modernisierungskonzept f�r die Anstalt, sondern k�nne �ber "Kommunikation", "Image-Kreierung" und "�ffentlichkeitsarbeit" die L�cken in der inhaltlichen Arbeit f�llen. Der Spindoktor meint: Gerster muss gehen -- nat�rlich ohne seine drei Dienstwagen, mit denen er ja sicher nicht von Arbeitsamt zu Arbeitsamt durchs Land rollen wollte auf seiner PR-Tour. Aber vielleicht war es ja auch just das, was ihm Schiphorsts WMP EuroCom vorgeschlagen hat? Die amtierende Ratsvorsitzende der Anstalt und stellvertretende DGB-Chefin Ursula Engelen-Kefer fand das vorgestellte Konzept Schiphorsts jedenfalls "nicht �berzeugend" und pl�dierte f�r einen Sperrvermerk f�r die Unsumme. Doch das Lustigste an der Sache: Nun f�hlt sich der liebe Florian Gerster auch noch als Opfer einer "inszenierten Medienkampagne"! Aber der Opfermythos wird ihm auch nicht mehr helfen.

Einen interessanten Blick auf die Aff�re Gerster und das "Netzwerk der Deutschland AG" wirft �brigens auch Hans Leyendecker in der S�ddeutschen Zeitung: Der Fall Schiphorst/Gerster/WMP ist eine Zustandsbeschreibung der Republik: Es geht um Unf�higkeit, Kleinkariertheit und Sozialneid, das �bliche Mittelma� und den gew�hnlichen Wahn. Die Geschichte wirft ein Schlaglicht auf eine Branche, die in der Tagesschau nicht vorkommt und die dennoch immer mehr das Sagen hat: Polit- und Medienprofis, die Master der Public-Affairs, wursteln im Politbetrieb kr�ftig mit. Beratungsgesellschaften jagen nach Auftr�gen, versuchen, die Berliner Republik zu gestalten, und leben dabei nicht schlecht. Insgesamt hat Leyendecker aber doch eher Verst�ndnis f�r Gerster und Schiphorst, denn die Bundesanstalt f�r Arbeit sei schon eine ganz schrecklich b�rokratische Beh�rde und brauche etwas Pepp.